Indiana Tribüne, Volume 27, Number 286, Indianapolis, Marion County, 25 July 1904 — Page 7
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Roman von Ludwig Habicht.
sZortsedung Trotz der Verschiedenheit des Alters entwickelte sich jetzt zwischen den beiden Männern ein wahrhaft freundschaftliches Verhältnis sie mochten auf dem Grunde ihrer Seelen etwas Wahlverwandtes fühlen. Auch Arnulf konnte so wenig wie der Graf in seinen Anschauungen und in seinem ganzen Austreten den Aristokraten verleugnen. Sie hatten Beide den Instinkt des Herrsckens und es war um sie etwas gebreitet, das eine allzu vertrauliche Annäherung Untergebener Köllig ausschloß, und wenn auch Arnulf mit der alten Käthe eine Ausnahme machte, so kam doch bei allen Anderen der Adlige und der an scharfes Befehlen gewöhnte Officier zum Vorschein. Beide waren trotzdem klug genug, die Schwächen und Fehler ihrer Standesgenossen zu erkennen, und der Graf besonders war es gewöhnt, in vertrauten Kreisen sich darüber lustig zu machen. In der Unterhaltung mii den Seinen schonte er Niemand, nicht einmal sich selbst. Gras Bredow geyorle mcyt zu Den verbohrten Leuten, denen es unmöglich ist, ihre Zeit zu begreifen, er glaubte, ohne alle Vorurtheile zu sein, denn er hatte sich stets bemüht, mit scharfen, klugen Augen Welt und Dinge aufzufassen; aber sobald er sich einmal in irgend eine Vorstellung verrannt hatte, toai er davon nicht mehr zurückzubringen; das hatte er in der unseligen Duellsache bewiesen; aber nun er einmal die Fesseln abgestreift, die seinen Geist so lange eingeschnürt, gab er sich auch rückhaltlos den Gefühlen hin, die in ihm erwacht waren, und er zeigte gegen die Ehrenfels eine Herzlichkeit, die am besten bewies, daß er das Unrecht wieder gut machen wollte, das er ihnen all' die Jahre über in seiner Verblendung zugefügt hatte. Gegen Arnulf kehrte er niemals den Alles bes-
ser wissenden, erfahrenen alterenMann heraus; auch mit Edwin wußte er in ein ganz freundschaftliches Vcrhgltniß zu kommen, ob sie Beide wohl die Grundverschiedenheit ihres Wesens herausfühlen mochten, die einen innigen Verkehr so ziemlich ausschloß, und gegen die verwittwete Baronin zeigte er sich ron einer Aufmerksamkeit und Ritterlichke't, die gerade bei diesem sonst so schroffen Manne äußer angenehm berühren mußte. Jrmgard vor Allem war sein erklärter Liebling, und wenn er ihrer ansichtig wurde, dann glättete sich plötzlich sein Gesicht, selbst wenn es kurz vorher noch so finster darein geschaut hatte. War es der große Gegensatz, der ihn besonders anzog? Sein ganzes Wesen war auf den Kampf gestellt, die schärfsten Gegensätze machten sich bei ihm geltend, und deshalb erschien er fast Allen so unbere chenbar; er war außerordentlich sparsam, hiels die Pfennige zu Rathe und dann konnte er doch wieder, wo es seine Ehre galt, mit der größten' Noblesse jede Summe hingeben. Gewöhnlich zeigte er sich kalt und verschlossen, und zu Zeiten war er warmherzig und von hinreißender Beredtsamkeit; er stieß durch seine Härte und Rücksichtslosigkeit so Viele ab, die mit ihm in Berührung kamen, und dann brach doch zuweilen eine Weichheit des Empsindens hervor, die Jeden überraschen mußte, weil man sie am wenigsten bei diesem Manne gesucht hätte. Graf Bredow war nicht wenig adelsstolz und hinwiederum sehr unzufrieden mit Vielen seiner Standesgenossen, die aus verrotteten Vorurtheilen gar nicht herauskamen, und er sagte Jedem, der es hören wollte: Der Adlige von heut' darf sich nicht dem Müßiggang überlassen; er muß in den Wettkampf miteintreten, der sich jetzt auf allen Ecken und Enden entsponnen hat, und auch in unseren Tagen wieder die Führerrolle zu übernehmen suchen. Wer nicht hauszuhalten und sein Gut zu bewirthschaften versteht, treibt der Verarmung zu, und ein armer Adel ist das Traurigste, was ich mir denken kann!" Solch' bittere Wahrheiten, mit denen Graf Bredow bei passender Gelegenheit nicht zurückhielt, waren wenig geeignet, ihm bei den Nachbarn viele Freunde zu erwerben, und der Graf wußte es auch, wie man über ihn dachte, wie wunderlich, ja, wie unverständlich er den meisten erschien; aber es.gewährte ihm einen eigenen Reiz, den Leuten Räthsel ku,zueoen; oesyalv wuroe er aucy o gefürchtet, weil Niemand wußte, wie er eigentlich mit ihm dran war, und
ihn vielleicht gerade dann ein Ausbruch
des graflichen Zornes traf, wenn er es am allerwenigsten erwartet hatte. Kein Sturm, auch nicht der Sturm des Unwillens, den sein rücksichtsloses Auftre-
ten nur zu oft erzeugte, vermochte ihn zu beugen. Ich gehöre nicht zu den Weiden, sondern zu den Eichen!" sagte er dann selbst lachend, wenn er die
Urtheile vernahm, die man über ihn
gczallt hatte.
- In dem Grafen gährte und tobte
eine Kraft, der selbst ein viel größerer
22iikun-Z!reis. als ihm zu Theil ge
.oorden, noch nicht genügt hätte, und gerade dieser Ueb'erschuß an Kraft . äußerte sich für seine Umgebung nicht
immer in den angenehmsten Formen. Bisher hatte es nur seine zweite Gattin
m ihrer ausweichenden Weise verstan
den, mit dieser Titanennatur so vorr . t. r k
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Zerwiirfniß möglich wurde. Es war
allgemein bekannt, daß Gras Areoow mit seiner zweiten Gemahlin wahrhaft
alücklich und friedlich lebte, während
man sehr gut wußte, daß es in der er-
sten Ehe an heftigen Stürmen Nicht ge
fehlt hatte. i
Bei Hrmaard war Alles Harmonie:
ihre reine Seele athmete den tiefsten
Frieden aus, und wer in ihre vlaijt
kam. der suhlte sich berührt wie e-
mand, der aus dem kalten Norden plötzlich in den sonnigen Süden dersetzt wird. Schon in diese Augen zu
sehen, aus denen so viel Unschuld, o
viel reine Theilnahme m für die ganze Menschheit schimmerte', war für den
oft leidenschaftlich erregten Mann ein Eenuk. und es überkam ibn dann ein
Frieden, den er nicht einmal im Verkehr
mit seiner klugen, stets ausbiegenden Frau gefunden hatte. Er mochte es wobl beimlick fühlen, dan diese ftnrn
nur gelernt hatte, ihm gegenüber sich zu
überwinden und seme Meinung stets zu der ihriaen zu machen, und eigen-
thümlich genug, er empfand zuweilen
einen helmlichen Unwillen darüber, datz sie ihm stets Recht gab, ihm niemals widersprach, soaar wenn er Dinae be
Haupte! hatte, die er im nächsten Augen.
blick selbst Nickt mehr für ganz richtig
bielt. Wie anders Jrmaard! Der
Graf aewabrte wobl. daß sie sich auch
ihm gegenüber niemals einen Zwang
auferlegte, daß sie me bestreot war, durch ein zustimmendes Wort seine Gunst zu erwerben: sie hielt niemals mit ihrer Meinung zurück, selbst wenn
sie von der des Grasen zuweilen ad-
wich, und der sonst so herrschsüchtige
Mann fühlte sich davon nicht verletzt.
im Gegentheil, er munterte sie stets auf, offen zu sagen, was sie dachte, und er hörte auf jedes ihrer Worte so achtsam,
als wollte er sich gern von ihr überzeu-
gen lassen.
s batte sich bald zwischen den Bei
den ein so inniges Verhältniß entsponnen, das bei diesen so grundverschiedenen Naturen Niemand für möglich gehalten hätte. Sein Wort: 2u bist fortan meine Tochter " war zur Wahrheit geworden; ja, noch mehr, in
seiner ruckhaltlosen Welse machte der Graf kein Sehl daraus, wie sehr Jrm-
gard seine vollste Zuneigung gewonnen
habe un? sein Liebling geworden sei. Es b'ärmte ihn wenia. daß seine Gat-
tin und seine eiaene Tochter diese große
Bevorzugung der Braut seines Sohnes . ... . - z;ici i 3
wie eine raniung juqicn lunuic, c
war nun einmal nicht seine Art, aus seinem Herzen eine Mördergrube zu
machen", wie er selbst sagte, und wenn
Jrmgard, deren feines Empfinden da-
durch etwas beunruhigt wurde, la-
chelnd und abwehrend sagte: Du ver-
wohnst mich, du darfst Nicht eine so übertrieben aünstiqe Meinung von mir
haben," dann erklärte er desto eifriger und entschiedener: Was willst du?
Ich mochte den sehen, der dich mcht uev
gewänne, und ich begreise nun tturt, warum er von dir nicht loslassen woll-
te, selbst auf die Gefahr meines Vaterlicken Zornes bin. und der ist wahrhas-
iig zu fürchten," setzte er in ehrlicher Selbsterkenntniß hinzu.
Auch die Gräfin zelgte gegen lhre
zukünftige Schwiegertochter jene liebenswürdiae Freundlichkeit, die ihr
nun einmal eigenthümlich blieb, und sie
verrieth mcht die mindeste Empsindlichkeit darüber, daß ihr Gatte jetzt gar so sehr von der Braut seines Sohnes
eingenommen war und sie selbst dar-
über fast m den Hintergrund georangl wurde. Entbehrte auch der Verkehr
mit der Gräfin der rechten Herzlichkeit
und Warme, wie Jrmgard recyt gut
herausfühlte, so war zwischen lbr und
Waltrud eine desto aufrichtigere, ehrliehe Freundschaft entstanden, obwohl sie Beide gerade durch diesen traulichen Verkehr sich immer mehr bewußt wurden. wie arundverschieden sie waren.
In ihrer großherzigen, vornehmen Ge
sinnung empfand Grasln USaitruo nicht den mindesten Neid darüber, daß ibr Vater für Jrmaard jetzt eine Liebe
und Zärtlichkeit an den Tag legte, wie
er sie kaum t sur seine Ninder gezeigt hatte; im Gegentheil, sie gönnte ihrer künftigen Schwägerin dies Glück, und sie sagte sich selbst, daß diese auch wirklich all' die Theilnahme verdiene. Es ist ein sonniges Geschöpf," äußerte
sie zu ihrem Bruder; sie erinnert mich . . .. 1' ji ev :: er o
immer an einen geiuiajai miung tag," und Kurt war nicht wenig glückliw über dies Lob seiner Schwester, die sonst an alle Menschen und Dinge ei, nen sehr strenaen Maßstab anleaie. Die jüngste Tochter des Grasen ließ dagegen nur zu oft durchblicken, wie sehr sie Jrmgard grolle, daß diese sich so ganz das Herz und die Gunst des Vaters erobert hatte. Sie war ja bisher sein erklärter Liebling gewesen, jetzt fühlte st sich plötzlich in den Hintergrund gedrängt, und ihr fünfzehnjähriges Herz erfüllte ein förmlicher Haß, den sie auch offen zur Schau gelegt haben würde, wenn nicht die kluge Mutter aW ihre Ueberredungskunst angewendet hätte, um der 'Kleinen Vernunft zu predigen. Du kennst deinen Vater noch nicht; sobald du ihm zeigst, datz du dich durch seine große Bevorzugung Jrmgards gekränkt fühlst, machst du es nur noch schlimmer." Aber. Mutter! Soll ich mich nicht
gekränkt fühlen, daß er mit Jrmgard ein solches Aufhebens macht und sich um mich kaum noch kümmert? Er hat sich aeaen seine eiaeneu Kinder niemals
so nett und lieb gezeigt, wie gegen l rt t m V . i
Diese runve: icy vm lies empor: darüber, und ich werde es ihm auch
elnmal offen sagen.
lim Himmelswillen, thu das
nicht!" rief die. Mutter ganz erschrocken aus. Im Gegentheil, mache es wie ich, verrathe nicht im Mindesten, daß du dich gekränkt fühlst."
Das sollte mir gerade fehlen! rief
Adelinde erbittert aus. Wenn ich einmal hasse, dann hasse ich von Grund meines Herzens, und ich hasse Jrm-gard!"
Dos Gesicht des jungen Madchens
erhielt jetzt einen Ausdruck, der stark an ihren Vater erinnerte.
Nein, nein, solche Gefühle darfst du
gar nicht in dir aufkommen lassen und noch weniger verrathen," ermähnte die Mutter; sobald du den Vater nur das Mindeste davon merken läßt, wäre er außer sich darüber. Und wozu diese Aufregungen, die mir ein Gräuel sind? Ich liebe den Frieden über Alles!" und die weichen, freundlichen Züge der noch immer hübschen Frau verriethen, wie sehr dies Wort aus ihrem Innersten kam. .
Ja, du giebst nach, selbst wenn du
recht gut weißt, daß du im Recht bist.
Ich habe dich oft bewundert. Der Va-
ter weiß gar mcht, was es für eine Frau heißt, des lieben Friedens willen immer unterzuducken! Ich könnte es nicht!- setzte Adelinde mit großer Entschiedenhcit hinzu.
Du wirst es schon noch lernen,
entgegnete die Mutter mit jenem ruhigen Lächeln, das ihr eigenthümlich war
und mit dem sie manchen Sturm beschwichtigt hatte.
Nimmermehr!" rief Adelinde lei-
denschaftlich aus. .Mein Mann muß
einmal ganz anders sein, sonst givt es
Krieg, und dann soll er wohl sehen, daß ich nicht nachgebe."
Das war jetzt mcht mehr ein sechs-
zehnjähriges, unreifes Mädchen, daß solche Anschauungen zum Besten gab in diesem unregelmäßigenAntlitz malte
sich me ganze Willenskraft eines Wer-
bes, das sich ein Ziel gestellt hat und
überzeugt ist, daß es dasselbe auch
einmal erreichen wird.
Die Gräfin blickte ganz verwundert
in das erregte Gesicht ihrer Tochter.
Wohl war sie schon längst zur Erkennt-
niß gekommen, daß Adellnde ganz anders veranlagt sei, als sie selbst; aber noch niemals war es ihr so deutlich geworden, wie eben jetzt. Sie hatte sich stets bemüht, den harten, trotzigen Sinn des Kindes, den es vom Vater geerbt, ein wenig milder und sanfter zu
llimmen, uno nun gewahrte sie, wie wenig die Kleine geneigt schien, ihrem
Beispiel zu folgen; sie zeigte heute mehr
als je, daß sie nicht dem Taubenge-
schlecht angehorte, die starken Schwin-
gen und Krallen des Raubvogels ka-
men deutlich zum Vorschein. Wie alle Mütter, hatte die Gräfin schon davon geträumt, Adelinde als
glückliche Gattin zu sehen, und sie stieß, jetzt unwillkürlich einen Seufzer auö,
wenn sie daran dachte, welche Sturme ihr armes, thörichtes Kind erwarten mußte, sobald es einmal über den künftigen Gatten die ausschließliche Herrschaft gewinnen wollte. Hatte Adelinde die Gedanken ihrer Mutter errathen? Ihr Gesicht nahm wieder einen ruhigeren Ausdruck an und sich schmeichelnd an die Brust der Gräfin lehnend, sagte sie: Hab' keine Sorge um mich. Ich werde mir schon meinen Mann erziehen. Gib Acht! Das krieg ich fertig!" und sie stieß ein übermüthiges Lachen aus. Meinst du, daß der junge Sollbach " Ach, den möcht ich gar nicht," unterbrach sie die Tochter; jetzt war sie wieder der sechzehnjährige Backfisch und sie fuhr mit großer Lebhaftigkeit fort: Ich fchwatze Xvofyl gern mit ihm über Politik und Socialdemokratie, aber er ist mir nicht männlich genug." Er ist ein sehr guter, liebenswürdiger Mensch," bemerkte die Mutter, die sich bereits mit der Hoffnung trug, Adelinde und Norbert könnten einmal ein Paar werden, seitdem sich zwischen ihrem Gatten und den Sollbachs ein ganz angenehmer Verkehr hergestellt hatte, der in der letzten Zeit noch lebhafter geworden war, da die Verlozung Edwins mit Else auch diese Leute ibnen nock näber aebrack! batte. rch, liebenswürdig, oas genugr mir nicht!" riefAdelinde naserümpfend aus. Wem ich einmal mein Herz schenken soll, der muß ein Mann sein!" Und mit diesen Worten eilte sie hinaus. Die Gräfin sah ihrer Tochter mit Kümmerniß nach. Welche Illusionen macht sich das Kind!" dachte sie vor sich hin. Ein Mann, wie sie ihn . sich träumt, der duckt ja eben nicht unter, der will herrschen! Nun, hoffentlich findet sich für sie der Rechte!" Und mit dieser tröstlichen Vorstellung suchte sie das Gleichgewicht ihrer Seele wiederzufinden, das ihr beinahe durch diese' Unterhaltung verloren gegangen war. 18. Herr von Sollbach hatte bald nach seiner Uebersicdelung allen Nachbarn der Umgegend den schuldigen Antrittsbesuch gemackt, um mit ihnen ein freundschaftliches Verhältniß anzubahnen. Der weltgewandte Makn hatte sofort erkannt, daß nur mit den Bredows und den Ehrenfels ein angenehmes Verhältniß möglich sei; die andern waren reich gewordene ungebildete Bauern. Die Ehrenfels besonders hatten sich sehr entgegenkommend gezeigt. Hier in dieser Menschenwüste mochte es ihnen doch lieb sein, endlich einmal mit Leuten in Berührung zu kommen, die ein wenig geistige Anregung mitbrachten.
Das Leben auf dem Lande hat ja ohne-
hin etwas einschläferndes, und hätten
Baron Ehrenfels : und seine Gattin
nicht einen reichen inneren Fond mitgebracht, sie würden beide längst in diesem weltverlorenen Winkel völlig ver-
säuert sein, da der einzige Mann, der
ihnen eine passende Gesellschaft geboten hättet Graf Bredow, sich so hartnäckig,
ja. geradezu feindselig von ihnen fern
bielt.
Der Varon war wohl mit der Zeit
und durch den Zwana der Verhältnisse
beinahe zum nüchternen Landjunker zusammengeschrumpft; aber seine Gattin hatte sich wenigstens durch das Le-
sen von Zeitschriften und Buchern mit
der Außenwelt in Verbindung zu hal-
ten und die nothige Geistesfrische zu
bewahren gewußt ; sie hielt sorgfältig Wacht, daß ihr das Schöne und Bedeutende, was unsere Litteratur und Kunst hervorgebracht, nicht 'völlig entging; aber doch war sie jetzt hoch er-
freut, mit Leuten m Berührung zu kommen, die durch ihren zahrelangen
Aufenthalt in der Hauptstadt, sich un-
mittelbar rn dieser geistigen Strömung befunden und auch daraus wirklich
einen reichen Gewinn für das Leben gezogen hatten.
Die kleine Else brachte besonders
durch ihre Frische und Beweglichkeit viel Unterhaltung mit. Sie hatte als echtes Berliner Kind alles gesehen, jeder ersten Aufführung eines Theater-
stuckes beigewohnt, m dem Hause der Eltern waren Abgeordnete, Künstler
und Schriftsteller aus- und eingegangen, und Elschen wußte in ihrer
kecken und doch nicht unliebenswürdi-
gen Weise über alles, was sie gesehen
und gehört, so hübsch zu plaudern, daß
die Ehrenfels und besonders die Baronin an der Kleinen viel Gefallen fan-den.
Wenn dann die S'öbne auf Urlaub
kamen, war der Verkehr mit den Sollbachs noch lebhafter geworden. Die jungen Officiere hatten daheim, außer dem Vergnügen der Jagd, wenig oder gar keine Unterhaltung, . da war ih
nen das Sollbach'sche Haus sehr willkommen, um so mehr, als sie in dem
Sohne des Herrn von Sollbach einen
Kameraden fanden. Norbert hatte
freilich nur sein Jahr abgedient, um sich jetzt der Landwirthschaft zu widmen; aber die jungen Leute schlössen sich doch rasch aneinander an und besonders zwischen Edwin und dem jungen Sollbach entstand bald ein wahrhaft freundschaftliches Verhältniß.
Edwin war ohnehin eine sehr eindrucks-
fähige Natur, die sich leicht gefangen gab; deshalb war es auch Hedwig so rasch geglückt, den damals von Lebenslust übersprudelnden jungen Fähnrich für sich zu gewinnen; das leidenschaftliche Mädchen, in dessen Kopfe so viel romantische Vorstellungen und Phantasten herumwirbelten, wußte ihn mit sich fortzureißen. Mit der Schwester seines Freundes hatte Edwin wohl gern und viel geplaudert, denn die Kleine verstand dies prächtig; er hatte sich jedoch dabei nicht viel gedacht, sie war noch ein Backfisch und sein Herz wurde von Hedwig in Beschlag genommen; da kam der Krieg, der auch in Edwin eine , große Wandlung hervorbrachte; er wußte jetzt, daß es nach glücklicher Heimkehr seine Pflicht sei, der Liebelei mit der Förstersnichte ein Ende zu machen, und die wunderbare Rettung trieb jetzt sein leicht erregbares Herz zu derjenigen, der er es zu verdanken hatte.daß er aus dem Feldzug glücklich htimkehrm konnte. Norbert tun Sollbach war als Reserveofficier einberufen worden und hatte für das Vaterland sein ' Blut vergossen; wenn er auch nicht, wie der arme Kurt, als elender Krüppel heimgekehrt war, so mußte er jetzt noch immer mit dem Krückstock herumwandern. Edwin fühlte sich dann stets in Gegenwart seiner beiden Kriegskameraden ein wenig gedrückt; er war jetzt auch ein Invalide; aber er hatte nicht wie diese immerhin Beneidenswerthen in der Schlacht seine Verwundung erhalten, sondern von diesem tollen Geschöpf und wie er auch gern mit leichtem, frohem Sinn über alles hinwegsprang, daS wurmte ihn doch, daran durfte er gar nicht denken, deshalb wich er auch oft der Einladung des Grafen aus, , er kam sich stets im Zusammensein mit seinen beiden künftigen Schwägern ein wenig lächerlich vor. Graf Bredow hatte wohl Herrn von Sollbach bei seinem ersten Besuch mit ziemlich kühler Höflichkeit empfangen; aber bald trat er doch aus seiner vornehmen Zurückhaltung ein wenig heraus. Dieser reich gewordene Krämer, wie er ihn anfangs heimlich genannt hatte, erwies sich schließlich als ganz angenehmer Mensch; auch an seiner Familie war nicht das mindeste auszusetzen. Als nun Herr von Sollbach vollends bei seinem zweiten Besuch mit der Bitte um Belehrung über landwirthschaftliche Dinge hervorrückte, denn er sei darin so unerfahren wie ein neugeborenes Kind und auf seine Leute könne man sich doch nicht völlig verlassen, da hatte er rasch die Gunst des siolzenGrafen erworben, denn derVankier lauschte auf jedes seiner Worte so achtsam, als seien sie Goldes werth.
(Fortsetzung folgt.) Schrecklicher Gedanke. Studiosus: Jch bin ganz kaput! Jetzt spiel' ich über fünf Stunden ununterbrochen Billiard ... Herr Gott, wenn ich so lange arbeiten müßte!"
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