Indiana Tribüne, Volume 27, Number 286, Indianapolis, Marion County, 25 July 1904 — Page 3
Jndlana Tribüne, 23. Juli lg. ( 3
lutiger Bei New Chwang mit japamschm
Freigabe des Hamburger Dampfers Scandia". Rußland verbietet weitere Kaperungcn durch freiwillige Flotte. Noch ein britischer Dampfer beschlagnahmt. Vladivostock Kreuzer. Aus Tiöct.
Ostasten. EineSchlacht beiTaTche Kiao. New Chwang, 24. Juli. In der Nähe don Ta Tche Kiao fand a.e stern, Samstag, eine Schlacht statt, wie man glaubt, von vielen Verlusten be. gleitet. Viele Bewobner New Chwang's sahen den Verlauf des Kampfes' von den Dächern ihrer Häuser aus. Der Tag war klär und der Rauch von den Geschützen deutlich sichtbar. Freigabe der Scandia. P o r t S a i d, 24. Juli. Der Ham bürg America Dampfer Scandia.ist freigegeben. Die russische Mannschaft landete da? Schiff hier und fährt mit dem nächsten Postboot nach Odessa. Die Scandia. erwartet Anweisungen von ihren Eigenthümern. Vorgänge bei der Kape r u n g. Berlin, 24. Juli. Nach einer Petersburger Depesche sandte Rußland heute in Erwiderung des deutschen Protestes Befehle nach Port Said, die Scandia unverzüglich freizulassen. Noch dem Bericht des dortigen Eonsuls in Suez traf der Smolensk den Dampfer Scandia bei der Insel Perim, Straße von Bab El Mendeb und kaperte ihn, trotzdem der Capitän an Hand der Ladungspapiere das Fehlen von Contrebande nachwies. Zur Zeit der,' Absenkung des Berichts waren nur 5 russische Offiziere und Seeleute an Bord de? Scandia und die Russen beabsichfigten , die Passagiere und einen Theil der deutfchen Bemannung in Port Said zu landen. Japaner erfolgreich. T i e n t s i e n, 24. 'Juli. Einem Bericht zufolge fand die SamstagSchlacht bei Ta Hsui Tong, 6 Meilen von New Chwang, statt; die Japaner siegten. Viele chinesische Flüchtlinge , aus Port Arthur melden, in Tah Ting Chan seien 9 japanische Kanonenboote aus Port Arthur angelangt. I' apaner nähern sich New Chwang. T i e n t s i n , 24. Juli. Außerhalb von New Chwang wüthet eine Schlacht. Von den Hausdächern daselbst läßt sich der Kampf beobachten. In dem gestrigen Kampfe werden die russischen Verluste aus 700 angegeben. ,Die Japaner nähern sich lang sam New Chwang. Während der heutigen und gestrigen Kämpfe herrschte in jenem Orte große Erregung. Stellungen der Jap a n e r. Liao Yang, 22. Juli, (derspätet.) Die japanischen Truppen im Osten stehen bei den Pässen Liao Kho. Fenschui und Sigowlin, die Südarmee bei Singon in naher Fühlung und offenbar die Ereignisse abwartend. Jinkom ist frei von japanischen Trup pen, die keinen Versuch zur Einnahme t machten. Scharfe Maßregeln. Söul, 23. Juli (verspätet). Die Japaner verkündeten durch Anschläge, daß sie in allen Angelegenheiten, welche japanische Interessen berühren, Polizeigewalt au-üben werden. Anti-japa-nische Versammlungen find verboten. Diese Vorgehen ist die Folge des raschen Anwachsens der japan.-feind-lichcn Propaganda. Fremde werden durch die neue Verordnung nicht betroffen. Entscheidung betreffs freiwilliger Flotte. St. Petersburg, 24. Juli. Bei dem gestrigen Ministerrath, an dem Graf LamSdorff, Chef der Admiral! tätS-Abtheilung Avellan und sonstige hohe Flotten - Offiziere theilnahmen, führte Großfürst AlexiS den Vorsitz. . Das Resultat der Conferenz legt die Haltung Rußlands zur freiwilligen Flotte völlig klar. Die Versammlung erkennt die Behauptungen in der britischen Note betreffs des Status der Schiffe so weit an, daß beschlossen wurde, auf das Recht der Durchsuchung ' zu verzichten. ,
Kamf
angcVlilycm Erfolge der Truppen. Nach langer Berathung entschied, man sich dahin, daß der Rechtsstand der freiwilligen Flotte nach dem Völkerrecht nicht genügend klargestellt fei, UM Weitere Durchsuchungen und Kaperun gen rathsam erscheinen zu lassen. Daher solle Rußland im Interesse friedlicher Beziehungen zu den Mächten die ! der freiwilligen Flotte in dieser Richtung ertheilten Vollmachten zurückziehen. V l a d i v o st o ck - K r e u z r. Tokio, 24. Juli. Das russische Vladivostock-Geschwader hat den gestern an der Küste der Provinz Jzu gekaperten Handelsdampfer in den Grund gebohrt. Name und Nationalität des Schiffes sind unbekannt, ebenso das Geschick seiner Mannschaft. Leute am Ufer sahen das Handelsschiff der Flotte folgen. Dann wurde auf dasselbe geschaffen, worauf es verschwand. jDie' Vladivostock - Schiffe wurden zuletzt heute Vormittag 11 Uhr bei Cap Jro, Provinz Jzu, westlich steuernd gemeldet. Russisch-englische Krise gehoben. St. Petersburg, 24. Juli. Die Affociirte Presse kann auf Grund bester Autorität mittheilen, daß die Regierungen Rußlands und Englands für den Rechtsstand der Dampfer der russischen Freiwilligen-Jlotte im Ro then Meere und die Kaperung britischer Schiffe eine gegenseitig . befriedigende SchlichtungZ'Basis gefunden haben. Nur einige untergeordnete Punkte bleiben zu erledigen und man erwartet keine weiteren Schwierigkeiten. Große Anerkennung für diese glückliche Lösung gebührt dem auswärtigen Minister LamSdorff, der in ruhigem, versöhnlichem Geiste, eines großen Staatsmannes würdig, handelte. Auch die Mäßigung und das würdige Ver halten des britischen BotschasterS Sir Charles Hardinge erntet Lob. Die Verhandlungen wurden während der ganzen Krise in versöhnlichem Geiste geführt und die Erzählung bei Ueber reichung des britischen Protestes durch Sir Charles sei eS am 20. im auswär tigen Amt zu einer stürmischen Scene gekommen, entbehrt jeder Begründung. Graf Lamsdorff, der selten ausgeht, sprach gestern Nacht auf der britischen Botschaft vor und converfirte eine ganze Stunde lang mit dem Botschafter. - Dardanellen gesperrt. C o n st a n t i n o p e l, 24. Juli. In Folge der' Proteste des britischen Botschafters erließ der auswärtige Mi nister Tewfik Pascha die nöthigen AnWeisungen, um jeden Versuch, den Dampfer Malacca oder die russischen Freiwilligen Schiffe SmolenSk und St. Petersburg durch die Dardanellen in' Schwarze Meer zu bringen, zu hindern. RussischeSpione inAntw e r p e n. Brüssel, 24. Juli. Wie hier in Erfahrung gebracht ist, nnterhält die russische Regierung in Antwerpen eine große Anzahl Geheim Agenten, welche die , Verladungen der nach Ostasien gehenden Dampfer i sorgfältig überwachen. ES heißt daß die Beschlagnähme des deutschen Dampfers Prinz Heinrich" und des britischen Dampfers Malacca" auf die Thätigkeit dieser Spione zurückzuführen sei. Die Japaner bei S a i m a t 8 z a. Sintzintin (70 Me.len östlich von Mulden), 24. Juli. Nach Mittheilungen von Chinesen sind 30.000 Japaner mit 30 Feldgeschützen und 200 Berg-Geschützen in Saimatza angelangt und besetzten diesen Ort, Jzyanchan und Saccbear. Am 22. fand ein Vorposten-Gefecht statt, wobei die Russen, nachdem die Japaner Verstärkungen erhalten, sich zurückzogen. Nach chinesischen Spähern schaffen siJ' die Japaner in Korea nahe beim Jalu Flusse eine Base und eS fanden letzter Tage große Bewegungen von den Heeren Kuroki'S und Oku'S .nach Antung am Jalu statt. Die Regenzeit wird anscheinlich diesmal nur von kurzer Dauer sein.
D i e M a l a c c a". St. Petersburg, 24. Juli. Die Freigabe des Peninsular & Orien ta! Dampfers Malacca" soll in Algier erfolgen. Von Fanatikern ermor d e t. S h a n g h a i , 24. Juli. Aus Jchang wird ein Gerücht gemeldet, wonach der französische Bischof, ein Prie ster und zwei einheimische Christen in Sichuan ermordet, ein anderer Priester als Gefangener fortgeschleppt, und drei Kapellen eingeäschert worden sein sollen; 200 Soldaten sind von Jchang nach Sichuan abgesandt worden. Ein Halt fürdie freiwil ligenDampfer. St. Petersburg. 24. Juli. Die Dampfer der freiwilligen Flotte St. Petersburg und Smolensk erhielten Befehl, weitere Belästigungen der neutralen Schiffahrt einzustellen. Die Schiffe werden vielleicht der OstSee Flotte zugetheilt und durch regelrechte Kriegsschiffe ersetzt. Noch ein britisches Schiff gekapert. P o r t S a i d, 24. Juli. Eine Nachricht besagt, Dampfer SmolenSk habe 3 blinde Schüsse auf den britischen Dampfer Ardova mit Kohlen und Explosiv'Stoffen beladen, abgegeben. Als das Schiff nicht hielt, folgten 2 scharfe SchUffe; die Ardova wurde dann gekapert und ihre Mannschaft nach dem Smolensk gebracht. Das Schiff kommt nach Suez. Ardova, am 15. Juni aus New Z)ork nach Manila, traf hier am 11. ein. Großbritannien. Katholische Feier. A r m a g h, Irland, 24. Juli. -Eine ungeheuere Versammlung aus allen Theilen Irlands hatte sich heute eingefunden, um bei der Feier der Wie-der-röffnung derCathedrale nach vier jährigen Schließung wegen Umbaues zugegen zu sein. Cardinal Vannutelli als Abgesandter des Papstes Pius, viele irländische und fremde Prälaten, John Redmond, John Dillon u. A. hatten sich eingefunden. Der Feier folgten einige Unruhen. Schüsse wurden gewechselt und die Po lizei mit Steinen geworfen. Tibet. Vormarsch nach Lhassa. N a g a r t s e, 20. Juli (verspätet). Die Friedens-Delegaten von Tibet trafen die britische Mission und Versprachen für den Frieden zu sorgen, falls die Engländer nach Gyangtse zurückkehren. Oberst Voüng husband erwiderte, er könne nur in Lhassa Frieden schließen, wolle aber auf dem Marsche dorthin über die Bedingungen sprechen. Oesterreich'Ungarn. K ohn 's Nachfolger. Wien, 24. Juli. Die Befürchtungen, welchen die Deutschen von Mäh ren anläßlich der Ernennung des tschechischen Bischofs Dr. Bauer von Brünn zum Fürsterzdifchof von Olmütz an Stelle des zurückgetretenen Dr. Kohn Ausdruck gaben, waren, wie sich jetzt herausstellt, nur zu berechtigt. Der neue Fürsterzbischof hat allem Anschein nach die antideutsche Politik, welche so wesentlich dazu beiträgt, die Gegensätze zwischen Deutschen und Tschechen zu verschärfen, zu seiner Hauptaufgabe gemacht. Wie aus Olmütz gemeldet wird, hat Dr. Bauer allen erzbischöflichen Aemtern die Weisung ertheilt, in Zukunft nur in der tschechischen Sprache zu amtiren. Mit diesem Erlaß ist, was die Deutschen von Dr. Bauer, der trotz seines deutschen Namens ein Tscheche ist, befürchtet haben, eingetreten. Es gährt gewaltig unter den Deutschen Mährens, und im Hinblick auf die Thatsache, daß das deutsche Element unter der Bevölkerung Mährens überwiegt, dürften weitere ' schwere Conflikte unvermeidlich sein. Italien. Felconio nach Manila. Rom, 24. Juli. Nach dem Giornale d'Jtalia wird voraussichtlich Mon siznor Falconio, der apostolische Delegat in America, als Nachfolger des ver. ftorbenen Mgr. Guidi nach Manila Versetzt. Rom. Nach der Tribuna reichte der Staats'Sekretär Merry del Val sein Abschiedsgesuch ein, dessen Annähme aber der Papst ablehnte.
Copenhagen. Die Krankheit von König Christian ist nicht ernsthaft. Er reiste heute nach Copenhagen.
Zuschauer geschoffen.
Kampf zwischen Tiger und Stier führte zu wiid.r Panik. San Sebastian, Spanien, 24. Juli. In der Stierkampf-Arena kam es heute zu einer sensationellen Scene. Als der Kampf zwischen einem Stier und Tiger beginnen sollte, brachen beide Thiere los. Die Angestellten schössen auf die Thiere und verwunde ten verschiedene Zuschauer, darunter den Marquis . Tedal, Vice-Präsident des Senats, Marquis Quijo . und einen französischen Reisenden. Deutschland. Kämpfe mit den HereroS. Berlin, 24. Juli. Neue blu. tige Kämpfe stehen in Deutfch.SüdwestAfrika bevor. Aus bestinformirter Quelle verlautet, daß General-Leut-nant v. Trotha, in dessen Händen die Leitung des FeldzugeS gegen die aufständischen HereroS liegt, dem Colonialamte auf telegraphischem Wege die Mittheilung zugehen ließ, daß er nun mehr zur Ergreifung der Offensive gezwungen sei, da ihm dieselben sonst entwischen würden. Daraus erhellt, daß die geplante Umzingelung der He reros mißlungen ist. Im Lichte dieser Depesche erscheint der Stand der Dinge in Südwestafrika wiederum eine höchst ernste und beunruhigende Wendung genommen zu ha ben. Die HereroS haben sich am Waterberge concentrirt, und schon seit längerer Zeit erwartete man, daß General v. Trotha dort den entscheidenden Schlog führen würde. Man sieht deö halb mit größter Spannung seinen weiteren Meldungen entgegen. Schiffsnaihrichten. Angekommen: Moville: Mongolian" von New York, für Glasgow zt. New Vor!: Arabicc" von Liverpool und Queenstown; La Bretagne" von Habre; Moltte von Hambürg, Dover und Boulogne; New York" von Southampton und Cherbourg. San Francisco: Nevadan" von Honolulu. . i . Abgefahren: London: Minnehaha" nach New Jork. Rotterdam: Ryndam" nach New York, über Boulogne. Queenstown: Umbria" (von Liver Pool) nach New tyoxt. Dover: Patricia" (von Hamburg) nach New Z)ork, über Boulogne. Southampton: Großer Kurfürst" (von Bremen) nach New York, über Cherbourg. Base-Vall. Die gestrigen Spiele refultirtm wie folgt : AmericanAssociation. Toledo, 24. Juli. Toledo .0 0001012000 15 Jnd'pls..0 0 0 0 2 2 0 0 0 0 0 04 Batterien Deering und Brown; Fisher, Allemang und Berry. Milwaukee, 24. Juli. Erstes Spiel. Milwaukee....000 1 0 00 1- 6 KansaSCity...00 1 002 0 04 7 Batterien Stricklett, McKay und Slattery; Durham und Butter. Zweites Spiel. Milwaukee ....10001001 3 KansaZ City. ..0001 001 001 Batterien Dougherty und Stottert; JSbell und Butler. St. Paul, 24. Juli. St. Paul.. ...30004000. 7 Minneapolis ..0 0005010 06 Batterien Perry, Stimme! und Starnagle; Chech und I. Sullivan. Louisville, 24. Juli. LouiSville 400301 00 8 Columbuö ....00023000 1 .6 Batterien Campbell und Schriver; Glendon und Jeager. Ncrtional-L i g a. . St. Louis, 24. Juli. Erstes Spiel. St. L ouiö ....01300042 10 Philadelphia ..0 1 001 2 1 00- 5 Zweites Spiel. St. Louis....0 0 1 00 00 0 1 2 Philadelphia... 0 01 0 0 0 0 3 04 Cincinnati, 24. Juli. Cincinnati.. ..600 1 01 30 11 Boston 10000010 24 Chicago, 24. Juli. Chicago ......1 0201 0000 4 New York.. . . .0 0001220 16
General Stösscls Stiefel.
General Stoffel, der Kommandant von Port Arthur, entstammt einer in Rußland seit mindestens 100 Jahren ansässigen Militärfamilie. Schon sein Großvater hatte es bis zum General gebracht. Eine tiefe Kenntniß sammt licher Feinheiten des Gamaschendienstes hatte ihm das Herz Alexanders I. gewonnen,der derartiges überaus schätzte. Ein russischer Zeitgenosse weiß ein lustiges Stücklein zu erzählen, worin der Namen dieses Mannes genannt wird. Im Jahre 1820 wurde eine der Sommerresidenzen des Kaisers von einem Mißgeschick heimgesucht. Eines Tages brach im Dachstuhle des Schlosfes von Zarskoe-Selo Feuer aus und drohte gefährliche Dimensionen anzunehmen.. Unverzüglich ließ der besorgte Monarch den Generalgouverneur von Petersburg davon benachrichtigen, und, stehe da! eine Stunde, nachdem er die Botschaft erhalten hatte, ist Graf Miloradowitsch mit einem auserlesenen Feuerwachkommando zur Stelle, obgleich Petersburg 15 Meilen von der Sommerresidenz entfernt ist. Muthig wirft er sich, allen voran, in die Flammen und bald ist man Herr des wüthenden Elements. Kein Wunder, daß der Kaiser mit den Leistungen der LöschMannschaft zufrieden war, so zufrieden, daß er ihren Chef, der in Rußland Brandmajor" genannt wird, auf Kr Stelle zum Staatsrath beförderte! Früh am nächsten Tage begab sich Miloradowitsch zum Zaren, um ordnungsgemäß über den Brand zu berichten. Elastischen Schrittes sah man den alten Haudegen dem Schloßportale nahen, auf dem Kopfe den Dreimaster mit wallendem Federbusch, zahllose Orden auf der Brust, mit einem Worte, jeder Zoll ein 'General, wie er fein soll und muß. Nur das Schuhzeug ließ an Eleganz zu wünschen übrig. Ter Graf hatte sich nämlich die grob gearbeiteten Stiefel eines Kollegen, des Generals Stössel, Kommandeurs des Kexholmschen Regiments Kaiser von Oesterreich" geborgt, weil seine eigenen, zierlichen Stiefeletten bei der Löscharbeit draufgegangen waren. Wie befindet sich der Kaiser?" ist die erste Frage, die der schlaue Höfling im Vorzimmer an den dienstthuenden Kammerdiener richtet. Seine Majestät sind sehr mißgestimmt," lautet die Antwort. Miloradowitsch spitzte die Ohren. Jm'Nu ist der Plan entworfen, wie er seinen Herrn und Gebieter erheitern könnte. Kaum ist der General vor den Selbstherrscher getreten, der in sich verfunken am Schreibtische sitzt und offenbar von "der schlechtesten Laune geplagt wird, als er plötzlich, gleichsam von einer unsichtbaren, unwiderstehlichen Gewalt getrieben, im strammsten Paradeschritte im Zimmer auf und ab zu marschiren beginnt.- Was bedeutet das?" fragt der erstaunte Zar. Verzeihen Majestät," antwortet im ernstesten Tone der Graf, ich habe die Stiefel des Generals Stössel angezogen und die wirken gleichsam wie Magnete. Bald muß ich den einen Fuß in die Höhe heben, bald den anderen. Anders als im Paradeschritte vermag ich mich nicht zü bewegen." Der Kaiser lachte lautauf. Er hatte begriffen. Die gute Laune war wieder da. Kurze Zeit darauf wurde der flotte General, dem der Kaiser schon einmal seine Schulden im Betrage von 300,000 Rubel bezahlt hatte, mit der Oderaufsicht über die Petersburger Theater betraut, ein Amt, das er mit Lut und Liebe verwaltete. Wnv nicht verblüffen lassen. Der kommandirende General, der wegen seiner Strenge besonders bei den jüngeren Offizieren nicht gerade sehr geliebt wird, kehrt von einer Inspektionsreise zurück und besteigt auf einer mittleren Eisenbahnstation seines Bezirkes ein Koupe erster Klasse. Kurz vor Abgang des Zuges springt ein elegant gekleideter junger Mann, dem man den Offizier in Civil auf zwei Kilometer Entfernung ansieht, in den Abtheil und setzt sich in die Ecke. Der Kommandirende raucht mit Vehagen eine Havanna, als plötzlich der Eivilist sich an ihn wendet: Verzeihen Sie, mein Herr, wenn ich Sie bitte, das Rauchen zu unterlassen, mir ist vom Arzt der Aufenthalt im-Tabaksqualm auf das Strengste verboten." Der Kommandirende ist wie vom Donner gerührt, er zieht die Augenbrauen kraus und wirft dem Civilisten, dessen Antlitz sich zu einem freundlichen Grinsen verzieht, einen Blick zu, den Jener von Besichtigungen her nur allzu gut kannte. . Nachdem der . General die Cigarre in den Aschbecher gelegt hat, sinnt er nach, wie es ihm möglich wäre, die Identität dieses kühnen Marsjüngcrs festzustellen. Ein sieghaftes Lächeln umspielt feine Lippen, er erhebt sich und sagt: Uebrigens erlauben Sie, daß ich mich Ihnen vorstelle, mein Name ist von F., ich bin der kommandirende General des . . . Armeekorps." Der Jüngling erhebt sich und entgegnet: Sehr angenehm aber auf der Reise mache ich grundsätzlich keine Bekanntfchaften!" - - AnsgesriiloNen. Friedensrichter: Sie haben den Herrn Kläger Temperenzler geschimpft!" H er? Bierhuber: Ich bitte, meine Betrunkenheit als mildernden Umstand gelten zu lassenim nüchternen Zustand wäre, dieses schreckliche Wort nicht über meine Lippen gekommen." ',
Im Dicnflc der Cyanlas.
Tke erste städtische Schwesternschule in Ver. li ttd ihre Wirksamkeit. Der Mangel an geschulten Pflegerinneu, der sich namentlich in dcnGroßstadten fühlbar macht, legte einzelnen deutschen Stadtverwaltungen den Gedanken nahe, eine besondere Schule zur Ausbildung eigener Schwestern für den städtischen Dienst zu gründen. Hambürg machte mit der Verwirklichung dieser Idee den Anfang; andere Städte, wie Leipzig, Magdeburg, Charlottenbürg u. fw. folgten seinem Beispiel, Vor Kurzem hat nun auch Berlin im städtischen Krankenhause Moabit eine Schwesternschule, die zugleich mit einem Schwesternheim verbunden ist. eröffnet. Die neue Lehranstalt begann ihre Kurse mit 15 Schülerinnen und einem Stab von 50 Schwestern. Es werden Mädchen und unabhängige Frauen nicht unter 20 und nicht über 33 Iahren, mit ausreichender Allgemeinbildung, unbescholtenem Nuf und guter Gesundheit Zugelassen. Die Schwe-sicr-fchast setzt sich aus Schülerinnen, P?obesches:ern,Schwestern und Oberschwestern zusammen. Die Prob?schwestern" sind bereits anderwärts in der Pflege ausgebildete' Damen, die NUN, behufs Aufnahme in di: Schwesternschaft, eine halbiährige Probezeit durchmachen müssen. Die Schwestern" dagegen haben Lehr- oder Probezeit hinter sich und sind endgiltig aufc:nommen. Als Oberin der Schwesternschaft berief der Magistrat eine der Oberschwestern des Montier KrankenHauses. Sie hat das gesammte Schwe-stern-sowie das Wärterinnen- und Dienstpersonal zu überwachen, die Ausbildung der Schwesternschaft zu leiten und für deren leibliches und geistiges Wohl zu sorgen. Die Schülerinnen werden in einjährigenKursenpraktisch und theoretisch in den ihrer harrenden großen Pflichtenkreis eingeführt. Ein reiches Uebungsfeld für die praktische Seite ihrer Berufsbildung bieten die verschiedenen Stationen des Moabiter Krankenhaufes, in denen alle Schülerinnen unter Anleitung von Schwestern und Oberschwestern erst als Hilfsarbeiter, allmälig aber als selbstständig pflegende Schwestern beschäftigt werden. Hand in Hand mit dieser praktischen Thätigkeit geht der theoretische Unterricht, den der älteste Assistenzarzt des KrankenHauses den Damen ertheilt. Das Lehrzimmer ist hierfür mit allen erforderlichen Präparaten, Ans chauungsmitteln, Modellen, Instrumenten u. s. w. ausgestattet. Das Unterrichtsjahr schließ mit einer Prüfung ab, deren Ergebniß in einem Zeugniß niedergelegt wird. Hat die Sckülerin das Examen bestanden, so ist sie, laut Kontrakt, verpflichtet, sich noch drei Jahre dem städtischen Dienst zu widmen. Den sämmtlichen Angehörigen der Schwesternschaft wird Kost, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Dienstkleidung, Wäschereinigung,ärztliche Behandlung, Arznei u. s. w. frei gewährt; außerdem auch ein Baargehalt, das bei den Sck'ilerinnen nach Ablauf des ersten halben Jahres in Form eines Tafchengeldes einsetzt und 10 Mark monatlich beträgt. Die Probeschwestern erhalten monatlich eine Vergütung von 20 Mark. D-s Jahresgehalt der Schwestern beginnt mit 360 Mark und steigt jährlich '-n 30 Mark bis zum Höchstbetrage UN 540 Mark. Diese Summe ist dann das Anfangsgehalt der Oberschwestern, ds sich in Zweijährigen Zwischenräun-n um je 30 Mark erhöht und bis auf 6b0 Mark steigt. Die Oberin endlich bezieht ein jährliches Baargehalt von 1200 Mark, das sich alle zwei Jahre um 101 yjlaxl bis zum Höchstbetrage von 1800 Mark steigert. Die beste Vclcuchtungsart für das Auge hat ein russischer Arzt durch ein merkwürdiges Mittel festzustellen versucht, indem er die Ermüdung des Auges unter dem Einfluß verschiedcner Lichtquellen geprüft hat. Er ist von der Annahme ausgegangen, daß sich die Schädlichkeit des Lichtes bemerkbar macht in der Häufigkeit der Bewegungen der Augenlider. Er will nämlich beobachtet haben, daß die Zahl der Lidbewezungen in einer bestimmten Zeit umso größer ist, je stärker die Augen müde sind. Im Verlauf der eigentlichen Forschungen hat er dann ermittelt, daß seine eigenen Augen sieben Lidbewegungen in der Minute unter der Wirkung von gewöhnlichem Kerzenlicht ausführen, drei unter der von Gaslicht, etwas mehr als zwei unter der des Sonnenlichtes und etwas weniger als zwei unter der des elektrischen Lichtes. Wenn die Annahme des russischen Arztes durch genauere wissenschaftliche Versuche ihre Bestätigung finden würde, so käme man im Gegensatz zu den bisherigen Anschauungen u dem Schluß, daß das elektrische Licht weniger ermüdend für das Auge ist nls irgend ein anderes, sogar als das W Sonne oder das zerstreute Tageslicht. ' Unglück beim Schützenf e st. In Hastenrath, Rheinprovinz, wurden unlängst gelegentlich des 100jährigen Bestehens der Schützengilde Böllerschüsse durch einen jungen Mann Namens Herzog abgefeuert. Als einer der Schüsse nicht losgehen wollte, sc.h Herzog in den Böller hinein, um nach der Ursache- zu forschen. In diesem Augenblick ging der ?chuß los und dem Unglücklichen beide Augen aus den Höhlen; außerdem irug er eine GeHirnerschütterung davon.
