Indiana Tribüne, Volume 27, Number 285, Indianapolis, Marion County, 23 July 1904 — Page 7
90 MVMS. Romay von Ludwig Habicht. Ctorifeijun& Nein, Frau Baronin, ich neyme Sie nicht mit," erklärte Käthe mit großer Entschiedenheit. Gehen Sie schlafen, das ist für Sie das beste; aber zu dem Todten dürfen Sie nicht mehr.. Das gebe ich nicht zu, Sie sind schon aufgereat genug und bedürfen der Ruhe." Wenn auch ihre Worte förmlich befehlend klangen, so verrieihen sie doch zu gleicher Zeit die herz liche, zärtliche Sorge, die Katharint -Ballauf stets für ihre Herrin an der, Tag legte, und die letztere war schon gewöhnt, sich in die Anordnungen ihrer alten Dienerin zu fügen, so daß sie wirklich zurückblieb. Sie wußte ja, die treue Seele würde ihr doch nicht gestatten, sich heute noch einmal der Aufregung auszusehen, die ein nochmaliges Betreten des Speisesaales für sie haben mußte und dann, ihr Mann hatte ja allein sein wollen mit seinem Schmerz und seinen trüben Gedanken, und so war es wohl das beste, wenn sie Käthe jetzt schalten und wal ten ließ, die bei keiner Gelegenheit den Kopf verlor. Die Alte verstand es in ihrer kurz entschlossenen Weise, den Aermsten aus seiner seelischen Erstarrunq ein wenig aufzurütteln. Ach, und nun hatte sie ihren Gatten nicht mehr lebend wiedergesehen! und die Baronin bereute, daß sie sich den Anordnungen Käthe's so willenlos gefügt hatte. Vielleicht wäre dann alles anders gekommen und ihr Mann hätte nicht seinen Tod gefunden. Diese Vorstellung nagte beständig an ihrer Seele und um so furchtbarer, als sie Niemand sagen konnte und mochte, was in ihr vorging. Waren es Wilddiebe gewesen, die ihn erschossen, wie die Jäger behaupteten, die seine Leiche in das Schloß gebracht? Aber was hatte ihn zu so später Stunde hinausgetrieben in den Wald? War es das Verlangen gewesen ,sich dort für sein tief erschüttertes Gemüth ein wenig Ruhe und Frieden zu holen? oder hatte er doch in einem Anfall von Schwermuth seinem Leben ein Ende gemacht? Die bleichen, starren Lippen des Todten gaben darüber keine Auskunft; aber die Baronin wurde die qualvolle Vorstellung nicht los, daß der theure, verehrte Mann seinemLeben selbst ein Ende gemacht habe, und je tiefer sie diesen Gedanken in ihr Innerstes verschließen mußte, je größer waren d heimlichen Qualen, die ihre Seele erfüllten. Eine trübe Ahnung bsschlich ihr. Herz und verließ sie nicht mehr; irgend etwas Unerklärliches. Räthselhaftes hatte hier gewaltet, daßdie beiden Brüder .fast zu derselben Stunde aus dieser Welt geschieden waren. Und das Benehmen ihres Gatten in den letzten Augenblicken ihres Zusammeuseins war so eigenthümlich gewesen; er hatte so kühl und befehlend noch nie mit ihr gesprochen, wie an jenem unseligen Abend, und es war ihr gewesen, als ob er irgend etwas gegen sie auf dem Herzen habe und ihr den Tod seines Bruders zugemessen. Hatte ihn ein solch furchtbarer Argwohn wirklich erfüllt und ihn dann in fceir Tod getrieben?! Nein, nein, sie mußte eine solch' entsetzliche -Vorstellung, die sie Wahnsinnig machen konnte, weit von sich weisen. Es war alles auf ganz natürliche Weise zugegangen und ihr Gatte kein Selbstmörder. Der unerwartete Tod Heinrichs hatte ihn nur zu sehr erschüttert; es war ihm unmöglich gewesen, im Zimmer zu bleiben, sie kannte ja seine Gewohnheit; wenn er irgend eine Aufregung gehabt, dann eilte er hinaus, um sich auf einsamer Wanderung durch den Wald die nöthige Gemüthsruhe wieder zu verschaffen, und dabei hatte er durch Mörderhände seinen Tod gefunden. Die Baronin suchte sich immer wieder die räthselhaften Vorgänge jener Nacht in dieser Weise zu erklären. Sie mußte es, sollte sie nicht in- völlige Schwermuth verfallen. Ja, ja, es war kein Zweifel; 'Wilddiebe hatten ihn erschossen, denn sein beständiger Begleiter, sein Hektor. war ja seitdem nicht mehr gesehen worden. Die Mörder hatten gewiß das treue Thier, das seinen Herrn zu vertheidigen gesucht, rasch beseitigt, denn der Hund blieb seit jener Nacht für immer verfchwunden. Still, ohne großes Gepränge, wurden die Leichen der beiden Freiherrn in der Ehrenfels'schen Erbgruft beigesetzt. Man hatte nur einige Nachbarn und diejenigen eingeladen, die bald mit der Familie in verwandtschaftliche Verbindung treten sollten, Graf Aredow und Herrn v. Stollbach. Was Niemand erwartet hatte, geschah. er Mann, der, so unerbittlich seinem :h:maligen Freunde gegrollt und der ihm niemals den Tod des Bruders verzeihen gekonnt, erschien noch kurz vor der Beisetzung ganz allein und svrach gegen die Wittwe, die 'zu seiner Begrüßung sogleich herbeigeeilt war, in den herzlichsten Worten sein Beileid aus. Der sonst so fest gefugte Mann schien wie verwandelt; er mußte etwas ganz besonderes auf demHerzen haben, de:m e? begann plötzlich hastig und etwas stockend: Ich habe eine Bitte, liebe Baronin. Kann ich den Todten noch einmal sehen? Ich meine Hein-
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n'ch setzte e? rasch hinzu als er die Bestürzung über diesen Wunsch, auf dem feinen Antlitz der Baronin bemerkte. Gewiß, sobald Sie. es wünschen," antwortete diese erleichterten Herzens, die wirklich schon gefürchtet hatte, der Graf wolle die Leiche ihres Unglücklichen Gatten in Augenschein nehmen. Man hat den Sarq noch nicht geschlössen, darf ich Sie -dahin begleiten?" setzte sie leise hinzu, all ihren Muth zusammennehmend. Nein, es würde Ihnen nur eine schmerzliche Aufregung bereiten. Sagen Sie mir. wo ich ihn finde; ich bin mit den Räumlichkeiten in Ihrem Schlosse so ziemlich vertraut, denn ich war früher sehr oft als Gast hier," setzte er mit einem trüben Lächeln hinzu. In unserem großen Saale." sagte die Baronin. Sie werden dort unsere Leute finden." Graf Bredow nickte mit dem Kopfe und schritt hastig dem bezeichneten
Saale zu; man konnte wohl gewahren, daß er hier kein Fremder war. Als er eintrat, war eben ein Mann damit beschäftigt, den Sarg zu schließen. Lassen Sie ihn noch offen,' Entfernen Sie sich auf einen Augenblick," sagte er in einem so entschiedenen Tone, als sei er hier der Herr, daß der Betreffende sofort seinem Geheiß schweigend nachkam. Der Graf trat an den Sara heran und starrte lange sinnend in das bleiche Antlitz des Todten. Es war lym, als ob dessen Lippen sich bewegten und ihm zuflüsterten: Warum hast du mir nicht verziehen? Warum mußte zcy unversöhnt mit dir aus der Welt scheiden?" Der sonst so unbeugsame Mann neiegte demüthig sein Haupt und flüsterte ganz leise: Verzeiye mir, wie ich dir verzeihe;" er betete für den so plötzlich vom Tode Getroffenen ein Vaterunser, so inbrünstig, wie er es lange nicht gethan, und dann ver ließ er mit feucht gewordenen Augen den Saal. Das unerwartete Hinscheiden der beiden Ehrenfels hatte den Grafen doch zu tief erschüttert und wie mit einem Schlage allen Groll und allen Haß ausgelöscht, den so viele Jahre über seine Brust erfüllt, er lernte auch nur die alte Wahrheit kennen, daß der Tod viel, ja alles auszusöhnen vermag, und er empfand es nun selbst wie eine Erleichterung, daß dieser Druck, den er niemals abzuschütteln vermocht hatte, plötzlich von ihm genommen war. Jetzt wußte er auch, daß er Unrecht gehabt, seinen Groll gegen den Mörder seines Bruders auf die ganze Familie zu übertragen, und wie nun einmal Graf Bredow geartet war. zögerte er keinen Augenblick mehr, wenigstens dieses sein Unrecht gegen die Hinterbliebenen der beiden Brüder gur zu machen, so weit er es konnte. Als Graf Bredow jetzt zur Baronin zurückkehrte, fragte er rasch um seine innere Bewegung ein wenig zu verbergen: Wo ist Ihre meine Tchter?" Da kam Jrmgard schon herbei; sie hatte von der Anwesenheit des Grafen gehört und mußte ihn begrüßen; aber man konnte ihr wohl eine gewisse Angst und Unruhe anmerken, hatte sich doch ihr Schwiegervater stets sehr kühl und ablehnend gegen sie gezeigt, ja bei ihren Besuchen in Lindenau war er ihr mehrmals absichtlich ausgewichen. Es war, als ob der Graf ZUM erstenmal seiner künftigen Schwiegertochter ansichtig würde; die scharfen, klugen Augen schweiften prüfend über die anmuthige Gestalt Jrmgards hinweg; es entging ihm auch nicht ihre heimliche Angst und Unruhe, und etwas wie ein Lächeln huschte über sein wetterfestes Gesicht, dann schloß er die Baroneß, die sich ihm schüchtern und zaghaft genähert hatte, in feine Arme und sagte mit einer Stimme, aus der seine innere Erregung hervorklang: Sie haben viel verloren; aber ich will Ihnen den Vater ersetzen, soweit ich vermag. Nein, ich sage du zu dir, du sollst fortan meine Tochter fein." und er zog die Fassungslose zärtlich an seine Brust. O, wie soll ich, Ihnen danken?" stammelte Jrmgard verwirrt. Dir" danken willst du sagen." entgegnete der Graf, und seine . grauen Augen, die ihr stets so viel Furcht eingeflößt hatten, ruhten jetzt voll aufrichtigem Wohlwollen auf ihrem heut so bleichen, feinen Antlitz. Du bist jetzt meine Tochter, und du sollst ersahren, daß ich zwischen dir und meinen leiblichen Kindern keinen Unterschied mache." In dem Munde dieses Mannes klangen solche Worte nicht wie eine leere Redensart, und die Baroninsowohl wieJrmgard wußten jetzt, daß von nun an das Herz des Grafen auch seiner künftigen Schwiegertochter zugewandt sein werde . Wie soll ich Ihnen, wie soll ich dir danken, lieber Vater?" sagte Jrmgard. Thränen stürzten ihr aus den Augen, und sie lehnte sich zärtlich dertrauensvoll, wie hilfesuchend an die breite Brust des Mannes, für den sie bisher nur Angst und Scheu empsunden hatte. . Wie du mir danken sollst?" wiederholte der Graf, durch deine Liebe, Kind," setzte er .ungewöhnlich weich hinzu; er strich mit seiner Linken liebkosend über ihr blondes Haupt, während'er sie mit der Rechten fest umschlungen .hielt. Die Baronin glaubte bereits keine Thräne mehr zu haben, so viel hatte sie
in diesen letzten Tagen geweint und doch wurden jetzt ihre Augen-' wieder feucht; nach all dem tiefen Weh' das ihre Brust durchzittert, empfand ihr Mutterherz doch etwas wie Glück... Die Wandlung des Grafen kam ja zu unerwartet, und sie wußte jetzt, daß ihrem armen Kinde nunmehr viel bessere und freundlichere Tage beschicken waren, als sie alle zu hosfen gewagt hatten. Sie wollte jetzt ihren Dank aussprechen; aber Graf Bredow lehnte dies in einfacher, schlichter Weise ab; der Wittwe die Hand reichend, sagte er ungewöhnlich warm und herzlich: Auch wir, müssen Freunde werden, und wennSie oder die Ihrigen meines Rathes und meiner Hilfe bedürfen, haben Sie über mich zu befehlen." Nun hörte man das Geräusch eines heranrollenden Wagens. Die Baronin bat um Erlaubniß, die neuen Gäste begrüßen zu dürfen, und der Graf entgegnete sogleich: Das ist ja Ihre Pflicht; aber lassen Sie mir Jrmgard hier, ich habe noch so viel mit ihr zu sprechen" und während sich die Baronin tiefbewegt entfernte, plauderte der gefürchtete Mann in einer so herzgewinnenden Weise, daß diese die letzte Scheu verlor und nun ganz unbefangen vor ihm ihr reines, herrliches Kindergemüth entfaltete. Als jetzt Kurt erschien, der am Arme seiner Schwester in den Saal trat und die beiden geliebten Menschen im angelegentlichsten Geplauder fand, blieb er auf der Schwelle stehen; er vermochte vor freudigerAufregung leinen Schritt weiter zu thun. , Was er hier sah,.war mehr, als er je zu hoffen gewagt ... kaum hatte ihn Jrmgard erblickt, so eilte sie auf ihn zu und ihn mit Thränen in den Augen begrüßend, sagte sie leise und tiefbewegt: Ach, wie gut ist dein ater! ... Wie glücklich bin ich heut trotz all dem Weh und Leid, das uns getroffen hat." Der Graf näherte sich dem liebenden Paare und seinem Sohne die Hand reichend, sprach er in seiner bestimmten Weise: Ich wünsche dir Glück, Kurt, du bekommst in Jrmgard eine vortreffliche Frau und ich eine oute Tochter." ..Vattt, das vergelte dir Gott!" rief dieser aus vollstem, tief bewegten Herzen aus und er ruhte zum erstenmal wieder, wie in den Tagen der glücklichen Kindheit, an der Brust des Mannes, der ihm die letzten Jahre über durch seine Kälte und Schroffheit fast fremd geworden war.' 16. Auf Schloß Ehrenfels spann sich jetzt das Leben noch leiser ab, als bisher. Wie still auch Baron Bernhard seines Weges gegangen war, wie geräuschlos er auch die Verwaltung seines Gutes geführt hatte, er wurde doch von all' den Sncn schmerzlich vermißt; man wußte nun erst, wie gewissenhaft er seine Pflicht erfüllt hatte. Es herrschte überall die peinlichsteOrdnung, nd diese zu erhalten war jetzt die Aufgabe der Wittwe und ihres äl. testen Sohnes. Wenn das Haupt einer Familie stirbt, so ist es immer für die Hinterbliebenen eine Qual und zugleich eine Erlösung, wenn die ihnen zufallenden Pflichten ihnen nicht die Zeit gönnen, sich dem Schmerz und Weh um den Geschiedenen völlig hinzugeben. So viel Alltagssorgen drängen heran, und in ihrer trüben Fluth erstirbt das bitterste Leid und wäre es auch nur für die Zeit, die jene Sorge ganz und voll in Anspruch nimmt. Der Vater fehlte überall; er hatte ohne Hast, aber auch ohne Nast seines Amtes gewaltet, das ihm um so schwerer gefallen war, als er es so spät auf seine Schultern nehmen mußte. Etwas vom Juristen ,!var ihm eigen geblieben; aber er hatte sich mit der Gründlichkeit eines Mannes der Themis in das ihm völlig fremde Fach einzuarbeiten gesucht, und er war wohl auch theoretisch ein kenntnißreicher Landwirth geworden; aber für die Praxis fehlte ihm der entschlossene, rücksichtslose Zug, der scharfe, weite Blick, den der Graf besaß und so hatte der Baron in seinem neuen Wirkungskreise weder viel Befriedigung noch viel Erfolge trotz allen Eifers aufzuweisen gehabt. , Weit leichter als sein Vater fand sich Arnulf in die ihm jetzt zugefallene Aufgabe, obwohl auch ihm hier alles fremd war; aber er hatte an der alten Käthe einen vortrefflichen Beirath, die mit ihrer unermüdlichen Zunge sowohl, wie mit ihrer, unermüdlichen Arbeitskraft ihm treu zur Seite stand und ihm eine so kluge Veratherin war, wie er sich eine bessere gar nicht wünschen konnte. Sie hatte, mit ihrem nüchternen Verstände und mit ihrer scharfen Beobachtungsgabe alles herausgcfunden, was nöthig war, um hier Ersparungen zu ermöglichen, dort einen reichen Gewinn zu erzielen, und Arnulf blieb ihr gelehriger und williger Schüler. Was Käthe sagte, das war für ihn entscheidend, und je mehr sich der junge Baron ihren AnOrdnungen fügte, je mehr riß die ohnehin willensstarke Frau die Herrschaft an sich. Auch die Baronin ließ Käthe gewähren; sie erhob selten einen Widerspruch; dtnn sie war durch den Verlust ihres Gatten seelisch zu sehr gebrochen und ohnehin keine kampflustige Natur; die feinsinnige und fein fühlige Frau wußte es selbst, daß sie mit ihrer großen Nachsicht und ihrem milden, freundlichen Wesen diesen schwer lenkbaren Leuten gegenüber nicht irnrntr das rechte getroffen hatte, daß Käthe
eö weit besser verend, das im Grunde nachlässige und widerspenstige Volk im Zaume zu halten, und so ließ sie der braven Alten völlig frele Hand, die freilich jetzt ein scharfes Regiment führte. Wer nicht gewissenhaft seine Pflicht thun wollte, wer sich die geringlte Versäumniß zu schulden kommen ließ, wurde von ihr gnavenlos entlassen, und da man wußte, daß der neue Herr niemals eine ihrer Anordnungen rückgängig machte, so leistete man der Gefürchteten, an auch heimlich knurrend .unbedingten Gehorsam.. Desto mehr wurds sie im Stillen von den Dienstleuten gehaßt, und dieser Haß dehnte sich zuletzt auf die ganze freiherrliche Familie aus. Unter dem seligen Baron hatte man eöo gut gehabt, jetzt wußten es plötzlich alle, daß er ein milder, gnädiger Herr gewesen war. Ja, wenn der alte Herr Baron noch lebte", seufzten die Dienstleute heimlich, die früher dem Gestorbenen wenig Anhänglichkeit gezeigt hatten. Man wußte nicht, woher sie kamen, aber in der ganzen Umgegend berbreiteten sich bald seltsame Gerüchte, Baron Heinrich sei nicht eines natürlichen Todes gestorben, sondern von der freiherrlichen . Familie gewaltsam, wahrscheinlich mit Gift beseitigt worden. Herr von Sollbach und die Seinigen erfuhren davon; aber sie hüteten sich wohl, gegen Edwin ein Wort zu verlauten. Elfe zweifelte keinen Augenblick, daß Hedwig die Verbreiterin dieser häßlichen Gerüchte war, und ..der Vater stimmte ihr zu, und doch gab es kein Mittel, diese Verleumdung zum Schweigen zu bringen. Elfe hatte jeden Verkehr mit ihrer Freundin völlig abgebrochen. Seit dem Tode des Barons sah man die Nichte des Försters fast nirgends mehr. Sie streifte .einsam durch den Wald, sprach mit niemand und schien völlig verbittert zu sein, seitdem das Geschick ihre kühnen Hoffnungen, so plötzlich zerstört hatte. Auch zum Begräbniß ihres Verlobten war Hedwig nicht erschienen, obwohl sie eine Einladung dazu erhalten und der Oheim sie dringend gebeten hatte, doch hinzugehen. Was soll ich denn dort?" hatte sie ihm finster erwidert. In die Gesichter von Leuten schauen, die eine tiefe Trauer heucheln, während sie im Stillen jubeln? Nein, nein! Aber ich werde sie schon zu treffen wissen, diese Elende!" hatte sie zur Verwunderung des alten, gutmüthigen Mannes hinzugefügt, und auf seine Frage: Was sollen nur deine dunklen Reden bcdeuten?" war sogleich ihre Antwort gewescn: Es ist gar kein Zweifel, die Ehrenfels haben meinen armen Vräutigam vergiftet, um ruhig im Besitz des Majorats zu bleiben und um nicht die Demüthigung zu erfahren, die ich ih-. nen zugedacht hatte." UmHimmelswillen, rede nicht solch' verrücktes Zeug! Das ist ja der hellste Unsinn und dann uns alle in Teufelsküche bringen," hatte der alte, ehrliche Förster ganz erschrocken ausgerufen, aber Hedwig war um so hartnäckiger bei ihrer frechen Behauptung geblieben. Während der Oheim diesem unerhörten Verdacht nicht den mindesten Glauben schenkte und seiner Nichte den Argwohn auszureden suchte, war die Försterin weit eher geneigt, sich auf Hedwigs Seite zu stellen; ja, sie war es auch, die im Vertrauen" mancker guten Freundin mittheilte, daß es bei dem plötzlichen Tode des 'ältesten Barons nicht mit rechten Dingen zugegangen sei; aber man wisse schon, totx einen großen Vortheil davon gehabt, den Mann noch im letzten Augenblick zu beseitigen. Hedwig dagegen sprach, außer mit ihren nächsten Verwandten, mit Niemandem über diese Angelegenheit; sie vermied seit dem Tode ihres Verlobten jeden Verkehr mit Anderen, denn sie war doch zu stolz, um sich bemitleiden zu lassen, und sie wußte recht gut, daß sich in dies Mitleid der guten Freunde zugleich ein wenig Schadenfreude gemischt hätte. Wer von den allen sollte ihr das große Glück gegönnt haben, das ihr bevorstand? Nun, die da drüben" durften ihrer gerechten Strafe nicht entgehen, wenn sie sich auch vorläufig noch so sicher wähnten! Sie hatte sofort an den Sohn ihres Bräutigams geschrieben zum Glück wußte sie seine Adresse und ihm offen und rückhaltlos mitgetheilt, welchen Verdacht sie hegen müsse und daß es keinem Zweifel unterliegen könne, die Verwandten ihres Bräutigams hätten denselben noch im letzten, entscheidenden Augenblick beseitigt. Kommen Sie, den Tod Ihres Vatcrs zu rächen! Ich helfe Ihnen!" hatte sie ihren Brief an Edgar geschlossen, und nun erwartete sie mit' Ungeduld die Wirkung desselben. Wie .der Majo ratsherr seinen Sohn geschildert hatte, war er gewiß trotz seiner Jugend der rechte Mann, um das Verbrechen an das Licht zu ziehen und die Schuldigen dr gerechten Strafe zu überliefern. 17. Graf Vredow gehörte nicht zu Denjenigen, die etwas halb thun, das lag seinem entschiedenen Wesen völlig fern. Seitdem sein Groll gegen die Ehreufels durch den tragischen Tod der Vrüder völlig erloschen, zeigte er gegen die Hinterbliebenen eine so herzliche, freundschaftliche Gesinnung, die um so wohlthuender berühren mußte, als sie von einem Manne kam, der in der gan zen Umgegend als hart und rücksichtslos verschrieen war und der all' die
Jahre über seinen Nachbarn Beweise davon gegeben hatte. Jetzt lernten ihn die Ehrenfels von einer ganz anderen Seite kennen. ' War das noch derselbe Graf Bredow, der ihnen den unversöhnlichsten Haß gezeigt hatte und der nun 'für sie Alle ein Wohlwollen und eine ausrichtige Freundschaft an den Tag legte, die gerade bei diesem Manne ungewöhnlich angenehm berühren mußte? Er kam jetzt oft herüber, zuweilen nur auf ganz kurze Zeit; aber er brachte dann stets aus seinem Treibhause für die Baronin und Jrmgard die schönsten Blumensträuße mit, und in der Unterhaltung mit Arnulf wußte er gewöhnlich in so wenig aufdringlicher Weise irgend einen Rath einzuflechten, daß dieser sich niemals verletzt fühlen konnte. Mit seinen ungewöhnlich scharfen Augen bemerkte der Graf schon im Vorüberreiten, wo in der Wirthschaftsführung der Fremde ein Fehler gemacht worden oder eine Verbesserung nöthig sei. und sobald Arnulf dann nach Lindenau kam, zeigte er ihm gsnz unauffällig, wie es bei ihm gehandhabt wurde, und der junge Freiherr mußte stets bekennen, daß der Graf es verstanden hatte, eine Musterwirthschaft einzuführen, und er suchte nach Möglichkeitseinem Beispiele zu folgen. (Fortsetzung folgt.) Wirklich?
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- Bürgermeister (zu einem neuangestellten Beamten): Gewinnbringende Nebenbeschäftigung ist Ihnen nicht gestattet. Ach, dann muß ich ja auch das Dichten aufgeben. . WHPAlV T Allerlei fürs Haus. Teppiche z ureinigen. MS ausgezeichnet hat sich folgendes einfache Mitel bewährt. Man übergießt Sauerkraut mit Salmiak, streut es auf den Teppich und bürstet es auf. Zuletzt wird mit sauberem Teppichbesen nachebürstet. Alabaster - Gegenstände reinigt man zweckmäßig in folgender Weise: Man bereitet sich eine warme Seifenlösung aus 2 Unzen spanischer Seife mit einem Quart weichen Wassers. In diese Lösung taucht man den Gegenstand und läßt ihn in ihr etwa eine halbe Stunde. Asdann bürstet man den Gegenstand, ohne ihn aus derSeifenlösung herauszunehmen, mit einer weichen Bürste. Sodann spült man mit reichlichen Mengen weichen Wassers nach und trocknet, mit einem Tuch ab. Die Politur und einen schö nen Glanz gibt man dem Alabaster durch Seifenwasser mit Kalk, dem man zuletzt etwas gepulvertes und gefchlemmtes 'Federweiß oder Talk beimischt. . FeineHaarpomads. Man schütte 50 Gramm Olivenöl, 50 Gramm Rizinusöl und 10 Gramm gelbes Wachs in ein Töpfchen und lasse letzteres so lange auf einem heißen Heerde oder Ofen stehen, bis das Wachs geschmolzen ist. Alsdann füge man noch 3 Gramm eines beliebigen ätherischen Oeles (Bergamotteöl etc.) hinzu und gieße die noch heiße Flüssigkeit in ein reines Töpfchen, beziehungsweise eine Büchse. Kleidungs st ücke wafserdichtzumachen. Zu diesem BeHufe löse man in einem Handeimer Wasser 2 Pfund Alaun und in einem anderen Eimer 2 Pfund Bleiessig auf. Hierauf erfolgt die Mischung beider Flüssigkeiten, von welchen sich, wenn sie eine Zeit lang ruhig stehen bleiben, schwefelsaures Bleioxyd ablöst und niederschlägt. Dieser Bodensatz muß ganz zurückbleiben, und die Flüssigkeit deshalb sehr behutsam abgegossen werden. Man weicht die betreffendenKleidungsstücke in dieser Flüssigkeit ein, durchknetet sie nach der Herausnahme einigemal und trocknet sie womöglich in freier Luft. Mittel gegen Keuchhusten. Ein bewährtes Mittel gegen Keuchhusten ist Eucalyptus-Tinktur. Kindern im Alter von 112 bis 4 Jahren giebt man alle 3 Stunden 5 8 Tropfen in Zuckerwasser. Das Mittel wird von Kindern gern genommen. Beliebte Hausmittel sind folgende: 1) Man 'chneidet Zwiebeln in Scheiben, macht ie über Feuer warm, bis sie sich in ihrem Safte hin und her bewegen lassen, schlägt sie dann in ein Tuch, legt sie sn warm als möglich auf die Fußsohlen und läßt sie 12 Stunden liegen. Ferner ist Saft von schwarzen Johannisbeeren, 1 Theelöffel voll bei jedem Anfall, ein erprobtes Mittel. Hebt sich derKeuchhusten nicht bald, so zieht man besser einen Arzt zu Rathe, damit nicht Lungenentzündung entsteht.
Feuer - Signale
i PnmsylL ttai Stete ff Cnglish'S Operu-HauS CastundSZ-wAork ? Noble und üichigan 1 N. Jersey u. SJlafi 2Iw Pine und North 10 Market und Pi '1 Vermont nahe Eaft ;2 No. 8 Spritzenhaus Mass. Ave nahe Ncbk 3 TZware und Walnuz ii Jersey u Central A. ' Masi. und Sorne2Vv :e Asb m. li. Etreße 17 Park Ave und 12 Ett .8 Columbia undHülstd i Highland Ave u. Pratt n Illinois und Ct. Joe Pennfylv. und Pratt 4 Meridian uns 11. St? J5 Tw. 6 Spritzenhaus 16 nahe JllinoiS :6 Senate Ave .StElatr 17 Illinois und Mchitzan P?sylvania und 4. 19 Senate Ave. und 13. U No. l Spritzenhau J5renaytMchiga 2 Meridian und Watnut 4 California u Vermont Llake und New Dork Ind. v. u. Lt- lad !7CttyHosMl 18 Blake und North 3 Michigan und Lgneg 11 No. 6 Cpritzenhaut Washington nah West ii Gsendorf u Oash. 11 Missouri u New Aork S Meridian u Wash Jllino und Chi 7 Capitol Av.u Waff 9 mgan'S Porkhaus Straßenbahn St2lk W. 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' Die Zo bezeichneten Signale werden nur vom Lhur ivüchter angegeben da an den betregde Etrst kreuzunge keine SlannkSKen anaebracht find. Chicago und der große Nordweften via ' Cgg3tS55sarafrs3au R3glj Matta Sawatt-Vbilidpine Insel. An tägliche Schnellzüge nach Chicago. on der Mono 47. Str. Station, Cdlcaav. ftno nur 6 Minuten mittelst elektrischer Car nack denunt.'nBielzoofen - Z?reK JLick Springs, Indem Orange Tvunty Hochland. ffamilikv-Hotel unter neuer GescbäftSleitung. Pluto, Proserpine inb Bowle Quellen. Bette Mineralwager let Gtlt. Zwei Züge täglich via Greencaftle. Ticket-Osstcen : Union Station, Massachusetts ve nd 25 West Washington Straße. R. P. A l g e , Distrikt Vass. Agent, Indianapolis, Ind. . v. McDoel, C. H. R , tf to eil, .Hrss. und Sen.Mgr. BetriebileUer FrankJ.Reed. ?en.B,fs. Agent. Chicaeo. 33.
