Indiana Tribüne, Volume 27, Number 285, Indianapolis, Marion County, 23 July 1904 — Page 5
An Mühe und Arbeit.:.. Skizze von Albert Steinkirch. Viel Freude am Leben hatte sie nicht, die Marie Hölderlin, die drei Treppen hoch unter dem Dache ihre Nähstube hatte und neben ihren beiden noch ein Dutzend anderer Hände befchäftigte. Mittags. tt?cnn in der Werkstatt die grotze Pause eintrat, und die sechs jungen Dinger, die mit ihr arbeiteten, schwatzend und lachend zu Tisch geeilt waren, dann schritt sie hinüber zu dem kleinen Park, und ruhte sich ein wenig in der Sonne aus. Abends ging sie in ihm spazieren, bis die Kirchthurmuhr neun geschlagen.
Aber das war auch erst seit kurzer Zeit. Eigentlich erst, seitdem sie so furchtbar blaß geworden war, und der Arzt ihr energisch frische Luft" verordnet hatte. Früher war sie über Mittag und Abend zu Haus geblieben, hatte sich ihr Essen selbst bereitet, und immer nur an die Arbeit gedacht. Jetzt mußte es anders sein. Sie hatte noch so viele Pflichten . . . Da war der kleine Park wenigstens eine Abwechslung. Denn er lehrte sie wenigstens, daß ihr. Loos noch lange, lange nicht das Schlimmste war. Sie konnte doch wenigstens arbeiten! Wie viele andere wollten es. auch und konnten es nicht?! Wenn sie in den wenigen Stunden, die sie dort drüben verbrachte, überlegte, mußte sie fast darüber lachen. Was jeder, auch der ärmste Mensch sich leisten kann, ihr war es eigentlich bisher verschlossen geblieben. Aber das machten die Pflichten, die vielen Pflichten. Erst die vier kleineren Geschwister, die sie nach dem Tode ihrer Eltern für das Leben erziehen und ausbilden mußte, und dann Ja, was war dann? Die jüngste Schwester war nun auch bald dreißig, war längst verheirathet, wie die anderen alle, hatte schon selber Kinder nach Recht und Ordnung hätte sie. also schon seit zwölf Jahren an sich selber denken und ihr Leben ein wenig genußreicher gestalten können. Und doch war sie nie dazu gekommen, denn immer wieder meldete sich eines von den Geschwistern, immer wieder galt es zu helfen und zu stützen, mal die Erwachsenen selbst, mal auch ihre Kinder immer wieder gab es zu schaffen und zu sorgen! . Freilich es war ihr Stolz! Die Aufgabe, die sie erst fast unbewußt übernommen und die dann zum ganzen' Zweck ihres Daseins wurde, die wollte sie glänzend lösen. Was zu ihrer Familie gehörte, sollte vorwärts kommen und seinen Platz in der Welt behaupten können. Und nicht auf der Stufe, auf der ihre Eltern gestanden! Höher hinaus sollten sie alle. Sie dachte, wie. eine echte, rechte Mutter denkt, und das , hatten wohl auch die Geschwister alle herausg? fühlt. Denn als ihre älteste Nichte zu Ostern eingesegnet wurde, da galt die große Feier eigentlich ihr nur ganz allein. Da priesen sie ihre große, aufopferungsvolle Güte mit warmen, herzlichen Worten, da dankten sie ihr bewegt und innig, und da küßten sie ihr alle die Hand, die breite, hartgearbeitete Hand, der sie ihr ganzes Glück verdankten. An jenem Abend hatte Marie Hölderlin die ersten Freudenthränen geweint, die ersten in ihrem langen Leben! Aber merkwürdig seit jenem Abend hatte sich auch etwas in ihrem Wesen verändert, was sie sich nicht recht erklären konnte. Eine brennende Sehnsucht war über sie gekommen, aufzuathmen und etwas vom Leben genießen zu können. Sie hatten es ihr ja alle gesagt, sie würden sich jetzt, wenn's Noth thäte, untereinander stützen können, sie solle jetzt endlich einmal an sich und nur ganz allein an sich selber denken. Sie hatte es lachend von sich gewiesen. wie etwas, das schon gar nicht mehr in ihrem Gedanken lag, aber dann hatte sie doch immer wieder daran denken müssen, und hatte ganz plötzlich einen falschen Klang in ihrer Seele gefühlt. Das konnte nur der Frühling sein! Das konnte nur von der einsamen Unthätigkeit kommen, zu der sie verbannt war. Sie zeitigte so viel müßige Ideen. Am liebsten hätte sie ihre Spazierg'änge wieder eingestellt. Doch der Arzt hätte dem energisch Widersprochen, und die Geschwister, ihre Pflegekinder", hatten sie so heiß gebeten, da konnte sie schon nicht anders, da gab sie wieder nach. Im Grunde genommen war es auch ganz gleichgültig; die Gedanken kamen auch, ob sie nun arbeitete oder nichts that. Sie verließen sie selbst Nachts in ihren Träumen nicht. Ihre zähe Natur sträubte sich dagegen. Sie wollte es nicht dulden, daß hoffnungslose Träume in ihr groß wurden. und sie vielleicht beherrschten. Da begann sie schärfer auf all' das zu achten, was sich um sie herum zutrug und begab. Da waren so viele Kinder Da waren so . viele Männer, so viele Frauen Doch wenn sie ihre Aufmerksamkeit an sie heftete und sie durch Stunden und Tage beobachtete, dann sah sie immer wieder, daß eines, eines trotz aller Sorgen und Leiden sie über ihr Schicksal binweabob die Zusammenae-
Hörigkeit, die Freundschaft, die Liebe, die sie den Schmerz zertheilen, die Freude verdoppeln ließ! Zu wem gehörte sie? Wer theilte mit ihr? Ihre Geschwister! Ach ja, die hatten sie wohl gern, die liebten sie wohl auch, aber sie stand auch für sie erst an zweiter und' dritter Stelle, und ihr Herz bangte nach dem ersten Platz, Mch der Stelle, die ganz eng am Herzen eines anderen Menschen war. Nein das waren keine Bilder für sie. Die machten sie unfroher, -als sie es schon war. Den Kranken, ben Elenden mußte sie sich zuwenden. Die trugen ja noch schwerer als sie.
Da der alte Herr zum Beispiel,
der so fürsorglich von seinem Diener
an seinen Lleblmgsplatz geführt wurde. das war ein besseres Objekt für sie.
Der war entschieden reich und hatte die
harte, schwere Arbeit wohl nie gekannt. Und was nützte ihm nun sein Geld? Die Gesundheit konnte er sich mit ihm nicht erkaufen, er würde sie . beneiden müssen um die Behendigkeit ihrer Glie-der.
- Fast stän'zia .blickte sie zu ihm hin-
über, und ihre bedanken umwoben ihn mit seltsamm Träumen und Geschieh-
ten.
Er mußte es wohl bemerkt haben,
denn eines Tages ließ er sich von seinem Diener hinüber fahren zu ihrer
Bank.
Hier-duften die Blumen viel sü-
ßer," sagte er wie zur Erklärung.,
Doch Marie Hölderlin merkte gar
bald, daß es nur ein Vorwand war, er kam. um mit ihr zu plaudern.
Sie mußte ihm also gefallen! Und eine leise Unruhe bemächtigte
sich ihrer. Sorgfältiger als sonst wählte sie ihre Kleidung und nicht ganz so pünktlich mehr als bisher schloß sie ihre Mittagspause. Sie blieb in seiner Nähe, bis er selber zu Tische gerufen wurde. Seine Worte, mochte der Inhalt auch harmlos und
nichtssagend sein,' umschmeichelten sie;
wie die lauen Winde, die mit der Sonne dahergeflogen kamen.
Und war diese emnge, unermüdliche
Arbeit denn wirklich soviel werth? Er
selbst hatte so spottvoll über sie ge-
scherzt, und ihr gestanden, daß er in
seinem Leben eigentlich memals recht, gearbeitet hätte. Was hätte es auch für ihn einen Zweck haben können? Er hätte zum Leben immer genug gehabt, und der Zweck, der wäre doch das einzige, der die Arbeit heiligen könne.
Da hatte er eigentlich recht. Was
hatte das viele Mühen denn nun auch für sie einen Zweck?" Die Aufgabe, die
aewiß recht aroße, war gelost, und
nur und immer nur für ihr armseliges, freudeloses Leben
Sie schüttelte den Kopf. Nein, das
gab wirklich keinen Lohn.
Sie oegnsf es plötzlich, daß ihm fern Leiden nicht gar so schwer erschien, daß
er im Besitz der Unabhängigkeit dar-
über lachen und spotten konnte. Er lebte doch wenigstens .sich selbst, er konnte sich sein Dasein nach eigenem Willen gestalten! Begieriger noch als bisher begann sie seinen Worten zu lauschen und ihr war, als hätte er in allem Recht. Selbst als er ganz unscheinbar davon sprach, daß er es immer noch für besfer hiett, ein so gesichertes Leben wie das seine zu theilen, als bis an's Lebensende sich .hart zu mühen und zu plagen, stimmte sie in ihrem Innern zu. ' . ' Aber sie sagte nichts. ' Eine seltsame Schüchternheit, die sie noch nie an sich gekannt, verschloß ihr den Mund. , Doch des Nachts lag sie mit offenen Augen und starrte in. das Dunkel. Wenn es wahr wäre, wenn er sie wirklich begehrte es wäre doch wie eine Erlösung! Zwei schwere Thränen rollten ihr über die Wangen. Zaghafter ging sie am nächsten Taz zu ihm hinüber. Er winkte ihr schon von weitem zu, doch ihr Lächeln, das sie zum Gruß ihm gab, war recht gezwungen. Und er sprach mit ihr, ernsthaft und klar. Wie gut es auch für sie beide wäre, wenn sie ihr Leben aneinander fesselten. Sie brauchte nicht mehr zu arbeiten, nicht mehr die Nadel zu führen und das Garn zu fädeln und ihn würde sie Pflegen und zerstreuen und sein Alter mit Freude umgeben können. Dafür wäre sie für ihr ganzes Leben versorgt und nach seinem Tode eine reiche Frau! Sie horchte und hörte mit erregten Pulsen. Und er sprach immer weiter. Von sich, von seinem Leben was sie ihm alles sein könnte von ihr nicht eine Silbe! Da bäumte sich etwas in ihr auf. Sie fühlte plötzlich, daß es wieder nur ihre Kraft war, die, er begehrte, nicht sie selbst, nicht das, was menschlich war in ihr. Wenn das allein das Glück sein sollte, das sie für die Arbeitsfreiheit eintauschte, daß er sie wieder in ein Leben neben dem Leben" führte, dann dann Sie dachte den Gedanken nicht aus. Wie gehetzt jagte sie in ihre Wohnung zurück, und es war ein großes
Glück für sie, daß eines ihrer Geschwister sie wieder für die Kinder in Anspruch nahm. Sie lächelte trüb aus bleichen Zilgen, aber sie war schon beinahe wieder froh. Wie gut, daß sie noch arbeiten konnte
Ter Weinkarte Leid und ftrcni. Die Trierer' Fachzeltschrift Der Weinmarkt" bringt einePlauerei über Der Weinkarte -Leid unv Freud'", der wir folgendes entnehmen: So 'nc Weinkane ist ein e'gmrtig D.ng, ein Stück Karton oder Papier mehr ode: minder 'feiner Qualität, dabei immer sehr. launenhaft, sieht meistens an- wo abgegriffen aus und bewegt sich stets in höheren Sphären. Oder haben Sie schon einmal eine Weinkarte gesehe.i, die sich nicht in den höheren Sphären bewegt, die nicht mit goldenen, mit den feinsten Namen prunkt? Schauen Sie einmal h'n. fangen Sie an mit oen Rheinweinen und lesen Sie b'.s herun' ter, wo die badischen und fräntisen Weine ihr Leben fristen, lesen Sie und Sie werten sagen: Das ist aber mal ein: illustre Gesellschaft, lauter Namen von gutem Klang, lauter Namen vcn Adel, nicht ein einziger derb bürgerlich klingend!" Glauben Sl? aber ja nicht, daß das nur gerade auf der Karte, die Sie gerade in einem feinen Hotel oder Restaurant zur aro nehmen, der Fall ist. Da irren S!e gewaltig: ob Sie die Weinkarte einer Spelunke oder die eines ersten WeniRestaurants zur Hand r.ehmen den Unterschied merken Sie nur an der Feinheit des Papiers und' an b:n Preisen. Die'Spelunk: verlangt fü. ihren Forst er Jesuitergarien" 1,50 Mk., das feinere Restaurant 5 Mk., das feinste 10 Mk., während ein echter Forster Jesuitenzarten" kaum in tU nem öffentlichenLokal zu h'bm ist. zumal nicht für 10 Mk., geschweige denn für 5 und 1.60 Mk. So ist es mit den Rhein- und Moselweinen auch. Ueberhaupt sind ; die ' Namen einer Weinkarte, sofern man eine solche gerade nicht in einer Weingegend liest. fast ausnahmslos Pseudonyme", zu Unrecht angenommene Aoelsprävikate. Maßt sich aber mal ein Mensch den Adelstitel an, so wird er bestraft sollten nun für Wein Ausnahine-Gc-setze gelten? Das ginge ja'wider jedes Rechtsgefühl. Und wirklich giebt es für Wein keine Vorzügsgesetze. Wir haben ein Mark:nschutza:sctz und ein Gesetz betreffend den Verkehr mit Wein, weinhaltigen uns weinähnlich::: Getränken vom 24.,Mai 1901". Un.er dieses Gesetz fallen auch diese Fürsten. Grafen und Frech:rren, welche auf der Weinkarte ein aufgeblähtes, er!cgen:s
Dasein fuhren. Hoffentlich fallen u noch unter die Komvetenz dieseZ Ge-
setzes, hoffentlich sind sie noch weinhaltig und we'mähnlich. Aber ke.n Mensch bekümmert sich um diese Psedograsen auf der Weinkarte, jeder
trmtt sie und erzahlt: Donnerwetter,
heute habe ich 'mal emen famosen Rudesbeimer a:ncssen. war nicht 'mal
theuer!" Dabei schnalzt er noch, den
Genuß nachfühlend, mit der Zunze.'
Für ihn spielt der Wem die Nebenro:le, die Weinkarte die Hauptrolle. DaZ ist der Laie! Ander? der Fachmann. Der hat nur ein bedenkliches Schütteln
des Kopses beim Genusse dieses Rüdesheimer, macht beim Bezahlen dem
Ganymed gegenüber eine bissige Be-
merkung, und schluat seinen uerger hinunter, wie er das war dielliicht gar nicht so leichi! den Wein ver schluckt hat. Sobald er aus dem Lo kal fort ist, schimpft der Kellner, daß der alte. Griesgram die Weinkarte in Fetzen gerissen tat. Das war die' Rache des Edlen für den Rüdesheimer. Doch Wirth und Kellner trösten sich, es sind ja noch einige Hundert Exemplare da. das Stück kommt nur auf 5 Pfg. zu stehen. An einer Flasche Rüdesheimer werden zwar nur" 3 Mark verdient, bleiben immerhia ncch 2,95'Mk. Man kann sich zufrieden geben. In Würzburg ist's, in' einer der dortigen zahlreichen Bäclerwirthschaften. Eine niedrige, dumpfe Stube ohne Komfort. Bäckergeruch ' in jeder Ecke. Die Weinkarte, bitte!" Ein armseliges Stückchen Pap!er bekomme ich, voran offne Weine, Frankengewächse, dann Flaschenweine: Stein, Leisten in Boxbeutelverpackung. dann einige bescbeidene Pfälzer Namen, auch Rh:in ands: blumen und ein Name von der Mosel. Ke'ne. Fürsten, Grafen und Fre.her.en, nur hie und da ein bescheidener ,.5"err von", zumeist Bürgerliche, dafür ä ich zivile" Preise. Das ist eine Weilkarte nach meinem Herzen. Wirth: in Weinaegznden nehmen eben mit gcrtngem Verdienste vorl'eb. Eine Ref?rmation an Haup: und Gliedern sei nöthig, behauptet r in, ich behaupte es auch." Bienenschwarm als Verk e h r s h i N d e r n i ß. In die Budapester Andrassystraße war iünast von
einer Seitengasse her ein großer, dichter
Bienenschwarm eingedrungen. Die Lenker der zahlreichen daherkommenben Wagen wagten es aus Angst vor Bienenstichen nicht, die Straße zu Passiren, -und so trat plötzlich - eine Stockung des lebhaften Waaen've'rkebres
ein.? Zu beiden Seiten der Straße hatte
sich eme große Menschenmenge poshrt welche die furchtsamen Kutscher ver' Höhnte. Endlich wurde einem Sicherheitswachmann die Geschichte zu bunt
Er zog vom Leder und suchte durch Herumfuchteln mit seinem Säbel dem Bienenschwarm eine andere Ricktuna
zugeben. Doch der, Schwärm warf.sich
aus ihn und zerstach ihm das ganze Gesicht bis zur Unkenntlichkeit. Da
richtete ein Mann, der in der Nähe die
?tra!zenau,,pritzuna desorate. den
Schlauch gegen, den Bienenschwarm Das Mittel half, die Bienen flogen da von und die Passage der Andrassystraß, war wieder frei.
' Mnt (5ntfü!zr!l,igeg5sikiiHte
beschäftigte die Münchener Staatsan-
waltschaft. Die entführte Person ist
ein ausaewasener Mann, ein Student der Rechte, der eine ganz eigen-
thumliÄ: Bchandluna. durchzumachen
hatte. Der Student. Sohn vermögender. in Pirmasens ansässiger Eltern. hatte sich nach der Münchener
Allg. Zta." in die Tochter eines Werk-
meisters zu München verliebt und sich
gegen den Willen seiner Eltern mit ihr
verlobt. Bor einigen Monaten nun be-
gab sich der junge Mann spät Nachts in seine Wohnung an der Georgen-
strafe, wurde aber vor der Hausthür
von drei Männern gepackt und gemaltsam in eine bereitgehaltene DrosMe gesefci. Das Fuhrwerk fuhr in schnellster Gangart zur Dachauer Straße, wo ein Automobil den jungen Mann und seine drei Begleiter aufnahm. Die Versuche des Studenten, zu schreien, wurden durch die Entsührer dadurch verhindert, daß sie ihm die Sand auf den Mund preßten, und ihn überhaupt derartig festhielten, daß er sich nicht zu rühren vermochte. In rasender Gangart ging die Fahrt die Nacht hindurch bis Neu-Ulm, wo ein Fehler am Automobil zum Aufenthalt zwang. Während der Fahrer den Wagen 'in Ordnung brachte, unternahm der Entführte einen Fluchtversuch; seine Begleiter holten den Flüchtling aber ein und prügelten ihn derart, daß er jeden weiteren Versuchs seine Freiheit wiederzugewinnen, aufgab. Die Entführer und der Student setzten ihre Fahrt hierauf mit der Bahn bis Pirmasens fort, wo es zwischen den Eltern und dem Sohne zu einer stürmischen Szene kam. Der Leser wird errathen, daß es die Eltern selbst waren, die die gewaltsame Entführung ins Werk gesetzt hatten, um den Sohn an der Seirath mit der Werkmeisterstochter zu verhindern. Der junge Mann blieb unter strengster Aufsicht in feiner Vaterstadt und durfte nur unter scharfer Bewachung ausgehen. Während dessen wtte in München das, spurlose Verschwinden des Studenten Aufsehen erregt: die trostlose Braut, die zuerst an einen Unfall dachte, kam schließlich auf den Gedanken daß die Eltern des Studenten die Sand bei der dunklen Geschichte im Spiele Härten. Ein Vertrauensmann wurde nach Pirmasens gesandt; diesem gelang es auch, den Verschwundenen dort ausfindig zu
machen und ihm bei günstiger Gele-
genheit wählend des Rastrens bei einem Friseur) einen Zettel in die Hand zu drücken, durch den ihm mitgetheilt wurde, daß in nächster Nähe zu.bestimmter fleit ein Fahrrad zu seiner Flucht bereit gehalten werde. Dem Studenten gelang es auch, das Rad zu erreichen und er und sein Begleiter führen davon, -um einige Stationen von Pirmasens entfernt die Eisenbahn zu besteigen und nach München zurückzukehren. ' Diese beinahe romanhafte Entführungsgeschichie hätte nun keinerlei ffolgen gehabt, da der junge Mann selbstverständlich seine eigenen Eltern nicht in Ungelegenheiten bringen wollte. Als aber die AngelegenhtiL in einer Beleidigungsklage vor Gericht zur 'Sprache kam, griff die Staatsanwaltschaft die Sache auf und verfolgte sie. Die Entführer wurden bereits ermittelt. Der Fahrer, der das gemiethete Automobil leitete, wird nicht unter Anklage gestellt werden, da er glaubwürdig versichert, ihm sei gesa.gt worden, es handle -sich darum, einen Geisteskranken fortzuschaffen. Wohl aber werden die Eltern des Entführten zur Rechenschaft gezogen werden. da es sich um eine Freiheitsberaubuna handelt, ein Vergehen, zu dessen Verfolgung ein Antrag des Geschädigten nicht erforderlich ist.
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Tleveland, Cincinnatt, Chicago & St konis Railwa?.
Die öoppcltc Wahlurne. Florensal, ein sonst friedliches französisches Städtchen, war in den letzten Tagen der Schauplatz erbitterter Straßenkampse. welche sich an die Gemeinderathswahlen knüpften. Die Ergebnisse disser kamen den Wählern so überraschend vor. daß sie sie nicht accevtiren wollten und die Behörde veranlaßtcn, ihre Wiederholung anzuordnen. Wiederum ergab das Skrutinium ein unerwartetes Resultat. Ein hierdurch erbitterter Wähler untersuchte nun den Tisch, auf welchem die Wahlurne stand, und machte eine überraschenve .ntdeaung. Der Tisch war ungewhnlich hoch. ' Sein Vordertheil war, mit schwarzem Tuch verhängt. Als der neugierige Wäler dieses Tuch aufhob und unter den Tisch schlüpfte, fand er daselvst einen auf einemStuhl sitzenden Mann, der auf seinen Knien eine Wahlurne hielt. Es zeigte sich, daß in der Tischfläche eine Oeffnung angebracht war. durch welche die auf dem Tisch stehende Urne nach unten befördert und durch eine andere ersetzt werden konnte. Dies geschah, so oft die Herren am Wahltisch hex Meinung waren, daß die Stimmzettel nicht das ihnen erwünschte Ergebniß liefern würdeii. Die Entdeckung dieses sinnreichen Wahltricks rief eine wahre, Revolution hervor. Das Militär mußte einschreiten, das Wahlhaus wurde in Belagerungszustand versetzt, und unter Bajonetten ging die Wahl zum dritten Male vor sich. . Diesmal wurde die Urne nicht gewechselt. . Der Fabrikant' Wilhelm Lämbrecht, Erfinder' der Wetter-Tele-graphen und zahlreicher meteorologischer Instrumente, ist im Alter von 71 Jahren in Göttingen gestorben.
St. Louis Division.
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