Indiana Tribüne, Volume 27, Number 285, Indianapolis, Marion County, 23 July 1904 — Page 4

Indiana Tribüne. Heran gegeben von der Sutenderg tt. Indianapolis, Ind.

Harry O. Thudium , Präsident. GeschäftSlocal: No. 31 'Süd Delaware Straße. TELEPHONE 269 r.t tticd at the Pot Office of Indianapoli a tecond dass matter. Der Triumph des Rechtes. Joseph W. Fott ist nun von den Delegaten der Partei, deren politische Führer ihn politisch unmöglich zu machen versuchten ' und ihn mit ihrer gan zen Macht bekämpften, einstimmig zum GouverneurS'Kandidaten von Missouri nominirt worden, waS gleichbedeutend mit seiner Wahl ist. Interessant ist in erster Linie die Platform, auf mU cher er nominirt wurde, denn diese ist selbstverständlich gerade gegen das Ele ment,' welchem die demokratische Maschme in Missouri ihre Stärke bislang verdankte, die Corruption, gerichtet. Das interessante Dokument, welches auch anderen Staaten recht dienstbar sein könnte, lautet in den Hauptpunk ten folgendermaßen: . Die demokratische Partei von Mis souri ist nicht nur sür den materiellen und intellektuellen Fortschritt, sondern auch für die Hebung der Moral und erklärt eZ als die Haupt-TageSfrage, daß die Korruption aus dem öffentlichen Leben in diesem Staate verbannt werde. ES ist Wohl in Missouri nicht mehr Korruptkon vorgekommen, als in anderen Staaten, aber hier wurde sie aufgedeckt, anderswo nicht. Durch die Arbeit demokratischer Beanter in Missouri ist die Missourier Idee" im ganzen Lande zum Losungs wort geworden. Die erschreckenden Enthüllungen von Korruption in Missouri haben den Bürgern die Pflicht auferlegt, diese entehrenden und be drückenden Zustande auszumerzen. Gute Bürger könnenlsich täuschen lassen, aber die wissentliche sDuldung solcher Vor kommnisse ist kriminell. Keine Partei wird durch die Ausscheidung von Schurken geschädigt. Die Duldung, nicht die Abwehr solcher Elemente ist ernie drigend. Für keine Partei kann es eine höhere Aufgabe geben, als die Be kämpfung öffentlicher Gebrechen. Die Austilgung der Bestechlichkeit ist wichtiger als alles Andere, denn während andere Probleme die Funktionen der Regierung' belreffen, greift diese die Grundlagen der Regierung selbst an. Oessentliche Korruption, wenn gedul det, wird zur Zerstörung der freien Regierung führen. Wo Bestechlichkeit herrscht, ist eSkeine Verwaltung durch und für das Volk, sondern eine solche durch und für die Wenigen, die reich genug sind, sich von den Beamten Ver günstigungen zu erkaufen. Andere Verbrechen verletzen ein Gesetz, die Bestechlichkeit trachtet dem Staatswesen nach dem Leben. In .St. Louis hat sich, gemäß den Bekenntnissen der daran Betheiligten, feit 25 Jahren die Korruption in den Hallen der Gesetzgebung breit gemacht. Die Korruptionisten wurden mächtig und anmaßend. Sie hielten sich durch Reichthum und politischen Einfluß gegen alle Angriffe, gesichert. In unserer Staatslegislatur haben Gesetzgeber, ihre hohe Aufgabe vergessend, sich in den Netzen der Hab sucht fangen lassen. Demokratische Beamte haben diese Zustände aufgedeckt und die Uebelthäter dem Gesetze überliefert. Wir pflichten dem, was bisher in dieser Richtung geschehen ist, bei. Wir erklären der Corruption unnachsichtlich den Krieg und verpflichten die demokratische Partei, scharf gegen alle Cor ruptionisten vorzugehen, ganz gleich ob sich dieselben in unserem oder in dem Lager der Oppositionspartei sinken sollten. ES ist hiermit verkündet, daß die Demokratie in ihren Reihen keinen Raum für einen Budler hat. Wir weisen ihre Unterstützung zurück und' wollen ihre Stimmen nicht haben. Wir fordern solche von ihnen, die sich mit dem Mantel der Demokratie decken, auf, UNS zu verlassen, und wir werden dafür sorgen, daß sie nicht nur die Partei, sondern auch den Staat der lassen. Wir vertrauen auf die Ehrlich keit des Volkes und erwarten durch diese den Sieg. An alle ehrlichen Leute, öhne Rücksicht auf Parteiangehörigkeit, richt? wir die Aufforderung, sich unö in unserem Kampfe gegen die Corruption anzuschließen. ES ist die Lebensfrage in dieser Campagne, und auf sie baut die demokratische Partei von Missouri ihre Hoffnungen.

Wir fordern den Erlaß eineS Ge setzeS, welches eS zu einem Verbrechen macht, wenn ein Beamter BestechungSgelber fordert. Die gegenwärtige Bestrafung eines Solchen wegen eines Vergehens ist der Schwere des Verdre cher.S durchaus nicht angemessen. Wir fordern den Erlaß eines GesetzeS, durch welches Zeugen in einem Bestechungsprozesse gezwungen werden, auszusagen, mit dem Vorbehalt, daß ihre Aussagen nicht zu ihrer eigenen Ueberführung dienen können.- Ueber einen Bestechungsfall können nur solche, die daran betheiligt waren, aussagen, und da sie dem gegenwärtigen Gesetze gemäß alle gleich schuldig sind, ist eS unmöglich,Beweismaterial zu erlangen. ES ist schwer. Beweise zu finden, auSgenommen dadurä), daß man die Staatszeugen vor gesetzlicher. Verfolgung sichert. Wir sind zu Gunsten der Annahme von Gesetzen, durch welche alle durch Bestechung erlangten! Gerechtsame für ungültig und nicht zu Recht bestehend erklärt werden. Wir glauben, daß die Verjährung frist in Bestechungsfällen auf fünf Jahre verlängert werden sollte. Wit verlangen die prompte Untersuchung aller Gerüchte über Be stechungen und die Verfolgung der Gesetzesübertreter, ganz gleich, welcher Partei sie angehören mögen. Wir glauben, daß ein Gesetz geschaf fen werden sollte, welches dem Gouverneur das Recht einräumt, durch den Generalanwalt die Leitung der Grandjury'Untersuchung in irgend einem Theile des Staates zu übernehmen,' insofern sich diese auf amtliche Corruption oder die Verletzung sonstiger Gesetz: bezieht. Wir befürworten den Erlaß von Gesetzen, durch welchedie professionelle Lobby" 'in der Legiölatur für ungesetzlich erklärt wird. Corporationen und andere Körperschaften sollten betreffs sie angehender Maßnahmen vor den zuständigen Ausschüssen vernommen werden, aber die Unterhaltung von bezahl-

ten Lobbysten" im Capitol führt nur zu Corruption. Wir versichern dem auf unserem Ticket erwählten Gouverneur, alle Interessen vor gesetzlicher Vergewaltigung zu schützen und darauf zu achten, daß Allen die gleiche und gebührende Gerechtigkeit. Niemandem aber spezielle Privilegien eingeräumt werden sollen. Wir beglückwünschen die Bevölkerung deS Staates zu der Erfüllung des von der Partei vor zwei Jahren gemachten Versprechens, den Stimmgebern einen Eonstitutionszusatz unterbreiten zu wollen, der im November zur Abstimmung gelangt. Wenn angenommen, wird dem Volke dadurch in Zukunft die- Gewalt zustehen, schlechte Gesetze abzulehnen, sowie auch neue und gewünschte Maßregeln einzusühren. Dadurch wird die Frucht corrupter Handlungen der Legislatur unschädlich gemacht und auch die fernere Versuchung zu solchen Handlungen schwinden. General Kuropatkin wäre vielleicht als Depeschenredakteur recht brauchbar. Der Paragraph gegen die. Lobby in Folk'Z Platform sollte auch hier be herzigt werden. Wenn empfindlich hohe Strafe aus Widersetzlichkeit gegen Polizisten gesetzt würde, könnte man den Knüppel ganz entbehren. Ten dem. Politikern in Missouri leuchtet es so -allmählich ein, daß sie nicht Herren, sondern Ereaturen des Volkswillens sind.. Der Deutsche Tag wird hier am 14. August begangen. Der berühmte Congreß Abgeordnete Richard Bart hold wird der Festredner sein. Eine bessere Wahl konnte nicht getroffen werden. Auf den Philippinen gibt es gegenwärtig etwa 12.000 Lepröse (Aussätzige). Von Noh-Petroleum werden 48 Prozent der Weltproduktion in den Ver. Staaten gewonnen. Ein erwachscner Elep h a n t kann ohne Beschwerde 13.000 Pfund auf dem Rücken tragen. ' I n A u st r a l i e n gibt es, mit Ausnahme des Dingos (wilden Hundes) wenig eigentlich jagdbares Thier. Plötzliche Todesfälle sollen unter Männern reichlich achtmal so häufig vorkcmmen als unter Frauen. Der normale Fuß des Menschen soll nach Albrecht Dürer ein Siebentel, der ganzen Körperlänge aus-

Das JoyanniSfest in Florenz. F l o r e n z. 24. Juni. Die Stadt der Lilie steht in Rosen. Nicht Erstlinge sind.es am 24. Juni, wie im sonnenkarg'en Norden;, seit dem März deckt ihre junge Schönheit das Altersgrau verwitiernder- Mauein und schlingt sich in meterlangen Ranken um die Säulen des Mercato Nuovo in den Stunden des Blumenmarites. Heute aber, am Feste San Giovanni, des Schutzheiligen von Florenz, liegt Rosenduft über der ganzen Stadt. Rosen hängen in Guirlanden über den Straßen; sie schmücken jeden sonst vergessenen historischen Winkel; sie leuchten von dem alten Wappenschilds der Pazzi, einer Arbeit Donateo's; sie bekränzen das liebliche Madonnenrelief' von Luca della Robbia. Um die Kirche San Giovanni, den Mittelpunkt des Festes, bedecken sie den Boden; man könnte meinen, sie wüchsen zwischen den Steinen heraus. Die Andächtigen, die zum Heiligthume wallen, tragen Rosen in den Händen, an der Brust, am Gewände. Das ehrwürdige alte Baptisterium selbst läßt in der strengen Einfachheit seiner äußeren Gestalt den leichten, verweltlichen Schmuck nicht zu. Die Jahrhunderte haben den weißen Marmor seines Kleides zu lichtem Ocker getönt, das tiefdunkle Grün gebleicht so steht es da in der würdevollen, stillen Ausgeglichenheit des Alters. Die jetzt vielfach angefochtene Ueberlieferung will, daß das heutige Baptisterium in vorchristlicher Zeit ein Tempel des Mars gewesen sein soll. Der letzte heidnische Tempel und die erste christliche Kirche auf toskanischem Boden! Honorius Romanus, der den Florentinern das Christenthum gcpredigt, soll die Statue des Mars von hier entfernt und den schönen Bau dem Schutzheiligen von Florenz, Johannes dem Täufer, geweiht haben. In die feierliche Stille des dämmerigen Raumes dringt die Fest-Atmo-sphäre, die durch Ne Stadt weht. Jeder Kenner 'des Florentiner Lebens weiß, daß für gewöhnlich nur das Südportal der Kirche von San Giovanni offen ist. Dort, wo Andrea Pisanos herrliche Thüren 'das Leben und Leiden des Heiligen in Erz . erzählen, sieht man fast zu jeder Stunde des Tages einen geschlossenen Äagen. Der Kutscher hält ein Schläfchen. während, der Täufling, den er h-rangefahren hat, im Heiligthum in die Gemeinschaft der Christen aufgenommen wird. ' Noch heute wird jedes Florentiner Kind im Baptisterium getauft. Ein gemeinsames Band, das Alle eint und Jedem ein Stück ..Anhanglichkeit an- die alte Kirche -in's Herz pflanzt. ' Am Tage San Gio-. vanni sind auch die Thüren- nach Osten und Westen, Ghiberti's Para-dieses-Thüren, geöffnet. Der Rosenduft und die Juniluft fluthen herein und der sonst halbdunkle Raum strahlt in einem Meere von brennenden Kerzen. Sie leuchten von den Seitenaltäten und spiegeln sich wider in dem mächtigen Silberaltar, dessen Vorderfeite in schön getriebener Arbeit, biblische Szenen zeigt. Dieses Prachtstück des Domschatzes wird für diesen einzigen Festtag hergeschafft und in der Mitte des achteckigen Raumes aufgestellt. Vom Morgengrauen bis zur Mittagszeit werdezt hier unaufhörlich Messen zelebrirt, und unaufhörlich strömen die Gläubigen herein, verrichten ihre Andacht und bringen ihre Opfergaben: Rosen und besonders Kerzen. Diese wurden stets in solcher Menge dargebracht, daß es Sitte wurde, die im Jahre nicht verbrauchen am Feste San Giovanni zu Verbrennen auf den Altären oder außerkalb der Kirche auf den Plätzen, die zu Ehren des Heiligen beleuchtet wurden. Nach zwölf Uhr vermindert sich der Strom der Kirchenbesucher. Nach dieser Zeit gehört der Tag der Festesfreude und dem Genuß. Der lange Sommertag wird ausgedehnt bis in die tiefe Nacht, die kaum ein Dunkeln bringt 'um die Zeit der Sonnenwende. Das scheint aber dem Florentiner inimer noch zu kurz gefeiert, und man kann es ihm nicht' verargen. Hat sich doch im Volke so gut wie in den alten Chroniken der Bericht erhalten, daß das Fest des großen Schutzheiligen in früheren Jahrhunderten volle sieben Tage, vom 20. bis 27. Juni, gefeiert worden ist. Und wie gefeiert! Umzüge zu Ehren des Tages, an denen simmtliche BeHorden der Stadt, die fremden Gesandten, Deputationen aus befreundeten oder unterworfenenStädten, Fremde von Rang und Ruf, die Zünfte, die Vertreter der großen Familien theilnahmen, waren von einer Großartigkeit, wie man sie sich heute kaum vorstellen kann. Aus dem Jahre 1233 wird berichtet, daß am Feste San Giovanni 4000 weißgekleidete Menschen in feierlichem Aufzuge durch die Straßen zogen. Zum Entzücken des Volkes wurden in solchen Zügen! die seltsamsten Schaustellungen gehoten. Unter andern war tZ Brauch, den Heiligen selbst in diesen Prozessionen darzustellen. Es war nicht immer leicht, eine Persönlichkeit zu finden, die Neigung und Befähigung dafür hatte. Schwinbelfrei mußte der Pseudoschutzheilige durchaus sein, der auf einem 30 Fuß hohen -Gerüste, dem. reich geschmückten und viel bewunderten Wagen der Zccca (Münze), durch die Straßen und um das Baptisterium herumgefahren wurde : Mit solchen Umzügen war natür-

ltch das Festprogramm nicht ericyopsl. Alle Arten. Kampfspiele. Stiergefechle, Wettrennen u. f. w. füllten die Tage. Als 1288 die Florentiner vor Arezzo lagen, hielten sie unter den Mauern und den Augen der Belagerten ihre Festspiele und Pferderennen ab. Dasselbe wiederbolte sich 1292 bei der Belagerung von Pisa. Weder die Pljaner noch die Brwohner von Arczzo wagten es mit irgend einer Gegenwehr die Feiernden zu unterbrechen, was d'e Florentiner mit großem Stolze melden. Die Wettrennen zu Pferde und zu Wagen wiederholten sich Tag auf Tag mit verschiedenen Abweichungen. Die Zünfte, besonders die angesehene der Färber, ließen ihre Pferde laufen von der Porta Prato im Nordwesten der Stadt über den Mercato veccchio bis zur Porta Croce im Südosten, wo reich gestickte Banner dem Siege? als Preis zuertheilt wurden. , Je rascher man lebte, je höher der WertH der Arbeit stieg, desto unmöglicher wurde es, für eine volle Woche alle Läden zu schließen und alle Arbeit einzustellen. Jetzt ist das Fest auf den einen langen Sommertag beschränkt. Am Vorabende des Festes flammen Feuerwerke auf den Brücken, die über den Arno führen: eine Wiederholung der weitverbreiteten Sitte des Johannisfeuers. Am Feiertage selbst gibt es Volksbelustigungen in Fülle. Auch heute noch finden auf der großen Festwiese in den Cascinen Wettrennen zu Pferde und zeitgemäße zu Rad und zu Auto statt. Aber das Jnteress an solchen Schauspielen ist nicht so allgemein, wie es früher war. Die verschicdenen Klassen stehen sich fremder und verständnißloser gegenüber. Trotzdem aber bleibt der 24. Juni für Florenz ein nationaler Feiertag und ist in jedem Jahre wieder ein Ereigniß. Jeder Florentiner, der seiner Hcimalh sern ist, wird an dem Tage ihrer und der alten Taufkirche gedenken mit der zärtlichen Sehnsucht, mit der Dante in der Verbannung an il mio bel San Giovanni" dachte. Und so lange RoseN blühen, wird sich Florenz damit schmücken am Tage San Giovanni. Sport und (5nauv.lllotnus. Bei dem Radwettfahren um den Großen Preis von Paris in der Hauptstadt Frankreichs benahm sich die Zuschauermcnge gegen den deutschen Sieger, Heinrich Mayer-Hannover, in pöbelhafter Weise. ' Die Pariser Blätter, sogar die nationalistischen, tadeln ziemlich einstimmig das Publikum des Velodroms. das dcn Sieger nicht nur ausgepfiffen hat, sondern unter enormem Tumult sogar mit allerhand Wurfgeschossen zu treffen versuchte. , Das Publikum, sagt das nationalistische Echo de Paris", gab eine klägliche Idee von dem, was man französische Galanterie nennt. Uebrigens war der Zorn der Menge weniger durch den Umstand erregt, raß der Sieger einDutscher war, als vielmehr durch die ganz irrthümliche Auffassung. Mayer hätte den Franzosen Jacquelin in illoyaler Weise am Siegen verhindert. Alle Blätter konstatiren. daß diese Auffassung falsch war; si: rühmen die Leistung Mayer's. Das Echo de Paris" schreibt: '..Als Ellegaard, Rütt und Mayer zum Entschcidungslauf starteten wurden Pfiffe laut, die gegen Mayer gerichtet waren. Dieser bewahrte aber vollkommene Ruhe und fügte sich den Weisungen der Fahrordner, als ob nichts geschehen wäre. Unmittelbar nach dem Ablauf mußte ein neuer Start- erfolgen, da ein Reifen an Ellegaard's Rad geplatzt war. Als das Zeichen zur Abfahrt gegeben wurde, benahm sich das Publikum auf's Schmählichste.- Beim Vorbeifahren Mayer's warf man Zeitungsblätter. Steine und Pakete mit Sand auf die Bahn, die Zuschauer brüllten wie die Wilden und gaben so einen recht armseligen Begriff von der sogenannten französischen Höflichkeit. Es war ein wahres Glück, daß der deutsche Fahrer seine Kaltblütigkeit nicht verlor; er hat im Gegentheil durch seinen Sieg bewiesen, daß er ihn nicht dem Zufall, sondern seiner Tüchtigkeit zu danken hat." Wie vornehm sieht dagegen die neidlose Begeisterung aus. mit welcher der Sieg des Franzosen Thery bei den Homburger Automobilrennen von den Deutschen aufgenommen wurde. Spanische L5crtL!crstattung. . Gar selten kommt es vor, daß die spanischen Zeitungen Ereignisse in Deutschland für wichtig genug halten, v.m sie ihrem Publikum mitzutheilen. In vorigem Monat hat nur ein Ereigniß, das' sich in Deutschland abspielte, die Aufmerksamkeit der Spanier auf sich gelenkt, und das ist das Automo-bil-Rennen um 'den GordonBennettPreis. Die Agentur Fabra verbreitet dies in folgender Form: Salzburg, den 17. Juni. Präzis 7 Uhr hat das Automobil-Rennen um den Gordon Bennett-Preis begonnen. Der Kaiser von Oesterreich, die Kaiserin und verschiedene , Prinzen und Prinzessinnen wohnen dem Akte bei. Prächtiges Wetter. Fabra." Die Agentur Fabra weiß, wie man sieht, in der Geographie ganz gut Bescheid. Nachdem sie einmal die Saalburg mit Salzburg verwechselt hatte, gab es für sie keinen Zweisei mehr, daß das sportliche Ereigniß auf österreichischem Boden stattge'funden habe. Da war es denn auch anz logisch, daß der Kaiser, dessen Anwe-

senheit gemeldet wurde, der Kaiser Franz Josef gewesen ist.

Kochkunst und Eßkunfl. Tafelfreuden in alter und neuer Zelt Ga, stronomische Tavkcrkclt. Ein unterhaltendes Buch hat George H. Ellwanger in London unter dem Titel The Pleasures of the Tablea veröffentlicht; er gibt darin eine Geschichte .der Gastronomie von dem ersten, im Paradies gegessenen Apfel an" bis zu dem modernsten Leckerbissen, der Königen vorgesetzt werden kann. Unter den ersten natürlichen Nahrungsmitteln herrschten Eier, Milch. Reis, Honig, Zwiebeln,- Knoblauch. Weinblätter, Rettiche und Mohrrüben vor. Kaffee wurde sehr frühzeitig in Abessynien genossen, war aber den Griechen und Römern unbekannt. Dagegen kannten diese die seit wenigstens 3000 Jahren in Indien angebauten Gurken. Auch Moses und die Israeliten kannten diese Frucht; Fische, Gurken, Lauch und Melonen werden als egyptische Leckerbissen erwähnt. Das Backen im Ofen ist schon alt; bei wenig civilisirten Rassen wurde jedoch das Fleisch, das gebraten werden sollte, auf heiße Steine gelegt und mit Asche bedeckt oder auf einem Dreifuß von Stöcken über die Flammen gehängt. Die Perser geben das erste Beispiel der luxuriösen Küche; das günstige Klima, die Fruchtbarkeit ihrer Erzeugnisse und ihre natürliche Neigung zum Wohlleben förderte bei ihnen die Liebe zu Tafelfreuden. Die ältesten uns bekannt gewordenen Bücher nehmen Bezug auf ihren Pomp beim Bankett und schildern die glänzenden Gelage ihrer Könige. Die Schmausereien von Darius und Xerxes sind berühmt in der Geschichte, ebenso die Feste Nebukadnezars und Belsazars, der 1000 seiner Edlen bewirthete. Sardanapal fot dem, der ein neues Gericht erfinden würde, 1000 Goldstücke zum Lohn. Von Persien führt der Verfasser den Leser nach Griechenland und Italien und zeigt, daß mit dem Verfall der Republik während der Zeit von Pompejus, Cäsar und Lucullus die römische Küche ihre größte,' Berühmtheit erlangte. Damals-führten die großen Verwüster der Welt" 'ihre Köche mit sich und wetteiferten miteinander, die schmackhaftesten Gerichte der verschiedenen Länder vorzuführen. Antonius, der mit seinem Kochkünstler einmal befonders zufrieden war. sandte - beim Dessert nach ihm und schenkte ihm eine Stadt von 35,000 Einwohnern, ein Beispiel, das Heinrich VIII. von England im Kleinen nachahmte, denn er belohnte seinen Koch für die Herstellung eines Puddings, indem er ihm ein Schloß schenkte. . Vor 400 oder 500 Jahren hatte man hr England vier Mahlzeiten täglich, Frühstück um sieben Uhr, Mittag um zehn, Abendbrot um vier und Nachtmahl um acht Uhr. Von dieser Zeit an ist in England und Frankreich die Hauptmahlzeit des Tages durch jede Stunde von zehn Uhr Morgens bis zehn Uhr Abends vorgerückt. Im 13. Jahrhundert war in Frankreich die Mittagsstunde um neun Uhr Morgens. Heinrich VII. speiste um elf, zu Cromwells Zeiten war ein Uhr, zu Addisons Zeit zwei die vornehme Mittagsstunde, die allmälig bis vier und fünf hinausgeschoben wurde. Im zweiten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts wurde das Mittagessen immer später angesetzt, bis es schließlich auf den Abend gerückt ist. Der Verfasser erzählt in einem Kapitel auch eine Anekdote von der gastronomischen Tapferkeit eines Schweizer Gardisten, der im Dienst des .Marschalls v. Villars stand: Eines Tages sandte der Marschall' der von dem großen Appetit des Mannes gehört hatte, nach ihm: Wie viele Veefsteäks können Sie essen?" fragte er. Ah, Monseigneur, nicht viele, höchstens fünf oder sechs." Und wie viele Hammelkculen?" Hammelkeulen? Nicht viele sieben bis acht." Und Hühner?" Oh, nur wenige, ein Dutzend." Und Tauben?" Nicht viele, vierzig, vielleicht fünfzig." Und Lerchen?" Lerchen, Monseigneur? Immerfort?" Japanische Nsmengebung. Jedes europäische oder amerikanische Kind kann, falls es nicht stumm ist, ohne Zögern die Frage beantworte: Wie heißt Du?" Ein kleiner Japaner muß hierüber aber immer erst etwas nachdenken, weil er zu verschiedenen Lebenszeiten mit verschiedenen Vornamen benannt wird. Den ersten erhält er, wenn er einen Monat alt ist. Ve: dieser Gelegenheit werden drei Namen auf je ein Stück Papier geschrieben un") dann in einem Tempel unter Gebeten rn die Luft geworfen. Das Kind bekommt denjenigen Namen, der zuerst zu Boden fällt, und es behält ihn drei Jahre lang. Im 15. Jahre wird derName abermal? gewechselt und dann nochmals bei d:r Hochzeit. Die Chinesen machen es ahnlich, wie ja die alten japanischen Volkssitten ganz auf den chinesischen beruhen. Eigenartige Ausstellung. Im Sommer des nächsten Jahres findet zu Liege in Belgien eine Ausstellung statt, auf der eine Art Armttistadt; dämlich eine Straßenzeile cm Arme Leut'-Häuschen, billig gebaut und billig eingerichtet, je einer oder .zwei Familien zum Aufenthalt dienend, erbaut werden soll. Die Häuser. werden in natürlicher ' Größe' zur Ausstellung gelangen, und zwar auf Grund ei;.:r internationalen Konkurrenz, .'welche für die besten Mod'le Preise im Betrage von 15,000 Francs aussetzt.

f reize! Iras.,

5!o. 1 W. Washington Str (Merchanrs National Bank.) Ein europäisches Department. Wechsel, Creditbriese und Postanweisungen aus alle Städte Europas. Schisssscheine nach und vo Eurora. An- und verkauf ausländischen Geldes. ' H Thun Sie es im Juli ! ! . Beginnen Sie das lang geplante SparConto diesen Monat. Es wird Ihnen Vergnügen machen zu sehen wie die kleinen Summen wachsen. Wenig aVrr oft füllt die Börse" Studiren Sie unten stehende Tabelle und sehen Sie was 10 Cents per Tag, oder drei Dollars per Monat, fertig bringen zu S Prozent, halbjährlich, im Mai und November verrechnet. TIl2 Hai Tut Ci. 1 Jahr $ 36 58 2 Jahre 74 25 3 Jahre :. 113 08 4 Jahre 153 06 6 Jahre 194 25 , . 6 Jahre 236 70 7 Jahre 280 45 8 Jahre 325 47 9 Jahre 37187 10 Jahre 419 66 Kapital - - $1,000,000.00 Ueberschnß - 225,000.00 Osficen : Im Compagnie Gebäude. Ecke Washington Str. und Virginia Ave. ig A Route Exkursion nach Cincmnatl Sonntag, 24. Juli. Baseball: Cincinnati vs. Boston Spezial-Schnellzüge, nach keiner Richtung für Passagiere anhaltend, verlassen Jndianapolis um 7 Uhr Morgens. Retourfahrt von Cincinnati 7 Uhr Abends. Theodore F. Smith er, geschickter und zuverlässiger ...Aachdecker... Pech und Kiesdacher, Dacher von Asphalt und Eilfonit. Engros-tzändler in allen Arten von Dachmaterialien. Telephon: Neu 861. 301 West Maryland Str. Lkdweftl. Ecke von Senate Ave. und Maryland Str. Po cahontas rauchlose Kohlen V4.2S per Tonne. Pocahontas rauchlose Schauselkohlen tz4.00pcr Tonne. Tlnthracite, irgend eine Gröfze 86.80 pcrjTonnc. sür Ablieferung in diesem. Monat. 25c weniger per Tonne bei einer Bestellung von 10 Tonnen oder mehr. Zerkleinerte Cole. . .10c per Bushel für Adlieferungen in, diesem und nächsten Meuat. Home Fuel Co (Incorporirt.) Neuer Phone 9291. Altes Phone, Main 1150. Ich gebeS Gesang-, Piano...und.... Orgel-Unterricht ist allen Phasen dieser Künste und garantire meinm Schülern volle Zufriedenheit. Fldela A. Lefter. The Lester Studio, 5ko. 7 Ost North Straße. 'TUnti Phone Lss?.