Indiana Tribüne, Volume 27, Number 284, Indianapolis, Marion County, 22 July 1904 — Page 7
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W i Jndiaua Tribune, SS. Juli 1904.
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i vQ tWVMS. Roman von Ludwig Habicht. Storifeijung' ' ; .55ck will aucb niemand von da drüben" als Hochzeltsgäste haben", batte sie ihrem Bräutigam erklärt. Mein Oheim und ein alter Freund von (l)m werden Trauzeugen sein, und am Abend werde ich dann als Majoratsherrin mit dir einziehen, und wenn ich guter Laune bin, will ich meinen lieben Verwandten mittheilen, daß sie bleiben können, und ich hoffe, man wird für die Gnade, die ich ihnen erweise, dankbar,,sein!" Sie hatte bei diesen Worten übermüthig aufzelacht. Ihre ganze Sele schien nur noch von dem Triumph erfüllt zu sein, den sie über diese verhaßten Menschen haben werde. Barott Heinrich nahm in seiner blinden, leidenschaftlichen Liebe das alles ruhig hin; es kümmerte ihn wenig, welch' tiefe Demüthigung er damit feinen nächsten Verwandten auferlegen wollte. Dies Mädchen war ihm alles. . . und wenn sie verlangt hätte, daß er den Seinigen noch schw:rere Kränkungen zufügen sollte, er würde es unbedenklich gethan haben. Daß der Bruder zu seinem jetzigen Verzicht auf das Majorat gar nicht verpflichtet war und' nur aus Feingefühl die ihm gerichtlich verbrieften Rechte wieder aufgab, schien Baron Heinrich bereits völlig vergessen zu Hzden. Was waren ihm noch die andern? Nichts! Der Wunsch, rasch und auf immer in den Besitz dieses Mädchens zu kommen, erfüllte allein sein noch einmal heiß aufflammendes Herz. All sein Sinnen und Denken war nur noch quf seine Braut gerichtet; sie zu sehen und zu sprechen, machte sein ganzes Glück aus und jede Stunde des Beisammenseins vermehrte nur die Gluth seines Innern. Ihre Nähe wirkte auf ihn förmlich berauschend, und er suchte jeden ihrer leisesten Wünsche zu erfüllen. .Was fragte er noch danach, ob die Rückforderung desMajorats ehrenvoll oder nicht war? Hedwig wollte es und so schwieg alleZ in ihm, was sich früher gegen ein solches Ansinnen in seinem Innern aufgelehnt hätte. Es. war ihm auch völlig gleichgültig geworden, was der Bruder und die Semigen von ihm dachten, ob sie ferner hier bleiben oder gehen wollten. Hedwig wußte all' seine Bedenken mit der spöttischen Bemerkung niederzuschlagen: Sei. ohne Sorge, Heinrich, das sind nur Redensarten; sie werden schon bleiben; denn ein solch großes VesitzthuM-giebt man nicht so leicht auf; die Leute müssen doch ein wenig Komödie spielen." Sie hatte gewiß recht, er wollte sich vorläufig über all' diese dummen Geschichten keine Kopfschmerzen machen, das würde sich schon alles, finden und er war jetzt froh, wenn er mit seinen Angehörigen so wenig wie möglich in Berührung kam; gewöhnlich ' nabm er am Moraen ein reichliches .Frühstück ein, und dann ließ er sich den ganzen Tag über nicht mehr im Schlosse sehen. Das Abendbrot bestellte er sich jetzt auf sein Zimmer. , Heinrich glaubte fcoch bemerkt zu haben, daß Edwin an jenem Abend, als er seine Verlobung mitgetheilt, ihn sehr vorwurfsvoll angeblickt und gerade seinem Neffen gegenüber fühlte er sich doch ein, wenig beklommen. Hedwig hatte auf den armen Jungen geschossen und anstatt das Mädchen dafür zur Reckenschaft zu ziehen, wie es doch seine Pflicht gewesen wäre, wollte er sie als seine Gattin und als Majoratsherrin hier einführen. Baron Heinrich vermied deshalb sorgfältig jedes Alleinsein mit dem Neffen; er fürchtete, Edwin würde eine Aussprache suchen, und der Oheim haßte solche Dinge, die zu' gar nichts führen und nichts mehr ändern konnten. Eines Abends kam der Baron noch später als gewöhnlich nach Hause. Ein heftiger Wind tobte um das Schloß und der Regen klatschte an die Fenster. Alle hatten sich schon zurückgezogen, und auch die Baronin wollte ebenihr Zimmer aufsuchen, da begegnete sie auf der Treppe ihrem Schwager, dessen Kleider trieften und der ihr dennoch lachend zurief: Das ist ein schönes Wetter! Ich bin wie. eine gebadete Katze!" Ach, das ist ja schrecklich! Willst du dich nicht umkleiden und dann in den kleinen Speisesaal kommen, um noch etwas warmes zu genießen, damit du, dich nicht erkältest?" Dummes Zeug! So ein bißchen Nässe macht mir gar nichts." . Es wäre doch besser, du zögest dich erst um." Was denkst du nur von mir? Ich habe ganz anderes Wetter, ausgehalten; aber etwas warmes, eine Tasse Bouillon werde ich amEnde nicht auLschlagen", setzte er nach kurzer Ueberlegung hinzu, denn er mochte doch ein leises Frösteln fühlen. Die Köchin wird freilich nicht mehr da sein; aber gewiß noch Katha- - rina, und wenn du so lange in den Speisesaal gehen willst, werde ich d:r das Gewünschte sofort bestellen." Du bist zu gütig", sagte Heinrich; aber es klang nur wie eine höfliche Redensart, hatte er sich doch be-
reits aran gewöhni, sie durch trübe ' Gläser ... zu betrachten. Hedwig wußte soviel kleine Züge anzuführen, die ihm den Beweis gaben, daß diese Leute gar nicht so
gut und vortrefflich waren, wie it scheinen wollten. Edwin macht jetzt auf die reiche Bankierstochter so eifrig Jagd, weil er fürchtet, ein armer Teufel zu werden", hatte sie mehr als einmal gesagt, und so sind sie da drüben" alle, kalt und berechnend, während sie sich das Ansehen geben, als ob sie noch so vornehm gesinnt wären; aber mich täuscht niemand!" Die Worte des geliebten Mädchens waren bereits für 'Heinrich ein Evangelium geworden, an dem er nicht mehr zu zweifeln wagte. DieBaronin kam bald darauf in den Speisesaal zurück. Ich habe glücklicherweise Katharina noch in der Küche gefunden, sie wird dir sofort eine Tasse recht heißer Bouillon bringen. Ich hoffe, sie soll dir gut thun, aber möchtest du nicht wenigstens deinen Ueberzieher ablegen?" Heinrich kam zwar dieser Aufforderung nach; aber als ihm dies nicht gleich gelang, denn seine Kleider waren völlig durchnäßt, half ihm die Baronin selbst dabei, mit, der ganzen Liebenswürdigkeit, die ihr eigen war. Jetzt erst, da sie dicht bei ihm stand, gewahrte sie seinen Zustand; sein Gesicht war geröthet, seine Augen glühten, und aus seinem Munde strömte ein starker Weindunst; er hatte jedenfalls zu viel getrunken, denn er konnte sich nur noch mühsam- aufrecht erhalten. So hatte die alte Käthe doch recht, die behauptete: daß Baron Heinrich in der letzten Zeit nicht mehr einen Abend nüchtern nach Hause komme und gewiß auch heut wieder oetrunken sei. Nun, dir wird wirklich ein warmer Trunk gut thun", sagte die Baronin freundlich besorgt, da du eigensinnig genug bist, dich nicht sofort völlig umzukleiden." Ach, ihr Frauen verzärtelt so gern eure Männer und dann können sie keinen Puff mehr vertragen. Da ist meine Braut ganz anders! Das 'st ein prächtiges Naturkind! Du sollst, sie nur näher kennen lernen, und du wirst noch deine Freude an ihr baben." Da erschien schon Katharina mit der Tasse Bouillon: üöer ibre Livven kam nur mühsam ein Gruß, sie setzte die Tasse-auf den Tisch und entfernte sich ebenso finster und verdrossen wie sie gekommen war. Eure alte Käthe kann mich nicht leiden", rief der Baron lachend aus. Nun sie ist ehrlich genug und macht aus ihrem Herzen keine Mördergrube, während" er stockte nun doch; aber als ihm seine Schwägerin fragend anschaute und langsam wiederholte: während?" Da platzte der Trunkene heraus: Während die ganze Welt voll elender Heuchelei", und er starrte ihr trotzig und herausfordernd in das Gesicht. . Baron Bernhard hatte auf seinem Zimmer das laute Sprechen gehört und die Stimme des Bruders erkannt. Der'Wunderliche war ihm in der letzicn Zeit so sorgfältig ausgewichen, und doch mußte vieles miteinander besprochen werden, ebe man sich .für immer trennte; so hielt es fcce ;oiup. für das beste, wenn er noch einmal :n den Speisesaal zurückkehrte, um. eine Unterredung mit dem Bruder zu suchen; er hörte dessen Antwort, gewahrte seine Blicke; er bemerkte auch den leisen Schatten, der jetzt über das feine Antlitz seiner Gattin flog, und er konnte nicht zweifeln, daß Heinrichs Worte eine absichtliche Kränkung enthalten sollten. Gehören wir auch zu dieser Welt?" fragte er deshalb rascher und erregter, als es sonst seine Gewohnheit war. Wenn ihr euch dazu, zählen wollt, gewiß!" erwiderte Heinrich sogleich und stieß sein an ihm gewohntes übermüthiges Gelächter aus, das diesmal verletzender denn je klang. In das Gesicht des Bruders schlug eine Flammenröthe; das war stärker als alles und eine offenbare Belcidigung. Wie ängstlich auch sonst Baron Bernhard großen Aufregungen aus.dem Wege ging, und wie wenig r auch geneigt war, mit dem ohnehin leidenschaftlichen Bruder zusammen zu prallen, jetzt war er doch entschlossen, eine solche Kränkung ganz entschieden zurückzuweisen; er öffneteschon die Lippen zu einer scharfen Antwort; aber seine Gattin kam ihm zuvor und sich zu ihrem Schwager , wendend, sagte sie rasch: Trinke nur bald deine Bouillon, eh' sie kalt wird und nimm wenigstens einen Augenblick Platz!" Du hast recht, das wollen wir", sagte Heinrich, der jetzt selbst fühlen mochte, daß ihn seine Beine nicht Mehr tragen wollten; er setzte sich an den Tisch, ergriffdie Tasse und -nahm, wie er dies gewöhnt war, einen kraftigen ' Schluck. Es mußte ihm nicht recht geschmeckt haben, denn er verzog ein wenig das Gesicht; doch wagte er nicht, einen Tadel auszusprechen, und da er die Augen der Schwägerin auf sich gerichtet sah, versuchte er den Inhalt der Tasse rasch zu leeren; aber er hielt plötzlich im Trinken wieder inne und das Geschirr noch einmal wegsetzend, murmelte er etwas vor sich hin, das der Baron nicht verstehen konnte. Plötzlich griff er unwillkürlich nach seinem Herzen und er stieß heftig hervor: Teufel! Waö ist das?
Mir' wird, schwarz vor den Augen!" er rang nach Athem, focht mit den Armen in der Luft herum und murmelte mit völlig verzerrtem Antlitz ganz unverständliche Worte: er wollte auf-
stehen und sank dann todtenbleich auf den Stuhl zurück. Ich bin. . . ich bin. . ." keuchte er hervor, dann verzerrten sich seine Züge noch mehr, die Augen traten aus ihren Höhlen und schienen wie hilfesuchend umherzuirren; noch ein dumpfer Ton rang sich aus seiner Kehle, dann fiel ihm, mit leisen: Röcheln, das Haupt auf die Brust, und nun wurde es ganz still. . . O. mein Gott! Was ist das? Ein plötzlicher Schlaganfall!" rief die Baronin angstvoll, und sie wollte sich um den Sterbenden bemühen, als hoffe sie ihn wieder zum Leben zuruckzurufen. Hier ist alle Hilfe vergebens, er ist todt, " sagte der Baron tief erschüttert, und er blickte mit eigenthümlichem Befremden in das blasse, unruhige Antlitz seiner Gattin. Ein furchtbarer Verdacht stieg tn ihm auf, den er vergeblich auf der Stelle niederzukämpfen suchte. Wenn sie... er mochte diesen entsetzlichen Gedanken nicht weiter ausspinnen; laß mich ei nen Augenblick mit ihm allein, und als die Baronin zögerte, seinen eigenthümlichen Wunsch sogleich zu erfüllen, setzte er ungewöhnlich ernst, fast befehlend hinzu: Ich bitte darum!" Nun kam sie, ohne ein Wort weiter zu sprechen, seinem Verlangen nach, nur warf sie im Hinausgehen einen verwunderten Blick auf den Gatten, der ihre Entfernung gar nicht erwarten zu können schien. Wollte er allein sein, um sich dem tiefsten Schmerz zu überlassen? und wußte er nicht, wie jede Aufregung seiner Gesundheit schadete? aber er hatte es einmal gewollt, und sie mußte sich also fügen. Der Baron starrte seiner Gattin wie geistesabwesend nach; er schien förmlich vergeben zu haben, warum er ihre Entfernung so dringend gefordert hatte; er strich mit der Hand über die heißgewordene Stirn, in der die qualvollsten Gedanken und Vorstellungen durcheinander irrten, plötzlich besann er sich, was er eigentlich thun wollte; er rief seinen Jagdhund herbei, der stets sein getreuer Begleiter und der ihm auch heute in den Speisesaal gefolgt war und jetzt ruhig unter dem Tische lag. Das treue Thier rüttelte sich sogleich auZ seiner Schlaftrunkenheit empor und stellte sich vor seinem Herrn, als erwarte es seine Befehle. Da, Hector. trink' diese Neige aus!" sagte der Baron, ergriff die Tasse, in der noch ein kleiner Rest vorHanden war, und hielt sie dem Hunde hin. DaS kluge Thier, das jedes Wort seines Herrn verstand, gehorchte sogleich dem Gebot, es leckte ohne Zögern den Inhalt aus, blickte dann mit feinen ehrlichen, guten Augen auf den Baron, als wollte es sagen: Nun, bist du mit mir zufrieden?" Dieser strich schmeichelnd über den Kopf des Thieres; er wollte schon freier aufathmen, weil er hoffen durfte, sein furchtbarer Verdacht habe sich als falsch erwiesen. Da ging plötzlich ein Zucken durch den ganzen Körper des Hundes; er brach zusammen, streckte die Füße vcn sich und nur die Augen blieben wie vorwurfsvoll auf seinen Herrn gerichtet; sie schienen zu sagen: Warum hast du mir das gethan?" . Nur noch einmal ein heftiges Auszucken, und das arme Thier war verendet. ' Ein kalter Schauer durchrieselte die Brust des Barons. War denn der schreckliche Verdacht wirklich begründet, der sich in ihm bei dem plötzlichen Tode des Bruders geregt hatte? Nein, nein, das war 'ja garnicht möglich, es war zu schrecklich, und doch! Hector lag jetzt ganz still; die letzten, krampfhaften Zuckungen waren vorüber; nur die treuen, lieben Augen starrten noch immer wie angstvoll auf seinen Herrn, als erwarteten sie von ihm noch Hilfe und Rettung. Das Innere des Barons durchwühlte ein Schmerz, als habe er auch von dem Gift genossen,-das er dem armen Thiere gereicht. , Kein Zweifel: Hector war todt, der Trank, der dem Bruder gebracht worden, hatte ein furchtbares Gift enthalten. Wer konnte diese schwere Schuld auf sich geladen haben? Seine Gattin hatte selbst den Trank bereitet und vorgesetzt. Ein wahres Grauen packte ihn bei diesem Gedanken. War es möglich! Sein reines, edles, angebetetes Weib eine Giftmischerin! . Nein, nein, das war ja gar nicht denk-, nicht faßbar! In ihrer Seele konnten solche Dämonen niemals erwachen; sie war eines Verbrechens völlig unfähig. Und doch, kein anderer konnte die That begangen haben. Siewar in der letzten Zeit so still gewesen; er hatte sie getroffen, wie sie ernst und traurig vor sich hinblickte, und wenn er fragte, was sie habe? was sie denke? hatte sie geant, wortet: O, nicht viel; ich wünsche nur. diese Tage wären schon vorüber." Wie war nur der Gedanke in ihrer reinen, edlen Seele entstanden, den Schwager zu vergiften, um sich und den Ihrigen jede Demüthigung zu ersparen, die ihr von dem über- und hochmuthigen Madchen drohte? - Und doch, es konnte nur eine geistige Verirrung,. em Anfall -plötzlichen Wahnsinns sein, der sie zu dieser That getrieben hatte. Gab es nicht die
furchtbarsten Abgründe in jeder Menfchenseele, und sind nicht auch die Besten und Edelsten solchen Anfällen unterworfen?! ' Den unglücklichen Mann packte es selbst wie Wahnsinn; die Vorfiellung. daß seine Gattin eine Giftmischerin geworden war, wühlte alles in ihm auf und brachte ihn zu völliger Verzweiflung. Nein, mit dieser dernichtenden Erkenntniß war es nicht möglich, weiter zu leben; er mußte dem Elend ein rasches Ende machen. Seine Gattin noch einmal wiederzusehen, ging über seine Kraft; er hätte nicht schweigen können, ihr sagen müssen: Klara, warum hast du das gethan?" und, dann! ... Nein,. nein;
es mußte ein Ende gemacht werden mit allem, für ihn gab es auf Erden kein Glück mehr, keinen Frieden. nur eines konnte ihn retten ein rascher Tod ... Ohne weiteres Besinnen ging der Baron in sein Zimmer, nahm eine Doppelflinte von der Wand, lud sie rasch, und dann schlich er so leise und vorsichtig durch die, Hausthür aus dem Schloß, als wolle er ebenfalls ein Verbrechen begehen und scheue dabei vor jeder Begegnung mit den Seinigen zurück. Er athmete förmlich auf, als es 'ihm geglückt war, aus dem Schlosse zu kommen, ohne von irgend Jemand bemerkt p werden. Draußen war schon die Dämmerung angebrochen, und in fieberhafter Hast stürzte der unglückliche Mann, wie von ffurien gepeitscht, dem Walde zu. Dort winkte ihm Rettung, Erlösung aus all' den furchtbaren Qualen, -die sein Herz durchwühlten ..." Am anderen Morgen brachte man den Baron als Leiche in's Schloß. Jäger hatten ihn mit, zerschmettertem Schädel unter einer Kiefer gefunden. 15. Das beinahe zu gleicher Zeit erfolgte Hinscheiden der beiden Brüder und besonders das tragische Ende des jüngeren Freiherrn erregte in der ganzen Umgegend das größte Aufsehen. Es war zu seltsam, daß der Tod beide an ein und demselben Tage hinweggerafft hatte. Bei Baron Heinrich hatte der Arzt einen Schlaganfall festgestellt. Ein solch rasches Ende war bei einem Manne nicht weiter zu verwundern, der auf seine Gesundheit so toll darauf los aestürmt batte. Er mochte sich bei dem herrschenden Unwetter erkältet, dann wohl auch nach seiner Gewöhnheit zu viel getrunken haben, und das hatte seinen plötzlichen Tod herbeigeführt; aber was war mit dem Majoratsherrn geschehen? Hatte er sich aus Verzweiflung über das plötzliche Hinscheiden seines Bruders das Leben genommen, oder war er auf dem Gange durch den Wald mit seinem Gewehr verunglückt? Die Jägerburschen, die seinen Leichnam gefunden, behaupteten das letztere,; sie wollten wahrscheinlich nicht, wie manche annahmen, die volle Wahrheit sagen, damit ihr Herr nicht als Selbstmörder gelten solle. Oder vielleicht war der Baron von Wilddieben erschossen worden; hatten doch auch diese frechen Gesellen, wie es allgemein hieß, dem jüngsten Sohn des Freiherrn beinahe am hellen Tage eine Kugel in das Bein geschickt. Es blieb immerhin ein eigenthümliches Ereigniß, das für . lange Zeit Stoff zur Unterhaltung und Erörterung bot. Der plötzliche Tod des .alteren Bruders erregte weiter keine "große Theilnähme. Wer den Mann von früher her noch gekannt hatte, sagte ihm nicht viel Gutes nach; er hatte durch sein tolle Laune und vor allen Dingen durch seine leicht herdorbrechende Rücksichtslosigkeit nicht im besten Andenken gestanden, und die unselige Duellgeschichte hatte vollends nicht dazu beigetragen, ihm eine freundliche Gesinnung zu bewahren. Nun war er heimgekehrt, ohne auch nur seinen früheren Freunden und Bekannten einen Besuch abzustatten; man fand dies sehr unhöflich und würde seinem plötzlichen Tode nicht weitere Beachtung geschenkt haben, wenn nicht fast zu gleicher Zeit sein Bruder ein so tragisches Ende-gefun-den hätte. Baron Bernhard hatte wohl auch mit den Nachbarn keinen Verkehr gesucht; aber der stille .bescheidene Mann erfreute sich der höchsten Achtung all seiner Mitmenschen, und wenn er wirklich sich selber sollte das Leben ge'rwmmen haben, so war es gewiß in einem Anfall von Schwermuth geschehen, von dem der Majoratsherr, wie man sagte, sehr oft heimgesucht wo den. Er hatte es nun einmal mit sei ner ihm zugefallenen Aufgabe nicht leicht genommen und. bei der Bewirthfchaftung seiner Güter wenig Glück gehabt. Es war ihm so vieles quer gegangen, und jetzt war unerwartet sein Bruder heimgekehrt und hatte sogar, wie es hieß, sein Majorat zurückgefordert. Kein Wunder, wenn Baron Bernhard.'über das Auftreten Heinrichs tief gekränkt, es vorgezogen hatte, diefe Welt zu verlassen, als sein Besitzthum und die glänzenden Verhältnisse aufzugeben, um mit den Sejnen in eine ungewisse Zukunft hinauszu. ziehen. ' Als man die Leiche des Barons in das Schloß gebracht und nun seiner Frau schonend und vorsichtig die Schreckensbotschaft mitgetheilt hatte, da glaubte sie, ihr Herz müsse beim Anblick ihres Gatten auf immer still
stehen. Es war, zu.viel des Furchtbaren das auf sie einstürmte! Gestern hatte ein unerwarteter und plötzlicher Tod den Schwager hinweggerafft; sie war noch tief bewegt und erschüttert von dem Schicksal eines Mannes, der voll Lebenslust und Lebenskraft gestrotzt hatte und der bei all' feinen Schwächern und Fehlern immerhin der Bruder ihres Gatten und ein Ehren-
fels war. Selbst seine Rückforderung des Majorats mochte sie mcht allzuhart beurtheilen. Er war freilich nicht edelmännisch gehandelt; aber Heinrich war eine leidenschaftliche, unbändige Natur, und dies Geschöpf hatte es verstanden, in ihm noch einmal Gefühle zu erwecken, die in ihm jede andere Empfindung zum Schweigen gebracht. Die Baronin wußte es nur zu gut: was stärker im Menschen ist, Pas siegt. Und nun war doch der Unselige plötzlich zusammengebrochen. noch ehe er in den Besitz jenes Mädchens gekommen, dem er alles opfern gewollt, was ihm bisher werth und tbeuer aewesen war. Sein Manneswort hatte er stets streng gehalten, und es cauchte nicht verbrieft und besiegelt zu sein. An ienem verbänanißvollen Abend war alles im Schlosse schon zur Ruhe aeaanaen: die Baronm mochte die Ihrigen mit dieser Schreckensnachricht nicht beunruhigen; aber sie mußte wenigstens Jemand haben, gegen den . f I I . . ? ir. SC l,te Ilcy ieyi ein roemn ausprecyen konnte, und sie eilte zu Käthe hinab. Er ist wirklich todt?" fragte diese, mehr zweifelmüthig als entsetzt. Ihre Herrin nickte mit dem Kopfe. Keui Wunder." sagte die alte Käthe ruhig. Wie der toll darauf losgewirthschaftet hat! Er war ja immer in einer Aufregung, wie eine Festung, wenn sie alarmirt wird und bei seinem vielen Trinken mußte ihn notbwendia einmal der Schlag rühren. Wie er heut nach Hause kam, war er auch schon wieder ganz betrunken. Die Baronin mußte dies im stillen zugeben. Aber ich will wenigstens hinaufgehen und ihm die Augen zudrücken und für seine arme Seele ein Vaterunser beten." fuhr Käthe fort, und in ihrer rasch entschlossenen Weise schickte ! sie sich sogleich an, die Küche zu verlassen. tu bxi Nerrin wollte ihr folgen. (Fortsetzung folgt.) s?er Kutzmarkt zu Halmagcn. Halmagen -ist eine rumänische Gemeinde mit 1200 Seelen, wo am Tage des heiligen Theodors ein Jahrmarkt abgehalten wird, an dem die Bewoh ner von etwa 80 Dörfern theilnehmen. Besonders zahlreich wird die Stadt dann von neuvermählten Frauen besucht; wiederverheirathete Wittwen bleiben dem Markte fern. Selten von ihren Männern, meistens aber von ihren Schwiegermüttern begleitet, erscheinen die jungen Weiber schon am frühen Morgen mit Weinkrügen, die mit Blumen bekränzt sind; wer ihnen begegnet, wird geküßt und darf aus ihren Krügen nippen, wofür er sich durch kleine Geschenke erkenntlich zeigen muß. Den Trunk verweigern, heißt nicht nur die junge Frau, sondern auch deren Familie beleidigen. Geküßt wird überall, auf der Gasse, in den Wirthsstuben, in Privath'äusern u. f. w. Den Ursprung dieser Sitte hat man nicht feststellen können. Einige glauben, daß die Sitte aus der Zeit stammt, als noch die Türken in Siebenbürgen einfielen, wo " sie die jungen Frauen raubten. Die aus der Gefangenschaft entflohenen Frauen küßten bei ihrer Rückkehr nach Halmagen, wo geradeJahrmarkt war, alle Bekannten, die sie zu ihrer Rückkehr beglückwünschten. Thomas St. Germaine tft der erste Indianer, der noch je im Staate Iowa zur Rechtspraxis zugelassen wurde, nachdem er im Highland Park Law College in Eldora, Ja., studiert und ein ausgezeichnetes Examen bestanden hat. 'Er ist ein Nachkomme des kanadischen Chief Great Beard, und sein Vater war ein Pelzjäger Namens Germaine. Bis zu seinem 15. Jahre war er verwahrlost wie die anderen Jndianerkinder in den Wäldern, dann kam er aber in die Regierungsschule. zu Rhinelander, Wis., und er wurde der lernbegierigste Junge in der Anstalt. Später kam er in die berühmte Jndianerschule zu Haskell, Neb., wo er 1901 graduirte, worauf er das juristische Highland Park College bezog, wo er seitdem als einer der fähigsten und eifrigsten Schüler der Rechtswissenschaft galt. Andersgemeint. Mann. Eine schlechte Eigenschaft hast Du, daß Du nämlich niemals meine Taschen untersuchst! Frau: Und das nennst Du eine schlechte Eigenschaft? Mann: Natürlich; sonst würdest Du finden, daß sie alle zerrissen sind! Spekulativ. Alter Herr: Ich habe Sie erst kürzlich auf der Kneipe kennen gelernt und jetzt wollen Sie schon zehn Mark von mir haben?! Student: Ihr Neffe theilte mir vertraulich mit,-daß Sie zu ihm gesagt, Sie hätten was für mich übrig! S e l t s a m e L e u t e. 'Es ist unerhört, was für Skandale täglich bei unsrer Nächbarfamilie vorkommen:" So!!! ... Es sind aber doch ganze nette Leute!" Ja, jedes für sich allein aber zusammen sind sie eine rechte Bande!"
Mer Signale.
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Washington 427 Olwer und Birch 423 Olwer und Osgood 429 Nordhke und Z)ork 431 Hadley Ave u. Morrt 432 River Ave u. MorriS 434 River Av und ay 35 Harding u. Big 4 St A 436 Harding und OUöti 437 No. 19 SpriHenhqZ Morris und äafttitt - 4aDatttftC3 4M tocky 451 Steisner und 2 451 Howard und 453 Morris nd Zkspxt 46 Lambert und sJxczZ 457 Nordyke Av . ar . o WvrU Eis West xftd Rech 613 Zkentueky Ave u. Merr 614 Meridian und MorrZ ei JllinoiS nd ftmy 617 MorriS nd Dakota SIS MorrU und Church 619 Capital C u McCarv, 521 Meridian und Palm 3 Pine und Lord 624 Madison Ave Linco! 526 Meridian und Lelt KS 627 CarloS und Ray 628 Meridian und Arixons 529 Meridian u. Raymond 681 Meridian u. McCa.i 63 No. 17 Spritzenk.5? MorriS nah West 61 McAeraan und Tok 413 Sast u. Lincoln Im 414 Saft und Beecher 616 Wright unv Sanderk 617 McCarty und , Leary 618 New Jersey u tr v, 71 Spru unv Prosvcct 7 Cglish Ave. u. Lau! 714 State Avu.BltS 715 Shelby und Veecha 714 State Av und Orang? 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Die )o bezeichnete Signale werden tatx do Thu? dLchter angegeben da an den betreffende Strafca keuzunge keine Alarmkösten maebracht find. und der große Nordwesten dia Cssn(7i(7m C7(ricinr lMMWlil WIMUUK 1 wjCl.. i: : . i Jr Ccaal Ergg(k Makka-Sawaii-BdtlUivine Inseln. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. t& Von der Mono 47. Str. Etatkon, Chicago, sind 6 nur 5 Minuten mittelst elektrischer Car nach den Union 83 teh dösen French LIck Spring, Intern Orange Eounty Hochland. ffamilien-Hrte unter neuer Gescbäfteleitung. Pluto, Proserptne ,nd Volles Quellen. Bestes Mineralwasser dn Welt. Zwei Züge täglich via Greeucaftle. Ticket-Offtcen : Uvion Station, Massachusetts ve nd West Washington Straße. R. P. l g e , Distrikt Lass. Agent, Indianapolis, Ind. .H.McDoel, S.H.Rotkwell, rüs. und Gen. Mgr. ' Betriebklttlk? Frank I. Reed, S,n.Bass. Agent. Ehicao. III.
