Indiana Tribüne, Volume 27, Number 284, Indianapolis, Marion County, 22 July 1904 — Page 6
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. 22. Juli 190.
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Europäische Nachrichten. Bheinpfarz. Altenzlan. Im Gewölbe der Kaltschbacher Brücke wurde der aus 'Kreimbach gebürtige, 59 Fahre alte Bahnarbeiter Wilhelm Keller todt aufgefunden. Keller, der von zu Hause fortging, um wieder die Arbeit aufzunehmen, fetzte sich unterwegs vermuthllch auf das steinerne Brückengeländer, um auszuruhen, und stürzte hinterrücks mit dem Kopf auf eine Kante und dann auf die steinerneBachsohle, schaffte sich noch in die Mitte des Gewölbes, wo er hilflos liegen blieb und seinen Tod fand. Eine Gerichtsbehörde von Kusel weilte an der Stelle. Bedeutende Wunden zeigten sich am Kopfe. Contwig. Ein schwerer Unglücksfall traf den 11jährigen Sohn des Schuhmachermeisters und HilfsPostboten Johann Freyler hier. August Freyler war mit einer Zieg m's Feld gefahren, wobei er an dem Steinbruch feines Onkels vorüberkam. Man beauftragte ihn, Trinkwasser herbeizuschaffen, welchem Verlangen er auch nachkam. Als der Junge zurückkam, stieg er im Steinbruch eine Leiter hinauf, wobei ein Felsstück oben losbrach und ihn derart am Kopfe traf, daß nach kurzer Zeit der Tod eintrat. E s s i n g e n. Auf dem Speicher im Wohnhause des Ackerers Peter Wollenschläger von hier brach auf unaufgeklärte Weife Feuer aus, welches das ganze Haus nebst dem Dachstuhl der angrenzenden Gebäude einäscherte. Wollenschläger war versichert. 420 Mark sind mitverbrannt. " Frankenthal. Einen schrecklichen Tod fand die 83jährige Wittwe des Schlossermeisters Nobel hier. Die alte Frau wollte in Abwesenheit ihrer Familie Feuer anmachen. Als sie die Unvorsichtigkeit beging, Erdöl in's Feuer zu gießen, gerieth sie in Flammen. Schrecklich verbrannt wurde sie todt aufgefunden. Kirchheimbolanden. Der Tagner Valentin Schneider von Ruppertsecken wurde in der Nähe des Obergerbacherhofes todt aufgefunden. Man vermuthet, daß der alte Mann von einem Schlaganfall betroffen 'wurde. Schweisweiler. Hier fiel die in den 70er Jahren stehende Wittwe Katharina Bachmann die Speichertreppe herab, wobei sie sich solche Verletzungen zuzog, daß sie, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, verschied. Kkaß-Lothringen. Fentsch. Der Erdarbeiter Danie! Mathieu wurde in der Mittagsstunde durch das Nachgeben einer Erdschicht verschüttet. Da seine Kameraden eben die Kiesgrube verlassen hatten, mußte er in seiner hilflosen Lage so lange verharren, bis diese nach einer Stunde wiederkamen und ihn ausgruben. Ein sofort herbeigerufener Arzt stellte schwere innere Verletzungen fest. Groß - Hettingen. In der Grube Karl Ferdtoznd" wurde der Bergmann Friedrich Huktensky durch herabfallendis Gestein verschüttet und sofort getödtet. Er hinterläßt eine Wittwe und sechs unerzogene Kinder. Hagen au. Wegen Herausforberung zum Zweikampf mit tödtlichen Waffen muß sich der Rechtsanwalt Weiß vor der hiesigen Strafkammer verantworten. Er hatte vor einiger Zeit dem Amtsrichter Valand wegen Beleidigung eine Pistolenforderung übersandt, die allerdings nicht ausgetragen wurde. Metz. Der Generaloberst Graf Häseler kaufte ein Schloßgut in Plappeville in unmittelbarer Nähe von Metz. Mecklenburg. Schwerin. Der Oberhofmarschall v. Vietinghoff blickte auf den Tag zurück, an dem er vor 50 Jahren bei der mecklenburgischen Artillerie hier eintraf. 1863 , wurde er zum Hauptmann und Batteriechef befördert. Den französischen Krieg machte er im Stäbe dls Großherzogs Friebrich Franz des Zweiten mit und erwarb sich auch das Eiserne Kreuz. Später wurde er Militär - Attache bei der deutschen Botschaft in London. Ms Oberst nahm er dann seinen Abschied und bekleidete darauf die Stelle eines Hofchefs bei der Großherzogin Alexandrine. Nachdem er weiter noch Oberschloßhauptmann und Oberkammerherr gewesen war, wurde er am' 12. December v. I. zum Oberhofmarschall ernannt. Grundshagen. Der im 68. Lebensjahre stehende Gutstagelöhner Wigger wurde von einem Pferde geschlagen. Er stürzte besinnungslos nieder und starb bald darauf an den erlittenen inneren Verletzungen. I e s o w. Das Tagelöhner Grützmacher'sche Ehepaar feierte seine goldene Hochzeit. Der Großherzog sandte dem Jubelpaare ein Gnadengeschenk von 50 Mark. Ludwigslust. Holzarbeiter fanden in den nahen Neustädter Tannen die Leiche eines Erhängten. Der grauenerregende Zustand der Leiche ließ darauf schließen, daß sie schon längere Zeit, dort gehangen. Aus den bei der Leiche gefundenen Effekten er kannten Angehörige den Gastwirth Hölzke aus der Breitenstraße. Die herbeigerufene Gerichtscommission stellte Selbstmord fest.
. M a l ch i n. Beim Tannenverladen am Kanal sprang die Kette des .Hebewerkes aus dem Kloben und traf den hiesigen Arbeiter Martin Bielandt mit solcher Wucht, daß ihm der Schädel "gespalten wurde. Bielandt stürzte bewußtlos zusammen und wurjefa, Krankenhaus überführt. Hldcnvurg. Oldenburg. Die zu Oldenburg an der Nelkenstraße belegene Besitzung des Wirthes Herrn Satink ging im Zwanzsversteigerungsverfahren in den Besitz von Heinrichs Erben mit sofortigem Antritt über. Brake. Das Fest der silbernen Hochzeit feierten Herr Hafenmeister Köhne und Frau Hierselbst. - E l s f l e t h. Dem Capitän des Bremer Dampfers Ockenfels", Diedrich Hartzog zu Elsfleth, und dem ersten Offizier desselben Dampfers, Karl Schmehl zu Bremen, ist der Rothe Adlerorden vierter Klasse verliehen. I e v e r. Herr Professor Dr. Brader am hiesigen Marien - Gymnasium ist wegen Kränklichkeit auf unbestimmte Zeit beurlaubt; seine Vertretung ist dem wissenschaftlichen Lehrer Herrn Luder aus Berlin übertragen worden. M i n s e n. Der Großherzog hat den Vakanzprediger Volkers zu Minsen zum Pfarrer an der Kirche und Gemeinde ernanntIreie Städte. Hamburg. Eine folgenschwere Collision ereignete sich im Strandhasen zwischen dem Schleppdampfer Wilhelm" und einer Motorbarkasse, die zwölf Seeleute an Bord des englischen Dampfers Lord Erde" bringen wollte. In dem engen Fahrwasser in der Nähe des Kaiserkais rannte die Barkasse mit solcher Wucht mit dem Schleppdampfer zusammen, daß sie fast völlig durchschnitten wurde und in wenigen Augenblicken sank. Herbeieilenden Schleppdampfern und Barkassen gelang es, die Insassen der Bar'lasse bis auf den Matrosen Fräser zu retten. Dieser ertrank. Als Leiche aufgefunden wurde in der Alster in der Nähe der Lombardsbrücke der seit einiger Zeit vermißte Knabe Carl Johann Meyer. Jedenfalls ist der Knabe beim Spielen verunglückt und ertrunken. Die Leiche des Knaben, an dessen Verschwinden Vermuthungen wegen eines Verbrechens geknüpft wurden, wurde in das Hafenkrankenhaus gefahren. Oberleutnant Paul v. Griesbach, der im Kampfe gegen die Hereros eine schwere Verletzung am Lendenwirbel erlitt und hier im Eppendorfer Krankenhause Aufnahme gefunden hatte, ist dort gestorben. Oberleutnant v. Griesbach 'war 34 Jahre alt; er gehörte der Schutztruppe an. . Bremen. Der Senat stiftete für die Offiziersmesse des Kreuzers Aremen" ein silbernes Tischbesteck, sowie zwei Oelgemälde des hiesigen Malers Otto Bollhagen, die Bremer Motive darstellen. Das ehemalige Mitglied des Leipziger Stadt- und GewandHausorchesters, Eduard Schröter, feierte mit seiner Gattin hier, wohin er nach seiner Pensionirung seinen Wohnsitz verlegte, das Fest der goldenen Hochzeit. Das Jubelpaar erfreut sich vorzüglicher geistiger wie körperlicher Frische. Bildhauer August Abbehusen, der feit 1881 Mitglied der Bürgerschaft als Vertreter der dritten Klasse war, ist gestorben. L ü b e ck. Im 66. Lebensjahre entschlief nach langen Leiden der frühere dänische Viceconsul, Ritter der Dannebrog - Ordens, Hermann Boy. Der Entschlafene wirkte viele Jahre in der Leitung' unserer großen Speditionsund Dampfschiffs - Speditionsfirma Chas. Petit & Co. als Handlungsbevollmächtigter und Prokurist mit. Vor etwas mehr' als einem Jahre erbat er bei der Firma kränklichkeitshalber seinen Abschied, um dann zu seinem in Blankenese ansässigen Sohn überzusiedein. Recht oft war Consul Boy, so lange ihm noch die Gesundheit zur Seite stand, in öffentlichen Dingen, namentlich zu Zeiten der Reichstagsund Bürgerschaftswahl, thätig. Kchive,z. Appenzell. am Waldkirchlcin stürzte die 24jährige Kellnerin Fräulein Kohler aus Appenzell ab und wurde 'todt aufgehoben. . A u rn o n t. Hier verstarb im 93. Lebensjahr Frau Marie Volery. Dieselbe war bis in ihr hohes Alter gesund und rüstig. Basel. Der gewesene Chef der Eilgui - Expedition der Jura-Simp-lon - Bahn C. A. Waldmeier wurde wegen Unterschlagung im Betrage von 9000 Francs zu neun Monaten Gefängniß verurtheilt. B ü r g l e n (Thurgau). Auf der hiesigen Station wurde Maurer Xaver Schweizer von Horn (Baden) von einem Unbekannten ohne jeden Anlaß von hinten mit einem Holzschert zweimal auf den Kopf geschlagen, so daß er bewußtlos zusammenbrach. Der Verletzte starb an den Folgen. Dulliken (Solothurn). Der 16jährige Oskar Moll pflückte' in den Waldungen des Hofguts Rumpel bei Trimbach Maierischen. Er, Ziel dabei so unglücklich über eine Felswand hinirnt'.r, daß er auf dem Transporte nach dem Cantonsspital den Geist aufgab. Der herbeigerufene Arzt constatirte eine Schädelfraktur mit innerer Blutung.
Abendbesnch.
Von Lisa H. Löns. Warum ich bei jeder Gelegenheit widersprechen muß? Ich kann es dir nicht sagen. 'Es muß wohl ein nicht zu unterdrückender Oppositionsgeist in mir stecken. Es geschieht auch manchmal ganz gegen meine Ueberzeugung, das kannst du mir glauben." - Kleines, Kleines," warnte Anne von Wachter's Bruder, der den Urlaub nach zweijähriger. Abwesenheit in den Colonien bei Onkel und Schwester verlebte, das kann dich noch einmal in ernste Ungelegenheiten bringen." ' Hat es schon," lachte Anne, viel Reue und wenig. Besserung. Weil du doch nächstens wieder zu den Botokuden oder sonstigen uncivilisirten Völkerschaften abdampfen willst, will ich dir ein sehr merkwürdiges Erlebniß mal erzählen. Also es war ein heißer Tag geWesen. Ich hatte selbst den Wunsch, noch ein wenig in die Abendkühle hinauszugehen, aber als Onkel Ernst mich nachher zu einem Spaziergang über den Wall zum Fluß hinunter aufforderte, lehnte ich doch ab. Er erinnerte mich noch daran, daß ich dem Mädchen Ausgch - Erlaubniß gegeben hätte und doch nicht allein zu Hause biet ben könnte, worauf ich erklärte, daß mir das gerade lieb sei. Ich setzte mich dann mit einem Buch auf die Veranda, hatte aber keine Lust zu lesen. Es hatte doch etwas Unheimliches für mich, so ganz allein in dem absolut stillen Hause zu sein. Ich sah in Gedanken die Straße entlang, auf der eben eine ganze Weile kein Mensch zu sehen war. Endlich kam langsam ein Mann um die Ecke. Vor dem Gitter unter der Veranda blieb er stehen und sagte mit einem leichten, spöttischen Ton in der Stimme: Nun, so in Gedanken, gnädiges Fräulein"? Ich kam erst gar nicht auf den Gedanken, daß die Anrede mir gelten könne, und sah über ihn hinweg. Er lachte. Sie erkennen mich wohl nicht, Fräulein von Wachter, aber ich habe den Vorzug, Sie zu kennen, und hoffte, Sie würden es nicht als eine zu große Freiheit empfinden, wenn ich Ihnen im Vorbeigehen Guten Abend" sage." Ich war empört über die Unverschämtheit und stand auf, um hineinzugehen. Ach so, das schickt sich wohl nicht in einem so ehrsamen Provinzstädtchen?" Das wäre mir ganz gleich," war meine schnelle Antwort, aber es macht mir nicht das geringste Vergnügen, mich mit einem ganz Unbekannten zu unterhalten." Nun, dem Zustand des Unbekannten könnten wir ja abhelfen, wenn nicht eher, dann doch am Donnerstag beim Gartenfest der Ulanen." Kommen Sie dahin?" entfuhr es mir verwundert. Ja, ich hörte auch, daß Sie mir wieder im russischen Theezelt den Thee präsentiren werden, wie am 20. Februar bei Excellenz Seiffert." Ach, haben wir uns da getroffen? Aber nun möchte ich wenigstens wissen, in was für einem Kostüm Sie da waren." Wieder das Lachen, das mich gegen meinen Willen so interessirte und ärgerte. Ein so kostbares wie Ihr Bojarenkostüm war es nicht. Erinnern Sie sich nicht, daß Sie erzählten, wie Sie in den Besitz des aparten Diamantendiadems gekommen waren, das Sie im Haare trugen?" Ich habe es nämlich von der alten Frau v. Buchheim, der ich einen Sommer über in Wiesbaden Gesellschaft leistete, als ihre Tochter, eine längere Erholungsreise machen mußte. Sie hatte mich in's Herz geschlossen und schenkte mir beim Abschied von ihren vielen Schmucksachen das Diadem. Dies erzählte ich damals zusammen mit einigen Episoden meines Wiesbadener Aufenthalts. Es war eine ganze Gruppe von Personen, die damals um meinen Samowar stand, und ich war deshalb so klug wie zuvor. Heute werden gnädiges Fräulein das Räthsel meiner Person doch nicht mehr lösen," unterbrach seine Stimme meinen Gedankengang. Und warum nicht?" Weil eine Conversation über die Breite eines Blumenbeetes und einer Verandatreppe doch allerhand Unbequemes an sich hat und Sie mir doch nicht erlauben werden, mich auf dem Sessel neben Ihnen weiter über gemeinsam verlebte Stunden zu unterhalten." Und nun that ich etwas wirklich Unverantwortliches: J$ forderte den Menschen auf, hereinzukommen. Während er am Gitter entlang ging, bereute ich es einen Augenblick. ' Ich beruhigte mich aber gleich wieder. Wenn er bei den Ulanen verkehrte und gar bei Seifferts, die so exclusiv in ihrem Verkehr waren, so mußte er wohl comme il saut sein. . Da kein Dienstbote zu Hause war, mußte ich ihm selbst die Thür öffnen, und. beim hellen Schein der Gasflamme merkte ich, daß es wirklich ein sehr schöner Mann war, dessen Gesicht ich auch entschieden schon verschiedentlich gesehen hatte. Wahrscheinlich ein Officier in Civil aus einer benachbarten Garnison. . Wir saßen auf der Veranda und sprachen von diesem und jenem. Er war viel gereist und wußte auch unterhaltend zu sprechen. Auch auf. das Diadem kam wieder die Rede, und er
wollte nicht glauben daß es ein alles Familienstück sei; man habe die Steine früher nicht hohl gefaßt. Ich behauptete, daß das auch nicht der Fall sei, sondern sogar mit Silberplättchen unterlegt, was man derzeit für sicherer hielt. Kurz und gut, er reizte mich durch seinen überlegenen Ton beim Widersprechen so, daß ich aufstand und den Schmuck holte. Als er ihn dann in der Hand hatte und genau fasch, gab er mir recht, aber es schien ihn doch zu ärgern, denn er brach das Thema schnell ab. Dann fragte er, ob ich nicht den Brautzug von Grieg spielen würde, wozu er die Noten habe auf dem Flügel liegen sehen, oder ob ich auch zu den Damen gehöre, die stets sagten, sie hätten lange nicht geübt und spielten auch nur so zum eigenen Vergnügen. Ich versicherte ihm, daß ich sogar sehr gern spiele, und daß t mein Wunsch sei, in einer großen Stadt mich bei einem tüchtigen Lehrer weiter auszubilden.' , Während ich spielte, trat er von der Veranda herein und lehnte sich über das Instrument. Die Steine des Diadems, das er noch in der' Hand hatte, blitzten im Licht der Kerzen, die ich angezündet hatte, und mischten ihre Strahlen mit deen meiner Ringe, die ich beim Spielen stets ablege. Ich kam an den Schlußsatz, wo die Melodie des Brautmarsches immer leiser in der Ferne verklingt. Als ich dabei' hochsah, fielen meine Blicke auf sein Geficht... und ein eisiges Gefühl überschlich mich. Von dem Lächeln um feine Lippen war nichts mehr zu sehen, wie aus Stein gehauen waren die Züge, und die Augen, die auf den Juwelen ruhten, kalt und hart. Plötzlich streckte er die Hand nach den Ringen aus und ließ sie langsam in seine Tasche gleiten, zusammen, mit dem Diadem. Dann wandte er sich um und griff nach seinem Hut, den er an der Verandathür auf ein Tischchen gelegt hatte. Mein Herz stand still. Mit einer Hand mich an der Stuhllehne haltend, sah ich ihm entsetzt nach. Sie wollen doch nicht. . .?" Meine Stimme war ganz heiser. Allerdings will ich. Sie werden mir eine angenehme Erinnerung sein an den letzten Abend, den ich voraussichtlich die Ehre habe mit Ihnen zu verbringen." Mein erster Gedanke war, um Hilfe zu rufen, aber wer würde mich schnell genug in der einsamen Straße hören. Da fiel mein Blick auf Onkels Schreibtisch. Ein Revolver! Mit einem Satz war ich in der Zimmerthür. Halt!" schrie ich. Oder ich schieße!" Ein kreideweißes Gesicht kehrte sich mir zu. Nein," stammelte er, nicht, nicht. . . nicht. Frauen sind so unvorsichtig mit Waffen." Legen Sie sofort meinen Schmuck auf die Bank da. Nein, keinen schritt näher. Da auf die Bank, sage ich!" . Um Gottes willen, seien Sie vorsichtig. Es war ja nur. . ." Dahinlegen," sage ich zum letzien Mal, und jedes Stück erst einzeln hochhalten... Jetzt raus!..'. Nein, einen Augenblick! Wer sind Sie und woher kennen Sie mich?" Seine Stimme klang jetzt sehr bescheiden und leise. Ich war Kammerdiener' in einem fürstlichen Hause und wandte mich, als ich die Stelle verlor, an ein hiesiges Vermittlungsbureau. Bis sich etwas Passendes bot, ging ich als Lohndiener. Ja, sehen Sie, gnädiges Fräulein, ich war im Laufe des Winters oft mit Ihnen zusammen und sah Sie nicht nur, sondern hörte auch von Ihnen. sAm nuck: Mit der kleinen Wachter kann man macyen, was man will. Man muß sie nur zum Widerspruch reizen, dann streitet sie ihre ei$ene Existenz ab, wenn es darauf ankommt. Diese Worte sielen mir ein, als ich unten im Uferrestaurant Ihren Herrn Onkel im Gespräch mit einem anderen Herrn traf. .Dieser forderte ihn auf, eine Kahnpartie mit ihm zu machen. Ihr Herr Onkel lehnte ab und erzählte, daß Sie ganz allein zu Hause seien und er Sie nicht so lange warten lassen möchte. Nachher sah ich aber die beiden Herren in's Boot steigen und den Fluß hinunter ruvern. Als ich dann die Straße hinunterschlenderte und Sie auf der Veranda sah, kam mir der Gedanke, einmal dle Probe zu machen, inwieweit die Herren recht hatten." Aufregung, Aerger und Beschamung schnürten mir fast die Kehle zu. Fort!" konnte ich noch eben hervorstohen und nach dem Revolver greifen. Im nächsten Augenblick war er hinter dcr Thür verschwunden. . Die größte Ueberraschung sollte mich aber noch treffen, als ich den Revolver auf' den Schreibtisch zurücklegen wollte und mir dies Ding, das mir so große Dienste geleistet, näher besah. ES war ein Rauchnecessaire, das Onkel einmal, auf einer Weihnachtsverloosung gewonnen hatte, so ein HarmloseS Ding, das sich aus Cigarrenund Cigarettenhalter, Abschneider und Streichholzdose zusammensetzt. War ich vorher schon fest entschlossen, meiner unverantwortlichen Handlungsweise wegen von der Sache zu schweigen jetzt war es ganz ausgeschlossen, daß ich jemand davon erzählt; ich würde ja mein Leben lang mit dieser VertheidigungSwasfe geneckt worden sein. Deiner Diskretion bin'ich aber hoffentlich sicher, nicht wahr?
Nach dem Liebesbriefv steller.
gmJm mm. m
Dienstmädchen (das einen offenliegenden Liebesbrief ihres Fräuleins findet): Ach, gnä' Fräul'n, diesen Brief habe Ich auch schon 'mal geschrieben!" O diese Hau slh e r r n! Miether: Zum Kuckuck, aus welchem Grunde wollen Sie uns denn schon wieder steigern?" Hausherr: Na, die Geheimrathstochter im ersten Stock, die täglich sang und Klavier spielte, hat doch geheirathet...!" m m m VescheidenerWunsch. Alte" Jungfer: Eines möchte ich wenigstens noch erleben: die Junggesellensteuer!" Der Dumme h a t's Glück." Du, was für einen Eindruck macht Dir der Bräutiaam Deiner Schwester?" Ein halbes Loos in der Staatslotterie möcht' ich mit ihm spielen!" Ein echter Dackel. Auf welchen Namen hört denn eigentlich Ihr Hund?" Auf jeden und keinen! JmWissensdrang. Der Herr Professor Nörgler ist wohl gegenwärtig sehr beschäftigt?" Das will ich meinen! Neulich haben zwei Gauner, während er in seine Studien vertieft war, aus seinem Arbeitszimmer das Klavier gestohlen!" Zuvorkommend. - Herr (resignirt zu seinem alten Faktotum): Ach das neue Mittel gegen unsere .rothen Nasen hat sich als unwirksam erwiesen wir müssen uns halt trösten!" Was soll ich für eine Flasche heraufholen, gnä' Herr?" Zuviel verlangt. Kolporteur: Fünfhundert schöne neue Lieder für zehn Pfennige, nehmen Sie ein Exemplar. Bezechter Student: Hm, mal sehen... singen Sie sie mir 'mal vor! , Unverblümt.
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Ja, auch mich hat die Zeit geän dert!" Nun, an Ihnen konnte sie wenig, stens nichts verderben!" ' 'V '
