Indiana Tribüne, Volume 27, Number 278, Indianapolis, Marion County, 15 July 1904 — Page 7

Jndimm Tribüne, 13. Juli 19M

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Roman von Ludwig Habicht. ortsedung, Wohl hatte der Lieutenant sich schon früher im Sollbach'schen Hause recht heimisch gefühlt, denn die heitere, behagliche Stimmung, die hier herrschte, fand bei ihm stets ein aufrichtiges Echo; aber heut war es ihm doch, als ob diese liebenswürdigen, angenehmen Menschen ihm eine noch größere Herzlichkeit entgegenbrächten. Sie mochten sich jedenfalls ein wenig geschmeichelt fühlen, daß der junge Nachbar so rasch den Weg zu ihnen fand und für seine Lebensretterin eine so warme, rückhaltlose Dankbarkeit an den Tag legte, denn auch die Eltern Elses erfuhren jetzt, daß die Sache doch ernstlicher gewesen war, als sie alle ana.enommen hatten. Bei Tisch war die Unterhaltung noch lebhafter als sonst. Die Verlobungsfeier, das unerwartete Eintreffen des Oheims und das Ausbleiben des alten Grafen, das alles bot einen reichen Uty ierhaltungsstoff und als gute Nach'barn nahmen die Wirthe den eifrigsten Antheil. Die gutmüthige Frau von Sollbach fand die Unversöhnlichkeit des Grafen ganz unbegreiflich und ihr Gatte theilte ihre Ansicht. Man verbittert sich ja nur das Dasein, wenn man allzulange nachträgt. Verzeihen und vergessen, das bleibt bei solchen Dingen doch immer das Klügste." Ja, wer dies stets könnte! Der Eigenart des Grafen ist dies eben unmöglich," bemerkte der Sohn. Die Eltern sowohl, wie'Else blickten erstaunt auf Norbert, der sich plötzlich zum Vertheidiger des starrsinnigen Mannes aufwarf. Unsere Fehler sind die Schatten unserer Tugenden," fuhr der junge Mann ruhig fort: und der Graf Vredow würde nicht der eisenfeste, unerschütterliche Charakter sein, wenn er so leicht verzeihen und vergessen könnte." Nein, solche Leute sind wahrhaftig, nicht zu beneiden," rief Edwin lebhaft aus. Wie glücklich würden wir alle sein, wenn der Mann die Hand der Versöhnung annehmen wollte, die ihm mein Oheim geboten hat. Was ist das für ein prächtiger Mensch! Der hat schon in der ersten Stunde mein ganzes Herz gewonnen," setzte er voll Wärme hinzu. Elfe war ganz entzückt über diese Worte; so konnte nur derjenige fühlen und denken, dem sie jetzt ihre ganze Seele zuwenden mußte. Wie unbefangen war früher ihrVerkehr gewesen, man hatte miteinander gelach! und gescherzt, aber es war der kleinen Else gar nicht eingefallen, daß der junge Offizier je etwas anderes in ihr fehen werde, als eine Nachbarin, mit der sich einmal ein Stündchen verplaudern ließ. wußte sie doch von der Jugendfreundin um das Geheimniß seiner Liebe. Als sich Herr von Sollbach hier angekauft, hatte sich seine Tochter mit ihren fünfzehn Jahren rasch an Hedwig angeschlossen, und 'wenn auch ihren Eltern der vertrauliche Verkehr mit der Nichte ihres Försters nicht recht wünschenswerth erschien, noch dazu, weil ihnen das junge Mädchen etwas überspannt vorkam, so war doch in dieser einsamen Gegend ein passender Umgang nicht leicht und rasch zu finden, und so hatte man das trauliche Zusammensein der beiden auch dann noch geduldet, als mit den Nachbarn ein näherer Verkehr angebahnt worden war. Hedwig hatte auch bald ihrer jsungen Freundin anvertraut, daß sie von Baron Edwin geliebt werde und ihn heiß und glühend wieder liebe, und die Kleine hatte auch neidlos an dem Glücke der Freundin theil genommen. Für ein fünfzehnjähriges Mädchenherz übt es ja einen eigenen Zauber aus, die Vertraute einer solchen Liebe zu sein; der Ausblick in eine noch völlig unbekannte, flamnrensprühende Welt wirkt so berauschend, und Else war willig und begeistert dem Glückstraum Hedwigs gefolgt. So) gab es noch immer Menschen, die nach Stand und Rang nicht fragten und allein dem Gebote ihres Her zens gehorchten! Wie sie Edwin bewunderte, der nach der Versicherung ihrer Freundin der ganzen Welt trotzen werde, um sich ihren Besitz zu erzwingen. Deshalb allein hatte Else dem jungen Nachbar eine solch aufrichtige, ehrliche Freundschaft geschenkt ' und mit ihm verkehrt wie mit einem guten Kameraden; es war der Kleinen gar nicht eingefallen, für den jungen, hübschen Lieutenant zu schwärmen, wußte sie doch, daß er mit tausend Landen an die schone Freundin gefesseit und sie nur ein kleines, unansehnliches Ding war, das aus ihn keinen Eindruck machen könne. Und weil sie sich so unbefangen geben konnte, deshalb war der Verkehr mit dem Nachbar allmählich immer lebhafter gttvor4en, aber das junge, kluge Mädchen sagte sich dabei, daß er sich nur um deshalb so oft bei ihnen einfinde, um 'dann Gelegenheit zu haben, die Geliebte heimlich sehen und sprechen zu können, da vermochte die Welt nicht so leicht Argwohn zu schöpfen. Nun war doch alles anders gekommen. Das Vielliebchen,. das sie kurz vor Ausbruch des Krieges mit Edwin

verloren und'für das sie ihm dann die Cigarrentasche geschenkt," schien für beide veihängnißvoll zu werden. Seine letzten Briefe aus dem Felde hatten eine Wärme geathmet, die auch ihr Herz in seltsame Bewegung gesetzt, nun war er schon am Tage nach feiner Heimkehr herübergekommen, und jedeZ Wort, das er an ste richtete, jeder Blick verrieth, daß er jetzt in ihr etwas anderes sah, als nur einen guten Kämeraden. War ai7s seinem Herzen die Liebe für Hedwig verschwunden? Sie mochte es nicht hoffen, obwohl sie ihn jetzt bewundern, vielleicht schon lieben mußte; aber sie durfte nimmermehr diese Gefühle verrathen, das war sie derFreundin schuldig, ja, sie hielt es für ihre Pflicht, ihn zu ihr zurückzuführen, wenn er sie wirklich schon vergessen gekonnt. Sie mußte sich offen mit ihm darüber aussprechen, und eine Gelegenheit dazu war leicht gefunden. Die köstliche warme Frühlingssonne lockte in's Freie; aber Herr von Sollbach und seine Gattin folgten auch heut wieder ihrer süßen Gewohnheit und zogen sich nach dem Essen zurück, um ein kurzes Schläschen zu machen; deshalb wanderten jetzt die jungen Leute allein in den Park, der -den schönsten Schatten bot. Norbert erklärte bald, daß er müde sei und sich auf der nächsten Bank ein wenig ausruhen wolle. Verzeihen Sie, Kamerad, daß wir auf Sie keine Rücksicht genommen haben," sagte Edwin sogleich in seiner herzgewinnenden Freundlichkeit. Nein, überlassen Sie mich ruhig meinem Schicksal," entgegnete Norbcrt, und schwärmen Sie mit meiner Schwestc: noch ein wenig umher." Edwin blickte fragend in das Antlitz seiner Begleiterin, ob' sie dazu bereit sei, und diese nickte zustimmend. Wir finden dich also hier wieder?" fragte Else den Bruder, der es lächelnd versprach: Vielleicht sogar eingeschlummert, denn mir rinnt, wie der griechische Dichter singt, ein süßes Schläfchen die Wimper niederwärts."' Welcher Dichter?" fragte die Schwester sogleich. Ich glaube, Aristophanes; aber ganz sicher bin ich nicht entgegnete der Bruder, er lehnte sich schon auf der Holzbank zurück und schloß die Augen. Dann kommen Sie nur," wandte sich Else zu ihrem Begleiter, und im Weiterwandern sagte sie mit ihrer gewohnten Lebhaftigkeit: Was mein Bruder alles weiß, das ist schrecklich! Ich möchte es nicht in meinem Kopse haben, es würde mir ihn schwer machen," und sie stieß ein leises, übermüthiges Lachen aus., Mir auch," entgegneteEdwin offenherzig; das viele Studiren war niemals meine Passion." Das war es mir doch," entgegnete Else rasch, und als der junge Lieutenant sie verwundert ansah, setzte sie lächelnd hinzu: Passion im anderen Sinne, denn meine englische Gouvernante konnte gar nicht genug meinen armen Kopf mit allerhand gelehrtem Zeug füllen. Ach, Algebra und wie die Dinge alle heißen, das war mein Leid, meine Passion," und die Kleine stieß einen so schweren Seufzer aus, daß Edwin davon nicht wenig belustigt wurde. Wie sie in allem miteinander übereinstimmten, auch in dieser Abneigung gegen allzugroße Gelehrsamkeit! Er hatte dies früher gar nicht gewußt und geglaubt, sie müsse furchtbar viel gelernt haben, weil .sie über alles so hübsch zu plaudern verstand, und jetzt bekannte sie ihm offen, daß sie von übertriebener Bücherweisheit nichts wissen wolle. War dies liebenswürdige, heitere Ding nicht die beste Lebensgefährtin, die er sich wünschen konnte? Beide hatten während der Unterhaltung den Wildzaun erreicht, der den' Park vom Walde schied, und jetzt, wo Norbert ihn nicht mehr hören konnte, fühlte er sich gedrunqen .sein Bedauern über dessen Schicksal auszudrücken. Ihr armer Bruder!" begann er mit seiner hellen, klangvollen Stimme. denn ist es nicht tragisch, daß er noch kurz vor Beendigung des Feldzuges verwundet wurde? Und doch möchte ich ihn beinahe darum beneiden." Else schaute verwundert zu dem Sprecher auf. Heißt es nicht in dem Schillcr'schen Gedicht oder ist es von Goethe: Verwünschter weiß ich nichts im Krieg, Als nicht blcssirt zu sein." Der Mann hat recht. Dies kommt mir jetzt ost in den Sinn." Dann habe ich es ja verschuldet, daß Sie ganz unverwundet aus dem Kriege zurückgekehrt sind!" rief Elfe mit gutgepiei:e: elrossenyell. uno oinne ihrem Begleiter neckend in'S Gesicht. Na, na, fo war es doch nicht gemeint," entgegnete Edwin, über diesen scherzhaften Einwurf nicht wenig belustigt. Ohne Ihr mir theures Ge schenk hätte mir die Chassepotkugel das Herz durchbohrt, und man ist ja noch so jung und leb! so gern, deshalb danke ich Ihnen doch sehr und von ganzem Herzen, daß Sie mir das Leben gerettet haben!" Er stieß ein fröhliches Lachen aus, während er ihr mit einer Wärme in die Augen blickte, die mehr verreith als bloße Dankbarkeit. Edwin glaubte, ein leises Lachen zu

I vernehmen, als ob es ein Echo des sei-

nen gewesen wäre; aber wie er auch hiemlich scharf umherspähte, er konnte da drüben" nicht das Mindeste bemerken, dennoch erschien ihm die Nähe des Wildzaunes plötzlich nicht"' recht geheuer; was er heute noch seiner Begleiterin zu sagen hatte, das geschah am besten in gemessener Entfernung von dem Walde, denn es überschlich ihn die Vesorgniß, Hedwig könne sie belauschen wollen, das sah dem tollen Mädchen ganz ähnlich, deshalb sagte er rasch, als sie wieder das Ende des Vuchenganges erreicht hatten: Wollen wir uns nicht ein wenig setzen?" und er zeigte auf einen freien Platz, in dessen Mitte'eine hohe Blutbuche ihre Aefle beinahe bis auf die Erde ausstreckte und unter der sich eine von Birkenholz errichtete Bank befand. Edwin vermochte kaum ein Lächeln zu unterdrücken über die plötzliche VerWandlung, die mit der Kleinen vorgegangen war. Was hatte sie nur? Jetzt erinnerte sie ihn doch wieder ein wenig an den früheren Backfisch, der irgend eine unbedeutendeGeschichte aufzubauschn und mit dem Gesicht einer gereiften Dame vorzubringn sucht, dennoch folgte er bereitwilligst ihrer Einladung und 'nahm an ihrer Seite Platz. Wirklich begann auch Else in aam verändertem Tone: Ja, ich muß mit Ihnen sprechen. Ich bin es meiner Freundin schuldig, sie hat mich in ihr Geheimniß eingeweiht, ich weiß, wie glühend Sie von ihr geliebt werden " Weiter kam Fräulein von Sollbach nicht, denn Edwin unterbrach sie mit den sehr kühl und gleichgiltig hervorgestoßenen Worten: Ach, sie hat von ihrer Jugendthorheit geschwatzt? Nun, die liegt jetzt für immer glücklich hinter mir." Else sah ganz verwundert dem Baron in's Antlitz. Diese Antwort hatte sie nicht erwartet, und noch ehe sie etwas entgegnen' konnte, fuhr Edwin eifrig fort: Ich liebe Hedwig nicht, ich habe sie nie geliebt: Es war die Schwärmerei eines unreifen Burschen; aber jetzt erst ist eine wahre Liebe in mir erwacht." Währender ihr voll Zärtlichkeit in das noch immer ganz verwunderte Antlitz blickte und ihre Hand ergriff, fügte tx mit großer Wärme hinzu: Elfe, ahnen Sie es nicht schon, daß ich Sie allein liebe und mein ganzes Herz Ihnen für immer gehört?" Nun war es freilich mit aller Wiirde, die Else annehmen gewollt und mit allen Freundschaftsgefühlen für Hedwig vorbei; ihr junges, kaum siebzehnjähriges Herz konnte diefemSturm der Gefühle nicht widerstehen; sie hatte sich also nicht getäuscht er liebte sie wirklich, sie allein. Das war ja ein unnennbares Glück und sie hätte laut aufjubeln mögen; aber sie brachte keinen Laut über ihre Lippen, nur ihre Augen senkten sich noch einmal in die seinigen, als wollte sie in der blauen Tiefe dieser funkelnden Sterne sich Gewißheit holen von der Wahrheit seiner Worte. Ja, ich weiß es jetzt, wie eine wahre Liebe ist," fuhr Edwin eifrig fort; was ich für Hedwig empfunden habe, war nur ein Rausch, der völlig verflogen ist. Ihnen, liebe Else, danke ich mein Leben, und Ihnen soll auch, bis zum letzten Athemzuge, mein Herz gehören." Dann ist es also nur Dankbarkeit, die Sie zu mir führt", sagte Else nicht wenig beklommen; es war ihr, als sei sie rasch wieder aus allen Himmein gestürzt. Nein, das dürfen Sie nicht denken", widersprach Edwin lebhaft. Es ist nicht die Dankbarkeit allein, die mich an Sie fesselt, aber ich bin mir in der letzten schweren Zeit über meine Gefühle klar geworden. Hedwig würde mich mit ihrem wilden, leidenschaftlichen Wesen nur unglücklich machen, während ich jetzt weiß, daß wir für einander förmlich geschaffen sind. Meinen Sie das nicht auch?" und er blickte voll Zärtlichkeit in ihr erglühendes Antlitz. . . - ' Else hatte sich die Liebeserklärung eines Mannes, dem sie einmal .Herz und Hand schenken sollte, noch etwas anders, viel feuriger und schwärmenscher gedacht, dennoch übten seineWorte auf sie einen Zauber. aus, dem sie nicht widerstehen konnte. Die Freundin war vergessen. " Wenn Edwin sie nicht mehr liebte, warum sollte sie dann auf ein Glück länger verzichten, das plötzlich all ihr heimlich Sehnen zur Erfüllung brachte? ' , Ja. sprechen Sie im Ernst? Wollen Sie sich nicht ein wenig lustig machen?" fragte sie, da sie noch immer nicht recht an die Wahrheit seiner Gefühle glauben konnte. Aber meine liebe, einzige Else, wie kannst du noch länger daran zweifeln? Ich liebe dich, dich allein und ich habe keinen andern Gedanken und keinen andern Wunsch, als daß du bald die Meine werden sollst." . , Edwin zog sie zärtlich an sich und preßte den ersten Kuß auf ihre frischen, blühenden Lippen. Sie wehrte ihn nicht ab, war doch die Seligkeit zu groß, die jetzt durch ihr junges Herz fluthete; sie ruhte einen Augenblick wie trunken an seiner Brust, dann jedoch schien sie plötzlich auö dem Rausche zu erwachen, und sie rief ganz erschrocken auS: Nein, nein, das kann ja doch nicht geschehen." -Warum nicht?" fragte Edwin ver-

wundert."

Ihre Eltern" stammelte Else ver-

wirrt. Die werden ' meinen Wünschen nicht entgegentreten. ' Dein Papa ist weit mehr zu fürchten, ich bin nur ein armer Lieutenant und, er denkt vielleicht " Nun verzog sich das eben noch Sesorgte Antlitz des jungen Mädchens zu einem Lächeln, und sie rief mit großer Sicherheit aus: Q Papa darf nicht nein" sagen, ich bin ja sein einziges Töchterchen." Um so besser," jauchzte Edwm, dann sind wir ja gerettet! Ich spreche noch heute mit meinen Eltern und schon in den nächsten Tagen komme ich wieder, um ganz feierlich um deine liebe, kleine Hand zu werben." und ?r zog dabei ihr hübsches, wohlgepsleztes Händchen an seine Lippen. Nun ist es aber Zeit, daß wir uns nach Norbert umsehen, er wird wohl ausgeschlafen haben", meinte Else, der es unmöglich war, ihr Glück länger allein zu tragen, sie mußte es wenigstens zunächst dem geliebten Bruder anvertrauen. - - , Beide hatten sich kaum erhoben, da näherte sich Norbert auf einem Seitenwege. Der Bruder bemerkte sogleich d:e freudige Erregung des Paares; ehe er noch eine Frage stellen konnte, sagte Edwin: Lieber Kamerad, Sie sollen zuerst erfahren, daß ich mich mit dem kühnen Gedanken trage, in allernäch-per-Zeit Ihr Schwager zu werden." Ich habe es beinahe erwartet, daß es fo kommen würde", entgegnete Norbert. Und ich werde Ihnen rn Jüu wandter nicht ganz unwillkommen sein?" Wie können Sie fragen? Mein einziges, liebes 'Schwesterchen gönne ich niemand so sehr als Ihnen." Ah, das sreut mich", rief Edwin lebhaft, und die jungen Männer schüttelten einander die Hände. Lassen Sie uns dort noch, ein wenig auf- und abwandern", bemerkte Norbert; er zeigte auf den Buchengang, damit Ihr mir erzählen könnt, wie alles so rasch gekommen ist." Dem jungen Lieutenant war die Nähe des Waldes ein wenig bedenklich; er fürchtete dort von neuem oelausch: zu werden; aber er folgte dennoch ohne weiteres dieser Einladung. Mochte die lauschende Hedwig immerhin alles hören, was sie jetzt sprachen, sie mußte'es ja doch bald erfahren, und es war das beste, wenn sie nicht länger im Unklaren darüber blieb, daß es mit ihnen wirklich ganz und gar zu Ende sei, er ließ sich ohnehin nicht gern von der Vergangenheit unterjochen, die Gegenwart war ihm alles. Jetzt hing Else glückstrahlend an seinem Arme; sie war ja so sicher, daß ihr Vater nicht nein" sagen würde, und so lachte ihnen eine rosige Zukunft. Alle drei wanderten jetzt noch eine Weile in dem Buchengange auf und ab. Else erzählte dem Bruder, mit der ganzen Lebhaftigkeit ihrer siebzehn Jahre, wie sich heut ihre Herzen gefunden, und Norbert war ebenfalls damit einverstanden, daß Edwin erst die Erlaubniß seiner Eltern einholen solle, denn es sei ganz fraglos, daß der gute Papa mit Freuden das Glück seines einzigen Töchterchens in die Hände des jungen Nachbars legen werde., dem er ja längst sehr freundlich gesinnt sei. Es bleibt also heut noch unser Geheimniß". jubelte Else. Das ist so hübsch und in den nächsten Tagen kommen Sie wieder und dann " . Und dann kommst du" wieder, willst du doch sagen und dann sind und bleiben wir ein glückliches Paar", ergänzte Edwin. 8. Baron Heinrich hatte sich heut' schrecklich gelangweilt. Sein junger Neffe fehlte ihm, er war der Einzige, der von allen denen, die er in der alten Heimath bisher wiedergefunden, sein Herz gewonnen hatte. Mit den andern wollte es durchaus nicht recht stimmen, das fühlte er. nur " zu gut, darüber konnte ihn niemand täuschen. DerVruder war ein griesgrämiger, kopfhän'gerischer Mensch geworden, der die Welt nur noch durch eine schwarzgefärbte Brille sah, und auch, die Schwägerin hatte etwas so Stilles.Jnstchgekehrtes; der MajlZratsherr glaubte sich nicht zu täuschen, ste war über seine unerwartete Rückkehr nicht allzusehr erfreut. Und Jrmgard! Nun, die war glückliche Braut, ihr ganzes Denken und Sinnen drehte sich natürlich um ihren Verlobten, den armen Kerl, der als elender Krüppel aus dem Feldzuge heimgekehrt war. Auch mit seinem ältesten Neffen war er nicht in ein herzliches Einvernehmen gekommen, und de? Majoratsherr fühlte, daß es zwischen ihnen auch niemals dazu kommen würde. Arnulf mochte ja ein ganz ehrenwerther, tüchtiger, Mensch sein; aber die ausgesuchte Höflichkeit, die vornehme Zurückhaltung, die er ihm zeigte, war nicht nach dem Geschmack, eines Mannes, der im freien Amerika sich .an freiere Umgangsformen ..gewohnt hatte. Da war Edwin ein ganz anderer! Mit dem ließ sich doch ungezwungen plaudern, der verstand und liebte den Scherz und zeigte die ganze Frische und dm Jugendmuth eines flotten Officiers; mit dem stimmte tx wunderbar überein. der erinnerte ihn an seine eigene, stürmisch hingebrachte, glückliche Jugendzeit.

Nun war der Pciron heute schon in aller Herrgottsfrühe fortgeritten und hatte seinen alten Oheim allein und der ödesten Langweile überlassen. Das war gar nicht hübsch von ihm. Der Tag nach einem großen Feste ist ohnehin so trostlos. Nach der gewaltigen Anspannung- kommt die Ermüdung; die Guirlanden, die gestern noch frisch und erfreulich glänzten, hängen heute schon traurig herab, sie haben ihre Aufgäbe erfüllt, nun können sie verdorren, es ist, als ob sie schon im Wege wärm. Ueberall wird aufgeräumt, damit alles wieder in das alte Eeleis kommt. Alle Leute im Schlosse schienen von dieser Aufgabe beseelt oder von dem gestrigen Feste so ermüdet zu sein, dab man die Stille suchte. Dem Majoratsherrn kam es vor, als ob ihm heute seine Verwandten ängstlich auswichen und vermeiden wollten, ihm ein Stündchen Gesellschaft zu leisten, und wenn er der alten Käthe in den Weg lief, dann sah sie ihn so ingrimmig an, als wollte sie- sagen: Was hast du denn hier noch zu suchen? Mach doch, daß du wieder fortkommst!" (Fortsetzung folgt.)

Allerlei Tragisches wird aus Deutschland berichtet: Im Gasthof zu Hohendorf im Vogtlande stürzte eine junge Frau, die Morgens erst getraut worden war, auf dem Tanzboden plötzlich todt zusammen. Infolge starken Schnürens hatte sie ein Herzschlag getroffen. In Meerane war eine Taufgesellschaft in der Stadtkirche versammelt. Als der Taufakt beginnen sollte, stellte es sich heraus, daß der Täufling todt war. In Altenburg wollte der Malerlehrling Rößler den Kindern seines Meisters zeigen, wie man sich erhängt. Auf einem Malerwagen stehen, steckte er. den Kopf in die Schlinge eines an der Decke befestigten Strickes. Unglückkicherweise kam der Wagen ins Rollen, die Schlinge zog sich zu, und als man sie öffnete, war der Lehrling bereits eine Leiche. Derbe st eJockeyauf dem europäischen Continent, einer der erfolgreichsten französischen Berufsreiter der letzten Zeit, der unter anderm auch die Sieger des österreichischen Derbys, des französischen Derbys und des Grand Prix über den grünen Rasen steuerte, muß jetzt als Infanterist in Frankreich seiner Dienstpflicht genügen. Stern ist der einzige Sohn einer Wittwe, und erhielt daher das Privilegium, nur ein Jahr dienen zu brauchen. Seine Bitte, ihn dieses Jahr bei der Cavallerie zu lassen, ist ihm abschlägig beschicken worden. Die Commission ; theilte ihm nämlich mit, es sei unmöglich, ihn im Laufe eines einzigen Jahres zu einem französischen Cavalleristen auszubilden. So muß Stern nun 12 Monate lang nicht nur vom Turf, sondern auch vom Sattel überhaupt Abschied nehmen und zu Fuß gehen. Die Operation eines französischen Veteranen aus dem Kriege 187071 wurde dieser Tage in Paris in der Leducschen Privatklinik ausgeführt. Jules Destombes, so hieß der alte Herr, mußte sich eine Anschwellung an der Hüfte öffnen lassen, der eine preußische Zündnadelgewehrkugel entnommen wurde. Nach der Operation, die glücklich verlief, rief der alte Soldat grimmig aus: Diese Preußen müssen doch immer recht behalten! Ich wurde 1870 bei Villersbretonneux verwundet und in eine feindliche Ambulanz gebracht. Der preußische Stabsarzt fand eine sofortige Operation unrathsam und meinte: Dreißig Jahre und etwas länger müssen Sie der Kugel schon Quartier geben; dann wird sie Tocktock machen! Und es ist wirklich so kommen!" . . r ' . 6lnarmerRelsender" erschien vor einigen Tagen bei einer Familie in Ebergötzen (Eichsfeld). Die Köchin verweigerte die gewünschte klingende Münze, bot aber dem Manne einen Teller Mittagessen an, was dieser bereitwilligst annahm. Nach einer Weile wollte die Köchin draußen nach dem Fremden sehen und den Teller hereinholen. Doch der arme Reisende" war verschwunden, das Essen war unberührt - stehen geblieben. Neben dem Teller lag ein mit Bleistift befchriebenes Notizbuchblatt, auf dem folgende Worte standen: Gnädige Madame, nehmen Sie sich eine andere bessere Köchin, denn solchen Fraß gibt es in der Volksküche für 10 Pfennige alle Tage und noch besser." Einenfchlechten Scherz haben sich Vauhandwerker in der Kaiser - Friedrich Straße- in Rixdorf bei Berlin geleistet. Dort baumelte eines Morgens an dem Bauzaun eines Neubaues, der wegen Mangel an Mitteln nicht weiter geführt werden kann, eine Leiche. Eine Puppe war künstlich ausstaffirt worden, so daß es den Anschein hatte, als habe man einen Erhängten vor sich. In den Händen hielt die Figur einen Geldbeutel mit der Ausschrift: 1000 Mark". Das zielte auf den Bauherrn, der angeblich mit seinen Zahlungen im Rückstände geblieben war. Die Bauhandwerker hatten ein abgekürztes Verfahren in Anwendung gebracht und die auf dem Bauplatz U kindlichen Materialien einfach wieder abgeholt. Als Andenken ließen sie die schon erwähnte Puppe zurück, die dann von der Polizei später entfernt wurde.

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