Indiana Tribüne, Volume 27, Number 278, Indianapolis, Marion County, 15 July 1904 — Page 6
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Warum nicht . & C2 ? C E ? P . V V P v .sparen beim Einkaufe ihrer Möbel . . . .nnö .... eppiche ....sowie.... und Kt S bei WILLIG'S 141 West Washington Str. Pennsylvania - Bahn. und zurück 6011 O QD9IL0 V 1 1 Sonntag, den 17. Juli. Special-Zug verläßt Indianapolis 7:15 Morgens; Special-Zug verläßt Louisville 7 Uhr Abends von der Main Str. Station. 33. 23. R i ch a r d s o n, A. G. P. A. ig 4t Route ...Excursionett... Sonntag, 17. Juli. Cincmnati und zurück. Spezialzug, (nach beiden Richtungen nirgends für Paffagiere anhaltend) verläßt In dicmapolis um 7 Ubr Morgens. Rückfahrt von Cincmnati 7 Uhr Abends. Terre Saute 81.00 ) NundGreeneastle 75c j fahrt. Spezialzug verläßt Indianapolis um 7 Uhr Morgens. Retourfahrt von Terre Haute 7 Uh? Abends. Halbahrpreis plus 25 Ceuts ...nach.... CINGINNATI und zurück ..via.. BigFourBahn in Anbetracht der B. P. O. Elks. Verkaufstage. 16., 17. u. 18. Juli. Billig für die Retourfahrt bis 23. Jnli mrt Verlängerungs-Privilegium. Für völlige Information und Einzelnheiten wende man sich an die Agenten der Big Four Route" oder schreibe an Warren I. Lynch, Genl. Paff, und Ticket'Azent, Sincinnati. oder H. M. Bronson, A. G. P. A., Indianapolis, Ind. r Seelüfte Ezcurfion (Saison 1904.) . .nach. . Atlantic City, Gcean Cits, Cape May oder Sea Isle City ..via.. FsM L., S. & Bt. S. Bahn und Lehigh Balley Bahn durch Cleveland und Bussalo.... Dienstag, 19. Juli. Fahrpreis von Indianapolis und zurück 815.00. Retourfahrt beschränkt auf 12 Tage einschließlich des Verkaufstags. Giltlg für Aufenthalt in Philadelphia und NiagaraFällen, ebenso zu Westfield für Chautauqua Lake als Nebenausflug, vorausaesetzt die Tickets werden sofort bei Ankunft bei den Agenten deponirt. ?ür nähere Einzelnheitkn wende man sich an die Ticket'Sgemen der ig Four R,ute der schreibe an ZJren I Lnnck, Gen. Daff. Zc Tlcket'Lgent, Slnnnuati, Ohio. der H. M. Bronson. A. G. VJndianapolis,Jud. .
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Zefimitsch. Von Tatjana Schtschepkina-Kuperni. 5luS dem Russischen übersetzt von Margarete Wolfgang. Tiefe Stille in der ganzen Wohnung. Nicht alle Zimmer sind erleuchrei; nur im Schlafzimmer ist Licht, und die große Hängelampe bescheint das gestickte Theetuch, den großen, ledeinen Lehnstuhl und das graue Haupt des Generals, der seine Zeitung liest. Die alterthümliche, ehrwürdige Uhr tickt unter dem Glassturz; der alte Jagdhund schnarcht zu Füßen seines Herrn. Hin und wieder wendet der General eine Seite um. All' diese friedlichen Laute unterbrechen die Stille nicht, sie lassen sie im Gegentheil noch deutlicher hervortreten. Da tönt mitten in diese Stille hinein ein grelles Geklirr von zerbrochenem Geschirr; es klingt, als ob ein ganzer Strom von Scherben über den Fußboden ausgegossen würde. Tann Nufen, Schreien, ein Wirrwarr von Stimmen. Der General fährt zusammen, läßt die Zeitung sinken und ruft mit zorniger Stimme: Sophie Pawlowna! Was ist denn das?" Die Thür geht auf, und die Generalin tritt ein. Eine schöne, alte Frau, groß und schlank, mit jugendlich eleganten Bewegungen; man hatte sie imposant nennen können mit ihrem vollen, weißen Haar und dem elfenbeinfarbenen Teint; doch dieser Eindruck verschwindet' wenn man sie näher betrachtet. Sie hat sanfte, milde Augen und ein gütiges, etwas schüchternes Lächeln, das dem alten Gesicht einen Schimmer der entschwundenen Jugend verleiht. Sie bleibt vor dem General stehen und sagt mit hilfloser Handbewegung: Es ist wieder Jefimitsch!" Der alte Narr!" ruft der General ärgerlich und zieht die Augenbrauen zusammen. Was hat er denn wieder angestellt?" Er wollte das Geschirr in's oberste Fach stellen... ich habe ihm schon so oft gesagt, er solle das Mascha überlassen aber er ist eigensinnig. Hab' ich denn keine Hände mehr? sagt er. Nun, da hat er eben zerbrochen." Wieviel?" Ein Dutzend!" sagt die Generalin leise. Ah! Das ist ja zum Teuselholen! Gestern die Lampe, vorgestern mein Glas auf diese Weise wird er uns ja das ganze HauS zerschlagen!" Seine Hände zittern du vergißt, daß er zweiundsiebzig Jahre alt ist!" entschuldigte die Generalin. Zweiundsiebzig Jahre! Zweiundsiebzig Jahre! Was ist da dabei? Ich habe auch meine Fllnfundsechzig auf dem Rücken und bin noch nicht kindisch geworden," ereiferte sich , der General und nahm unwillkürlich eine stramme Haltung an. Dann steht er auf und geht mit seinem richtigen militärischen Schritt im Zimmer auf und ab. Die Generalin sieht ihn an. und ein unendlicher Stolz leuchtet in ihren Augen. Sie sagt nur die vier Worte: Das bist auch du!" Diese Worte aber enthalten eine Welt: Bewunderung, Hingebung, Vertrauen, lange Jahre treuer, ungetheilter Liebe. . . Du! der Einzige, Ungewöhnliche, Schöne, Kluge was bedeuten dir fünfundsechzig Jahre? Was bedeuten mir deine grauen Haare? Du bleibst immer der Rüstige, Starke. Wie kannst du dich mit einem armen, alten Diener vergleichen, der sein ganzes Leben lang hat den Rücken beugen müssen, der im Dienste alt und hinfällig geworden ist? Kann man den Adler mit dem Erdwurm verglnchen? Alles das sagen die Augen der Generalin, während sie ihren Mann mit ihrem stillen Lächeln betrachtet. Ich! ich!" fährt der General fort .sich zu ereifern. So hol' ihn der Kuckuck, wenn er so schwach geworden ist, daß seine Hände zittern so soll er sich denn zur Ruhe setzen! Ich habe mit Kowalewski gesprochen: er kann zu jeder Stunde in den Spittel eintreten. Andrei Andrejewitsch hat das mir zu Liebe ausgewirkt. Wie ost habe ich dir das schon wiederholt?" Ich habe es ihm ja auch schon oft angeboten!" entgegnet die Gemahlin. Aber was soll ich denn thun, wenn er versichert, daß er noch arbeiten kann!" .Er versichert! Das gefällt mir! Dabei zerbricht er alle Tage etwas, sieht nichts, hört nichts. . . nein, nein, jetzt ist's genug. Bring' ihn nur in den Spittel. Man sollte denken, daß man ihm etwas Schlechtes' anbietet! Ich jage ihn doch nicht auf die Straße! Er wird seine Ruhe haben, seinen warmen Winkel. . . nein, nein. . . ich werde es ihm selber sagen." Der General wendet sich zum Gehen, aber die Generalin hält ihn zurück: Nein, Nikolai Petrowitsch, laß das; ich will's ihm sagen. Weißt du ... es ist immerhin... diese Neuigkeit wird ihn ohnedies betrüben". Sie kennt die Heftigkeit ihres Gatten imd will den Schlag mildern. Schöne Neuigkeit! Jeden Monat sagst du es ihm; und dann get die Litanei von Neuem an: 'ich kann doch noch arbeiten; esse ich denn mein Brot umsonst?" und so weiter. Aber es ist kein Auskommen mit ihm. Er macht der Köchin das Leben unerträglich. Gestern hat er sie beinahe geprügelt." . Der Zorn des Generals ver-
raucht schon, er beginnt zu schmunzeln So ein alter Kerl aber hauen will er!" Kolinka, er hat sie doch dabei ertappt, wie sie die Rechnungen zu ihren Gunsten etwas vergrößern wollte!" Mas liegt daran? Welche Köchin thut das nicht? Diese kocht wemgstens Vorzüglich. Such' mal eine andere, die die Bushenina so zubereitet! Nein, nein, trenne du dich nur von Deinem Jefimitsch!" Die Generalin unterdrückt' einen Seufzer und geht. Ja, man muß ihn in den Spittel schaffen. Der Alte hat genug gearbeitet. Gestern hat er einen Aschbecher zerbrochen, und vor drei Tagen des Generals Lieblingspfeife... Gut, daß der Drechsler sie repariren kann. Ja, ' es muß, muß sein. t Mit diesem Entschluß öffnete t mt Thüre zu Jefimitfch's Kämmerchen und ruft: Jefimitsch!" Was befehlen Eure Excellenz?" tont eine heisere, greisenhafte Stimme aus der Dunkelheit. In Jefimitfch's Kammer ist es dunsei. Sie hat kein Fenster und bildet einen keilförmigen Raum zwischen Küche und Korridor. Es ist nichts darin als ein Bett, ein Tisch, ein Stuhl und außerdem ein Koffer mit Jefimitfch's Habseligkeiten. Alles das steht so dicht beieinander, daß zwischen Tisch und Koffer nur eben so viel Platz ist, daß man aus dem Bett aufstehen kann. Die Lust ist erfüllt vom Geruch eines tnl schlichen Knasters. Jefimitsch sitzt in gebrochener Haltung auf dem Bett und raucht sein Pfeifchen. Beim Eintritt der Genera-, lin erhebt er sich so schnell, als seine kranken Füße es erlauben, und im Halbdunkel kann sie sehen, wie er seine Pfeife versteckt. Du hast wieder geraucht, Jefimitsch?" innen Jrosr muy'oer Me'nzcy oocy haben!" brummt Jefimitsch gekränkt und sieht zur Seite. Höre, Jefimitsch ich habe ernstlich mit dir zu reden," beginnt die Generalin und fühlt, wie ihre Hände vor Aufregung kalt werden. Ja wie Sie wünschen!" Jefimitsch ahnt, wovon die Rede sein wird; es ist ein eigenthümliches Zittern in seiner Stimme. Sie bleiben im Dunkeln. In die Küche mag die Generalin nicht mit ihm gehen, um Jefimitsch nicht den triumphirenden Blicken der Köchin auszusetzen.' Die düstere Corridorlampe bescheint Jefimitfch's braunes, faltiges Antlitz mit dem weißen Flaum darüber, dem grauen Backenbart und dem ausrasirten Kinn. Seine Nase ist etwas stumpf; unter den buschigen Augenbrauen sehen zwei verblichene, blaue Augen hervor, die aber jetzt beharrlich gesenkt sind. Die ganze Gestalt ist vom Alter gekrümmt; jetzt aber scheint sie ganz zusammengesunken, wie in Erwartung eines Schlages. Siehst du, Jefimitsch. . . Der General. .. wir beide haben beschlossen, daß dir. . . daß du. . . daß es dir gut wäre, etwas auszuruhen... Sieh, du hast heute wieder so viel Geschirr zerfchlagen. . . und der General ärgert ffrii" V!W oin puu) rn seinem 2Ziensi all geworden!" vertheidigt sich Jefimitsch düster. Bitte, laß die Entgegnungen, Jefimitsch. Die Sache steht so, daß ich dich morgen in den Spittel bringen muß. Der General wünscht es, und das genügt. Die Generalin hat all' ihren Muth zusammen genommen, um diese Erklärung in bestimmten Tone abzugeben. Jetzt verläßt sie schnell, um keine Erwiderung zu hören, die Kammer, und fügt im Weggehen noch hinzu: ,Du kannst deine Sachen packen. Wir sahren morgen um elf Uhr. Bormittags." Wie Sie wünschen zu Befehl. Excellenz." sagt Jefimitsch mit ausgesuchter Ehrfurcht. Die Generalin ist verschwunden... Da setzt er sich auf's Bett und murmelt mit bebender stimme: Ja. . . es ist der Wille der Herrschaft. . . Fünfundvierzig Jahre habe ich gedient... und jetzt, wo ich alt geworden bin fort mit dir, Jefimitsch; bist nicht mehr nöthig, aller Hund! Bitten? Nein, ich will nicht mehr bitten. Wie sie wollen. Weg soll er also, der Alte. Zeit zum Sterben ist's für ihn." Dann beginnt er in seinem Koffer zu kramen. Er hält keine Selbstgespräche mehr; nur ein eigenthümliches Schluchzen tönt aus der Kammer. Kolja!" sagt die Generalin erregt zu ihrem Gatten und horcht nach dem Corridor, Kolja! Er weint!" Hm! Alter Narr!" brummt der General und beißt an seinem Schnurrbart. Seine Stimme hat einen weicheren Ton. Weint! Kindisch ist er geworden, darum weint er!" Die Generalin ist bewegt. Auch t re Augen werden feucht. Der General. ist .heute schweigsam. Er trinkt seinen Thee, trommelt mit den Fingern irgend einen Marsch auf dem Tisch und räuspert sich von Zeit zu Zeit. Die Generalin erfüllt ihre Hausfrauenpflichten wie alle Tage seit nun fünfunddreißig Jahren. Aber ihre sanften Augen blicken traurig; ihr ganzes Wesen ist von Unruhe erfüllt. In der Nacht kann sie lange Zeit nicht schlafen. Sie hört, - wie Jefimitsch zwei Zimmer weiter seufzt und hustet. Fünfuadvierzig Jahre hat er uns aedient bat mich aekannt als aernr-
layriges Mavcyen. . . (53 ryur mix o leid, ihn wegzujagen... Aber, er wird ja nicht weggejagt; er wird es gut haben dort und ruhig. .Kolja ist reizbar geworden in,letzter Zeit... Man kann ihn nicht behalten. . . DaS ist natürlich sentimental meinerseits. . . viele haben ja auch das nicht. . . Schlafen, schlafen jetzt; morgen will ich mit ihm in den Spittel fahren. Die Generalin erwacht nach einem unruhigen Schlummer gegen zehn Uhr. Um halb elf betritt sie, fertig angekleidet, das Speisezimmer. Der Thee ist servirt. Der General kehrt mit seinem Hund von dem täglichen Morgens paziergang zurück. Beide, er und feine Diana, sind nach dem Spaziergang gut aufgelegt und. hungrig. Die Generalin gießt ihrem Mann den Thee ein und läutet nach alter Gewohnheit, damit Jefimitsch dem Hunde die Hafergrütze bringe. Statt seiner erscheint Mascha, mit einem breiten Grinsen auf ihrem rothen, dicken Gesicht. Wo ist denn Jefimitsch?" Er hat gepackt," sagt Mascha spottisch. Jetzt sitzt er fertig angezogen auf feinem Koffer." Ach, ja!" sagt der General und blickt zur Seite, wie ist's? Du wirst ihn hinschaffen?" Ja", antwortet die Generalin kurz. Sie kann das nicht länger hinziehen und geht in's Vorzimmer. Wir wollen fahren, Jefimitsch!" Sie legt ihren Mantel um, knüpft die Bänder ihres Veilchenhutes unter demKinn zusammen. Befehlen Sie, daß ich von Seiner Excellenz, Abschied nehme?" fragt Jefimitsch. Er ist fertig: er trägt einen alten Drappaletot mit Sammetkragen, eine ganz eigenthümliche Mütze mit Ohrenklappen. ' Um den Hals ist ein bunter, gestrickter Shawl gewickelt. Die vom Rheumatismus geschwollenen Beine stecken in Walenki. Er zwingt sich, ein ruhiges Gesicht zu zeigen. Die gerötheten Augen aber verrathen seinenGemüthszustand; auch das rasirte Kinn, das wie eine graue Bürste aussieht, zittert. Selbstverständlich! Nikolai Petrowitsch, Jefimitsch will Abschied von dir nehmen!" Der General erscheint in der Thür. Jefimitsch sagt, noch , immer mit der gemachten Ruhe: Leben Sie . wohl, Excellenz, viel Glück auch fernerhin. Und vielen Dank. Verzeihen Sie schon, wenn ich etwas nicht recht gemacht habe." Er beugt sich nieder, um die Hand des Generals zu küssen. Augenscheinlich will er ihn durch sein Benehmen zerschmettern. Laß sein, laß sein," murmelt der General, zieht feine Hand verlegen zurück, richtet Jefimitsch auf und reicht ihm die Wange zum Kuß.' Bleibe gesund, Alter, bleib' gesund. . . Wirst uns besuchen. .." Jefimitsch kann seine Rolle nicht weiter spielen und schluchzt auf. Gott mit Ihnen, Excellenz: . . So ist der Alte nicht mehr nöthig. . . Wie Sie befehlen..." Doch da faßt er sich wieder, bekreuzigt sich, verbeugt sich nach allen vier Seiten, nimmt seine Habseligkeiten und folgt der Generalin. Eine Droschke hält vor der Thüre. Der Spittel ist weit draußen. Man muß durch die ganze Stadt fahren. Die Generalin nimmt im Fond Platz, Jefimitsch' auf dem Vänkchen ihr gegenüber. Hier wird auch das rothe, messingbeschlagene Kofferchen untergebracht, das Bündel mit dem Bettzeug, die Heiligenbilder,- ein Blumentops mit dem Ableger einer Dattelpalme und ein Töpfchen mit Putzpomade, persönliches Eigenthum - Jefimits ch's, das er noch im letzten Moment entdeckt hat. Fahr zu! Mit. Gott!" sagt die Generalin. Die Pferde ziehen an. Am Anfang der Fahrt herrschte tiefes Schweigen. Ohne sonderliche Eile rollt der Wagen durch die stillen Straßen der Provinzstadt. Ter klare, mattblaue MorgenHimmel spiegelt sich in den Pfützen. Zahllose Sperlinge zwitschern in der Lust. Große Thautropfen fallen von den Dächern; in jedem einzelnen bricht sich das helle Sonnenlicht. Die Bäume zeigen leicht angeschwollene Blätterknospen. Ein Frühlingsahnen liegt in der Luft. . Das Haus Ihres seligen Vaters! Geruhen Sie sich zu erinnern?" unterbricht Jefimitsch das Schweigen und zeigt auf ein weißes, stockhohes Haus, das von einem Garten umgeben ist. Und ob!. . . Ob sie sich erinnert! In diesem Hause hat sie ihre glückliche Kindheit verlebt. Hier habe ich Ihnen eine Schaukel gebaut, und dann wenn Sie sich zu erinnern geruhen, haben Sie sich geschaukelt und gerade mit der Schaukel mir an die Schläfe. . . Die Schrämme ist noch heute zu sehen." Auch dieses Vorfalls erinnert sich die Generalin ganz genau, obschor mehr als vierzig Jahre darüber hingegangen sind. Sie weiß sogar, was für ein Kleid sie damals getragen hat: grün, mit bauschigen Röckchen und lange Spitzenhöschen darunter; weiße Strümpfe mit kreuzweis gebundenen, schwarzen Schuhchen; das Haar in Locken gedreht. . Damals hat Ihr seliges Mütterchen mir mit den eigenen Händchen die Wunde verbunden!. . . Unj hier durch diese Straße habe ich Sie täglich zur
Pension begleitet. Fünf Jahre lang sind wir dorthin gegangen. , Belieben Sie, sich zu erinnern!" Wieder herrscht eine Zeit ' lang Schweigen. X . Hier, in dieser Kirche, ist immer die ganze Familie zum Abendmahl gegangen. Ja, hier bin ich ja auch getraut worden!" entfährt es der Generalin. Ja, hier, hier!" bestätigt Jefimitsch. Das war eine großartige Hochzeit! Die ganze Stadt hat zugesehen. Sie waren ja eine Schönheit, Excellenz, wie eine Königin. Und Ihr Mütterchen, Gott hab' sie selig, konnte sich nicht satt .sehen an Ihnen. Hier beliebte sie mir auch zu sagen: Sieh, Jefimitsch, ich habe dich Sonitschka zum Geschenk gemacht! Ich weiß, du bist ein treuer Mensch. Nimm sie mir ßut in acht!" Belieben Sie, sich zu erinnern?" Ich erinnere mich dessen!" flüstert die Generalin und schließt die Augen unter dem Eindruck der auf sie hereinfluthenden Erinnerungen. Und freiwillig gehst du ja auch nicht von uns!" Warum hätte ich gehen sollen? Ich hatte es gut bei Ihnen. . . Und wie Sie mit Seiner Excellenz nach Petersburg gereist sind, da habe ich Ihrem seligen Mütterchen immer alles schreiben müssen. Als ich geschrieben hatte, daß der kleine Schergei geboren worden ist, da geruhte sie, mir ein Goldstück zu senden." Die Generalin trocknet die Augen. Das Bild des heißgeliebten, im blühenden Kindesalter gestorbenen Söhnchens steht vor ihr auf. Wie der kleine Schergei dich geliebt hat, weißt du das noch?" fragt sie jetzt. Ja, lieb hat er mich gehabt! Gott gebe seiner reinen Seele den ewigen Frieden! Sprechen konnte er nicht, aber wenn er mich sah, streckte er mir die Aermchen entgegen: Fimitz, Fimitz" rief er." Die Stimme des Alten bricht. ' Ja, es kamen schwere Zeiten," sagt die Generalin in Gedanken laut vor sich hin; Schergei starb, dann kam der Krieg. . ." Wie verzweifelt Sie waren, als Seine Excellenz fort mußte! Und er sagte mir: Behüte die GeneraliNi Jefimitsch!" Seien Sie ohne Sorge, Excellenz"!" Weißt du noch, wie die Nachricht kam, daß der. General verwundet sei, und wie wir uns aufmachten?" Ja, das war ein Weg! Bis wir endlich zum Schipka kamen. Aber gefunden haben wir ihn doch und gesund gepflegt haben wir unsern Herrn. Gott ist eben barmherzig." Viel, viel hast du mir damals geholfen, Jefimitsch." Ja. . . ich habe auch gedacht. . .mein Lebtag wollte ich bei Ihnen bleiben. . . die Augen bei Ihnen schließen. Hätte auch gearbeitet, so lange die Füße mich tragen. .. Aber Gott hat's nicht haben wollen. . . Allein soll ich sterben wie ein Hund. . . allein.'. ." Der Alte kann nicht länger an sich halten. Er nimmt sein Taschentuch heraus und weint still vor sich hin. Die Generalin sieht ihn tief erschüttert an. Sie sind schon außerhalb der Stadt. Ein leichter Wind bläst ihnen in's Gesicht. Die Luft ist erfüllt von dem Geruch frischer Brennesseln und Schneeglöckchen. In der Ferne wird ein großer Garten sichtbar, rothe Dächer das ist der Spittel. Zurück!" ruft die Generalin plötzlich laut dem erstaunten Kutscher zu. Wie befehlen Sie?" Zurück sage ich. . . in die Michaels Straße!" In einer Stunde sind sie zu Hause. Der General lächelt unter dem Schnauzbart, sagt aber streng zu seiner Gattin: Er ist wieder zurückgekommen? Wozu bist du denn überhaupt mit ihm fortgefahren?" Nun, mein Gott! So hat er doch wenigstens einmal frische Luft zu athmen bekommen!"
Ehescheidungen in Japan. Eine Statistik über die Ehescheidüngen in Japan bringt ganz überraschende Thatsachen ans Licht. Auf nicht ganz 300,000 Eheschließungen im Jahre kommen über 66.000 Scheidüngen. Das Verhältniß der Ehescheidungen zünden Eheschließungen ist also gleich eins zu vier. Die japanische Kultur zeigt sich in der That hinsichtlich der Stellung der Frau nicht in glänzendem Lichte. Eine Scheidung vorzunehmen, ist für einen Mann sehr leicht. Confucius hat sieben Gründe angegeben, die thatsächlich als gültig bestehen, einer 'derselben giebt z. B. als Scheidungsgrund "Zuviel sprechen" an! Dabei kommen in den unteren Klassen wei't häufiger Scheidungen vor, als in den höhren. Die geschiedene - fügt sich geduldig in ihr Schickst id verläßt das Haus, sogar mit tmem Segenswunsch für ihren Herrn". Nur selten beantragt in Japan dagegen eine Frau die Scheidung, obwohl oft genug Grund dazu vorhanden wäre. Das wird besonders bei ärmeren Leuten Hauptsächlich eine Folge der Bestimmung sein, daß die Mütter in solchen Fällen die Sorge für die Kinder zu übernehmen haben.' Trotz dieser Häufig keit der Scheidungen wird das Eheleben der Japaner im allgemeinen als sehr glücklich geschildert.
Allerlei für'S HauS. Vrotwasser für Fieberkranke. Gutes Schwarzbrot' wird in dünne Scheiben geschnitten und geröstet, dann gießt man kochendes Wasser darüber, läßt dies auskühlen und fügt etwas Citronensaft und Wasser dazu. GegenWarzen. Einsehreinfackes Mittel gegen Warzen ist folgendes: Man lege ein Stückchen Rindfleisch an feuchten Ort, damit es nicht trocknet. Sobald es stark riecht, die Warze reiben. Zwei-, dreimal genügt. Auch für Ueberbeine anwendbar. Milchglas." Das Undurchsichtigmachen von' Fensterscheiben gefchieht mit folgendem vorzüglichen Mittel: Man rühre Gummiarabikum in kochendem Wasser klar; in einem zweiten Gefäß mache man gleichfalls in kochendem Wasser eine starke 2ösung von Bullrichsalz und setzte dieser irgend einen Farbstoff zu. Dann gieße man beide Lösungen zusammen und rühre sie bis .zum Erkalten. Das Ganze trage man mit einem weichen Pinsel gleichmäßig auf und lasse e2 trocknen. Glacehandschuhe zu rein i g e n. Man nimmt eine starke Auflösung von Seife in heißer Milch, in welche man auf 1 Pint einen geschlagenen Eidotter einrührt. Die Handschuhe werden über eine Hand gezogen und mit der Seifenlösung. tor man etwas Aether oder Salmiakgeist zusetzen kann, mittelst eines feinenwolle nen Läppchens sanft abgerieben; schließlich hängt man die Handschuhe im Schatten zum Trocknen auf. Selbst weiße Handschuhe sollen durch dieses Verfahren nicht an ihrer Farbe verlieren. BlindgewordeneGummischuhe kann man auflackiren; zu diefem Zweck läßt sich folgende Masse verwenden: 80 Theile Schellack werden in 2y2 Pfund Alkohol gelöst und der filtrirten Lösung drei Theile Wachs nebst zwei Theiln Rizinusöl und dem nöthigen Quantum Ruß zugesetzt. Das Gemenge wird im Vacuum zur Syrupdicke eingedampft, der erhaltene Lack mit durch Spiritus befeuchtete Pinsel aufgetragen. Ein vorzügliches Fleckenw a s s e r und Putzwasser für Metalle ist das abgepreßte Wasser vom Gereibsel aus frischen Kartoffeln. Es widersteht, 'diesem Wasser, das man genau so verwendet wie jedes andere Fleckenwasser, kein Fleck irgendwelcher Herkunft, mit Ausnahme der von farbigen Fruchtsäften oder Rothwein hervorgerufen, es hat keine ätzende Wirkung, riecht nicht unangenehm, ist nicht explosionsgefährlich wie Benzin, schont jede Farbe, ist vor allen Dingen aber billig und immer zur Hand. Auch als Metallputzwasser ist dieses KartoffelWasser von der vorzüglichsten Wirkung. Winddichte Fenster. Um undichte Fenster für den Winter luftdicht zu machen, empfiehlt es sich, einen Löffel voll Gips mit Wasser zu einem Brei anzurühren und diese Mischung, die sehr schnell hart wird, in die Ritzen der Fenster zu streichen. T i n t e a m B o d e n. Dielen und Fußböden von Tintenflecken zu reinigen: Es wird 1 Theil Schwefelsäure unter beständigem Umrühren nach und -nach mit 8 Theilen Flußwasser gemischt und in einer Flasche aufbewahrt. Die Flecken werden mit warmem Wasser benetzt, etwas von der Flüssigkeit darauf gegossen und mit einem großen Lappen tüchtig gerieben. Dies wiederholt man, bis die Flecken, nachdem die Stelle trocken geworden, nicht mehr sichtbar sind, und wäscht sie mit warmem Wasser. Ein Mittel gegen Hautjucken ist folgendes: Schwefelmilch (precij?iatecl sulpliur) 80 Theile; Bittererde (uiagnesia alba) 15 Theile; Zinkoxyd (red oxide of zink) 5 Theile. Dies wird Morgens und Abends in folgender Weise angewendet: Das trockene Pulver wird auf einen Teller gestreut und ein feuchter Schwamm darauf gedrückt, sodaß ein wenig daran hängen bleibt. Dies wird dann jedesmal 10 bis 12 Minuten lang kräftig auf die juckende Stelle eingerieben, indem man den. Schwamm nöthigenfalls von Neuem befeuchtet und in das Pulver taucht. Die Theile werden dann abgewaschen. Gewöhnlich tritt schon nach der ersten Anwendung eine Milderung des Juckens ein. Die Verschönerung deL Teints. Sehr . günstig für den Teint ist es, wenn man sich jeden Morgen, sobald man das Bett verlassen hat, das Gesicht mit Voraxlösung (1:20) wäscht, diese Flüssigkeit 3 bis 4 Minuten einwirken läßt und dann erst die gewöhnliche Morgenwäsche vornimmt. Hierfür ist statt der Seife Mandelkleie zu vermenden. Zum Lösen des Borax kann man statt des gewohnlichen Wassers besser Rosenwas ser nehmen. . Grünspan. Um Gegenstände von Kupfer, echtem Messing oder echter Bronze vom Grünspan zu befreien bürste man sie mit stark verdünnter Salz- oder Sckwefelsäure ab, bis der Grünspan verschwunden ist. Dann spült man sie sofort mit kaltem Wasser ab und läßt sie noch einige Zeit in reinem Wasser liegen. Schließlich bringt man sie in trockenes harzfreies Sägemehl, mit dem sie mit der Hand abgerieben werden, bis kein Sägemehl mehr an ihnen haften bleibt.
