Indiana Tribüne, Volume 27, Number 275, Indianapolis, Marion County, 12 July 1904 — Page 6
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Treue ZreunSe. Ein Sittenbild aus Argentinien. , Trauernd tief saß Don Felipe," diel trauriger noch als Don Diego, einer seiner großen Vorfahren, von dem die Lieder des Cid Campeador singen und sagen. Er hatte Grund, traurig zu sein: wo war die Herrlichkeit spanischer Ca valleros geblieben, was war aus den Enkeln jener castilianischen Helden geworden, die vor Jahrhunderten die weiten Gebiete zwischen dem Atlantischen und dem Pacifischen Ozean mit dem Schwerte und dem Kreuze in der Hand erobert hatten? Freilich allzu klar war Don Felipe.über diese geschichtlichen Ereignisse nicht unterrichtet nur das wußte er genau, daß vor 13 Jahren noch ganz andere, bessere und glücklichere Zeiten und Verhältnisse an den Ufern des glänzenden LaplatastromeS geherrscht hatten damals hatte er selbst ja seine bürgerliche Existenz als Viehhändler mit einem Lasso begonnen, in dem so oft wie no thig, oder noch öfter, Pferde und Rinder zufällig hangen blieben und ihm ohne Sträuben über die Pampa folFten, bis ihm sein lieber, würdiger Onkel Don Ramon de Ane Y Nunez im cordoberischen Grenzstädtchen Morteros die nöthigen Verkaufs- undEigeuthumöcertifikate für die allmählich zu stattlichen Heerden zusammengefundenen Ein- und Vielhufer ausstellte. Onkel Ramon war dort Friedensrichter und von Amtswegen verpflichtet und verordnet, jene zum Viehverkauf unumgänglich nöthigen Dokumente auszufertigen, und that dies gern um so lieber, als sein Neffe Felipe zugleich sein bester Kunde war, der sich wie ein echter Caballero" erkenntlich zeigte für schnelle Abfertigung und diskretes Unterlassen neugieriger Fragen nach dem Wie", Woher" und Auf welche Weise" des Erwerbs. Wozu auch? Tio Ramon war ein Ehrenmann wie Sobrino Felipe beide wußten zu leben und leben zu lassen, für Pesoscheine hatten beide Verwendung, gelegentlich auch für falsche, wenn sie recht billig zu haben waren. So war es lange Jahre gegangen, bis immer zahlreicher Engländer, Franzosen und Deutsche ins Land kamen. Allenthalben wuchsen Colomen empor, ein Pueblo folgte dem anderen, die weiten Grasebenen verwandelten sich in mit Drahtzäunen umgrenzte Weizen- und Leinfeloer, die Rinderheerden mußten auf Wegen und Straßen getrieben werden, die leicht, viel zu leicht zu verfolgen waren und zudem alle durch Ortschaften führten, die man möglichst vermeiden mußte. Leider gab es in jedem auch noch so kleinen Neste auch einen oder gar mehrere Polizeicommissäre, und diese waren furchtbar neugierig. Ihre zudringlichen Fragen ließen sich zwar durch einen inhaltreichen Händedruck in verständnißvclles Nicken wandeln, damit wuchsen aber die Spesen allmählich zu solcher Höhe, daß dieser von den Vätern übernommene Geschäftsbetrieb kaum noch Nutzen ließ. Außerdem waren die verwünschten Fremden" von einer Zähigkeit im Verfolgen zufällig" verlaufener Thiere, die sehr wenig von christlichem Fügen in den Willen des Himmels hatte, wie es dem eingeborenen Estanciero eigen war kein Wunder: waren es doch meist Ketzer, die über das Meer kamen, um die geborenen Herren des Landes auszuplündern. Ganz traurig wurde es aber, als die teuflische Erfindung des Telegraphen ihr Spinnennetz über das Land zog. Das war der Todesstoß für den Viehhandel unzähliger angesehener Gauchofamilien, und zu diesen zählte auch unser Don Felipe. Zwar zum nothdürftigsten Lebensunterhalt reichte der Verdienst immer noch; zudem gab es noch einträgliche Nebenbeschäftigung bei den Wahlen diese leider nur in mehrjährigen Zwischenräumen. Ein Mann wie Don Felipe verfügte über eine bald größere, bald kleine Anzahl von Stimmen: feine Peones Knechte und Viehtreiber und seine Verwandtschaft können oft einige hundert Wähler umfassen, bei der Gouverneurwahl wird jede leicht mit 25 Pefos bezahlt, von denen ein Theil in die Taschen . des Chefs fließt, der außerdem eine besondere Vergütung für feine Mühe erhält. Don Felipe hatte vor acht Tagen einen solchen Wahlvertrag abgeschlossen. Vom demokratischen Comite waren, ihm baare 1000 Pesos gezahlt worden, wofür er 200 Wähler zu stellen hatte, die allerdings dreimal an drei verschiedenen Wahlorten dem Parteibefehl gemäß zu wählen hatten, was zwar nicht ganz gesetzlich, aber, nach altem Herkommen gebräuchlich ist. Davon waren ihm selbst 400 nebst 500 Pesos Personalzulage geblieben; nach wenigen Tagen aber befand sich auch nicht ein elender Centavo mehr in seiner Tasche Weiber, Karten und Branntwein sie hatten alles vertilgt. Kein Wunder also, daß tiefste Trauer Don Felipes Herz am Vortage der Gouverneurswahl erfüllte. Die Sonne war untergegangen. Die dunkelroth glühende Dunstschicht im Westen, die letzte Spur des geschiedenen Tages, verschwand zusehends im Dunkel der Hereinbrechenden Nacht. Eh compadre," flüsterte eine leise Stimme dicht am Fenster. Don Felive zuckte zusammen. Werkst da?" fragte er ebenso leise und flüsternd. Es konnte ja ein
Geschäftsfreund sein da muß man leise sprechen! Don Tomas! Mach auf, ich muß dich sprechen." Don Felipe öffnete. Der Besucher trat , mit dem üblichen Ave Maria" grüßend, ein. Setz dich. Wie geht's?" Danke, recht gut. Und dir?" Schlecht wie die schlechte Zeit e5 bringt. Was macht deine Frau?" Bah nicht der Rede werth!" Nun und die Geschäfte?" Morgen ist Wahl." Ja." JSkn unterstützest du?" Ich? Natürlich Don Jturre!" Warum natürlich? Lopez ist fteigebiger." Wer weiß! Ich bin mit Jturre zufrieden. Außerdem ich bin ihm zum Commissar empfohlen." Bei der Polizei?"' Nein, bei der Heuschreckenvertilgung." Bah was bringt das?! Einige tausend Pesos, wenn's hoch kommt. Warum nicht bei der Polizei?" Da ist kein Posten mehr frei." . Ja, wenn Jturre Gouverneur wird Lopez aber" Ich habe mit Jturre Vertrag." Verträge werden nicht immer gehalten." Stimmt. Aber?" 1500 für dich und deine Leute. Außerdem wirst du Poizeichef im Di-
strikt San Francisco. Ist das sicher?" Das Geld ist hier Baarzahlung." So, so . . ." Aber eine Bedingung ist dabei." Welche?" Du stellst deine 'Leute unter meine Führung. Ich bringe sie selbst nach Humboldt, Maria Juana und Morteros. Sie müssen nach meiner Anweisung stimmen. Wenn es nöthig ist. auch in Mnes. Viermal? Das kostet mehr." Na, na du hast sie doch schon für Jturre bezahlt." Ja, aber" Kannst also die 1500 allein behalten. Wen sie wählen sollen, wissen sie ja nicht, und die Zettel bekommen sie erst an der Urne und gefaltet." Nun ja aber das heißt die Partei verrathen!" Geschäft ist Geschäft. Wer, mehr zahlt, kriegt mich." Don Feupe schwieg und sann nach. Tomas war ihm als alter Parteiganger des Lopez bekannt. Dessen schriftliche Zusicherung für eine Anstellung als Polizeichef war bei seinem Einfluß in der Partei so gut wie das Anstellungsdekret selber. Wenn er eine solche erhielt, war der Erfolg sicher. Don Tomas zog gelassen em Paket Banknoten unter seinem Poncho hervor und begann zu zählen. 1200, 1300, 1400, 1500 es stimmt. Nun, compadre?" Buenos. Gieb her!" - Erst rufe deine Leute, und sage ihnen Bescheid." Vamos." Die beiden Ehrenmänner gingen in den Hof hinter dem Hause, Don Felipe rief die herumlungernden Knechte zusammen und wies sie an, bei der Wahl am folgenden Tage den Anordnungen des Don Tomas als seines Vertreters Folge zu leisten, da er selbst anderweit zu thun habe. Don Tomas fügte die zarte Andeutung eines' Extratrinkgeldes nebst freiem Genever nach Bedarf hinzu und damit war der' schnöde Verrath Don Fellpes geschehen. 'Don Tomas nahm Abschied, nachdem er die 1500 Pesos ausgezahlt und eine schriftliche Zusicherung hinterlassen hatte, nach welcher Don Felipe von Partei wegen für seine Diensie zum Polizeichef in San Francisco bestimmt sei vorausgesetzt, daß Don Lopez zum Gouverneur gewählt werde. Drei Tage waren vergangen, ehe das Wahlresultat bekannt wurde. Aber nicht Lopez, sondern Jturre war der Erwählte des Volkes. Und unglaublich in Morteros und Humboldt war er einstimmig, in Maria Juana und Mendez gegen kaum 50 Gegenstimmen gewählt worden! Don Felipe zerbrach sich vergeblich den Kopf darüber, wie dies möglich sein konnte. 203 Stimmen hatte er an Don Tomas geliefert wie in aller Welt konnte da eine einstimmige Wahl des Gegencandidaten zustande kommen? Nun, wenigstens die 1500 Pesos waren eine reelle Thatsache um das übrige brauchte er sich schließlich keine Gedanken zu machen. Wieder war es Abend wieder hörte er die Stimme von Don Tomas aber nicht leise und vertraulich flüsternd, sondern laut und barsch: Holla, Don Felipe öffnen Sie!" Er wird mir die Ernennung zum Polizeichef bringen," murmelte Felipe, indem er die Thür aufschloß. Don Tomas in Polizeiuniform, begleitet von einigen Polizisten, trat ein: Don Felipe, ich verhafte Sie aus Befehl des Gerichtes. Folgen Sie." Ein Wink und der sprachlos dastehende Felipe fühlte den kalten Druck stählerner Armbänder an den Handgelenken. m Bei allen Heiligen warum denn was soll ich begangen. haben?" Wenn Sie es wissen wollen? wegen Viehdiebstahls, den Sie gewerbsmäßig seit Jahren betrieben haben. Und, Amige" er beugte sich flü-
siernd zum Ohr des Gefangenen vielleicht auch wegen Verraths an der Partei." Aber Don Tomas du warst doch für Lopez ich begreife nicht Ah bah ich war früher für Lopez. Jetzt bin ich für Jturre. Du hast dich abspenstig machen lassen. Ich zwar auch. Aber ich war klüger als du, deshalb bist du hineingefallen. Du warst mir im Wege also mußte ich dich beseitigen. Aber nichts für ungut. Heute oben, morgen unten, das ist der Lauf der Welt. Deine Leute' haben glücklicherweise nach meiner AnWeisung für die gute Sache gestimmt; dafür bekomme ich meinen Lohn. Ich bin Polizeichef geworden und Jnspektor bei der Heuschreckenvertilgungscommission an deiner Stelle. Man muß schlau sezn, Freundchen! Merk dir's! Nun komm." Don Felipe wurde in das Gefängniß abgeführt. Sein Schatz, die 1500 Pesos Verrätherlohn, wanderet selbstverständlich in die Taschen des edlen Don Tomas zurück. , Sein Urtheil war bald gefällt. Als überwiesener Viehdieb wurde er auf unbestimmte Zeit als Polizist in die Camppolizei eingestellt, wie dies ein noch heute geltendes vortreffliches unk den Viehdiebstahl zweifellos einfchrankendes Verfahren im gesegneten Argentinien ist. Zurück von der Zveltansstcllung. Humoreske von Peter Laarsen. Während der Zug langsam über die ersten Schienenstöße hinwegpolternd und dann sich in dem Rhythmus allmählich hineinfindend aus dem Berliner Bahnhof in Hamburg in die finstere Nacht hinauseilte, hatten mein Gegenüber und ich es uns schnell in unseren Ecken bequem gemacht. Mein Reisegefährte wollte, wie ich aus seinen Worten zum Schaffner entnahm, nach Leipzig, mußte also in Wittenberge aussteigen, während ich bis Berlin durchzufahren hatte. Wir kamen ins Gespräch und schließlich auch auf den jetzt wieder beginnenden Weltausstellungsrummel in St. Louis. ' Ja," sagte mein Reisegefährte, Gott fei es geklagt: Ich war von eher ein leichtsinniger Hund! Jetzt freilich, wo ich nun auch schon in-die Jahre komme, hat sich das ja etwas gelegt. Aber in diesem Augenblick, too Sie gerade auf die Weltausstellung anspielen, fallen mir alle meine Sünden wieder bei. Anno 1892 war bekanntlich die Weltausstellung in Chicago, und zu denen, die damals über den großen Teich hinübergondelten, gehörte auch ich. Die Taschen voll gespickt mit dem eben ausgezahlten fürstlichen Erbe von einer alten Tante, die Brust geschwellt von den schönsten Hoffnungen und überzeugt, auf Grund meiner fünfundzwanzigjährigen Erfahrungen den Fankees einmal zeigen zu können, was für Trauerklöße sie doch gegenüber einem so schneidigen Kerl wären, wie ich, zog ich hinüber. Aber die heilige Dreizahl, Wein, Weib und Gesarg, kriegt auch schließlich die reichsten Monenten nieder, und schon nach drei Monaten Aufenthalt in Chicago sah ich ein, daß meine Erfahrungen an die der Fankees lange nicht heranreichten. In meiner Kasse war schon Ebbe eingetreten. Ich kratzte mein Vermögen zusammen und starrte entgeistert auf mir noch gebliebene 93 Dollars. Bald gondelte ich schon auf der Augusta Viktoria"' heimwärts. . Mein Reisegefährte machte eine Pause, da der Zug gerade durch die endlosen Weichen der Station Büchen rasselte und kein Wort zu verstehen war. Hatten Sie eine gute Ueberfahrt?" warf ich ein. Gute Ueberfahrt? Ich sage Ihnen, so etwas ist noch nicht dagewesen. Dort habe ich sie" gefunden." Sieh', sieh', cliercliez la fernrne! Aber erzählen Sie weiter, mich interessirt so etwas als Schriftsteller immer ganz besonders. Man kann es vielleicht einmal verwerthen." Ein reizendes Mädchen, entzückende Locken, Toiletten, süß, einfach zum Anbeißen. Margrit Hobson hieß sie Sie sehen, mich verlieben, war eins. Eine Frage an einen Schiffsoffizier belehrte mich, wer sie sei. Verwandte des Millionärs Hobson, also auch in dieser Hinsicht ein goldiger Käfer. Aber wie sollte ich armes Wurm in meiner Abgeschlossenheit der zweiten Kajüte die Bekanntschaft dieser Holden machen, die natürlich durch die bekannte dicke rothe Schnur, die so streng die zweite Kajüte von der ersten trennt, auch von mir ferngehalten wurde? Aber ein junger Mensch muß Glück haben. Und schon am Nachmittag desselben Tages ruhte sie an dieser meiner Brust." . Donnerwetter", entschlüpfte es mir, das ging ja schnell." Schnell ja , aber auch sehr natürlich. Sie machte mit dem Kapitän einen Rundgang durch das Schiff, kam dabei auch zu uns und glitt just in dem Moment, als sie zum Damensalon die Treppe hinabsteigen wollte, aus, ich fing die Stürzend? auf, sie umklammerte mich mit beiden Armen, wir sehen uns in die Augen und ich machte als fescher Knabe na türlich Eindruck. Mein Retter!" stammelte sie auf gut deutsch. AuS dem Retter" wurde nun natürlich
bald der Ritte?" und bald waren wir sehr bekannt miteinander. Ihre Mutter war eine Deutsche, wie sie mir erzählte, daher konnte sie ebenso fließend deutsch wie englisch. Davon, daß ich ein armer Teufel sei, der sein Geld verjuxt hatte und nicht wußte, wovon er zunächst leben sollte, sagte ich natürlich nichts, das hatte ja auch Zeit. $ch wurde immer kühner und am Abend vor unserer Ankunft in Southampton beschloß ich, die Angelegenheit zum Klappen zu bringen. Obwohl ich gar nicht daran dachte, das Schiff zu verlassen, fing ich an, von Abschied nehmen müssen zu sprechen. Weshalb ich denn schon in Southampton aussieigen wollte, fragte sie. Ich gestand, ich könne ihretwegen nicht länger bleiben Was soll ich weiter sagen. Mit einem Male lag sie an meiner Brust und. wenn, ich an das Küssen denke, läuft mir noch jetzt das Wasser im Munde zusammen. Beim Hin- und Herüberlegen kam ich zu dem Entschluß, ihrem Hange zur Romantik zu entsprechen und ihr eine plötzliche Trauung auf Helgoland vorzuschlagen. Sie ging mit heller Begeisterung auf alles ein. Natürlich wurden uns nun die letzten Stunden auf der Augusta Viktoria" zur Qual. Wir stürmten in Kuxhaven förmlich vom Schiff und hätten weinen können, als wir drei Stunden auf den Dampfer nach Helgoland warten mußten." Ein langgezogener Pfiff der Maschine unterbrach den Erzähler, die Bremsen des Zuges traten in Thätigkeit. Ein Blick durch die Fenster überzeugte mich, daß wir uns Mittenberge näherten, und ich ersuchte mein Gegenüber, sich etwas zu beeilen. Dieser erhob sich und fuhr, indem er seine Sachen zum Aussteigen bereit legte, fort: Endttch kamen wir auf Helgoland an. Wir thaten sofort die nöthigen Schritte zur Trauung und mm kommt die Tragödie. Mir war schon aufgefallen, daß meine Braut die PaPiere nicht bei sich hatte. Amerikanerinnen sind doch sonst so smart. Ohne Papiere aber konnte die Trauung nicht vollzogen werden und da hieß es eben warten. Ob ich aber bis dahin mit meinen paar Mark auskommen würde, war doch zweifelhaft, selbst wo meine Braut die Papiere telegraphisch bestellt hatte. Und wie würden sich ihre Eltern zu . dieser Forderung stellen? Aber alle diese Fragen, die ich mir selber vorlegte, wurden am Abend von meiner Braut in einer fürchterlichen Scene selbst beantwortet. Sie legte mir, der ich aus allen Wolken fiel, eine Generalbeichte ab. Sie war gar nicht Miß Hobson, sondern deren deutsche Gouvernannte, hatte aber einmal als große Dame auftreten wollen und sich deshalb mit deren Namen in die Schiffslisten eintragen lassen. Je mehr sie mit mir bekannt geworden war, um so mehr hatten ihr die Scham und die Angst, mich zu verlieren, den Mund verschlössen. Wir hatten also glücklich beide nichts und saßen auf dem theuren Helgoländer Boden fest. Guter Rath war theuer." Der Zug hielt, der Saffner öffnete die Thür, Wittenberge aussteigen, zweiMinuten Aufenthalt!" Ein Freund", fuhr mein Gefährte fort, indem er seine Sachen aufnahm, war auch nicht zur Stelle; sterben wollten wir doch noch nicht. . ." Weiter, weiter," drängte ich, während mein Reifegenosse mit einer Ruhe ausstieg, die mich zur Verzweiflung brachte. Ja, lieber Freund, weiter weiß ich auch nicht." Was, Sie wissen nicht weiter ? Sie haben doch die Geschichte selbst erlebt?" Nein, wissen Sie, ich schreibe nämlich' auch Novelletten und zwar solch: ohneSchluß als Preisfragen für Zeitschriften. Diese Geschichte ist mir auf der Fahrt eingefallen und an Ihrer Spannung sah ich, daß sie gut ist. Wenn Sie dieselbe also demnächst in einer Zeitschrift finden, so haben Sie vielleicht bis dahin eine annehmbare Lösung ausfindig gemacht und können .sich dann mit um den Preis bewerben." Wüthend riß ich das Coupöfenste? hoch, während der Zug sich wieder in Bewegung setzte. Ich hatte genug. Jmmerrespektvoll. B ronin: Die prachtvollen Rosenstöcke sind offenbar muthwilligerweise abgeschnitten worden. Wer hat denn diesen empörenden Wandalismus verübt?" Gärtner (zornig): Niemand anderer als der junge Herr Baron, denn der gnädige Lausbub war allein im Garten!" Ein kluger Gasi. Wirth: Diesen Wein kann ich Ihnen mit gutem Gewissen empfehlen; Sie werden jedenfalls fehr zufrieden sein!" Gast: Meinen Sie? Nun wohl, holen Sie eine Flasche davon, und trinken Sie ein Glas mit!" Wirth: Hm! Da werde ich Ihnen doch noch eine andere Sorte bringen!" Kleines Mißverstand, niß. Dame: Wir würden so aern Ihren lieben Neffen bei uns behalten, aber Sie sehen, wir sind so beschränkt." Besuch: Ach, das macht doch nichts. Hansel ist auch ncht der Gescheidtefte."
Kölieulsche Nudeln.
In der deutschen Küche sind die italienischen Nudeln ein gern gesehener Gast. In vielerlei Gestalt werden sie verwendet; theils als Suppeneinlagen unter dem Namen Fassonnudeln", theils in Form langer Röhren als selbstständiges Gericht unter der BeZeichnung Makkaroni". Daß die echten Makkaroni im sonnigen Italien zu Hause sind, ist allgemein bekannt. Ueber das Wesen und die Herstellung der Makkaroni aber weiß man im Allgemeinen nur wenig; ja, es soll Leute geben, die da meinen, die Malkaroni wüchsen auf Feldern und würden alljährlich im Herbste ringeerntet, wie etwa bei uns Roggen un5 Gerste. Diese naive Ansicht stimmt nun' freilich mit der Wirklichkeit nicht überein. Die Makkaroni sind ein KunstProdukt, eine Art Mühlenfabrikat, und ihrs Herstellung beschäftigt hundert und aberhundert fleißige Hände. Wie es heißt, sollen schon die Römer in der Bereitung von Makkaroni eine gewisse Meisterschaft besessen haben, und von dem cylinderförmigen Gefäß maccaro", dessen sie sich zum Kneten des TeigS bedienten, wird der noch heute geltend: Name Makkaroni" abgeleitet. Das moderne Italien betreibt die Makkaronifabrikation im Großen, und die Makkaronifabriken schießen in allen Theilen des Landes wie Pilze aus, der Erde. Ist doch der Consum dieses beliebten Nationalgerichts bei den braunen Kindern des Südens ein ganz enormer und auch der Handel ins Ausland noch immer im Wachsen begriffen. Die Herstellung der Makkaroni spielt sich für das Auge des Zuschauers überaus einfach ab. Das Mehl es können fast alle Sorten verwendet werden, am beliebtesten aber ist Weizenmehl kommt in riesige Maschinen, die es mit den erforderlichen utkciten und ßfrftiiirjen an tirttm ft sten Teig verarbeiten. Sodann gelangt der Teig in Knetmühlen, die ihm die' zum Formen nöthige Weichheit geben, und von da, in sorgfältig abgewogenen Klumpen, in aufrechtstehende, mit Dampf geheizte Preßcylinder, deren untere, den Boden bildende Flächen mit ringförmigen Oeffnungen versehen sind. Unter starkem Druck passirt der Teig diese Oeffnungen und tritt als mehr oder minder dicke, gleichmäßig lange Röhren aus dem Cylinder heraus. Ein Arbeiter fängt die Teigfäden über beweglichen Stangen auf, andere tragen die gefüllten Stangen mit ihrem rechts und links fast einen Meter niedergehenden Behang zu zwei und zwei über den Schultern nach den Trockenplätzen hinaus, die sich entweder auf den flachen Dächern der Fabriken oder dicht vor deren Thüren auf der Straße befinden. Hier in der prallen Sonne haben die Makkaroni einen stundenlangen Trockenprozeß durchzumachen, der sie glasig und spröde erscheinen läßt c r-' uno iynen jenen eigenlvumiicy jeincn Geschmack verleiht, wie ihn nur das Trocknen in Luft und Sonne hervorzubringen vermag. Von den TrockenPlätzen geht es dann in die Packräume und von da in leichten Kisten in die Welt hinaus. Aber die länglichen Röhren sind nicht die einzige Gestalt, in der die Makkaroni auf dem Markt erscheinen. Außer diesen gibt es wohl noch mehr als sechzig andere Formen, Ringelchen, Sterne, Buchstaben, Thiere, Muschein usw., zu denen der Teig besonders fest hergestellt und' der Cylinderdoden mit entsprechenden Ausschnitten gemustert ist. Ein dicht unter dem Boden" oder Model" angebrachtes, rotirendes Messer schneidet die Teigscheibchen ab; sie fallen in einen flache Korb und wandern aus diefern in papierbelegte Eisendrahtschwingen, in denen sie 2 3 Tage trocknen. Vielseitig wie die Form der Makkaroni ist auch ihre Verwendung; namentlich der Italiener kann sich darin, nicht genug thun und weiß diesem seinen Lieblings- und Nationalgericht immer neue Reize zu geben. Was dem Deutschen Brot und Kartoffeln, das sind dem Italiener seine Makkaroni. Sie bleiben die tägliche Nahrung von Arm und Reich, und eine Mahlzeit ohne Makkaroni .ist selbst auf dem vornehmsten Tische undenkbar. Für die ärmere Bevölkerung bedeuten die langen schlüpfrigen Nudeln meist das einzige Nahrungsmittel, das jahraus, jährein, zu jeder Tages- und Nachtzeit mit gleichem Appetit und Genuß verspeist wird. Mitten auf der Straße wird es in fahrenden Küchen zubereitet und feilgeboten, und von zehn Uhr Morgens ab haben die Makkaronihändler alle Hände' voll zu thun, um der anströmenden Menge immer neue Schüsseln mit heißen, duftenden Nudeln zu.füllen. In Neapel allein werden jährlich an 150,000 Centner Makkaroni verzehrt; rechnet man dazu den Export nach England, Amerika, Deutschland usw., der in den letzten Jahren durchschnittlich weit über 75,000 Centner betrug, so kann man sich ungefähr einen Begriff von der L -istungsfähig-keit der italienischen Makkaronifabrikation machen. Allmählich hat sich auch das Ausland dieser einträglichen Industrie bemächtigt
