Indiana Tribüne, Volume 27, Number 274, Indianapolis, Marion County, 11 July 1904 — Page 7
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Roman von Ludwig Habicht. Fortsetzung Der Varon nickte, nicht ohne AnWandlung von Stolz, zustimmend mit dem Kopfe. Als ich ihm sagte, daß ich einmal über das große Wasser wollte, um endlich mein siegreiches Vaterland wiederzusehen, entgegnete er mir einfach: Well, Pa, dann werde ich den Onkel in Kentucky aufsuchen" und an dem Tage, an dem ich mich nach Europa einschiffte, dampfte er wohlgemuth nach dem Westen. Diese Kinder Amerikas sind eben ganz anders; sie stellen sich zeitig auf die eigenen Füße; aber ich hoffe, die Deutschen lernen dies jetzt auch, haben sie doch der Welt gezeigt, daß sie nicht mehr ein Volk von müßigen Denkern und Träumern sind, sondern das Zuschlagen verstehen," und der Baron machte bei diesen Worten eine bezeichnende Handbewegung. ' ' , In den ehemaligen Majoratsherrn schien ba drüben" ebenfalls etwas Unruhiges, Fahriges gekommen zu sein; er hatte das Rastlose des Amerikaners angenommen, es litt ihn mcht lange an einer Stelle; jetzt niest er seinen Verwandten freundlich zu und dann verließ er ebenso rasch wieder den Saal wie er gekommen war, um von neuem überall herumzustreifen und alte, ihm früher lieb gewesene Plätze aufzusuchen. Seltsam genug: er fand nirgends Ruhe. Wie oft hatte er sich in der kalten Fremde nach der Heimath gesehnt, die ihm desto verführerischer vor den Augen gegaukelt, je sicherer er sie auf 'immer verloren . . . Jetzt war er wieder daheim und doch, wie fremd muthete ihn alles an, wie anders war alles in der langen, langen Zeit geworden! Wohl hatte ihn sein Bruder mit alter Herzlichkeit empfangen, wohl zeigte ihm die Schwägerin, daß er hier ein willkommener Gast; aber wo war der lebenslustige Bernhard geblieben, der dort am Rhein, mit seiner jungen Gattin sorglos in den Tag hineingelebt hatte? Die Sorgenfalten auf seiner Stirn , waren zu tief eingegraben; sie konnten einem Manne am wenigsten entgehen, der von je gewohnt war, scharf zu beobachten. WaS mochte nur den guten Bernhard bedrücken? Hat er ihn nicht durch den Verzicht auf das Majorat in eine glänzende Lage, versetzt, während er selbst sich erst mit Anspannung aller Kraft ein neues Dasein erringen gemußt? Es war ihm erst nach langem harten Kampfe gelungen, sich auch da drüben" eine geachtete Stellung zu verschaffen. Bern hard dagegen, der es all' die Zeit über so gut und bequem gehabt, war zum Kopfhänger geworden und schien gar nicht zu wissen, wie weich ihn das Le ben .gebettet habe und wie verpflichtet er sei, sich glücklich zu fühlen. Nun, die Stunde würde schon kommen, wo er ihm ehrlich und rückhaltlos die Wahrheit sagen konnte. Ja, er war jetzt' endlich wieder daheim und doch in bet Fremde das Bild, das so lange vor seinen Augen gelebt, stimmte nicht mehr mit der Wirklichkeit übereilt. Wohl war daS alte Schloß so ziemlich unverändert geblieben, aber man sah jetzt überall die nachbessernde Hand, die jedes Zeichen des Verfalles sogleich sorgfältig zu verwischen gesucht, während Heinrich gerade diese Spuren des Alters stets so ehrwürdig gefunden und sich ängstlich gehütet hatte, sie irgendwie zu beseitigen. Auch der Park war jetzt völlig verwandelt; er eiinnette in seiner englischen Anlage mit seinen grünen Rasenteppichen und seinen verschlungenen Wegen weit eher an einen wohlgepflegten Garten; die frühere Wildheit, die hier geherrscht, war verschwunden. Gerade hier hatten die Ahnen aus einem früher sumpfartigen Boden einen üppig wuchernden Wald hervorgezaubert, der von der magern Kiefernheide merkwürdig abstach, die in dieser Gegend vorherrschend war; wohl standen hier und da noch einzelne Baumriesen, aber das war nicht mehr der köstliche Park, in dem. er sich als Knabe herumgetummelt und seine glücklichsten Stunden verlebt hatte. Wie fremd muthete ihn alles an, wohin der ehemalige Majorstsherr auch die Schritte, lenkte und selbst von seinen früheren Dienstleuten war auch nicht einer mehr vorhanden. Hatten sie denn gar so wenig getaugt? Er war doch mit ihnen stets zufrieden gewesen; aber er mochte die Wirthschafterin immerhin nach einem altenKnecht oder einer Magd fragen, er erhielt darauf stets dieselbe Antwort:. Ach, die sind längst fort," und nur selten klang es dazwischen: Die sind gestorben." Ja, diese Käthe mußte hier ein sehr scharfes Regiment geführt haben; der Baron hörte auch jetzt wieder ihre helle Stimme; sie sparte nicht mit SchultWorten. Auch gegen ihn war die Rheinländerih kurz angebunden, und sie' schien seine Anwesenheit nicht besonders gern zu sehen, denn sobald er sich ihr näherte und an sie einige Fragen richtete, sah sie ihn mit einem Blick an, als ob sie sagen wolle: Was läufst du mir beständig im Weg herum?" und gerade dies unverblümte an den Tag. legen ihres Mißmuthes
machte dem ehemaligen Majoratsherrn heimliches Vergnügen; sich hier jedoch so heimisch und wohl zu fühlen, wie er gehofft hatte, das wollte ihm doch nicht gelingen; er begriff es selbst nicht, aber schon heut, nachdem er kaum wenige Stunden in dem Schlosse seiner Väter zugebracht hatte, überschlich ihn die Anwandlung, als ob er hier eigentlich nichts mehr zu suchen habe und ein ungebetener Eindringling sei, der am besten thue, wenn er sobald wie möglich wieder seine neue Heimath aufsuche. Die Schwägerin und auch Jrmgard zeigten sich gegen ihn sehr artig und freundlich; aber es wollte dem Baron 'Heinrich doch bedünken,daß sie sich einen gewissen Zwang auflegen müßten und ihre Freundlichkeit nicht recht aus dem Herzen käme. Es klang nicht so hell zusammen, n?e er es sich vorgestellt hatte. War er 'hier doch kein willkommener Gast mehr? . Ach, das waren ganz abscheuliche Gedanken! Der ehemalige MajoratsHerr strich sich über die Stirn, um sie zu zerstreuen; er war ja nicht in die Heimath zurückgekehrt, um an den aufrichtigen Empfindungen seiner Verwandten zu zweifeln, sondern um das Glück in vollen Zügen zu genießen, daß sich das alte Vaterland so plötzlich zu ungeahnter Macht emporgeschwungen. Diesen Freudenrausch wollte er persönlich mit durchmachen und dann gern wieder verschwinden. Der Baron war eben wieder rastlos überall umhergewandert, als müsse er. endlich irgend einen Rest der alten lieben Vers aanaenheit wiederfinden. Jetzt sah er nach der Uhr, es war schon halb zw'ol und um die Mittagsstunde wurden die Bredows erwartet. Da galt es, sich bald zu ihrem Empfang bereit zu halten. Sollte er den Ueberfall noch immer wagen, trotzdem Bredow bereits von seiner Anwesenheit Kenntniß hatte? Wie konnte nur der Bruder so unvorsichtig sein und durch seinen hübschen Plan einen Strich machen? Gleichviel, er wollte schon den alten Starrköpf herumkriegen, und Baron Heinrich lächelte siegesgewiß vor sich hin; er eilte in das Schloß zurück und suchte das Erkerzimmer des linken Flügels auf, das den bequemsten und weitesten Blick auf die Dorfstraße bot. Von dort mußten auch die Bredows kommen, denn gleich hinter dem Dorfe führte ein Seitenweg nach Lindenau, der hier von diesem Fenster aus ganz gut übersehen werden konnte. Jrmgard stand schon am geöffneten Fenster und blickte 'hinaus; bei dem Geräusch seiner Tritte wandte sie das schöne, blonde Haupt, und eine dunkle Röthe schoß in ihr Antlitz, das ohnehin jede Seelenregung, deutlich wiederspiegelte. Du brauchst dich nicht zu schämen, sagte der Oheim lachend. Nicht wahr, was heut die Sekunden langsam dahinschleichen!" Seine scharfen, unruhigen Augen wanderten dabei wieder voll Wohlgefallen über die anmuthige Erscheinung hinweg und ehe sie noch eine Antwort ertheilen konnte, fuhr er in seiner lebhaften, hastigen Weise fort: Uebrigens gönne- ich dich gar nicht dem da drüben". Wie schade, daß Dick, mein Sohn nicht mitgekommen. Ihr wäret ein hübsches Paar aeworden." Nun mußte Jrmgarb doch lachen. Mein amerikanischer Cousin ist ja nicht einmal so alt wie ich." Ah, du solltest ihn nur sehen, er ist so groß und breitschultrig, daß ich gegen ihn zusammenschrumpfe und ich zähle doch wahrhaftig nicht zu den Kleinsten." Der Baron reckte sich bei diesen Worten noch mehr in die Höhe. Und siebzehn Jahr!" Thut nichts; denke ja nicht, daß er noch ein unreifer Bursche ist; er stellt schon jetzt seinen Mann und besitzt eine Schlauheit und Willenskraft wie eine alte Rothhaut vordem muß ich mich verkriechen, trotzdem ich früher wunder gemeint hab', was ich für ein Kerl sei" und aus den Worten des OheimZ sprach sein ganzer Vaterstolz. Jrmgard war höflich genug, an den gerühmten Eigenschaften ihres Cousins nicht zu zweifeln, sie machte nur ein erstauntes Gesicht, dann aber wandte sie wieder ihre ganze Aufmerksamkeit der Dorfstraße zu. Auf dem am Waldrande sich hinziehenden Sei tenwege mußten ja bald die gräflichen Wagen auftauchen. Jetzt wirbelte dort eine leichte Staubwolke in die Höhe und in ihrem Schleier zeigte sich ein Gefährt. Sie kommen, sie kommen!" jauchzte Jrmgard, die Spannung war gelöst; ihr feines, zartes Antlitz, das bisher nichts als sehnsüchtige Erwartung ausgedrückt hatte, verrieth die helle Freude, die jetzt durch ihren Busen zitterte. Nur die. Anwesenheit des Oheims hielt sie ab, wie ein Kind jubelnd die Hände zusammenzuschlagen; aber sie lehnte sich doch hinaus und schwenkte mit dem Taschentuch obwohl sie wissen mußte, daß die Ankömmlinge dies Zeichen gar nicht bemerken konnten. Kommst du mit hinunter? fragte der Baron. Nern, ich muß warten. Meine Eltern wollen den Grafen zuerst begrüßen." Dann werde ich mich ihnen anschließen," entgegnete der Baron. Hd, liebes Kind, das wird ein fröhlicher Tag!" und er eilte hinaus.. Jrmgard athmete förmlich auf. Jetzt war sie wieder allein, sie konnte
sich ein wenig sammeln und sie brauchte es, denn das Herz begann gar stürmisch in der jungen Brust zu pochen. Das Glück war zu groß, das ihnen zu Theil werden sollte, und dann diese erste Begegnung mit ihrem Schwiegervater, vor der sie doch ein wenig zitterte. Würde sie vor seinen streng prüfenden Augen auch bestehen? Er hatte sich so hartnäckig, so kalt und entschieden der. Liebe seines Sohnes entgegengesetzt und erklärt, daß er niemals zu dieser Verbindung seine Einwilligung geben würde. Nun war sie ihm doch abgerungen worden. - Ach und dazu kam ihr die Sorge, wie es wohl der Graf aufnehmen würde, daß er jetzt mit demjenigen zusammentraf, für den er so lange den grimmigsten Haß bewahrt hatte? Mußte nilP Diese unerwartete Bewegung eineü scharfen Mißton in diese Stunde bringen? Sie senkte den Kopf und blickte zaghaft vor sich hin; aber dann erwachte schon wieder der frische Jugendmuth, der ihr eigen war. Das schwerste lag ja hinter ihnen; sie hatten sich den Sieg errungen und den durfte ihnen niemand mehr streitig machen. Ihre blauen Augen begannen wieder aufzuleuchten, und sie schaute erwartungsvoll in die Ferne, mußten doch die Ankömmlinge in wenigen Sekunden zu sehen sein. Wirklich, jetzt rollte der Wagen näher. Kurt!" hatte die Baroneß aufjubeln wollen, denn dort sah der Geliebte an der Seite seiner Schwester. Sie schwenkte von neuem eifrig mit dem Tuche; er sah zu ihr nicht hinauf, sondern ernst und ruhig vor sich hin. Trat an diesem Festtage sein Leiden wieder ein wenig stärker auf? Und ihre Blicke ruhten voll Zärtlichkeit auf seinem heut wieder so bleichen, ernsten Antlitz. Aber wo blieben die Eltern? Kein zweiter Wagen war zu sehen. Ah, der Graf kam nicht er kann noch immer nicht vergessen, er bleibt unversöhnlich!" zuckte es der jungen Baroneß durch den Sinn, und ein schwerer Seufzer hob ihre Brust. 4. Auch der Baron und seine Gattin hatten in nicht geringer Spannung ihre Gäste erwartet. Würde der Graf nun doch erscheinen? Und wie würde das Zusammentreffen der beiden sich gestalten? Heinrich schien freilich nicht die mindesten Besorgnisse zu hegen; zur großen Bestürzung des Bruders stürmte er jetzt herbei, um sich an dessen Seite zu stellen und die Ankömmlinge ebenfalls sogleich zu begrüßen. Mit seinen scharfen, klugen Augen mußte der ehemalige Majoratsherr bemerkt haben, was in dem Innern seines Bruders vorging, denn er begann in seiner kecken, zuversichtlichen Weise: Sei nur ganz ohne Sorge. Ich werde ihn, noch ehe er ein finsteres Gesicht machen kann. in meine Arme schließen und ihm zurufen: In dieser großen Zeit müssen alle kleinlichen Händel vergessen werden. Es wäre unserer unwürdig, wenn wir noch länger Feinde bleiben wollten. Schwamm darüber! Und glaube mir, ich kenne ihn besser, für eine solche Sprache ist mein alter Freund nicht unzugänglich." Der Baron antwortete nicht; aber seme Miene verrieth deutlich, daß er die große Sicherheit seines Bruders nicht zu theilen vermochte, und dieser fuhr lachend fort: Ach, es ist mir unbegreiflich, daß du ein solcher Pessimist geworden bist, läufst du doch mit einem so ernsten, bekümmerten Gesicht herum, als ob wir nicht am Anfang, sondern am Ende aller Dinge wären. Na, da kommen sie ja schon!" setzte er hrnp, als er jetzt des Wagens ansichtig wurde, der soeben von der Dorfstraße in den zum Schlosse führenden Seitenweg einbog. Nach seiner Gewohnheit schob sich der Baron die Brille zurecht, wie er es immer that, wenn er in einer gewissen Aufregung war, und zu seiner Bestürzung gewahrte er nur zwei Insassen im Wagen, Kurt und seine Schwester. Wo blieb der Graf mit seiner Gemahlin und dem jüngsten Töchterchen?. Kein zweiter Wagen war zu sehen er kam nicht so sollte auch in den heutigen heißersehnten Tag ein sinsierer Schatten fallen! Für ihn gab es nun einmal kein reines, ungetrübtes Glück mehr und die Brust des ohnehin so leicht zur Schwermuth neigenden Mannes, die endlich einmal freier aufathmen gewollt, preßte sie wieder zusämmen. Nun kam schon Jrmgard herbeigeeilt. Sie hatte alle Angst und Unruhe überwunden; der Vater kam nicht; aber Kurt war da, und nun konnte sie nicht länger an sich halten, sie mußie ihm entgegeneilen und ihm zuerst die helfende Handweichen; wußte sie doch aus Erfahrung am lesten, wie ihm jede Bewegung zu erleichtern und jeder Schmerz zu ersparen sei. . Beim Anblick seiner Braut, bei ihrem jubelnden Zuruf schwand die gedrückte Stimmung, die den jungen Grafen beherrschen mochte; seine großen, vom langen Siechthum noch im. mer etwas .dunkelumränderten Augen leuchteten auf und alles vergessend streckte er ihr beide Hände entgegen. Sie half ihm aus dem Wagen und jetzt war sie nicht mehr daS zarte, schlankgebaute Mädchen, ihre Kräfte wuchsen; er fühlte es, daß doch niemand ihn so sanft und vorsichtig zu unterstützen vermochte, wie seine Jrmgard, die ihm in all' der Zeit des Leidens mit wunderbarer Geschicklichkeit zur 2tic gestern
den hatte.' ' Qi hatte den Stock zurück.
gelassen, auf den er sich sonst zu stützen pflegte; aber er wußte ja, wie fest und sicher er an ihrem Arme gehen konnte. Diese Elfengestalt schien dann Muskein von Stahl zu erhalten. Kommen Sie allem?" fragte de? Baron und seine ohnehin etwas gepreßte Stimme klang noch tonloser als sonst. . Ja, mein Vater läßt sich entschuld:gen und auch die Mutter," antwortete Kurt; seinem offenen, ehrlichen Wesen widerstand es, selbst in diesem Augenblick eine Lüge vorzubringen; während er das mitgebrachte Schreiben übergab, wollte er noch etwas hinzusetzen, da fiel sein Blick auf den Mann, der an der Seite seines Schwiegervaters stand und er schwieg. ' Kein Zweifel, das war gewiß der. so plötzlich und gerade zur Unzeit wieder aufgetauchte Majoratsherr und das Zartgefühl des jungen Grafen hinderte ihn, vor dem Ankömmling Dinge zu erörtern, die ihn gewiß peinlich berühren mußten. Kaum hatten der Baron und seine Gattin die Geschwister begrüßt, da trat auch Heinrich dicht an den Wagen heran und die Hand des jungen Grafen ergreifend, sagte er in seiner lebhaftet, kurz angebundenen Weise: Seien Sie mir herzlich willkommen als Bräutigam meiner Nichte," und der Comtesse ebenfalls wie einer guten, alten Bekannten die , Hand reichend, setzte er hinzu: Und was Ihren Vater betrifft, da seien Sie ohne Sorge, der darf heut hier nicht fehlen, das wäre ja noch schöner! Diese alte dumme Geschichte muß endlich begraben werden. Warten Sie nur, ich hole den Trotzkopf herbei!" und ohne den Einspruch seines Bruders abzuwarten, eilte 'er hinweg. Kurt sah dem wunderlichen Manne ganz betroffen nach. Was wollte der tolle Mensch beginnen? Dann wandte er sich in großer Aufregung zu seinem Sckwiegervater: Um Gotteswillen, lassen Sie ihn nicht fort. Ich fürchte, es geschieht ein Unglück, wenn die beiden heut zusammentreffen. An eine Aussöhnung ist gar nicht zu denken." F,, Baron hatte inzwischen schon das kurze Schreiben des Grafen gelesen, er .ahnte ja bereits dessen Inhalt und doch wurde er davon sehr schmerzlich berührt. Der läßt sich doch nicht zurückhalten; er ist der Alte geblieben," sagte er mit einem tiefen Seufzer, dann aber strich er Iber die gefurchte Stirn, als wollte er-heut alle trüben Vorstellungen verscheuchen; seine Frau hatte ihm einen ermutigenden Blick zugeworfen, schien doch ihre rheinische Lebenslust und Lebenssreudigkeit noch einmal in voller Stärke erwacht zu sein, denn ihr Gesicht strahlte vor Glück und selbst das Fernbleiben des Grafen konnte ihre gehobene Stimmung nicht völlig beeinträchtigen; sie hatte ja im Stillen nichts anderes erwartet. Sie schloß jetzt ihren Schwiegersohn, wie es nur eme liebende Mutter vermag, zärtlich in die Arme und sagte dabei mit ihrer hellen, klangvollen Stimme: Ein vollkommenes Glück gibt es selten. Seien wir innig dankbar für das, was uns der Himmel heut gewährt. Meinen Sie das nicht auch, Comtesse?" wandte sie sich zu der Schwester Kurts, die der Baron bereits aus dem Waaen gehoben hatte Sie sprechen mir aus der Seeie,antwortete diese und fügte in ihrer ruhigen, entschlossenen Weise hinzu: Ich habe meinem Bruder auf der ganzen Fahrt fortwährend ähnliches gepredigt. Was soll ihn die Vergangenheit noch härmen! Ihm muß jetzt die Zukunft gehören!" und sie erhob das stolze, blonde Haupt noch höher; es war, als ob sie ihrem Bruder damit die Spannkraft wiedergeben wolle, die seit seiner schweren Verwundung in ihm zerbrochen worden. Jrmgard, führe unsere lieben Gäsie in das Schloß," wandte sich die Baronin zu ihrer Tochter, damit sie sich ein wenig ausruhen und eine Erfrischung zu sich nehmen können, während sie uns wohl gestatten, daß wir hier bleiben und unsere Söhne erwarten dürsen, denn die müssen jeden Augenblick eintreffen." v Wenn Sie erlauben, bleibe ich eb:nfalls hier," sagte Waltrud und setzte mit einem freundlichen Lächeln hinzu: Die beiden werden sich ja heut so viel zu sagen haben." Das glückliche Paar gehorchte gern der Weisung und wanderte in dSs Schloß, während die drei auf der Rampe zurückgeblieben und wieder aufmerksam lauschten, ob nicht die sehnlichst Erwarteten bald erscheinen würden. Auch Waltrud freute sich auf das Wiedersehen mit ihren Jugendfreunden. Hatte es doch schon für sie und ihren Bruder sehr früh einen eigenen Reiz ausgeübt, diejenigen kennen zu lernen, mit denen sie jeden Verkehr streng vermeiden sollten. Ein Wildzaun jrennte zwar den Wald des Gra fen von dem des Barons; ab die Grafenkinder waren so lange a der Grenze herumgewandert, bis sie einmal ihrer Nachbarn ansichtig geworden. Die von drüben hatten arglos zuerst gegrüßt- und damit war die Schränke gefallen Man hatte gelacht und geplaudert, zuletzt sogar Spiele getrieben und sich wenig darum gekümmert, daß man die strenge Weisung erhalten, die Nachbarn zu hassen. Wie wäre dies auch den jungen Herzen ' möglich gewesen, fand man doch so viel Gefallen aneinander und blieb doch dieser heimliche Verkehr ein um so größerer Ge-
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nigstens den Grafenkindern drohte, wenn er dem strengen Vater verrathen wurde. Später war dann freilich der Verkehr mit den Söhnen des Barons ziemlich in's Stocken gerathen, denn sie hatten die Heimath verlassen und waren in den Militärdienst eingetreten. In den letzten Jahren hatte sie zuweilen nur noch irgend ein günstiger Zufall zusammengeführt; oder war es doch mehr als Zufall, daß die jungen Herren. wenn sie auf Urlaub gekommen waren, dort an der Grenze so gern jagten? Der Wildzaun wurde freilich nicht mehr überklettert, er blieb jetzt eine trennende Schranke, sobald man sich hier sah; aber er hinderte doch nicht ein gemüthliches Plaudern der Jugendfreunde. Ach und für Kurt war nur zu bald dieser heimliche Verkehr mit den Nachbarnverhängnißvoll geworden anstatt des Hasses zog in seine Brust die Liebe ein. Er hatte immer wieder Gelegenheit gesucht, Jrmgard wiederzusehen; eine tiefe, innige Liebe für die allmälig zur Jungfrau erblühte Jugendsreunbin hatte sich seines Herzens bemächtigt, und er gehörte nicht zu den Naturen, deren Empfindungen auf schwankem Grunde ruhen, feine Gefühle besaßen eine unerschütterliche Wurzelkraft. . (Fortsetzung folgt.) Zuvielverlangt. Commercienräthin (imSeebad zur Bonne): Warum weint denn mein Moritzchen?" Bonne: Ach, Madame, ich soll ihm gerade einen Seesturm zeigen." Commercienräthin: Nun, so zeigen Sie ihm doch einen!" BuchhalterundPraktikant. Buchhalter: Was, erst bis übermorgen können Sie die Kuckusuhr repariren! Das ist mir sehr unangenehm, da werd' ich ja nicht wissen, wann es zwölf Uhr ist." Uhrmacher: Früher ist es mir nicht möglich; den Perpendikel benöthige ich nicht, den kann ich da lassen." 77y Chef: Unsere Kuckucksuhr scheint vorauszugehen, es ist ja was soll das bedeuten?" Buchhalter: Entschuldigen, Herr Prinzipal, die Uhr ist in der Reparatur, und da hab' ich den Praktikanten als Ersatz hinaufgesetzt; wenn er fechzigmal mit dem Perpendikel hin und her schwenkt, ist's eine Minute, da macht er sich immer ein Strichel und jetzt schreit der Kuckuck g'rad' zwölf.&mmmmmim Patent -Wohnungsthüri für zahlungsunfähige Schuldner. 2. a.2Sü-j -L"
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