Indiana Tribüne, Volume 27, Number 274, Indianapolis, Marion County, 11 July 1904 — Page 6

G

Jndiana Tribüne, 1!. Juli 190&.

Warum nicht rn (ü 3 J3 P P 3? w sparen beim Einkaufe ihrer Möbel ... .UNV. . . . eppiche . . . .sowie. . . . und S bei WILLIG'S 141 West Washington Str. .Pennsylvania - Bahn. 0 unb zurück Sonntag, den 17. . Juli. Special-Zug verläßt Indianapolis 7:13 Morgens; Special-Zug verläßt Louisville 7 Uhr Abends von der Main Str. Station. W. W. R i ch a r d s o n, A. G. P. A. öalb-Fahrpreis plus 2 Cents ...nach.... CINGINNATI und zurück ..via.. MgFourBahn in Anbetracht der B. P. O. Elks. VerkausStage, 16.,17.u.18.Juli. Giltig für die Retourfahrt bis 23. Juli mit Verlangerungs -Privilegium. Für völlige Information und Einzeln heiten wende man sich an die Agenten der Big Four Route" oder schreibe an Warren I. Lynch, Genl. Paff, und Ticket'Ageat, Eivcinnati. oder H. M. Bronson, A. G. P. A., Indianapolis, Ind. Sccküste Gxcurfion (Saison 1904.) . .nach. . X Atlantic City, Ccean City, Cape ZNay oder Sea Isle City ..via.. FSM S., S. & At. S. Bahn und Lehigh Valley Bahn ....durch Cleveland und Bnffalo.... Dienstag, 19. Juli. Fahrpreis von Indianapolis und zurück 815.00. Retourfabrt beschränkt auf 12 Tage ein schließlich des VerZaufstags. Giltig für Aufenthalt in Philadelphia und NiagaraBällen, ebenso m Westfield für Chautauqua Lake als Nebenausflug, vorausaefetzt die Tickets werden sofort bei Ankunft bei den Agenten deponirt. ffür nähere 5injelnl)riten wende an sich an die . . & in " ftl A. l, t Ä a :c:aetgenlen on tg uour siouir vvrr iq. an Wren I Lynch, Gen. Paff. & TicketLgent. tanctnnau kji)o, oder H. M. Brons on. A. S. P. A JudmnapoliZ, Ind. 7T ig 4 Route ...Cxcursionen. Sonntag, 17. Juli. Cincwnati und zurück. Spenalzug, (nach beiden Richwngen nir. ends für Passaaiere anyauenv) verlas In ienapolis um 7 Uhr Morgens. Rückfahrt von Cincinnati 7 Uhr Abends Terre Saute 81.00 ! Rund reencastte.....75e s fahrt. Svenakua verläbt Indianapolis um Uhr Morgens. Retourfahrt von Terre Haute

KV

ffiloSO

AM

7UhrAvend3.

Europäische Nachrichten. ,

Schweiz. Bern. Die juristische Fakultät der Universität Heidelberg hat dem ordentlichen Professor für Staatsund Völkerrecht an der hiesigen Universität, Dr. Karl Hilty, der sich durch sein vielgeesenes Buch 2)as Glück" in den weitesten Kreisen bekannt gemacht hat, anläßlich seines goldenen Doktorjubiläums das ihm 1954 verliehene Doktordiplom erneuert. Basel. Auf der Bahnstrecke Leopoldsh'öbe - Basel gewahrte' infolge dichten Nebels der 42jährige Bahnarbeiter E. Maier aus Oetlingen, den von Leopoldshöhe kommenden Lokalzug nicht mehr so zeitig, daß er durch einen Seitensprung vom Geleise hätte ausweichen können. Er wurde von der Maschine erfaßt und zur Seite geschleudert. Mit schweren Berletzungen wurde der Unglückliche ins hiesige Bürgerspital verbracht, wo er verschied. Bürgten (Thu'rgau). Auf ' der hiesigen Station wurde Maurer Xaver Schweizer von Horn (Baden), der auf den Zug von Romanshorn wartete, von einem Unbekannten ohne jeden Anlaß von hinten mit einem Holzscheit 2 Mal auf denKopf geschla gen, so daß er bewußtlos zusammenbrach. Der Verletzte konnte sich noch zu seinem Meister nach Weinfelden begeben, wo er an den folgen einer GeHirnblutung starb. Der unbekannt Thäter ging flüchtig. H o ck d o r f bei Luzern. Hier wurde der 35jährige Brauereigehilfe Anthofer aus St. Michael bei Salzburg mit eingeschlagenem Schädel todt aufgefunden. Ein des Mordes verdächtiqes Individuum wurde verhaftet. Kestenholz im Gau. Joses Joachim, der beliebte und geschätzte solothurnische Volksschri isteller, feierte seinen 70. Geburtstaa. Der Männerchor seines - Heimathsortes sang ihm einen eigens auf diesen Tag von Basler Verehrern gedichteten und componirten Weihegesang. Herlerreich''Mngarn. Wien. Unter unaemein zahlreicher Betheiligung ist die Leiche des ehemallgen Vezlrksvorstehers und Landtagsabgeordneten Anton Picker zu Grabe getragen worden. Der Prä sident der Lemberg - Czernowitzer El senbahnaesellschast, Civilingenieur E. A. Ziffer, beging das 40iahrige Ju bilaum semer Thätigkeit bei diesem Eisenbahnunternehmen. In der Küche der Wohnung des Hauseigenthürmers Jganz Cernowsky, Stuckgasse 6, erfolgte eme Gasexplosion. Der Hausbesorger Karl Kisselbach er litt schwere , Brandwunden. Die Brüder Karl Wawerka, Gürtlergehil fe, und Rudolf Wawerka, Maschinenschlösse?, geriethen mu zwei Burschen m einen Streit. Beide wurden durch Messerstiche verletzt, In der Leopoldstadt wurde Nachmittags die Leiche eines jungen Mannes aus dem Donaustrom gezogen. Man fand bei dem Todten em auf den Namen Johann Kurka, 23 Jahre alt, lautendes Arbeitsbuch. Baden. Die aus Wien seit emigen Tagen hier zur Kur weilende Steinmetz - Hofueferantsgattm Frau Barbara Francmi ist infolge Herzschlags plötzlich gestorben. G r a z. Der österreichische Eonsul in Amsterdam Arthur Freiherr v. Hammer-Purgstall ist am Herzschlag lm 49. Lebensmhre gestorben. Grünburg. Die Sägewerke der Firma I. & C. Reder und die Holz mehlfabrik von Kullman & Co. sind infolge Heißlaufens der Mahlsteine abgebrannt. Salzburg. Es verschied hier Gustav Aloys Graf Podstatzky-Lich tenstein, k. und k. Wirklicher Geheimer Rath, Oberhofmeister- d. R. der ErzHerzogin Alice, Großherzogin von Toscanna. Graf Podstakky hatte ein Alter von 97 Jahren erreicht. fixxzexnbuvQ. Dommeldingen. Hier feie ren Herr und Frau Charles Collart ihre goldene Hochzeit. . Anläßlich dieses Ereignisses bat der Jubilar folgende Spenden gemacht: 2000 Franken dem Gesangverein von Dommeldingen, dessen Ehrenpräsident Herr Collart ist, 500 Franken dem 'Armen bureau von Dommeldingen und 500 Franken dem Armenbureau von Walferdmaen. Differdingen. Auf der Differdinger Usine fiel beim Rollgange ein schwerer Eisenträger herab und zermalmte dem Arbeiter Bechioli das rechte Oberbeln. Zwei Stunden spater starb derselbe. Daö Anstreichen der .Schweden". Bekanntlich sind die Schachteln der Schwedenstreichhölzer auf ihren beiden Längs - Schmalseiten mit Reibslachen zum Anzünden der Holzchen versehen. Die meisten Men schen bringen nun die Schweden zum t er ii i rL-.lx.r--i. rennen, inoem irc mu uctvöuciimna kuppe der Länge nach über die Reibfla chen fahren, wodurch diese natürlich viel eir abgenutzt werden, als der. Inbalt der Schachtel verbraucht ist. Streicht, man die Hölzchen dagegen auer über die Reibflächen, so erhalt man deren Zündkraft bis zum letzten Holze wirksam. Man gewöhnt sich sehr .r- i t t i... -"! jt4i

icdneu an ven veranoenen iii .

?u Sommerschmiere.

Humoreske von Karl Pauli. Um 12 Uhr Gage. Schluß der Saison." ' . Diese Worte prangten am Äveno des Palmsonntags an der Probetafel des Herzoglichen Hos - Theaters zu cy V . Wenn ich Herzoglichen HoNkeaterZ sage, so ist das eigentlich ein wenig ungenau ausgedrückt, denn im wahren Sinne .des Wortes war das Tyeater weder ein Hoftheater, noch herzoglich, aber im unwahren Sinne war es doch eins. Das Theatergebaude lag namlich im Hofe eines größeren Hotels und der Theaterdirektor hieß Herzog. Aber das hinderte nicht, daß die Saison zu Ende war, und die meisten von uns ohne Engagement dastanden. Die um zwölf in Aussicht gestellte Gage war nur ein geringer Trost, da die wenigsten etwas herauszukriegen hatten, die Mehrzahl quittirte blos. Da ging es denn Abends tm bluti gen Eberkopf", unserer Stammkneipe, wir hatten sie so getauft, eigentlich hieß das Lokal Gasihof zum weißen Lämmchen", recht trüve her. Der Sommer ist eine schlimme Zeit für den Schauspieler, am Palmfonntag, spätestens ersten Men. schließen die Winterbühnen die Saison. Pfingsten fangen die Sommerlheater an zu spielen, da aber an denselben kaum die Hälfte der im Winter beschäftigten Darsteller Engagement finden, so ist die andere Hälfte zu feiern gezwungen. und diesem traurigen Schicksal gingen wir sämmtlich entgegen. Drei Monate ohne Verdienst, es war zum Verzweifeln. Die Pfandscheine konnte man doch nicht wieder versetzen. Trub saßen wir alle um den Tisch. Hubert gab eine Lage, aber dunkles Bier, zum Zeichen der Trauer. Hubert war Souffleur, früher war er erster Held gewesen, hatte aber bei einem Sturz sich cm Stuck Zunge ab gebissen. Wunderbarerweise stieß er nun mit dieser zu 'kurzen Zunge an und da es mit dem Spielen nicht mehr ging, wurde er Souffleur. Souffliren konnte er zwar auch nicht, aber wo gibt's 'überhaupt einen Souffleur, der souffliren kann. Das dunkle Bier verdüsterte unsere Stimmung vollends, es war nämlich nicht nur dunkel, sondern auch sauer. sagte der erste Liebhaber, er hieß Eisner. nannte sich aber Zünder, weil das feuriger klang, ja, es muß etwas geschehen! Wir wollen in die böhmischenWälder gehen und eine Räuberbande zusammenziehen!" fistelte Harald Sieln, ein blonder Jüngling, der jugendliche Liebhaber spielte oder wenigstens zu spielen versuchte, wie Runge behauptete. Halten Sie den Mund, Sie dämlicher Bengel," fuhr ihn der Komiker Scheibe, der sehr komisch, aber auch sehr grob fern konnte, grimmig an, wenn wir hier ein ernstesThema ernst besprechen, werden Sie mit ihren abgedroschenen Witzen kommen! Harald Stein fuhr wüthend auf, es kam zu einem großen Krach, denScheibe, der wohl einsah, daß er zu weit gegangen, dadurch schlichtete, daß er rief: Wenn Sie mich auf Pistolen fordern, nutzt Ihnen das doch nichts, dann kommt meine Frau an meiner Stelle und Sie treffen ja doch die Scheibe nicht!" Da alles lachte, lachte zuletzt Harald Stein mit. Kinder," sagte Hubert, ich kenne hier in der Nähe ein sehr schönes Dorf, da könnten wir eigentlich eine Vorfiellung geben." Wie weit?Zwei Stunden!" Hubert schilderte das Dorf in alii henden Farben. Es ist ein großes Sanatorium für Lungenkranke dort, die kommen alle!" Lungenkranke?" sagte ich, die werden uns was husten! Auch eine große Schnupftabaksfabrik!" fuhr er fort, auf die können wir auch rechnen. Schnupftabaksfabrik!" rief Zünder, die werden uns was mesen!" Vennocy wurde veicylo en. eine Vorstellung in diesem Dorf zu entri ren, und mir und Scheibe fiel die weNig dankbare Aufgabe zu, die vorbe reitenden Schritte zu treffen. Wir begaben uns' daher am nächsten Taae nach Hügelarund, so hieß das Dorf. Zu Fuß natürlich.- ' Die Aussichten waren nicht schlecht, der Wirth der Brauer machte uns die schönsten Aussichten, das war aber auch alles, sämmtliche anderen Bedingungen, unter denen das Zustandekommen einer Vorstellung zu ermögli chen gewesen wäre, fehlten. Aber vor solchen Hindernissen schrecken im Dal les sitzende Comödianten nicht zurück. Nachdem der Brauer seineMitwirkung beim Bau der Bühne zugesagt, gingen wir frisch an die Arbeit. Etwa zwanzig Biefässer Achtel", über welche Bretter gelegt wurden, bildeten das Podium. Latten waren im Ueberfluß vorhanden, und mü ihrer Hilfe wurde aus dem Biertonnenpo dium ein sommerlaubenartiges Gestell errichtet. Das Ganze wurde mu Ta pete bekleidet. Den Vorhang bildete eine Wagenplane, eine aus Goldpapier ausgeschnittene Lyra wurde auf die Stelle geklebt, auf welcher die Firma ver rauerei pranate.

Das Parkett wurde auf- ähnliche Weise dargestellt wie das Podium. Bierfässer und Bretter darüber bildeten die Sitzreihen. Der erste Platz bekam behobelte Bretter. Beleuchtung brauchten wir nicht, da aus Rücksicht für die Lungenkranken am Tage gespielt werden mußte. Die Dekorativ-

nen hatten wir mitgebracht. Gegeben wurde Don Carlos. Da trat im letzen Augenblick ein Hinderniß ein, an welchem die ganze Vorstellung beinahe gescheitert wäre. Der Charaterdarteuer Baumorecher verweigerte seine Mitwirkung, er hatte ein Engagement gefunden und mußte sofort abreisen. Mit unserem Fluch belastet, und dem Rath, sich künftig Wortbrecher zu nennen, verließ er uns. Da er den König Philipp spielte, war ohne ihn die Vorstellung unmöglich. Die komiche Alte erbot sich zwar, die Rolle des König Philipp als Königin Philippine zu spielen, sie habe das schon einmal der einer sehr anstandigen reisenden Gesellschaft in Wollstein gethan, aber der Vorschlag wurde mit .allgemeiner Entruswng abgelehnt. Dennoch wurde weiter gearbeitet. Einen Philipp spielt. mir jeder dumme Junge, sagte Scheibe. Aber selbst wenn das der Fall gewesen wäre, wir hatten gar nicht so viel dumme Jungen. - Die Granden traten schon meist brieflich auf. Allerdings war für den Medina Sidonia ein echtes Kabeltelegramm besorgt, aus welchem er die Niederlage der unüberwindlichen Armada meldete. Aber besser war's, er wäre selbst gekommen. Sonnabend Abend war alles fertig. Sonntag kamen die Damen mit den Dekorationen,' ein Zimmer und ein Wald, und den Kostümen. ES war alles glanzend, nur ich hatte wieder Verdruß mit dem Drucker, denn als ich den Zettel durchlas, stand statt Offizier der Leibwache Herr Pauli" Offizier der Leibwäsche" da. Aber in den anderen Rollen war ick weniastens richtig aufgeführt. Ich hatte ziemlich viel in der Vorstellung zu thun, da ich den Grafen Lerma, den Großinquisitor, den Offizier der Leibwache, den Pagen der Königin und den Leibarzt Ludwig Merkado spielte. Ba drohte zu unser-aller Schrecken die Vorstellung noch im letzten Augendiick ln.die Bruche zu aeben. Zünder hatte nämlich seine Wattons vergessen und weigerte sich, ohne dieselben aufzutreten. ' Gehörte nun auch Zünder nicht zu den unvortheilhaftest gebauten Menschen, so geHorte er auch nicht zum Gegentheil. Man konnte ihm schließlich nicht verdenken, wenn er ohne Wattons mcht spielen wollte, denn er war so mager, daß er häufig,' ohne daß er es merkte, mit beiden Beinen in ein Hosenbein fuhr und so stundenlang herumlief. In modernen Stücken mochte es noch gehen, aber im Kostüm konnte er ohne Wattons nicht auftreten. Was war zu thun? Die Vorfiellung konnte nicht stattfinden, das Geld mußte zurückgezahlt werden! Entsetzlich! Run, wenn es nur entsetzlich gewesen, wäre, hätte es weiter nichts auf sich gehabt, aber es war leider unmöglich, denn von den sechsundzwanzig Mark, die ' wir für im Voraus verkaufte Billets eingenommen, waren bereits fünfundzwanzig Mark verausgabt oder verkrescht", wie Scheibe sagte. Zünder mußte also spielen, da wir die Summe aus eigenen Mitteln nicht aufzubringen im Stande waren. Trotzdem weigerte er sich beharrlich, und wer weiß, was noch geschehen wäre, wenn ich nicht einen genialen Einfall gehabt hätte. Wenn man keine Wattons hal. macht man solche mit was sind die Beine der Puppen ausgefüllt? mit Sägespähnen, ergo müssen sich Sägespähne zur Beinfabrikation eignen. Können nun aber ganze Beine mit Sägespähnen hergestellt werden, so kann man doch sicher auch halbe Beine damit schaffen, d. d mit Sägespähnen die Stellen ausfüllen, welche die Natur an eventuellen Beinen lückenhaft gelassen. Daß ich mit diesen Beinen Zünders Beine meinte, war .selbstverständlich. Wunderbarerweise leuchtete diesem der Gedanke ein. Wir waren gerettet. Es war gegen fünf, als wir alle befchäftigt waren, Zünders Trikots mit Sägespähnen so zu füllen, daß sie ein Paar wohlgeformte Beine darstellten, und siehe, es gelang ausgezeichnet. Leider dauerte es etwas lange, und die Zuschauer fingen bereits an, ungeduldig zu werden, man hörte anhaltendes ärgerliches Husten (das waren die aus der Lungenheilanstalt) und Niesen (das waren die aus der Schnupftabakfabrik), aber endlich wurden wir doch fertig und die Vorstellung begann. Einen Philipp hatten wir zumGlück im letzten Augenblick noch bekommen und die komische Alte hatte nicht nöthig, eine Königin Philippine hinzulegen. Die Vorstellung stand auf der Hö.he. Nur Zünders Beine hielten nicht das gleiche Maß, im Gegentheil, sie schienen zu sinken, denn die Waden wurden zusehends dZcker, während die oberen Partien sichtbar abnahmen. Zuerst war wenig zu bemerken, aber am Schluß des ersten Aktes sahen dieBeme doch immerhin so aus, als ob ihr Besitzer stark zur Wassersucht neige. Im Zwischenakt konnte der Schaden glücklich reparirt werden. Zünder mußte sich auf den Kopf stellen Und

nun klopften, strichen, massirien wir

alle so lange an semen Beinen herum, bis sie wieder' ein halbwegs gesundes Aussehen bekamen. Aber es nutzte nicht viel, kaum hatte Zünder, er spielte den Carlos, die ersten Scenen des zweiten Aktes hinter sich, da fingen seine unteren Eztremitäten schon wieder, an,, anzuschwellen. Diesmal begnügten sie sich nicht, ein wassersuchtsahnllches Aussehen anzunehmen, sondern' bildeten Schwellungen, Knoten, so daß es etwa aussah, als habe sich der unglückliche Jnfant Kartoffeln zwischen Haut und Fleisch gesteckt. Hatte das Publikum im ersten Akt geschmunzelt, so fing es jetzt an, zu lachen, flüstern und sich anzustoßen, aber noch wurde der Akt zu Ende aespielt. Im nächsten hatte Carlos Zeit, sich seine Beme wieder zurechtmachen zu lassen. Wohlgebaut erschien er im fünften Akt vor der Rampe. Das Publikum bemerkte es und athmete auf. Aber die Freude sollte nicht lange währen. Es kam die große Scene mit dem König und. merkwürdig wieder, fe hoher die Stimmung stieg, desto tiefer sanken , die Sägespähne, die wohl zu trocken geworden sein mochten. Erst traten wieder die Wassersuchtserscheinungen ein, dann kamen die Knollengewächse, zuletzt aber verdickten sich die Beine abwärts vom Knie so stark, als habe Carlos Vierfässer an die Beine gezogen, aberdamit nicht genug, fanken die Fässer in sich selbst zusammen, und um die Knöchel des immer entsetzten Jnfanten bildete sich eine Anschwellung, die etwa die Form eines umgekehrten Pilzes annahm. Dabei blieb es, d. h. eigentlich blieb's nicht, denn das Publikum, das erst geschmunzelt, dann gekichert und später gelacht hatte, ging nach und nach zu einem so brüllenden Gelächter über, daß an ein Weiterspielen nicht zu denken war. Die Einnahme war zwar gerettet, die Leute verlangten nichts zurück, im Gegentheil, die meisten behaupteten, sich noch nie so gut amüsirt zu haben. Aber wir fühlten uns doch sehr gedrückt, die Blamage war nicht wegzuleugnen und keiner widersprach, als die komische Alte auf dem RuckWege triumphirend sagte: Nu, mehr hätten sie auch nicht lachen können, wenn ich den Philipp als Philippine gegeben hätte." Pferde als Opfer des Krieges. Die russische Zeitschrift Wostotschnoje Obosrenje" (Ostassatische Rundschau") bringt Nachrichten über einen barbarischen Mißbrauch, der in den letzten Monaten auf dem Vaikalsee mit Pferden getrieben wurde. Der gewaltige Baikalsee ist bis Ende April regelmäßig mit einer etwa 6 Fuß dicken Eisdecke versehen und deshalb in den Wintermonaten der Verkehr mit Dampfschiffen ausgeschlossen. Da nun beim Ausbruche des ostasiatischen Krieges die Berblndungsstrecke der sibni schen Eisenbahn um den südlichen Theil des Sees erst in Angriff genom men wurde, mußte der gesammte Transport der Truppen und des Kriegsmaterials mit Schlitten über die Eisflache des Baikal geleitet werden. Hierzu zeigte es sich jedoch. als sehr schwierig, für so viele Thiere das nöthige Futter zu beschaffen. Die Futterpreise stiegen enorm in die Höhe und ließen alsbald das Futter theurer erscheinen, als die Pferde selbst. Die ser Umstand brachte die zahlreichen Fuhrunternehmer auf den grausamen Gedanken, die Pferde direkt zu opfern. Die Thiere wurden überhaupt nicht mehr gefüttert, sondern abgetrieben, bis sie vor Hunger und Erschöpfung zusammenbrachen. Die Fuhrleute setz ten die nicht mehr zugfähigen Pferde ohne Weiteres auf dem Eis aus und überließen sie bei 40 Grad Kälte ihrem Geschicke: Verhungern und Erfrieren. Die nackfolaenden Truppen konnten beim Passiren der eisigen Fläche des Baikal außer zahlreichen Pferdeleichen viele noch lebende, von den Menscken verlassene Pferde sehen, die, zu Gerippen abgemagert, kaum die Beine bewe gen konnten und ein schwaches klagendes Wiehern vernehmen ließen. Zartgefühl. Junge, warum willst Du die frische Blutwurst durchaus in der dunklen Kammer essen?" Ja weißt Du, Onkel, ich kann kein Blut sehen." D i e b e i d e n.K n i p s e r. So, Sie sind Photograph? Da sind wir ja VRrnfaninnfien rfl fmhfV stlTsf)'" wtt4 wiv r I v.. 7 I was, Sie sind auch Photograph? Nee. aber Straßenbahnschaffner! Modern. Seppl: Na. Michel. was machst Du 'in der Stadt? Michel: Ach, ich hol' bloß Landbroi sur die Sommergaste. DasCandiren vonFrüchten erfordert viel Uebuna und aesckiebt nach zwei Methoden. Entweder tropft man die gekochten Fruchte gut ab, über streut sie auf einem Sieb dick mit fein gestoßenem Zucker und läßt sie so im lauen Ofen trocknen, welches Versah ren man am nächsten Tage wiederholt. Oder man läßt die gekochten, abge tropften Früchte in einem bis zum Bruch gekochten Zuckersyrup einige Male aufkochen, verdeckt darin auskühlen und legt sie dann, dick mit feinem Zucker bestreut, auf ein Sieb .'zum Trocknen in gelinder Wärme. Makronen und Nüsse wendet man nur in dem zum . Bruch gekochten Zucker um und läßt sie abtropfen.

Gcsühlsrohc Ausflügler.

Traurige VKichterfüUung nd RQckstÄtSlv sigkeit tiuta apan,. Wäbrend am zweiten Morgen nach der Katastrophe Taucher und Andere an dem Wrack des im Long IslandSunde bei New York durch Feuer zertorten Dampfbootes General locum" nach Leichen suchten, fuhr der Daripfer Grand Rcpublic." ein Schwesterschiff des General Slocum," den Sund hinauf, von oben bis unten mit frohen Ausflüglern beladen. Alle Decks waren mit einer lustigen, Tachentucher schwenkenden Menge beietzt. die es augenscheinlich darauf abgesehen hatte, möglichst viel Vergnügen von ihrem Ausflug zu haben. Als der Dampfer sich der Stelle näherte, an der die Taucher an der Arbeit waren, gab das Polizeiboot Patrol dem Dampfer durch 'Signale zu verstehen, die. Fahrt zu verlangsamen, um die Taucher nicht bei ihrer Arbeit zu stören und nicht in Gefahr zu bringen. Der Dampfer fuhr, ohne die Signale zu beachten, Mit Volldampf weiter, und erst als der Dampfer dem Taucherfloß nahe kam und der durch den Dampfer verursachte starke Wellenschlag das Taucherfloß zum Schaukeln brachte, wurden die Signale beachtet und die Fahrgeschwindigkeit etwas vermindert. Als der Dampfer auf gleicher Höhe mit dem Wrack war, fuhr das Schiff mit voller Geschwindigkeit weiter. Auf dem tn r. . i r- r vrY- r Kämpfer orangie 1.119 nucs nacg einer Seite, um das Wrack zu sehen, und das Schiff legte sich dabei stark auf die Seite. Polizeiinspektor Albertson, der gerade am Ufer von North Brother Island stand, als der Dampfer vorbeifuhr, oemerkte hierzu: Ich glaubte, bis jetzt die menschliche Natur zu kennen, und jetzt muß ich gestehen, daß ich in einem argen Irrthum befangen war. Ich hatte nicht geglaubt, daß es nach einer solchen Katastrophe möglich wäre. auch nur 200 Personen, selbst wenn sie Freibillets hätten, zu finden, die mit diesem Dampfer fahren würden, der, wie Sie sehen, bis zum Arechen voll besetzt ist. Es ist traurig, aber wahr, und jedenfalls kein Kompliment für die Leute an Bord." ger rrichlkc Fürst. Aas BmndQtn nd die riesige Elnkiwfte des aisers von Rufzland. Der Zar ist der reichste Mann der Welt. Seine jährlichen Einkünfte werden auf 550.000.000 geschätzt. Selbst Rockefellers viele Millionen nehmen sich genng aus gegen die mannigfaltigen Quellen seines Reichthums und die riesigen Schätze, die seine Vorfahren für ihn aufgehäuft haben. Das off' '1e Einkommen des russischen Kaisers flaust sichauf etwa $10. 000.000 jährlich. Es ist schwer, die Summe genau festzustellen, denn sie wird auf verschiedene Art und in den verschiedensten Formen bezahlt, und die Gesammtsumme schwankt von Jahr zu Jahr, aber der Durchschnitt kann auf diese Summe geschätzt werden. Außer dem Schah von Persien besitzt niemand in der Welt ein größeres Vermögen in Diamanten und Edelsteinen, als der Zar. Der berühmte Orlowdiamant ist nur der größte Stern in einem Riesensternbild. Als Nikolaus II. gekrönt wurde, wetteiferten seine bedeutendsten Vasallenfürsten, der Emir von Buchara und der Chan von Chiwa, miteinander, ihm die reichsten Geschenke zu machen. Der Chan schenkte eine kostbare Schnur Perlen,' die die schönsten der Welt sein sollen, und Diamanten, Smaragde und Rubinen. Nach niedrigster Schätzung haben diese Geschenke einen Werth von $2,500,000. Der Emir stand nicht weit hinter ihm zurück. Auch der Hetman der Donischen Kosaken, Fürst SwMopolk Mirski II., wie überhaupt die ersten Adeligen und Fürsten des Reiches brachten dem Zaren prächtige Geschenke dar. Es gibt sicherlich keinen anderen Herrscher, dem so häufig Legate zufließen, Wie dem Zaren. Seine Unlerthanen hinterlassen ihm ständig testamentarisch große Geldsummen, die freilich nicht immer angenommen werden. Es gehört Diplomatie dazu, um den Zaren zur Annahme eines Legates zu bewegen. In der Regel setzt sich der reiche Russe, der dem Zaren Geld hinterlassen w:ll, mit einem Beamten des kaiserlichen Haushaltes in Verbindung, ehe er sein Testament macht, um sich der Zustimmung des Zaren zu vergewissern. Selbst wenn die Einwilligung vorher eingeholt ist, werden nach dem Tode des Erblassers sorgfältige 'Untersuchungen angestellt, ob niemand, der moralisch einen Anspruch auf das Vermögen hatte, durch diese Verfügung benachtheiligt ist. Wenn das der Fall ist, so befiehlt der Zar, daß das Geld in die richtigen Hände kommt. Wenn diese Vermachtnisse angenommen werden, so bestreitet der Zar daraus nie feine privaten Bedürfnisse. Wie seine Vorfahre?: es thaten, betrachtet er sie als anöertrautes Gut und bestimmt sie zu einem Fonds für Wohlthätigkeits- und kirchliche Zwecke. Der Vaikalsee ist außer dem Viktoria-Nyanza in Afrika der größte See auf der östlichen Erdhälfte. Er ist 3100 Fuß tief und entspricht an Größe etwa oem Michigansee. Der älteste Brauer von Lagerbier . starb vor Kurzem in New Fork im Alter von 84 Jahren. Es war dies Max Schaefer, der das Brauereihandwerk in Deutschland erlernt hatte.