Indiana Tribüne, Volume 27, Number 269, Indianapolis, Marion County, 5 July 1904 — Page 7

Jndlana Trtbune, 3. Juli RO0.

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TRoman von Ludwig Habichl In dem hohen Erkerzimmer eineZ alten Schlosses faß eine schlanke, zarte Frauengestalt und blickte, die Hände in den Schooß (tfleqt, auf die Landschaft. Es begann da unten wieder zu sei men und zu knospen. Nach langer, schwerer Winterszeit war der Frühling endlich hereingebrochen und welch ein Frühling! Die stille, blasse Frau glaubte noch niemals einen solchen Lenz genossen zu haben denn die furchtbare Zeit, die auf ihr und auf unendlich vielen schwer gelastet, war glücklich vorüber; sie alle brauchten nicht länger täglich und stündlich sich abzuängstigen um das Leben der Theuren, die dort so lange vor dem Feinde gestanden hatten. Es war endlich wieder Frieden! aber wieviel Tausende waren im blui:gen Kampfe gefallen und lagen still gebettet in fremder Erde! .... Das Mutterherz der still sinnend vor sich hinschauenden Frau schwoll auf bei dem Gedanken, daß ihr jede schwere Prüfung erspart worden, daß sie die Theuren wiedererhalten werde, heil und unverwundet, wie durch ein Wunder geschützt, obwohl ihre beiden Söhne nur zu oft im dichtesten Kugelregen gestanden und mit dem Wagemuth der Jugend jeder Gefahr getrotzt hatten. Welch ein Frieden ringsum! ... ja, es war. als ob der Frühling noch einmal so sonnig und glockenhell durch die Lande gezogen und durch die Herzen... War doch das alte, deutsche Reich, von dem man soviel geträumt und gesungen, in all' seiner Herrlichkeit wiedererstanden! Wie lau und lind die Luft! . . . und der vor sich hinträumenden Frau war es, als ob diefer Frühlingshauch ihr ein Stück der eigenen Jugend zurückbrächte; sie athmete in vollen Zügen den Wohlgeruch ein, den die blühenden Sträucher und Bäume des Parks bis zu ihr hinauffchickten. Es war ein doppeltes Fest, das man feiern wollte; denn niht nur die Söhne kehrten glücklich und wohlbehalten zurück, auch noch ein anderer, dessen Leben ihr fast ebenso theuer, geworden war, fand sich morgen hier ein. Das Herz der Tochter hatte nicht wenig um den Mann gesorgt, den ebenfalls die Pflicht in den Riesenkampf gerufen hatte, und der vor einiger Zeit, von schwerer Verwundung geheilt, heimgekehrt war. Nun sollte morgen, mit dem Wiedersehen der Söhne, die Verlobung der beiden Liebenden gefeiert werden, deren Herzen während der langen Trennung sich noch inniger verschmolzen hatten. Ohne den Krieg und dessen glücklichen Ausgang wären die beiden wohl nicht an das ersehnte Ziel gekommen. Gerade der furchtbare Sturm, der über die Welt soeben dahingebraust, hatte hier mit einem Schlage die Hindernisse hinweggeräumt, die den Liebenden so lange , im Wege gestanden. We jetzt die Mutter über die jüngste .Vergangenheit nachsann, wurde sie von der wunderlichen Verkettung des Schicksals seltsam berührt. Baronin Ehrenfels war stets überzeugt gewesen, daß ihrer Jrmgard nichts anderes übrig bleiben würde, als auf die Verwirklichung ihres Jugendtraumes auf immer zu verzichten. Der älteste Sohn ihres Nachbars, der junge Graf Bredow, hatte für ihre kaum sechzehnjährige Jrmgard eine tiefe, innige Liebe gefaßt, seine Gefühle waren auch von der Kleinen erwidert worden: aber da gab es Jemand, der bisher nicht zu bewegen geWesen war. in die Verbindung der jungen Leute zu willigen: denn der Vater des Grafen Kurt hatte bis zur jüngsten Zeit seinen bitteren Groll bwahrt, den er gegen die Ehrenfels im Herzen trug. Vor jetzt zwanzig Jahren war der jüngste Bruder des Grafen Bredow von dem ältesten Bruder ihres Gatten, dem damaligen Majoratsherrn, im Duell erschossen worden und seitdem hatte der Graf jeden Verkehr mit den Ehrenfels streng vermieden und es schließlich doch nicht hindern können, daß sein ältester Sohn an die Tochter des verhaßten Nachbars sein Herz derlor. Baronin Ehrenfels hatte freilich diesen unauslöschlichen Groll niemals begreifen können. Welche Schuld trugen ihr Gatte und die Seinen an dem unglücklichen Ausgang des Duells?! Sie waren ja alle daran nicht im mindesten betheiligt gewesen, ja, sie hatten zu jener Zeit in einer anderen Provinz gelebt und waren erst nach der Flucht des damaligen Majorats- . Herrn auf Schloß Ehrenfels übergesiedelt. Die Baronin erinnerte sich, obwohl so viele Jahre darüber hingegangen, noch heut' der Stunde, als damals ihr Schwager mit den Worten in ihrZimrnr gestürzt war: Ich habe den Graren Vollbrecht Bredow im Duell erschossen, und ich flüchte lieber nach 'UmerUa, als daß ich mich einsperren i:ffe, denn ich 'könnte es nicht einen az als befangener aushalten. Du heut: an Majoratsherr, von

Amerika auö schicke ich dir meinenVer-

zicht," hatte er sich zu feinern Bruder gcnxndet. und dann war er schon wieder, nach kurzem Abschied verschwurtden. x Der Schwager hatte glücklich Ämerika erreicht und bald.darauf die Urkünde über den Verzicht auf das Ma jorat eingeschickt. Wegen seines unglücklichen Duells war dann Baron Heinrich von Ehrenfels ln contumaciam zu zwe: Jahren Festung verurtheilt worden, und er hatte dem Bruder geschrieben: Zwei Jahre der Freiheit beraubt, die mir stets theurer als das Leben war, und die ich hier, in dem freien Lande, noch höher schätzen gelernt habe! Deutschland siebt mich niemals wieder!" Und er war wirklich in den verflössenen zwanzig Jahren nicht mehr zurückgekehrt, ja er hatte in der letzten Zeit gar nichts mehr von sich hören lassen. Man wußte nur soviel von ihm, daß er sich dort verheirathet und einen Sohn habe und daß er dann mit den Seinen noch weiter nach dem Westen gegangen sei. er sollte dort sein Glück gemacht haben: aber direkt hatte man über seine Verhältnisse nichts erfahren. Graf Bredow rollte nicht nur darüber, daß ihm der Bruder erschossen worden: er kannte es auch dem Baron Ehrenfels nicht verzeihen, daß derselbe die Flucht ergriffen hatte. Menn Heinrich seine schwere Schuld durch die ihm auferlegte Strafe abgebüßt hätte, würde' ich mich eher mit ihm ausgesöhnt haben: aber diese feige Flucht finde ich erbärmlich und eines Edelmannes unwürdig," war seine Erklärung. Für den unbändigen Freiheitssinn des Barons, der lieber auf sein Majorat und auf all' seine Besitztümer verzichtete, als sich auf längere Zeit einsperren zu lassen, hatte Graf Bredow kein Verständniß, ja, er übertrug den Groll gegen den Mörder" seines Bruders, wie er Heinrich nannte, auf dessen ganze Familie, und als nach der Flucht des ältesten Ehrenfels ihr Gatte das Majorat angetreten und sich hier auf dem Schlosse seiner Väter niedergelassen hatte, war es unmöglich gewesen, mit dem gräflichen Nachbar in einen freundschaftlichen Verkehr zu kommen. Graf Bredow hatte jeden Annäherungsversuch schroff und kühl zurückgewiesen. Und gerade die hohe Schrante. die der alte Graf zwischen ihnen aufgeführt, mochte die jungen Leute gereizt haben, sie zu uoerspringen. Sie hatten Gelegenheit gefunden, sich zu sehen, zu sprechen, und bald war in beider Herzen eine innige, unauslöschliche Liebe erwacht, die freilich hoffnungslos genannt werden mußte. Da brach, wie aus heiterem Himmel, das furchtbare Kriegsunwetter los, nicht nur ihre beiden Söhne zogen zur Vertheidigung des Vaterlandes in den Kampf; auch der junge Graf Bredow hatte nicht gezögert, so fort wieder in die Armee einzutreten, obwohl er kurz vorher, auf Wunsch des Vaters, seinen Abschied genom men hatte. Schon nach den ersten verhangnißvollen Tagen kam die Schreckenskunde, daß Kurt den Todesritt bei Mars la Tour mitgemacht habe und schwer verwundet worden sei. Nun hatte Jrmgard sich durch nichts zurückhalten lassen; sie wäre ganz al lein auf den Kriegsschauplatz geeilt, um den Geliebten zu pflegen, wenn sich nicht der Vater entschlossen hätte, seine Tochter zu begleiten. Unter vielen Mühen und Beschwerden war es beiden gelungen, das Lazareth zu entdecken, m das der 23er wundete gebracht worden, und der irrn thigen und tapferen Jungfrau war es wirklich gegluckt, dem Tode noch ein mal das sichere Opfer zu entreißen. Selbst die Aerzte hatten zugestanden, daß ohne Jrmgards hingebende und nie ermüdende Pflege der Graf verlo ren gewesen wäre. Wie schlug das Mutterherz der Baronin höher, wenn sie an die Heldenthat ihres Kindes dachte. Diese alles vergessende Liebe hatte auch den -alten Grasen besiegt; er fand nicht mehr den Muth, dem Herzenswünsche seines Sohnes entgegenzutreten, und morgen sollte die Verlobung des jungen Paares gefeiert werden. Die Baronin empfand über diefe unerwartete Wendung des Geschickes die reinste und seligste Befriedigung; denn sie kannte nur zu gut ihre Tochter; sie wußte, daß derselben, kein Gluck mehr erblüht wäre, wenn sie endlich doch auf den Mann verzichten gemußt hätte, dem ihr ganzes Herz gehörte. Wie die Baronin noch der jüngsten Vergangenheit nachsann,, schlangen sich plotzlicy zwei Arme um lhrenHalsund eine wohllautende Stimme fragte: Mutter, was fehlt dir? Warum bist du so traurig? und em paar tief blaue, sanfte Augen ruhten forschend aus dem Antlitz der Barornn. Nein, Kind, wo denkst du hin? Ich bin glucklich, unendlich glücklich! denn es ist ja alles viel besser gekommen, als wir zu hoffen gewagt hatten. ,Das ist wohl wahr und doch, soll ich dir's gestehen, liebe Mutter? In meinem Herzen ist eine Unruhe, als müsse uns ganz unerwartet irgend ein Unheil treffen und all' unsere Hofs nungen zu schänden machen. Das ist die jugendliche Furcht vor dem nahen Glück," entgegnete die Baromn lächelnd, und sie strich liebte

send über das blonde Haar der Toch-

ter. Die Wendung zum Guten ist doch für uns alle zu unerwartet gekommen." Vielleicht hast du rechte Haben die Alten nicht immer ein zu großes Glück gefürchtet? ud ist nicht wirklich daZ Glück zu groß, das mir zu theü werden soll?" Hast du eö dir nicht selbst errungen?" fragte die Mutter und ihre Au gen ruhten voll zärtlicher Bewunderung auf der Tochter. Wer hätte in dieser Elfengestalt, in diesem weichen, sanften Kindergesicht jene Kraft und Ausdauer gesucht, die Jrmgard bewiesen hatte. Ach. der Vater macht, selbst heute kein frohes Gesicht: er geht so ernst und schweigsam umher, als ob wir morgen etwas recht Schlimmes und nicht den herrlichsten Festtag zu erwarten hatten. - Du kennst ihn ja; er hat es derlernt, seines Lebens froh zu werden und die Baronin stieß einen leisen Seufzer aus. Hatte doch die trübeGemüthsstimmung des so vortrefflichen Mannes auch auf sie einen schweren Druck ausgeübt und sie endlich des glücklichen Frohsinns beraubt, den sie vor vielen Jahren aus ihrer schönen Heimath nach hier gebracht. Ihr Gatte war .nicht im Schlosse seiner Väter aufgewachsen. Eine am Nhem lebende-Tante hatte ihn schon als Kind zu sich genommen und erzogen. Der alte Baron war gern damit einverstanden gewesen, sah er doch dadurch auch seinen zweiten Sohn ziemlich gut versorgt, denn die Schwester hatte sogleich ihren Jüngfigeborenen zu ihrem Erben einaesetzt. Das Vermögen, das dann die alte Dame hinterlassen, war zwar nicht bedeutend: aber es gewahrte doch dem Neffen, der die juristische Lausbahn eingeschlagen, em behagliches Dasein. w n r v . f . i i C! lUstiOf sro!)e loimcye ,age yanen oic jungen Eheleute an dem herrlichen Rheinstrome verlebt! Da war ihr Mann fast ebenso heiter und .sorglos gewesen wie sie selbst. Und gerade das unerwartete Glück, das ihnen plötzlich durch die Flucht des Bruders in den Schooß fiel, sollte den Sonnenschein trüben, der bisher auf ihren Wegen geruht hatte. Anfangs wußten die iungen Eheleute vielleicht beide nicht, als sie von den lachenden Ufern des Rbeins in diesen einsamen, öden Winkel der Nieder - Lausitz verschlagen worden, wela Wirkung diese völlig veränderte Lebenslage auf sie ausüben würde. Diese endlos scheinenden Kiefernhaiden. die nur mit ebenso endlos scheinenden Kartoffel- und Roggenselbem abwechselten, stachen zu furchtbar ab von den rebenbewachsenen, und ruinenqeschmückten Bergen, die jenen Strom umgürten, der von je die Freude und der Stolz aller Deutschen geWesen ist. Dort in der Heimath wurde das Gemüth durch frische, kostliche Landschaftsbilder gehoben, während diese ode. wie im Sande vergrabene Gegend auf Leute niederdruckend wirken mußte, deren Auge und Sinn an frische Farben und ein froheres Dasein gewöhnt waren. Wo waren die heitern, fröhlichen Menschen, mit denen man bisher verkehrt, gelacht und gescherzt hatte? Selbst die Dienstleute und Arbeiter liefen hier alle so still und ernst um her, als ob sie unter dem harten Joch der Arbeit das Lachen langst verlernt hätten. Freilich gehörten die Bewoh ner der umliegenden Dörfer und auch das Gesinde vorwiegend dem wendi schen Volksstamme an, der gern finster und verdrossen seines Weges geht und sich noch immer von den Deutschen förmlich scheu-grollend fernzuhalten sucht, als habe er nicht vergessen, daß er von dem fremden Volks stamme un terjocht worden sei. Auch mit denGutsnachbarn ließ sich kein angenehm?? Verkehr anbahnen. Jwei davon waren reich gewordene Bauern, die noch dazu sehr adgeschlossen und querköpfig und der dntte Nachbar, Graf Bredow, legte zu offen und rücksichtslos seinen Groll ' gegen den Mörder und dessen Angehörige an den Tag, als daß eine Versöhnung der beiden Familien möglich gewesen Ware. ; Der Gegensatz zwischen dem geist anregenden, gemüthlichen Verkehr, den man am Rhern genossen und der Emsamkeit, die sie jetzt umgab, war zu groß und es legte sich über die Gemüther der beiden jungen Leute wie ein Nebelschleier. Der Baronin blieben freilich noch ihre Kinder; in ihrem Besitz mußte sie zetzt all ihr Gluck suchen und sie fand es auch aber ihr guter Mann!? er hatte sich m ganz neue Verhaltnisse hineinzuarbeiten und- anfangs mit tausend Schwierigkeiten zu kämpfen, von denen er leine Ahnung gehabt. Der Baron hatte sich die Verwal tung eines großen Gutes doch leichter gedacht: er war sich bewußt, daß er nicht zu den 5dummköpfen gehöre, und er hatte geglaubt, daß es ihm mit et was redlichem Wissen und Fleiß leicht gelingen werde, sich zu einem leidlich tüchtigen Landwirth auszubilden, wie er ein leidlich tüchtiger Jurist gewor den war. An eifrigen Studien hatte er es nicht fehlen lassen und doch war er selbst mit seinem ruhigen, klaren Verstände zu der Einsicht gekommen, daß er, trotz aller Muhe und Anstren gung, es nicht vorwärts gebracht hatte. Die Ertragnisse deö MazoratS wa ren eher zurückgegangen, als daß sie

eine Steigerung erfahren hätten. Wa-

ren diese Fehlschlage, die er zu verzeichnen hatte. Mangel an Glück? Mangel an Einsicht? Er war über diesem vergeblichen Mühen und Ringen zum unverbejserichen Pessimisten geworden, der sich zu einem Dasein verurtheilt sühlte, das ihm taglich eme Menge Verdrießlichenen und kaum eme Annehmlichkeit bot. Wohl hatte die Baronin in den ersten Jahren ihrer Anwesenheit in dieser ländlichen Einöde nach Möglichkeit versucht, den Gatten wieder heueren Sinnes zu stimmen, ihm die Sorgenfalten von der Stirn zu streichen; aber ihre Bemühungen waren in der letzten Zeit immer weniger von Erfolg begleitet gewesen und zuletzt gab sie meselben auf. Sie beariff vollkommen, dak ihr guter Mann nicht mehr heiter sein konnte, daß er im Kpfe mit der gemeinen Alltäglichkeit das Lachen verlernt hatte und in ihr wurde es auch allmählich still;?. Awar schwand nicht ganz der Sonnenschein aus ihrem Herzen, Vch die Stunden, in denen sie noch lhre rheinische Heiterkeit und Lebenslust wiederfand, wurden immer seltener. Erst m der neuesten Zeit hatte sich ein reicher Bankier aus Berlin in der Nachbarschaft angekauft und mit diesen Leuten war ein leidlich angenehmer Verkehr möglich geworden. Besonders Jrmgard hatte sich rasch mit der ein Jahr älteren Tochter desHerrn von Sollbach befreundet. 'Jetzt trat derjenige ins Zimmer, von dem Mutter und Tochter soeben gesprochen und ein Blick der Baronin in das finstere, müde Antlitz ihres ManneS sagte ihr schon, daß demselben wieder etwas sehr Unangenehmes widerfahren sein müsse, er begann auch sogleich nach alter Gewohnheit sem Herz gegen die Gattin auszuschütten. Ach, hier wnd man doch semes Lebens niemals froh." und der hagere, hochgebaute Mann, der stets ein wenig gebückt ging, als laste beständig ein schwerer Druck auf ihm, stieß nach diesen Worten einen tiefen Seufzer aus. Selbst seine früher klangvolle Stimme, seine frische, lebhafte Sprechweise war hier verloren gegangen und die Worte kamen schleppend und dennoch scharf, beinahe knarrend über die Llppen. wie'dies gewöhnlich bei Menschen geschieht, deren Dasein von Verdrießlichkeiten aller Art bestürmt wird. , Was ist geschehen?" fragten Mutter und Tochter fast zu gleicher Zeit'. Denkt euch, ich habe den Leuten ausdrücklich befohlen, sich in den Bäumen nicht so hoch hinauszuwagen, denn es sei ja gar nicht nothig und nun ist doch der Christoph heruntergefallen Ist er schwer verletzt?" Das wohl nicht: aber das Bein ist gebrochen, uid ein solchesUnglück muß nur passiren. damit uns der morgige Tag verdorben wird, auf den wir uns alle schon so unendlich gefreut haben. Nun, das weiß ich schon, wenn ich mich auf etwas freue, dann ist irgend ein Unheil gewiß nicht weit," und um die feinen, welken Lippen des Barons zuckte ein bitteres, müdes Lächeln, während seine von einer Brille bedeckten Augen mißmuthig vor sich hinstarrten. Ach, lieb Väterchen, so solltest du doch nicht immer denken, begann sogleich die Tochter, sie legte liebkosend die Arme um seinen Nacken, und ihm zärtlich in das umdüsterte Antlitz blickend, setzte sie hinzu: Nimm dir doch die Sache nicht so-zu Herzen, einBein bruch ist nicht so schlimm und wird schon wieder völlig geheilt werden. Und warum sollten wir uns den mor qiqen Tag trüben lassen? Haben wir dies Unglück verschuldet? Das hat sich doch der Mensch selbst zuzuschrei ben?!" Ja, das sag' ich mir wohl auch entgegnete der Vater: indem er sich sanft wieder von den Armen der Tochter frei machte und ihr zärtlich über das blonde Haar strich, fuhr er mit ei ner Stirn fort, die noch immer um wölkt blieb: Das, ist mir heut, am Vorabend, geschehen: aber gebt acht, es kommt noch etwas viel Schlimme rcs, mir ahnt es." Jetzt stürmte eine sehr sauber ge kleidete, etwas wohlbeleibte, ältliche Frau herein; ihr eckiges und doch nicht ganz unschönes Gesicht war Purpurroth und sie begann sogleich: Verzei hen Sie, Frau Baronin, Herr Baron; aber das ist doch zu arg! Denken Sie, die Stina, dieses schreckliche Gespenst, hat den herrlichen Tafelaufsatz vom Tisch geworfen, das schöne Krystall! Es liegt alles in Scherben und dabei grinste das nichtswürdig Geschöpf noch vor sich hm. als hatte stewer weiß was Hübsches zu Stande gebracht. Siehst du. lieber Bernhard, da geht deine Ahnung schon . in Erfüllung, wandte sich die Baronin zu ihrem Gatten und ein Lächeln verschönte ihre blassen, feinen Züge; hoffte sie doch durch ihre scherzhafte Bemerkung seine Befürchtungen für den kommenden Tag am ehesten damit zu verscheuchen. (Fortsetzung folgt.) . Nicht zu leugnen. Gast: Aber öerr Wtrty, es tt vocy em Skandal, Ihre Beefsteaks kosten X Mark 80 Pfennig und sind klein drü ben beim Sonnenwirth bekomme ich em größeres für 1 Mark. Willy (nach einigem Nachdenken): . Das mag sein dann verdient er aber auch nicht so vtel daran!

Psylyologte eines Mörders.' Vor dem Schwurgericht . in Metz

gölangte ein Raubmöroer zur .Abuctheilung, der einen interessanten Beitrag zur Psychologie von Menscye.-. einer Gattung lieferte. Am 20. anuar dieses Jahres wurde die 72jählge Rentnenn Marie Lomse Blaise n Metz mit durchschnittener Kehle odt m ihrem Bette aufgefunden. Der Verdacht, den Mord verübt zu haben. ernte sich auf den Großneffen der Ermordeten, den 21 Jahre alen Schlosser Camile Blaise. Blaise leugnete die That hartnäckig. Während der VerHandlung vor den Geschworenen gab der Nechtsanwalt Bievinger eine sensawnelle Erklärung ab. Er. führte in ergreifender Weise aus, wie ihm die Rolle des Staatsanwaltes zugefallen tu Staatsanwalt und Untersuchungs richter versuchten währendder langen Untersuchszeit mit negativem Erfolg:, Blaise, dem bei der Ermordung etwa 40 Mark zugefallen waren, zu einem Gestandniß zu bewegen. Er, Rechtsanwalt Bievinger, habe sich während der Pfingstftiertage einen Operahonsplan zurechtgelegt, der nach seiner Ansicht unbedingt den Freispruch des angeklagten Blaise hätte herbeiführen müssen. Den Plan theilte Bievinger dem Angeklagten mit und versicherte ihm, daß auf Grund des vorhandenen Materials ein Todesurtheil nicht gefallt werden könne. In diesem Äugenblick sei da? Schreckliche erngelreten. Obwohl der Vertheidiger dem Angeklagten klargelegt hatte, daß 'er sich aus der Patsche ziehen könne, erklärte dieser plötzlich: Herr Doktor! anen will ich sagen: Ja, ich habe eö gethan, ich habe meine Tante ermordet . . . . So, jetzt ist mein Gewissen erleichtert." Als der Anwalt den Geständigen fragte, ob er ihn ermächtige, das Geständniß dem Gericht mitzutheilen, bejahte Blaise. Rechtsanwalt Bievinger nahm die Gelegenheit wahr, auf die Pflicht der Vertheidigung mm zuweisen, die ebenfalls auf die Aufdeckung der Wahrheit hinarbeiten müsse. Schließlich bat er die Geschworenen, den Morder der Gnade des Kaisers zu empfehlen. Die Geschworenen bejahten sämmtliche Schuldfragen, und der Gerichtsbof verurtheilte den Angeklagten zum Tode. . Eine Trunksuchts"Kur. Im Süden von Rußland, in Nikolajew, wandte ein Fabrikarbeiter ein originelles Mittel an, seine Frau von der Trunkjucht zu hellen. Nach seinen eigenen Worten zog er ihr ein Paar Manschetten" an, befestigte daran eme Kette, damit die Hände fenelnd: einen eisernen Ring befestigte er an den Fußen '.und kettete die Frau in aller Gemüthlichkeit an einen festen Pfahl. So mußte das unglückliche Weib tagelang- gefesselt verharren Angeblich bat die Frau selbst um diese furchtbare Maßregel, sobald sie merkte, daß ihr Quartal" herangekommen und sie ohnmächtig sei, dem Dränge nach Wutki zu ' widerstehen. Dieser Tage nun riß sie-sich einfach von der Kette los, wie der besorgte Ehemann erzählte, und sei verschwunden. Die Nachbarn glaubten ihm nicht so recht und begaben sich auf die Suche nach der Verschwundenen. Nach langem Bemühen entdeckte man das unglückliche Weib. Das Gesicht war nur eine geschwollene FleischmaFe, die Augen total verschwollen, an Handen und Füßen tiefe Wunden von den Fesseln. Nach ihren Angaben trank sie freilich hin und wieder eine Wutdischka, doch bot dieses kleine Vergnügen dem Manne durchaus keinen Grund zu seinem unmenschlichen Verfahren. In plchen Momenten pflegte er sie bis zur Ermattung zu prügeln und tage lang an die Kette zu legen. Letzthin bat sie ihre kleine Tochter um eine Feile, damit die Fesseln durchfeilend, da sie diese nicht mehr ertragen konnte. Der Frau wurde, sofort medizinische Hilfe zutheil, gegen den Mann das Gerichtsverfahren eingeleitet. Wulöcreienin Miliiürwcrksiattcn. Wegen eigenartiger Darlehensge schäfte, die m den Spandauer Mitiar Werkstätten betrieben wurden, haben die Direktoren eine Untersuchung eingeleitet. Es ist zu ihrer Kenntniß ge langt, daß in Bedrängniß gerathene Arbeiter von ihren Kollegen in uner hörter Weise bewuchert wurden. Der übliche Zusatz für gewahrte Geld-Dar Ufyr. betrug für 1 Mark 5 Pfennige 'wöchent'lich, was einer Jahresverzinsuna von rund 250 Prozent gleichkommt. Diese Geldgeschäfte, durch welche die Darlehensnehmer in eine Nothlage gebracht wurden, betrieben einzelne Arbeiter für eigene Rechnung; stellenweise traten auch mehrere zu einer Art Genossens chaft zusammen, indem jedes Mitglied eine Geldeinlage machte, wovon dann die Darlehen gegeben wurden. Der Gewinn wurde dann am Jahresschluß unter den Genossenschaftlern vertheilt. . Einige der bewucherten Leute haben die Sache schriftlich zur Anzeige gebracht: neben der Untersu chung durch die Fabrik - Direktionen ist ein gerichtliches Strafverfahren

eingeleitet worden. Den ArbeiterGenossenschaftlern ist. der Eintritt in dir Werkstätten untersagt worden. Bei der R e i ch s t a g s st i chwähl im Wahlkreise Straßburg-Land erhielt Rechtsanwalt Blumenthal (Straßburg, Els. Landespartei), 8624 Stimmen. Blumenthal ist somit au wählt. I : i "

Seuer - Signale

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SpritzenhZu Udell und Rao 233 UdeU Lsdder Wortt 239 Jsabel ur.H 27. ,241 Meridian und 24. 242 JllinoiS u St. 51 243 Eldridge und 23. 812 West uud Walnut 313 West und 12. 314 Howard und 16 315 Torbet und Paca 316 Capital Ave und Id. 317 Northwestern Ave U 318 Gent und 18. 819 Canal und 10. 821 Cerealine Wor 324 Vermont und Lynn 825 BiSma,Zu Srandvt! 826 No. 29 SpntzenhauS Haughville. 827 Michigan u. HoimeS, 823 Michigan u. Concor 341 West und McJntyre 412 Missouri u. Marvland 413 Missouri und Ohi 415 Capital Avev. Leorgia 416 Missouri u KentuZh A. 417 Senate Av u. Wash. 421 P und S kndruS 23. Washington. 423 Irren-Hospital. 424 Miley Ave u. I D uS 425 Wash. and Harr 426 No. 13 EpritzenZmch W. Washington 427 Oliver und Lirch 428 Oliver und Osgood 429 Nordyke und Z)ork 431 Hadley Ave u. MorrU 482 River Ave u. MorrS 454 River live und Rah 435 Hardwg u. Big 4 R ? 436 Harding und Oltdei 437 No. 19 SpritzenhqZ . 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