Indiana Tribüne, Volume 27, Number 269, Indianapolis, Marion County, 5 July 1904 — Page 6

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imm New und Ja. titln, nickt weil l arm und angtnebm ist, ist man von Schmerzen der ivuökcln, Glieder uud Knochen befreit. Sie kommen ln Taufenden von Formen. Ader ja, sie können sic&cr und schnell in jeder Form geheilt erde durch den Gebrauch vv Zt. Jakofos Oe! dem besten Heilmittel Preis 25c unr 50c. mmm Warum nicht C & C? ip - D V sparen beim Einkaufe ihrer Möbel ...und epplche X. . . . .sowie. . . . und JCuCl.XXL7Si bei WILLIG' 141 West Washington Str. 42 Nord Pennsylvania Straße Hauptquartier für JÖrillen d Operngläser Brillen werden ach den besten Methoden dei kluge angepaßt. Lüllstliche Augen werden lchmerzloZ eingesetzt. MML COLLEGE OF MUSIG, 550 Nord Meridian Str. ....Schule jetzt eröffnet.... Tag'Schüler sowie auswärtige Schüler, eläe hier im College völlige Aufnahme suchen, können zu jeder Zeit eintreten. Ein ..ma i ri . movernes gui ausaeruueies ynuitu:, vou ständig in allen Abtheilungen deS Lernen? der Kunst der Musik und den verwandter Künsten. Katalog freu Edward Taylor, Direktor. Große $tudtoat)l von No. 449 Ost Washington Str. NeueS Telephon 2525.

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Europäische Nachrichten.

Frovtnz Wrandenvurg. Berlin. ' 5m Streit sckwer verletzt wurde der Restaurateur Simse t . m. m . ä. W s aus der Mlrvachstratze ay. r , hone bei einem Kesckäftssreund in der Spreestraße 58 ' zu Charlottenburg einen Lotteriegewinn ab. Dabei gerietb er in einen Mortweckisel mit mebreren Sch:niedegesellen, die ihn schließiia) so schwer mißhandelten, oan er lebensaefäbrlick bericht vom Vlake aefchafft werden mußte. Aus dem Waffer gelandet wurden die Leichen der 22 Jahre alten Näherin Meta Hirschbera aus der nekrbellinerstrake 52 und der 21jährigen Kutscherfrau rnn . i mjr.i; ev.tfLri-E.. rv ' ce:a ycaajngai aus ozz eiojiiaße v, die seit Kurzem vermint wurden. Meta Hirschberg, ein bleichsüchtiges Mädchen, ging in die Spree, weil ihr Bräutiqam sich weigerte, ihr zum Bezahlen kleiner Schulden fünf Mark zu i.ic ty mjti: f n::.i- r.x icusu, yiiuuiiguisjiiujic iu Ul den Svandauer Scbisfabrtskanal. weil ihre Schwiegereltern sich nach ihrcr Hochzeit mit ihrer Mutter unversöhnlich verfeindeten. Anscheinend in einem Anfalle von Wahnsinn stürzte sich in der Elsässerstraße der L9jährige Schneider Jahnke mit seinem 9 Monate alten Söbnchen aus dem dritten Stock auf den Hof hinab. Das Klnd war sofort todt, der Vater starb bald darauf, abnke batte in der letzten Zeit Zeichen von Schwermuty gezeigt. Beim Spielen aus der Strafte ist der vier 5llabre alte Sobn Alfred des Arbeiters Loren aus der Cotheniusstraße 2 um's Le ben gekommen. Em leerer Stemwaaen ging ihm über die Brust und den rechten Arm, so daß er schwer verletzt liegen vuev. lii starb spater an Berblutuna. ?in seinem Bett ersckon sich der 22 .Jahre alte Photograph ftranz Jelmeck, der mit seiner Mutter, einer Arbeiterwittwe. in der KovenHagenerstraße wohnte. Der junge irnann verior vor Drei Jayren seinen 21 Jahre alten Bruder, der an einem Lunaenleiden starb. Als ihn nun dieselbe Krankheit befiel, glaubte er, daß - r - - , r l . rn er eoeusaus uneiioar uns gericiy in Verzweiflung. Der 70jährige Gärtner Karl Sckövvke feierte sein LSjähriges Jubiläum als Gärtner beim Sausministerium. Wilbelmstrake 73. Vater Schöppke", wie er allgemem genannt wird, erfreut sich m der ganzen Gegend allgemeiner Beliebtheit. Am gleichen Tage feierte er mit seiner Ehefrau das Fest der 40. Wieverkehr semes Hochzeitstages. Charlottenbura Dem Regierungsbauführer Alfred Mende wurve Die Rettungsmedaille amBande und dem pensionirten Eisenbahnpackmeister Ferdinand Weser) das Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichens verlieizen. Furstenwalde. Durch einen Schuß in den Kopf hat sich der Oberleutnant Freiherr v. Entreß-Fürsteneck vom hiesigen 3. Ulanen - Reaiment Kaiser Alexander II. von Rußland getodtet. Der Ossicier hat die That offenbar in einem Anfall von Schwermuth, an der er schon lange litt, begangen. Brandenbura a. 6. Der 22 Jahre alte Sohn Erich des Handelsmannes Jehnke aus der Langestraße 46 in Berlin diente im zweiten Jahre bei der 5. Schwadron der hiesigen Nicolaus - Kürassiere und. war Gefreiter aeworden. Als er Stallwache hatte und Futter vom Boden holte, trat er auf derLeiter fehl, stürzte auf den Hof hinab und brach das Genick. Nach wenigen Augenblicken war er'todt. Der junge Mann war in seinem bürgerltchen Berufe Schlachtergeselle. Cottbus. In Burg Dorf schlug der Blitz in das neben der Kirche stehende Haus des Kaufmanns Lehmann. Die Familie des dann wohnenden Tabakspinners Pötschke saß gerade um den Tisch herum. Durch den Blitzschlag wurden alle Personen im Zimmer betäubt. Ein 52jähriger Gehilfe, der sich in der Giebelstube gerade umziehen wollte, wurde vom Blitze getroffen und augenblicklich geivoiei. Rixdorf. Weil er zuckerkrank war und unheilbar zu sein glaubte, hat sich der 50 Jahre alte Schneidermeister Emil Körner aus der Bergstraße 143 das Leben genommen. Er wurde an der Stralauer Allee als Leiche aus der Spree gelandet. Schöneberg. Als Leiche wiederaefunden wurde der Kunstmaler Jsidor Grünfeld aus der Luitpoldstraße, der seit Kurzem vermißt wurde. Grünfeld war von Hause mit dem Bemerken weggegangen, daß er verreisen müsse. Bald nach seinem Berschwinden fand man im Chausseegraben bei Alten - Wedingen im Kreise Wanzleben die Leiche eines unbekannten Mannes, der sich anscheinend vergiftet hatte. Die Leiche ist als die' des vermißten Kunstmalers festgestellt worden. Frovinz Ostpreußen. Königsberg. Professor Bölckerling feierte unter großer Theilnähme seinen 70. Geburtstag und nahm eine Menge Gluckwunsche ent gegen. Völckerling steht seit dem 1. April 1856 in öffentlichen Aemter.i. Aus emem Fenster im dritten Stoc: eines Hauses an der Magister siraße stürzten zwei 1-'und 3jährige Tochter des Arbeiters' Schöneck in AbWesenheit der Eltern auf die Straße. Das jüngere Kind war sofort todt. das ältere erlitt schwere Verletzungen.

Zvenn der Zjoldcr blüht.

Skizze von A. Burg. Wenn der Holder blüht, trägst Du sie unter den Busch, da wird sie schon wieder gesund werden .... Die junge Frau sah zum Gatten hinüber, der, am gedeckten Tische sitzend, den Kopf in die Hand gestützt, den trefflichen Speisen, die vor ihm standen, keine Ehre anthat. Er war groß und stattlich, sonnverbrannt das Antlitz, dessen Züge Kraft und Energie verriethen. Und in den blauen Augen, die so klar waren, daß man meinte, bis auf den Grund eines stillen, tiefen Sees zu sehen, lag eitel Herzensgüte. Er trug noch den Reisezug, mit dem er aus der Residenz gekommen, feines, schwarzes Tuchzeug, das eigentlich dem Zwecke nicht entsprach und in das er nicht hineinzupassen schien. Obgleich durch Ankauft arrond?rt und vergroßert, war sein Besitz doch nur ein großer Bauernhof, wenn die neue Zeit es auch gern als Gut" bezeichnete. Und Malte Lenz war ein Bauer, ein tüchtiger echter deutscher Bauer, wie es seine Vorfahren toesen, die hier auf der Scholle aeses'.'n. dem Holderhof. Den Namen hatte vaö Gut von dem riesengroßen Hollunderstrauch, der seit undenklichen Zeiten treulich gehütet, ne prachtvolle Laube an der östlichen Giebelwand des Hauses bildete. Dieser Holder war berühmt, die Dorfleute und Nachbarn holten sich im Sommer Blüthen von ihm im Herbst Beeren zu Thee und Mus. Trotz aller modernen Aufklarung, der auch das Dorf zugänglich geworden, glaubte man fest an die besondere Heilkraft dieses HollunderS. Malte Lentz lächelte, als seine Frau das vom Holder sagte. Sie sah es wohl und ein Schatten flog über ihr freundliches Gesicht. Glaubst Du's etwa nickt?- sraate ne o, VJlaut und Äu weih! doch, wie Deine Urahne, die Hundertjährige, mit uns Kindern unterm Holder saß und uns von dem heiligen Ellhorn" erzählte, de? hier steht, so lange die Welt steht. Sie wußte es doch von ihrer Urahne, wie viel Segen der Holder schon gebracht . . Malte antwortete nicht direkt: Der Doktor meint, gute Pflege und gute Luft würden sie vielleicht retten aber nur vielleicht ..." Die soll sie baben und viel Liebe dazu verlaß Dich drauf, Malte!" Der Mann schwieg wieder, dann sah er mit langem Blick auf seine junge Frau. Es hatte ihn gebangt davor, die Schwester mit heim zu bringen in'Z Elternhaus, in's Vauernhaus, das ihr so gar nicht gut genug mehr gewesen, seit man in der feinen städtischen Pension, in der sie gewesen, ihre Stimme entdeckt und sie zur Sängerin ausgebildet hatte. Die Eltern waren gestorben, sie war in fernen Städten und Ländern aufgetreten ihr Erbtheil hatte ihr Malte gesendet bei Heller und Pfennig ausbezahlt. Dann hatt sie kurze Kunde gegeben von ihrer Hei rath mit einem ihrer Kunstcollegen, einem berühmten jungen Sänger. Sonst drang keine Nachricht von ihr oder übet sie in das stille Dorf, vielleicht dachte man ihrer kaum noch auf dem Holder Hof. Malte war stets ein anderer gewesen als die Schwester, in seinen Adern floß das dicke Bauernblut seiner Väter. Auf der Lateinschule wollte es nicht gehen, die Wissenschaften lockten ihn nicht. Ihn -lockte Feld und Wald, Pflug, Sense und Scheune. Ja, wenn er Soldat hätte werden müssen, wovon ihn ein Fehler am Fuße befreite, so hätte er, feinen Knechten gleich, zwei Jahre des Königs Rock tragen müssen. Und in Treue und Zuverlässigkeit hättS er's gethan. So übernahm er den Holderhof und führte Küsters Friedct heim, die Kindergespielin aus 'armem, kinderreichem Hause, die wacker mitschaffte. - Zierlich und nett war's irt den Zimmern des neuerbauten Villenähnlichen Hauses, drei fröhliche Kinder spielten herum, Malte war em gesegne ter, glücklicher Mann. Oft stand er zur Sommerzeit unter dem heiligen Holder und sah hinauf durch das Blätterdach in's blaue Aetherlicht und dankte wortlos für den Segen, der auf seiner Arbeit lag. Und dann zahlte er Dank ab in reichen Spenden an die Armen und Kranken des Dorfes, der Nachbarschaft. Seme Arbeiter liebten ihn, die Gemeinde schätzte ihn, sein Wort galt viel. Der Holderbauer meint so und so", hieß eS. Und doch ein Etwas war da, waS ihn quälte, oft quälte in dämmeriger Morgenstunde, ehe er sich zur Arbeit nach tiefem Schlafe, in den die Müdigkeit ihn zwang, erhob das Geschick der Schwe ster, deren Bild im Wohnzimmer hing. Sie hatte es emst aus Wien geschickt, eö war so fremd mn dem langen Ge wände und der Krone auf dem Kopf Elsa" stand darunter. Er hatte nun schon seit ihrer Vermählung, drei Jahre nichts von ihr gehört bis vor acht Tagen er an einem regnerischen Stand geaen seine Gewohnheit ausführlich die Zeitung gelesen. Da stand unter den Nachrichten aus der aupt stadt: Unsere vielgefeierte Sängerin, Frau Gerda Sirani ist von einem schmerzlichen Geschick betroffen wor den. Ihr Gatte hat sie unter Mit nahe sämmtlicher Geldmittel und Schmucksachen verlassen und mit einer jungen Choristin das Weite gesucht, wahrend sie an emer heftigen Lungen entzündung darniederliegend, mit den bittersten Sorgen zu kämpfen hat.' Die Möbel sind für Schulden, die Herr

Sirani contrahirte, versiegelt worden

und Frau Sirani wird der Hauswrrth in ein Krankenhaus bringen lassen .. Da war er aufgefahren: Frieda Frieda ich muß fort nach Berlin, Jochen soll anspannen die neuen Jucke? bring' mir nur schnell meine gute Sachen . . . ." In Berlin hatte er, nach mehrstundigem Umherlaufen, ihre Wohnung ersorscht. So stand er endlich vor ihr mit einer Selbstverständlichkeit war er eingedrungen, die keinen Widerstand duldet. Ich bin Frau Sirani's Bruder melden Sie mich" und dann war er dem Mädchen, welches die Erscheinung des bäuerlichen Mannes verwundert maß, auf dem Fuße gefolgt. Die junge schöne Frau im Bette richtete ihre brennenden Augen auf Malte, der fast die Thür in ihrer Breite und Höhe auszufüllen schien. Malte," sagte sie mit schwacher Stimme Du , kommst zu mir?" Gewiß ich will Dir helfen, ich wär ein schlechter Bruder sonst und ein schlechter Mensch." Und dann saß er an ihrem Bette und hielt die fieberheiße Hand. Ich muß morgen in's Krankenhaus," flüsterte sie, hier kann ich nicht bleiben, Ernos Gläubiger nehmen alles . . Laß sie nehmen, Kind, Du kommst mit mir heim." Heim," lächelte sie, hab' ich noch ein Heim?" So lange der Holderhof steht, ist da Dein Heim Du kommst mit." Und daß ich Euch vergaß und liebloS nichts von mir hören ließ?" Laß Gerda laß Du kommst mit mir zu Frieda und zu meinen Kindern." Und sie war mitgekommen, mit aller erdenklichen Sorgfalt gehütet - und transportirt war gekommen, ein Schatten ihrer selbst gebrochen an Leib und Seele. Aber Frieda sah in ihr nur die Kranke, die Unglückliche. Es war nie ein Groll oder Bitterkeit gegen die anders geartete Tochter des Holderhofes in ihr gewesen. Die sonnigste, schönste Giebelstube war für sie, die verwöhnte und vielgescierte Künstlerin hergerichtet worden, da lag Gerda nun in dem blüthenweißen Bett und weinte bittere, schmerzlicheThränen um das getäuschte Leben. Und zu ihrem Fenster hinein nickten die Blätter des Hollunders, des alten Holders ... wie sagte doch die Urahne von ihm, als sie Kinder waren und zu Urahnes Füßen im Schatten des Holders kauerten: Den Holder hütet und ehrt er bringt Segen und Krast." Die Kranke . faltete die Hände Segen und Kraft, sie brauchte Beides sollte sie es wiedergewinnen wirklich wiedergewinnen auf dem Holderhof? Die Blätter spielten und nickten, die Abendsonne küsite sie und die Schatten huschten über die Wände .... Sie schläft jetzt," sagte Frieda drunten zu Malte, der den Reiseanzug mit der derben Joppe, den Hut mit der Schirmmütze, die feinen Stiefel mit dengethranten hohenSchaftstiefeln vertauscht hatte, um in's Feld zu gehen. Es ist ein Wunder, wenn sie gesund wird." so hatte der Arzt in der Stadt zu Malte gesagt, möglich, daß sich ein ernstes, langes Leiden bildet." Malte wußte, was er meinte ein Lungenleiden, die Schwindsucht. Wer daö Wunder zu Wege brachte, die treue Geschwisterliebe Maltas und Friedas, die gute sorgliche Pslege oder der alte Hollunderbusch, von dem die Sage ging, daß er heilig sei? Wer weiß es? Als der Holder blühte, saß eine genefende schöne Frau im Lehnstuhl unter dem Holderbusch, umringt von MalteL Kindern und denen der Nachbarschaft. Sie hatten sich erst nicht hingewagt an die zarte feine Gestalt, die, in ein blaues Gewand gehüllt, dort ruhte, aber Gerhard, Maltes Aeltester, und Ursel und Hito, die Zwillingsschweftern, hatten sie geholt: Das ist Tante Gerda Ihr dürft Euch nicht fürchten vor ihr, sie erzählt schöne Geschichten vom Siegfried und vom Hagen, vom fliegenden Schiff mit den schwarzen Segeln und von unserem Holder ..." Ja, Gerda erzählte, und die kleine Schaar lauschte, der klangvollen schönen Frauenstimme, die fast verloren gegeben.mit zurückkehrenderGesundheit auch wiederzukommen schien. Und als der Holder abgeblüht hatte, als der Sommer sich neigte, da versuchte Gerda, zum ersten Mal, ganz zaghaft und scheu zu singen! Alles war draußen auf dem Felde Niemand hörte sie, nur der alte Holder und Niemand sah's, wie die stattliche Frau in die Knie sank, den knorrigen Stamm des Baumes umklammerte und wortlos dankte für daZ Gottesgeschenk der wieder genesenen Stimme. Nun wollte sie dem Bruder nicht mehr zur Last fallen für's Leben, wie sie gefürchtet, ihrer Kunst konnte sie weiter leben, dieselbe Sirani und doch eine anc'.re. Mit dem Namen des Mannes, von dem daö Gericht sie geschieden, legte sit auch die lächerliche Scheu ab, daß man draußen in der Welt ahnen könnte, die aefeierte Sängerin stamme auZ deutschem Bauerngeschlecht. Heut war sie stolz darauf. Im deutschen Bauernhause war sie zu neuer Kraft und Gesundheit, erstarkt, die Treue und Liebe des Bruders und Her Schwägerin hatten ihre wunde

Seele geheilt. Und der alte Holder horte ihr stilles Gelübde, das sie später dem Bruder wiederholte: der Holderhof sollte ihre Heimath und ihre Zuflucht bleiben immerdar. Wenn ich im Sommer mich ausruhen will und wenn ich ganz die Bühne verlasse dann komme ich zu Euch. Gönnt mir dann den Platz in Eurem Hause und denPlatz unterm Hollunder . . ." DeS alten HolderS Blätter nicken und winken dazu und von Jahr zu Jahr heißt's dann hoffnungsfroh: wenn Tante Gerda kommt" wenn der Holder blüht."

penöctta. Ekizze von M. Thiery. Die Thür wurde heftig aufgerissen, und es machte den Eindruck, als wenn Sturm und Regen die alte Frau in die Gaststube hineingeschleudert hätten. Die anwesenden Männer näherten sich der Alten und fragten: Mutter, habt Ihr Euch erschreckt?" Sie schien die Frage nicht zu hören und setzte sich mit eng an den Körper gelegten Armen dicht an den Ofen. Dann rief sie: Christina!" Ein junges Weib, das die Kunden bediente, kam mürrisch herein. Die alte Frau war die Eigenthümerm der Osteria und Christina ihre Stieftochter. Bor etwa zwanzig Iahre war die Osteria eröffnet worden. In einem niederen und verräucherten Raume standen Holzbänke und ein Tisch, und in einem Keller, der in den Felsen selbst hineingeschlagen war, wurden einige Fässer Wein gehalten. Damals war Lucia, die jetzt alte und zitternde Frau, noch jung gewesen, und der Vater Christinas hatte sie nach kurzer Wittwerschaft zur Frau genommen. Als sie sich am Feuer ein wenig erwärmt hatte und einen ordentlichen Schluck Branntwein genommen, sah sie die wenigen Gäste mit prüfendem Blick an, als wollte sie sich überzeugen, ob auch kein Feind darunter sei, und dann sagte sie leise: Die Gendarmen sind im Wald." Das war nichts gar so Ungewohntes, und erst nachdem die Alte ihre Finger um die Hand des jungen Mädchens gekrallt und im Flüsterton hinzugesetzt hatte: Auf Angelos Kopf ist ein Preis gesetzt" da riefen alle erregt: Auf Angelos Kopf?" Nur Christina sagte nichts. Mit einer heftigen Bewegung machte sie sich von der Hand der Alten frei und wico zurück. Einen Augenblick war es still, dann meinte jemand: Dann werdet Ihr beide wenigstens Ruhe haben." Christina fragte leise und langsam: Wie hoch ist der Preis?" Aber die Alte stand nicht Rede. Sie glaubte schon zu viel gesagt zu haben. Am nächsten Tag schleicht Christina in den Wald. Rasch und entschlossen schreitet sie vorwärts, aber ihr Gesicht ist wachsbleich, und ihre fieberglänzenden Augen spähen ängstlich nach rechts und links. Weiter, immer höher hinauf steigt Christina, und endlich wird der Wald lichter, und Christina bleibt stehen. Gegen den Felsen gebaut steht eine kleine Hütte; sie scheint bewohnt zu sein, denn eine dünne Rauchsäule steigt aus dem kleinen Schornstein empor. Drei Männer sind in dem Raum, den das junge Weib betritt. Halb geleerte Flaschen und die Neste eines Mahls stehen auf einem hölzernen Tisch. Christina sieht sie ruhig an und .sagt mit fester Stimme: Ich will euch Angelo ausliefern. Und dann verräth sie ihnen, wie sie ihn am besten greifen können. Christina hat nicht gezaudert, das Leben eines Mitmenschen zu verrathen; sie will auch ihre Vendetta haben... und Gold... viel Gold... und diese Gedanken lassen kein Zögern aufkommen. Und es ist ja auch ihr guteZ Recht, sich an ihrem Feinde zu rächen! Der Abend ist gekommen. Die schweren Wolkenmassen, die den ganzen Tag den Himmel bedeckt, zerreißen, die Sterne treten hervor und das helle Mondlicht fällt auf die Steinriefen, die Tannen und liegt auf dem Kirchhof des Ortes. . Weit und breit nichts zu hören. Da plötzlich an der Mauer ein leises Geräusch; ein kleiner Stein kommt in's Rollen, die Blätter des Epheus, der dort rankt, bewegen sich, em Schatten fällt auf den Weg, und gleich darauf springt ein Mann zwischen die Gräber des Friedhofes. Eine Sekunde lauschte er in die Nacht hinein. Nichts ist zu hören und zu sehen, und ruhig geht er an ein Grab und kniet dort nieder. Seine Hände sind wie zum Gebet gefaltet, aber er betet nicht. Seine Gedanken weilen in der Vergangenheit. Er sieht sich wieder als glückliches, sorgloses Kind, von zärtlicher Mutterliebe behütet. Er sieht diese Mutter in Trauerkleidern mit thränenüberströmtem Gesicht ihm zuflüstern: Nun habe ich nur dich noch! Und an die glucklichen Jahre. denkt er, wo er für die Mutter schaffen konnte und seine Liebe zwischen ihr und der Freundin, der schönen Christina, theilte. Und der schreckliche Tag kommt ihm wieder in die Erinnerung, an dem das Mädchen ihm gesagt Hatt5: Du bist zu arm... ein Anderer will mich heirathen. . . der ist reich, und da werde ich's gut haben... vergiß. was du gewollt, Angelo, ich Heirathe

den Pedro .

Am selben Abend traf Pedro eme Kugel gerade zwischen die Augen an die Stirn, und Angelo " war in die Berge geflüchtet. Als Anaelos Mutter von dem Verbrechen des Sohnes Kenntniß erhalten, da hatte ein Herzschlag ihrem Leben em Ende gemacht. Und auch an diesem Tod gab Angelo dem Mädchen die Schuld. Er haßte sie, haßte sie mit der ganzen Leidenschaft, mit der er sie emst geliebt hatte, und gelobte sich selbst, daß, so lange er am Leben, sie keinen Mann zum Beschützer haben solle. Ein anderer Freier stellte sich ein, den traf derselbe Tod wie Pedro: Christina, die sich für Gold verlausen wollte, sollte einsam und allein blei ben. Und es wagte auch niemand mehr, sich der Vendetta des treulos verlassenen Bräutigams auszusetzen. Und Angelo hat keine Gewissensbisse, rn& einen Kummer, einen stets nagenden Kummer hat er: daß sein Verbrechen der Mutter den Tod gebracht hat. Und jedes Jahr trotzt er der Gefahr und kommt an ihrem Sterbetag, um die Todte um Verzeihung zu bitten. Angelo ist der Gegenwart entrückt. Er hört nicht das leise Rascheln, das von der Seite der Mauer vernehmbar wird. . Christina ist es, leise ist sie den Gendarmen, die bald kommen müssen, vorausgeschlichen. Wie berauscht ist sie! Geld, viel Geld wird sie bekommen und sich endlich rächen an dem, der ihr Leben zerstört hat. Hinter einem Grab zusammengekauert hat das junge Weib nach dem knienden Mann hinübergespäht, und es fällt ihr ein, daß es am Grabe der eigenen Mutter gewesen, wo Angelo ihr seine Liebe gestanden und sie sich ihm verlobt, beglückt in dem Gedanken, der harten Stiefmutter endlich zu entgehen. Und seitdem... Christina ist gekommen, um sich an der Festnahme Angelos zu weiden, sie will zusehen, wie sie ihn umzingeln.wie er wehrlos gemacht wird. Gleich müssen sie da sein. Schon glaubt sie die Schritte zu hören... plötzlich entsetzt sie sich vor der Rolle des Judas, die sie übernommen. . Was sie wollte, will sie nun mit einem Mal nicht mehr. . . Sie richtet sich auf. Diesmal hat Angelo das Geräusch vernommen, und schon hat er die Waffe in der Hand und steht aufgerichtet da. Doch sein spähender Blick erkennt eine Frauengestalt, er läßt sie näher kommen schon hört er ein hastiges: Angelo, flieh, um Gotteswillen, flieh!" Der Räuber erkennt das Weib und weicht einen Schritt zurück. Flieh, flieh!" wiederholt das unglückliche Weib, sie kommen." Wer?" ' Die Gendarmen." Woher weißt du das?" - Er ist nahe auf sie zugetreten, mit seinen Fingern umschließt er die Hand des zitternden Mädchens. Wie ein Stöhnen wiederholt sie: Flieh! Sie kommen, sie kommen!" Du hast mich verrathen! Daß sie dieser Verrath reut, daß sie ihn ungeschehen machen möchte, daran denkt er nicht. Haß und Verachtung übermannen ihn, und die feine Stahlscheide glänzt im Mondenlicht. Christina fleht nur: Angelo! Angelo!" Sie weicht zurück, stößt gegen daZ Grab u. bricht auf ihm zusammen. . . und er ist über sie geneigt und hält die Waffe drohend empor. Auf dem Grab Deiner Mutter... Angelo..." Kraftlos sinkt die Hand. Du hast recht, elendes Geschöpf, auf dem Grabe, das mir heilig ist, will ich dein Blut nicht vergießen, aber ich werde mich rächen. . . Du sollst es erfahren. . ." Christina hört seine Drohung nicht . . . eine Ohnmacht hat sie umfangen. Da. . . da. . . knirscht der Sand. . . zwei hastige Sprünge. .. Angelo , ist über die Mauer gesetzt und flieht dem Walde zu. Nur wenige Sekunden später schleichen die Gendarmen an den Gräbern entlang. Der Mond ist von Neuem durch schwere Wolken verdeckt, nur undeutlich sind die Umrisse einer menschlichen Gestalt zu erkennen, die an einem Grabe kniet. Wie ist es nur möglich, daß der kühne Verbrecher, der ihnen schon so oft entgangen, jetzt nicht die Gefahr wittert? "Es ist doch nicht denkbar, daß sein geübtes Ohr kein Geräusch vernommen hat? Wenn Angelo sie so nahe kommen ließ, dann wußte er sich umstellt, gab sich verloren; aber jedenfalls lauerte er nur auf den günstigen Moment, um dem Ersten, der ihm nahte, eine Kugel durch den Kopf zu jagen. Der Führer will seine Untergebenen nicht unnütz preisgeben. Er legt die ' Waffe an und ruft: , . Angelo, ergib Dich freiwillig, wenn Dir am Leben liegt." Keine Antwort. Die Gestalt rührt sich nicht. Ergib Dich oder ich schieße. . ." Klopfenden , Herzens harren die Männer auf die Kugel, die von Angelo auf sie gefeuert, ihnen den Kampf erklärt. 1 . Nichts rührt sich. Dreimal wiederholt der Gendarm seine Ausforderung und jedesmal antwortet tiefes Schweigen. Da gibt er Feuer. . .