Indiana Tribüne, Volume 27, Number 268, Indianapolis, Marion County, 2 July 1904 — Page 7
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Skizze von Paul A. Kirstein. Die Frühlingssonne lugte in den Hof des großen Hauses, in dem sich nichts, regte nur eine Mädchenstimme sang. .. Oben im vierten Stock hanste ein alter vergrämter Professor, der sein Schlafzimmer nach vorn heraus verlegt hatte, invd sein Arbeitszimmer nach der Hinterfront, weil er dort ei nen weiten, freien Blick genoß über unbebaute Fel'der. In der dritten Etage lebte ein jun ges Ehepaar. Dort waren die Few ster fast immer dicht verhängt, und nur ganz geheimnißvoll raschelte es manchmal hinter ihnen, so. . . als wä n die Begebenheiten dort nicht für die Augen der übrigen Hausbewohnner bestimmt. Unter ihnen aber da wirthschaftete zwischen weißen, steif gestärkten Gardinen ein junges, hübsches Mädchen umher, mit einem Gesichtchen wie ein frischer Frllhlingssonnenfchein und einer liebevollen Lust im Wefen, wie sie so im Walde herrscht, wenn nach langen, trüben Tagen die Natur sich mit Farben zu schmücken beginnt, wenn die Vögel singen und munter hin und her auf den Zweigen hüpfen. Und es war gut, daß wenigstens in dieser Etage noch etwas vom Wohlgefallen am Loben zu spüren war, denn im ersten Stock wohnten die Wirthsleute; zwei alte, grämige Menschen, die täglich ihr Veschthum betrachteten, ob sich auch nichts an ihm verändert hatte, und dann wieder in den Zimmern verschwanden. Der Professor in der vierten Etage der war's, der alle diese Betrachtungen anstellte. Vom Schicksal-mit reichlichem Vermögen bedacht, war ihm der Kampf um die Existenz und die Sorgen und Noth, die anderen Menschen die Augen öffnen und die Mussein spannen, erspart geblieben. Seine Liebhaberei hatte ihn bei den Büchern und Schriften gehalten; die hatten ihm wohl Ruhm und Ehre schaffen können, sein Leben aber war einfam geblieben, ohne Freund und Feind, ohne Verwandte ohne Anhang. Früher als andere Menschen, denn er hatte die fünfzig kaum hinter sich, hatte ihn sein Leben müde gemacht. Und diese Müdigkeit war es, die ihn jetzt öfter unthätig aus dem Fenster starren ließ. Weich und warm, fast betäubend, drang da die Luft durch die weitgeöffueten Fensterflügel zu ihm hinein und umstrich fo zärtlich die fahle Haut seines faltenreichen Gesichtes, daß es ihn wie mit Träumen umspann. Und dazu klang die Stimme, jene kiebe, weiche Stimme des Mädchens aus dem zweiten Stock. . . Ganz vorückitia. über das Fenstervntt ylnweg, ipayre er zu :yr yerunter. Sie nähte unermüdlich. Und wie die feinen Finger emsig die Nadel bewegten, lag der blonde Kopf ein wenig vornübergebeugt, daß er den Schimmer des weißen Nackens sah und die schlanken Linien des jugendli-, chen Rückens. Und sie sang sang mit freundlicher, ungeschulter Stimme. . . Lieder, die ihm aus seiner Kindheit noch be'kannt erschienen N Ueber die Züge des Professors glitt ein wohlgefälliges Lächeln. Wie das doch eigentlich schön und lockend war. . . so ein junges, fröhliches Ding! Es mußte das ganze Leben umgestalten, wenn man fest zu ihm gehörte. Und erfüllt von dem Gedanken re dete er freundlicher mit seiner alten Wirthschafterin, wie in all' den 15 Jahren, in denen sie ihm fchon sein Lieblingsgetränk, den Nachmittagsthee, gebracht hatte. Sagen Sie doch 'mal, Frau Kurzholz," rief er ihr zu und winkte sie ganz dicht an das Fenster heran, wer ist eigentlich das junge Mädchen? Sehen Sie, das dort unten. . . Das singt und trällert den ganzen Tag, und rührt die kleinen Hände Und arbeitet und quält sich. . . und ist-, immer vergnügt " Frau Kurzholz erschrak orden'tlich, als der Professor sie so vertraulich anredete. Dann aber als wollte sie sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen sprudelte sie heraus: Aber, Herr Proftssor, das ist doch die kleine Liese Hoffmann! Wissen Herr Professor denn das nicht? Der Vater war doch Schullehrer! Am Gymnasium... Und ist doch auch ein Professor, wie Herr Professor selbst " So, so..." summte der vor sich hin. Die armen Leute haben diel Unglück schabt! Der Mann, der Professor, brach sich den Fuß und kann nicht mehr unterrichten! Und die Frau, die ist auch schon lange krank; die liegt meist im Bett." Das ist ja aber wirklich entsetzlich! Und trotzdem kann das Mädchen so... so fröhlich sein?! Hören Sie doch nur!" Die kleine Stimme klang wieder über den Hof. . . Das ist es ja.. Die Eltern sind traurig, wenn sie die liebe , Stimme nicht hören. Und da singt das arme Ding den ganzen langen Tag, bei aller Arbeit, bei allem Kummer. . . sie leben ja so ganz vereinsamt!" ? Deshalb singt sie. nur zur Freude
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ihrer Elteru?! Oh' das 'ist aber... das ist aber..." Der Professor gerieth förmlich in Aufregung.' Das ist aber wir .ich prächtig!" Nicht?! Ja wer die einmal zur Frau bekommt, der zieht das große Loos!" Was sagten Sie... Kumme? hat lie. richiiaen Kummer?!"
Jai Heute Morgen war der Arzt da... Er. sagt, die kleine Liese wäre so stark bleichsüchtig; sie müßte mehr an die Luft. Und nun grämt sie sich, weil sie die beiden Alten täglich ein paar Stunden allein lassen muß. Verstehen Herr Professor?" Nun saß er wieder allein am Fenster und starrte in die allmählich dunkelnde Luft und horchte auf die weichen Töne, die leise durch die Stille drangen. Er wußte felbst nicht, wie es kam den ganzen nächsten Vormittag stand er am Fenster, und als er das junge Mädchen fertig zum Ausgehen sah, ergriff auch er seinen großen Schlapphut und zog sich rasch den leichten Mantel an. Schon auf der Treppe grüßt er. Ich wollt' mich nur bedanken. . .Es klingt so schön, wenn Sie singen. Jhre Stimme schmiegt sich förmlich dem neuerwachten Frühling an." Sie erröthete ein wenig. Und ich glaubte schon, es würde Sie stören, Herr Professor. Sie. waren sonst nie am Fenster!" Das haben Sie bemerkt?" Ernsthaft nickte sie mit dem Kopf. Ich muß es wohl. Es ist oft das einzige, was ich meinen Eltern erzählen kann." Ihren Eltern! Hm..." Und der Professor, der fönst so wortkarg und verschlossen war, begann auf einmal, sich ganz lebhaft nach den Eltern zu erkundigen, und merkte es kaum, daß er bei alledem unaufgefordert und unverdrossen neben dem jungen Mädchen herschritt. Als sie nach einstündigem Spaz?gang wieder in das Haus zurückkehrten, sagte er einfach:. Wenn's Ihren Eltern recht wäre... ich würde ganz gerne so manchmal ein Stündchen bei ihnen verplaudern. Ich bin ja auch ein einsamer Mensch." Sie lächelte. . . .ich will sie fra- . gen. Er hielt sie an der Hand fest. Bitte, geben Sie mir Antwort mit dem Lied: Wenn der Frühling auf die Berge steigt." - Nun lachte sie laut. Aber, Herr Professor, das Lied hat so hohe Töne!" Eben deshalb! Sind Ihre Eltern einverstanden, so schmettern Sie sie hinauf zu mir; wenn nicht...' so verschlucken Sie sie leis, dann weiß ich Bescheid." Sonderbar. Seit dieser Minute saß er am Fenster und lauschte auf das Lied. Doch erst am nächsten Morgen erklang es, erklang mit allen hohen Tönen! Fr trat an's Fenster sie nickte ihm zu. Von nun ab war's wie eine stille Verabredung, daß sie täglich beide zusammen spazierten. Meist saß er ja auch unten bei dem alten Gymnasiallehrer und dessen Frau und plauderte. Er war auf einmal wie umgewandelt. Stundenlang saß er ?md grübelte vor sich hin. Nachts lag er wach mit geschlossenen Augen und malte sich dann eine Welt, in der das Glück für ihn den Ehrensessel hatte. Und das Glück trug die Züge von Liesbeth Hoffmann, und wenn es sprach, klang es wie die lieben Töne, die so oft über den Hof huschten, hinauf zu ihm in die Einsamkeit. Und er wollte es sich erringen! Das stand auf einmal bei ihm fest. Es würde ja gut sein für alle! Ganz still war's im großen Haus. Nicht einmal zu sehen war sie! Da wurde ihm ordentlich bange. Er konnte die Zeit nicht abwarten, bis er sie zum Spaziergang holen konnte. Doch als er kam, huschte Liesbeth aus dem Zimmer, und die Eltern waren verstimmt. Es geht nicht alles, wie man wünscht," sagte der Vater resignirt. Erst beim Abschied klärte ihn die Mutter auf. Unsere Liesbeth ist verlobt. Ihr Bräutigam ist Lehrer. Wir hofften immer, sie'würden ihn auf unfere Bitten hin hier anstellen. Nun haben sie ihn weit fortgeschickt!" Da war's dem Professor recht, daß der Spaziergang unterblieb. Da sagte er auch an den nächsten Tagen ab, und ging nicht mehr zum Besuch hinunter, und saß nur immer oben im Zimmer vor den Büchern. Doch die Gedanken gingen so weit fort; sie legten sich wie ein rauher Reif auf seine Seele, die ein .neues Frllhlingshöffen schon 1 geweitet und gestärkt hatte. Aber es war so still im Haus. Kein Singen ertönte mehr, kein fröhliches Lachen. Nur überall blickten die Menschen heraus, als fehlte auch ihnen jene freudige Lebenslust, die dem alternden Herzen des Professors den späten Frühling geschenkt. Er fühlte diese Leere am meisten. Ihn konnten die Worte und Erzählun gen der alten Wirthschafterm -nicht trösten, ihn konnten alle guten Vorsätze, alle peinlichen Ueberlegungen nicht ablenken ihm fehlte das Element, das seine Kräfte neu geweckt: der ewig junge Frühlingssang! Und er trug ein solches Verlangen nach ihm, daß er eines Tages wnder den Befuchsrock hervornahm-und sich
zu einem ernsten Gange rüstete. Er
wollte etwas erbltten und er wuß te im Voraus fest, daß man ihm diese seine erste Bitte nichts abschlagen wurde. Als er zurückkam, trug er em gewichtiges Papier bei sich die Beru fung des jungen LehrerS an das Gymnasium der Stadt. Er legte es Liesbeth in die Hand. Sie lachte, sie rubelte Herr Professor, wie soll ich es Ihnen danken?!" Da strich er zärtlich über den blonden Kopf: Singen is wieder, Kind, singeu Sie wieder sonst nehmen Sie mir den letzten, spaten Frühling. . . Und in den Sonnenschein hinein er klangen wieder die kleinen Lieder. Jetzt aber funkelten sie ordentlich wie von Glanz und seligem Hoffen Eine Verlobungsreise. Von M. Graf Bethusy-Huc. .Johann, du bist übermorgen früh auf dem Bahnhof, besorg die Pferde ordentlich. Vergiß gefälligst die Besisttungen nicht, sonst " Der Husar an der offenen Coup6thür zeigte seinem Gebieter, der so im Reisecivil auf zwei Tage von ihm Abschied nahm, sein dümmstes Gesicht. Man hätte nicht geglaubt, welche Fülle von Vergnügungsgedanken sich für die zweitägige Abwesenheit des Gestrengen hinter seiner Stirn verbarg. Die vorschriftsmäßige Kehrtwendung veränderte demgemäß sein Gesicht. Es leuchtete, als er langsam dem Ausgang zuschritt. Der Gebieter, hingegen blickte ihm gedankenvoll oder besser gesagt verdrießlich nach. Zwei Tage aus dem Dienst war ja ganz nett ja, Wenn's Jagd oder Rennen gewesen wäre, aber eine Hochzeit, Tanz. Brautführer. Polterabendscherze, scheußliche Verse und ziellose Reden, eine langweilige Geschichte: weiß der Himmel, was für Leute da sind, meist fremde Hannoveraner! Angenehme, Aussichten! Er sah sich um. Johann hatte Nichtraucher belegt. Nichtraucher soll ja manchmal lohnend sein. Bekannte hatten ihm schon die reizendsten Abenteuer im Nichtraucher" erzählt, aber entweder war er ein besonderer Pechvogel, oder die andern logen, ihm war Derartiges nie widerfahren. Mit halblauten Gedanken an Johann, aus denen allerlei Th'ernamen hörbar wurden, schleppte er die zwei Gepäckstücke in das nebenliegende Rauchcoupö. Dort machte er sich's bequem und zündete seinen Morgentabak an; aber lag's an der Cigarre, waren's die schiffartigen Bewegungen des OWagens: sie schmeckte ihm nicht. Der Regen schlug an die Fensterscheiben, die Triften südlich Berlin's gnädig verhüllend. Der entfaltete Berliner Lokalanzeiger" bot ebenfalls keine Stütze für seinen geknickten Lebensmuth; da erschien auch schon der Herr Zugführer mit der höflichen, aber unangenehmen Bitte, allerhand Zuschlagszahlungen zu leisten. Unter sehr vielen Herrn Leutnants" erledigte sich auch dieser Vorfall. Entschuldigen Sie, Herr Leutnant," damit charakterisirte der menschlich fühlende Schaffner seine Dienstobliegenheiten. Reffler, der ungern das etwas zweifelhafte Vergnügen genoß, in Civil nach der untersten Sprosse des Militarismus genannt zu werden, dankte es ihm nicht. Er ging auf den Gang hinaus. Neulich hatte Berger erzählt, es wäre so angenehm, den ganzen D-Zug besichtigen zu können. Also an's Werk. Er trat hinaus auf den schmalen Spalt, der die Längspromenade des sogenannten Luxuszuges darstellt. Der Lokomotivrauch, der sich auf dieser Seite langsam am Zug entlang schlängelte, als wollte er dem Passagier recht eindringlich zu Herzen führen, wie theuer die Kohlen für die Fortbewegung wären, schlug ihm durch die geöffneten Fenster entgegen. Eine nette Reise. Düster starrte er hinaus in die von Rauch und Nebel grau überhauchten jugendlichen Tannengreise der märkischen Wüste denen hilft auch nichts in ihrer Trübsal. Reise zur Hochzeit Hochzeitsreise," murmelte er idiotisch vor sich hm; ob er wohl solches Ungemach noch erlebt? Schwerlich. Wie er sich dabei zurückwendet, um feine Tournee im Zug anzutreten, sieht er eine weibliche Gestalt am Ende des besagten Ganges stehen. Eine , Frau! Dem Himmel sei Dank! Die stets rege Phantasie combinntc bereits eins jener viel erzählten Erlebnisse der anderen. Sie drehte ihm den Rücken, er könnte aber bei der löblichen Sparsamkeit an Raum knapp an ihr vorbei, ein wenig anstoßen, ein Pardon" die Annäherung wäre nicht übel. Nicht ungestraft hat er einige hundert Schlachten auf dem Papier geschlagen. Nachdem eine nochmalige Erkundung über Profil und Haarfarbe die günstigsten Resultate geliefert hatte, geht er zielbewußt zum Angriff über. Das Object zieht sich aber in weiser Erkenntniß der Enge in das Coup6 zurück. Schade er verlangsamt seinen Schritt, um mit vollem Halblinks die feindliche Stellung zu erspähen und mit Sicherheit festzustellen: zwei ältere Leute, anscheinend Eltern, mit besagter Dame im Gespräch. Pech! denkt sein sündhaftes Innere, nur ein Mädchen mit Eltern er hat eben Unglück, er durfte sich jetzt wieder weiter langweilen. Er fühlte sich als ein moderner Tantalus, der nach Kirschen geschnappt hatte. Nette Kirschen der kleine
Mund; sein Gedanke schien ihm sehr ansprechend. Wenn er ihn nur hätte erzählen können, er liebte unverwerthbare Ideen nicht. Nichtsdestoweniger entschloß er sich, eine Bereitschaftstellung auf dem Promenadenweg einzunehmen. Auch dieser beliebten Lösung schwieriger Situationen ist das Glück zuweilen hold; sie trat wirklich wieder hinaus. Er studirte ihr Aeußeres, er sah, definirte, ließ ganze Lebensgeschichten defiliren; als er ihr eben in Gedanken die unglücklichste aller Lieb.en angedichtet hatte, gab s plötzlich einen Ruck, der ihn völlig aus dem Gleichgewicht brachte. Wirklich perfide. denn er hatte sicherlich eine recht lächerliche Figur abgegeben. Kersfeld! Umsteigen nach Laubach!" brüllte eine heisere Stimme. Reffler stieg aus, desgleichen die bewußte Familie. Er setzte sich im Wartesaal in ihre Nahe. Ja, er mußte beim besten Willen ihre Unterhaltuno hören. Zu seinem Erstaunen sprachen sie von Bergwitz, von Kleidern, Hochzeit, Polterabend, also Hochzeitsgäste gleich ihm. Unverkennbar Hannoversner mit dem tadellosen 8-8. Schlesisch ist doch gemüthlicher, aber jeder Mensch kann schließlich nicht Schlesier sein, entschuldigte er gnädig. Sie war übrigens reizend, die kleine Hannoveranerin, gar nicht steif, und plauderte so nett und losgelassen. Dem schlesischen Herzen, das bekanntlich, so groß wie's halt ist, dem richtigen Schlesier auf der Zunge liegt, wurde ganz warm dabei. Zu schade, daß keine Annäherung möglich war; aber Hannoveraner müssen sehr auf Etikette halten, Formlosigkeit wäre moralischer Selbstmord. Also Geduld. Der Kellner hatte ihm ein Getränk gebracht, das in Kersfeld Kaffee darstellte. Der erste Schluck aus der Tasse ließ ihn in stinktmäßig Cognac!" rufen, so laut, daß die hannöver'sche Familie sich augenscheinlich amüsirte. Da klopft ihm plötzlich eine Hand auf die Schulter. Reffler, Mensch, was fällt dir ein, hier Kaffee zu trinken, bestelle 'mal gleich zwei Cognacs." Reffler wandte sich schnell um. Behr, du hier? Auch zur Hochzeit?" Nun natürlich! Und sieh 'mal an, Glückspilz, da drüben sitzt ja auch gleich deine Brautjungfer, die kleine Fronsdorf, ich muß hin, komm, ich stelle dich vor." Sie gingen rasch an den andern Tisch. Die Vorstellung ging schnell vonstatten, denn es wurde bereits zum Zug ausgerufen. Sie nahmen in dem gleichen Coup6 Platz. Alles war bald wie gewöhnlich, wenn man unter sich ist, ein Herz und eine Seele. Die dreißig Minuten zur Endstation vergingen im Fluge und vermochten, den verdrießlichen Reffler ganz ungewöhnlich aufzuheitern. Er fühlte sich gar nicht mehr als Generalstäbler. Die andern athmeten so viel gesunde Front- und Landluft aus, daß ihm ganz weit um's Herz wurde. Die üblichen Zufälle wurden nach bekanntem Muster gebührend durchgesprochen. Reffler sprach begeistert vom Polierabend und kleinen Garnisonen und erregte durch eine Aeußerung über die Stellung der Regierung zum neuesten Handelsvertrag das Wohlgefallen des Familienvaters, der sofort .eine längere Rede über die Sperrung aller Grenzen für wie auch immer geartetes Fleisch hielt, mit dem Knalleffekt, daß von Gottes und Rechts wegen in Deutschland nur hannöver'sches Rindfleisch gegessen werden dürfte. Reffler stimmte vollkommen bei und stellte das sichere Scheitern aller VertragsVerhandlungen geheimnißvoll in nahe Aussicht. Er reproducirte noch einige weitere Erinnerungen aus den bei
Jagden erlauschten Klagen über die allgemeine Misere, wodurch er allseits den Eindruck eines durchaus zuverlässigen jungen Mannes machte. Auf der Endstation angekommen, erreichte man nach , kurzer Bahnfahrt das Landschloß, in dem man für die Hochzeitsfeier gemeinsam Quartier nehmen sollte. Trotz Empfangs waren doch die Wirthe mit den Borvereitungen des Festes so beschäftigt, daß die Angekommenen bald sich selbst überlassen blieben. Bebr und Reffler blieben im Sirn mer des letzteren sitzen und discutirten über Vierde im Ällaemeinen und im Besonderen, und als sie endlich ganz veruneinigt feststellten, daß alles beim Reiten individuelle Gefühlssache sei, war es höchste Zeit zum Ankleiden. Bald saß Reffler im Kleid der Pracht neben seinem himmelblauen Waffenbruder und trollte nach dem benachbarten Scklon. in dem der Polterabend stattfand. Es regnete nicht mehr, Sternenhimmel mit teumonv, vie lgarre schmeckte ausgezeichnet, er fühlte ft, außerordentlich auter Laune, der noch so ahnungslose Baron Reffler, trotzdem schon em Bacillus m ihm wutbete. der der aefäbrlicksten einer ist. da seine Thätigkeit in heuchlerischer Weise mit Wohlbehagen des Erkrankten oeginnt. Drei Monate waren über diesen Planeten hinweggegangen. Reffler sitzt wieder m emem n-jug, aoer nrazi mtht der unrubiae Sucher nach einem Abenteuer, im Gegentheil, er hatte es sich recht bequem gemacht m lemem kleinen Abtheil erster Güte! Und wenn auck beut wieder das Wetter miserabel war, so schien ihm doch die ganze Außenwelt überaus gleichgültig, so viel selbstbewunte Glückseligkeit lag in seinem Blick, als er in sein Generalpabsnotizbuch L.roßten Formals lang-
sam etwas hineinschrieb. Endlich schien er fertig zu seitu Meine Verlobung , mit Gräfin Ellen Fronsdorf, ältesten Tochter des Grafen Eberhard Fronsdorf und seiner Gemahlin, geborenen Baronin Eltze auf Fronberg, zeige ich hiermit an. Egon Baron Reffler, Oberleuinant im Hufarenregiment 24, commandirt zum Großen Generalflab", liest er halblaut vor sich hin. Gut so, knapp, ohne alle Curialien. Schnell greift er nach der Brusttasche und entnimmt ihr ein kleines Etui, ein Mädchenkopf schaut ihn mit strahlenden Augen an, jetzt kann der O-Zug noch so langweilig sein, er langweilt sich nicht mehr. Reise zur Hochzeit Hochzeitsreise, das Wortspiel war gar nicht so idiotisch gewesen, nun erlebt ix sie doch noch. Ob's wohl gar so unbequem sein wird, so ganz hatte der Bacillus sein Werk, die Zerstörung des Junggesellenempfindens, noch nicht vollendet leise Zweifel stiegen in ihm auf viel Gepäck, Eile zur Bahn, ein Herumreisen von Ort zu Ort, womöglich überall schlechtes Wettvr aber der Bacillus arbeitet mit rasenderEile, schnell zieht er beschämt ein ganzes Postpacket Briefe aus den Taschen und beginnt eifrig zu lesen. Das Buch, das er bei der Abfahrt sorgsam nebensich auf das Polster gelegt: Vergleichende Studien über den Kleinkrieg." bleibt unaufgeschnitten in Frieden. So viel frische Landluft strömt ihm aus den Briefen entgegen, er sieht sich wieder fern vom Bureau und Berlin vor einer lustigen Husarenschwadron in seinem kleinen Nest. Es lebe das Leben und der Hufar. Der Wunfch ward ihm auch bald nach der Hochzeit erfüllt, denn Quantität und Qualität seines Gehirns genügten den strengen, aber gerechten Ansprüchen des Generalstabs nicht, die kleine Frau aber sagte' später immer entschuldigend, daran war ich schuld, ich liebe die kleinen Garnisonen." Der Bacillus wüthete weiter, bis Reffkr endlich als Oberst a. D. immun wurde. Er übernahm dann ein Gut seines Schwiegervaters,, wurde Kreisvorsitzender des Bundes der Landwirthe und war bald gleichfalls überzeugt, daß man anstandshalber überall hannover'fches Fleisch essen müsse. Soweit hatte der Bacillus einen braven Schlesier gebracht, und er fühlt' sich wohl dabei.
Grüne Erbsensuppe. Man nimmt 2 Kannen grm.e Erbsen und giebt sie nebst 1 Unze Butter, einem halben, fein geschnittenen Salatkopf, einigen Blättchen Pfeffermünzkraut, einer kleinen Zwiebel, einigen Spinatblättern und etwas Salz in eine Kasserolle, dämpft alles ganz weich, treibt eS durch, giebt 2 Quart Fleischbrühe, ein Stückcken Mucker und etwas Salz dazu und kocht es eine Weile. Die übrigen Erbsen werden unterdessen m siedendes Wasser gegeben, nebst etwas Salz und Mucker, und weich aekockt. so aber, daß sie ganz bleiben, hierauf abgegossen und ablaufen lassen, dann m die Suppe gegeben und sofort aufgetragen. Kleine Eierkuchen. Vier ganze Eier, ein kleines Glas Brandy, 1 Tasse dicker saurer Rahm und etwas Salz werden mit so viel Mehl verrührt, daß ein weicher Teig entsteht, den man dünn ausrollen kann. Derselbe wird in kleine runde Kuben ausgestochen, die man in heißem Fett schön goldgelb bäckt und noch heiß mit feinem Zucker bestreut. K a st a n i e n s u p p e. Nachdem man die Ludere Schale von so viel Kastanien als man braucht, entfernt hat, brüht man sie mit kochendem Wasser und häutet sie ab. Dann dünstet man sie in etwas Butter und Zwiebeln, streut ein wenig Mehl darüber und und füllt nach und nach mit Fleischbrühe auf. ' Dann treibt man die Kastanien durch ein Sieb, verdünnt so viel wie nothwendig mit Fleischbrühe, läßt die Suppe nochmals aufkochen und richtet sie über Kalbsmilchwürfeln und gebräunten Weckfchnitten an. Backfische mit pikanter kalterSauce. Fische, wie Hecht. Seezunge und Flundern, werden gesäubert und zum Braten zurechtgemacht, indem man sie nach dem Waschen salzt. Stunden so stehen läßt, dann gut abtrocknet, in geschmolzener Butter, geschlagenem Ei und geriebener feingesiebter Semmel umwendet und in heißer Butter oder Backfett schwimmend zu goldbrauner Farbe bäckt. Zur Sauce rührt man y2 Pfund frische Butter schaumig, fügt den Saft von 2 bis 3 Citronen, sowie ein eigroßes Stück feine Sardellenbutter hinzu, würzt mit wenig Salz, etwas geriebener Muskatnutz, gehackter Petersilie, und rührt eine recht ebene, dickflüssige Sauce daran. Apfel klotze. Vier ganze Eier werden mit einem Portionstassenkopf voll Milch zerquirlt und etwas Salz und so viel Mehl dazu gethan, datz eK ein steifer Teig wird. Nun wird nn Suppenteller voll in Würfel geschnit ten Aepfel darunter aemischt und mit einem Eßlöffel Klöße davon ab gestochen, welche Stunde in kochendem Wasser ziehen müssen. Immer dieselbe. Xanthippe (deren Gatte bei der Feuerwehr ist, als Abends ein Brand auöbricht): . . .daß Du t mir nicht lange weg bleibst!" '
.euer-Signale.
9 4 Pennsylv n Markt 4 EngIish'S OpkHauk Eastund 92to Fort 7 Noble und Michigan H N. Jersey u. Mag Ave 9 Pine und North ;0 Market und Pine 1 Vmnont nahe East H No.. 8 Cpritzenbau Maff. Ave nah KoMt .3 Teuzwareund Walnut v4 A. Jersey u Central A. 5 Maff, und Csrnell Ave Äkb m,d ll. Strcße 7 Park Ave und ,2 Str -8 Columbia nd Hillfid -.9 Highland Ave u. Pratt :i JllinoiZ und St. Jo J3 Pennfdls. und Pratt 4 Meridian und 11. St? H Nv. 6 Spritzenhaus 15. nahe JllinoiS s Senate Ave u. StCIair 7 JllinoiS und Mchigan 3 Petsylvania und lt. i9 Senate Ave. und 7,3. -il No. 1 Spritzenhau Im, ÄvenaheMichigan o2 Meridian und Walnut U California u rmont 56 Blake und New Aork 8 Ind. Av. u. St, lair 57 City Hospital ZS Blake und North 3 Mchigan und Lgnes No. S Spritzenhaus Washington nahe Weft Gsendorf uWasy. 43 Missouri n New York 6 Meridian u Wash 8 JllinoiS und Ohw i7 Capitol Av. u Wash 48 Kmgan'S PorthauS 9 Straßenbahn Ställ W. Washington Stk Ng. lg Spritzenhaus JllinoiS n Merrill SS JllinoiS u Louisiana 5S West und South West und McEarty tt Senate Ave. u Henry 37 Meridian und Ray No. 4 Spritzenhau MadisonAv.uMorri 09 Madison Av. u Dunlop No Haken Leiterhau South nah Delawar ii Pnm.u Merrill 33 Delawar u. McEartö M afl und MrCarty 8 New Jersey u. Merrill 7 Birg. Av. u Lradsha 88 East und Prospekt 8 Bicking und High n No. 11 Spritzenhaus Lir Ave. nah Hur; 7 East und Georgia 7 Ceda und El 74 Davidson u Georgia 75 nglish Av. u Pin 76 Shelby und Bäte "8 No. 3 Spritzenhau Prospect nahe Shelby 7 Fletcher Av. u Shelby 81 Market u. New Jersey 2 Delaware und tash. 83 East u Washington 34 New York .Davids 85 Taubstummen Anstalt 68 Ver. Staaten Arsenal 87 Orient! und Wash. S Frauen-Reformat n No.' 13 Spritzenhau 26 Park v md 15 212 Capital Av, und 17. 213 Pennsylv. u. Wichiaa, 214 Jllinoi und 2. 215 Senate Av und 21, ' i6 Pennivivanm unv 29, 17 Meridian und 18. 213 Capital Av und 2fc 219 Broadway und 10. 231 JllinoiS und McLem, 234 No. 14 Spritzenhau Kenwood und 30 35 JllinoiS und 33. 33 Slnnetta und 80 237 No. 9. Spritzen? Udell und Rader ,33 Udell Ladder Work 2S9 Jsabel und 7. 241 Meridian und 24 242 JllinoiS U St.Clatt', 243 Eldridge und 23. 312 West uud Wainut 13 West und 12. 814 Howard und 16. 815 Torbet und Paca 18 Capital Av und ife 817 Northwestern Ad ic 21 818 Gent und 13. 19 Canal und 10. Si Serealin Work 24 Vermont und ktzn 25 Bismarck u Srandvtetk 26 No. 29 Spritzenhaus Haughville. 827 Michigan u. Helme, 23 Michigan u. Conrord 41 Weft und MeJntyr 412 Missouri u. Maryland 41 Missouri und Ohio 41 Capital Avev.Leorgta 418 Missouri u Kenwcky A. 417 Senat Ave u. Wash. 421 P und S rdmdu W. Washington. 423 Irren-Hospital. 424 Miley Ave u.J D 425 Wash, and Harr No. 13 SpritzerHauj W. Washingto 427 Oliver und Birch 23 Oliver und OSgood 2 Nordyke und Dork 31 Hadley Av u. MonU 32 River Ave u. Stentf 4 Rio v und 8ay 435 Hardin,, u. Big 4 R ? 43 Harbins und Oliv 37 No. 19 SbrifttntaJ Morris und Sardins Ma& vaAfKSsas 49 Stotfdart 51 Steilncr und MSB -52 Howard und 8c 5 SPtoroi und Jtavptl 5 Lamvert und BMzet 7 Nordyke v tu &ett o Wer tu Weft wtb Ray 01 entucky Av a. StcnS 14 Meridian und SloaP 51 JllinoiS und mZa 17 Morris und Dakota 18 Morri und Ehurch 19 Capital A. u MeCar 21 Meridian und Paln 23 Pine und Lord 24 Madiso Ave An! SSS Meridian und Belt RS 27 Carlo und Ray 2 Meridian und riz 29 Meridian u. Raymond 31 Meridian u. M;V1 -932 No. 17 Spritzenbsu Morri nah mlJ l McKernanund Douay. 61 East u. Lincoln int 14 Saft und Brecher i Wright und Sander 17 McCarty und ry 18 New Jersey u5rv 71 Spru und Prospect 71 Snglish Ave. . LaunI 714 State iJt u. Belt R 9 715 Shelby und eech 71 State Av und Ormuff 718 Orange und Laurel 71 Shelby u. 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Alab, 9 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 93 Capital Ave und Ohiv 23 No. IS Spritzenhau 18. und Asy. i4 Alabama und 18. i25 Central Ave und 15. ;26 DandeS und 15. ,27 Brookside und Jupita SS Central Ave und 17, (29 Delaware und 19. -Si Alabama und 11. 38 Bellefontaine und. t34 College A und &. :c5 Delawar und 13. i36 Alabama und North ,27 Newmann und 19. 138 College Ade und 14. 139 Cornell Ave und 13. .41 Dandes und 19. 42 Highland Ave und 10. .43 Teeumseh und 1. 45 New Jersey und 2. 46 Alvord und 17. '47 No. 2 Spritzenhaus HiKfide Ave und 16. ,8 College Ave und 2. .4? College Ave und 27. 52 Park Ave und 22. .SZ Lu. W Bahn. 22. !S4 Ramsey Ave und 1. S8 Stoughton u Newmsn (57 Atlas und Pike. i,S8 Bloyd und Pawpaw. 59 No. 21 Spritzenhau Brightwood i Arden und Depot 163 Brightwood und 26. 164 Rural und Bloyd 166 St. Clair u. eyston i87 Arsenal Ave unk 23. ' 63 Bellefontain und S. 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