Indiana Tribüne, Volume 27, Number 266, Indianapolis, Marion County, 30 June 1904 — Page 6

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DsS Selbfimörderkabinett.

Skizze von Arthur Fürst. Auf dem Lloyddampfer Bremen", der von New Jork nach Southampton hinüberschwamm, saßen die Fahrgäste der ersten Kajüte in lebhafter Unterhaltuvg beieinander. Man diskutirte den interessanten Fall, der soeben etwas Leben in die Langeweile der eintönigen Ueberfahrt gebracht hatte, während bei dem ewig klaren Himmel nicht die geringste Mütze voll Wind für ein wenig Nervenanregung hatte sorgen wollen. Vor einer Stunde hatte ein Heizer durch Unvorsichtigkeit bei der Arbeit am Kessel ein Wasserstandsglas zerschlagen, und der in großen Mengen ausströmende Dampf hatte einen Feuermann derartig verbrüht, daß er kurz darauf starb. Der bedauernswerthe Thäter, der vor Verzweiflung über seine verderbenbringende Ungeschicklichkeit sich wie unsinnig gebärdet hatte, war sofort in Haft genommen worden und sah jetzt in der Gefängnißzelle tief unten im Bauche des Schiffes seiner Aburtheilung wegen fahrlässiger Tödtung vor dem Seegericht entgegen. Die Gesellschaft der ersten Kajüte erörterte in lebhafter Rede und Gegenrede die Berechtigung, einen Menschen, der sich nichts als eine Ungeschicklichkeit hatte zu schulden kommen lassen, der Freiheit zu berauben. Die Damen standen natürlich alle auf seiten des armen Gefangenen und nannten den Kapitän einen Barbaren. Die meisten der Herren waren mit ihrer Ansicht noch nicht ganz ins reine gekommen. Nur ein junger Mann, dessen zarten Händen man es ansah, daß er wohl noch nie in seinem Leben eine Kohlenschaufel oder ein ähnliches gefährliches Instrument berührt hatte, vertrat mit bewundernswerther Energie die Ansicht, daß jeder, der das Leben eines Menschen vernichtet hatte, und sei es selbst gegen seinen Willen, unschädlich gemacht werden müsse, und auf möglichst lange Zeit zur Warnung für die anderen . ' Und Sie lassen keine Ausnahme gelten?" mischte sich da ein älterer Herr mit starkem englischen Accent ins Gespräch. Nein, keine! Ein Menschenleben ist ein viel zu kostbares Gut, als daß seine Vernichtung nicht irgendwie geahndet werden müßte." Aber wenn der Mörder um diesen furchtbaren Ausdruck zu gebrauchen nicht ahnte, daß er durch die That ein Leben auch nur gefährden könne?" , Auch dann nicht!" Nun, dann gestatten Sie mir, durch eine kleine Erzählung aus meinem Leben Ihnen zu beweisen, daß man zum Mörder werden kann, ohne daß einem der leiseste Vorwurf zu treffen vermag, mit Ausnahme der Stimme des eigenen Gewissens, die sich an die Logik der Thatfachen wenig kehrt. Vor ungefähr zwanzig Jahren war ich Friedensrichter in Boston. Eines Tages wurde ich zu einem Mr. Blathword gerufen, um sein Testament aufzunehmen. Ich trat in ein vornehmes Haus, dessen geschmackvoll eingerichtete Zimmer, durch die mich de? Portier hindurchführte, eine feltsame Stille athmeten. Kein Diener, kein lebendes Wesen war in den zahl--reichen Zimmern zu erblicken, bis ich zu dem kleinen Salon gelangte, in dem Mr. Blathword auf mich wartete. Er saß in einem bequemen Sessel, reichte mir zum Willkommen die Hand und bot mir ein zweites, ähnliches Fauteuil an. Auf ein Kopfnicken verschwand der Portier und wir blieben allein. Während ich meine Papiere ordnete, betrachtete ich heimlich BlathWord, der mir lächelnd zusah. Er war ein Mann mit schneeweißem Haar und starken, energischen Zügen, der' die Sechzig wohl schon überschritien hatte. Als ich mir den Sessel zum bequemen Schreiben näher an den Tisch, rücken wollte, merkte ich, daß er am Boden befestigt war; doch ich dachte mir nicht viel dabei und zog den leichten Tisch etwas näher. Herr Friedensrichter", sagte Mr. Blathword, indem er mich mit scharfem Blick ansah, Sie sollen heute zur Abwechselung in Ihrem gewiß nicht immer interessanten Beruf das Vergnügen haben, ein Testament aufzunehmen, wie es Ihnen wohl noch nicht vorgekommen sein dürfte. Ich bitte, jedes meiner Wort amtlich zu Protokolliren und, wenn es geht, mich möglichst wenig zu unterbrechen. Ich habe Eile." Ich verneigte mich zustimmend. Mit den Geldangelegenheiten sind wir schnell fertig", begann Blathword sein Diktat. Ich hinterlasse mein Vermögen, das in einem Deposit von 30 Millionen bei der ... schen Bank besteht, der Staatskasse mit der Verpflichtung, es wohlthätigen Anstalten zuzuwenden. Wenn ich meine eigentlichen Absichten mit dem Gelde näher spezifiziren wollte,würde ich doch kaum bei irgend jemand das richtige Verständniß finden. Also lassen mirs bei diesem. Und nun komme ich zu dem Hauptgegenstande meines Testamentes, der in nichts anderem besteht, als die löbliche Bostoner Polizei über zahlreiche Mordthaten" der letzten Jahre aufzuklären, denen sie nicht auf den Grund kommen; konnte. Ich iufc

zum besseren Verständniß etwas w -die Vergangenheit zurückgreifen. Bis zu meinem fünfundzwanzigsten Lebensjahre war es bei mir ausgemachte Sache, daß das 'Unglück sich das Vergnügen machte, meine Person lur Zielscheibe seiner schlechten Witze

zu wählen. Was ich auch unternahm, ' schlug fehl, und das mcht unvetrachtliche Vermögen, das ich besaß, war bald bis zum letzten Heller verflogen. Da ich nicht Lust hatte, länger mit einem blinden Schicksal zu kämpfen, beschloß ich zu sterben. Ich überlegte lange die Todesart. Erhängen dauerte natürlich zu lange, Gift war zu schmerzhaft, und vor dem Revolver hatte ich das größte Grauen in dem Gedanken an den Augenblick, wenn der eiskalte Lauf meine fieberheiße Stirn berühren würde. Das Ertränken erschien mir schließlich noch das beste, denn man hatte mir von Leuten erzählt, die, nachdem man sie halbtodt wieder herausgefischt, nachher berichtet hatten, daß das ein wunderbarer Tod fei.. Ich ging also zu dem nächsten Flusse und stellte mich an das Brückengeländer. Wohl zwei Minuten blickte ich in das unter mir gurgelnd vorbeifließende Wasser, und diese zwei Minuten, in denen ich den Tod unmittelbar ins Auge sehen mußte, sind die schrecklichsten, die ich erlebt, ja die ein Mensch überhaupt erleben kann. Die herbsten Verluste im Leben, körperliche und seelische Schmerzen sind Himmelsfreuden gegen den tosenden Gedankenstrom, der stürmend und hämmernd mein Gehirn durchzuckte. All die Grauenhaftigkeit des Todes, über die uns von Kind auf soviel erzählt wird, stand wieder vor mir auf, ich dachte, in diesem Augenblick an die brennenden Feuer der Hölle, die auf mich warteten, ich dachte mir im Geist? all die fürchterlichen Einzelheiten aus, die im Wasser mit mir vorgehen würden, bis ich wirklich todt wäre.' Die Stunde, in der ich zu sterben beschloß, in der des Lebens ganzes Leid auf mich eingedrungen war, bedeutete nichts gegen diese zwei Minuten voll unendlicher Qual. Aber ich wollte sterben und besaß Energie genug, meinen einmal gefaßten Entschluß auch auszuführen. Ich sprang in den Strom. Wider meinen Willen zog man mich schnell heraus und pflegte mich so gut, daß ich gezwungen war, wieder in das verhaßte Leben zurückzukehren. Denn ein zweites Mal, das wußte ich, könnte ich die Pein der dem vermeintlich sicheren Tode vorausgehenden Minuten nicht mehr ertragen. Allein von dem Augenblick an, wo ich nach meiner Genesung von den Folgen des Selbstmordversuches in die Welt von neuem mehr hineingestoßen wurde, als ich freiwillig zu ihr zurückkehrte, wandte sich mein Glücksstern. Ein Fall, der sich nicht oft wiederholen dürfte. Ich war in verhältnißmäßig kurzer Zeit ein vermögender Mann und konnte mich nach wenigen Jahren bereits als reich, als sehr reich be-' zeichnen. Doch jene Minuten der Todesqual auf der Brücke hatte ich nicht vergessen. Gerade in jener Zeit hörte man in Boston viel von Selbstmorden und ich dachte mit Schaudern, wieviel bedauernswert'he Mitmenschen ebenfalls diese entsetzlichen Augenblicke durchleben mußten, gegen die der Tod selbst nichts bedeutet. Da ich den Selbstmord nach meiner Erfahrung für ein in gewissen Fällen unentbehrliches Mittel hielt und auch heute noch halte, beschloß ich, ihnen zu helfen. Meine Mittel gestatteten mir jetzt ein Leben ohne jegliche Erwerbsthätigkeit, und so fand ich Zeit, über die geeignete Art nachzudenken, den Selbstmördern.nachdem sie den unabänderlichen Todesentschluß gefaßt hatten, Gelegenheit zu geben, schnell und unerwartet in die Arme des Todes zu sinken. Nach langer Ueberlegung hatte ich das Mittel gefunden. Sie werden e3 anerkennen müssen. Ich ließ in die elektrische Leitung, die mein Haus mit Licht versorgte, einen Transformator einschalten, der dsn Strom in die ab solut tödtliche Höhe von 40,000 Volt umwandelte, und nachdem alle weiteren geeigneten Vorbereitungen getroffen waren, ging ich auf die Suche nach meinen Klienten. Es ist leichter, als Sie wahrscheinlich denken, an dem dichten Haufen der Menschheit die Unglücklichen herauszufinden, die das Leben soweit satt haben, daß sie ihm den Rücken kehren wollen. Man muß sich nu? die nöthige Mühe geben. Hatte ich jemand in dem Verdacht, ein Selbstmordcandidat zu sein, so näherte ich mich ihm, machte mich mit ihm bekannt und suchte sein Vertrauen zu erwerben. Fand ich, daß ihm noch zu helfen war, durch Geld oder in der Fähigkeit eines Einzelnen liegende Mittel, so half ich ihm und eine große Anzahl Menschen habe ich auf diese Weise dem Leben erhalten. Sah ich jedoch, daß sich ein Mensch in einer Lage befand, aus der es keinen anderen Ausweg gibt als den Tod ich nenne Ihnen nu? unheilbare Kranke, Leute, die sich zu einem ehrvernichtenden Verbrechen haben hinreißen lassen, aber ich könnte Ihnen noch zahlreiche andere Fälle nennen - so lud ich den Betreffenden zu mir ein, bewirthete ihn in einem Zimmer, das gerade über uns liegt,als ob er zu einem ganz gewöhnlichen Besuche zu mir gekommen wäre und bat ihn, für die nächsten paar Stunden noch nicht ans Sterben zu denken.

Tiann grng fch unier irgend einem Verwände heraus. In jenes Zimmer aber, in dem sich der Selbstmordcandidat jetzt befand, war die elektrische Hochspannungsleitung hineingeführt. Der Teppich und sämmtliche Sessel waren von unsichtbaren Drähten durchzogen, so daß der Mensch, der sich in dem Zimmer aufhielt, in jedem Augenblicks mit der Leitung in Berührung sein mußte. Sobald ich draußen war, drehte ich einen neben der Thür befindlichen kleinen Schalter. und der Selbstmordcandidat war in einem Augenblick todt, in dem er wahrscheinlich am wenigsten ans Sterben dachte. Die entsetzlichen Minuten der Todesqual waren ihm erspart geblieben, sein Ende war ein beneidenswerthes. Auf diese Weise habe ich wohl an Menschen meine eigenartige Wohlthätigkeit geübt, und gäbe es eine Dankbarkeit nach dem Tode, ich glaube, daß sie mir von allen in hohem Maße zu theil ' werden würde. Mit Hilfe zweier treuer Diener sorgte ich nachher dafür, daß die Leichen irgendwo in's Freie geschafft und in eine Lage gebracht wurden, die unmittelbar auf ein Unglück, oder was sicherer und leichter ist, auf ein Verbrechen schließen ließ. Wir hatten bald eine gewisse Fertigkeit darin und die Bostoner Polizei sucht noch heute zahlreiche Morde" aufzuklären, die gar keine waren. Aber die mehr als 35 Jahre, die seit meinem Selbstmordversuch verstrichen, sind an mir nicht spurlos vorübergegangen. Vor 14 Tagen traf mich ein Schlaganfall, der mir den Gebrauch der Füße raubte, und so bin ich jetzt gezwungen, gegen meinen Willen gänzlich unthätig zu verharren. Mein Selbstmörderzimmer steht verwaist, denn ich kann keine Klienten mehr besuchen, und da meine Tage jetzt gänzlich nutzlos verfließen, wllnsche ich in jedem Augenblick den Tod herbei. Ich habe mich seit Jahrzehnten soviel mit ihm beschäftigt,' daß er für mich seine Schrecken vollkommen verloren hat. Ja selbst, wenn ich genau wüßte, daß ich im nächsten Augenblick sterben müßte, würde ich heute nichts Qualvolles mehr darin finden. Denn durch meinen fo langen direkten Verkehr mit ihm ist mir der Tod ein Freund geworden. Und ich glaube auch genau zu wissen, daß er sehr, sehr bald zu mir kommen wird. Darum habe ich meine Mitwisser und treuen Helfer reich belohnt entlassen, und so sehe ich jetzt dem baldigen Nahen des besten Freundes der Menschen ruhig entgegen." . Mr. Blathword schwieg. Noch ganz unter dem Eindruck des Unerhörten, das ich soeben vernommen, packte ich mechanisch meine Papiere zusammen. Die Gedanken wirbelten durch meinen Kopf und nur das eine war mir klar, daß der Mann da vor mir für die Justiz ein Massenmörder sei, den zur Anzeige zu bringen meine unausweichlich, Pflicht war. Ich sagte dies Mr. Blathword unter dem Ausdrucke meines tiefsten - Bedauerns, doch er entgegnete nur: Ich habe erwartet, daß Sie als pflichttreuer Beamter so und nicht anders handeln würden, thun Sie nur Ihre Pflicht." Er sagte das ganz ruhig und lächelnd, so daß ich immer mehr in Erstaunen über diesen räthselhaften Menschen gerieth. Mit den widersprechendsten Gefühlen empfahl ich mich und Mr. Blathword reichte mir immer noch lächelnd die Hand zum Abschied. Als ich schon in der Thür war, rief er mir mit ruhiger Stimme noch nach: Haben Sie die Güte, draußen die elektrische Leitung für meine Tischlampe hier einzuschalten; es wird schon etwas finster. Sie finden den Schalter gleich rechts neben der Thür. Ich erfüllte seine Bitte, indem ich den kleinen Schalter drehte, der etwas vertieft in der Wand angebracht war, und durch eine jetzt offenstehende eiserne Klappe offenbar verschlossen werden konnte. Dann ging ich davon. Doch schon nach den ersten 10 Schritten bemerkte ich, daß ich meinen goldenen Halter in Mr. Blathwords Zimmer hatte liegen lassen. Ich kehrte also um, klopfte an und trat wieder ein. Als ich die Thür öffnete, hörte ich, wie der kleine Schalter mit leichtem Knall selbstthätig wieder zurücksprang. Es brannte auch keine Lampe im Zimmer, nur das schwindende Tageslicht verbreitete einige Helligkeit. Ich entschuldigte mich bei Mr. BlathWord für die nochmalige Belästigung, doch er rührte sich nicht. Als ich näher trat, bemerkte ich, daß er todt war. Auf dem Tisch vor ihm lag ein Zettel mit folgenden Inhalt: Ich danke Ihnen für den Liebesdienst, den Sie mir erwiesen haben und bitte Sie für die kleine Täuschung, die ich mir Ihnen gegenüber habe zu schulden kommen lassen, um Verzeihung. Nicht über uns liegt das Selbstmörderkabinett, sondern es ist dasselbe, in dem Sie sich jetzt befinden. Der Hochspannungsstrom, den Sie soeben eingeschaltet haben, hat meinem Leben das erwünschte Ziel gesetzt. Durch das Qeffnen der Thür haben Sie den Strom wieder ausgeschaltet, so daß Sie keine Gefahr laufen. Nochmals Dank. Ihr Blathword." Jetzt wußte ich, warum mein Fauteuil vorhin nicht von der Stelle rücken wollte. Er war wegen der hineingeführten Leitung unverrückbar am Boden . befestigt. Eiskalt überlief es mich bei dem Gedanken, daß ich auf einem der Todes stühle gesessen und wie

von Furien gejagt eilte ich aus dem Hause. Sie haben also in mir einen Mann vor sich, der ein Menschenleben vernichtet hat, und der bis heute noch schwer daran trägt, obwohl er sich gewiß keine Vorwürfe machen kann." Gespannt hatte die ganze Gesellschaft gelauscht. Und was geschah weiter?" fragte eine Dame. Nun ich brachte den Fall natürlich mit allen Details sofort zur Anzeige. Ich wurde einige Tage in meiner Wohnung in Haft gehalten, bis sich alle Angaben durch genaue Untersuchung bestätigt hatten, und die Bostoner Polizei hatte die erwünschte Gelegenheit, nunmehr alle Mordthaten, -die den letzten Jahren in ihrem Bannkreis passirt waren, auf Kosten dieses Mr. Blathword zu setzen." Und von Ihnen", wandte er sich an den urtheilssicheren jungen Mann vorhin, hoffe ich, daß Sie nicht strenger richten als die Bostoner Jury und daß Sie nicht behaupten werden, daß ich eigentlich im Zuchthaus sitzen müßte." Der junge Mann murmelte einige unverständliche Worte und steckte sich, um seine Verlegenheit zu verbergen, möglichst umständlich eine Cigarette an, hinter deren Dampfwolken sein Gesicht verschwand. Die Berliner. Es war ein lustiger Sommerabend, den wir in Bartholoma verlebten. Wir waren eine Dutzend - Gesellschaft, die aus allen Gauen Deutschlands hier zufällig zusammengetroffen war. Bei der Rückfahrt über den Königssee benutzte, die Tafelrunde einen gemeinschaftlichen Kahn. Und da wir alle die einen für längere Zeit, die anderen nur für eine Nacht in Berchtesgaden blieben, wurde noch für denselben Abend ein Treffpunkt zum Nachttrunk verabredet. Alle waren auch zur bestimmten Zeit dort. Da war auch ein vielgereister Herr aus Hamburg, der ein erstaunliches Nachahmungstalent besaß und jeden aus der Gesellschaft zum größten Ergötzen aller mit der dem Einzelnen eigenthümlichen Ausdrucksweise anredete und selbst das charakteristische Mienenspiel und die Bewegungen nachzumachen verstand. Als seine Fertigkeiten bestaunt wurden, meinte er, das sei nicht so schlimm; wenn er die Heimath eines Menschen wisse, so könne er ihn auch nachahmen; denn wie die Sprache, so seien auch viele Mienen und Bewegungen weniger an die Person selbst als an die Gegend gebunden, aus der sie stammt, und er habe so ziemlich die Eigenart aller deutschen Gauen kennen gelernt.. Ja, aber woher wissen Sie' denn, tvoher wir sind?" wurde er gefragt. Das weiß ich in der Regel von jedem Menschen, wenn ich einige Worte mit ihm gesprochen oder ihn einige Augenblicke beobachtet haben." Dann wissen Sie auch, wo ein jeder von uns zu Hause ist?" Selbstverständlich." Beweis!" rief da ein älterer Herr. Der Hamburger entgegnete: Sie sind ein Gymnasialprofessor aus Frankfurt am Main und ertheilen Unterricht in der Mathematik das beweist mir Ihr Beweis"." Der ältere Herr fuhr erschreckt zurück und war starr vor Staunen. Und Sie sind," fuhr der Nach ahmungskünstler zu einem andern Herrn gewendet fort, in oder um Stettin zu Hause; und Sie" ging es der Reihe nach weiter, aus Breslau" usw. Endlich kam auch ich an die Reihe. Dieser Herr." meinte er, bemüht sich einer möglichst exakten Aussprache des Hochdeutschen. Ebenso hat er sein Mienenspiel und seine Bewegungen in der. Gewalt. Aber ich habe ihn doch entdeckt." i Mit erhobener Stimme fuhr er mich in komisch vorwurfsvollem Tone an: Sie sind Berliner!" Das ist nicht wahr!" tönte es von allen Seiten wie aus einem Munde. Warum nicht?" fragte ich dreist. Dazu sind Sie zu bescheiden und zu g'spaßig," ließ sich ein Bayer vernehmen. Wie sind denn nach Ihrer Ansicht die Berliner?" Schnoddrig, schnoddrig, schnöddrig!" brüllte er mich in wüstem Crescendo an. Halten Sie michMr schnoddrig?" Nein, durchaus nicht im Gegentheil. Aber Sie sind doch auch kein Berliner. Dazu schauen Sie viel zu vernünftig aus." Da haben Sie eben das Vergnügen gehabt, einen Berliner kennen zu lernen, der vernünftig ausschaut. Denn unser Tausendkünstler hat recht, ich bin Berliner. Und, vielleicht ist das schnoddrig: ich schäme mich nicht einmal meiner Herkunft." Der biedere Bajuvare wurde verlegen, und ich suchte seinem ehrlichen Bekenntnisse die persönliche Spitze abzubrechen, indem ich meinte: Wir sind es gewöhnt, daß der oft vorhandene süddeutsche Preußenhaß gegen uns Berliner in gesteigerter Form zum Ausdruck kommt, ob mit Recht oder Unrecht, lasse ich dahingestellt." Ach, ich bin ja jetzt gar kein Preußcnhasser mehr," sagte mit naiver Qffenheit der Bayer, aber die Berliner nein, die habe ich immer noch nicht leiden können. Aber wenn's mehr Ber-

liner von Ihrer Sorte gibt, wirb mir's wohl auf meine alten Tage mit meinem Berliner Haß ebenso ergehen, wie mit meinem Preußenhaß. . Wie sagte Nietzsche gleich? Umwerthung der Werthe" Na, wir wollen nicht philosophisch werden. Meinen Sie, was Sie als Berliner kennen gelernt haben, das waren wirkliche Berliner?" Ich bin doch aber selbst einmal in Berlin gewesen." Und Sie meinen, jeder Mensch in Berlin sei Berliner?" Das meine ich allerdings." Dann lassen Sie sich belehren, daß kaum 40 Procent der Einwobner Berlins dort geboren sind. In der Regel gibt sich Alles als Berliner aus, was nur einige Monate am Spreeufer entlang gelaufen ist. Und daß diese sagen wir mal Renommier - Berliner häufig blasirt, oder wie Sie sagen, schnoddrig sind, gebe ich unumwunden zu. Aber dafür können die Berliner doch nichts." .Sie möaen schon recht baben." sagte der Süddeutsche und reichte m:r die Hand, die gerne angenommen wurde. ' Aber sagen Sie mal, woran haben Sie denn diesen Herrn als Berliner erkannt?" ließ sich da eine Stimme vernehmen. Der Hamburger räusperte sich unö sagte: Der echte Berliner ist nicht emPfindlich. Da darf ich's wohl ruhig sagen." Ich nickte ihm auffordernd zu. Zur Erläuterung einige einleitende Worte: Die Berliner leiden an ZeitMangel, deshalb haben sich in der Reichshauptstadt die Höflichkeitsformeln nicht zu unbequemer Länge ausgebildet. Der Berliner ist gegen Jedermann gefällig. Er rechnet und wartct dabei nicht auf Dank, und umgekehrt, kleinen Gefälligkeiten gegenüber ergeht er sich nicht in langen Dankesbetheuerungen." Zur Sache!" rief ich dem Redner zu. ! Gleich. Erst ein kleines Erlebnitz. Bor einigen Jahren hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, einige Wochen im Hochsommer in Berlin zu weilen. Da ich nicht weit vom Thiergarten, wohnte, brachte ich häufig die Nachmittagsstunden in diesem herrlichen Parke zu. Wer Volksleben, studiren will, mu Kinder beobachten. So hielt ich mich denn meist in der Nähe der Kinderspielplätze auf. Da kam denn alle Augenblicke ein Büblein oder Mägdlein und stellte sich vor mich hin, sah mich bittend aus großen unschuldigen Kinderaugen an und sagte: Ach, können Sie mir nicht sagen, wie spät es ist?" Gefällig zog ich die Uhr und sagte die Zeit. Dann traf mich noch ein sinnender Blick, als ob man berechnete, wie lange noch Tummelzeit sei. Dann schnell eine Wendung und weg waren die Frager, ohne ein Danke sehr" gesagt zu haben. Als wir heute in Bartholoma saßen, fragte mich unser Berliner: Was mag die Uhr sein?" Ich sagte ihm die Zeit. Hm!" meinte er da mit demselben sinnenden Blick wie s. Zt.. die Kinder im Thiergarten und weiter nichts. Da hatte ich ihn

entdeckt." Alles lachte und ich am allermeisten. Eine Kreuzottergeschichte. Die harmlose Ringelnatter wird drüben oft für eine Kreuzotter gehalten und getödtet. Aengstliche Leute fürchten wohl so ziemlich alles krie chende Gethier und denken wohl gar, wenn sie. imGras einen großen Regenwurm sehen, an eine Kreuzotter. Eine drollige Verwechslung dieser Art hat sich jungst in der Umgebung von Moltke's Geburtsstadt Parchim zugetragen. Auf dem Wege nach der Schützenhalle umstanden zahlreiche Spaziergänger, allerdings meist Da men und Kinder, in achtungsvoller Entfernung eine Bank, unter der ein Ungeheuer lag, natürlich eine Kreuzotter! Niemand getraute sich, das Thier näher zu betrachten, ob dem auch so sei. Schließlich kam ein Herr des Weges; beherzt ging er auf das Ungeheuer los und wollte ihm eben mit feinem handfesten Stock den tödtlichen Streich versetzen, als athemlos ein Junge sich zwischen ihn und sein Opfer warf mit dem Ruf: Dat is min Aal, de is mi wegloopen, latenS den Aal tofreden." Sprach's unb schob den Aal in den eigens dazu mitgebrachten Netzbeutel und schlug sich seitwärts in die Büsche. Die Uebrigen aufathmend: Also keine Kreuzotter, bloß ein Aal! Auch ei'n Grund. Aber, Frau Nachbarin, warum wollen Sie denn Ihren Jungen durchaus zur See gehen lassen?" Ja, wissen Sie, er hat so einen schönen Wasserkopf!" I m Manöver. Bauer: Wissen Sie nicht, ob die Soldate scho gelade hab'n?" Stadtherr: Aber lieber Mann, wo sollen die Soldaten wohl Schokolade herkriegen." Falschverstanden. Sie bitten um die Hand meiner Tochter? Ja, sind Sie denn in der Lage, eine Frau unterhalten zu können?" Aber ich bitte Sie. bei meinem Humor?" Vomtzorenfagen. Diesen Sommer müssen Sie in einer prachtvollen Gegend gewesen sein!" -Ja, ich hör's von allen Bekannten, denen ich Ansichtskarten geschickt habe!"