Indiana Tribüne, Volume 27, Number 266, Indianapolis, Marion County, 30 June 1904 — Page 3

Jndiana Tribüne, SO.sJuni 1904U

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Rabbiner-CoW Mcssing's Vergleich des Ghctto-Problems mit der südlichen Ncgerfragc. Die Regierung und Hayü. Kreuzfahrten unserer Kriegsschiffe. Neue BndclUntersuchung in St. Louis. Von der Ausstelluug. Ucbcrschwcmmung bei Pittsburg. Würdiger Post-Beamtcr.

Die Conferenz der Rabbiner. Louisville, 29. Juni. Der Bericht des Synoden-Comite's kam heute vor der Conferenz der amerikani schen Rabbiner zur Verlesung. Das Comite spricht sich für Errichtung einer Synode für die Central-Regierung der Kirche aus, der wichtigste Schritt feit der Organisirung des reformirten Judaismus. Bisher waren die Gemeinden thatsächlich unabhängig. Die Synode soll gemeinsam aus der Central'Conferenz der Rabbmer und dem Verbände der jüdischen Gemeinden gebildet werden. In der Nachmittagsfitzung entfesselte eine Vergleichung des Ghetto-Problems östlicher Städte, mit der Negerkrage im Süden, von Rabbiner Messing aus Montgomery, Ala., aufgestellt, einen Sturm. Messing mußte seine Rede nach Ordnungsfragen, die entrüstete Mitglieder gestellt, unterbrechen; bevor er von der Tribüne abtrat, erklärte er, man habe ihn theilweise mißverstanden. Er habe sagen wollen, der russische Jude sei so unveränderlich als die Haut desZNegers und hänge mit Zähigkeit an seinem Glauben und seiner LebensweiseStaatsdepartement und H a y t i Angelegenheit. Washington, 29. Juli. Das Staatsdepartement lenkte seine Aufmerksamkeit auf die Preßberichte, wonach Deutschland u. Frankreich Kriegsschiffe nach Hayti entsandten, um für die kürzlichen Angriffe auf ihre Gesandten Genugthuung zu verlangen. Eine amtliche Nachricht ging dem Departement nicht zu. Dem feststehenden Herkommen entsprechend wird das Departement nur dann interveniren, wenn eine über die Grenzen strenger Gerechtigfeit hinausgehende Handlung begangen wird. Das Staatsdepartement vertrat niemals den Standpunkt, daß Amerika die kleineren Republiken gegen For- , derungen europäischer Mächte für Con-trakt-Verletzungen oder wegen Scha denersatz-Forderungen auf Grund internationaler Verstöße, wie jetzt bei dem Gesandten.Angriff, zu schützen habe. Falls daher die Forderungen Deutschlands und Frankreichs nach Ansicht des Departements nicht übertrieben find, so findet keine Einmengung der diesseitigen Regierung statt. Jedoch werden die Vorgänge genau verfolgt, damit keine unbillige Strafe auferlegt wird. Di e, Kreu z fahrten der Ges ch w a d e r. Washington, 29. Juni. Contre-Admiral Jewell traf heute mit den Kreuzern Olympia" und Cleve land" aus Tanger in Gibraltar ein. Daselbst liegt auch die Baltimore" das andere Schiff des europäischen Ge schwaders; das ganze Geschwader fährt nächster Tage ab, um fich dem Schlacht-schiff-Geschwader unter Contre-Admiral Barker im Mittelmeer anzuschließen. In Bremerton traf gestern das Pacific Geschwader , aus New Vork, Marblehead, Concord und Bennington bestehend, ein, nachdem es von Panama aus auf einer Kreuzfahrt gegen 9000 Meilen zurückgelegt. " Das Geschwader 2X X fr Cr .4AWiit9 li n uiy wUii uiuiuistu umciwtys. Steigen der Kohlenpreise Omaha. Nebr., 29. Juni. Die Frachtraten für Weichkohlen von Iowa, Kansas und Missouri nach Omaha und Lincoln werden am 1. Juli von 3 auf 15 Cents per Tonne erhöht. Die Bahnen behauptetes handle sich nur um eine Ausgleichung und keine allgemeine Erhöhung. Nach Aussage der Kohlenhändler werden jedoch deßhalb alle' Kohlenpreise steigen. Fr I n. Leibhardtab. Was h i n g t o n, 29. Juni. Frln. Jnez Leibhardt aus Richmond, Ind., unter Machen'S Leitung Haupt-Clerk in der Landbriefträger-Abtheilung, ist zu rückgetreten und nahm eine Clerkstelle im Postamt von Los Angleles (Cal.) an.

Von der Ausstellung. St. Louis, 29. Juni. WeltAusstellungsplatz. Auf dem Ausstellungsplatze wurde heute Wisconsin Tag gefeiert; das Staatsgebäude übergab Ex-Gouverneur Hard mit einer Ansprache, auf welche Präsident Irancis erwiderte. Charles Meyers aus Massachusetts wurde unter dem Verdachte verhaftet, bei der Beschädigung von Santos Dumont's Luftschiff betheiligt gewesen zu sein. Die Ausftellungs-Gesellschaft verspricht für Ueberführung der Thäter $1,000 Belohnung. Charles Meyers wurde Abends wegen mangelhafter Beweise entlassen. Cardinal Satoll i. St. Louis, Weltausftellungsplatz, 29. Juni. Cardinal Satolli, von seinen drei Secretären begleitet, Erzbischof Glendon, Rektor O'Connell von der Washington Universität und derschiedene hiesige Geistliche, machten Präsident Francis ihre Aufwartung und wurden später im österreichischen Pavillon bewirthet. Der Gasbehälter von Santos Dumont's Luftschiff wurde in der Nacht durchschnitten, so daß' im Hinblick auf die kurze Zeit Jbex Reparatur keine Möglichkeit eines Aufstiegs am 4. Juli vorliegt. Neue Budel-Unter s u ch u n g. S t. L o u i s , 24. Juni. In

Folge des Geständnisses von Charles A. Gutke begann die Grandjury heute eine neue Budel-Untersuchung. Sechs Mitglieder des Delegatenhauses, die zu der angeblichen Verschwörung gehören. und vier Andere wurden als Zeugen vorgeladen, vermuthlich um die Enthüllungen Gutke's zu bestätigen. Der ehemalige Sprecher des Delega-ten-Hauses, Ch. F. Kelly, wegen Bestechung verurtheilt und unter einer andern Anklage procesfirt, conferirte heute mit Kreisanwalt Folk und erschien nachher vor der Grandjury. Ueber seine Enthüllungen wird strenges Geheimniß gewahrt. Auch Kelly's Frau wurde von der Grandjury vernommen, deßgleichen Ch. A. Gutke, der gestern Folk Mittheilungen über den Budel in St. Louis gemacht hatte. Wolkenbrüche verursachen H o ch f l u t h. Pittsburg. Pa., 29. Juni. Ueber 500 Wohnungen, Geschäfts und SKulhäuser, wurden gestern in kurzer Entfernung von hier, an der PanHandle - Bahn im Chartiers Thale, durch Wolkenbrüche unter Wasser gesetzt. Pferde und Vieh find ertrunken; ein unbekannter Italiener kam um's Leben; manche knappe Rettungen vor dem Tode wurden berichtet. Die Fluth wich erst gegen Tagesgrauen zurück; viele Familien verbrach ten die Nacht außer dem Hause. Der Schaden wird auf etwa $500,000 deranschlagt. Der eine Zeit lang unter brochene Verkehr auf der Pan-Handle Bahn ist jetzt wieder aufgenommen und die Züge gehen wie gewöhnlich. Schicksale einer Geige. New York, 29. Juni. Nach der Times" wurde soeben in London eine Stradivari-Geige um $3,500 verkauft. Sie gehörte früher einem Straßen Musikanten. Er erwarb das In ftrument ursprünglich um $6 und ver kaufte es nach mehrjähriger Benutzung für $125. Heimstättesucher halten einen Zug an. Vallentine, Neb.. 29. Juni. 150 Heimstätte-Sucher, die unter dem Kincaid-Gesetze Einträge machen woll ten, hielten gestern 50 Meilen östlich von hier einen Chicago & Northwestern Frachtzug an und verlangten hierher geführt zu werden. Der Zugführeö mußte seinen Zug auf ein Seitengeleise bringen und auf einen Passagierzui warten, der die Leute nach Valentine brachte. Der Andrang zu den Einträgen ist bedeutend stärker als erwar tet und eS vergehen bis zur Beendigung mehrere Tage. - ;

Gedächtniß-Feier

Für die Opfer des SlocumBrandes unter gewaltigem Andrang. New York, 29. Juni. In Cooper Union fand heute Abend eine Gedächtniß Feier für die Opfer des Slocum-Unglücks statt. Der große Saal war bis zu den Thüren besetzt. Auf der Tribüne saß Dr. Haas, dessen Gemeinde durch das Unglück fast dernichtet wurde. Bürgermeister McClellan hielt eine Ansprache; G. v. Scal,Staatszeitung, folgte in Deutsch. Keine Kunde über Loomis. Washington, 29. Juni. Wie im Staatsdepartement heute verlautet, liegt über den Aufenthalt von Kent Loomis, der am 20. von dem Dampfer Kaiser Wilhelm II. verschwand, noch immer keine Nachricht vor. Am wahrscheinlichsten erscheint die Ansicht, daß Loomis durch Freunde in einem Sanitorium verborgen gehalten wird, bis er fich von den Folgen von Excessen erholt hat. Würdiger Vorgesetzter im Postamts. W a s h i n g t o n , 29. Juni. Das Postamts-Departement erließ heute eine Erklärung über die Resultate der Un tersuchung gegen W. B. Gaitree, der soeben als Divifions - Superintendent des Landbriefträger-Dienstes, Hauptquartier Cincinnati, zurückgetreten ist. Hiernach beschuldigten ihn Leute in seiner Vaterstadt Marietta, O., ihnen Geld, das er seit seinem Amtsantritte geborgt, nicht zurückgezahlt zu haben; ferner unmäßiger Gewohnheiten. Unter Anderem soll er auch von seinen Untergebenen Geld entliehen haben. ohne die Absicht der Wiedererstattung. Es wurde ihm dann gestattet, seinen Abschied einzureichen. Slocum-Untersuchung, New York, 29. Juni. Bis zum Nachmittag hatte sich außer Ch. E. Hill keiner der der Direktoren der Knickerbocker Dampfer-Gesellschaft, denen sämmtlich die Schuld an dem Slocum-Unglück beigelegt wird, dem Coroner gestellt. Ein Inspektor wurde zu ihrer Auffindung abgesandt. Im Bureau des Bürgermeisters erschienen heute 4 Chinesen und brachten eine Gabe von $657 für den SlocumFond. Das Geld wurde in Chinatown gesammelt. Feuerwehrleute überwältigt. N e w Y o r k, 29. Juni. In einem fünfstöckigen Hause an Broadway, mit verschiedenen großen Firmen und 125 Mädchen im Hause, brach heute ein Brand aus, bei dem indessen alle Angestellten entkamen. 4 Feuerwehrleute mußten vom Rauch überwältigt bewußtlos weggetragen werden. Nach späterer Nachricht wurden 43 Feuerwehrleute von Rauch und Gas überwältigt, von denen voraussichtlich 4 sterben werden. Der Brand war schwer zu bekämpfen und konnte erst nach 2 Stunden bewältigt werden. Der Rauch von dem brennenden Material war so dicht, daß die Feuerwehrleute eS nur wenige Minuten auszuhalten vermochten und viele stürzten zusammen, wo sie gerade standen. Späte Entdeckung. Chicago, 29. Juni.' Oberst Jacob H. Plain, Casfirer der DeutschAmerikan. National'Bank in Aurora, Jlls., befindet fich wegen Unterschlagung von $60,000 Bankgeldern in Haft. Die Veruntreuungen erstrecken sich über drei Jahre, während welcher Examinatoren verschiedentllch die Ver Hältnisse der Bank prüften und Alles m Ordnung berichteten. Schließlich wurde das Vergehen von Spectal-Bankexamlnatoren aufgedeckt. Der Gefangene wird nnter $10,000 Bürgschaft für die Bundes-Grandjury festgehalten. Plain selbst überwies sein Privat Guthaben den Vank-Direktoren nnd auch Angehörige deckten einen Theil der Fehlbeträge. Untersuchung derColo-rado-Wirren. Washington, 29. Juni. Das Arbeits-Bureau leitet eine Untersuchung der Arbeiter-Schwierigkeiten in Colo rado ein, auf Grund einer Bestim mung, welche den Arbeiter-Commissär verpflichtet, den Ursachen und Umstän den bei Streitigkeiten zwischen Arbeit gebern und Angestellten nachzuforschen. Die Untersuchung hat bereits begon nen und kann geraume Zeit in' An spruch nehmen. Das Bureau beabfichtigt, die Unruhen bis zum Anfang zu verfolgen und die Ursachen genzu festzustellen.

Äfteres Geheimniß.

. LetHe einer jungen erdrosselten Frau f im Flusse gesunden. St. Paul. Minn., 29. Juni. Im Mississippi Flusse wurde die Leiche einer elegant gekleideten Frau, die erdrosselt worden ist, gefunden. Um den Hals befand sich fest geschlungen ein seidenes Tuch. Die Ermordete ist die 18.jährige Ruth Tenchout, seit Samstag verschwunden. Schirm, Börse und Hut fand man an einem Fluß-Ufer. Das Mädchen war vor einiger Zeit in eine Tragödie verwickelt, die in einem Selbstmord endete. DerjüngsteCongreß- ' Abgeordnete. Norfolk, Nebr., 29. Juni. Winifred Hartley, eine Lehrerin und CongreßAbgeordneter B. L. French, Jdahos einziger Vertreter und der jüngste im Lande, wurden hier vermählt. OeffentlicheAuspeitschu n g. L e x i n g t o n, Ky.. 29. Juni. Im Einklang mit einer kürzlichen Entscheidung von Polizei-Richter Riley erhielt John West, ein 14-jähriger Ne-ger-Junge, 50 Peitschenhiebe auf dem Marktplatz. Er mußte den Rock ablegen und wurde in Gegenwart von über 1000 Bürgern mit einer Fahrpeitsche gezüchtigt. Die Anklage gegen ihn lautet auf Beschädigung von Pri-vat-Eigenthum. Es ist dies der zweite Junge, der öffentlich durchgepeitscht wurde. Base-Ball. Die gestrigen Spiele resultirten wie folgt: American Association. Indianapolis, 29. Juni. Indianapolis.. 5 0001110 3 Toledo.. 0 000000 0 0 0 Columbus, O., 29. Juni. Columbus ....2 0300001 6 Louisville ....300002000 5 Minneapolis, 29. Juni. Minneapolis ..12000000 3 Kansas City. ..000000010 1 St. Paul, 29. Juni. St. Paul. 200 1 2000 5 Milmaukee ....00000000 11 National-L i g a. New York, 29. Juni. NewYork 0 1110100 4 Boston ......00 1 00 0 00 01 Philadelphia, 29. Juni. Philadelphia ..0130200006 Brooklyn .... 0 3 3 0 0j0 0 0 2 8 St. Louis, 29. Juni. St. Louis ... .00000000 1 1 Chicago 10050001 18 Abgefahren: Liverpool: Baltic"gnach New York via Queenstown; Friesland" nach Philadelphia. New York: Oceanic" nach Liverpool. Queenstown: Carpatiha" nach New York. Neapel: Sicilian Prince" nach New York. Antwerpen: Columbian" nach Boston. Greisin als Mörderin. In Groß-Becskerek, Ungarn, hat letzthin die 89jährige Barbara Kaurich in Abwesenheit ihres Sohnes ihre Schwiegertochter, mit der sie lange in Feindschaft gelebt hatte, durch Axthiebe getödtet. Die junge Frau lag krank im Bette, als sich ihr die Alte mit dem Mordinstrument näherte und ihr den Kopf spaltete. Die Mörderin wurde verhaftet. Eigenartiger Gerichtsentscheid. Das Oberste Landesgericht in München hat in einem Spezialfalle ausgesprochen, daß eine Aerztin, welche die ärztliche Prüfung bestanden hat. Geburtshilfe nicht leisten darf, wenn sie nicht die Approbation als Hebamme habe, obwohl sie sich über höhere Kenntnisse ausgewiesen hat, a!ö Hebammen sie besitzen. ' Die Gewerbeordnung kenne nämlich nur Hebammen, keine Aerztinnen als Geburtshelferinnen. Die Aerztin ist also strafbar, der Arzt nicht. Lebendig verbrannt. Im Bonnei'schen Dampfsägewerk zu Hirschberg, Schlesien, wollten neulich der Kesselheizer Kuppe und der Brettschneider Woith einen Kessel reinigen und von innen austheeren, als plötzlich die Lampe umstürzte und Feuer entstand. Sie riefen um Hilfe. Der 18jahrige Arbeiter Beer stieg in den Kessel, um sie zu retten; es gelang ihm dies aber nicht, alle drei Derbrannten. Kuppe und Woith waren verhcirathet und Familienväter.

Drutnler russischer General. Helmtückischer ltedcrfall auf ine Arzt LttKhanvt.ttq desselben. Von der beispiellosen Brutalität eines russischen Generals gibt ein von der Medizinischen Gesellschaft in Aschabad, Russisch-Kaukasien. aufgenommenes Protokoll Kunde: An einem Abende gegen acht Uhr wurde telephonisch aus seinem Quartier der ältere Arzt der Transkaspischen Eisenbahn, Dr. Sabusow, zum angeblich schwer erkrankten Brigadekommandeur Generalmajor Kawalow gerufen. N Als der Arzt in der Wohnung des Generals erschien, fand er denselben mit einem dem Arzte unbekannten Civilisten am Tische sitzend und Wein trinkend. Der General begrüßte sich mit Dr. Sabusow, indem er ihm die Hand reichte, und antwortete ihm auf seine Frage, worin seine Krankheit bestehe, daß es noch , Zeit habe, davon zu sprechen, und bot ihm eine Cigarre und Wein an. General Kawalow stieß mit , ihm an und sagte: Ich trinke auf Ihr Wohl, aber bei uns ist es Sitte, das Glas völlig zu leeren." Der Doktor trank sein Glas Wein aus, kam aber nicht dazu, es auf den Tisch zu stellen, denn plötzlich wurde er rückwärts an den Händen erfaßt und zu Boden geschleudert, die Kleider wurden ihm abgerissen, und entsetzliche Schläge von Kosakenknuten fielen auf seinen entblößten Rücken. Es erwies sich, daß, während der Doktor sein Glas Wein trank, Kosaken unhörbar in's Zimmer getreten waren, die jetzt auf ihn losschlugen. Nach einiger Zeit befahl General Kawalow, den Doktor umzudrehen und ihn auf den Bauch zu schlagen. Irgend welcher Widerstand war ganz ausgeschlössen, da der Ueberfall völlig unerwartet rückwärts von acht Kosaken ausgeführt war. Dr. Sabusow bestätigte, daß bis zu diesem Gewaltakte zwischen ihm und dem General Kawalow keinerlei Unannehmlichkeiten vorgekommen, daß sie sogar wenig miteinander bekannt waren. Die Sache wurde dem Gerichte angezeigt.

Berlins Krcbs'yandel. Ver Krebsreichthum Brandenburgs und di Entwicklung des Handels. Es dürfte nicht allgemein bekannt sein, daß Berlin der Centralpunkt des gesammten europäischen Krebshandels ist. Diese Bevorzugung. Berlins stammt aus der Zeit, in der die Mark Brandenburg auf dem Gebiete der Krebsproduktion die großartigsten Ergebnisse aufzuweisen hatte. Damals hatten dabei , die Thiere trotz ihrer Schmackhaftigkeit so gut wie gar keinen Werth, aber schon kurze Zeit später klagt ein Chronist, daß man sechs Schock Krebse, die man sonst in Berlin für drei Pfennige bekam, nun mit vier GroslH?n bezahlen müßte. Noch um die Mitte des 19. Jahrhunderts boten die Gewässer der Mark Brandenburg einen derartigen Krebsreichthum, daß nicht nur Berlin und die Mark, sondern auch Dresden, Hannover, Leipzig und andere Großstädte allein durch die Ernte jener Gegend bequem versorgt werden konnten. Gleichwohl blieb der Berliner Krebshandel bis zum Jahre 1860 Äuf Norddeutschland beschränkt, bis ihn eine überraschende Entdeckung auf internationale Bahnen lenkte. Ein großes Fisch- und Krebsgeschäft in Köln hatte schon seit geraumer Zeit in Berlin bedeutende Krebseinläufe gemacht, die zu Nachforschungen über' die Verwendung dieser auffallend großen Bestellungen führten, und endlich kam man dahinter, daß der routinirte Kölner Geschäftsmann die in Berlin billig eingekauften Krebse für theures Geld nach Paris weiterverkaufte. Da fiel es den Berliner Krebshändlern wie Schuppen von den Augen. Was der Kölner kann, können die Berliner auch, meinten sie, und begannen nun ein großartiges Ezportgeschäft nach Frankreich, das bis zum heutigen Tage fortdauert. Der deutsche Krebs wird von allen Feinschmeckern am meisten geschätzt, und zwar gelten die märkischen Krebse als ganz besondere Leckerbissen. Am geschätztesten sind die Krebse der Spree und der Havel, die weit mehr gelten als die Oderkrebse, aber diese sind wieder besser als die märkischen Seekrebse. Merkwürdiger Weise sind die märkischen Krebse in den verschiedenen Gewässern verschieden gefärbt. So sind die Krebse der Spree und der Warthe braun, die der Havel und der Oder schwarz und die aus den Seen bläulich oder fahlgelb. Dieser Farbenunterschied hat aber auf Geschmack und Preis keinen Einfluß. Der falsche Herr Leutn ä n t. Als Leutnant Baron v. Boß" trat in Köln. München. Frankfurt, Braunschweig und Berlin ein junger' Mann sehr üppig auf, verschwand aber aus den Orten immer nach kurzer Zeit, nachdem er auf anderer Leute Kosten sein gelebt hatte. Schließlich entpuppte . sich der Herr Leutnant" als der Hausdiener und Kellner Eduard Boß von Aachen. Er wurde zunächst aus dem Grunde verhaftet, weil er im vorigen Jahre seinem Prinzipal, einem Gasthofbesitzer, bei dem er als Hausdiener thätig war. mit 400 Mark, die ihm zur Bezahlung von Rechnungen anvertraut waren, durchgegangen war. Wegen dieser Unterschlagung verurtheilte das Gericht den Votz zu zwei Monaten. Gefängn- g. Seine Leutnantsabenteuer wird er später zu büßen haben.

Aerzte.

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