Indiana Tribüne, Volume 27, Number 265, Indianapolis, Marion County, 29 June 1904 — Page 5

Jndina Tribüne, 29. Juni 90Ä.

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Ein ZugenÄtraAW.

: 's Novellstte von Jda Bock. "" Sie hitte sich lange gewehrt dagegen, es aufgeschoben immer und :mmer: nicht rühren an dem, was dergangen 'ist, nicht wühlen unter der Asche, nicht daran rühren! Und nun hat sie's doch gethan, mconsequent wie Frauen doch einmal sind und vielleicht, weil eine leise Stimme in ihr die Re? gung der Vernunft übertönte. Sie hatte Ordnung gemacht wie schon oft in dem alten Schreibtisch, der noch aus ihrer Mädchenzeit stammte; aber immer mied sie scheu ein Fach, in dem ihre Jugend, ihre Ideale begraben lagen, und sie durfte nicht zurückschauen, sie wollte nicht. Und jetzt jetzt hatte sie's doch gethan! Sie hatte den Kopf auf die alten Briefe gelegt, die Augen geschlossen, und ließ den ganzen Zau der auf sich wirken; es war ein eigenthümlicher Duft, der den Briefen ent strömte, ein starkes Parfüm mit Cigaretten gemischt, ein Duft, der untrennbar von seiner Person war, der , sie. umschmeichelt, nach dem sie sich gesehnt hatte, seit sie von ihm gegangen, gesehnt fast unbewußt ihr ganzes Le den hindurch. Die Gegenwart dersank, die Zeit alles, und sie war wieder jung, war wieder achtzehn Jahre; leise? Umschmeichelte , sie die laue Luft eines Maiabends, Vollmond war's, und wieder saß sie plaudernd eng an ihn geschmiegt im Garten und baute Luftschlösser. Damals hatte er sie lieb .gehabt, lieber als sie ihn, das wußte sie, die sich noch wehrte gegen die unheimliche Gewalt, die das Gefühl über sie gewinnen wollte. Sie war jung und lebenslustig, und die Sentimentaliiert, die so eine Liebe unbedingt im Gefolge hat, war ihr beinahe lästig, sie wollte, nicht! Wie oft, wie oft hatte in ihr lachendes Gesicht geschaut und traurig gemeint: Hast du mich denn lieb, Käthe, wirklich lieb? Du weißt es ja nicht, noch immer nicht, wie wahnsinnig lieb ich dich habe, du ahnst es ja gar nicht!" Und da fragte sie, in seine guten, ernsten Augen schauend, oft erstaunt: Warum. Leo. weiß ich's nicht? Ich habe dich lieb, und du mich, was ist daran ernst und tragisch zu nehmen? Daß die .Verhältnisse schlecht liegen, däß wir 'dielleicht erst in fünf oder ( sechs Jahren heirathen können, was liegt denn daran, wir sind doch jung!" 'Und tt hatte den frischen Mädchenmund geküßt, und seine Stimme zitterte. als er. mehr für sich, murmelte: Du Kind, ' du liebes, dummes Kind, du weißt wohl nicht, was das , heißt! Ich bin ein Mann, ich kann für mity emireyen. ta roetB, oay icy m Zehn Jahren so fühlen und empfinden werde,' wie heute aber du. das Kind 'mit dem unfertigen Empfinden! Siehst du. Käthe, du in Wien, ich in Berlin, angewiesen auf den schriftlichen Verkehr! Da? Leben selbst drängt sich zwi- ' fchen uns. Aber Kätherl" und er hatte sie leidenschaftlich an sich gepreßt das kannst du mir glauben, wenn das Leben dich mir nimmt, lieb haben werde ich nie ein anderes Weib als dich, ick' nie! Du wirst's nicht wissen, du wirst nicht mehr daran denken, aber für mich bist und bleibst du. was du mir heute bist, mein Lieb, mein Glück, mein Alles!" Wie weich und süß die Luft damals war, und wie selig sie, das junge Ding, das glaubte, was die geliebte Stimme - immer und immer wieder versicherte. Ein bitteres Lächeln irrte über das stille Gesicht der Frau. .Wie er sich ihr .:n's Herz gestohlen hatte, tiefer und ' tiefer, wie er sie, sich zu eigen gemacht, das sonst so energische, kühle, kluge Mädel, daß es nichts denken, nichts fühlen konnte als ihn, nur ihn! Ach die Zeit damals, ihre schone, sonm ' ge Jugend! Sie hatte verstehen gelernt, wie sehr er sie, liebte, verstehen und ihn so heiß und leidenschaftlich wiederuebcn auch das hatte sie ge lernt. Jahre waren vergangsn, ihr Gefühl war das gleiche geblieben, trotz der Trennung, und das feine? Muthloser war er geworden und weniger zuversichtlich, weil die materielle Lage sich nicht günstig gestalten wollte! Und dann, drei Jahre später, da war's nicht im Mai und nicht im Mondenschein; trübe Herbstnebel erzeugten das melancholische Dämmerlicht, das sich dem Äcensmen aus die Nerven legt, be sonders danu, wenn die trübe Dämmerung ihm wie eine Wiederspiegelunq ' seines eigenen Gemüthszustandes erscheint. Und wieder drang die sonore Mannerstimme schmeichelnd und neb kosend in die Ohren des Mädchens, das schweigend, regungslos in dem dämmerigen Zimmer saß: Käthe, Käthe, du weißt ja nicht, wie ueb ich dich habe, wie neb! Und plötzlich war er vor ihr auf die Knie gesunken, den Kopf in ihren Schooß vergrabend, erschütterte ihn ein krampfhaftes, thranenloses Schluchzen. ,Mie ein Verbrecher komme ich mir vor! In dein Leben habe ich mich gedrangt, an Mich gefesselt habe ich dich und warum? Ich werde es me sowei - bringen, daß du eine sorgenlose Existenz an memer Seite haben konntest nie! Und darum darfst du nicht an ' 'mich denken; stoß mich fort, gib mich auf, vergiß mich! Käthe, folg' mir du bist iunq, schön, du kannst dein Glück machen, gib mich auf,. mich mar tert der Gedanke, dich an mich gefesscl .u baden! im bade dick uev aenua

um mcy twt vazu zu. oringen, nncy aufzugeben, es ist zu deinem Glück!" Mein Glück!" Die weiche Mädchenstimme klang unsagbar bitter: Weißt du so wenig, was mein Glück ist?"

Und seinen Kops mu ibren Handen umschließend und ihr Gesicht auf seines drückend, sagte sie flüsternd, und' es klang zitternde Seeleangst aus den Worten: ' Mein Glück. Leo, bist du, nur du! Bu yast's mich gelehrt, dich zu ueoen, ich kann nur noch fühlen und denken in dir, durch dich! Stoß' mich nicht von dir, auch nicht zu meinem Glucke; es gibt kem Gluck für mich ohne dich! Erschüttert hatte er sie in seine Arme genommen und geküßt, geküßt sehnfi!Jfii rtffrr ' fiA. , S? Q tV-Vr üchtig öffneten sich die Lippen der Träumenden, so küssen konnte nur er, ach die Küsse! Und dann, dann war das Leben zwischen sie getreten; es hatte, als sie darüber sprachen, ganz anders geklungen, es 'tauchte immer und immer Briefen auf: willen!" wieder bitter in seinen Vergiß mich um deinetDie geschriebenen Worte waren wie Peitschenhiebe! Erst wehrte sie sich, sie wußte er liebte sie, er dachte nur an n iti 0,.,.Ci Vsl I ic, un ii-s utuiin, uu.i wie yviiji uui sie quälte ihn. all' das war Liebe. Aber dann stieg der Argwohn in ihr auf, rieengroß: Und wenn er doch nur sich befreien wollte?!", : - . Sie wehrte sich ? wie eine Rasende, und doch kam er . wieder, ihr Stolz bäumte sich auf: wie sie sie vertheidigte, ihre arme, gemarterte Liebe es hals nichts! der Argwöhn hatte sich eingenitet. Und einmal, als sem Brief wie-

der nichts enthielt als ein flehendes Käthe hatte sich auf das Sopha geDrängen, da, ohne zu denken, ohne zu setzt, und das Gesicht auf die Hände

überlebn, zerriß sie den Brief, und die Fetzen sandte sie als Antwort an Leo. Wie sie's hinterher bedauerte! Wie sie harrte und hoffte, daß doch wieder ein Brief käme, wie sie flehte! Es kam : nichts. Wie oft sie auch chrieb, sie schickte die Briefe me ab; da agen sie, und vor ihr all' die Zeugen des qualvollen Seelenkampfes! Es lonme za mchl in, er ymg 10 an hr, er konnte sie nicht aufgeben! Und er tonnte doch, ihr Warten blieb umsonst, es kam nichts mehr. Was sie gelitten, niemand wußte es. Sie war eine andere geworden. Nach emem Jahre hatte sie gehmathet, was hätte sie sonst thun sollen! Ihre Ehe war ein kühles, ruhiges Nebeneinanverleben, ihr Gefühlsleben war wie eingeschlafen, sie empfand nichts als eine grenzenlose Leere und Müdigkeit; weil sie auf der Welt war. lebte sie, vas charakterisirte ihr Empfinden. Sie ließ sich durch die gegebenen Verhältnisse bestimmen, lebte das Leben, das sie ihrer Stellung, ihren Pflichten nach leben mutzte, aber es war alles todt m ihr. Sie war . stumpf geworden, lebte einen Ä.ag wie oen anoeren. oyne zu wünschen, ohne zu hoffen. Ihr Mann war ihr gleichgültig, manchmal haßte sie ihn! Und manchmal, da stieg die Sehii sucht in ihr auf nach dem alten Leben, nach der Jugendliebe, und dann, strich ihre Hand leise und liebtosend über die Lade, in der die alten Briefe lagen, aber sie öffnete sie nie; das mußte todt sein. Zwei Jahre war sie verheirathet. da sah sie Leo wieder.. Kühl, gleich gültig, wie zwei Fremde sprachen sie miteinander, aber das Herz hatte, ihr rf , , r t t yw , geklopft w rasend, und. alles, was 7 , . . , s Y 11 ' .AUtnfam iviA 4itm UnfuM iVUl lll Ul ycjuttu, uu. guui I erwacht. Sie wußte, sie fühlte es, sie liebte ihn, trotzdem sie ihn zu derachten meinte, sie liebte' ihn, nur ihn! Er hatte sie mit seinen schönen, grauen Augen, in denen sie angstvoll, aber vergebens einen Strahl des alten Feuers suchte, angesehen und mit seiner ruhigen Stimme gesagt: Du bist eine wunderschöne Frau geworden, Käthe, aber du hast glücklose Augen!" Und der Stolz in ihr hatte ihr die Kraft gegeben, ebenso ruhig zu erwidern Da täuschen meine Augen ich bm glücklich. Dann um so besser, ich wünsche es dir." , : Das war alles gewesen. Nach drei Jahren starb ihr Mann; sie war noch iung, hübsch, be atz etwas Vermögen; daß sie wieder heirathete, galt als ausgemacht, eigentlich auch bei ihr selbst, was pllte sie denn allein: Die Hälfte des Trauerjahres war vor bei. da wurde Leo nach Wien versetzt; als Verwandter verkehrte er bei ihr. Sie wußte oft nicht, was sie von ihm halten sollte, er war so furchtbar ruhig und nüchtern geworden, em Gegner der Ehe. ein Frauenverachter; und voq liebte sie ihn! Liebte ihn. obwohl er der Mto vou damals nicht meyr war, obgleich sie absolut nicht mehr zu f& gen. wußte, ob er an das Vergangene auch nur dachte! - Aöer sie liebte ihn, weil sie zu den Frauen gehörte, die wirklich Liebe nur für einen einzigen Mann empfinden können. Sre war unglücklich und zerfallen mit sich selbst, sie wußte sich nicht recht zu thun, wußte mcht was anfangen. mgen. Was sollte ihr vas alles! Er liebte ja mcht mcmi Der beste Freunds ihres verstorbenen mes bewarb sich um ihre Hand; er i o . ri t Manne war ihr sympathisch, . und sie wußte, dß sie materiell ihr Glück machen würde! Wieder nur materiell! War sie denn verdammt, gehörte sie zu den Frauen, denen die Seligkeit befriedig ter Liebe ein verschlossenes Paradies

blieb? Und sie empfand folche Sehn

sucht - danach!' Und da, aus fo einer Stimmuna heraus,- hatte sie zum ersten Mal seit Jahren die Lade geöffnet, den alten Leo, ihren Xieo wollte pe finden. Damals hatte sie selbst ihr Schicksal geschaffen, sollte sie's wieder thun? Sollte sie Herrn Harden's Bewerbung ' annehmen, ohne letzten Versuch? - ?ta dürfte, konnte sie es denn. sie. das Weib! Und wenn er sie mit seinen rubiaen. kalten Auaen stauend anseben würde: was war ihm die Kinderliebe! Hatte sie das mcht ve merkt! Käthe hob den Kopf. nein, das konnte nicht lein, wie oft yatte er geschworen, sein Gefühl würde me nie me anders werden; wissen wuroe sie's ja nicht, aber eine Liebe, wie die seine, kann nicht sterben! Das gläuYl " - imvLJL , 4rs irn bige Mädchen von damals war sie mmmer, aber sie wsllte nicht zum zweiten Mal verzichten, den Versuch war ihr Lebensglück schon werth! . Und ihr Frauenstolz? Ach. leere Phrasen, glücklich wollte fie einmal sein! Guten Abend, Tante, ist Leo zu Hause?. . . Iawobl. Käthe, in seinem Zimmer, willst du was, soll ich ihn rufen?" Laß nur, ich gehe ftlbst zu ihm hm- ? . '.'rr.. .1 . . yt:: ein. ossNrie OK Alfuic jciuc immers. Leo. der lesend am Schreibtische saß, hob erstaunt den Kopf. " Käthe, du?" Gelt, da wunderst du dich, daß ich zu dir komme. Leo, aber bei Tante Emma war ich. und da du nun 'mal m Hause bist , Aber Kind, ich wundere mich gar nicht, nur willst du vielleicht etwas von mir? - stützend, sah sie ihn aufmerksam an. Er war doch eigentlich furchtbar alt geworden in den paar Jahren, das Weiche in seinem Gesicht, das sie fo sehr aettebt. war wie weggewischt ! und doch, sie hatte ihn unsagbar lieb! Na Käthe, was ist denn, warum betrachtest du mich so genau?" Sie war zusammengefahren, leise sagte sie: Du hast wohl gar keine Ahnung, Leo. was ick von dir wollen konnte? Eigentlich nein, wie soll ich auch!" Wie sollte er, n liebte sie ja nicht! Ihr Herz zog sich schmerzlich zusammen. - Leo, willst du m rathen "als guter Freund? Herr Harden bewirbt sich um Mich, soll ich ihn heirathen? Ihre Auaen bohrten sich angstvoll in fein Gesicht, nicht das leiseste Zucken wäre ihr entgangen aber es blieb ganz ruhig, das fo heiß geliebte Gesicht. Harden, Käthe? Er ist ein lieber, sympathischer Mensch , und in glanzender Stellung, da kann ich dir nur Gluck wünschen zu deiner Wahl." blonde Kovf des Weibes war f gesenkt, ein Zucken ging durch das arme, gemarterte Herz, und dänn war eZ ganz ruhig. Sie stand auf und sah dem Manne lange, lange in d Au gen, ihre Seele lag m dem Blick, me Seele, die sein eigen gewesen,, durch all' d Jahre. Ein weicher Ausdruck trat in sein Gesicht. Käthe, sagte er leise, und wie traumverloren schloß sie die Augen; das war endlich der Klang aus, alter 1 IVlf 4 V V PV VVVVV ' I V V V aVVW ft o;nw Mw,n ,, Zeit, wo s beide, jung waren, jung, 1 lvM. VIV MM.v. I ar ' 1 Er zog sie an sich, nicht leidenschaft lich, aber zärtlich. Fast wie mitleidig strich seine Hand über das stille Ge sicht, das so hingebungsvoll an seiner Brust ruhte. Es lag ein unsagbar friedlicher Zug auf dem ernsten Gesicht, den einen Gedanken wiederfpie gelnd, der sie so ganz erfüllte: Jetzt sterben können, jetzt hinüber gehen mit dem Traum von xliebt und Seligkeit Eine Weile hielt er sie so ganz still. dann ermannte er sich, es mußte ja in, sprechen mußte er. Käthe," sagte er nochmals, und da schlug sie die Äugen voll zu ihm auf, blieb aber wie sie war, in seinen Ar men.. Glaub's mir, Käthe, auch ich habe dich unsinnig lieb gehabt damals. Aber ihr Frauen seid anders veranlagt, ihr konnt unerschütterlich festhalten, was eure Seele erfüllte. Ich bin ein anderer Mensch geworden, ein Mensch ohne Jdea, nüchtern, kalt, ein Egoist. Man soll nie Vergangenes zum Leben erwecken wollen; denn die Erinnerung verklart, verschont, verhüllt alle Fehler und Schwächen und zaubert uns cin Idealbild vor die Seele, nach dem wir uns schmerzlich ' fehnen. Dann lommt die furchtbare Ernüchterung, kommst du nachJahren in eineGegend. z der du olücklick war, nack der du dich gesehnt, wie nach einem verlorenen ! Paradies, und du wirst dich bei jedem Tritt enttauscht fragen: Ja, wo isi das, wonach ich mich sehnte?" Die Gegenwart ist eben anders, ganz anders als. die Erinnerung! Ich denke an unsere X5ve, Kind, w an einen ! schönen Traum! Was an Poesie, an Ukt; is. an Sentimentalität m mir ist. viel ift'5 m nickt. baS ick. in -i- - j dieses Erinnern gelegt, und in meiner Nückternbeit befriedigt mick dock das Bewußtsein: auch in mein Leben derirrte sich einmal ein Stückchen Poesie. Ich möchte kein Erwachen, das will, ich mir erhalten, das ist mein Wunsch. Der Leo von einstmals ist.Zodt, Käthe, der Leo, den du liebst lebt mch'

mc?r, aber er hat diese traurige Liebe in deinem Herzen erweckt, er hat dein Leben zerstört, und weil der Leo von heute dich lieb hat als guter ehrlicher Freund, so " einen Moment

ang stockte er. dann, seine Lippen leicht auf ihre Stirn drückend, sagte er leise: will ich versuchen, die GeWchte wie- ! der gut zu machen." ! Aus dem Gesichte des jungen Weibes war, jeder Blutstropfen gewichen, ihr! Herz schlug in dumpfen, rasenden Schlagen an seinen Arm die furchtbare Seelenqual spiegelte sich in den großen Augen, die sich in sein Gesicht bohrten. Leise, fast tonlos antwortete sie: Ich habe um, dich gedient, auf dich gewartet bald so lange, wie Jakob um Rahel; du warst mein Lebensinhalt, mein Empfinden, mein Denken, mein Fühlen warst du! Ich nebte dich iminer, leidenschaftlich, und dabei mit der ganzen Tiefe meines Empfindens, und dies Empfinden verlangt sein Recht, das sagt mir: Thu's, nimm ihn beim Wort! Bist du erst sein Weib. erringst du dir durch deine heiße Liebe die seine. Das andere Ich in mir aber chuttelt den Kops und sagt: Nem, die Liebe, die du forderst, mutz da sein; wie em Naturgesetz muß sie beherrschen. unstlich erweckt wird die mcht, nie! Und die Stimme hat recht, Leo." Mit einer müden Bewegung machte ie sich los, seinen Kopf zwischen ihre Hände nehmend, preßte sie heiß und eidenschaftlich ihre Lippen auf. die seinen, einmal und noch einmal. Leb, wohl du, leb' wohl, Jugend, Hoffnung, Glück." Langsam ging sie, ruckwartsschreiend. zur Thüre, die Augen, die voll Thränen waren, auf den Mann gehefet, der mit tiefgesenktem Kopf datand; lautlos fiel die Thüre hinter ihr zu, einen Moment noch stand sie lauchend zitternd! Er rief sie mcht zurück vorbei. . . Den Kopf auf die alten Briefe geegt, fast regungslos saß das junge Weib, die Äugen geschlossen, Lindenduft umwehte sie, und sie war wieder jung und glücklich, und er liebte sie! Aufschreckend besann sie sich, und mit einem harten, finsteren Ausdruck nahm sie das Päckchen Briefe. Winter war's vorbei, ausgeträumt der Frühlingstraum vorbei die Jugend, die Hoffnung auf Glück. Die Flamme im Ofen zuckte hoch auf, starr sah sie. wie das versank, was ihres Lebens Inhalt gewesen ein Häuflein Asche, das blieb ihr. Und aufschluchzend schlug sie die Hände vor's Gesicht! Ausgeträumt! Eine der erbberechtigten Schwestern der verstorbenen Kömgin Draga von Serbien, Frau Christme Petrowitsch, die zur Zeit in München lebt, hat ihren Belgrader Anwalt beschuldigt, sich den X!owenantheil der etwa 300,000 Dinar betragenoen iörvlchast Magas in reaziswidriger Weise angeeignet zu haben. Sie will nur 27.000 Dmar im ganzen erhalten haben. Zunächst habe sich der Anwalt von den Erben LV.000 Dinar anweisen lassen, indem er behauptet, daß man sich die Gunst der . 1 1 ? 1 r -vi. compeienien arioren mn cyivercn Opfern erkaufen müsse, zumal sich alles gegen die Erben der unglücklichen Königin verschworen habe. Spater habe der Anwalt den Schweflern em Formular vorgelegt, in dem sie uver die Auszahlung der Erbschaft quittirten; als sie ihre Unterschriften darunter gesetzt hatten, erhielten sie wie eingangs erwähnt nur 27,000 Dinar. Von den Damen zur Rede gestellt, erklärte der Anwalt, er habe sei nen Kopf aufs Spiel setzen müssen. um ihnen die Erbschaft zu retten, er müsse also auch eine entsprechende Ute muneration erhalten. So weit die Angaben der Frau Petrowitsch ob und inwieweit sie den Tatsachen ent sprechen, darüber dürften die Belgrader Gerichte befinden. A u f d e m B 0 u I e v a r d Bessires zu Paris kam es unlängst zu einer blutigen Scene, wie sie sich wohl nur auf dem Boden der französischen Sauvtuadt abspielen kann. Earmen Ciderio. genannt die schöne Andalu sierin. eine Lebedame großen Stils, konnte nicht weniger als drei begeisterte und ihr vollkommen ergebene Verebrer ibr eiaen nennen. Der eine stammte aus dem schönen Spanien, wie CM men Ciderio. der' zweite war ein Sobn des sonnigen Italiens und der dritte war ein simpler Franzose. Auf die Dauer erschien jedoch der heitzblütiaen Spanierin diese stete Gefolgschaft der drei Ritter unbequem und lastig. Um schnell und radikal ein v?nde zu machen, berief sie die Cavalire des Nachts um 12 Uhr nach dem Boulevard BesWres und erklärte ihnen. daß Le nur dem Sieger angehören werde. Sofort gingen die Verehrer mit den Messern aufeinander los, und ruhigen Auges und kaltm Blutes schaute die Senoora dem Kampfe zu. Es währte nicht lange, da stürzte der Spanier, schwer am Arm verwundet. zu Boden. Bald folgte ihm oer Franzose, dem das Messer des Gegners das Gesicht vom Auge bis zum Kinn aufgerissen hatte. Nur der Jtaliener blieb unverletzt. Bevor der &itger aber der Liebe süßen Lohn in Empfang nehmen konnte, erschien die Po lizei auf der Wahlstätte und verhaf tete ihn und die schöne Andalusierin, während man für die Unterbringung der Verwundeten in einem KrankenHaufe Sorge trug.

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