Indiana Tribüne, Volume 27, Number 259, Indianapolis, Marion County, 22 June 1904 — Page 5

Jndina Tribune, 22. Juni 1904.

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Der nervöse Redakteur. Eine tragische Humoreske von Julius Knop. , Zehn Uhr Morgens.; Albert Scherbel, fünfundvierzig Jahre alt, evangelisch, nicht Soldat, Junggeselle und Redakteur der Tagespost", trat in das sehr einfach ausgestattete Redaktionszimmer, setzt sich ans Pult, schiebt den Pack eingegangener, dickleibiger Briefe mit Manuskripten verächtlich bei Seite und schreit wüthend: Sturmvogel!" Wie die Kugel aus der Kanone, so fliegt Sturmvogel aus dem Nebengemach. Auch Sturmvogel ist nicht mehr jung; kahle Platte, grauer Schnurrbart und verwitterte Züge lassen auf eine langjährige Existenz als Mensch schließen. Redaktionsdiener ist er erst seit fünf Jahren. Aber diese kurze Spanne Zeit hatte genügt, um ihn zu einem unersetzlichen Juwel für Verlag und Redaktion zu machen. Daß trotzdem dieser Edelstein oft geschliffen wurde, wie der rauhe Kriegsausdruck lautet je nun, Sturmvogel war eben noch ein Demant, dem man den nöthigen Schliff zum Brillanten geben mußte. Also der Diamant Sturmvogel schoß ins Zimmer. Stirnrunzelnd durchbohrte ihn Doktor Scherbel mit seinen wüthenden Blicken und mit eiuer Stimme, in deren Timbre Gereiztheit Nervosität, Menschenverachtung lagen, legte der Redakteur los: Mensch Sturmvogel. Idiot!" Der Idiot zog ein klägliches Gesicht. Unglückswurm, wie oft schon habe ich Jhneu aesaat. dan der Vavierkorb rechts

und der Kleistertopf links stehen sollen. Aber nein, Sie müssen natürlich alles , verkehrt stellen. Nur," seine Stimme nahm einen elegischen Klang an um mich mit möglichster Schnelligkeit unter die Erde zu. bringen. Ich bitte mir aber einen schönen Kranz aus, mindestens zu fünf Mark einen. Und hier die Scheere Mensch, die Scheere hat immer vor mir in der Mitte des Pultes zu liegen, daß ich sie sofort zur Hand habe. Denn . die Scheere ist die Hauptsache." -, Sturmvogel grinste beifällig. Natürlichermaßen, Herr Scherbel, denn die Scheere ist sozusagen die Feder des ' Redakteurs." Dieser weife Ausspruch wirkte besänftigend auf des Redakteurs Nerven. Er lachte. Aber nur ein Momentchen, dann feufzte er. " Sein Blick fiel auf die eingelaufenen Manuskripte. Wie- . f e ir. -c:r v . rr-i er yllusenlveii iinenuungen,piuiiu Vogel." Sechzehn Stück, Herr Scherbel." Um Gotteswillen!" Der Unglück selige Redakteur griff sich an den Kopf. Ein Schauder packte ihn, er stärkte sich durch ein Glas Wasser und warf einen scheuen Blick auf die Manuskripte. , Sechzehn Stück!" wiederholte er. Und so ausgewachsene! Mindestens sechshundertDruckzeuen pro Manuskript. Hier, lieber Sturmvogel, sind sechzehn von unseren berühmten Formularen. Schicken Sie alles wie Der zurück. -Ungelesen, Herr Scherbel?" Halten Sie mich für einen Arbeitsfanatiker, Sturmvogel? Das Faktotum nahm die gedruckten Ablehnungsformulare und las: Wir bedauern, von Ihrer freundlichen Einlenoung lernen seoraucy mamen zu können und Ihnen den gütigst übersandten Beitrag mit dem besten Dank zurückstellen zu müssen. Wir bitten. . h:erm keme abfällige Krüik JhrerEin sendung zu sehen, denn wir kommen sehr oft in die Lage, auf vorzügliche Arbeiten verzichten zu müssen, sei es. weil das Thema bereits von anderer Seite behandelt wurde, sei es aus BefrhrnnlKoil " llUlUUllkll. Sturmvogel hielt einen Augenblick inne und sah den Redakteur an, der den Blick falsch auffaßte und barsch zeterte: GlotzenSie mich mcht so dam lich an!" Sei es aus Beschränktheit an Raum," fuhr Sturmvogel ruhia fort und packte die ..freundlicken Einsendüngen mltleidig wieder ein. Herr Scherbel," meinte Swrmvogel, als er mit der schweren Arbeit fertig war, unsere Formulare sind alle. Wollen wir wieder tausend Stück drucken lassen?" Der Redakteur sah ihn strafend an und polterte: Was, tausend?. Zweitausend dreitausend viertausend!" Er schmetterte die Zahl heraus, wie ein Operntenor das hohe C. Sturmvogel machte eine beschwichtiende Handocwegung. Bitte, mcht so laut, Herr Scherbel. Wenn das unser Verleger, Herr Sandhoff Hort! Er kann keinen Lärm vertragen." ; : So soll er sich ein AntiPhon ins VVV iivfii-ii, iuiviiv ".av iiu vui itui CVtv s n V- o r " V-rT h a f o rnr SU slStflrti Doch , der wackere Sturmvogel ging auf den Witz nicht ein. Nehmen Sie sich vor diesem- Manne - in acht, Herr Scherbel. Eins, zwei, drei macht er Krach, und dann müssen. Sie entweder gehen oder sein Fräulein Tochter heirathen.". Die alte Spinatwachte!!" höhnte der Reoalttur. ' Bedeutsam legte der würdige Sturmvogel seinen Zeigefinger vor den Mund. Herr Scherbel, Sie geruhen von dem Fraulem Tochter -unseres Herrn Verlegers zu sprechen, Sie sind erst kurze Zeit hier, darum lassen Sie " sich's gesagt sein. Herr Sandhoff en aaairt nur unverheirathete Redakteure, eben von wegen etwaigem Schwieg-

ohn. Manch' einem wollt' er sie schon 1

andrehen, doch alle waren sie zu gerisen. um anzubeißen: sie räumten ueber das Feld. Sie aber, Herr Scherbel, rnd zu gutmüthig, trotzdem Sie rmmer o brummig thun, und ich furchte, Sie allen draus rein. Doch ich warne Sre, Herr Scherbel. denn die mit ihrer vermanschten Figur ist 'n Patentekel, geperrt gedruckt. Der Redakteur schnitt den endlosen Redefaden des Alten ab. Er gab ihm ein Manuskript, das sofort in die Druckere: befordert werden sollte. Sturmvogel las die Aufschrift: Gegen die Trunksucht. Er sah fernen Vorgesetzen starr an. Auch t, Herr Scher bel, gegen das Bischen Trinken?" Natürlich, Sturmvogel. Der Aloholismus degenerirt die Menschheit, chwächtden Körper des Individuums, etzt seine Widerstandsfähigkeit herab und führt zu seinem körperlichen und geistigen Ruin. Darum fort mit dem Alkohol! Uebrigens können Sie mir einen halben Liter Pschorr holen." Sturmvogel ging mit dem Manu kript, kam aber sofort wieder, um den Schauspieler Vrühlemann nzumel den, der den Redakteur gerne sprechen wollte. Brühlemann, ein geschätzter Charakterspieler am Stadttheater, trat ein. Eine mittelgroße, dürre Figur, mit einem Vogelgesicht und einemPickel auf der Nase und Pockennarben im Gesicht. Mit sonorer Stimme be grüßte er den Redakteur: Wie geht's, lieber Doktor?" Wie von der Tarantel gestochen. sprang Scherbel auf. ' ,Jch bm kern Doktor! schrie er den Unglücklichen an. .Ich weiß, Herr Doktor, war mt prompte Antwort. Scherbel's Gesicht röthete sich vor Zorn, wie.blauesLackmuspapier, wenn man's in Schwefelsaure steckt. Cor rekt und pedantisch wie er war, machte ihm die ihm Nicht zukommende Dok tortitulatur Pein. Er zwang sich gewaltsam zur Ruhe. .Herr Brühlemann. ein für alle Male, ich kann , das alberne Doktoren von Euch Schauspielern nicht vertragen. Merken Sie sich'Z und sagen Sie's Ihren Collegen. Ich habe das Schneidemllhler Gymnasium bis , zur Prima besucht, kam in's Geschäft, und da ich zum Kaufmann lsolut nicht taugte " Wurden Sie Journalist, platzte Brühlemann überzeugungstreu heraus. Scherbel sah ihn mißtrauisch an. beruhigte sich aber, ba der Mime ein blödsinnig harmloses Gesicht machte. Die Pause benutzte Brühlemann, um sem Anliegen vorzutragen. Herr Doktor .... Scherbel, verbesserte er .sich schnell, mein .Direktor hat mir in dem neuen Drama, das in einer Woche herauskommt, eine Rolle zuertheilt, die mir absolut nicht liegt; aber auch absolut Nicht. Mein ueber College Scheier, der imfame Intrigant, die Canaille, hat mir meine eigentliche Rolle weggeschnappt. Darauf wollte ich mir erlauben, hinzuweisen. , Und wenn Sie so gütig wären, das in Jhrer Kritik zu berücksichtigen, so würde ich Ihnen unendlich dankbar sein. Und noch eines, Herr Scherbel: würden Sie die Freundlichkeit haben, diese kleine Notiz in die Spalten Ihres geschätzten Weltblattes aufzunehmen?" : Er entnahm seiner Brieftasche ! ein Blatt Papier, und Scherbel las: Das beliebte Mitglied des Stadttheaters, Herr Anton Brühlemann, feiert am 10. Januar fein fünfundzwanzigiähriges Bühnenjubiläum. - Die zahlreichen Freunde und Bewunderer des hervorragenden Künstlers werden sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, dem gefeierten Schauspieler ihre Huldigungen darzubringen, trotzdem Anton Bruhlemann beabsichtigt, diesen für die deutfche Bühne hochbedeutsamen Tag still im Kreise seiner Familie zu verbringen." Scherbel legte das Skriptum auf das Pult. Gut, ich werde davon Notiz nehmen. Er machte eine verabschiedende Handbewegunq und das glattrasirte Menschenkind mit dem Nasenpickel em pfähl sich dankend. Der Schriftleiter der Tagespost vertiefte sich in die Moraenzeituna der Hauptstadt und ' war eben im Begriff, durch einige Scherenschnitte in seine redaktionelle Thatig keit einzutreten, als es klopfte. Resig nirt legte er die Scheere bei Seite, das heißt, vor sich in die Mitte des Pultes, und fah den ungestüm, mit jugendlicher Hast Eintretenden erwartungsvoll an. Es war -Brühlemann's engerer College, Scheier. die Kanaille. Der Künstler lüftete mit elegantem. Schwung den Cylinder. Servus. Herr Doktor!" , In Scherbel riß etwas; sein Blut kochte, wie die Lava sämmtlicher Vul kane der Welt. Doch er bezwäng sich. denn Siegfried Scheier ging bei seinem Verleger ein und aus und war der er klärte Liebling der Frau Sandhoff. Mi! der Frau seines Verlegers aber soll es kein Redakteur verderben, das ist allererstes Journallstengebot. Darum sagteer mit arglistiger Freundlichkeit: Herr Scheier, ich bin kein Doktor." Sehr wohl, Herr Doktor," bestä ngte Siegfried Scheier. Herrn Scherbel flimmerte es vor den Augen, er sah Blut, rothes Blut. Mensch, wenn Sie noch einmal ! Da dachte er an seine schöne Stellung, er biß die Zahne zusammen, daß fit

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König Peter I. von Serbien. Nachdem ein Jahr verstrichen ist seitdem er nach der Ermordung des Königs-

Paares auf den Thron erhoben wurde und er noch nicht daran glauben mußte, wird er die Krone erhalten. Er ist kaum 5 Fuß 2 Zoll hoch und wiegt 100 Pfund.

schmerzten, denn sie waren kariös, und sagte sanftmuthig: Hat Ihnen denn nicht Ihr College, Herr Brühle mann ? -' Gewiß hat er," fiel ihm Scheier ins Wort. Allerdings, ich traf ihn unten, und da hat er mir' ausdrücklich erzählt, Sie sähen es gern, wenn man Sie Herr Doktor titulirt." Ungeheuer!" fluchte der Redakteur. Ein Fatzke. ist er," accompagnirte Scheier. ein Idiot, ein Schmierencomodiant. Das schrille Klingeln des Telephons uniervracy die zärtlichen Crgue.. Scherbel entschuldigte sich und nahm den Hörer ans Ohr. Hier Redaktion der Tagespost . Wer dort? Ernst Schultze ist dort? Ob ich für Fruhlmgsgedlchte Verwen-. dung habe? Jetzt im Januar? Ja. ich bin selbst am Telephon!. Ich bin kein Doktor! Einfach Herr Scherbel! Hören Sie, SchockschwerenothdonnerWetter, also, was wollen Sie noch? Zum Teufel mit Ihrem Doktor! Auch mit Romanen bin ich versorgt em Jahr zwei Jahre, sechs Jahre. Hören Sie,, ich verbitte mir den Doktor! Schluß!" Erschöpft vor Aufregung, Wuth, Nervosität hängte er den Hörer wieder an den Haken und wandte sich dem Besucher zu. - Also, womit kann .ich dienen? . Seine Stimme knarrte,, wie eine unge ölte, ausgetrocknete Thüre, die Selbstoeherrschung hatte ihn verlassen. Der Mime betrachtete seine wohlgepflegten Fingernägel. Sehen Sie, ueber Doktor " Weiter kam er nicht. Wie ein gereiztes Tigerthier sprang der Redakteur auf ihn los. Mensch, sind Sie denn so schwer von Begriffen! Nur ein Schwachkopf " , Beleidigt erhob sich Scheier. Unter U n z

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Frau: Sag', Schatz, ist das nicht, wieder ein kostbares Kostüm, das ich da habe? Mann: Ja doch, ja! Frau: Ja", sagst' Du, ja-, und hast es noch gar nicht gesehen! Mann: Ich seh' schon Alles hier an der Schneiderrechnung!

Ein gefährlicher Mensch. Gattin eines modernen Romanschriftstellers: Mein Mann ist heute , so schlecht gelaunt, na, da wird er unter seinen Romanhelden wieder ein schönes Blutbad anrichten.

diesen Umständen bleibt mir-nichts anderes übrig, Herr Doktor " Raus!" brüllte Scherbel und wies nach der Thür. Tief gekränkt, ohne Abschiedsgruß, ging Siegfried Scheier von bannen. An der Thür aber drehte er sich nochmal um. sein verletzter Künstlerstolz ließ es nicht zu, daß er dieses ungastliche Redaktionslokal verließ, ohne nicht eine kleine Rache genommen zu haben. In tadelloser Pose, stolz wie Othello vor dem Dogen von Venedig im ersten Akt des gleichnamigenShakespear'fchen Trauerspiels, aber, immerhin die Thür vorsichtig in der Hand haltend, sprach er pathetisch: Mein Herr, wenn man einen Künstler von

Weltruf, dessen Name berühmt ist in allen deutschen Gauen, wenn man den ;rsten Charakterdarsteller unseres Stadttheaters in'dieser schnöden MaNier behandelt ". er holte zu einer wuchtigen Phrase aus dann, Herr Doktor " Weiter kam er nicht. Wie ein Stier auf den bekannten rothen Lappen so stürzte Scherbel auf den Redseligen los und brüllte, mit der ganzen Starke seiner knatternden Stimme, noch einmal das schone Wort: Raus!" Das ganze Gebäude widerhallte von .diesem Schrei des gemarterten Redakteurs und Siegfried Scheier, muthig. wie er nicht war. wollte gerade einen schleunigen Ruckzug antreten, als, herbeigelockt durch den Lärm, der Verleger, Herr Sandhoff, antanzte. Nun hielt Siegfried Scheier die Minute der Vergeltung für gekommen. Herr Sandhoff." apostrophirte er den wohlbeleibten Verleger. Ihr Re dakteur hat mich in einer Weise behan delt ich, ich bin außer mir ich werde auf Ihrer Soiree heute Abend nicht vortragen. a l a n t. . W e i b l i ckz. Du hast es also Deiner Freundin Marie erzählt, daß wir uns verlobt haben, mem Herz k! .Allerdinas, lieber ans tcv be fand mich nämlich in dem Glauben, wir hätten uns heunuch verlost. i

Was wird meine Frau sagen?"

jammerte der Verleger. Die gnädige Frau thut mir ja sehr leid, aber durch diese Scene mit Jhrem Redakteur ist mein ' gesammtes Nervensystem im höchsten Grade erschüttert worden." ', Noch einen verächtlichen Blick aus Scherbel und ohneAbschied verschwand der Mann mit dem erschütterten Nervensystem. Wüthend trippelte der Verleger auf seinen kurzen Bcinchen hin und her und machte endlich vor seinem Redakteur Halt, der vor Aufregung am ganzen Leibe zitterte. Der Aermste konnte nicht suhlen, nicht denken, nicht handeln, er hörte immer nur das eine infame, abscheuliche, widerwärtige Wort, das er haßte, wie der Cowboy den Pferdedieb, das Wort Doktor". Da klang die. fette Stimme des Verlegers an sein Ohr. Herr Scherbel. was haben Sie mit Herrn Scheier vorgehabt?" Der Hottentotte hat Mich fortwayrend mit Doktor angeredet," sprudelte e hervor. Das war Wasser auf die Mühle des eitlen Verlegers. Herr Scherbel. ich wünsche, daß meine Redakteure mit Doktor titulirt werden, ich werd's von heute an. auch thun. Das klmgt und gibt unserer Zeitung ein gewisses Relief." Zerschmettert sank Scherbel auf den Sessel. Das hatte gerade noch gefehlt. Das durfte er unter keinen Umstanden zulassen, wenn er nicht total verrückt werden sollte. Herr Sandhoff, bat er kläglich, bitte, thun Sie's nicht. Ich bin nun einmal kein Doktor, mein ganzes Ich, mem Selbstbewußtsein empört sich dagegen, über , mich eine Titulatur crgehen zu lassen, die mir mcht zukommt. und scklienlicb ist Doktor ein Titel, der vurcy oen 7ayrounoertemngenMvraucy schon stark abgenutzt und entwerthet ist." Was schadet's Ihnen, Herr Scher !el!" warf der Verleger ein. Sie soll ten sich freuen, daß die Leute Sie honoriren und nicht solche Sperenzien machen. Ich würde glücklich sein, wenn man Doktor zu mit sagte. Mit todeswunden Blicken schaute der Redakteur seinen Verleger an. Herr Sandhoff, was verstehen Sie von meinen Bedenken! Als Verleger verstehe ich alles." Kaum, daß dieses große Wort dem Gehege seiner Zahne entschlüpft war. merkte Sandhoff, daß er sich damit eine arge Blöße gegeben hatte, denn sein Redakteur lächelte sarkastisch. Das ärgerte ihn. Wenn einer sar,Zastisch lächelte, so wollte er derienige . sein. welcher. Darum setzte er eine geschäftsmäßige Miene auf und sagte kurz und brüsk: Herr Scherbel, Sie nehmen zu viel Manuskripte an, das belastet den Etat zu stark. ' Aber ich nehme doch meist nur von den billigen Feuilleton - Correspon denzen," warf der Redakteur ein. Gleichviel! Sie bringen mich noch an den Bettelstab. Es muß eben mehr im Hause gearbeitet werden. Die allgemeine Geschäftslage ist ungünstig. Merken Sie sich's: ist die Zeit schlecht. so geht die Zeitung schlecht. . . Sandhoff hielt erschöpft inne, ver pustete sich einen Augenblick, um dann von Neuem loszulegen; und nun entfpann sich zwischen den beiden Männern ein Disput, der sich dramatisch zufpitzte. Sänftiglich, mit erheucheltem Wohlwollen, nahm Sandhoff seinen Redakteur beim Arm, führte ihn ans Pult und wies auf einige Souper - Einladüngen, welche der Redakteur stets con sequent ablehnte. Mein lieber Scherbel," . flötete er, ich möchte Sie fer.ner bitten, refpektive es Ihnen dringend an's Herz legen, daß Sie sich Nicht von jedem ge sellschaftlichen Verkehr zurückziehen. Das geht einfach nicht m Ihrer Posi 'tion. Ein Redakteur muß repräsenti ren, womöglich ein Haus machen. Ich sehe es gern, wenn meine Redakteure ein Haus machen. Scherbel war sprachlos. Worauf wollte der Alte eigentlich hinaus? Schleierhast, die ganze Chose. Sie vergessen, Hcrr Sandhoff, ich bin nicht verheirathet." warf er endlich ein. Das ist ein Uebelstand, dem Sie je den Augenblick abhelfen können." Nun ging Scherbel ein Licht auf; er merkte etwas. Aber dem Alten wollte er das eintränken. Herr Sandhoff, ich habe einen fei erlichen Schwur gethan, nie zu heiratben." Der Verleger schüttelte den kahlcn Schädel. , ' Das war sehr leichtsinnig von Jh nen. Thut übrigens nichts, der Schwur sollte Sie nicht hindern. schlimmsten Falles können Sie Ihr Gewissen beruhigen: fahrlässigerMeineid. Also, Sie werden heirathen, lieber Scherbel, sonst gehen Sie mir noch zu Grunde an Ihrer Nervosität. Der Redakteur schlug eine gellende Lache an. Ich nervös? Ich bin doch nicht nervös, Herr Sandhoff! Aber sehr nervös sind Sie, lieber Freund. Der liebe Freund knurrte wüthend. Ich nervös? Das kann kein Mensch behaupten." ' . Ich behaupte es. Bin ich etwa kein

Mensch?" Herr Sandhoff war sehr beleidigt, doch der ergrimmte Schriftleiter der Tagespost" fragte den Teufel darnach. Darum polterte er wei ter:

Ich bin der ruhigste Mensch von der Welt, wenn man mich nicht reizt." Sie fühlen sich leider immer gereizt." war die prompte Antwort. Sie sind nervös und ein großer Pedant. Auch in Ihrer Schreibweise sind Sie pedantisch. Ich pedantisch? Ich pedantisch?". Scherbel war total fassungslos. Die Pedanterie sollten Sie sich abgewöhnen. Theuerster, das Publikum will heutzutage keine pedantischen Leitartikel. Flott müssen Sie sein, leichtmüssen Sie sein, genial müssen Sie sein." Für dreihundertundfünfzig Mark monatlich," brummte das Unglückswurm von Redakteur. Sein Verleger zog die Brauen hoch. steckte die rechte Hand in die Hosentasche, was er immer zu thun pflegte. wenn es sich um Geldfragen handelte und sprach mit wuchtiger Großmuth:' Ich gebe Ihnen vom 1. April an dreihundertfünfundsiebzig Mark. Aber seien Sie dafür genial!" In diesem Augenblick trat Sturmvogel in's Zimmer, den Krug Pschorrbräu in der Hand balanzirend. Sandhofs sah dn Redakteur fragend an. Jawohl, für mich, HerrSandhoff," höhnte dieser, ich bemühe mich, genial zu jueiutu. C V rt M Das war dem Verleger zu viel. Spott seitens seines Untergebenen, ofsenkundige Respektlosigkeit konnte er nicht vertragen. Er richtete sich so hoch auf, wie es feine kleine, plumpe Figur gestattete und sagte in einem Tone, der zurechtweisend, warnend, beleidigt klang: Herr Doktor!" Da platzte die Bombe. Sturmvogel drückte sich schleunigst und Scherbel raste: Zum Teufel mit dem verdammten Doktor !" Das war das Ende. Sandhoff ballte die feisten Fäuste und zeterte: Diese Unverschämtheit lasse ich mir nisftt fittrt (S;? sönnen aitrn prstfrt vy v tvtvti vttV4 ß v v Weiter kam er nicht. Scherbel dach te an seine schöne, behagliche Stellung. Ihm grauste davor, sich nach etwas an derem umsehen, sich in neue Verhältnisse einarbeiten zu sollen. Er. in seinen Jahren! Nein, lieber das Schreckliche dem Unbequemen vorgezogen. Und darum fiel er dem Erzürnten in's Wort und schrie in höchster Verzweif lung: Herr Sandhoff, ich habe die, Ehre, Sie um die Hand Ihres Fräuleins Tochter zu bitten!" 1ifciT s(tn2 fi5nfH,iin (wftvnipfrprs 41 V w Vkiiv vj v b wwiv vyvVaters weinrothes Antlitz zog ein breites Lächeln. . Er schüttelte dem Armen kräftig die Hand. ' "Also deshalb so nervös, lieber Freund! Ja. warum haben Sie mir das nicht gleich gesagt! Seien Sie mir willkommen als Schwiegersohn, wenn Sie auch leider Gottes kein rich tiger Doktor sind." Dann umarmte und küßte er ihn. Als Sturmvogel, der just in diesem Augenblick mit einer neuen Bestellung in's Zimmer trat, die Kußscene sah, wurde ihm übel. Er erholte sich erst, nachdem er hinterrücks den halben Liter Pschorr in zwei kräftigen Zügen ausgetrunken. - So ist es gekommen, daß der nervöse Redakteur Scherbel ein lebens längliches Eheengagement bei derTochter seines Verlegers einging, weil ihn sein Verleger Doktor titulirte. EhederinNewAorkwohnhafte Gustav Jacobi beim Pinochle" wieder kiebitzt", wird er sich wahr-' scheinlich zwei Mal besinnen. Das Vergnügen kostete ihm nämlich in den Spezial - Assisen $25. Zwar wurde er wegen thätlichen Angriffs verdonnert, aber die eigentliche Veranlassung zu seiner Verurtheilung war sein allzu großes Interesse an einem Kartenspiel, das ihn Nichts angingt Sein Ankläger war Robert Steeter. Ich hatte eben 150 Trumpf in der Hand, als Jacobi, der mir über die Schulter ' sah. sich einmischte und mich einen Esel nannte, weil ich nicht meldete," erzählte Steeter auf dem Zeugenstande. Ich protestirte gegen die Störung und der Kiebitz" ging weg. .Nach einigen Minuten kehrte er jedoch zurück und bearbeitete mich mit einem Bierglas, daß mir Hören und Sehen verging." Richter Zeller, der selbst als Pinochle"Experte bekannt ist, fragte den Angeklagten, warum er seine Nase in das Spiel gesteckt habe und erhielt die Antwort: Ich sah, daß der Mensch falsch spielte und wollte ihm nur mit meinem Rathe' beistehen." Zehn Tage Haft oder $25 Geldstrafe" lautete das lakonische Urtheil des Richters, und mit schwerem Herzen berappte der Verdonnerte. - Konstanz. Den Rhein schwamm unlängst eine männliche Leiche herunter; sie wurde unweit der Fabrik Heros6 durch einen Fischer aus Ermattngen aufgefangen. In den Taschen des Mannes befanden sich 41 Mark Vaar geld, aber keine Ausweispapiere, welehe auf die Person hinwiesen. Wie er mittelt wurde, tn es ver etwa Löiayrige Knecht Geiselhardt, der bis vor Kurzem in einem hiesigen Fuhrgeschäft in Stellung war.