Indiana Tribüne, Volume 27, Number 258, Indianapolis, Marion County, 21 June 1904 — Page 7

Jndiana Tribüne, 21. Juni

00-0-0-0-0-0

Das Gymnasium zu Leng 111110 Ein Schulroman aus der Ostmark Jon Karl Kufss (Fortsetzung.) Er hatte natürlich im Augenblick gewußt, weshalb sie kam. Und es war, als wollte er sich mit aller Härte wappnen. Wo er am meisten liebte, mußte er auch am meisten streng sein. Er erklärte ihr, weshalb das Kollegium sich für Yit vorläufige Suspension ausgesprochen habe. Es seien außerordentlich schwerwiegende Anschuldigungen g:g?n ihren Sohn erhoben worden. Er hätte trctz des Verbots den Festplatz betreten; er hätte Streit ar.gefangen und die Massen gereizt. Das wäre das Erste. Da unterbrach sie ihn. Glauben Sie, daß' der Knabe lügt?" Nein," erwiderte er. Sie wurde roth vor Freude. Das machte ihr zartes Gesicht so warm und jung. Ich hoffte auf diese Antwort. Und mein Sohn hat mir wörtlich dies erzählt ich will's möglichst mit seinen eigenen Worten wiedergeben. .Schuchart sagt er also das muß ein Klassenkollege sein- .hatte mich zu Nachmittag eingeladen. Wir wollten Vergil Präpariren. Außerdem kann man von feinem Zimmer die Klosterwiesen übersehen bis zum Wäldchen hin. Da bin ich also um fünf Uhr hingegangen. Bis sieben haben wir gearbeitet, dann haben wir uns an's Fenster gesetzt und geraucht, bis es dunkel war. Dann bekam ich Abendbrothunger und wollte nach Haus gehen. Schucharts wohnen ja gleich neben dem Kloster. FÜ7.szig Schritt weiter nur um die Ecke dann herum fing der Festplatz ja an. .Als ich nach unten kam und nach Haus wollte, kamen gerade vier Lehrlinge oder Gesellen an, die wohl was in der Stadt besorgt hatten und nun zum Festplatz zurückkehrten. Sie hatten sich untergehakt und sangen und waren sehr lustig. Ich wollte links an ihnen vorbei, aber sie verstellten mir den.W?g. An 'der weißen Mütze erkannten sie mich ja als Gymnasiasten. .Lassen Sie mich man durch,' sagte i: und wollte rechts vorbei. Da schoben auch sie sich nach rechts. Es war alles nur lauter Ulk und Unsinn; sie haben mir nichts gethan. Den einen kenne ich auch; er ist bei einem Schuhmacher am Markt. ,So zerren wir uns hin und her. Der eine spottet über die feinen Herrchen vom Gymnasium, der andere singt Polnisch, das habe ich nicht verstanden, und der dritte, der am meisten schuld daran ist, daß ich nicht durchkommen kann, bettelt mich an. Jedem soll ich einen Groschen für Schnaps geben heute zum Feiertag! Ich lache noch und sage: ,Kinder, ich habe selbst kein Geld laßt mich man so durch!' Und sie hätten's auch gewiß gethan, denn sie wollten nur einen Ulk, keinen Streit da kamen von der Wiese zwei andere Burschen. Der eine spielte den ganzen Weg Harmonika, und der andere hopste so dazu. .Psia Zrew . . . feine Eefellschaft wen habt Ihr denn da?' Und packt mich am Arm: .Komm ein bischen an die Laterne!' Ich reiß mich los na, da hab ich gewußt, daß es noch was gibt. Denn das war der Schneider, den ich damals abgefaßt und zwei Tage in's Kittchen gebracht hatte. Er erkennt mich auch, und nun ging die Bescherung los. ,Er hetzt die anderen auf. die jetzt auch ungemüthlich werden,' schimpft sick heiser, droht, flucht, fuchtelt mir mit der Faust unter der Nase rum ... er ist furchtbar muthig. wo er den Harmonikaspieler und vier andere bei sich hat. ,Jch fühle schon, wie mir der Zorn hoch kommt. .Donnerwetter, jetzt ist's genug,' sage ich und schiebe ihn zur Seite und gehe. Die anderen knuffen noch mit den Armen, aber lassen mich doch durch. Sie gehen singend nach dem Festplatz weiter. Nur der Schneider wie ein Hund, der bellt, hinter mir her. Niemals wagt er sich ran, tobt und schimpft sich nur heiser und wirft mit Steinen. .Gern hätte ich ihn verhauen, aber ich nahm mich zusammen. Ich sollte nicht allzu hitzig sein, hat der Direktor neulich gesagt'." Georg Rüdiger blickte lächelnd auf. Wörtlich, gnädige Frau?" Da lächelte auch sie. Er hat wirklich der .Herr Direktor' gesagt." So. so. Und nicht: der .Direx'?" Nein. Den vorigen hat er so betitelt. Also ... ja, daß er sich hüten solle, allzu hitzig zu sein. ,Ich gehe deshalb.' erzählt Reinhold, .ruhig weiter, trotzdem all die schönen Schimpfworte kommen wie .deutscher Hund' und ähnliche. Die kenne ich auf polnisch schon, aber damit ich sie ja verstehe, ruft der Schneider sie , deutsch. ,Jch balle die Hände in der Tasche. Da wird der Mensch immer dreister, immer näher kommt er ran. Und dann sagt er was ' . Von hier ab, Herr Direktor," sprach Marie-Anna, hat der Junge gezittert. Heute nock. als er es mrr erzählte. Schinder seid Ihr alle hat der Schneider geschrieen, ,aber der größte Lumpenhund und Schinder in ganz Len- . ("ll'

X

? rt

?

0KK-00--0-0-0-0-0-0

gowo war Dein Vater!' Und der Schneider speit aus .Mutter,' , hat heute der Junge zu mir' gesagt, nachdem er lange still geWesen ist, ,und wenn ich gewußt hätte, daß sie mich rele'giren und wenn D u dagestanden hättest und der Direktor das ging nicht mehr. , , ,Da bin ich mit einem Schrei hochgefahren und auf den Menschen los. ,Aber als der sah, daß ich Ernst machte, fing er zu laufen an. Ich habe gar nichts mehr gesehen nur den Menschen kriegen. Am Gymnasium vorbei, cm Kloster vorbei, bis auf die Klosierwiesen, wo die Zelte anfangen da hatte ich ihn und habe sinnlos auf ihn eingehauen. ,Drei, vier springen gleich daztt'ischen.. Es war schon auf dem Festplatz. Mehr weiß ich kaum. Sie schreien i ch schreie; s i e drohn i ch drohe; s i e schlagen i ch schlage! Bald sind zehn, zwanzig, hundert da ich blute schon. ., .Und da bin ich fortgelaufen und alle hiilter mir her. In Schucharts Haus wollte ich rein aber sie schnitten mir den Weg ab. Zuletzt lief ich ganz verzweifelt. Da fiel ich. Und alle auf mich zu. .Schlagt ihn todt! Schlagt ihn todt!' .Da habe ich .Hilfe' geschrieen, und mit letzter Kraft bin ich aufgesprungen, habe zwei noch wegstoßen können und wollte in's Gymnasium rein. ,Jch hätt's auch erreicht. Aber mit einem Mal fühle ich einen Sckmerz am Kopf .Und dann, glaub ich, warst Du schon da, und ich lag auf dem Bett.' " Es war lange still. Marie-Anna schwieg. Nach einer Pause fügte sie hinzu: Das ungefähr hat mir Reinhold erzählt. Ich sollte es möglichst wörtlich wiedergeben. Aufsagen wie eine Lektion." Der Direktor hatte sein Gesicht halb zum Fenster gewandt. Sein scharfgeschnittenes. kühnes Profil stand gegen das sonnige Licht. Aber er hatte wieder den Fernblick, als ob er in zu scharfe Helle oder mit Anstrengung in ein Dämmerd'nkel sehe. Da legten sich viele Falten und Fältchen um seine Augen. Marie-Anna sah es wohl; sie sah auch, daß er dadurch viel älter als sonst erschien. Und wieder blickte sie ihn eben deshalb nicht an. Langsam wandte er sich. Das Kind . . . liebt seinen Vater sehr." Ueber alles," antwortete sie. . , Beider Augen trafen sich. Erst ein voller Blick, der dann scheu ward und abirrte. Zum erstenmal ward zwischen ihnen des Verstorbenen Erwähnung gethan. Sein Schatten stand zwischen ihnen. Dann erhob sich Georg Rüdiger und schritt, als ob er vergessen hätte, wer dort saß, auf und ab. Es stimmt alles. Beide Aussagungen lassen sich genau in Einklang bringen. Die Herren beschuldigten den Jungen, den Festplatz nicht nur betreten, sondern auch gleich zugeschlagen undStreit angefangen zu haben. Aehnliches geht ja auch aus Ihrer Erzählung hervor. Wann könnte Ihr Sohn vor der Lehrerkonferenz erscheinen? Montag?" ' Ich denke, ja," nickte sie. Dann soll er dort genau den Hergang erzählen." Und tief aufathmend: Ich freue mich von Herzen, gnädige Frau, daß wenigstens das sich so aufklärt. Ich zweifle keinen Augenblick an der Richtigkeit der Angaben. Und wie gesagt: ich freue mich!" - Auch über ihr Antlitz flog ein heller Schein. Also die Suspension wird zurückgenommen?" fragte sie rasch und freudig. Ich kann mit guten Nachrichten nach Haus gehen?" Da blieb der Direktor vor ihr siehen. Mir wäre lieber gewesen, gnädige Frau, etwas anderes hätte sich glatt aufgeklärt. Die Hauptbeschwerde be steht noch." Er zuckte zusammen. Rasch wandte er sich und ging an's Fenster. Denn wie sie jetzt erstaunt, betroffen, angstvoll und jäh den Kopf hochgeworfen, während ihr feiner Kindermund er war . noch immer fein geblieben leicht zuckte da hätte er aufschreien mögen: Marie-Anna!" Es war, als hinge ein Stück Jugend und Elückserinnerung an dieser Bewegung. Die Hauptbeschwerde?" fragte sie fassungslos. 'Was ist denn da noch?" Er hatte mit Macht alles, was lockend aufsteigen wollte, unterdrückt. Ruhig setzte er ihr auseinander, daß man den Knaben auch der Verhöhnung der ProZession beschuldigt habe. Sie lachte kurz auf: Lüge! Er hat mir nichts, nichts davon gesagt. Wie sollte er auch an etwas denken, was ihm ganz fernliegt." y Aber diese Anklage war der schwerwiegendste Grund zur Suspension, gnädige Frau. Hier muß erst völlige Klarheit geschaffen werden." Sie war blaß geworden und starrte erschrocken zu Boden. Mein armer Junge," sagte sie. Er wartet zu Haus in Todesangst." Und urplötzlich kam eine lähmende Furcht über sie. Wenn ihr Sohn relegirt ward, dann mußten sie fort in eine andere Stadt auf ein anderes Gymnasium fort von hier. Herr Direktor," sprach sie zitternd, flehend lassen Sie mich doch nicht so

r, pp ,.k Sjw B. -rMt-Je,r

gehen! täs wird sich ja aufklären nehmen Sie die Suspension zurück rcgiren Sie das Kind nicht. Ich be-, schwöre Sie!" ' Das war die alte, weiche Mädchenstimme . . . Sie hatte in der Angst und Erregung die Hände gefaltet und vor den zuckenden, leicht geöffneten Mund gelegt, während die Augen die großcn. dunklen, feuchten Augen flehend ion ansahen. ' Er machte eine schwerfällige Vewegung nach dem Stuhl und griff mit Seiden Händen um die Lehne. Am liebsien hätte er die Frau, die da vor ihm iand, in die Arme genommen: alles für Dick,, Marie-Anna! Ich habe fo die! versäumt ich will nichts mehr rersäumen. Ich habe so viel Pflichten erfüllt ich will mein Glück nun erfül"Äber dann fuhr er sich über die Stirn. Er scheuchte w'eder fort. . . Härter, als er es jedem anderen gegenüber gesagt, sprach er: ,,Nein! Es waren gestern zwei Herren hier die verlangten sofortige Relegirung Ihres Sohnes. Heute sind S i e hier und verlangen das Gegentheil. Ich habe hevA? nur die aleicbe Antwort für Sie. die ich gestern für die beiden Herren hatte: ich werde meine Pflicht thun." Die Hände sanken, aber ein Flackern kam in die dunklen Augen. Pflicht Pflicht! Ich sollte meinen, das Wort kenne ich von Ihnen! Das hat mich damals " Hf brack sie ab. Eine Vlutwelle warf sich nacy ihrem Haupt; brennenoe Nöthe färbte ihr Gesicht. Selbst die Ohren glühten. Und so stark war das Brausen des Blutes, daß sie ein kurzer Schwindel überkam. Auch in das Gesicht des Mannes stieg scheue Gluth. Merkwürdig leise sagte er: Gott wird nicht wollen, daß die Pflicht immer gegen mein Herz geht." Es war einer jener Augenblicke, in denen alles Leben erschrocken den Athem anzuhalten scheint, in denen man das Blut brausen und in den Adern umgehen fühlt, in denen man das Herz klopfen hört. Und man glaubt, das Schicksal schreiten und unser Gewand beruhren zu sehen. Aus Noth und Scham heraus stammelte Marie-Anna Satze, die sich verwirrten. Gleichsam als wollte sie wieder zurücknehmen, was sie gegeben, zuschütten, was sie aufgedeckt hatte. Er möchte verzeihen ... er möchte nicht mißverstehen. Sie komme doch und rede als Mutter. Sie haben ja selbst ein Kind, Herr Direktor, an dem Sie hängen. Sie werden doch eine Mutter begreifen, die mit ihrem Sohn bangt und fürchtet. Hätten Sie den Jungen gesehen, als das Schreiben kam:, blaß wie eine Leiche . . . und geschrieen und geweint hat er. Sofort wollte er auch aufstehen und selbst hierhergehen. Er fiel beinah er wurde schwindlig. Aber da hat er gebeten und gebettelt: .Mutti, geh Du! Bitte für mich, rede für mich!' Ich . . . habe es hier für mein Kind gethan. Ich hab's nicht hören können, wie Neinhold gejammert hat. Fortwährend: ,Was muß der Direktor von mir denken!' Es ist seltsam, wie der Junge an Ihnen hängt. Er hat Sie . . sehr lieb." Leise, ergeben die letzten Worte. Sie konnten heißen: warum müssen wir Dich so lieb haben? Erst ich, dann der Junge. Thu ihm nicht so weh wie Mir! Ich bin dankbar, wenn die Schüler an mir hängen," sagte der Direktor. Es gibt keinen schöneren Lohn für einen Lehrer." Aber sie wollte etwas ganz anderes hören und wartete. Das Gymnasium schlief jetzt, nach dem lärmenden Hinausströmen aller Schüler, in der tiefen Mittagsstille. küit ein verzaubertes Schloß stand es da, leer, ausgcstorben, todruhig im Sonnenbrand, der durch die schweren Mauern nicht wirken konnte. Die Treppen und Korridore, die Bänke und Katheder und Tafeln hatten ihr Leben verloren. Es war, als ob auch das Gebäude, müde vom Lärm der Woche, nun in tiefen Schlaf gesunken sei, der über den morgigen Sonntag fort bis in die Montagsfrühe währen sollte. Georg Rüdiger hatte auch an Feiertagen hier schon gesessen und gearbeitet. Aber jetzt, heute kam ihm drückend und beklemmend zum Bewußtsein, daß er mit dieser Frau so ganz allein sei in dem großen Gebäude, daß niemand in der Nähe war, kein Auge sah, kein Ohr hörte. Warum legte sich ihm das so schwer auf's Herz? Ich kann nur eins noch thun," sprach er, .sich aufraffend.' Ich hatte sowieso vor, heute oder morgen den katholischen Geistlichen aufzusuchen, der nach der Behauptung der beiden Herren in der heiligen Handlung gestört worden sein soll. . Da könnte ich " Er zog die Uhr. Wie lange haben Sie Zeit, gnädige Frau?" So lange es nöthig ist," erwiderte sie. Ja, wenn Sie warten wollten ? Ich würde dann sofort nach dem Kloster hinübergehen. Von der Antwort, die ich dort erhalte, hangt alles ab. Allerdings müßte ich doch vorher den Rock wechseln. Am -besten, gnädige Frau ich bitte Sie, mit mir nach der Wohnung zu kommen. Meine Tochter kann Ihnen dann für die halbe Stunde Gesellschaft leisten.".

JÄJIIMripistfw - jfiij

Wo schritten sie die steinernen Treppen hinab. Bald darauf lief das Dienstmädchen nach dem Garten, um Gertrud Nüdlge? zu holen. Der Direktor war schon fort. Er ging in tiefen Gedanken. Das Gespräch hatte ihn innerlich heftig erregt. Reinhold Wächter hatte ihn lieb. Es war nicht nur der Lehrer, der "sir darüber freute. Und Marie-Anna Wächter?, Hatte sie sich nicht auch verrathen? Daneben immer wieder der andere Gedanke: warum bangt sie fo sehr davor. ihren Sohn in eine fremde Stadt auf ein fremdes Gymnasium zu geben? Nur des Kindes wegen? Er sah in dämmernde Weiten. Gin gen da Sonnen auf? Und unwillkürlich bat sein Herz es bat nur in einem großen Gefühl daß er nicht verurtheilt sein möge, zum zweitcnmal Marie-Anna weh thun zu müssen. Das wäre furchtbar ein Ende für immer. So ließ er sich bei dem Propst melden. , Als er zwanzig Minuten darauf sick' veraochtedete, beugte er sich vor dem ehrwürdigen, noch nicht sonderlich alten Geistlichen sehr tief. Sein Herz jubelte; seine Augen verbargen den Jubel nicht. Sie leuchteten hell: frohe Botschaft. Marie-Anna! Mein Herr Direktor," hatte der Propst gesagt, ich würde mich grämen, wenn ich die Anklage bestätigen müßte. Ich brauche es nicht, und das freut mich. Es ist richtig, und ich entsinne mich, daß mir am Markt etwas auffiel. Ich zeigte den knieenden Gläubigen den Leib unseres Herrn, und in die tiefe Stille schlug plötzlich laut und fchmetternd und ganz nahe ein Vogel. Da hob ich den 'Kopf," fuhr der Propst fort. Ein Knabe stand am Fenster und sah neugierig auf uns herab, auf die Fahnen und den Baldachin. Der Vogel sang. Gestört hat mich das nicht. Mir war, das kleine Geschöpf grüße durch alle Sonm hindurch den Schöpfer. Mehr kann ich nicht sagen. Und ick meine, Kinder, ob sie nun von polnisehen oder deutschen Eltern stammen, ob sie katholisch oder evangelisch sind, sind neugierig. Für sie ist Schauspiel, was für uns Andacht ist." Georg Rüdiger ; :te herzlich und ehrerbietig gedankt. Und als er jetzt rasch seiner Wohnung zuschritt, fühlte er sich leichter und freier als seit Langem. Was jetzt noch etwa übrig blieb, war Kinderspiel und ließ sich mit ein, zwei Stunden Arrest abmachen. Marie-Anna sah ihn kommen. Sie erhob sich rasch. Er schien ihr jünger als vorhin. Das stärkte ihre Hoffnungen. Also nun beginnt das Geschäftliche, und dabeimutz ich raus!" sagte Gertrud und verabschiedete sich von MarieB.na. Sie hatten bis jetzt geplaudert mehr aus Höflichkeit als aus Interesse. Für unsern deutschen Verein gewinne ich Sie doch, gnädige Frau!" rief das Mädchen noch von der Schwelle her. Sie nickte liebenswürdig-zerstreut. Ihre Gedanken waren ganz anderswo. Gut oder schlecht?" fragte sie nun, als sie allein waren. Bitte, sagen Sie es gleich." Und er: Gut ausgezeichnet ich freue mich ja selbst." Er sctzte gleich hinzu: Für die Anstalt schon!" Da preßte sie beide Hände auf's Herz. Und nicht relegirt?" Kein Gedanke!" Und die Suspension wird zurllckgenommen?" Sofort Montag in der Konferenz." Sie schluckte. Es kam jetzt so plötzlich. Die Freude schien sie ruckweise zu überfallen. Erst hob sich ihre Brust, dann spielte es um den feinen Mund, dann leuchteten die Augen auf. Beide Hände streckte sie ihm hin, aber sie ließ sie dann doch sinken und reichte ihm zag die Rechte. Wie soll ich Ihnen denn danken? Ich ich bitte, glauben Sie mir, daß ich Ihnen so sehr dankbar bin." Durch das Leder fühlte .er die Blutwärme ihrer Hand. Und aus ihren Augen brach ein Strahlen und wie sie erst die Arme erhoben hatte, sie dann wieder sinken ließ, ihm darauf nur die eine Hand hinstreckte das war ihre alte, leichte Anmuth. Doch in diesem Moment erschrak er. Ungestüm, hartnäckig wehrte er jeden Dank ab. Nicht bei mir bei dem ehrwürdigen Geistlichen bedanken Sie sich. Ich habe nur meine Pflicht gethan. Eine andere Auskunft ein anderes Urtheil." Sie hörte es, sie nickte: Gewiß, das verstehe .ich ja!" Aber sie glaubte es nicht. Für sie, die Frau, war das Ganze eine persönliche Angelegenheit gewesen dieser Aus gang ein persönlicher Sieg. Und daß sie ihn errungen, darüber hätte sie lachen und weinen, beten und jubeln mögen in einem. Noch war das Gefühl, das in ihm lebte, so stark, daß er für sie that, was er für keinen andern gethan hätte. So ward die größte und bitterste Zeit ihres Lebens noch zum Segen für ihren Sohn. Ihm kam zugute, daß sie einst gebangt und gelitten. Leichtfüßig schritt sie dem Markt zu, ein Lächeln auf den Lippen und mit jener feinen Bewegung -des Kopfes, die jte auszeichnete. Ihr Haar war noch heute schwer.

- f. - . -j, , , :-1 r - . ", fc. v '":

Da stiefelte gerade Monsieur Jambon aus der Apotheke, ein weißes Tutchen in der Hand. Und weil er beim Hutziehen wieder dn Arm so endlos schwenkte, lächle sie in ihrer Fröhlichkeit über das ganze Gesicht. Das begeisterte den Kleinen. Bravo, bravissimo, gnädigste Frau lauter Sonnenschein im Gesicht!" rief er mit seiner dröhnenden Stimme. Das sicherste Mittel, um alt zu werden!" Er ließ es sich nicht nehmen, sie zu begleiten, fragte nach ihrem Ergehen, nach ihrem Sohn. Dann hob er geheimnißvoll das weiße Tütchen. Natron," sagte er und verzog bedeutsam die Stirnhaut. Fühle mich feit vorgestern etwas angegriffen. Na, mir thut es nichts Natron und Fasten weg ist alles!" (Fortsetzung folgt.)

Der Rülkgang,. Bei den Berichten über ErganzungsWahlen zum deutschen Reichstage, die in Folge dös Todes eines Abgeordneten oder deshalb erfolgten, weil die Wahl eines Vertreters als ungültig erklärt wurde, haben wir wiederholt durch die Anführung der betreffenden Zahlen nachgewiesen, daß die sozialdemokratische Stimmenmacht erhebliche Einbußen erlitten hat. Jetzt liegen zwei weitere eingehende Wahlberichte vor, welche dasselbe Bild bieten. n dem Wahlkreise Frankfurt an der Oder - Lcbus siegten bei den allgemeinen Reichstagswahlen im Jahre 1903 die Sozialdemokraten, welche damals 14.685 Stimmen aufbrachten. Eine Nachwahl ergab keine Mehrheit für einen der drei Kandidaten. Es kam, da nach den für die Reichstags - Kandidaten herrschenden Bestimmungen eine Pluralität der abgegebenen Stimmen nicht genügt, zu einer sogenannten Stichwahl, bei welcher der Nationalliberale Bassermann ein Votum erhielt, das um rund 2500 Stimmen größer war, als das seines sozialdemokratischen Gegners Braun. Letzterer verlor ungefähr 2600 Stimmen im Vergleich mit der Hauptwähl und der Sitz ging dadurch den rothen Herren verloren. Sie haben jetzt im Ganzen drei Wahlkreise verloren. Die Zahl ihrer Abgeordneten beträgt statt 81 nur noch 78, und wenn heute in allen Wahlkreisen eine Neuwähl stattfände, dürften die sozialdemokratischen Mandate noch viel mehr zusammenschmelzen. Denn dasselbe Ergebniß, welches in den drei Nachwahlen eintrat, in denen die Sozialisten ihren Besitzstand zu vertheidigen hatten, zeigt sich auch in solchen Kreisen, wo sie nur sogenannte 'Zählkandidaten aufgestellt hatten. So zum Beispiel in Straßburg-Land. Dort standen sich die Herren Hauß. Blumenthal und Meyer gegenüber. Ersterer ist der Kandidat des Zentrums. Er brächte es in dem ersten Kampfe bei der Nachwahl auf 8225 Stimmen. Herr Blumenthal ist Mitglied der elsaß-lothringischen VolksPartei. Er erhielt 7876 und Herr Meyer, Sozialdemokrat, 1479 Stimmen. Verglichen mit der Hauptwahl im Jahre 1903 verlor Herr Hauß beim ersten Wahlgange 79 Stimmen, Herr Blumenthal gewann fast 1500; aber der Sozialdemokrat, welcher in der ersten Wahl des Jahres 1903 3097 Wähler auf sich vereinigte, brachte es diesmal nur auf 1479. Er verlor also mehr als 50 Prozent seiner Stimmen; was zwar den Ausfall des Politischjen Kampfes nicht beeinflussen kann, aber als Stimmungsbild immerhin beachtenswerth ist. Das Parteigetriebe wogt eben in allen Ländern mit Volksvertretungen auf und nieder. Nicht nur in den Vereinigten Staaten und in Großbritannien hatten die Parteien Siege und Niederlagen zu verzeichnen; auch im deutschen Reiche. Im Jahre 1871 (bei den ersten Wahlen nach Begründung des Reiche) und alsdann wieder 1903 hatten die Parteien in der vornehmsten Volksvertretung Deutschklands folgende Mit-gliederzahl:

1871 1903 Konservative 54 52 Reichspartei ...... 38 19 Wildkonservative ... 5 6 Nationalliberale .... 118 50 Andere Liberale .... 85 38 Zentrum . . 58 106 Polen 14 16 Welsen 7 7 Dänen ........ 1 1 Sozialdemokraten ... 1 81 Antisemiten 11 Elsässer 10 Andere 4 10

Es hat im deutschen Parteileben im Großen und Ganzen offenbar eine starke Verschiebung nach links stattgefunden, von der die Sozialdemokraten den meisten Vortheil hatten; aber die Führer der letzteren haben sich auf dem Dresdener Parteitage so unduldsam, roh 'und freiheitsftindlich ' gegen die Gemäßigten" ihrer Partei gezeigt, daß sie der Sozialdemokratie viele Stimmgeber entfremdeten. Eine große Perle von iz ZoN Länge, von tadelloser Form und vollendetem Schimmer ist in Westaustralien gefunden worden. In derselben Muschel fanden sich auch noch swei andere kleinere, gute Perlen vor. V" ..-'päs ps ws . n

Mer Signale.

j Penniylö und Marks i Snglifh'S Oper Hau Saft und Nw Fort .. Neble und Michigan . H N Jersey u. Maff Ave i Pine und North ,0 Market und Pinr 1 Vermont nahe Sast i No.. 8 Spritzenhaus Mass. Ave nahe 3!c5U i3 Deaware und Walnut .1 N. Jersey u Central A 5 Masi. und CornellAv AB m,d II. Ltratz 7 Park Ave und 12 Str ,8 Columbia undHillsid .i9 Highland Ave u. Pratt kl JllinoiS und St. I is Pennst? lv. und Pratt ti Meridian und 11. Str J5 Nv. 5 SprizenhauS 16, nahe Jllinvii ze Senate Wveu. StClatr n Illinois und Michigan iB Pesylvania und 14 Senate Ave. und 13. il No. 1 Spritzenhaus Ins Ave naheMichiga 32 Meridian und Walnut W California u Sermon 36 Blake und New Dork i Ind. Av. u. St. Clair i7 City Hospital :8 Blake und North i9 Mchigan und ÄgneS 1 No. 6 Spritzenhaus Washington nahe Wey 8 Gsendorf u Wash. 3 Missouri u New DorZ 5 Meridian u Wash 6 JllinoiS und Ohio 7 Capitol Av. u Wash iH mgan'S PorkhauS 6 Straßenbahn StSIK W. Washington EU il No. 10 Spritzenhaus JllinoiS u Merrill 58 JllinoiS u Louisiana , öS West und South e West und McCarth St Senate Ave. u Henrh s? Meridian und Ray No. 4 Spritzenhaus Madison Av. u MorrU SS Madison Av. u Tunlop ti No Haken LetterhauS South nahe Delawar 53 Penn, u MerriU 3 Dklawar u. TKTsNS Vast und McSartY S New Jersey u. Merrill tl Lira. Av. u Bradshatt SS Esst und Prospekt 69 Bicking und High tl No. 11 Spritzenhaus ir Ave. nahe Hur ? East und Georgia 78 Eeda und Elm 74 Davidson u Georgt n Snglish Av.u Pin, ? Chelöy und Bäte No. 3 Spritzenhaus Prospekt nahe Shelbh 1 Fletcher Av. u Sbelby 31 Market u. New Jersey 82 Delaware und Wash. SZ East u Washington 84 New Iork u. Davidfoe SS Taubstummen Anstalt 46 Ver. Staaten Arsenal 7 Oriental und Wash. 89 Frauen-Reformat. U No. 13 Spritzenhaus Marhland nahe Mer. 2 Meridian vu Georgia, 93 Meridian und South 54 PennshK u. Louipan s Virgiii Ave u. Alab. 9 Haptquartier. 37 Grand Hotel. 98 Capital Ave und OhK. v.3 No. 16 Spritzenhaus 16. und Ash. .24 Alabama und IS 2S Central Ave und 1&, ,.26 IsndeS und 15. ;27 Brookside und JupZta 23 Central Ave und I7c .29 Delaware und 19. '.31 Alabama und 11. k32 Bellefontawe undW. '34 College Ave und SS. .35 Delaware und 13. i36 Alabama und North 37 Newmann und 19. 33 College Ade und 14. 39 Cornell Ave und 13. i41 Iandes und 19. 42 Highland Ave und 10. 43 Tecumsch und 10. .45 New Jersey nd 22. 4 Alvord und 17. 47 No. 2 Spritzenhaus Hillside Av und :s. .43 College Ave und 82. a9 College Ave und 7. ,62 Park Ave und 22. .53 L E u. SB Bahn U. 22. 54 Ramsey Ave und 1. .53 Stoughton u Newman .57 Arlas und Pike. MB Bloyd und Pawpaw. 59 No. Ll Spritzenhaus Srightwood Arden und Depot 63 Brightwood und 25. -.64 Rural und Bloyd 1.66 St. Clair u. eystoi 67 Arsenal Ave und 23. '.38 Bellefontawe und 28. 189 Perk 5 stii li 212 Capital Löe und iT.813 Pennshw. u. Mich, 14 JllinoiS nd 2. 215 Senate Ave und 1, 216 Pennfvlvania und 2i 17 Meridian nd 16. 218 Capital Ave und 28, 219 Broadway und 10. 231 Illinois und McLe 234 No. 14 Spritzenhaus Kenwood und 8. 235 Illinois und 33. 36 Annetta und 80 237 No. 9. SpritZAibiu Udell und Rac, 233 Udell Ladder Wor 239 Jsabel und 7. 241 Meridian und 24. 242 JllinoiS u St. SUCf. 243 Eldridge und 23. 812 West uud Walnut 313 West und 12. 814 Howard und 16, 815 Torbet und Paca 316 Capital Ave und , 817 Northwestern Ave W 318 Gent und 18 819 Canal und 10. 821 Cerealine WorkS - 824 Vermont und Lynn 325 BiSma,ck u Srandvtetf 326 No. 20 Spritzenhaus Haughville. 827 Michigan u. HolmeS, 82S Michigan u. Concord 41 West und WcJntvr 412 Miffo u. Maryland 413 Missouri und fZhio . 415 Capital Ave t.Leorgia 416 Missouri u Kentucky A. 417 Senate Ave u. Wash. 421 P und E klundbauS W. Washington. 423 Jrren-Hofpital. 424 Miley Ave u. J DuW 425 Wash. and Harr 26 No. 13 Spritzenhaus W. Washington 427 Olwer und Birch 23 Oliver und OZgood 29 Nordyke und Imk 31 Hadley Ave u. Mon 32 Niver Ave u. Morr 34 River Ave und Rah 35 Harding u. Big R ? 38 Harding und Oltvei 37 No. 19 pritzenhkZ MorriS und Lsrdins 48 &oe& vc&ESas$ 38 StoSyard 61 Reitn und VWe 452 Howard und Stt 58 MorriS und sppS s Lambert und Xklsevi 57 Nordyke St u. mest mon WorkS 613 West uud Ratz 513 Kenwcky Ave u. MersV 514 Meridian und MorrZ bis JllinoiS nd SanZat 617 MorriS und Dakota 518 MorriS und Shurch 519 Capital A. U McCirrx, 521 Meridian und Palm S23 Pme und Lord 24 Madisor.Aveu Lincsl $26 Meridian und BU NA 27 CarloS und Ray S2S Meridian und A?-izons O'iv auer1 oian u. uiayiuma 631 Meridian u. VKCal! S32 No. 17 SpritzentWS Morris nahe West 31 McKernanund Douah 613 Sast u. Lincoln &m 614 East und Beecher IS Wright und Sanoerk 61? McCartt) und Bay 18 New Jersey u Bic W Yi Spru und Prsspeet tss English Ave. u. Laurel T14 State Ave u. Z'e't R 5 715 Shelby und Beech ?16 State Ave un DtaniT flS Orange und Lau! 719 Shelby u. 0.ta M 7,1 Lexington A. u Lauch 723 Fletcher Ave. Lpr 72 State Ave u. PleascuÄ 7ks Prospekt und ?leasarL 786 Orange und Harlaz? 7,3 Liberty und Mm 729 Noöle und South 1 No. 15 Spritzenhaus Oft Washington' 0 813 Market und Noble ei Ohio u. Highland W 815 Mchigan u. Highlanl 81 Market Arsenal Rd 817 Ost S. Clair und Union Bahn Geleise. S21 Pan Handle ShopS 823 Vermont und Walcott 824 Wash. und State Ifc. 86 Madden'SLoungeFZö 826 Tuck und Dorfe 82? Wash. und Beville S29 No. 12 Spritzenhaus Beville nahe Michig. ' 831 Eoutheaftern SeR Wsodfide. 83 Wa?h. und DearSors 834 Sontheaster nd Arsenal LveS. . 835 New Dork und Tempd 12 JllinoiS und Martz!. Si3 JllinoiS und Warket, 14 Penn, nd WaZZ, is Delaware nck VÄS Spezial Signale. Ersten t Schlage, zweiter Alarm, Zweiten Schlag, dritter Alarm, Dritten Schläge, vierter Alarm. 1-2-1, Feuer aus und Schlauch eufgeroA. Schläge, Wasserdruck ab. 1 Schläge, 1 Uhr Mittag. Die so bezeichneten Signale werden nur vom rhurm Vächter angegeben da an den betrefde StrsZe keuzunge kein AlarmköSen angebracht find. Chicago und der große Nordweften via )imwuBsuajksismu 8ag UlaSka-Satvaii-PHMPPine Ins. Vier tägliche Schnellzüge nach Chieags. tc& Bon der Monon 47. Str. Station, Chicago, find s nur s Minuten mittelst elektrischer Ear nach en Union Biehböfen - I'renod JLik Springs, indem Orange County Hochland. Familien-Hotel anter neuer Geschäftsleitung. Pluto, Proserpine nd BomleS Quellen. Bestes Mineralwasser der Welt. Zwei Züge täglich via Greencastle. Ticket-Officen : Union Station, MaffachusettS fltt nd 25 West Washington Straße. R.P.Alge, , Distrikt Pass. Agent. Indianapolis, Ind. W. H. McDoel, C.H.Rock well. ras. und Gen. ?vigr. Berrteveinire FrankJ.Reed, Eea.B,ss. Agent. Chicago. Jll. ..K-y ..-.tt -1 f "wiavavs" '" w sr?Iw

BBnn J.'-i5W!WP4ki ' ''J

s