Indiana Tribüne, Volume 27, Number 257, Indianapolis, Marion County, 20 June 1904 — Page 5
Jndisna Tribüne, 20. Juni
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öciii ng G Novelle v0x gf . (Schluß.) .Es wird Dir nichts übrig bleiben. Liebling, als Deine Kleider untersuchen zu lassen sagte ich. .Durch eine Weigerung bestärkst Du das Mädchen in feinem Verdacht und ziehst .die Aufmerksainkeit der Leute auf Dich .Gut denn!' rief ' Wilma nun scknivvisck. indem sie fitii von mir abkehrte und dem Fräulein in das Kabinett folgte. Ich wartete ungeduldig und im höchsten Grade verstimmt über den häßlichen Zwischenfall. Endlich ich hatte die Minuten gezählt kam Wilma, noch immer hochroth, mit dem Fräulein wieder zum Vorschein. ,Es ist empörend,' rief sie mir entgegen, ,daß man sich so etwas gefallen lassen muß! Komm, Eberhard, wir wollen uns sofort beklagen.' Und in der That schickte ich mich an, mit ihr zum Bureau zu gehen, da es auch in mir kochte. Aber die Sache war noch nicht abgethan. Das Fräulein sagte wieder in derselben ruhigen, aber bestimmten Weise wie vorher: .Erlauben Sie, mein Herr, daß ich Sie zurückhalte. Ich muß Sie bitten, sich ebenfalls untersuchen zu lassen. Da die Brosche bei der Dame nicht mehr zu finden war, vermuthe ich, daß sie bei Ihnen zu suchen sein wird.' .Nein, das ist doch unerhört, jetzt gehe ich zum Chef des Hauses!' rief Wilma und eilte zornentbrannt, spornstreichs davon. ,Aber ich bitte Sie, mein Fraulein sagte ich ungeduldig und ärgerlich, ,Sie befinden sich wirklich in einem groben Irrthum, und Sie werden Ihre Hartnäckigkeit zu bereuen haben, glauben Sie mir.' Sie verlor ihre Ruhe aber nicht, im Gegentheil. Sie drückte auf den Knopf einer elektrischen Klingel, dermuthlich um Jemand herbeizurufen, der mich untersuchen sollte, doch verlor sie mich dabei nicht aus den Augen. ,Wo sollte ich denn etwas versteckt haben?' sagte ich, indem ich immer aufgeregter wurde, meine Vrusttaschen vor ihr durchwühlte und die Hand leer herauszog. ,Da, hier hier, da es ist nirgends etwas!' Zuletzt fuhr ich in die äußere Seitentasche meines Ueberziehers. Meine .Hand fühlte einen Gegenstand, den ich mechanisch herauszog. Es war die Brosche. Mir trat kalter Schweiß auf die Stirn. War das Wirklichkeit, oder träumte ich einen entsetzlichen Traum? Ich faßte mich an die Schläfe, ich sann verzweifelt auf eine Ausrede, um Wilma zu schützen; ich fand keine. .Mein Fräulein,' sagte ich, ,Sie können kaum so überrascht sein, wie ich selbst es bin. Wahrhaftig, ich weiß nicht, was ich sagen soll ich vermuthe aber, daß ich die Brosche in Gedanken in die Ueberziehertasche steckte, als meine Braut sie mir in die Hand gab, um sie zu bewundern. Ja, ja, gewiß, so wird es gewesen sein,' rief ich aus, ,es ist nicht anders möglich!' Und ich sah sie an, um mich davon zu überzeugen, daß sie meiner Empfindung lau ' den schenkte. Ihre Augen ruhten auf mir mit dem Ausdruck unendlichen Erbarmens. Ich fühlte, daß sie tief in meiner Seele gelefen hatte, und daß ich sie nicht hatte tauschen können. Was würde sie nun thun? In dem Augenblick erschien der herbeigeklingelte Beamte. ,Es ist gut,' sagte sie zu diesem. ,D:e Sache :st schon aufgeklärt, der Gegenstand hat sich gefunden.' Der Mensch zog sich zurück, und das Mädchen Du, erräthst wohl, daß es Dorothea war fuhr, gegen mich ge wandt fort: ,Ja, Sie sind vollkommen unschuldig, mein Herr: ich bin Menschenkennerin genug, um das zu wissen. Gern hätte ich Ihnen diesen peinlichen Auftritt erspart, aber ich muß ja in solchen Fällen für den Schaden aufkommen. bedenken Sie. Nun, ich habe ja die Brosche, und Sie können gehen. Nicht wahr, Sie sorgen in Zukunft dafür, daß jene Dame' hier erröthete sie- ,so etwas mcht wieder thut.' Immer noch sah sie mich so durchdringend mit den schönen und dabei so unendlich guten Augen an. Ich wollte etwas erwidern, wollte ihr danken, aber ich vermochte kem Wort hervorzubrm gen, verbeugte mich nur vor ihr und anq dann eilends hinaus. Mir schwindelte, als ich auf der Straße war, und es hämmerte mir in den' Schläfen. Ich taumelte vorwärts, mehr als ich ging, ohne mir der Such tung, die ich nahm, bewußt zu werden. . . n n c n ?y - An der eruen irae iiano icy inu, um etwas ruhiger zu werden; ich merkte, daß ich an der Wuhelmstraße ange langt war. Mich umsehend, erblickte ich Plötzlich Wilma, die in einer Hausthür auf mich gewartet hatte und nun i m. L. r . . .. Pl sreudeitrayieno aus rmcy zugeyups kam. ,Da bist Du ja, Gott sei Dank!' rief sie aus, wobei sie verlegen lachte, wohl weil sie sah, in welchem Zustand
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Mar 0 G O 3TtarQttictf)c Slayr ich war. ,Nun, ich dachte mir gleich, daß Du Dich schon durchwinden würbest. Kostbar!' ,Wilma!' sagte ich nur, blieb vor ihr stehen, die Hände in den Taschen, und sah ihr gerade in's Gesicht. ,Du wirst doch am Ende nicht AufHebens machen von solcher Bagatelle,' rief sie schmollend, ,oder gar Papa etwas davon sagen? ,Wilma, wie konntest Du nur? rief ich, denn ich vermochte das Geschehene noch immer nicht zu fassen. Nur eins fühlte ich klar: daß ich diesem einst so geliebten Wesen mit einem Male vollständig gleichgiltig gegenüberstand. ,Nem, ich werde nichts erzählen,' erwiderte ich, ,unter einer Bedingung.' ,Nun?' forschte sie. , .Daß Du nie, nie wieder so etwas Häßliches thust. Wilma. Hörst Du?' Sie nickte. ,9cun ja, doch laß das jetzt, und komm mit mir nach Hause.' ,Jch habe keine Zeit und noch weniger Lust, Wilma.' Eine leere Kutsche erster Klasse fuhr gerade vorbei. Ich rief den Kutscher an. Er hielt neben uns, ich öffnete den Wagenschlag, gab dem Manne die Adresse und sagte eisig zu Wilma: .Entschuldige, wenn ich Dich nicht begleite.' Sie stieg gehorsam und ohne Widerrede ein, setzte sich in den Polstern zurecht und fragte dann ängstlich: ,Aber Du kommst doch morgen?' ,Jch weiß nicht, ich glaube kaum. Lebe wohl, Wilma!' Ich schlug die Wagenthllr zu, zog den Hut und sah noch, wie ein paar dicke Thränen ihren Augen entquollen. Dann fuhr der Wagen davon." Eberhard, in die Erinnerung an jene Ereignisse vertieft, stand still und holte tief Athem. Man sollte so etwas kaum für möglich halten," sagte der Legationsrath aedrückt. und doch las ich neulich, daß solche Vorkommnisse neuerdings nicht ganz selten sind. Armer Freund! Du gingst also nicht wieder zu Wilma, wie ich vermuthe?" Nern, erwiderte Eoerhard kurz. Ich hätte ihr diesen unbegreiflichen Diebstahl vielleicht verziehen, obschon ich mir immer wieder sagte, daß er einen moralischen Defekt bekundete, über den ich nicht hinwegkommen konnte, ich mochte es anstellen, wie ich auch wollte. Daß sie aber mich, den sie doch zu neben behauptete, emem haßlichen Verdacht ausgesetzt hatte, indem sie, sich an mich schmiegend, jenes Schmuckstück in meine Tasche gleiten ließ, das vermochte ich ihr nicht zu verzeihen, und das konnte sie auch nie wieder gut machen. So schrieb ich ihr. Ob sie ihren Eltern erzählte, daß wir uns entzweit hätten, daß sie mich zurllckgeschickt habe, nichts mehr von mir wissen wolle mir war .. alles gleich. Eine schwere Strafe folgte ihrem Vergehen auf dem Fuße; ohne Zweifel hat ihr das die Lust benommen, jemals wieder einem so niedrigen Sport zu fröhnen. In welch anderem Licht sah ich jetzt, meinen bunten Schmetterling! Er war seines schönen Flügelstaubes gänzlich beraubt." Das ist natürlich," meinte Benno. Ja, dies alles war aber doch nicht so leicht innerlich zu durchleben," fuhr Eberhard fort. Ich trieb mich von da ab in meinen freien Stunden unruhig umher. Mein Jugendglück, mein Liebestraum war mir auf eine so ungewöhnliche und widerwärtige Weise zerstört worden. Die häßliche Ersahrung wurmte mich. Ich nahm mir hundertmal vor, doch gar nicht mehr an jene Szene im Waarenhaus zu denken; aber es gelang mir nicht." Eberhard schwieg eine Weile. Allmälig aber verblaßte Wilmas Bild in meiner Seele," fuhr er dann wieder fort; dagegen verweilte ich, es schien mir selbst unglaublich, gern bei der Person jenes Mädchens, das mir großmüthig einen öffentlichen Skandal erspart hatte. Mochte ich im Thiergarten spazieren reiten oder in meinem Zimmer, bald arbeitend, bald trau mend, sitzen, immer sah ich ihre klaren, guten Augen vor mir, fühlte ich ihren mitleidigen und verständnißvollen Blick aus mich qerichtet. Zuweilen zoa es mich in die Nähe jenes Waarenhauses. Ich Ware gern eingetreten, um etwas zu kaufen und sie vielleicht wiederzusehen, aber mir fehlte der Muth, und ich schalt mich auch thöricht. Im Sommer, :n den Ferien, m Karlshorst würde ich endlich auch dies noch vergessen, wie ich Wilma vergessen hatte, so hoffte ich. Aber ich hatte mich verrechnet. Auch in Karlshorst wurde ich die rehbraunen Augen nicht los; sie verfolgten mich, wo ich ging und stand, und dabei mochte ich mir diese Wandlung meiner Gefühle selbst kaum eingestehen. So kam der Herbst heran. Ich war wieder in Berlin thätig, hatte nach einer unserer ermüdenden Dauersitzungen erst um acht Uhr Abends zu Mittag gespeist und schlenderte nun die Königgrätzerstraße entlang. - Bei der Großbeerenstraße Log ich ab. um mich
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in meine Wohnung zu begeben, die am äußersten Ende dieser Straße lag. Hier war es gänzlich menschenleer; nur in einiger Entfernung vor mir sah ich! eine Dame gehen, von einem Herrn begleitet, der unaufhörlich auf sie einredete. Da ich mit meinen langen Beinen schnell vorwärts komme, war ich den Beiden bald näher, und nun gewahrte ich, daß dieser Mensch durchaus nicht zu der Dame gehörte, daß sie im Gegentheil vor ihm floh, da er sie äugenscheinlich mit unanständigen Reden verfolgte. Ich hörte, wie sie ihm befahl, sie in Ruhe zu lassen, und das mit einer Stimme, die mir bekannt vorkam. Da, mit einem Male, stürzte die Dame. Sie. hatte wohl in ihrer Angst eine Unregelmäßigkeit des Bllrgersteigs übersehen. Der Mensch bückte sich über sie, um ihr aufzuhelfen und sich wo möglich ihre Situation zunutze zu
machen. Zum Glückt hatte ich rne Beiden gerade erreicht. Ich sprang dazwischen es war alles das Werk eines Augenblicks und schüttelte den Menschen ingrimmig, dann stieß ich ihn beiseite. Er hielt sich nicht lange auf, sondern lief eilends davon. Inzwischen wandte ich mich zu der Dame, um ihr aufzuhelfen. ,Sie haben sich nicht' verletzt, wie es scheint.' sagte ich. .Gott sei Dank!' ,Und Ihnen, der Sie mir rechtzeitig zu Hilfe kamen,' entgegnete sieund sah mich voll an. Der Mond trat ,gerade hinter einer Wolke hervor und beleuchtete ein schönes Gesicht es war jenes Mädchen aus dem Waarenhaus. Mich durchzuckte ein freudiger Schreck. ,Wenn ich nicht irre, so kennen wir einander,' sagte ich und bot ihr nun meinen Arm. Sie nickte und nahm ihn an. Ich fragte sie, ob ich sie vielleicht in irgend eine nahe Konditorei führen solle, damit sie sich erst erhole, bevor sie weiterginge. Das wolle sie doch lieber nicht, meinte sie; sie sei schon ganz beruhigt und wünsche vielmehr nach Hause zu gehen, ihre Mutter warte auf sie und würde am Ende unruhig werden. Wenn ich sie, es sei etwa noch eine Viertelstunde weit, begleiten wolle, so würde sie das dankend annehmen. Ich stellte mich ihr nun vor und ging langsam mit ihr vorwärts, theils damit sie sich vollständig von dem Schreck erholen könnte, der, das fühlte ich, ihre Glieder noch durchzitterte, theils weil ich fürchtete, das Vergnügen, sie am Arme zu führen, möchte zu schnell zu Ende setn. , .Welch ein merkwürdiger Zufall!' begann sie stockend und bebte noch immer. ,Ja, wahrhaftig!' erwiderte ich. ,Und wie es mich freut, Ihnen doch einen Dienst erweisen zu können! Sie haben mich damals mit so viel Takt und Feinheit aus einer der denkbar peinlichsten , Lagen befreit; ich werde Ihnen das nie vergessen. Schon längst hätte ich es Ihnen gern gesagt.' ,O bitte, sprechen wir nicht mehr davon,' erwiderte sie lebhaft. .Ich fühle, daß es Ihnen schwer werden muß, auch nur daran zu denken.' ,O nein, durchaus nicht,' meinte ich; ,muß ich mich doch jedesmal daran erinnern, wenn ich an Sie denke, und das geschieht sehr oft.' Sie zitterte etwas stärker; es war also nicht nur der Schreck. Missen Sie, mein Fräulein,' fuhr ich fort, ,ich begreife eigentlich nicht Sie müssen mir meine Offenheit verzeihen daß eine Dame von Ihrer Intelligenz, Ihrer Persönlichkeit überhaupt sich gerade diesen Beruf erwählte. tsf - ,Es ist eigentlich auch nicht mein Beruf,' gab sie eifrig zur Antwort. Und nun erzählte sie mir, daß sie die Tochter des Gymnasialprofessors Doktor Leising fei, eine fehr sorgfältige Erziehung genossen habe und, "nachdem sie das Lehrerinnenexamen gemacht, . als Erzieherin nach England gegangen sei. Ein paar Jahre hätte sie dort in einer sehr vornehmen Familie gelebt und gewirkt und wäre gewiß noch da, wenn sie nicht hätte heimkehren müssen, um die schwächliche Mutter in der Pflege des todtkranken Vaters zu unterstützen. Dora hat sich dann wie eine Heldin benommen, obgleich sie das nie hören will, denn sie ist sehr bescheiden. Sie pflegte den Vater, der ein Jahr darauf starb und ihr nichts als feinen Segen hinterließ. Als nach seinem Tode die kleine Wittwenpension zum Unierhalt der Mutter nicht ausreichte, sah Dora sich energisch nach Erwerb um. Sie hatte schon begonnen. Privatstunden zu geben, bewarb sich auch um eine Stelle an einer städtischen Schule; aber die ersteren brachten nicht viel, und die Erlangung der letzteren war noch in weitem Felde. Da zeigte sich ein Ausweg. Sie hatte, sich, wie das in ihrer edlen Natur liegt, für die Tochter einer ärmlichen Familie mteressirt, die eme Hinterwohnung in demselben Hause innehatte. Dieses Mädchen, das in emem Waarenhaus angestellt war, wollte heirathen; da sie sich aber kontraktlich noch auf weitere zwei Jahre zu bleiben verpflichtet hatte, war sie in großer Verlegenheit. Sie klagte Dora ihre Sorge, und Du verstehst nun schon Dora entschloß sich nach kurzem Besinnen, die Stelle selbst anzunehmen, für die keine kaufmännische Vorbildung nöthig, dagegen Sprachkenntnisse und Gewandtheit im Verkehr mit dem Publikum erforderlich waren. Es handelte sich also um eine Vertrauensstellung im wahrsten Sinne
Des Wortes.
.Das Mädcben war übttafiMIitf, '
so erzählte Dorothea, ,daß ich sie von einer großen Sorge befreien wollte und Wtx Vereinigung mit emem braven Mann nichts mebr im Weae sieben würde. Meiner guten Mutter wollte niem nycylutz freilich weniger emleuchten: ick aber lief! mick, rntfit hnnrm abbringen und war froh, als die Firma Mi) aus Empfehlung meiner Bekannten, auf meine ernten euarnffe und meinen Namen hin engagirte. So konnte ich doch nun bei der Mutter in Berlin bleiben, würde unabhängig und frei von Sorgen sein und sogar nach uno nacy me Schulden abzahlen konmn. die meines tbeueren Vaters lnnjährige Krankheit verursacht hatte. Ich mar mir voll bewußt, daß ich in den Augen meiner bisberiaen Standesaenossen nun um ein Bedeutendes aesunken war. Aber ich bitte Sie, Herr fW Pl" fr . . 11 efl or, was habe ich denn verloren, wenn ick die VerKältnisse bedenke, in denen zu leben mir beschicken gewesen wäre? Nein, ich mußte die Brücke überschreiten, und ich habe es gethan.' ,Es macht Ihnen alle Ehre, gnadiaes Fräulein.' erwiderte ick. nock ganz bewegt von der Schlichtheit ihrer Erzählung. Wir waren jetzt vor ihrer Wohnung angekommen und mußten uns trennen. Ich fragte, ob ich ihr und ihrer Mutter am näcksten Sonntaa meine Aufwartung machen dürfe. Sie iay micy eruaun: an und sagte nach einigem verlegenen Zögern: ,Mama wird sich fehr freuen. Aber was wird Ihr Fräulein Braut dazu sagen? Ohne ihr Wissen dürften Sie das doch nicht thun.' Meine Verlobung, ist längst gelöst, wie Sie wohl denken können,' preßte ich hervor. ,O, ich wußte, daß es so kommen würde!' rief sie aus. ,Es lag alles schon damals in Ihren Augen.' Merkwürdiges Mädchen!' sagte ich. Dann reichten wir einander die Hände. Sie wandte sich ab und verschwand in der Hausthür." Der Legationsrath lächelte und sagte: Nun, und Du gingst natürlich am Sonntag hin, und der Roman verlief nach Wunsch und ohne Hindernisse. Ich kann mir's denken." Ja, wir fanden uns schnell," erwiderte Eberhard, und sein Angesicht leuchtete auf in glückseliger Erinnerung. Es war eigentlich, als hätten wir uns jahrelang gekannt, so sehr gehörten wir aleick zueinander. Einmal neckte ick sie, daß sie damals doch eigentlich gegen ihren Chef gewissenlos gehandelt habe, als sie mich so ohne Weiteres laufen ließ. Da wurde das geliebte Geschöpf roth bis über die weiße Stirn und sagte schelmisch verschämt: ,Js, ich hätte es am Ende auch nicht gethan, wenn Sie mir nicht vom ersten Augenblick an so sehr gefallen hätten. Ihre guten, ehrlichen Augen haben mir's angethan.' t ,Und mir die Deinen, Mädchen!' rief ich entzückt aus. ,All die Zeit haben sie mir geleuchtet, die lieben Sterne, bis ich den Weg zu Dir fand.' So wurden wir ein Paar." Es ist eine prächtige Wendung," sagte Benno. Und die Mama war gewiß auch zufrieden?" Ob sie es war!" meinte der Freund. Wir hätten sie gar zu gern gleich mit uns hierher genommen; aber die selbstlose, feine Frau lehnte das ab. Sie wolle unser junges Glück nicht, stören, sagte sie. Im Frühling aber," so fuhr er glückselig lachend fort, wird wohl eine Veranlassung für sie vorliegen, herzukommen, und dann lassen wir sie nicht wieder los. Ich will dieses Chalet" die Freunde standen gerade vor einem reizenden Gartenhäuschen in der Mitte des Parkes, das, in Mondlicht gebadet, mit seinen grünen Jalousien und von Rosen überrankten Mauern einen Zauberhaften Anblick bot für sie Herrichten lassen. Da ist sie unabhängig und zugleich uns doch allezeit nahe. Ihre alten Erinnerungsstücke lasse ich dann auch herschaffen, damit sie nichts entbehrt." Ausgezeichnet!" sagte Benno. Gott erhalte Dir Dein Glück, Eberhard!" Langsam wandelten die Freunde durch den mondbeschienenen Buchengang zurück. Ich weiß wohl, welchen Sturm der Entrüstung meine Heirath mit diesem lieben Geschöpf in der sogenannten guten Gesellschaft erregt hat; aber, lieber Benno, das läßt mich kalt, glaube mir. Man kennt diesen Engel eben noch nicht; übrigens wird der Zufall sie früher oder später in Berührung mit jener Gesellschaft bringen, da-s kann nicht ausbleiben, und dann wird man sofort merken, weß Geistes Kind sie ist." Sicherlich," bekräftigte Benno, und Gott erhalte sie Dir!" fügte er nochmals hinzu. Mit einem Gute Nacht!" drückten die Freunde warm einander die Hand. ' ... Wieder saß der Legationsrath mit Onkel und Tante in der Veranda am Kaffeetisch. Er hätte nur ein halbes Stündchen übrig, hatte er gleich beim Kommen gesagt, da er sich in Karlshorst über die Gebühr lange aufgehalten habe und mit dem Fünfuhrzuge nach Berlin zurück müsse. Du wirst hoffentlich die Geschichte herausbekommen haben," meinte die neugierige Tante. Für Euch Diplomaten ist so etwas doch eine große Kleinigkeit," setzte sie schmeichlerisch hinzu. f Der Legationsrath konnte nicht umhin, sich mit einem eigenthümlichen Lächeln zu verbeugen. .. Warum bat er denn die reizende
Baronesse Wilma aufgegeben, Benno? Er hat Dir's doch sicher gesagt." Die Charaktere paßten eben nicht zueinander, hochverehrte Tante." Aber deshalb brauchte er sich nackher doch seine Frau nicht aus einem Waarenhaus zu holen! Warum that er das nur, dieser Edelmann vonl reinsten Wasser?" ' Weil er im Waarenhaus ein Herrliches Kleinod gefunden hat, um dessen Besitz ihn jeder beneiden muß, der diese wunderbare Frau näher kennen lernt." So? Ist sie wirklich so reizend?" fragte die Tante fast enttäuscht. . Ja, ich hoffe, Ihr überzeugt Euch bald selbst davon auf meine Verantwortung," erwiderte Benno. Am Ende holst Du Dir Deine Frau auch noch mal aus einem WaarenHaus?" meinte der alte Herr ein wenig spöttisch. Gewiß," entgegnete der Legationsrath, wenn ich nur eine solche Gattin wie die meines Freundes dort fände." Doch merkwürdig, aus dem Waarenhaus!" wiederholte die gute alte Dame kopfschüttelnd. Wilhelm,, wir verstehen die heutige Welt nicht mehr." Onkel und Tante waren zwar wenig befriedigt von den Mittheilungen des Neffen; dennoch begleiteten sie ihn wieder bis an die Gartenthür. Gleich darauf horte man Bennos Wagen dadonrollen. . Meik Habersack's Schreidebrief No. 345.
Geöhrter Mister Edithor! - , Wie ich sellen Morgen nach mein Eckzident aus mei Bett getschumpt sin un mich in die größte Hurrie gedreßt gehabt hen, do sin ich reitewcg an die Stritt gelaufe un ich muß sage, ich hen geguckt wie en Tramp, wo grad e schreckliche Feit dorchgemacht Hot. Mei Fehs war ganz außer Schehp un ich sin schuhr, die Farmhänds sin bei Mißtehk mit ihre Buhts zu klohs zu mei Fehs gekomme, bikahs sell is der einzige natierliche Weg, wie's gehäppend sein kann. Dabei hen ich so Khm gefiehlt, daß ich hardlie hen wahke könne. Wie ich an. die Stritt sin tomm, do hen ich den Butscher Belohnte gemiet. Der Hot gesagt: For Pittiesehk. Mister Scheriff, wie gucke Sie denn? Sie gucke ja e Freit! Was is gchäppend?" Ich hen gesagt, ich deht mit Blutandrang nach dem KoPP soffere un der Dackter hätt gesagt, ich müßt viel an die fresche Ehr sein. Dann sin ich weiter gehumpelt un nach zwei Minnits do is die Missus Schwalb uff mich zu komme un Hot die Hand iwwer den Kopp zusammegeschlage. Schiewiß, Mister Scheriff, was hen se Jhne denn gedahn? Hen Sie mehbie getrcik, en Eckspreßtrehn zu stappe? Odder is Jhne die Zittiehahl uff den Kopp gefalle, odder is der Gässelinstohf an Jhne ecksplohdet, odder " Schott obb," hen ich gesagt, gehn Se heim, Jhne Ihr Behdie kreischt, un bekümmere Se sich emol for so ebaut vier Woche lang um sich. Ich sin weiter un do muß mich auch noch die Sekretehr von unser Lahdsch begegne. Wei, Bruder Habersack, was is die Mättcr? Warum sin Se awwer auch Nit t wenig kehrfull? Nemme Se emol an, was mir do widder for Sickbennesitt for Jhne bezahle müsse! Wei, das könne mer ja gar nit stende, das dicht ja unsern Kaunzel boste. Awwer ich wohte daaeae. Jhne Ihr Krankheit das is nicks' Nadierliches un Sie sin nit zu Bennefit inteitelt." Bei Galle, der hen ich, awwer e Pus von mem Memd gewwe. Ich hen gesagt: Ich belange jetzt schon for zehn Jahr zu die Lahdsch un ben noch kein Cent werth Bennesit gezoge. sie belange jetzt ecksäcktlie siwwe Monat dazu un hen schon mehr gezoge, als wie ich in die zehn Jahr for Duhs un Ackzeßments bezahlt hen. Wann mir nur noch ein Member hätte, wie Jhne, dann wär die Lahdsch inseit von sechs Woche uffgebroche un Sie dehre ebbeS iwwer mich zu sage? Wei, wann ich nit effreht wär, for Krujeltie tu Ennimels errestet zu wer'n, dann deht ich Jhne e Ohrfeig gewwe, daß Se denke dehte, en Zeikluhn hätt Jhne gcstrocke. So viel kani ich Jhne sage. daß unser Lahdsch e darnseit besser ab war, wann Sie so schnell wie möglich rieseine dehte; lang könne mer Jhne ennihau nit mehr stende. So, stoppe Se das in Jhne Ihre Pfeif un schmohke Se's." Do hen ich fe stehn losse un sin fort. Gasch, was sin ich so mähd gewese un ich hen so elend gefühlt, als wann mei Herz an en Zwirnsfaden hange deht. Ich Yen awwer jetzt auch e Vielem nach den Restaurant gemacht un hen bei den Wehter e Stehk geordert so groß, wie nur eins von so eme Rindvieh zu hawwe is. Der Wehter Hot mich angeguckt, als wann ich das Stehk aus ihn erauskotte wollt un Hot gesagt, se
dehte nit an Bomms un Tramps wehte un ich sollt schnell fort gehn.
sonst deht er den Bahs rufe. Ich denke, der Kunne is en neuer Mann gewese un ich hen gesagt, jehs,- rufe Se emol den Bahs. Der Proppreieter is dann auch komme un der Hot mich gleich riekanneist. Ich hen ihn an die Se:t genomme un hen gesagt, er sollt mich nit eweg, gewwe, ich wär bloß in Dißgeis, bikahs ich deht en Kehs uffworke, un der Feller derft mt anketsche. Do Hot er e schmartes Fehs gemacht un ei tell juh, ich hen e Futterche' kriegt, das war eh Nomber wonn. Wie ich mit durch war, do hen ich siwwe un neunzig Perzent besser gefühlt un wann Nit mei Fehs so verplotzt gewese wär un wann nit mei Beine un mei Arms so sohr gewese wäre, wei, dann hätt ich truliö singe könne. Ich hen noch e Battelche Wem gedrunke un hen mich so schluckzessiefe rettig zum Gehn mache wolle, uff eemol tschehnscht die ' Sittmehschen. Die Dohr werd ussgerisse un zwei Kappersch un e Latt annere Fellersch, wie se so immer in die Saluhns erum hänge, komme in das Ruhm, wo ich gefosse hen. Do is der Feller, Hot der Wehter gesagt, un die zwei Kappersch hen sich uff mich gesterzt un hen mich erresie wolle off Kohrs Hot mich keiner von se riekanneist. Ich hen gesagt, ich sin e Kostie. mer hier un bezahle for was ich verzehrt hen un do will ich emol sehn, wer mich do ebbes duhn will. Ahlrecht, Hot der Wehter gesagt, denn pohnie obb. Jhne Ihre Bill is drei Dahler un e halb. Ich hen ini mei Packet gegriffe un schuhr genug hen ich noch nit en rothe Cent gehabt. Do Hot der Wehter gelacht wie krehsia un sagt: Hen ich's nit gewißt? Uff ihn!" Do hen mich die Kappersch beim Wickel genomme; ich hen gefeit gege se un bikahs ich hen mit meine schwache Kräfte nit so viel mache könne, do hen ich mei Schmiß kriegt, daß es nur so gerappelt Hot. Wie ich mei Licken gehabt hen, do hen ich mich ein von die Kappersch bei Seit genomme un hen gesagt: Du verdolltes Kameel, kennst du mich denn nit? Ich sin doch der Scheriff un wann Ihr nit reiteweg verdufte duht, dann verliert Ihr in leß denn no teim euern Schapp un for euerTrietment do wer'n ich bifeids noch euere Klack fickse. Do Hot er awwer die sämmtliche Auge uffgerisse un es Hot noch keine Minnit genomme, do wäre se fort. Im Vorbeigehn Hot der Kapper zu den Wehter gesagt: Seller Schentelmann is ahlreit un Sie besser gucke aus for en annere Schapp, bikahs wann Jhne Ihr Bahs ausftnne duht. was Sie angestellt hen, dann sin Se gefeiert. Wie der Napolium nach die Bättel von Eusterlitz sin ich dann abgange. Ich sin heim un hen mich reit streht Widder in's Bett gelegt. Zwei Lickins in 24 Stunde, das is mehr, wie ich stende kann. Mit beste Riegahrds Juhrs Trulie, Meik Habersack, Eskweier un Scheriff von Apple Jack Holie Terrer Kauntie. Aus der Besserungsanst a l t in Plankinton, S. D., eniflohen vor einigen Tagen dreiSträflinge. Sie hatten während des Tages im Felde gepflügt; als sie Abends die Pferde ausspannten, schwang sich jeder plötzlich auf eines derselben und das Kleeblatt jagte davon. Der Vorfall wurde über eine weite Umgebung bekannt gemacht und auf ihre Ergre:fung eine Belohnung ausgesetzt; nach drei Tagen wurden sie von dem 16jährigen Frank Miller in HandCounty gefangen genommen und nach Mitchell eingebracht. Die Flüchtlinge hatten in zwei Tagen die Pferde zu Schanden geritten und waren dann zu Fuß weiter gewandert, um auf die Jndianer - Reservation zu kommen, wo sie Freunde hatten. Der junge Miller sah sie an seines Vaters Farm vorbeikommen, sattelte ein Pferd, nahm eine Winchesterbüchse und ritt den Fliehenden nach; diese leisteten denn auch seinem Befehl Folge, mit ihm nach Mitchel zurückzukehren und der tapfere Junge konnte seine Gefangenen dem Sheriff überliefern. Ein DenkmalZolasist in aller Stille auf dem Kirchhofe Montmartre neben der Grabstätte des berühmten Romanciers enthüllt worden. Auf einem von dem Pariser Architekten Frantz Jourdain ausgeführten schwarzen Granitsockel erhebt sich die sprechend ähnliche Marmorbüste Zolas, die Solari modellirt hat. Der Einweihung, zu der keine Einladungen ergangen waren, wohnten nur die Wittwe des Verstorbenen und wenige Intime des Hauses Zona bei. Eine große a l t m ä r k ische Bauernhochzeit wurde unlängst in Groß - Brerstcdt gefeiert, wo der Landwirth Busse mit der Besitzerstochter Amanda Winne aus Wistedt den Bund für's Leben schloß. Da ungefähr 400 Gäste theilnahmen, waren zwei Zelte errichtet worden. Es wurden geschlachtet: zwei Rinder, sechs starke Kälber, zwei Schweine sowie viele Hühner; ferner waren besorgt worden iy2 Centner Steinbutt, 1 Centner Spargel; gebacken wurden 170 Butterkuchen, 60 Topfkuchen, 30 Stollen, 20 Blech Zuckerkringel, 1000 Pfannkuchen und zehn mächtige Baumkuchen. Damit kein Gast zu dursten brauchte, waren auch gewaltige Mengen Getränke, Wein. Bier, Kaffee u. s. w. zur Stelle.
