Indiana Tribüne, Volume 27, Number 255, Indianapolis, Marion County, 17 June 1904 — Page 7

Jüdinn Tribüne, 17 Juni

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Das Gymnasium zu Leng hui 0 Ein Schulroman aus der Ostmark 2?ott Karl Busse (Fortsetzung.) Ruhiger werden, Freundchen, ruhiger werden! Wollen Sie das Salz entkehren, weil es bei zu reichlicher AnWendung die Suppe ungenießbar macht?" Jedenfalls schicke ich doch den Koch weg, der damit Unfug treibt." Mit anderen Worten: der Junge nebenan soll relegirt werden. Ist das nicht auch ein wenig z u salzig z u begeistert, "ine ick?" Ehe der Hilfslehrer antworten konnte, trat Georg Rüdiger em. Gertrud verschluckte einen kleinen Seufzer der Erleichterung. Er schläft ganz ruhig," sagte er. Wie steht es draußen?" Es war seit einer Viertelstunde stiller geworden. Den Leuten machte die ganze Sache keinen Spaß mehr. Fenster zu zerwerfen, gab es nicht mehr; am Gitter zu rütteln, hatte keinen Zweck. Die Ernüchterung trieb die einen fort, die Langweile die anderen. So ward es vor der Anstalt leerer und leerer. Die meisten waren wohl, als hätte sich gar nichts ereignet, auf den Festplatz zurückgekehrt, von dem Musik und Lärm erscholl. Und kaum verlief sich die Menge, so jauchten auch die blanken Helme der Gendarmen auf. Die Hüter der öffentlichen Ordnung patrouillirten jcht auf und ab und sahen sich scharf jeden an, der vorllberkam oder sich, in der Nähe herumtrieb. , Da jedenfalls nichts mehr zu befürchten war, machten die beiden Lehrer Miene, aufzubrechen. Gertrud hatte inzwischen ihrem Vater halblaut von den Weisungen des Arztes erzählt. Er hob überrascht den Kopf, als er davon hörte, daß der Knabe und gewiß auch die Mutter heute Nacht hier bleiben sollten. Aber gefaßt sagte er: Dann wird es richtig sein, die Dame sofort zu benachrichtigen. Vielleicht will sie vorher noch nach Hause. Die Herren wären dann die sicherste Begleitung." Willst Du es sagen, Papa?" Er schüttelte den Kopf. Geh, Kind das ist Deine Sache. Du vertrittst hier die Hausfrau." Und während er sich seinen Kollegen zuwandte, strich er sich nach seiner Gewohnheit über Stirn und Haar, als wollte er Gedanken verscheuchen. Marie-Anna hörte Gertrud Rüdiger an und erschrak. Sie sollte hierbleiben Rathlos sah sie in das kräftige Mädchengesicht. Aber ihr Kmirallem lassen? Und wenn doch etwas passirte? Ich schäme mich," sagte sie leise, ich mache Ihnen so viel Mühe. Und jetzt auch das noch!" Sie trat auf das Mädchen zu, legte die Hände auf ihre Arme: Sie dürfen mir nicht böse sein,, daß Ihnen unsertwegen Unheil und Mühe erwuchs. . Sagen Sie mir das, bitte!" Die großen, dunklen Augen hatten noch einen leisen, feuchten Glanz von den Thränen. Unter ihrem Blick, der forschend auf ihr lag, ward Gertrud fast verwirrt. Aber gnädige Frau," versuchte sie zu scherzen sehen Sie diese Hände! Nicht wahr, die sind kräftig genug. Wirklich, ich thue gern, was ich thue." Dabei blickten die hellen Augen in die dunklen. Es schien alles gegensätzlich an diesen beiden MenfchIN. Neben Ma-rie-Anna erschien Gertrud klein; sie erschien fest- und rund neben dieser zarten Schlankheit. Sie wurde hier gleichsam zur Tochter ihrer Mutter: ein veredeltes Pinchen. Danke!" sprach Marie-Anna. Sie .ließ die Blicke nicht ab von dem Gesicht. Wöllte sie es sich einprägen? Suchte sie die Züge des Vaters darin? Oder jene der Mutter, um derentwillen sie verlassen worden? Man beredete das Nothwendigste. Marie-Anna bat flehentlich, ihretwegen keine Umstände zu machen. Es sei doch verständlich, daß sie sich höchstens, wenn sie gar zu müde würde, in Kleidern einen Moment hinlegen würde. Und natürlich wollte sie vorher nach Hause, dem Madcher Bescheid sagen, dies und jenes herbesorgen lassen. Monsieur Jambon und Doktor Holst geleiteten sie. Man sprach von den Ereiqnissen des heutigen Tags. Und immer wieder der Direktor der Direktor! Brodnicki begeisterte sich stets von Neuem, und g?gen diese Begeisterung hatte selbst sein junger Kollege nichts einzuwenden. x Wie er. als ob er zwanzig Jahre wäre, die Vortreppen hinabgesprungen sei, sich wie ein Blitz auf den Knaben geworfen, ihn gepackt, ihn mit Riesenkrasten davongetragen yaoe: Einen Moment später und der Junge wäre zum Krüppel oder todtgescklaaen gewesen!" Marie-Anna zuckte nur; sie warf kein Wort ein. Sie sah alles von einer neuen Seite. Als der Rektor ihr den Hergang in ihrer Wohnung und auf dem Hinweg erzählt hatte, ,war die Angst und Erregung zu groß gewesen, als daß sie alles verstanden hätte. Er wollte sie beruhigen und hatte deshalb auch alles gemildert. Sie hatte Georg Rüdiger also nicht

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nur für ein Asyl zu danken, das er

ihrem Kind gegeben hatte auch für das Leben dieses Kindes selbst. Mechanisch schritt sie hm, mechanisch gab sie Antwort. Wie das Leben mit uns spielt!" dachte sie. Diesen einen dummen Gedanken eigentlich die sechs Worte nur konnte sie nicht los werden: Wie das Leben mit uns spielt " Als sie dann, von dem Dienstmadchen begleitet, zum zweitenmal heute die Klingel an der Direktorwohnung zog, hatte Gertrud Rüdiger schon alles in Ordnung gebracht. Mit aufge--streiften Aermeln kam sie dem Logirgast entgegen. Das Herumwirthschaften machte ihr wirklich Freude: es steckte im Blut. Und sie selbst brachte alles herbei, was noch fehlte. Georg Rudiger ließ sich entschuldigen. Er ging bis Mitternacht in seinem Zimmer in dem Arbeitszimmer. das heute auch als Schlafraum dienen rnujjte auf und ab. Dann blies er die Lampe aus, zündete eine Kerze an, legte sich nieder. Er beobachtete, wie die Schatten an den Wänden tanzten. wuchsen und zurückwichen, wie Licht und Dunkel da kämpften. Unter dem gleichen Dach mit ihm in der wetterdurchleuchteten Mainacht wachte und schlief Marie-Anna Leutholdt. Wie viel Wände trennten ihre Herzen? War auch ihr noch heiliges Vermächtniß, was nur geheim hatte blühen und niemals hatte reifen dürfen? Was ging jetzt in ihr vor? Kerzenkmstern rauschende, rau nende Nacht. Und mit einem Mal druckte der Mann ganz fest die Augen zu: nur einmal sie halten dürfen, ganz still am Herzen. That es weh, Marie-Anna?" Und über ihr Haar streichen: was sie damals zu seinem Brief gesagt hätte? Alle verschluckten Thränen, alle mcht gesagten Liebesworte sie sollten geweint und gesprochen werden. Heute nahm er Niemand mehr etwas, heute verletzte er keine Pflicht damit. Und mcht schämen wollten sie sich: nicht ableugnen das Reinste und Beste, was das Leben ihnen geboten. Wie i-st Dem Haar so schwer gleich einer Krone! Wie bist Du jung, Ma-rie-Anna! Das Licht hatte die Schatten fast ganz besiegt. Hell, von ruhiger Flamme beschienen, lag die Wand. Da schlug Georg Rudiger die Augen langsam auf, mit einem leisen Stöhnen. Fester, mit schwererem Druck als sonst, fuhr seine Hand über Stirn und Haar, als säße der Gedanke nes und sicher und unverjagbar. Durch die Bewegung kam em Zug und Wehen in die Flamme der Kerze. Sie zitterte, bog sich, wich zurück. Und ubex die ganze Wand, die so lange hell und rein gewesen war, wuchsen riesige Schattenslugel und machten sie dunkel. 9. K a p i t 1 1. Ap T4v?4-a fr( 5 Vv m u9 vtivitin. lVJi ul y F Nacht nicht entladen, oder es mochte irgendwo in der Ferne niedergegangen sein. Am Morgen regnete es. Ein Rinnen und Träufeln von Blatt zu Blatt. Mit übernächtigen Augen fah Georg Rüdiger in die trübe Welt. Er war erst gegen Morgen in einen schweren Schlaf gesunken. Und der neue Tag brachte ihm viel Arbeit. Aber er war froh, daß so viel vor ihm lag und seine Gedanken ablenkte. Er überzeugte sich, welche Schaden der gestrige Tumult angerichtet. Von dem eifer?len Gitter waren ein paar Zacken abgeschlagen, eine Reihe von Scheiben war zertrümmert. Auch ein Spiegel war getroffen worden. In den beiden Zimmern, die nach der Straße zu lagen, fanden sich ein paar Dutzend Steine. , Viel mehr waren von Wind und Fensterkreuz abgeprallt und auf die Beete gefallen. Er notirte alles, erstattete formelle Anzeige bei der Polizei und setzte einen vorläufigen Bericht an seine vorgesetzte BeHorde auf. Um ganz mit sich in's Reine zu kommen, um auch frischer zu werden, machte er dann einen weiten Spaziergang. AIs er zurückkehrte, war Marie-Anna fort, In einem verdeckten Wagen hatte sie ihren Sohn, der sich besser fühlte, in ihre Wohnung übergeführt. Sie hatte dem Direktor selbst noch danken wol len, aber es schien ihr nicht unlieb zu sein, daß er fort war. Gertrud erzählte ihm das alles, als sie ihm das gewohnte Frühstück hereinbrachte. Und ihr war, als athme auch ihr Vater auf. Da bekommst Du Dein Schlafzim mer also wieder. Du siehst nicht gut aus, Papa! Auf so plötzliche Hausgaste sind wir doch nicht eingerichtet. Er nickte und erwiderte, gleichsam ihren unausgesprochenen Gedanken beantwortend: Ich habe der Dame die Wiederbegegnung mit mir erspart. Es handelt sich immerhin ietzt darum, seit zustellen, wie weit der junge Mensch die gestrigen Unruhen verschuldet hat. Ja," sagte sie rasch, Doktor Holst war auch sehr gegen ihn. Und während sie sich zu thun machte: Uebrigens hat mir das Dienstmädchen gekündigt. Sie hat Furcht seit gestern. Und vor allem: sie will bei Deutschen mcht d'enen. Dann laß sie laufen, Kind, und ärgere Dich weiter Nicht. Thu ich auch nicht, Papa! Nur kränkt es mich, daß es so weit erst fia

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kommen müssen. Ich wollte ihr längst kündigen. Wir brauchen kein polnisches Mädchen. Jetzt schon gar nicht, seit wir

nur bei Deutschen kaufen. Aber ich wollte die Stascha wegen nichts und wieder nichts auch nicht gerade vor die Thur setzen. Und nun hat sie mir gekündigt." Sie dachte an den Hilssletzrer. Wenn sie nur alle seine Lektionen beherzigt hätte! Man sieht immer mehr em, wie recht Doktor Holst hat. und daß wir mit ganz falschen Vorstellungen hergekommen sind." Da hob ihr Vater das Haupt: So. so. Nun ist also der gute Holst höchst Autorität." Sie wurde roth: Wenn er recht hat!" Fräulein Blücher, Fräulein Blücher," drohte er lächelnd meldet sich was?" tu - Nein, Vapa," sprach sie lachend. Er ist mir zu häßlich.- Und. überHaupt: daß ich einmal heirathen soll, kommt mir ebenso komisch vor, als wenn Du es noch einmal thun könnteft. Der alte Rektor war zu drollig. Na, er hat's ja nur im Scherz gemeint. Gewiß nur im Scherz," nickte ihr Vater ruhig. Alte Esel tanzen nicht mehr. Und nun laß mich arbeiten." Sie stand ein wenig betroffen da, mit unsicherem Gesicht. Dann ging sie nachdenklich zur Thür. Georg Rudiger zwang sich dazu, als er allein war, seinen vorläufigen Bericht noch einmal zu prüfen. Es war ziemlich klar, was kommen mußte. Die Polizei verhaftete em paar Verdachtige, dann gab es lange Zeugenvernehmungen. Die Hauptsache blieb für ihn, den-Direktor, die Vernehmung Reinhold Wächters. Lügen würde der Junge nicht das stand bei ihm fest. Zweifellos paßte der gestrige Tumult den geistigen Leitern des HandwerkerVereins recht wenig in den Kram. Die Regierung bekam dadurch eine Waffe in die Hand. Und es mußte sich bald zeigen, wie die Führer des Polenthums den Schlag versuchen würden, abzulenken. Es zeigte sich schon gegen Mittag. Zwei Herren ließen sich melden. Der Direktor empfing sie. Der eine war ein bekannter Arzt der Stadt. Sehr höflich erklärten sie, daß die Erregung unter den Polen ungeheuer sei Beweis: die gestrigen bedauerlichen Ausschreitungen und daß sie es für ihre Pflicht hielten, dem Leiter der Anstalt klaren Wein einzuschenken. Sie kämen vor allem, um Anklage gegen den Schüler Reinhold Wächter zu erheben. Bitte," sagte Georg Rüdiger höflich. Ich mache die Herren aber darauf aufmerksam, daß ich keineswegs die gestrigen Tumulte selbst zum Gegenstand einer Debatte zu machen wünsche, sondern nur Ihre Beschwerden gegen einen Schüler der Anstalt entgegennehmen werde. Worüber also beklagen Sie sich?" Ueber die fortgesetzten Verhöhnungen unserer Nationalität von Seiten eines unreifen Burschen," erwiderte der Arzt scharfe Nicht feit Wochen feit Monaten und Jahren geht das. Und seitdem der Wechsel in der Leitung der Anstalt eingetreten ist und von oben ein schärferer Wind weht, macht sich diese offene Verhöhnung in widerlicher und beabsichtigter' Weise bemerkbar. Ein gebildeter Mensch mag sich schließlich darüber hinwegsetzen: der Bursche weiß selbst nicht, was er thut! Ab-r das Volk, der Durchschnitt, empfindet anders. Das kocht innerlich vor Wuth das berechnet nicht die jungen Jahre, das weiß nur: der Mensch da tex höhnt uns! Und dieser Mensch ist der Sohn des früheren Landraths, des höchsten Kreisbeamten, dieser Mensch gehört also einer der besten Familien an, und sein ungehöriges Auftreten weckt neben dem nationalen auch einen sozialen Haß. Wenn unser Volk, Herr Direktor, nicht so gutmüthig wäre, hätte der Knabe vielleicht schon böse büßen müssen. Gestern ist es zu einer Abrechnung gekommen; das bis zum Aeußersten gereizte Volk hat sich gewehrt. Es war gut, daß Sie dazwischensprangen, wir danken Ihnen alle dafür. Aber so geht es nicht weiter deshalb sind wir hier." Georg Rüdiger schüttelte den Kopf. Ich muß bitten, sich an das einzelne zu halten, an den bestimmten Fall. Wen hat der betreffende Schüler verhöhnt und wann?" Wen? Wen, fragen Sie, Herr Direktor? Uns alle! Und wann? Täglich, stündlich! Ich habe nicht jeden speziellen Fall im Kopf. Aber wo Rauch ist, ist auch Feuer. Oder glauben Sie, daß für nichts und wieder nichts gerade immer gegen den einen von allen Seiten Anklage erhoben wird? Und für das, was wir wünschen, für die exemplarische Bestrafung genügen ja, denk ich, die gestrigen Vorfälle! Dreierlei kommt da zusammen. Sie, Herr Direktor, haben den Schülern verboten, an unserm Fest theilzunehmen. Nichts darüber zu sagen es war ein Schlag für uns, doch Ihr gutes Recht. Aber das Verbot galt doch nicht nur für polnische Schüler, sondern auch für deutsche, nicht wahr? Nun gut, nicht ein einziger Gymnasiast hat den Festplatz betreten mit der einen Ausnahme des Sekundaners Wächter! Das ist also offenbarer Ungehorsam. Georg Rüdiger sah dem Sprecher in die Augen: Weiter!" .Deshalb," fuhr der tiefathmend

fort, waren wir natürlich nichs hierhergekommen. Ob ein Schüler das Verbot eines Lehrers übertritt oder nicht, das ist seine oder wenigstens nicht unsere Sache.

Aoer, Herr Direktor, dieser Scküler hat nicht nur Ihrem Gebot zuwidergeyanoen, er hat sich auch auf eme Weise den Festtheilnehmern gegenüber benommen, daß selbst der Geduldiaste mit den Zähnen knirschte. Er hat uns, vie wir vergnügt und fröhlich unser Jahresfest feierten, ohne Ursache verhöhnt und beleidigt: er bat einen Streit vom Zaun gebrochen und unsere ner geuort; er hat denen, die ihn ytnweggewiejen ich kann die y tarnen nennen die Faust in's Gesicht gcschlagen! Wundert es Sie da noch, daß der Zorn in den Herzen überschwoll?" Der Direktor machte sich ein paar kurze Notizen. Eine Frage: haben die Herren mit eigenen Augen gesehen, daß der Schüler Streit vom Zaun brach, zuerst schlug und den Tumult provozirte?" Der Arzt blickte fragend semen bislang schweigsamen Gefährten an. der 1 den Kopf schüttelte. Nem." sagte er wir vom Ehren vorstand hatten im Klosterwäldchen Tische für uns aufschlagen lassen. Das ist ja die entgegengesetzte Seite." Also haben Sie auch nicht bemerkt, daß der Schüler den Festplatz betreten hat?" Wir hörten nur die erregten Rufe. Als wir dazukamen, toste die wilde Jagd schon am Kloster vorbei dem Gymnasium zu. Aber wir haben die sorgfältigsten Erkundigungen eingezogen." Das wäre also der zweite Punkt. Und wenn ich nicht irre " Nein, Sie irren nicht! Vielleicht wären wir auch deswegen noch nicht hier. Denn schließlich hat der Bursche für sein Benehmen den gehörigen Denkzettel gekriegt. Er konnte die Gesetze der Schule verhöhnen gut. Er konnte harmlose Bürger verhöhnen gut! Aber der Zorn wurde zur Raserei, als er unsere heiligste Religion verhöhnte. Herr Direktor, wir Polen haben nichts mehr, kein Vaterland, keine Gegenwart, wohl auch keine Zukunft. Wenn man noch wagt, an unser Letztes zu tasten, an unser Heiligstes, an unfern Glauben " Wer hat das gethan?" Das klang wie ein Schrei. Georg Rüdiger fprang auf. Seine Augen hatten Blitze, die Lippen waren fest zusammengepreßt. Der Schüler Wächter!" Das ist nicht möglich, das kann ich nicht glauben." Er ging erregt auf und ab. Der junge Mensch stammt aus gutem Haus. Er hat doch mit der Mutterrklilch so viel Herzensbildung eingesogen, daß er schweigend ehrt und respektirt, was Millionen heilig ist. Nein, nein geben Sie mir Beweise!" Wir sind hier, um anzuklagen. Während die Prozession gestern vor den Altar am Markt zog, der Priester das Sakrament zeigte, die Menge betete und in die Kniee sank, stand dieser Schüler mit höhnischem Lächeln am offenen Fenster. Hunderte haben das mitangesehen, Hunderte haben hinaufgeblickt. Ich kann bezeugen, daß Seine Hochwürden selbst in der heiligen Handlung gestört wurde und emporsah.. Das hat gestern das Volk am meisten empört, das hat es als offene Provokation emPfunden, deshalb raste es und beging Ausschreitungen. O, wir wissen, wie es kommen wird. Es ist ja immer so. Jene, die Ankläger sind und sein sollten, werden die Verklagten sein. Aber vorher erbebe ick hier vor Ihnen, dem der Scyllier"zunächst unterstellt ist, Anklage. Er darf nicht auf dem Gymnasium bleiben, er muß relegirt werden!" Zum erstenmal straffte sich die Stirnhaut des Direktors wieder, die so lange in schweren Falten gelegen. " Halt." rief er ich bin verpflichtet. Ihre Anschuldigungen entgegenzunehmen. Sie sollen das bedarf keines Worts auf das Genaueste untersucht werden. Und ist besonders das richtig, was Sie zuletzt erwähnten, dann soll auf eine Weife durchgegriffen werden, daß der betreffende Schüler sich gratuliren kann. Die Strafe jedoch wird von mir, beziehungsweise dem Lehrerkollegium festgesetzt. Ich bedaure, da weder Wünsche iwch etwa gar Vorschriften entgegennehmen zu können." Ganz recht aber es wird' erlaubt sein, darauf aufmerksam zu machen, wie furchtbar erregt das Volk ist, und welche Folgen entstehen können, wenn es sich neuerdings wieder in seinem Rechtsgefühl verletzt glaubt." Eine Handbewegung. Die Volksstimmung fällt hier nicht in's Gewicht wirklich gar nicht. Sämmtliche Deutschen könnten den Schuldigen nicht der Strafe entziehen oder die Strafe mildern. Aber polnische Wünsche sie auch nicht verschärfen. Ich bin hier, um meine Pflicht zu thun. Alles andere ist mir in diesem Fall gleichgiltig. Ausschreitungen wie die gestrigen lassen mich kalt. Wegen ein paar zerbrochener Fensterscheiben kehre ich nicht um. Bei einem neuen Tumult, den ich gewiß nicht wünsche, werden vielleicht ein paar Fenster mehr eingeworfen. Ich habe sie nicht mal zu bezahlen!" (Fortsetzung folgt.) Korallenriffe wachsen ungemein langsam; ein deutscher Gelehr ter, Heilpei-?, behauptet, in 333 Jahren erst um einen Meter (3.3 Fuß).

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Aus! a u d i -H--hH-:-H. Seltenes Jagdglück. Der Lehrer August Albrecht in Neunkirchen, Nieder-Oesterreich, erlegte kürzlich inseinem Jagdrevier zu Warth zwei Rehböcke auf einen Schuß. Die Rehböcke hatten, miteinander kämpfend, Kopf gegen Kopf gestemmt und in dieser Stellung traf der wohlgezielte Schrotfchuß beide auf den Kopf. Von Sandmafsen verschüttet. In Hibbe bei Lipto-Szent-Miklos in Ungarn kamen neulich die Schwester des Abgeordneten Johann Rocsiak und deren lljähriger Sohn auf schreckliche Weise um's Leben. Während sie in einer Berghöhle Sand gruben, lösten sich große Erdmessen los und verschütteten Beide. Die letzte Schachpartie. In einem Wiener Kaffeehause stürzte unlängst der zum Besuche von Angehörigen dort weilende 64jährige Kaufmann Karl Tannenbaum aus Hambürg während einer Schachpartie, die er mit seinem Schwiegersohne spielte, vom Sessel und that alsbald seinen letzten Athemzug. Ein Herzfchlag hatte ihn so jäh hinweggerafft. Mordthat eines Greis e s. Beim Landesgerichte in Laibach, Krain, war letzthin gegen den 95 Jahre alten Pfründner Johann Pavlic eine Untersuchung wegen zweifachen Todtschlages anhängig. Pavlic hatte im Versorgungshause nach einem kurzen Wortwechsel die Pfründner Ziegler und Maternik erstochen. Die Untersuchung gegen den greisen Todtschläger wurde jedoch eingestellt, da ihn die Gerichtsärzte für geistig nicht normal erklärten. Interessantes Urtheil. Vor Kurzem entließ eine Münchener Färberei ein Laufmädchen aus dem Grunde sofort, weil es bei einer Kundschaft, bei der es etwas abgeliefert und kein Trinkgeld erhalten hatte, an die Thür schrieb: Wenn Du mir nichts schenkst, sollst Du gleich verrecken." Dieser Tage wurde nun die Firma vom Gewerbegericht verurtheilt, die Kündigung zu bezahlen, weil das Mädchen nicht die Firma, sondern die Kundschaft beleidigt habe. Blutige Vergeltung. In Jumet bei Charleroi. Belgien, gab unlängst der Stellmacher Motte auf den Fabrikbesitzer Monnoyer in dessen Vureau zwei Revolverschüsse ab, und jagte sich, als er sein Opfer für todt hielt, selber eine Kugel in den Kopf. Ihm war in einem Schuppen neben der Glasfabrik bei einem Feuer auch ein Theil seines Handwerkszeuges mitverbrannt, und da der Besitzer der Fabrik sich weigerte, ihm den Schaden zu ersetzen, griff er zur Mordwaffe. Zweihundert Jubilare b e'i e i n e r F i r m a. Die Firma Heinrich Frank & Söhne in Linz. Ober-Oesterreich, beging dort kürzlich in einer großen Halle anläßlich ihres 25jährigen Bestandes das Jubiläum von 130 Arbeitern und Arbeiterinnen und 70 Beamten, Reisenden und Agenten, die seit dieser Zeit in ihren Diensten stehen, in großartiger Weise. Etwa 1000 Gäste, darunter der Statthalter, der Bürgermeister, Vertreter der Handelskammer etc., nahmen an dem Feste theil. Die jubilirenden Beamten erhielten Brillantnadeln, die . Arbeiter und Arbeiterinnen Geldspenden von den Chefs. Opfer der Berge. Bei einem Ausfluge, den neulich der Blumenhändler Jofef Hammer aus Leoben, Steiermark, 'mit seinem Bruder, dem 20jährigen Privatbeamten Hans Hammer, auf den Krumpenfee bei Trofaiach unternahm, stürzte letzterer über eine Lahne ab. Sein Bruder Jofef, der zu Thale eilte, fand ihn am Fuße einer 130 Fuß hohen Felswand schwer verletzt liegen und requirirte schleunigst Hilfe. Holzarbeiter transportirten den- Verletzten nach Trofaiach, er starb jedoch während des Transports. Ein zweiter Unfall ereignete sich am selben Tage auf der Frisiengerwand bei St. Peter-Freyenstadt. Die 13jährige Bergarbeiterstochter Ursula Waisnix stürzte beim Blumenpflücken auf eine Felswand und blieb todt liegen. Ueberarbeitung als Selbstmordmotiv. Beim Gardeschützen-Vataillon in Groß-Lich-terfelde bei Berlin hatte' der 20 Jahre alte Student des höhern Forstfaches, Karl Wender, ein Sohn des Oberbürgermeisters von Breslau, als Einjähriger gedient und war zum Vizefeldwebel der Reserve befördert worden. Um schneller Offizier zu werden, wollte der strebsame Student gleich eine dopvelte achtwächiae Uebung mitmachen. Er wurde hierzu bei der 2. Koinpagnie angenommen, .führte sich musterhaft im Dienst und war bei seinen Vorgesetzten wie bei seinen Kameraden beliebt. Binnen Kurzem konnte er erwarten, zum Offizier gewählt zu werden, nachdem er sein Offiziersexamen vorzüglich bestanden hatte. Er hat sich aber dieser Tage erschossen. Man nimmt an, daß er sich geistig überangestrengt und in momentaner Geistesstörung nach der todtbringenden Waffe gegriffen hat. Volksschullehrer und Reserveleutnant. Den ersten aus dem Volksschullehrerstande hervorgegangenen Leutnant der Reserve in der Rheinprovinz weist das Offizierkorps des Landwehrbezirks Elberfeld auf. Die Wahl erfolgte vor einiger Zeit und kürzlich ist die Bestätigung eingetroffen.

Feuer - Signale.

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Washington SU 51 No. 10 Spritzenhaus Illinois u Merrill LZ Illinois u Louistana 58 West und South 54 West und McCarty 6 Senat Ave. u Henry 7 Meridian und Ray ?s No. 4 Spritzenhaus Madison Av. u MorriS 55 Madison Av. u Dunlop 1 No Haken LeiterhauS South nah Delawari ti Penn, u Merrill 63 Delaware u. MeEartv 4 ?ast und MrEarty New Jersey u. MerrÄ 7 irg. Av. u Bradsha e Eaft und Prospekt Bicking und High n No. 11 Spritzenhaus ivir Ave. nahe Huro ? East und Georgia 7 Eeda, und Elm 74 Davidson u Georgia 7 English As. u Pme 7 Shelby und Bäte 8 Ro. 3 Spritzenhaus Prospekt nahe Shelby 7 Fletcher Av. u Shelby öl Market u. New Jersey 82 Delatvare und Wash. 83 East u Washington 84 New Dork u. Davidsor 88. Taubstummen Anstalt 66 Ver. Staaten Arsenal 87 Orient! und Wash. 9 Frauen-Reformat. 1 No. is Spritzenhaus Msryland nahe Mer. 2 Meridian u. Georgia. 93 Meridian und South 4 Pennsylv u. Louiftana 95 Virginia Ave u. Alab. SS Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 93 Capital Ave und Bh! 2Z No. 16 Spritzenhau 16. und Ash. 124 Alabama und 16. 125 Eentral Ave und IS. 126 FandeS und 15, 127 Brookside und Jupit 128 Eentral Ave und Vtc 129 Delaware und 19. 31 Alabama und li. 132 Bellefontaine und W. 134 College Ave und S. 136 Delaware und 13. 136 Alabama und North 137 Newmann und 19. 135 College Ade und 14. 139 Cornell Ave und 13. .41 Fandes und 19. 142 Highland Ave und 10. 143 Tecumseh und 10. 145 New Jersey und 22. 146 Alvord und 17. 147 No. 2 Spritzenhau Hillside Ave und 16. US College Ave und 2. 149 College Ave und 7. '.52 Park Ave und 2. !53 L E u. 23 Bahn u. 22. 154 Ramsey Av und 10. 156 Stoughton u Newman 157 Atlas und Pike. 158 Bloyd und Pawpaw. 159 No. 21 Spritzenhaus Brightwood Arden und Depot 162 Brightwood und 25. 164 Rural und Bloyd 165 St. Clair u. Keystone 167 Arsenal Ave und 23. 168 Bellefontaine und 88. 19 Park 9tec und lt. 212 Capital Töe und Vt, 218 Pennsylv. .Mchiaa, 214 Illinois und 20. 215 Senate Ave und N. 1 Pennsvlvania und 29, 17 Meridian und 16. ' 218 Capital Ave und 26, 219 Broadway und 10. 231 JllinoiS und McLea 2Z4 No. 14 Spritzenbaus Kenwood und 30 35 JllinoiS und 33. 33 Annetta und 30 237 No. 9. Spritzend, Udell und Räder 238 Udeil Ladder Wor sss Aabel und 7. Stl Meridian und 24. 24JlllN0U St.ElZki 243 Eldridge und 3. 512 West uud Wainut 513 West und 12. 814 Howard und 16, 315 Torbet und Pa S16 Capital Ave und H, 817 Northwestern Ave u A S18 Gent und 13. 19 Canal und 10. 3 Eerealine WorkS 24 Vermont und Lynn S25 BismarSu Srandvie 26 No. 2 Spritzenhaus Haughvillt. 827 Michigan u. HolmeS, 23 Michigan u. Concord ,41 West und McJntvre 412 Missouri u. Maryland 413 Missouri und Ohio 415 Capital Ave. Leorgia 416 Missouri entuckyA. 417 Senate Ave u. Wash. 421 P und E NundiuS W. 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Lau? 714 State Ave u. S'elt R J 710 Ehelby und Beech 71 State Ave unii Drang718 Orange und Laurel 719 Shelby u. &,ucae A 721 Lexington A.u Lauch 783 gleicher Ave u. Spru 724 State Ave u. PIeasaö 7i Prospekt und KeaZanZ 72 Orange und Hmla 723 Liberty und Äte 729 Noble und South 81 No. 1 Spritzenhaus Oft Washington 813 Market und Noble 814 Ohio u. Highland d! si Michigan u. Higdlan? 816 Market u Arsenal 817 Ost 5N Clair und Union Bahn Geleise. 821 Pan Handle Shop 823 Vermont und Waleott, 824 Wash. und State Afc, 82 Madden'SLounge Fsk82 Tucker und Dorsey 827 Wash. und BeviLe W 829 No. 1 Spritzenhaus Beville nahe Michiga. 831 Southeaftern Sü& Woodside. 83 Wash. und Dearbo 884 Southeaftern und Arsenal SlveS. 83 New Dort und TempÄ 12 JllinoiS und Msryl. si' JllinoiS und Kartet. Sit Penn, nd Wash. is Delawar im MÄk Spezial Signale. krsten Schlüge, zweiter Alarm, Zweiten Schlag, dritter Alarm, Dritten SchlLg, vierter Alarm. i--i, Feuer aus und Schlauch ausgeroül. SchlZge, Wafferdruck ab. l Schlüge, 1 Uhr Mittag. Die so bezeichnete Signale werden nur vom Thurm ivächter angegeben da an den betretenden Straß kreuzung kein AlarmkSSe angebracht sind. Chicago und der große Nordweft, via SNNMkLMWj laSka Hawaii PHUtvVtue Insel. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. t? Bon der Mono 47. Str. Station, Chicago, sind nur 5 Minuten mittelst elektrischer Car ach den Union Biehbösen renok .Lick Springs, I dem Orange Eounty Hochland. Familien-Hotel anter neuer Geschäftsleitung. Pluto, Proserptne ind BowleS Quellen. Beste Mineralwasser der Welt. Zwei Züge täglich via Gree.ieastle. Ticket-Officen : Union Station, Massachusetts ve nd 25 West Washington Straße. R. P.Alge o, Distrikt Paff. Agent, Indianapolis, Ind. . .H.McDoel, C. H. Ro ck w e II, ras. und en. Mgr. Berrieoeieie r a n i a. m 1 1 o, Gen.Pifk. Agent. Chicago. Jll.

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