Indiana Tribüne, Volume 27, Number 255, Indianapolis, Marion County, 17 June 1904 — Page 5
Indiens Tribüne, 17. Juni WOnl
Kleine Stadtnachrichten.
D er P a t r i o t i s ch e Orden der Söhne von Amerika wird am 4. Juli im Garfield Park ein BaSket Pi Nie veranstalten. Die graduirende Klasse des Indianapolis Mufik-Conservato rium hält ihre Schlußfeier am Don nerftag d..23. Juni Abends im DeutZchen Hause ab. . Das Leichenbegängnitz des in Winchester, Ind.. so plötzlich gestorbenen Journalisten Leonides G. Dones fand gestern Nachmittag vom Trauerhaufe Nr. 1125 Linden Str. aus statt. '" ' D e r gestern veröffentlichte Be bricht des Voloney T. Malott als Mas. senverwalter der Vandalia Bahn zeigt, daß die Gesammt.Einnahmen im Monat April sich auf $1,408,229.35 und die Ausgaben sich aus $1,156, 093.86 belief, so daß eine Bilanz von $252,130, 4y Deroueo. Ein talentvolles Mädchen. Frl. Mamie Gott, Schülerin der Handsertigkeits-Hochschule hat denPreis für die beste Zeichnung für die bron zerne Tafel gewonnen, auf welche die Namen aller Derjenigen eingravirt "werden sollen, welche $1000 und mehr für den Ankauf der alten Arsenal Gründe für das Nationale TechnischeInstitut eingravirt werden sollen. Die Tafel wird im Haupteingang des In stitutS- angebracht werden. Neue Inkorporationen. . Folgende neue Gesellschaften erwirk - ten ihre Jncorporationspapiere: Die' Magnolia Oil Company", Muncie, Capital $75,000; die Direc toren sind : V. M. Markleö. W. ff. Moggs, I. I. Burkholder, Thomas Bromley, Jr I. E. Dynes, O. M. Ware und I. v. yaw. Die Middletown Oil Company", Muncie, Capital $12,000; Directoren: Alva L. Binabam. ?lerru A. Gallivan. , John B. Rutherford, David F. Lane, Charles A. Oper,' Samuel L. Patter . und George R. Marwg. ' CTW TO. CVMR.nint joic justysfc oulluulcil1 ( VZU. , &UUUll, ÜUIIUUI JUl tr 4i scrr.i sr.k!ts aia sstn. rn: . rocnrirf ,. 5L N Nsk-V l w V J - - ' - - 7"r ' VJ " Collins und G. M. BuescherZ Die Sterne Glove Company", Elk hart, Capital 816,000; Directoren: Joseph Kle! Thomas Ornas, Mau rice H. 'Hyman, Harry L. Marshall und Louis L. Woods. Die Pennville Garment Co." Pennville, Capital $3,000 ; Direc toren : I. E. Conyers, Lavmm McCoy, William C. Waltz, E. R. Smith, Lewis G. Walling, Willis M. Hail und Charles Caylor. Die Farmers' Mutual Telephone mv m ry rsr . Company , evay, liopuai D,uyu; Directoren: I. D. Froman, George B. Hall, H. Weals, John L. Muret; A. 23. Danner, Robert Halton und Wm. Waltz. Grundeigenthums Uebertragungen. Martha M. Scrimsher an Fred. Cline, Lot 48v.ta Parker's Subd., Theil von Oak Hill westlich von Brightwood. $1,200. Frederick Meyerrose Sr. a James T. Eaglessield, Lot 5 in Sqr. 3 in ffletcber's N. O. Add.. südweftliS von den Atlas WörkS. $1,800. STOrtrni M NisN it M rttt TOtsstrtt x'vutit iw v v Mii grnium Loechle, Theil von LotS 3 und 4 in Fletcher'S 1. Brookfide Add., nordöstlich "vom Massachusetts Avenue Bahnhof. $1,650. Allen MyerS' an William Bosson, Theil vom nordwestli'chen Viertel von Sec. 25, Tp. 16, Range 3 in Center Township. $3,500. Herbert ö. Fieber an Stella Abbvtt, Lot 2 in Barrows Place Subd., Creß' Add., nahe dem Deutschen Waisenhaus. $1,000. Alice Coyle an Gertrude M. Dith mer, Lot 133 in Fletcher's 3. Add. an Newman Str., nördlich von den Big Four Geleisen. $1,800. Eugene H. Danach an die AnheuserBusch Brewing Co., Lot 19 in Sorin's Subd. vorr OutlotS 175 und 176, an New Jersey Str. und Fort Wayne Ave. $3,000. Anna M. Sanders an Fred. Cline u. A., 37 Lots in Central Park Add.. nördlich vom Creek, westlich von Senate Ave. '$3,000. Charles Eschenbach an William G. Kimmel, Lot 22 in Fenneman's High land Home Add., südlich von Wood ruff Place. $1,650. ' - :
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DcrBootssiihrer vom tVolfgangfee ij , j . . (Schluß.) Es war früher Nachmittag, als der junge Kaufmann in Brück eintraf. Noch auf dem Bahnhöfe fragte er nach dem nächsten 'Wege zum Kirchhofe der Stadt, den er sofort einschlug. Unterwegs kaufte er in einer Blumenhandlung einen schönen Jmmortellenkranz mit weißen Rosen für Zenzis Grab. Als er unter den alten Bäumen des Friedhofs stand und sich unschlüssig umsah, fielen ihm die Worte Tonis ein: Wer'n halt fleißi' beim Todtengraber fragen mllessen." Wo war der aber, der Todtengraber und Friedhofshüter? Weit und breit keine menschliche Seele zu entdecken; nur Baumschatten und Sonnenbrand und blinkende Jnschriften auf grauen und, weißen Leichensteinen waren zu sehen. Endlich kam er in jenen Theil der Begräbnißstätte, der zu? Zeit belegt wurde. Da fand er einen alten Mann bis zu den Hüften in einer Grube stehen, an deren Vertiefung er arbeitete. Das war offenbar der Gesuchte. Magnesius sprach ihn an, aber das schlohweiße Männlein antwortete nicht. Mit ekrümmtem Rücken scbaufelte er eikrin wener. Es war mcht allzumet Eroe, was er mit jedem Spatenstiche aushob, aber das verhutzelte Männchen war so fleißig, daß die Sache doch vorwärts ging. Es war ordentlich unheimlich anzusehen, dieses steinalte,, zwergähnliche Männlein, das inmitten der Sommerpracht mit so heißem Bemühen ein Grab aushöhlte. ' Endlich war es dem Kaufmann gelitngen, sich dem offenbar halbtauben Menschen bemerklich zu machen und ihm beizubringen, daß er nach dem Grabe der Kreszenz Weißhappel geführt zu werden wünsche. - Da schüttelte der Alte aber den Kopf. Weißhappel Kreszenz?" krächzte er. Ha'm m'r koane da. Weißhappel liegen gnua da, aber Kreszenz is koane drunter. Und von die todten Weiberleut', wo Kreszenz hoaßen, hoaßt koane Weißhappel." . ' Besinnen Sie sich nur, lieber Mann," sagte Magnesius traurig. Die in's Wasser gegangen ist." In's Wasser 'gqngen?" wiederholte der Alte. Is lang her, felm. Fünf-, zehn' Jahr, ja, oder' gar zwanz'g. Den Nam' hab' i vergessen. ' Aber Weißhappel hat die g'wiß nit g'hoaßen. naa! Selm a'wik nit." Nicht bor fünfzehn Jahren vor dreien!" Drei Jahr'?" Der Todtengräber schüttelte den Kopf so heftig, als wolle er ihn von seinem dürren, runzligen braunen Halse schlenkern. Seit fünfzehn Jahr' is Niemand mehr in's Wasser 'gangen bei , uns, naa, naa, naa." Er schien beinahe beleidigt über diese Zumuthung. , , . . Doch." beharrte Magnesius. Die Tochter, des Schusters Weißhappel in der .Färbergasse." 'Ueber das Gesicht des Alten glitt ein lautloses, spöttisches 'Lachen. Die Weißhappel-Zenzi moant's?" meckerte er lustig. Die in's Wasser 'ganga is die nit, naa, die nit. Die, lebt no'. ja, und is seit zwoa Jahrln mit 'm Ruedererwirthen im Färbergassel derheirath't, ja, und a saubere, riegelsame Frau Wirthin is s' wor'n, d' Zenzi. Wann S' a guet's Glasel Wein trinken wollt's, Herr, nachher müeßt's nur zu der Zenz in's Färbergassel gehn wohl, wohl." Der Fremde, der sich einbildete, die höchst lebendige Ruedererwirthin wäre seit Jahren todt, war offenbar ein wunderlicher Herr. Wie er jetzt dastand, in der einen Hand den schönen Kranz, mit der anderen nach der Stirn fassend! Recht wie einer, der am hellen Tage Gespenster sieht, benahm er sich. Und nun drehte er sich gar um, ohne Gruß und lief davon. . Der Alte im Grabe gaffte dem Enteilenden nach. Dann tippte er mit dem Zeigefinger an seine runzelige Stirn und bückte sich miede? über seinen Spa, ten. Hop'r)! Hopp: flogen die Schollen aus dtt Grube. . Es war beinahe lustig anzusehen. Magnesius stürzte zwischen den Gräberreihen dahin wie ein WahnsinNiger. An der Kirchhofspforte be. merkte der Aufgeregte, Daß er ja den Kranz noch in der Hand hatte. Er zauderte einen Augenblick. Dann nahm er zwei weiße Rosen aus dem Gewinde. Den Kranz legte er auf das nächste Grab, die Blumen behielt er in der Hand. Nun ging er geraden Weges in die Färbergasse. Er mußte Gewißheit haben. Da war es ja schon, das winkelige, nicht eben faubere Hintersträß. lein, in dem er vor drei Jahren so manchen Abend hochklopfenden Herzens auf die Geliebte gelauert hatte. Wie feindselig und fremd ihn heute die niedrigen alten Häuschen mit , den halbblinden kleinen Fenstern ansahen! An einem stattlicheren Haufe prangte über dem Thor ein vergoldeter Hirsch. Karl Ruederers Gasthof zum goldenen Hirschen" stand über den Fenstern des
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's' 's" ZZ Z zDSHSHHI 's"!' . Erzählung us dcm Z Salzkammcrgut 4 Gustav I. Kranß f i Sx$ngHgHäH0Kg zz TT Tr n JUA TT f 4"k rvgeiqoiies zu icjen. ncagneims stolperte die zum Eingang führenden Stufen empor und stieß die Thür auf. Ein weiter, dämmeriger Raum schwere Holztische in der Ecke der Schenktisch, aber kein Mensch da. Während er sich tief aufathmend in dem Raum, der so wenig Merkwürdiges bot wie nur irgend eine ländliche Wirthshausstube, mit so forschenden Blicken umsah, als wolle er den derben Holzmöbeln ein Geheimniß abfragen, hörte er eine Thür aufklinken. Er fuhr herum. Da stand sie vor ihm, Zenzi, genau so frisch und blond wie vor drei Jahren. Nur größer schien sie ihm geworden, voller, frauenhafter. Zenzi!" fchrie er auf. Die Prachtvollen Blauaugen sahen ihn eine Sekünde lang sehr erstaunt und befremdet an. Dann blitzte es in ihnen auf einmal wie Zorn und Entrüstung. Zugleich schlug eine flammende Röthe in das schöne Frauengesicht. Kreszenz heiß' ich wohl,", sagte die Frau Wirthin harten Tones. Aber nur für meine Leut'. Fremde fagen Frau Wirthin oder Frau Ruederer, verstanden? Was wollen S' überHaupt?" Bittend stammelte Magnesius: Frau Wirthin, ich muß mit Ihnen sprechen." : Die junge Frau schien erst ein wenig unschlüssig. Dann drehte sie sich auf einmal nach dem Schenktisch, füllte ein Glas mit Wein, fetzte es auf einen der Tische und winkte dem , Manne, Platz zu nehmen. So reden S' halt," sagte sie. Ich hör' scho' zu. Eine Wirthin sitzt bei so viele Gäst' im Jahr und hört allerhand Neven. Wa rann mei' Mann schließlich nix dagegen haben, wann ich Ihnen anhör', wie ein'n anderen." Magnesius war auf den Stuhl gefunken, den sie ihm anwies, und haschte mit zitternder Hand nach dem Glase. Er trank es auf einen Zug fast leer, um seine verdorrenden Lippen anzufeuchten. . Dann sagte er zusammenschauernd: Weißt Duwissen Sie, wo ich Sie soeben gesucht habe? Auf dem Kirchhof!" Die hübsche Wirthin zog die Brauen empor.,, Auf ,'n Freithof? Wieso denn?" - : . - Ohne in seiner Aufregung zu bedenken, daß er in der Geschichte Nicht eben eine heldenhafte Rolle spielte, erzählte Magnesius in hastigen Worten, was er auf dem Abersee bei St. Wolfgang erlebt hatte. Kreszenz hörte zu, ohne eine Miene zu verziehen'. Wie schnell die Herren dabei sind, z' glauben, daß ein Madel in's Wasser 'gangen is wegen ihnen," sagte sie, als -ihr ehemaliger Anbeter seinen Bericht beendet hatte. Wahr is's, g'waant hab' ich damals manche Nacht, und 'leicht haö' ich mannigsmal auch an die Mur denkt. Aber nur denkt, Herr! Na, und nach ein'm Jahr hab' ich mein jetzigen Mann g'heirath't." Ja, aber" stammelte Magnesius, wie ist denn bann wie kam dieser Toni dazu " . Das Gesicht der jungen Frau wurde jetzt von einem Lächeln erhellt. Aber stolz sein konnte Hans Magnesius ge. rade nicht auf dieses Lächeln. Es war ganz unverkennbarer Spott, der um den hübschen Mund der Frau Wirthin spielte. Ja aber, Herr, merken S' denn nit, daß Ihnen ganz einfach ein Gauner ein Geld hat abpressen woll'n mit der Kumedi?" Daran hatte der, sonst so scharfsinnige Geschäftsmann bis jetzt fonderbarer Weise wirklich nicht gedacht. Als ihm der Gedanke jetzt aufgenöthigt wurde, bekam er einen rothen Kopf. Die Sache war aber auch gar zu klägUch. Das ist denn doch!" brauste er auf. Haben Sie eine Ahnung, wer dieser Mensch ist?" Die Wirthin nickte und lachte dabei über das ganze Gesicht. Der Toni Hagebauer war's, unser Nachbarsfohn. Ein richtiger Galgenstrick, der Bub'! Fortmüssen hat er von Brück, weil ihm 's Pflaster zu heiß 'worden is durch seine lustigen Stückeln, die immer hart beim Kriminal vorbeig'streift sind. Und jetzt macht er's in St. Wolfg5- ?d so." Diesmal . das Stückchen aber nicht blos am Kriminal vorbei," Zürnte Magnesius, sondern es führt hinein. Falls der Kerl nicht über alle Berge ist, wenn ich zurückkomme, Lbergeb' ich ihn dem Gerichte. Bedrohung, Vorspiegelung falscher Thatsachen, Nöthigung das ist gerade' genug. " Frau Kreszenz Ruederer nickte bedächtig. Hübsch ein paar Jahrl thät' er brummen müssen, der Toni," bestätigte sie. Und doch führt ihn das Stückel, das er da g'macht hat, wieder einmal hart am Strafhaus vorbei, denn Sie wer'n ihn nit anzeigen." Oho!" Ueberlegen S' doch blos! Da that' ja die ganze G'schicht' vor'm Gericht er-
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zählt werden. Und in die Zeitungsblatteln thät's kommen. In der gan zen Welt thät' man lachen über Ihnen, Herr. Auf mich aber thäten die Leut' mit die Finger weisen da in Brück, die lieben Nachbarn. Und das dürfen Sie mir doch nit anthun, mein' ich. Von dem, was einmal war zwischen, uns. will ich gar nit reden. Das is vorbei. Aber ein bissel Dank sind Sie mir schon schuldig dafür, daß ich nit richtig in's Wasser 'gangen bin damals, wie ich Ihren schönen Abschiedsbrief 'kriegt hab'. Sie müssen doch mit ein' recht schweren Herzen herg'fahren sein nach Brück, und jetzt muß Ihnen ordentlich leicht sein, mein' ich. Oder" sie lächelte schalkhaft wär's Ihnen am End' gar lieber, die Zenzi wär' todt und begraben, als daß Sie der Blamirte sind, der ein'm g'finkelten Buben so auf'n Leim 'gangen is?" Hans Magnesius wurde dunkelroth im Gesicht. Er stand rasch auf und sagte mühsam: Sie haben recht. Ich muß den Kerl laufen lassen. Ihren Hausfrieden darf ich nicht stören. Zum Dank aber müssen Sie die zwei Rosen da von mir annehmen. Sie sind aus dem Todtenkranz, den ich für Ihr Grab gekauft hatte." Die Frau Wirthin reichte ihrem Gaste lächelnd die Hand. Ich dank' schön für die Rosen, und für den Kranz, und dafür, daß Sie so schnell herg'fahren sind, ihn auf mein Grab zu legen, wie Ihnen der Galgenstrick vorg'red't hat. ich wär' todt. Sie sind doch kein schlechter Mensch, Herr, trotz allem. Und jetzt will ich Ihnen was zeigen." Sie eilte aus der Stube. Nach wenigen Minuten trat ste wieder ein, einen pausbäckigen, blondhaarigen Jungen von etwa fünfviertel Jahren auf de... Arm. Magnesius wurde erst roth, dann blaß, als er dem kleinen Sohn seiner Zenzi in die blauen Augen blickte, die so ganz denen der Mutter glichen. Mit scheuen Fingerspitzen fuhr er dem Kinde über die runde Wange und murmelte etwas Unverständliches dazu. Auf einmal machte er auf dem Absatz Kehrt, wie ein Soldat, dem ein Vorgesetzter zuruft: Weggetreten!" und stürzte ohne Gruß davon. Fast hätte er seinen Hut vergessen bei diesem eiligen Abgange. Die blonde junge Frau stand, ihr Kind an das klopfende Herz gepreßt, und sah träumerischen Blickes vor sich hin, auf die Stelle, wo ihr ehemaliger Anbeter eben noch gestanden hatte, und die nun leer war. Sie athmete tief. Mit einem, dieser Athemzüge sog sie einen , schwachen kränklichen Duft ein, tote von welkenden Blumen. Sie wandte den Kopf nach dem Tische, an dem der Besucher gesessen hatte. Da lagen die beiden weißen Rosen' auf der braunen Holzplatte. Langsam setzte Kreszenz ihr Kind auf die Diele und aina an den Schenktisck, Sie füllte ein 'Glas mit Wasser und setzte die Rosen hinein. Frau v. Jlgenheim empfing Hans Magnesius, als er in feierlicher Besuchstoilette in den Salon der Villa trat, sehr freundlich, aber ziemlich verwundert. ' So schnell zurück?", fragte sie nach der ersten Begrüßung. Wir dachten ich weiß nicht recht, warum, aber wir hatten den Eindruck, daß diese Geschäftsreife länger dauern würde." Der junge Mann, der feine sonstige kecke Gewandtheit heute in auffälliger Weise vermissen ließ, antwortete nicht direkt, sondern erkundigte sich nach dem Befinden Fräulein Käthes. 1 Das feine, ein wenig blasse Gesicht der Geheimräthin zeigte einen höflich bedauernden Ausdruck, als sie erwiderte: Meine Tochter wird sehr bedauern, Sie nicht sehen zu können. Herr Magnesius. Das arme Kind ist leidend, beinahe krank. Gestern schien es, als müßten wir den Arzt holen. Heute geht es ihr etwas besser, aber recht matt ist sie noch." , O, das thut mir sehr leid" stotterte der Besucher, nahm sich dann aber mit einem merklichen Ruck zusammen und fuhr fast unvermittelt fort: Gnädige Frau, Sie wissen ja über meine Person und meine Verhältnisse hinlänglich Bescheid, daß ich mir lange einleitende Darlegungen sparen kann. Ich bitte Sie um die Hand Ihrer Tochter." Eine kleine Pause folgte diesen bedeutungsvollen Worten. Während dieser Pause blickte Magnesius starr vor sich auf den Teppich, die alte Dame sah ihm aus weit geöffneten, erstaunten Augen forschend in das hübsche,, heute ein wenig blasse Gesicht. Endlich hatte sie sich von ihrem Erstaunen so weit erholt daß sie, wenn auch mit zitternder Stimme, erwidern konnte: Herr Magnesius Sie überraschen mich! Ich für meine Person habe natürlich nichts gegen Sie. Auch Käthchen, fo weit ich das beurtheilen kann wenn Sie ein wenig warten wollen, schicke ich sie Ihnen selbst herüber. Schließlich ist das doch in erster Linie ihre Sache. Sprechen Sie sich aus mit ihr." Die alte Dame hatte sich bei den letz-
ten Worten erhoben und verschwand nun in großer Eile durch eine der Thuren, die aus dem Empfangszimmer m die inneren Gemächer führte. Auch der Freiersmann war aufgestanden. Er ging auf dem Teppich langsam auf und ab, aber sein Mienenspiel verrieth deutlich genug, welche Unruhe hinter der leidlich korrekten Außenseite des Mannes fieberte. , Es dauerte ziemlich lange, bis er aus der Qual dieser Erwartung erlöst
wurde. Endlich aber ging die Thür doch wieder auf, und in ihr erschien eine junge, schlanke Gestalt in weißem Hauskleide. Tief erröthend blieb Käthe einen Augenblick neben der Thür ste-
hen. Kreszenz!" durchzuckte es Magnesius, während er die zarte, schlanke Gestatt, das liebe junge Gesichtchen mit dem welchen, nnderhasten Munde, den großen blauen Augen und dem blonden Haargelock über der weißen Stirn mit einem nesen, innigen Blicke umfaßte. Kreszenz, wie sie vor drei Jahren war." Er schüttelte die Erinnerung aber rasch ab, trat auf Käthe zu und ergriff :hre weißen Hände. Gnädiges Fräulein," begann er mit gedämpfter Stimme, Ihre Frau Mutter hat Ihnen gewm schon gesagt, wel che Bitte ich ihr vorgelegt habe. Was antworten Sie? Sie antwortete gar mchts. Sie lehnte blos die Stirne an seine Brust und brach in Thränen aus. Als die beiden nach einiger Zeit Hand in Hand nebeneinander saßen, fragte Magnesius zärtlich: Du warst nicht wohl, mein Liebling? Was fehlte Dir?" Sie sah ihn in süßer Verwirrung an; es war ein eigenthümlicher Blick, wie durch einen Schleier hindurch. Nichts!" hauchte sie. Ich glaube. i)los Dein Brief" ; Mein Brief?" Sie lehnte das Gesicht ' an seine Schulter, um es vor seinen fragenden Blicken zu verbergen. Ich habe Dich ja schon so lange lieb!" flüsterte sie ihm m dieser Stellung zu. Noch von Ber lin her. Als Du aber so viele Vorsicht entwickeltest im Verkehr Mit uns, da verlor ich alle Hoffnung. Ich sagte mir, daß Du mich vielleicht ganz gut leiden konntest, aber doch mcht genug. um Dir eine vermögenslose Frau auf zuladen, da Du als aufstrebender Kaufmann doch eine reiche 'Heirath brauchtest. Du kannst Dir denken, wie ! glucklich ich dann war, als wir uns ;hi trafen, und Du Dich uns so freu!dig und herzlich nähertest. Als aber dann die Absage kam " sie stockte erst, 'und vollendete dann hastig, um den Satz auszusprechen, ehe die aussteigenden Thränen es ihr unmöglich machten, da sagte ich mir: der Zaubernder Stunde hat ihn sortgerissen und - und nun thut's ihm schon wieder leid." Wortlos preßte Magnesius die mit ihren Thränen Kämpfende an sich. Er blickte dabei erschüttert vor sich hm. Sieh, Herz," begann er dann, mir ist es ganz sonderbar ergangen. Auch ich habe Dich schon lange ueb. Aber - darin hattest Du recht das leidige Geld. Verstehe mich nicht falsch, Kind. Ich bin nicht habsüchtig. Nur der Ehrgeiz quälte mich. Du, die iunge Dame, die Beamtentochter, hast wohl keine Ahnung, was für uns Kaufleute das An sehen der Firma ist. Ich wollte mir die Neigung zu Dir aus dem Herzen reißen, um irgend eine gleichgünge Per son zu heirathen, mit deren Vermögen ich meine Firma zur ersten ihrer Art in ganz Deutschland emporbringen könnte. 9ber ein merkwürdiges Zusammentrefsen von Umstanden hat mich davor oe wahrt, Dich und wahrscheinlich auch mich selber unglücklich zu machen. Ich bin zur Einsicht gekommen, habe erkannt, wie nebensächlich es ist, ob die Firma ein wenig hoher oder tiefer steht in der Rangliste der Geschäftshäuser, und was für ein großes, wichtiges Ding es um ein Menschenglück ist. Und ich sagte mir, daß ich ein Narr wäre, wollte ich, der genug besitzt und verdient, um mit meinem Frauchen behaglich leben zu können, auch wenn es mir keine Schätze mitbringt, mein Glück um Geld verkaufen." Herr , Magnesius holte tief Athem, förmlich glückselig darüber, daß er die vielen gefährlichen Klippen, die es in diesem Bekenntniß zu umschiffen galt, nun hinter sich hatte. Dann beugte er sich zärtlich zu dem Mädchen herab und .küßte sie innig. . Das nächste Jahr um dieselbe Zeit stiegen Herr Magnesius und Frau aus Berlin im Hotel zur schönen Aussicht in St. Wolfgang ab. Das junge Ehepaar, dem man das Glück an den Augen absah, befand sich auf der Reise nach Wien, wo die Verwandten Frau Käthens besucht werden sollten. Und diese Reise mußte durchaus durch einen Abstecher nach St.- Wolfgang unterbrochen werden. Frau Käthchen mußte die Geburtsstätte ihres Glückes wiedersehen. Ihr Gemahl trug eine andere Neugier im Herzen, die er abe vorsichtigerweise hinter dem Rücken seiner reizenden Frau befriedigte. Bei günstiger Gelegenheit nahm er sich einmal den Zahlkellner der Gartenterrasse vor, der der nämliche war, wie im vorigen Jahre, und begann diplomatisch: Sagen Sie mal, Sie hatten doch im vorigen Sommer da so 'nen Menschen, einen Bootsführer oder so was, der mir durch seine banditenhafte Erscheinung auffiel.. Diesmal sehe ich, ihn nicht. Ein langer, dunkelhaariger, krummnasiger Kerl war's" Bitte sehr. Euer Gnaden!" fiel ihm der Kellner dienstfertig in's Wort. Euer Gnaden meinen gewiß den Hagelbauer. Das ist der einzige, der nicht mehr da ist. Sonst ist das ganze Personal das selbichte wie vorig's JahrJa, mit dem ist's merkwürdig gegangen, mit dem Hagelbauer. Das Sprichwort, daß Lotteriegewinn des Teufels Angeld ist, ist ; dem zu Schanden worden. Früher war er ein rechter Hallodri. Hat ein schönes Trinkgeld
von, den Herrschaften verdient jeden Sommer und dann mit Zithernfchlagen und Singen er hat eine Prachtstimm' aber immer alles verthan. Da hat er vorig's Jahr in der Lotterie gewonnen, tausend Gulden oder fo was. und das große Geld hat ihn solid a'macht. Geheirathet hat er, eine Wirthstochter ausm Ort, und jetzt führt er die Wirthfchaft.weiter. Eine Art Bauernmuseum hat er draus g'macht. so auf die Art, wie ' der .grobe Gottlieb' in Berlin eines hat. Euer Gnaden sollten einmal hingehen. Alle die fremden Herrschaften gehen hin. Es ist zum Kranklachen, was der Mensch vorbringt. Sein Talent zum Komödiespielen kommt ihm dabei zu Statten. Er hat in früheren Jahren in einer Art Theaterverein, was die jungen Leut' hier im Winter haben, immer die Jntrigantenrollen g'spielt. Ja, dem geht's jetzt gut, dem Hagelbauer!" So, so," meinte Magnesius in gleichgiltigem Tone. Nun, das ist 'dem Manne ja nur zu gönnen." Als der Kellner sich entfernt hatte, schüttelte der eben noch so phlegmatische Gast mit wunderlichem Lächeln den Kopf. Also einem Bauernkomödianten bin ich auf den Leim gekrochen!" brummte er mit ärgerlichem Lachen. Talent hat der Bursche jedenfalls. Aber daß ihm die mir auf so niederträchtige Art abgeluchsten zwölfhundert Mark solche goldenen Früchte tragen, ihn solide gemacht, das das " er sann einen Augenblick nach. Im Grunde erwies mir der Bursche aber durch seinen infamen Streich damals doch einen großen Dienst. Ohne jenen heillosen Schrecken hätte ich am Ende wirklich einen Geldsack genommen statt meiner Käthe. Und da würde ich mich heute jedenfalls nicht so wohl fühlen in meiner Haut, wie ich's jetzt thue. Es sei ihm also verziehen. In das Bauernmuseum werden wir aber trotzdem nicht gehen, sondern abreisen, bevor mir der Halunke etwa begegnet und mir spitzbübisch unier die Nase lacht." Und Herr Magneüus und Frau aus Berlin reiften wirklich schon am nächsten Morgen weiter.
Origineller Aus st and. In einer Sitzung des Nürnberger Gemeindekollegiums herrschte letzthin bei der Berathung über Vollzugsvorschriften zur Gemeindekrankenkasse ein solches Chaos, daß sämmtliche anwesende Berichterstatter, nachdem sie ein Bild über die Debatte nicht gewinnen konnten, während der Diskussion die die Journalisten - Tribüne beleuchtenden Flammen abdrehten und den Saal verließen. Unfall beim Automob i l r e n n e n. In London ereignete sich neulich bei dem Automobil-Ver-suchsrennen um den Kilorneterrekord ein ernster Unfall. Der Sportsmann Earp fuhr mit rasender Geschwindigkeit gegen eine Mauer. Sowohl er als auch sein Bruder wurden schwer verletzt in das Spital überführt. Auch ein Zuschauer erlitt leichte Verwundungen. renzel No. 1 W. Washington Str (Merchants National Bank.) Ein europäisches Department Wechsel, Creditbriefe und Postanweisungen aus alle Städte Europas. Schiffsscheine An und Verkauf ausländischen Geldes. Es ist ein großer Unterschied zwischen Sparsamkeit und Geiz ; erfreuen Sie sich solcherl Behaglichkeiten als Sie sich erschwingen können. Aber BeSenken Sie daß Diejenigemelche kaufen was sie nicht nöthig haben, oft nöthig haben was sie nicht kaufen können. Deponiren Sie Ihren Ueberfchutz mit der INDIANA A TRUST CO. wo es sicher' ist und 3 Prozent Zinsen trägt, halbjährlich verrechnet, und die Ver suchung wird nicht so groß sein, das zu vergeudenwas Sie in späteren Lebensjähren nothwendig haben. Kapital. ...... .. .$1,000,000 Ueberschutz.. . . $225,000
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