Indiana Tribüne, Volume 27, Number 254, Indianapolis, Marion County, 16 June 1904 — Page 7

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Jndiana Tribüne, I. Juni 1904 X

Das Gymnasium

zu Lcng aiuo Ein Schulroman aus der Ostmark Von gtavl 3fle 0-0-00-0-0 (Fortsetzung.) " Sann hole ich die Polizei nehmen Sie mich mit, Herr Rektor!" Doktor Holst kränkte sich, daß er so gar nichts thun sollte. Aber Monsieur Jambon lachte. Soll Ihnen der lendenlahme StadtWachtmeister helfen? Oder die drei, vier Gendarmen? Glauben Sie, die hören den Radau nicht?" Dann miiften sie vorgehen und ob's mit blanker Waffe ist!" Gegen diese Menge? Hopla, mein Lieber, dazu sind ihnen ihre Knochen zu lieb. Sie richten ja doch nichts aus!" Aber so lassen Sie mich zum Henker doch auch was thun!" Ununterbrochen flogen die Steine, rüttelten wilde Hände am Gitter. Ab und an schwoll das Brausen. Es schien fast, als dringe es näher, als hätte die Menge die eiserne Thür gesprengt. Plötzlich stand Gertrud Rüdiger neben dem Hilfslehrer. Bleiben Sie hier," sagte sie tonlos, als dürfe es auch ihr Vater nicht hören. Sie müssen Hierbleiben. Verlassen Sie mich nicht." Sie war so nahe an ihn herangetreten, daß Beider Athem sich begegnete. suytte, daZ ste cyutz iucy:e einen Halt. Und ihr Vater stand mit finsterer Stirn da und horchte hinaus. Wenn er den Blick einmal wandte, that er's nur, um den Knaben zu beobachten. Da ward es Doktor Holst leichter um's Herz. Ich bleibe," sagte er leise wie sie. Unwillkürlich reckte er sich höher. Danke!" Sie mußte zu ihm aussehen. Und hatte sie sich früher gekränkt, daß er so groß war, weil sie selbst sich klein dagegen fühlte, so emPfand sie das in diesem Augenblick als Beruhigung, ja fast als Freude. Es war gut so. Sie blieb auch dicht neben ihm. Monsieur Jambon hatte den hinteren Ausgang durch den Garten noch frei gefunden. In Eilschritten marschirte er. vorwärts. Unterwegs traf er den Arzt, den das Mädchen benachrichtigt hatte, und sagte ihm kurz .Beftfieih Dann zog er die Klingel bei der derwittweten Landräthin Wächter. Sie sollte nicht erschrecken. Er nannte dem Mädchen seinen Namen. Aber es war der Name eines zu ungewöhnlicher Zeit erscheinenden Lehrers. Hastig, mit bleichem Gesicht und erschrockenen Augen trat Marie-Anna Wächter ein. Ich bitte, sich nicht zu beunruhigen, gnädige Frau " Doch sie: Bitte rasch, Herr Rektor. Wo ist mein Sohn? Was ist passirt?" Und seltsam kurz: Lebt er?" Aber gewiß er ist frisch und g?fund; Sie dürfen ganz ohne Sorge sein." Sie blickte suchend in seine Augen. Dann athmete sie tief, und erst jetV begann sie sichtlich zu zittern. Ich habe solche Angst um ihn," sprach sie dann, und es klang wie eine Entschuldigung. Ich werde erst ruhig sein, wenn er fort von hier ist. Aber nun was führt Sie her?" Der Alte nahm ihre Hände. Sie solle ihn ganz ruhig anhören. Aber inzwischen sich fertig zum Mitgehen machen. ' Da faß doch wieder die Angst in ihren dunklen Augen. Mechanisch ließ sie sich den Mantel vom Mädchen umlegen, setzte den Hut auf, steckte die Nadein durch. 1 Also es war doch etwas passirt, ihr Kind war verletzt. Er ist in guten Händen im Gym, nasium der Arzt ist benachrichtigt. Bei dem Wort Arzt" zuckte sie zusammen. Sie wollte die Handschuhe anziehen, aber jetzt krampfte sie sie nur zwischen den Fingern. Ich bin ja fertig!" drängte sie. Er konnte unterwegs kaum Schritt mit ihr halten. Sie hatte auf seinen Rath den Schleier herabgezogen. Es war besser, daß man sie mcht erkannte. So gelangten sie in die Nähe des Gymnasiums. , Man hörte schon von Weitem das Brausen der Menge, die festgebannt davor Wache hielt. Da mußte halt wieder der hintere Gartenemaanq gewählt werden. Aber man mochte bemerkt haben, wie der Arzt und das Madchen tim pal str len: auch dort drängten sich nun Leute. Einen Augenblick stand Monsieur Jambon rathlos. Es war nicht möglich, unerkannt durchzukommen. Gnädige Frau," sagte er kurz en schlössen, wenn ich rathen darf, führe ich Sie wieder nach Hause. Ihr Sohn ist in Sicherheit; was der Arzt findet, sollen Sie umgehend von mir hören, ch weiß nicht, ob ich es wagen darf, V J . . . r 1. cm. Sie ourcy oie aufgereg artige $u führen. - Sie schüttelte den Kopf. cck, will zu meinem Kind." .Aber wenn Sie beschimpft werden?" Als müsse sie schon jetzt alles ab schütteln, machte sie eine Bewegung. Da bat er um ihren Arm und geleitete sie..

'Man war auf sie aufmerksam ge

worden. Vorn am Güter wurde es schon ein wenig langweilig um so be gieriger drängte zetzt alles nach der Gartenpforte. Strafe mich Gott, das ist der alte Fuchs Brodnicki," schrie eine Stimme. Er geht aus Schleichwegen! Vorn ist der Eingang! Was hat er bei den Deutschen Zu suchen? Seht, ein schöner Pole," scholl es durcheinander. Und ein Geselle, der es vor Zeiten bis zur Quinta gebracht, rief hell: Mosjoh Jambon Mosoh Jambon! Hundertfach wurde der Ruf aufgenommen. Äival 00m, Jamoon: krähte einer, der schwer geladen hatte. Ein paar wiederholten die Worte, und alles lachte. Es lachten, die noch vor Kurzem in Wuth und Zorn "gerast hatten. Da zog der kleine Rektor das rothe Schnupftuch. JaivoM," rief er auf polnisch, Ihr Teufelszeug, das bin ich! Der alte Jambon, der manchem von Euch jbie Hosen stramm zog. Und mcht nur Euch, fondern Euern Vätern." Vivat hoch, Jambon! ging es wieder los, aber zwischen ihn und die Pforte schob sich unaufhaltsam die Menge. Heda, Leute, macht em wenig Platz hier Eurem alten Lehrer! Das gehört sich so, dächte ich! Ihr seht, heute habe .ich keinen Rohrstock!" Sondern em Schatzchen am Arm! Was will der alte Sünder drinnen?" Das laute Gelächter verstummte. Ja, was will er bei den Deutschen? Zeige Dein Gesicht, Schätzchen den Schleier weg!" Den Schleier weg!" schrieen zwanzig Kehlen dem ersten Rufer nach. Ruhig, Leute!" rief der kleine Rektor nicht mehr lustig. Aber in diesem Augenblick ging der Larm los. Marie-Anna Wächter hatte den Schleier zurückgeschlagen. Ihr blasses, stolzes Gesicht sah fest auf die Menschen. Man rief ihren Namen. Das ist die Mutter!" Aber es wagte Niemand ein rohes Wort. Einen Augenblick war es ganz still. Schlagt die ganze Brüt todt!" schrie dann die ausbeizende Stimme wieder. Sie will zu ihrem Früchtchen laßt sie nicht rein!" Ein Murmeln und Murren, Grollen und dumpfes Getöse. Er hat recht! Zurück! Hier hat Niemand etwas zu suchen!" Mit einem ganz kalten Gesicht wandte sich Marie-Anna ihrem Begleiter zu: Sie hatten recht. Man laßt uns nicht durch." Dann versuchen wir ein letztes Mittel!" Und laut: Wollt Ihr eine Mutter von ihrem Kind absperren, Leute?" Doch wie ein Pfeil flog die Antwort zurück von der aufhetzenden Stimme: i,Wer sperrt unsere Kinder von uns ab? Gib Antwort, Alter!" Gut gegeben, psia krew! Wer hat ihnen unser Fest verboten?". Und als ob eine neue Wuth bei dem Gedanken daran die Massen überfiel, drängten die ersten mit erhobenen Armen und geballten Fäusten vorwärts. Schon wollte eine rauhe Hand Ma-rie-Anna, deren kaltes Gesicht die Leute reizen mochte, zurückstoßen, da sprang mit krebsrothem Gesicht Monsieur Jambon vor seine Begleiterin und streckte die Arme aus. Seine Stimme war Sturm. Ihr wollt Polen sein," rief er mit einer Macht, die jeden andern Laut niederrang. Ihr Polen, die Ihr Euch an einer Dame vergreift! O hei lige Jungfrau, die Väter und Urväter als Schutzherrin und Königin von Polen gepriesen haben sind das Deine Sohne? Seit wann kämpft Ihr gegen Frauen? Kommt her, schlagt zu. rühmt Euch Mit einer prachtvoll ungestümen Vewegung ritz er den Hut vom Kopf über erst schleift m i ch an diesem weißen Haar von der Stelle! Erst schlagt Euren alten Lehrer, der sich schämt, daß seine Landsleute und Brüder ein Weib mißhandeln! Bis jetzt hat man uns Polen ge sagt, daß wir ritterlich sind. Kennt denn keiner, keiner von Euch den alten Wahlspruch: .Gottes Knechte, des Königs Frninde, Ritter und Schützer der Frauen?' Sind wir das nicht mehr? Soll es mcht mehr von uns Polen heiß:n, daß selbst der Aermste,noch ein Kavalier sei? Kavaliere" noch mehr schwoll seine Snmme wer von Euch krümmt die ser Dame hier ein Haar? Kavaliere! Wer wird ihr den Weg vertreten, den sie gehen will? Seine weißen Strähnen hoben sich im Wind, sein Gesicht war purpurroth. mächtig sprang die Nase daraus hervor. Keiner, der ein Pole ist. thut das!" In der Linken hielt er den Hut; den rechten Arm reichte er mit einer Ver beugung sei-.er Begleiterin. Er führte sie direkt auf die festgeschlossene Masse zu. Es war lautlos still, daß man den Wmd durch die Baume gehen horte. , Und lautlos schob sich die Masse auseinander, daß ein schmaler Gang entstand bis hin zur Pforte. Durch diesen Gang führte Monsieur Jambon unbedeckten Hauptes Marie Anna. . . Sie hatte vor der tobenden Menge den Kopf hoch erhoben gehabt. Jetzt, wo sie durch die schweigende schritt, hatte sie ihn gesenkt, und ihre Lippen zitterten.

Die Pforte ward geöffnet; sie traten in den Garten. Der kleine Rektor wandte sich noch einmal, schwenkte in seiner Art man weiß, er schien sich den Arm dabei auszurenken den Hut und sagte: Ich habe nicht gezweifelt, daß jeder Pole ein Kavalier ist!" Da ward die Menge lebendig. Psia krew, wie er reden kann, der

Schulmeister! Aber recht hat er! Satanskerl!" Und der Betrunkene schien wieder aufzuwachen und schrie: Vivat hoch, Jambon!" Aber diesmal ward es von dreißig, vierzig Rufern aufgenommen. Er hatte die Leute begeistert. . Fublen Sie sich angegriffen, gnä dige Frau?" fragte er, als sie auf das Gymnasium Zugingen. Sie schüttelte zwar den Kopf, aber konnte kaum sprechen. Wie zum Dank ließ sie ihre Hand schwerer m seinem Arm ruhen. Puh." seufzte er und blies den Athem von sich, während er sich mit dem Hut Kühlung zufächelte lehre mich einer das Volk kennen! Hätte ich noch fünf Minuten geredet, hätten sie mich im Triumph auf ihren. Schultern durch die Stadt getragen. Ab?r ich bin zu alt zum Reiten! Hören Sie sie Vivat schreien?" Marie-Anna Sorte Nichts; sie wußte nur, sie sollte in wenigen Minuten ihr Küid sehen. Gertrud Rüdiger öffnete. Keine Vorstellung, nur ein Händedruck! Hier, gnädige Frau!" Da lag er, schlug die Augen auf, lächelte ihr zu: Muttchen!" An sein Bett kmete sie hm,, nahm seinen Kopf in die Hände die noch immer handschuhlosen. Von der feuchten Binde, die er um die Stirn trug, rannen die Tropfen langsam herab über ihre schmalen Finger. Es sind nur ein paar Beulen," sagte Reinhold Wächter. Aber die Augen fielen ihm zu. Er schlief. Der Arzt, den man bis jetzt zurückgehalten, beugte sich zu ihr. Ein paar Beulen sei etwas euphemistisch ausgedrückt, aber so viel dürfe er sagen, daß nach menschlichem Ermessen keine Gefahr vorlag. Ein Loch im Kopf, tüchtiger Brummschädel, Blutverlust und dadurch bedingte Schwäche Schlaf sei das Beste. Sie wußte und hörte nur eins: keine Gefahr! ' Ein tiefer Athemzug, der wie ein Seufzer klang und alle Zweifel, alle Spannung davontrug dann fing sie heftig zu zittern an, schlug die Hände vor's Gesicht und weinte. Gertrud Rüdiger zog sie zum Sessel. Sie setzte sich. Der Arzt drückte den andern die Hand und winkte mit den Augen. Leise gingen sie alle aus der Thür: Monsieur Jambon, der vor Begier brannte, das Abenteuer draußen zu erzählen, Doktor Holst, Gertrud, der Arzt. Das Mädchen sah sich nach ihrem Vater um, aber der stand versunken, mit dem Fernblick" und mit einem seltsam schmerzlichen Zug im Gesicht, seitwärts von der Thür. Da ließ sie ihn. ' Und nun waren in dem schmalen Raum außer dem schlafenden Kranken die beiden Menschen allein, die sich" einst an den gleichen Glückstraum gehängt, die sich einmal im Leben in Weh und Thränen geküßt hatten. Die Lampe, nach dem Bett zu schirmverhangen, warf ein mattes Licht umher. Marie-Anna, der nach den Spannungen und Erregungen der letzten Stunde die Stille wohlthun mochte, saß noch immer mit den Händen vor dem Gesicht. Man wußte nicht, ob sie noch weinte. Reglos stand Georg Rüdiger. Nun hatte er sie wiedergesehen nun saß sie in feinem Haus. Wie hatte er doch gleich gedacht? Er würde vor ihr erschrecken und sie vor ihm; die verwittwete Frau Landrath Wächter würde das Bild von Marie-Anna Leutholdt für immer zerschlagen. Ja, er war erschrocken! Es war ein Erschrecken bis in's tiefste Herz. Sein Anblick sollte sie nicht verstören er hatte sich mit Absicht in den Schatten gestellt und seiner Tochter aufgetragen, die Dame zu begrüßen und hier hineinzuführen. Als es klingelte, zuckte er zusammen. Als er ihren Schritt hörte, faßte er krampfhaft die Lehne eines Stuhls. Ueber seinem Bett, in das man den Knaben gelegt, hing ein Bild seiner Frau. Ganz Pinchen: breit, behaglich. mit dem schwarzen Seidenkleid, das ihr nie gestanden hatte. Er sah :s an, als wollte er es sich fest einprägen. - Mechanisch verbeugte er sich gleich den andern: es war nicht nöth.ig. Ma rie-Anna sah ihn so wenig wie die Uebrigen. Sie sah nur ihr Kind.' Aber feine Augen wurden immer größer. Die Hand, die. sich fest auf den Stuhl gestützt, sank herab. Ihm war, als wollte der Herzschlag au'ssetzen. So sehr erschrak er. Nein, nein das war nicht jenes Knaben .Mutter. Das war MarieAnna, wie sie damals ihm Gute Nacht" gesagt. Er sah ihre hohe Gestalt war sie denn nicht einmal voller geworden? Er sah ihr Gesicht es wirrte gegen ihr dunkles Kleid und in der Dämmerung fast weiß leuchtend. Und in dem verhängten Licht sah man wohl die Fältchen nicht, die sich in den zwanzig Jahren der Trennung in ihr Gesicht gegraben haben mochten. .Nur etwas Starres. Kaltes hatt

dieses Gesicht als einzig Fremdes. Doch als es sich über den Knaben beugte, als es ihn gerettet wußte, als die Span nung sich löste und ihre Augen sich füllten, -da ward es auch wieder weich. Ein Erschrecken bis in's tiefste Herz. Georg Rüdiger hatte wieder das brennende Weh wie damals, als der

Reifen flog, als ein ganzes Leben nochl vor ihm lag, als er sie zum erstenmal erblickte. Und spurlos versank einen Augenblick die ganze Reihe der in Pflicht und Arbeit verbrachten Jahre, als wären sie nicht ausgefüllt, als hätten sie nicht genug' eigene Schwere, um sich halten zu können. Da mochte Marie-Anna fühlen, daß noch Jemand im Zimmer war, und sich besinnen, wo sie sich befand. Sie ließ die Hnde sinken und blickte auf. Die Augenpaare trafen sich. Sekundenlang ruhten sie ineinander. Es war, als wäre jede andere Bewegung gelähmt. Erst als von fern, aus dem zweiten Zimmer, die laute Stimme Monsieur Jambons tönte, stieg ein feines -Roth in das Frauenantlitz. ' Sie erhob sich. Sie werden einer so sehr erschrockenen Mutter verzeihen, daß sie Sie v?rhin nicht gleich begrüßt hat. Mein Sohn und ich sind Ihnen großen Dank schuldig, Herr Direktor." Dabei reichte sie ihm die Hand. Gnädige Frau " sagte er mit trockener Stimme. Das war alles. Er brachte nicht mehr heraus. Summte die Lampe auf dem Tisch? Wiegte das Schweigen sich auf leise rauschenden Flügeln? Das starke Ergrisfensein des Mannes theilte sich auch der Frau mit. Sie wandte instinktiv ihr Haupt zur Seite, nach dem Bett, in dem ihr Knabe schlief. Der Direktor that das Gleiche. Dann sagte sie leise: Ich darf doch?" nahm einen Stuhl, trug ihn an das Lager und setzte sich. Behutsam legte sie ihre Hand auf die des Sohns. Wie ist denn das alles gekommen?" fragte sie dann. Sie sprach gedämpft, um den Schlafenden nicht zu stören, aber ruhig, als gebe die Berührung der Hand ihr die freie Sicherheit zurück. Herr Rektor Brodnicki hat mir zwar viel erzählt, ich habe es aber nur halb gehört in meiner Herzensangst." Da erzählte er, ebenso gedämpft redend wie sie. Was eigentlich vorgegangen ist, weiß ich nicht; das wird die Untersuchung erst lehren." Sie wandte sich halb, rasch, ängstlich. Die Untersuchung?" Aber sie .wurde jäh roth. Fast wie ein junges Mädchen. Denn sie hatte einen seltsamen Blick gemerkt. Georg Rüdiger nahm sich zusammen und zwang sich, einige beruhigende Worte zu reden. Es müsse festgestellt werden, wie der Junge nach dem Festplatz gekommen sei. Es wäre doch streng verboten gewesen. Und was überhaupt passirt sei. ) Er 'wollte einen Freund besuchen," sprach sie, ohne den Blick vom Bett zu erheben. Noch immer stand der Direktor seitwärts von der Thür im Schatten. Er antwortete, sprach sein Herz war nicht dabei. Sein Herz klopfte. Sein Herz zitterte. Vorhin das war die alte, rasche Wendung des Hauptes gewesen, jenes schnelle und leichte Werfen, das sie ihrem Sohn auch vererbt hatte. Und da war alles, was versteckt, verstaubt und verloren in Herzenstiefen geruht, wieber blank und leuchtend geworden und in seine Augen gestiegen. Diesen Blick, daraus es sprach, hatte Marie-Anna aufgefangen. Kein. Wort, so gewöhnlich und alltäglich es sein mochte, konnte nun die seltsame Scheu verstecken, die Beider Wesen im Bann hielt. Sie gaben es auf, zu reden. Sie horchten auf den Athem des Verwundeten, auf das Singen der Lampe, auf das Klopfen ihrer Herzen, auf die Rufe, die noch hin und wieder draußen von dem johlenden Volke hereindrangen. Oder sie mühten sich ab, zu verstehen, was zwei Zimmer weiter Monsieur Jambon oder der Hilfslehrer sagten. Da 'saß Gertrud Rüdiger in tiefen Gedanken und halber Unruhe. Sie hörte kaum, was Doktor Holst, der siS wieder ereiferte, eigentlich wollte. Sie dachte an die letzten Worte des Arztes. Sie hatte ihn beim Abschied noch einmal gefragt: Also gar keine Vesorgniß, Herr Doktor?" Nein," hatte er geantwortet, gar keine. Aber Ruhe, Ruhe, Ruhe. Lassen Sie den Jungen schlafen, so viel er will. Und nicht etwa"nach Hause schaffen. Behalten Sie ihn wenigstens diese Nacht hier." Aber das wird die Mutter schwerlich wollen." Wenn es für ihr Kind gut ist? Höchstens räumen Sie auch ihr ein Plätzchen ein." Und lächelnd: Sie glauben gar nicht, gnädiges Fräulein, wie wenig Raum eine Mutter braucht." Das gab dann also heute nach dem bösen Tag, der einem in allen Gliedern lag, noch eine gehörige Umwälzung. man konnte das Bett der eutter gerade noch in dos kleine Zimmer stellen. sjn usatex mutzte ncy oann rntt ver Chaiselongue in seinem Arbeitszimmer begnügen. Gern hätte Gertrud Rüdiger mit dem Vater darüber gesprochen oder mit dem Mädchen verhandelt. Aber sie wollte . die beiden Herren auch nicht allein lassen.

Die hätten sich immer mehr in Eifer geredet. Der alte Rektor war sein Aöenteuer losgeworden; dann erging man sich in Vermuthungen, wie Reinhold Wächter auf den Festplatz gelangt sei, und was die Leute so empört habe. Und zuletzt: was nun werden würde. Es war klar, daß sich etwas Derartiges nicht vertuschen ließ. Das grenzte ja an Revolte. Morgen würde die Polizei wahrscheinlich auf gut Glück ein paar Leutchen beim Kragen nehmen und ein Verhör anstellen. Vielleicht kam auch der Schulrath aus Posen. Das Wichtigste blieb die Vernehmung Reinhold Wächters. Die 'konnte morgen oder übermorgen schon erfolgen. Doktor Holst zerrte an seinem wenig gepflegten Schnurrbart. Wahrscheinlich," sagte er, kommt die ganze Sache doch vor die Lehrerkonferenz. Ich meine: das mit dem Jun-

en. Und wenn es nach mir geht " Seine grauen Augen blitzten. Weiß Gott, ich würde den Bengel relegiren, und ob's mein eigener Sohn wäre! Solche Leutchen verderben alles! Da haben wir endlich einen' Direktor, der energisch zupackt und dabei besonnen ist hast Du nicht gesehen, muß solch einen meinetwegen ganz braven Sekundaner der Hafer stechen, daß er durchaus feinen nationalen Feuereifer bethätigen muß. Da haben wir die Bescherung! Das gnädige Fräulein wird lachen, aber ich möchte immer wieder beten: ,Lieber Herrgott im Himmel, gib den Leuten hier keine Begeisterung oder wenigstens nur den intelligentesten!' Alle großen Dummheiten der Weltgeschichte haben Begeisterte gemacht; mit Begeisterung ist der Karren hier verfahren worden; mühselige Arbeit wird ihn aus dem Sumpf ziehen müssen. Und was nützt uns jahrelanges Mühn und Schaffen, wenn jeder begeisterte Sekundaner es vernichten kann und durch feine Begeisterung auch jene der anderen Seite weckt, die uns die Fenster einwirft? !" Monsieur Jambon lachte dröhnend. (Fortsetzung folgt.) Gerichtssitzung im Babnwagen. In Mold. England, war jüngst Gerichtstag. Richter Lloyd hatte in einem Schadenersatzprozesse , die Zeugen vernommen, und der Anwalt der beklagten Partei wollte sich gerade erheben, um zu plädiren, als der Richter die Uhr zog und sagte: Ja, meine Herren, ich muß aber in 20 Minuten mit dem Zuae nach Ehester fahren; vertagen wir alio die Sache oder kommen Sie mit!" Nach Ehester!" sagten die Advokaten, schön, machen wir!" Der Richter, die Advokaten und zwei Schreiber fuhren zum Bahnhof, nahmen in einem Koupe zweiter Klasse Platz, und die Sitzung begann von Neuem. Der Richter saß in der Mitte, rechts und links von ihm die Anwälte und ihnen gegenüber die beiden Schreiber. Von Mold nach Ehester sind es 14 Meilen, und der Richter bestimmte, , daß jeder Advokat sieben Meilen lang" sprechen sollte. Als man auf dem Bahnhof in Ehester eintraf, waren die Advokaten mit ihren Plädoyers fertig, und der Richter erklärte, daß er das Urtheil in acht Tagen sprechen werde. Eine Blaumeise hat nachweisbar die 1550 Meilen lange Strecke von Mittelafrika nach den Gestaden der Nordsee in einer Nacht binnen neun Stunden in ununterbrochenem Fluge zurückgelegt. Aus der Zuckerrübenernte der Ver. Staaten wurden im Jahre 1903 240,604 Tonnen Rübenzucker hergestellt, gegen 218,405 Tonnen im Jahre 1902 und 184,605 Tonnen im Jabre 1901. Im Staate ,N e w York wurde die Rechtsgiltigkeit des Kinder-arbeit-Gesetzes nachgewiesen. Darnach ist der Arbeitgeber, welcher Kmder un ter 12 Jähren anstellt, strafbar, auch wenn er von den Eltern des Kindes über dessen wahres Alter getäuscht wurde. Ihr Leben verloren im letzten Jahre in den Ver. Staaten durch Unfälle infolge Feuers 1792 Personen, durch Ertrinken 2471, durch Explosionen 736, Hausemsturze 474, Eisenbahnen 4090, elektrische Bahnen 573, Elektrizität im Allgemeinen 156. in Minen 788, durch Cyklone und Stürme 487. durch Blitzschläge 139 Personen. X . Je ttadjiietn. Kind: Se mächten de Worscht recht dmne schneiden hat de Mamma tesagt; se wäre nämlich sor Basuch!

euer Signale.

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WaMngtvn Stt n 2U. 10 Spritzenhaus Illinois u Merrill S Illinois u Louisiana 'ii West und South 54 West und McCarty 55 Senate Ave. u Henri) s? Meridian und Nay 3 No. 4 Spritzenhaus WadisonAv.uMorriS SS Madtson Av.u Tunlop S! No Haken LeiterhauS South nah Delawar ti Penn, u Merrill SS Dilaws u. TKEsktZ 4 Saft und McSarch New Jersey u. MerrÄ 7 Birg. Av. u Bradsha SS East und Prospect 9 Bicking und High l No. 11 Spritzenhaus Lir Ave. nehe Huron f Ekft und Georgia 75 Eeda und Elm 74 Davidson u Georgia 75 Snglish Av. u Pin, ? Chelby und Bates 8 No. 3 Spritzenhaus Prospekt nahe Shelby 7 gleicher Av. Shelbh 81 Market u. New Jersey 2 Delaware und Wash. KZ East u Washington 64 New York .Davids 85 Taubstummen Anstalt üß er. Staaten Arsenal 87 Orient! und Wash. S9 Frauen-Reformat. No. 13 Spritzenhaus Msryland nahe Mer. L Meridian u. Georgia. 93 Meridian und South 4 Pknnfylv u. Louisiana S Virgi Ave u. Alav. 9 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 93 Capital Ave und Ohi 23 No. 16 Spritzenhau 18. und Afh. '.24 fUlabama und 16. i26 Central Ave und 15, 126 DsndeS und 15. 127 Brookside und Juvit '.23 Central Ave und 17, i29 Delaware und 19 '.31 Alabama und 11 132 BellefontZine und a. 134 College Ave und . 136 Delaware und 13 136 Alabama und Rorth 137 Newmann und 19. 133 College Ade und 14. 3S Cornell Ave und 13. 141 Dandes unlt 19. 142 Highland Ave und 10. .43 Tecumseh und 10 U5 New Jersey und 22. ,46 Alvord und 17. t47 No. Spritzenhaus HiKside Ave und 16. .43 College Ave und 2. 49 College Av und 27, k52 Park Av und 22. l58 L E u. W Bahn u. 22. !64 Namsey Ave und 10. 156 Stoughton u Newman 167 ArlaS und Pike. 153 Blotzd und Pawpaw. 69 No. 21 Spritzenhau Brightwood ;, Arden und Depot 163 Brightwood und 25. -64 Rural und Bloyd 165 St. Clair u. Keystone i67 Arsenal Av und 23. '.SS Bellefontaine und 2. 1 Park L Ad I. 212 Capital Vxt und i?, 213 Pennsvlv. u. 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I Schläge, I Uhr Mittags. Di so bezeichnete Signale tterdm nur vom TZur ächter angegeben da an den betreffenden Streß keuzunge kein Alarmkökten anaebracht sfcd. Chicago und der große Nordweft, Via , V II -"""'l5bM MMUWAF!lWÄlSÄWM )) jlg- srmMwn ir kWW UlaSka-Sawatt-PHUivdwe Insel. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicags. Bon der Mono 47. Str. Station, Chicago, sind 8 nur 5 Minuten mittelst elektrischer Car nach den Union Biehböfen Frencli .ick Springs, Indern Orange County Hochland. Jamilien-Hote unter neuer Geschäftsleitung. Pluto, Proferpine ind Bowle Quellen. Beste Mineralwasser der Gelt. Zwei Züge täglich via Greencattle. Ticket-Officen : Union Station, Massachusetts ve und LS West Washington Straße. . R. P. A I g e 9, Distrikt Bafs. Agent, Indianapolis, Ind. . H. McDoel, E. H. R o w eil. ras. und Gen. Mgr. Verrieosie, , Frank J. Reed, en.Pzfk. Agent. Chicago. JÄ.

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