Indiana Tribüne, Volume 27, Number 254, Indianapolis, Marion County, 16 June 1904 — Page 5
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Erzählung aus dem Sa!zKammcrgut
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Gustav I. Kranß
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"f eber der leise wogenden, grünEjS blauen Weite des St. Wolfgangsees leuchtete die märchenhaft schöne, helle VollMondnacht Das war ein wundersames Licht. Den kleinsten, vom Wellenschlage blank gescheuerten Kiesel am Strande ließ es erkennen, die kühnen Umrisse des Gebirges zeigte es so deutlich, wie nur der Tag selber. Trotzdem muthete es so geheimnißvoll an wie sonst nur die tiefe Dämmerung. Die drei Personen, die eben die breite Freitreppe herabgestiegen waren, die von dem Garten des Hotels Zur schönen Aussicht" an das Gestade hinunter führt, standen einen Augenblick still, um die ganze Schönheit der Mondnacht auf sich wirken zu lassen. Die beiden Damen, eine Matrone von vornehmer Hal-
tung und em bluthenfrisches Madchen von etwa neunzehn Jahren standen Arm in Arm. Auf der linken Seite der jungen Dame hielt sich ein junger Herr, dem man es schon an dem eleganten Promenadenkostüm, das er trug, und an dem nach neuester Mode emporgesträubten Schnurrbart ansah, daß er es liebte, seine Person zur Geltung zu bringen. Er brach denn' auch zuerst das Schweigen. In dem Augenblicke, als in dem beleuchteten Garten hinter den dreien eine leise Streichmusik einsetzte, sagte er in einem Tone, dem man das Norddeutsche deutlich anhörte: Wirklich entzückend, dieser Ausblick! Und dazu diese melancholisch-süße Jntroduktion zu dem Csardas, den die braunen Kerle da hinten eben anfangen! Mondschein und Zigeunermusik das ist doch noch Romantik. Nicht wahr, Frau Geheimrath? Nicht wahr, gnädiges Fräulein?" Die ältere Dame antwortete blos mit einem verbindlichen Kopfnicken. Das Mädchen aber erwiderte schwärmerisch: Ach, Herr Magnesius, es ist fast zu viel Schönheit auf einmal! Ich bin wie berauscht." . Und dazu dieses närrische Glück, daß wir uns hier so ganz zufällig ireffen mußten," plauderte der Mann vergnügt weiter. Am grünen ' Strand der Spree, bei unserem lieben Kommerzienrath haben wir uns zum letzten Male gesehen, und .dann sitzen wir auf einmal hier in' St.' Wolfgang im Garten zur schönen Aussicht beisammen an einem Tische, dürfen miteinander den Mond anschwärmen und dazu der Kapelle des Vörös Miska lauschen, die wir auch schon von Berlin her kennen. Wie merkwürdig das Leben doch oft spielt." Wir Beide, meine Tochter und ich. dürfen diesem Zufall dankbar sein," sagte nun die Frau Geheimrath der bind lich. Wenn wir Sie nicht getroffen hätten, Herr Magnesius, hätten wir längst aufbrechen müssen, so gerne Käthe auch Zigeunermusik hört. Zwei Damen allein können nicht gut so in die Nacht hineinbummeln. Auch jetzt müssen wir uns beeilen, nach Hause zu kommen. Es ist spät genug, und der Weg um die Seebucht ist lang."
Den werden Sie doch nicht machen
wollen. Gnädigste? erwiderte der junge
Mann rasch. Boote liegen ja genug
da unten, ein Bootsfuhrer i gewiß in der Nähe. Wir fahren über das
Wasser, ich werde so frei sein, Sie zu
beglenen." Ein entzückender Blick aus den qro
ßen dunklen Auaen Käthes belohnte
den Vorschlag. Die alte Dame schien Bedenken zu haben, aber ehe sie diese noch aussprechen konnte, stand auf ein-
mal, wie aus dem Boden gewachsen.
ein baumlanger, sehniger Bursch in
Bergtertracht vor der kleinen GeM fchaft. Oan Vootführer woll'n die Herr
. schaften?" fragte er mittiefer Stimme.
I bin oaner. Steigen S nur er!'
Das Mädchen betrachtete den Vur-
sckien mit tiefinnigem Vergnügen. Wie
kühn er aussah mit seinem braunen Ge
ficht, den schwarzen " Augen und dem energischen Mund unter der Haken-
nase! Allein mit ihm zu fahren, hätte : sie sich vielleicht gefürchtet, aber jetzt.
unter Mamas Schutze und mit Herrn
Magnesius Dieser hatte den Burschen sofort an
genommen. Gegenüber de? vollzoge
nen Thatsache mußte die Frau Ge-
Keimrath ihre Einwände unterdrucken
Die Damen nahmen mit ihrem Ritter
in der Mitte des Fahrzeugs Platz.
Toni, wie der Fährmann sich nannte, ; trat hinter ihnen in das Boot und ergriff das lange Ruder, das er stehend handhalte. Ein kunstgerechter Ruderfchlag, und das Schiffchen glitt in den See hinaus.
Es war eine wundervolle Fahrt. Die alte Dame schien ganz in die Natur- ... schönheit versunken, die um sie her in so versobwenderischer Fülle ausgegossen
lag. Käthe genoß außer dieser auch noch das beglückende Gefühl, mit dem solch junges Ding die Huldigungen eines Mannes, der ihm sympathisch ist. 'entgegennimmt.- " Auf einmal sagte Kathchen. vielleicht
blos um einer verfänglichen Wendung, die das leise Gespräch der Beiden genommen hatte, zu entgehen: Wissen Sie, was wunderschön wäre? Wenn wir jetzt Jemand hier hätten, der singen könnte." Statt der Antwort stimmte Magnesius sofort das Schubert'sche Lied an: Mitten im Schimmer der spiegelnden Wellen Eleitet wie Schwäne der schwankende Kahn. Er sang mit einem gar nicht üblen Tenor. Schon bei der nächsten Strophe wurde der Gesang, aber zweistimmig. Toni war begleitend eingefallen. Der biedere Bursch kannte natürlich weder Melodie noch Text dieses kunstmäßigen Liedes, aber er besaß die wundersame Fähigkeit vieler Aelpler, zu einer soeben
erst geHorten Weise sofort die zweite
Stimme zu finden, und sekundirte'nun mit prachtvollem Baß.
Als das Lied zu Ende war, knirschte
die Bootsspitze, auch schon , auf dem Ufersand. Die Frau Geheimrath be-
dankte sich bei Herrn Magnesius für
eme Ritterdienste. Daß er mit ihnen
aussteige, litt sie nicht. Die hundert
Schritte bis an die Pforte der Villa,
die sich vor ihnen erhob, und in deren oberem Stockwerk trotz der späten Stunde noch die Fenster hell beleuchtet waren, konnten die Damen auch unge-
leitet gehen. Dagegen wurde die erbetene Erlaubniß, sich den nächsten
Vormittag einbinden zu dürfen, um sich nach dem Befinden der Damen zu erkundigen, gern gewährt. Käthchen reichte ihrem Kavalier blos stumm die
Hand. Ihr zunges Gemüth war von der Schönheit der Mondnacht und des noch in ihm nachklingenden Liedes so bewegt, daß , sie fürchtete, bei dem blo
ßen Versuche, irgend etwas Gleichgütiges zu sagen, möchten ihr die Thrä-
nen in die Augen treten und die
Stimme wanken. - ,
Als drüben das Gitterthor hinte:
den, Damen mit leisem Klirren in's
Schloß fiel, ; winkte Magnesius dem Bootführer, zur Rückkehr abzustoßen, rückte sich auf seinem Sitz zurecht und zündete sich eine Cigarette an. Wäh-
rend er die duftigen Rauchwolken behaglich von sich blies, rumorten ihm die Gedanken ziemlich lebhaft unter dem Strohhut.
Ein süßes Mädel, die Kleine! So
'n holdseliges Gesichtchen, beinahe noch
kinderhaft. Aber die prachtvollen
blauen Augen, die verrathen's schon.
daß m dem Kinde was steckt Feuer,
Temperament, Rasse. Und das Figur-
chen dazu! In dem weißen Fahnchen sah sie doch entzückend aus. Wenn sie ihr Haar aufmacht, müssen ihr die
blonden Locken bis an die Knöchel rei
chen. Und dieses Prachtmadel ist in
einen gewissen Hans Magnesius regel-
recht verschossen. Eben jetzt, nach dem
Liede, wenn da die Alte nicht gewesen
Ware
Er strich sich mit stolzer, unterneh
mender Miene die Schnurrbartzipfel
noch hoher empor. Dann aber ver-
schwand das Siegerlächeln. Die Ciga
rette flog in großem Bogen in's Wasser,
und der Brust des Zungen Herrn ent stieg ein bedauernder Seufzer.
" Was hilft das alles!" dachte er wei-
ter. Ich weiß doch Bescheid. Frau v.
JIgenheim hat nichts wie die Pension, Vermögen nicht 'n Pfennig. Ja, wenn die Villa dahinten ihnen gehörte! Nicht
eine Stunde besinnen würde ich mich.
Daß Mir die gute Frau die Wege ebnet, ist übrigens' kein Wunder, sie hat's ja
erfahren, wie man besser fährt im Le-
den, mit einem Großkaufmann oder
mit einem adeligen Beamten, der auf seinem" knappen Gehalt sitzt. Vor der
Alten muß ich mich hüten. Sie ist eine
erfahrene Frau, und ich kann doch mch nee! Kein Gedanke! Lyrik und Her
zensneigung ist ganz schön, aber was
Reelles ist noch schöner. Mein Geschas
geht ja jetzt ganz gut, kann die erste Firma in der Branche auf dem Berliner Platze werden, aber dazu muß ich tüchtig was hineinstecken können, also mir
eine Frau nehmen, die Geld hat.
Abermals ein bedauernder Seufzer
Wird eben wieder die alte Sache
werden: so viel Honig aus der holden Blüthe saugen, als möglich, ohne sich zu binden, und sich dann zur rechten Zeit zurückziehen, ehe .man eingefangen wird. Darin hab' ich ja nachgerade
schon eine ganz anstandige Uebung.
Er lackte ein wenig bitter. Wie viele
es wohl schon sein mögen! Ob so 'n Mädchen wohl jemals auf den Gedan-
ken kommt, daß unsereiner selber leide
dabei, daß man eben auch das Opfer
der Verhältnisse ist?"
Auf einmal bemerkte er mitten in seinen Gedanken, daß sein Fahrzeug
nicht mehr vorwärts glitt, sondern blos
aus dem leicht bew'gten Wasser au
und nieder schaukelte. Verwunder
aufblickend sah er, wie Toni regungs
los dastand und statt zu .rudern, un
verwandt zu ihm berüberstarrte. Es
war ihm, als gewahre er in dem Ge
sichte des Burschen dabei emen seino
seligen, drohenden Ausdruck.
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; ; arum fayren wir oenn mcni wzi i ter?" fragte der junge Herr etwas er
staunt. . unv. warum seyen Sie intet)
o an? Wollen Sie Mir etwas sagen?" Der lange Bursche drüben .im Bootssintertheil schüttelte langsam den Kopf.
Wos sog'n?" grollte seine tiefe Stimme. Na. Höchstens halt, daß
m'r a schön's Weda g'habbt ha'm die
Täg'. Aber leicht is 's bald gar da-
mit."
Magnesius befiel ein leises Bangen.
Wie dumpf und grollend die Stimme des wunderlichen Menschen in seinem
Ohre klang! Und warum ruderte der
Kerl mcht mehr? War er etwa mcht ganz bei Verstand?
Um nur irgend etwas zu sagen, er-
widerte er in gezwungen ruhigem Tone: Es kommt mir vor, als ob Sie eine andere Mundart sprächen, als, die anderen Leute hier."
In den Augen des seltsamen Fähr-
manns flammte es auf. I bin aa nit
von da. Drent im Stemschen bin i
d'rhoam. Aus Brück thu' i halt sei'."
Brück! Magnesius fuhr zusammen.
Der Name des obersteirifchen Land-
stadtchens ließ allerlei Erinnerungen in
ihm heraufklingen. Halb wider seinen
Willen, entfuhr es ihm: Aus Brück an
der Mur? Das kenne ich. Da war ich auch schon."
Wiederum das eigenthümliche chwere Kopfnicken des Mannes am
Ruder. Woaß i. Von da kenn' i
Ihnen ja. O, i kenn' Ihnen ganz guet."
Der junge Mann bekam jetzt wirklich
einen Schreck. Wie ein liebliches und doch zugleich schreckliches Gespenst
auchte im weißen Mondschein vor ihm
ein holdes Mädchenantlitz auf. Es war
dem Kathchens v. Jlgenheim ahnlich,
ehr ahnlich, dieses Gesicht, nur aus dem
Stadtdamenhaften in das derbere
Ländlich-Kleinbürgerliche übertragen.
Und die prachtvollen blauen Augen
blickten so traurig, um den weichen.
rothen Mädchenmund zuckte es so bitter schmerzlich.
Als die Vision entschwunden war.
blickte Magnesius scheu zu dem bäumlangen Menschen hinüber, der so finster und drohend vor ihm stand. Warum
gemahnte ihn dieser Mensch, den er
nicht kannte, nie gesehen hatte, an jenes Erlebniß, dessen er oft schon mit Reue
gedacht?.
Komische Leut'., die Stadtleut'!"
höhnte Toni jetzt. Hört, daß i aus Brück bin, und fragt nit, ob i von der Weißhappel-Zenzi wos woaß. Neugiert's Ihnen denn gar nit, Herr?"
Er hielt inne, als warte er aus Ant-
wort. Als aber der Stadtherr in sich
zusammengesunken sitzen blieb, ohne sich
zu rühren, redete er auch ungefragt
weiter, in langsamen, schwer wie Ham-
merschlage fallenden Worten.
Todt is s' d' Zenzi. Herr! In's
Wasser 'gangen, bald nachdem Sö verschwunden g'west sein aus Brück. Und
der alt' Weißhappel is a Narr wor'n
an der Krankung. Bald waar i selm
g'sturb'n vor Herzload. Vadeant hat
sie's ja mt um Mi, d' Zenzi, aber na.
mannigsmal is halt oaner scho so
Z'letzt bin i' fort von dahoam, daher in's Salzkammerguet, als Zithern-
schlager und Schrnakelfuhrer für d
Fremden. Leb'n muaß der Mensch ja
do , und x muah mtv alt's Mutterl
d'rhalten." Unwillig darüber, daß er
von sich selbst zu reden begonnen hatte.
fuhr er wilden Tones fort: Und 'leicht
hat Mi' aa d' Hoffnung g fuhrt, daß
i' da Ihnen no' amal begegnen kunnt, Herr! Kommen ja so viel Deutsche aus
'm Reich nach St. Wolfgang am Aber
see. Und richti'. jetzt'n hab' i Ihnen
da und ka' Ihnen sagen, wo S d' Zenzi suechen müassen, wann S' ihr
wieder wos wollen: Am Freithof z'
Brück, Herr! Wer'n halt fleißi' beim Todtengraber fragen müassen. wo s'
liegen thut, die Zenz'. So a Holzkreuzerl halt't nit lang, und zu oan Stoa' mit goldani Buchstaab'n d'rauf langt's
nit bei uns arme Hascher. Aber was red' i' da z'samm'! Sie gengen ja do' nit. 'Wos geht Ihnen d' todte Zenzi
an s Uno 'leicht können gar mt, am
End' pafsirt a Malheur mit uns zwoa
heunt Nacht da af'm Wossa."
Während der Rede Tonis hatte es in seinem Fahrgast gearbeitet wie das
Räderwerk einer zum Bersten überheizten Maschine. Entsetzen über die Nachricht von dem kläglichen Ende jenes Mädchens und die Angst, wie er sich
aus der Hand dieses Schrecklichen er-
retten könne, der offenbar Willens war
die Zenzi, die er geliebt, zu räcken. iaq-
ten da wild durcheinander. Jeden Augenblick meinte er, von einem Streiche
des gewaltigen Ruders getroffen zu
werden oder eine Faust an seiner Kehle
zu spuren, eme eiserne Faust, die ihn
wie einen Spielball emporhob und in
die blaugrunen Fluthen hinabstürzte. Wie entrinnen? Wie?
Auf einmal, in dem Augenblicke, als
Toni seine Rede mit jener drohenden Wendung schloß, hatte der junge Mann
die Antwort aus diese qualvolle Frag
gefunden. Er hob den Kopf und zeigte
semem Peiniger im Mondlicht sein blei
ches Gesicht. Hören Sie mich an!" bat er mit tonloser Stimme. Ich
schwöre Ihnen, daß ich diesen Ausgang
mcht gewollt, Nicht geahnt habe., Ick'
will gut machen, so weit ich kann. Di
arme Zenzi freilich ist todt. Für die
kann ich nichts thun, als ihr einen
Grabstem setzen lassen.' Aber Sie ha
ben eine Mutter, so sagten Sie doch?
Die haben Sie doch auch lieb, die arm
alte Frau, vielleicht sogar so ueb, w
die Zenzi nicht? Denken Sie an Ihre
Mutter! An ihr will ich gut machen was ich n der Zenzi gesündigt habe
Daß die eme m em frühes Grao ha
sinken müssen, soll der anderen ein behagliches Alter bereiten. Sehen Sie her, in dieser Brieftasche habe ich zwölf-
hundert Mark, das sind mehr als sie-
benhundert Gulden"
Die sehnige Gestalt Tonis straffte ich auf einmal, als wolle der Bursch ich mit aller Wucht auf seinen Gegner
werfen. Was?" schrie er wild auf. A Geld? Loskafen willst Di'. Du
Hund? Loskafen mit Geld für Bluat?"
Auf einmal aber fielen die Arme mit
den krampfhaft geballten Fausten an
seinen Seiten schlaff herab. Er sah eine Weile starr vor sich hin. Dann murmelte er: Sieb'nhundert Gulden! Mei' arm's, alt's, krank's Mutterl! Herrgott im Himmel droben, is denn
das Der' Will', daß der Arme vom
Reichen si' all's muaß abkaufen lassen?
All's? Sogar die Ehr'? Sogar die
Rache?"
Mit zitterndem Herzen beobachtete
Maanefius den Seelenkamvs. der ücktlicy m dem gewaltigen Körper des Aelplers tobte.
Wie tief athmete er auf, als er endich den dumpfen Baß herllbermurmeln
hörte: I nimm's, das Geld, für mei'
Mutterl. Und i führ' Ihnen an's Land, obwohl "
Der Rest erstarb rn dem lauten Plat-
schern des Ruders. Toni arbeitete, als
gelte es eine Wettfahrt. Pfeilschnell trieb er das große Boot über das Was-
ser.
AIs vorn die Bootspitze im Sande
des Ufers knirschte, stand Magnesius auf, legte feine Brieftasche auf die Sitz
bank und stieg langsam an's Land. Ohne sich nach seinem Fährmann umzusehen, ging er geraden Weges nach seinem Gasthofe. In feinem Zimmer angelangt, warf er sich, wie er war, in
allen Kleidern, quer über sein Bett und
begann zu grübeln.
In seinen Nerven wühlte noch die)
Todesangst nach, in seinen Gedanken
aber war kein Platz mehr für die über-
standene Gefahr. De galten ihr, der
armen Todten.
Die arme, schöne, liebe Kleine! Immer wieder durchlebte der re-
gungslos daliegende Mann den kleinen Roman, der sich zwischen ihm und je-
nem lieblichen Kleinstadtkinde vor drei
Jahren abgespielt hatte. Er sah sich in dem alterthümlichen Neste herumbummeln und in der Färbergasse in
einen kleinen Schuhmacherladen treten, um für den Schnürsenkel, der an seinem
linken Schuh gerissen war, Ersatz zu kaufen. Da trat sie ihm entgegen, so
gretchenhaft lieblich in ihrer jungen, eben erblühten Schönheit, in der jungfräulichen Verwirrung, die sie bei seinem kecken Anstarren befiel. ' Und Hans
Magnesius, der am anderen Morgen
hatte Weiterreisen wollen, blieb in Brück
sitzen, zwei volle Wochen. Jeden Tag
traf er mit dem Madchen zusammen.
Im Laden des Vaters, in den er unter
irgend ; einem Vorwande kam, . des
Abends hinter dem Hause rm Garten öder in einer der schlecht beleuchteten.
Winkellgen Seitenstraßen. Und nach
jedem solchen Stelldichein 'glühte er hei-
ßer denn zuvor.
Zuletzt riß er sich aber doch los. so
hech auch die Leidenschaft in ihm tobte
Eines Aoends, nach einem Stelldichein im Garten, schrieb er an Zenzi Weiß-
happel einen tieftraurigen Brief, in dem
er ihr schwor', daß er sie nur deshalb fliehe, weil die Verhältnisse es nicht
gestatteten, daß sie ewig beieinander
blieben, und am nächsten Morgen saß
er im Schnellzuge nach Wien.
' Und nun war es so schlimm gekom-
men mit dem armen, lieben Madchen,
deß es schlimmer gar mcht hatte wer
den können! Nun mußte er hören, daß
er zum Morder geworden war an ihr! Der von seinen Gewissensbissen
folterte Mann verbrachte die Nacht wie im Fieber. Als der Morgen anbrach, erhob er sich, brachte seinen Anzug in Ordnung und steckte Geld zn sich. Dann entschuldigte er bei Frau Geheimrath v. Jlgenheim sein Fernblei-
ben in ein paar flüchtigen Zeilen mit einer geschäftlichen Reise nach Graz, die Plötzlich nothwendig geworden sei, und ging nach dem Bahnhofe. Den von
semem Nachtdienst übermüdeten Sta
tionsbeamten kostete es kein geringes
Kopfzerbrechen, die kürzeste Verbindung
zwischen St. Wolfgang und Brück an
der Mur herauszufinden. Endlich war
die Sache m s Reine gebracht. Der
nächste Zug, der die Station passirte.
nahm Hans Magnesius mit. (Schluß folgt.)
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sucht. In San Francisco ist dieser
Tage Leon Boeder zum Tode verurteilt worden, weil er seinen Schwager
Joseph Blaise ermordet hatte, um die
Versicherung von auf das ben des letzteren zu erlanaen. Soeder
hatte während einer Reise nach Deutschland seinen Schwager durch allerlei Vorspiegelungen nach Amerika zu locken gewußt und hier Blaises' Leben um die oben genannte Summe versichert. Bald darauf wurde Blaise an einem SSünei ermordet aufaefunden.
Als Soeder von dem grausigen Funde
benachrichtigt wurde, suchte er die Tyat als eZnn sffiibniord binzustellen und
behauptete, sein Schwager habe Z90 in
aar bei sich gehabt, als er angefallen worden sei. Sväter wurden aber un-
trügliche Beweise beigebracht, daß Blaise. als er Deutschland verließ, weniger als $20 hatte. Der Verdacht richtete sick, nunmebr aeaen Soeder. der
verhaftet wurde und im Gefängniß den
Mord einem anderen Gefangenen ge-
genuder eingestano.
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