Indiana Tribüne, Volume 27, Number 254, Indianapolis, Marion County, 16 June 1904 — Page 3

Jndians Tribüne, I. Juni 190.

Aerzte.

ÖR. C. L. RITTER, Newton Claypool Gebäude, Zimmer 233233. Neue Telephon 1661 lPenrsylvaxia und Ohio Str.) 2. Stock. VIkiktStunden: 9 bii 10:30, 2 big 8:8 Uhr 7 bli 8 Uhr AbendS am Montag. Dienftag, Donnerstag, Samstag. shnung : 144 ProKpect f traft, Stunden : s Nhr Vormittags und l Uhr Nachmittag. Neues Telephon 9306. Dr. j. A. Sutcliffe, ZSnnk-Mtzt, Geschlechts., Urin, unectum Krankheiten. Office: 155 Oft Market Stt. Tel. 941 " Offtce-Stunden : 9 bis 10 Uhr Bm. : L bi 4Udr N Dr. Carl Q.Winter , Deutscher Arzt. Behandelt alle akute und chronische Kran! heiten. Geburtshülfe Spezialität. Office: 14 West Ohio Str. OffteeStunden : 1011 Borm. 24 Nachm. Sonntags : 9.3010.3 Bm. elephon. Neu 43. Wohnung: 1250 Vladison Ave. Sprechstunden : 7 S Abends Sonntags : 56 Nachm. Wohnung Telephone : lt. 2025 ; Neu, 9282. DR. F. M. PRAY, Spezialift. Augen, Ohren, Nase und Sals' 31 Oft Ohio Straße, Indianapolis. Hum Gebäude. OsftStunden : 912 Uhr Borm.; 15 Uhr. Nachm. Sonntags von 2 bis 4 Uhr Nachm. Vandalia Bahn. Weltansstcllnngs -Linie nach ST. LOUIS. Schneller und hausiger Dienst zu gefälliger Zeit. Rundfahrt Ccach Excursions Rate von Indianapolis nack St. Louis $6. Billette gültig für 7 Tage einschließlich des Verkaufstages. Diese Billette werden jeden Dienstag und Donnerstag dom 17. Mai bis 30. Juni derkauft werden. T3 Pamphlete und Auskunft auf Nachfrage W. W. Nichardson, Assistent G. P. A. ig 4 Route ...Excursionen... Sonntag, 19. Juni. S ol.5Q und zurück. ()L50 Abfahrt des Spezialzuges von Jndianapolis um 7.00 Uhr Morgens ; Retourfahrt von Louisville um 7.00 Uhr Abends. Lawrencevurg, Aurora und Zwischenstationen. 3j oder weniger die Rundfahrt. Spezial Zug fährt von Indianapolis 7.30 Morgens ab und verläßt Aurora zur Rückfahrt um 7.2 Abends. H. M. Bronson, A. G. P. A. Monon Bahnen. S5.25-Chicagg-85.25 und zurück abrkarten werden om 16. bis 2. Juni inclustve verkauft ; giltig für schliehliche Rückfahrt bis 29. Juni. Vier Schnellzüge täglich. Der um 2.4S Uhr Morgens Chicago verlassende Zug hat Local SchlafwaggonS für Indianapolis, du um Uhr bends belegt werden können. N. P. Algeo, D. P. A. $150 Rnndfahrt. Sonntag, 19. Jnni. Cincinnati. Hamilton ; tzl.00 Rushville und Connersvme. Spezialzug fährt um 7 Uhr Morgens ab; verläßt Cincinnatl zurRucksahrt b:!jUAvenvs, UKE ERIE & WESTERN R. R. ....Fahrzeit der Züge.... . Abfahrt Ankunft Toledo, Chicago und'Mchigan xorß... 7.15 ilOSi Zolebo. Detroit und Chicago Lim 12.0 t Michigan ttn, Muncie u.Lafv Bettt6ölt 7.80 tlO.8 töglich t ausgenommen Sonntag.

Das Unglück bei New Bork.

Ueber 600 Passagiere des oder Rettung von zahlreichen im

Scenen bei der Suche nach vermißten Verwandten

Rettung derim Wasser ringenden Opfer. New York, 15. Juni. Tausende von Personen auf beiden Flutz-Ufern waren Zeugen des Unglücks und so rasch als möglich eilten Hunderte von kleinen- Booten und Barkassen zur Hilfe herbei. Angesichts des unter seineu Füßen brennenden Schiffes hielt der Capitän auf seinem Posten im Steuerhause aus und. der Ingenieur blieb unter Deck, bis das Boot am lZnteren Ende von North Brother Island gegenüber Port Morris an's Ufer gebracht war. Selbst dann befanden sich die Passagiere noch in keiner sicheren Lage, da immer noch ein Zwischcnraum vom Ufer vorhanden war. Jene, die in's Wasser sprangen, wurden von den Hunderten kleiner Boote so rasch wie möglich aufgefischt. 400 bis 500 Leute dürften in's Wasser gesprungen sein. Nach einem Augenzeugen rührt der größte Verlust an Leben vom Einstürze des schweren Oberdecks her. Bald nach dem Brandausbruche stürzte es krachend zusammen, Hunderte von Menschen, die sich auf dem Unterdeck drängten, zerquetschend. In diesem Augenblicke brach die größte Panik unter dem lebenden Menschenstrome aus, der sich über das Geländer in den Fluß stürzte.. Die Flammen entstanden, soweit Augenzeugen dies feststellen können, auf dem vorderen Theil des Boots. Polizei-Beamte im Bronx und in Harlem sahen das brennende Schiff den Fluß heraufdampfen und gaben sofort die Alarme für Ambulanzen und Feuerschiffe ab. Alle Boote von North Brother Jsland wurden zur Hilfe der im Wasser Ringenden gesandt und die Geretteten fanden Aufnahme in- den dortigen Pavillons. Die Patienten in den Hospitälern auf der Insel waren fast wahnsinnig vor Angst über die furchtbaren Scenen, die sich vor ihren Augen abgespielt. Capitän verhaftet. Capitän William "O. Schaik, der Führer der Slocum" ist verhaftet. Gegen 500 Leichen g eborgen. Am Abend waren 417 Leichen, geborgen. Viele der Leichen waren furchtbar verbrannt. Von den geretteten Kindern hatten nur fehr wenige einen Rettungsgürtel, viele dagegen waren durch Erwachsene an Boot-Ausrüstungs-Gegenstände ge bunden. Doch erwiesen sich diese Vorkehrungen als wirkungslos gegenüber der starken Strömung. Die Rettungsgürtel auf den Decks kann nur eine Person von ziemlicher Größe erreichen. Wenigstens 600 Todte. Nach den letzten Nachrichten fanden mindestens 600 Personen, meistens Frauen und Kinder, den Tod. Viele Leichen von Personen, die sich in den Fluß stürzten, sind noch nicht gefunden und es dauert noch manche Stunde, bis die Todtenliste vollständig ist. Dem Ufer entlang lagen die Reihen der Todten ausgestreckt. Hysterische Frauen und erregte . Männer suchten sich gegenseitig oder nach Kindern und Freunden. Frauen mit entstelltem Gefcht und zerrissener Kleidung schrieen in dem improvifirten Hospital nach Kindern, die ihnen bei dem wilden Kampfe nach Ausbruch des Feuers entrissen waren. Viele starben unter den Händen derAerzte. Jammervoll war die Scene auf North Brothers Island. Leiche auf Leiche wurde an's Ufer gespült oder in Booten eingebracht. 53 Personen star ben unter den Händen der Aerzte. Als die Lebenden und Todten aus dem Wasser gezogen waren, wurden die ersteren durch die zahlreichen Ambulanzen in die Hospitäler auf Manhattan oder in New York überführt. Viele von Jenen, die lebend an'S Ufer kamen, sind nachher gestorben.

Dampfers, meist Frauen

in ' den Flnthen ertrunken.

Wasser kämpfenden Menschen Gegen 500 Leichen sind jetzt geborgen und werden nach den Morguen im Bellevue Hospital und Harlem gebracht. Zu später Stunde - holten noch Taucher Leichen aus dem Schiffskörper, während die Leichen Jener, die in's Wasser stürzten oder gestoßen wurden, noch nicht gefunden sind. Es ist die Zeit der SonntagsschulAusflüge in der N. Y. Bucht und dem Long Island Sund, der letztere eine der malerischsten Wasserpartien in America. Die Zahl der Passagiere. Für den Ausflug der SonntagsSchule der St. Marcus deutschlutherischen Kirche waren große Vorbereitungen getroffen. Die Gemeinde rekrutirt sich aus der dicht bevölkerten, unteren Ost- und Westseite und der General Slocum" sollte die Ausflügler nach Locuft Grobe überführen. Die Schätzungen der Personen an Bord schwanken zwischen 1500 und 2500; officiell wird die Zahl mit nur 873 angegeben. Pastorunterden Geretteten. N e w Y o r k, 15. Juni. In der Kirche der Gemeinde ist ein Jnforma-tions-Bureau eingerichtet, in das sich der Strom der nach Angehörigen suchenden Leute ergießt. Der Hilfsprediger der Kirche, I. Schmitz, erkannte heute Nacht die Leiche von Anna Haas, Gattin des Pastors. Haas selbst ist gerettet. Er stürzte in dem wilden Kampfe um's Leben' und fand feine Frau uud Tochter nicht mehr. Es ist nicht bekannt, ob letztere lebt. Republik. NationalComite. Chicago, 15. Juni. Das republ. National Comite trat heute hier zusammen als Vorläufer einer morgigen größeren Sitzung, wo eine Anzahl Conteste gehört werden, die theilweise vor die National-Convention am Dienstag kommen. Ehrende Veschlösse zum Andenken an die verstorbenen Senatoren Hanna und Ouay wurden gefaßt. Bei den strittigen Delegationen dreht sich das Hauptinteresse um den Kampf in Wisconsin, wo 2 Faktionen Delegaten at large wählten. ProceßHoward. F r a n k f o r t, Ky., 15. Juni. Der Appell-Hof lehnte heute eine Wiederaufnahme des Verfahrens im Processe von James Howard, wegen angeblicher Betheiligung am Goebelmord lebenslänglich verurtheilt, ab. Howard ruft das Oberbundesgericht an. Raisuli verlangt vier Provinzen. Washington,, 15.' Juni. In den Verhandlungen zur Freilassung der Gefangenen des Banditen Raisuli ist eine ernste Störung eingetreten. Raisuli hat seine Forderungen bedeutend erhöht, er verlangt jetzt nicht weniger als vier maroccanische Provinzen und Garantie seiner Forderungen durch drei Mächte, einschließlich Amerika's. Die Forderungen gelten als absolut unannehmbar. T a n g e r , 15. Juni. Der Gouverneur von Tanger setzte 2 Scheiks von Beni Mt. Suar gefangen. Damit ist eine weitere Bedingung Raisulis erfüllt. Die ,Scheiks halfen früher bei einer verrätherischen Gefangennahme Raisulis. P a y n e bricht zusammen. Chicago, 15. Juni. GeneralPostmeister Payne, der Vorsitzende des republikanischen National Comite's, stürzte heute im Auditorium Annex zu Boden. Herr Payne's Gesundheit war seit längerer Zeit erschüttert. Kürzlich unternahm er zur Wiederherstellung eine Ocean-Fahrt. Der Anfall trug anscheinend einen schlagartigen Charakter und ereignete sich kurz vor einer Sitzung des National-Comite's, wo Payne präsidiren sollte.

und Kinder, verbrannt

durch Boote. Erschütternde nnd freunden. Kentucky'sStaats-Ge-bände. Welt-Ausstellungs Platz, St. Louis, 15. Juni. Kentucky weihte heute sein Staats-Gebäude in feierlicher Weise ein; eine Parade ging der Fsier voran. Unter den Rednern befanden sich Gouverneur Beckham und Ausstellungs-Präsident Francis. Deportirte Gewerkschaftler. A n t o n i t o, Colo., 15. Juni. 36 aus dem Cripple Creek Distrikt deportirte Gewerkschafts-Bergleute wurden heute in der Nähe der Grenze von New Mexico von einem Sonderzug abgeladen und von den .Wachen über die Grenze getrieben. Sie wurden vor der Rückkehr nach Colorado verwarnt. Nach Abzug der Truppen kamen die Leute jedoch hierher zurück und erhielten eine Mahlzeit von den Bürgern. Jeder der Deportirten hatte eine Büchse Bohnen und zwei Laib Brot erhalten. Viele warfen die Lebensmittel weg. Auf dem Grenzsteine zwischen Colorado und New Mexico stehend, hielt Ch. Anderson einen halben Laib Brot in die Höhe und rief General Bell's Soldaten nach: Gebt und Freiheit oder den Tod". Die Leute wollen jetzt nach Denver oder anderen Orten in Colorado. Lieber Gefängniß als Geldstrafe. Durango, Col., 15. Juni. E. D. F. Day vom Demokrat" unterzog sich lieber dem Gefängniß als der Be Zahlung einer Geldstrafe von $300 wegen Critisirung einer Gerichts-Ent-scheidung in seinem Blatte. Er erklärte, keine 30 Cents bezahlen zu wol len. Streikende Neger. Louisville. Ky., 15. Juni. In der Fabrik der Cont. Tobacco Co. brach heute ein Streik aus. 200 streikende Neger suchten 500 Negerinnen von der Arbeit abzuhalten. Die Polizei unterdrückte mit Knüppel und Revoldern die Ruhestörungen. Verschiedene Beamte sind durch Steinwürfe leicht verletzt. Grund der Unruhen bildet eine abgewiesene Forderung auf LohnErhöhung. Harmonund seine Selb st-mord-Versuche. . Columbus, O., 15. Juni. Lewis Harmon, der im Zuchthaus unter einem Todesurtheil sitzt, machte heute einen dritten Selbstmord-Versuch. Er liegt an den Händen gefesselt in Einzelhaft, brachte es aber trotzdem fertig sich an seinen Hosenträgern ffiif zuhängen. Er wur bewußtlos, als man ihn abschnitt. Gen. Lee gewählt. N a s h v i l l e, Tenn., 15. Juni. Die Confüderirten Veteranen wählten heute als Ober-Commandeur den Generalleutnant Stephen D. Lee aus Columbus, Miss. Ein Antrag, für be dürftige Frauen der Conföderirten ein Heim in Richmond, Va., zu errichten, ging durch. Im Centennial Park wurde heute der Grundstein zu einem Denkmal für die Soldaten der Conföderation gelegt. Redner des Tages war Henry Watter son aus Louisville.' Beamten nebst demGefa ngenen Charles Mo yer vor dem Bundesrichter. St. Louis, Mo., 15. Juni. Bundesrichter Thayer gewährte ein Habeas-Corpus Gesuch, um Charles Moyer, den Präsidenten der westlichen Gruben.Arbeiter, ihm am 5. Juli vorzuführen. Gouverneur Peabody, Gen. Bell und Walls, ein anderer Colorado Beamter, sind ebenfalls vorgeladen. Sie haben nachzuweisen, warum Moyer seiner Freiheit beraubt und in der Bull Ben zu Telluride internirt ist. Die Anwälte Hawlins und Richards aus Denver waren heute hierher gekommen und hatten dem Richter den Fall Moyer mit dem erwähnten Resultat unterbreitet.

Zwei Conventionen Jnstruiren ihre Delegaten für Rich ter Parker's Candidatur.

Jackson, Miss., 15. Juni. Die demokratische Staats-Convention instruirte heute ihre Delegaten, geschlossen für Richter Parker zu stimmen, so lange Ausficht auf seine Nomination besteht. Unter den Delegaten at large ist Abg. Williams. Hot Spring s, Ark., 15. Juni. Die demokr. Staats - Convention in struirte heute für Parker. Die Abstimmung stand: Parker 258, Hearst 182, Williams 1. Auch ein StaatsTicket mit I. Davis für Gouverneur wurde aufgestellt. Die SöNacht am Jaln. Ein Augenzeuge schildert die Schlacht am Jalu, am 1. Mai, folgendermaßen: Nacy schärferen Nachhutireffen ging die russische Hauptmacht Nachts mit ihren (beschützen weiter landeinwärts und ließ eine kleine Infanterie - Abtheilung zurück, um die Hochebene bei Kiulientschöng zu halten und den Rückzug zu decken. Während der Nacht überschritten die Japaner den nächsten Flußarm, besetzten die Kiulientschöng gegenüberliegenden Inseln und sandten eine Division nördlich gegen die russische Flanke. Die Nacht war mondhell. Ein prächtiger Sonnenaufgang beleuchtete die Japaner wie zur Parade aufgestellt etwa fünf Kilometer von Kiulienschöng. Zuerst erschien eine endlos lange Schützenlinie, darauf die Unterstützungen, dahinter die Reserden, sodann zwanzig Haubitzen und eine große Anzahl von Feldbatterien, welche die Frontlinie der Artillerie bildeten. Die Bergbatterien waren hinter dem Tigerhügel aufgestellt. Zwischen beiden Heeren lag ein Thal mit scharf abfallenden Höhen auf beiden Seiten. Dazwischen zog sich der flache Thalboden hin. durch den sich schmale Bäche durchwanden. Kaum ein vereinzeltes Haus oder ein Baum bot Deckung, nur hier und da eine sandige Uferanschwellung konnte von den Truppen dazu nutzbar gemacht werden. Bei Tagesanbruch eröffneten die Japaner das Feuer von verschiedenen Punkten und fegten die Spalten und Vertiefungen der Höhen und die Hochebene mit Schrapnells. Die Russen ließen das Feuer unerwidert, blieben schweigsam, und unsichtbar. Um halb sieben begann nach kurzer Ruhepause das Feuer mit erneuter anhaltender Heftigkeit. Die Infanterie ging nunmehr in einer drei Kilometer langen Linie unter stetigem Feuer vor. Die Linie war vollständig dem feindlichen Feuer ausgesetzt. Die Japaner stürzten von Punkt zu Punkt mit raschen, plötzlichen Anläufen vor. die in glänzendster Weise ausgeführt wurden. Wir alle beobachteten athemlos ihr Vordringen und erwarteten jeden Augenblick, sie in die Zone des Todes gelangen zu sehen. Die Hochebene war nur eine einzige Masse von Feuer und weißem Rauch, der von dem Platzen der Schrapnells sich in langen Strähnen abwärts zog, während von den krepierenden Granaten Kegel schwarzen Rauches aufstiegen. Die japanische Schützenlinie erreichte den engen Kanal, der die Inseln vom Festlande trennt, ohne Widerstand auf den Flanken. Sie umfaßte bereits die Seiten der Stellung bei Kiulientschöng, als es in den russischen Schützengräben plötzlich lebendig wurde und einwahres Ungewitter von Infanteriefeuer auf die Japaner niederprasselte. Einen Augenblick sahen wir den Vorstoß wanken, dann zurückfallen, doch er sammelte sich wieder, und abermals stürzte die Linie' vor, überschritt den Fluß und erlangte zuletzt einige Deckung im todten Winkel am Fuße des Berges. Die japanische Artillerie sandte unausgesetzt ihr Feuer in die russischen Linien, die keine Artillerie besaßen und unfähig waren, zu erwidern. Das japanische Vordringen wurde nunmehr bezeichnet durch den Boden bedeckende Leichen. Während ein Theil der zweiten Division in einigermaßen geschlossener Formation gedeckt durch den todten Winkel am Abhang hinauf vorging, fielen zwei japanische Granaten unier sie ein und thaten krepierend eine schreckliche Wirkung. Die russischen Schützengräben wurden nun zerrissen und zernarbt an Hunderten von Punkten unter dem Feuerschein und Rauch der Geschosse. Ich sah, daß. wo unter dem Schrapnellhagel ein Russe fiel, seine Kameraden ihn eilig aus der Feuerlinie trugen. Mittlerweile drangen die Japaner immer weiter um die. russische Stellung. Der Frontangriff maskierte nur die Umklammerung. Das Artilleriefeuer wurde schwach und schwächer in dem Maße, wie die Japaner sich den feindlichen Schützengräben näherten. Dann kam der entscheidende Augenblick. Zwei Stunden, nachdem der feindliche Vormarsch begonnen war, erschien plötzlich ein Offizier auf der Höhe des AbHanges. Seine Silhouette hob sich scharf gegen den Horizont ab. Er schwenkte eine große japanische Flagge. Eine gewaltige Bewegung ergriff alle japanischen Truvpenmassen und fand Ausdruck in stürmischem Jubel . und allaemcinen Bansai -.Rufen. Die Russen waren auf dem Rückzüge.

Die 3ttöios.

Onkrl Sams ungebcrdigc Mündel auf dem Philippincnarchipcl. Widerspeilstige Malayen Herkunft der 37$roS Ihre Kunst im Wsffenwcrk Kleidung nd Sprache Arauenmürkte Die Rache der Verschmähten. Seitdem der Philippinen-Archipel durch den Friedensschluß von Paris in den Besitz der Ver. Staaten überging, haben es die Moros verstanden. auch hrerzulande immer wieder m recht unliebsamer Weise von sich reden zu machen. Wie es den Spaniern nicht gelang, den wilden Volksstamm dauernd ihrer Herrschaft zu unterwerfen, so hatten und haben auch die Amerikaner mit ihm fortwährende Kämpfe zu bestehen, und die Anwesenheit einer größeren Militärmacht ist nöthig, um die widerspenstigen Malayen im Zaume zu halten. Die Moros leben zum größten Theile in der Seeregion von Mindanao und in der Jllana-Bai. Ihre Zahl beläuft sich in diesen Gebieten aus über 200,000 Seelen, und etwa 40.000 Angehörige desselben Volksstammes vertheilen sich über Sulu, Tawi-Tawi und Palawan. Sie bilden ein malayischchinesisches Mifchvolk und kamen im 14. Jahrhundert als Eindringlinge nach den Philippinen. Vom physischen Standpunkt weisen die Moros keine Mängel auf. Sie sind von starkem, geschmeidigen Körperbau und verfügen über große Leibeskraft. Von Kindheit an im Gebrauche der Waffen geübt, wissen sie mit Lanze und Schild, mit Dolch und Schwert trefflich umzugehen. Der typische Moro ist niemals unbewaffnet. Seine Waffen fertigt er sich gewöhnlich selber an und er hat in dieser Kunst eine hohe Fertigkeit. Höchstens der Japaner übertrifft ihn als Schwertfeger und selbst in Toledo schleift Niemand so gewandt die blinkende Klinge des Dolches, wie der braune Mann von Mindanao. Vielleicht verleitet ihn diese Geschicklichkeit dazu, die Waffe, und seine Art, sie zu gebrauchen, oft ohne Grund an seinen friedlichen Mitmenschen zu erproben. Thatsächlich ist der Moro äußerst blutdürstig. Uebermächtig erwacht in ihm manchmal die Begierde, zu todten. Dann rasirt er kaltblütig seine Augenbrauen, kleidet sich ausschließlich in rothe Gewänder und läuft Amuck" durch die Straßen mit ihren entsetzt zur Seite springenden, friedlichen Pas santen. Das Kostüm der Moros besteht aus einem Kopftuche, einem Hemd von auffallendem chinesischen Muster, weiten Baumwollhosen und einer prunkvollen Schärpe. Unverheirathete " Männer müssen ihr Haupt rasiren. Schnurrbärte tragen nur die Dattos (Hauptlmge) und die Priester; der gewöhn liche Moro entfernt die Gesichtshaare, indem er sie mit den Wurzeln ausreißt. Die Frauen tragen Blouse und Rock aus Baumwollstoff oder Seide und bei außergewöhnlichen Anlässen einen Shawl von grellen Farben. Ein weißer Turban gilt als Zeichen tiefer Trauer. . Die Moros bekennen sich zur mohammedanischen Religion, doch scheinen sie es mit den Geboten des Propheten nicht gerade sonderlich genau zu nehmen. Sklaverei und Polygamie stehen bei ihnen im hohen Ansehen. Die Frauen werden verkauft und gekauft, und die Moros sind dabei so ungalant, die Preise oft recht niedrig anzusetzen. Trotzdem ist das Angebot gewöhnlich größer als die Nachfrage. Es ist jedoch dafür gesorgt, in diesem eigenartigen Handelsartikel keine LadenHüter anzuhäufen. Die absolut unverkäuflichen Schönen können nämlich Soldaten werden und als solche an den Männern, die sie verschmähten, furchtbare Rache nehmen. . Der Sultan von Baclod genießt das hohe Glück, über em ganzes Regiment dieser Amazonen befehlen zu dürfen. . Obwohl die Sprache der Moros im Großen und Ganzen dieselbe ist, wie die der eingeborenen Filipinos, so ist sie doch stark mit Wörtern aus den verschiedenen arabischen Dialekten durchsetzt. Auch zerfällt sie in eine ganze Reihe von Mundarten. Die Hauptbeschäftigung der Moros bildet neben gelegentlichen. Raubzügen der Ackerbau. Er wird allerdings mit fehr wenig Eifer und äußerst primitiven Mitteln betrieben, doch der Boden ist so fruchtbar, daß dem Land mann wenig mehr zu thun übrig bleibt, als emzuheimsen, was die Natur in so üppiger Fülle gedeihen läßt. Von den einheimischen Thieren kommt hauptsächlich der Wasserbüffel in Betracht. Sein zähes Fleisch wird-, von den Moros sehr geschätzt, doch soll sie um diese Delikatesse noch Niemand beneidet haben. Neuartiges Rettungsboot. In Racine, Wis., hat ein ehemaliger Offizier der deutschen Armee und Sachverständiger in Flottenangelegenheiten. Namens August Baumgart, ein Stahlboot erbaut, mit dem er beabsichtiat. die Rettung von Menschenleben bu Seeunfällen zu erleichtern. Das Rettungsboot hat eine cigarrenförmige Gestalt, ist ganz aus Stahl erbaut. 24 Fuß lang und in der Mitte 6 Fuß breit. Das Boot ist in eine äußere Stahlwand eingehüllt, die sich auf der See dreht, während die innere Hülle fest bleibt. Die bewegende Kraft wird burÄ eine Easolinmascbine aeliesert.