Indiana Tribüne, Volume 27, Number 253, Indianapolis, Marion County, 15 June 1904 — Page 5
Jnditma Tribüne, 13. Juni 19ö'l.
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tc Sem t C:r)st!)tuna von Friedricl, MuUe ? f ',' (Schluß.) Ich wär' ja nicht zu Dir gelommen," fuhr Fricke fort, aber das Abschiednehmen das überwind' ich nicht. Hab' nun bald fünfundsieözig Jahre in meinem Hause gelebt, hab' alle Jahre mein Feld und meinen Garten bestellt, wie stch's gehört 's ist mir alles so an's Herz gewachsen ich kann nicht fortgehen, ich kann nicht." Er wischte mit der Hand über die , Augen. Die beiden Bauersleute schwiegen. Fast jeden Baum hab' ich aufwachfen sehen," fing der Alte nach kurzer Pause wieder an, den Apfelbaum hinierm Haufe Du kennst ihn ja den hab' ich selber gepflanzt, als ich zwölf Jahre alt war. Er ist mein bester von allen, trägt jedes Jahr, auch wenn die anderen nichts bringen. Könntest uns schon den Gefallen thun, Dreikant, fü? die paar Jahre, die wir noch zu leben haben." Eine lange Pause entstand, als er .v.. -ts; ,i vi,ci. ri&wi& cuucic. jy:i:uuiu iuuific iujuiu.j uiu sicki. " , . Ich kann nicht, Fricke," sagte er endlich, beim besten Willen, ich kann .ijci ctn-p D-rv. c . ijl. su.i'. in. uiui, -ü;u iciu iauuu; iu;, ii knapp, und die Zinsen kann ich auch nicht entbehren. Ich muß es seinen Gang gehen lassen." Der alte Fricke seufzte tief auf. Das Leben wird einem ja immer lieber, je länger man lebt," sagte er, aber ich will ja gar nicht lange mehr leben, blos sterben möcht' ich in meinem 'Hause, weiter nichts." Sterben?" rief der Bauer aus. Ach was, lange leben sollst Du noch, Fricke. Gehst zu Deinem Jungen, hast dort ein ruhiges Leben, keine Sorgen, keine Arbeit, und lebst noch manches Jahr." Er beabsichtigte, einen heiteren Ton anzuschlagen, denn der Trübsinn des Alten und die überwältigende Ueberredungsmacht, die solch ein Trübsinn auf ein nicht ganz verhärtetes Gemüth ausübt, beängstigten ihn. Und während des Sprechens richtete er fragende Blicke auf seine Frau, damit sie ihm beistimmte. Die Bäuerin nickte mehrere MaZe eifrig mit dem Kopfe. Freilich, noch zehn Jahre kannst Du leben," pflichtete sie ihrem Mann bei. Fricke machte eine abwehrende Handbewegung. Desto schlimmer!" sagte er. ,Bm ich so schon unnütz auf der Welt, wozu soll ich noch so lange leben? Und zu meinem Jungen kann ich auch nicht. Die Frau ist krank, und die Kinder sind auch nicht ganz auf dem Posten. Er will sie alle zu uns schicken diesen Sommer, schreibt er. Er hielt inne, um die Thränen zu verbeißen. Und auch-diese Freude kann ich meinem Jungen nicht machen," setzte er hinzu. Dreikant legte die Art nieder. Hab's mir doch gedacht," meinte er. Warum ist er nicht zu mir gekommen? Dann wäre alles anders. Der Bauer hatte nicht bedacht, was sur em Gestandmß er mit diesen Wov ten ablegte. Erst als er merkte, wie Fricke ihn ganz erstaunt ansah, fiel ihm em, daß er dem Alten und sich selber unwillkürlich die tiefste Ursache seiner Unerbittlichkeit offenbart hatte, und der reiche Mann erröthete vor dem armen. Verlegen bückte er sich und griff von Neuem nach der-Art, warf sie iedoch sofort wieder beiseite und richtete " sich aus. Uebrigens wegen der Wohnung brauchst Du Dich nicht zu grämen. Eine Stube gebe ich Euch, und was Ihr sonst nöthig habt, bekommt Ihr auch. Brauchst deswegen nicht viel bei mir zu arbeiten, nur hin und wieder kannst Du em wenig mithelfen. Der Vorschlag war gut gemeint, und trotzdem traf er den Alten empfindlicher, als vorhin die Abweisung. Krankt uns im Unglück schon das Mit leid dessen, dem wir unser Leid zuzuschreiben haben, so beleidigte das Anerbieten des Bauern den alten Fricke obenein deshalb, weil er es nicht anneHmen konnte, ohne, dem Manne, durch den er Haus und Hof verlor, zu Dank verpflichtet zu sem. - - Stolz richtete der gebrechliche Mann sich auf und aus seinen Augen blitzte es zornig. Klein ist mein Feld," sagte er. klein mem Haus und mem Stall, aber ich bin ein Herr gewesen, so lange sie mir gehört haben, und ehe ich Dein Knecht werde, ehe ich Dein Gnadenbrot esse eher sterb' ich." Er wandte sich um und ging, ohne eine Antwort abzuwarten. Das Abendessen wollte dem Bauern Dreikant heute gar nicht schmecken. Er machte es ähnlich wie sein Schuldner Fricke beim Mittagessen, er aß einige Löffel Suppe, hielt dann inne, um eine Weile nachzusinnen, aß wieder und ließ den Rest stehen. Es muß doch hart sein," sagte er zu seiner Frau, als die Mägde den Tisch abgeräumt hatten und die beiden Ehegatten allein in der Stube wären. Obwohl er nicht gesagt hatte, auf wen oder auf welches Ereigniß er sei- ' rtan Mii&tyiTiirf fii2rtrtitT tninVrt tnnTTtV jlti Vt-Mj feMl o y I I . verstand ihn seine Frau doch. Sie
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seufzte. Ja, es muß hart sein,"'bestätigte sie. Dreikant war schon verdrießlich, aber die zustimmende Antwort seiner Frau verdroß ihn noch mehr. E? wollte, daß sie sein Gewissen beruhigte.
daß sie ihm versicherte, nur so, wie er gehandelt, habe er handeln dürfen, und anstatt dessen wiederholte sie seine Worte, die doch im letzten Grunde nichts Besseres als eine Selbstanklage bedeueten. Aber wir brauchend doch! Wir müssen doch zuerst an uns denken!" fuhr er gereizt auf und schlug Mit der Faust aus den Tisch. Gewiß, wir brauchen's. und es aeht nicht anders," pflichtete die Bäuerin wieder bei. Das besänftigte den Gereizten. Man braucht einem Menschen, der im Begriffe sieht, eine Gewaltthat vorzunehmen, nur zuzugestehen, daß er vollkommen berechtigt ist, sie zu begehen, und chnell werden Regungen des Mitleids in ihm aufleben. Darum schlugen auch Dreikants Gedanken letzt plötzlich eine andere Richtung ein, und leise regte sich bei ihm die Erkenntniß, daß die rucksichtslose Ausübung eines Rechts eine Harte enthalt, und daß wenigstens diese Härte ein Unrecht ist, ja daß sie leicht auch aus dem Recht selbst em Unrecht machen kann. Er stand auf und ging hinaus aus den Hof. Da lag es vor seinen Blicken, was sein ganzer, Stolz war. Wie Giganten ragten m schon verschwömmenen Umrissen die mächtigen Scheunen und Stallungen aus der Dämmerung hervor, und hinter den Scheunen begannen die weiten Kornfelder, ein unabsehbares, wogendes Meer von Halmen und Aehren. Alles aber war sein. sem Königreich, und er war der Herr, Dreikant schritt nachdenklich über den Hof und erreichte durch das hintere Thor das Feld. Friedlich lag der klare Abendhimmel über der fruchtbaren Flur, friedlich und fegnend wie eine Gotteshand. Aber am fernen Horizont tauchte eine winzige dunkle Wolke auf, Dreikant sah die Wolke. Sie schien so harmlos, so ohnmächtig in dieser Umgebung des Friedens, und doch fiel sie dem Bauern auf. Wenn diese Wolke wüchse, wenn sie Hagel und Blitze herniederschickte und seme Felder. sein Haus vernichtete was dann? Dann wäre sein Stolz dahin, dann konnte aucy aus ihm leicht em armer Mann werden, und vielleicht, ja viel leicht käme es gar dahin, daß auch er auf dem Fleck stünde, auf dem jetzt der alte Fricke stand, ,ein Fremdling, em Heimathloser im eigenen Heim. Herrgott, bewahre uns davor! flüsterte der Bauer, geängstigt von dem bloßen Gedanken. Langsam und m seme Betrachtungen versunken ging er über den Hof zurück. Wie hatte doch Fricke gesagt? Klein sei sein Haus und sein Feld, aber er sei darauf der Herr gewesen. Der Herr! Das Wort sagt so viel; es erzählt von dem, was des Mannes Stolz und Sehnsucht ist, was ihn zu den schönsten Thaten begeistert, was ihn groß und edel macht. Dreikant der suchte, sich in die Seele eines Mannes hineinzudenken, der aufhören muß, ein Herr zu fein, und dabei schauderte er zusammen.Es muß hart sein, es muß sehr hart sem, dachte er aufs Neue. Nun stand er wieder aus der Schwelle seines Hauses und blickte in die Dunkelhert hinaus. Aus dem Hose war s still. Menschen und Thiere ruhten von ihrem Tagewerk aus, nur das Heim chen zirpte unermüdlich seine eintönige, melancholische Weise. , Aber Dreikant konnte selbst inmitten dieser Stille nicht ruhig werden; er mußte immerfort daran denken, wie ihm um's Herz fein würde, wenn er kein Herr mehr sein dürfte. Er trat still in die Stube, setzte sich schweigend an den Tisch und brütete vor sich hin. Es war richtiq: lange konnte Fricke nicht mehr leben, und das Geld stand sicher aus dem Grundstuck, und die 3m sen für die wenigen Jahre konnten zum Kapital geschlagen werden. Aber ich brauch' das Kapital, ich brauch s docy, rief er in heller Verzweiflung laut aus. Und dazu die Kosten!" setzte er, ebenfalls laut, hinzu. Es war jedoch kein Mensch im Zimmer, der es hätte hören können. Niemend als er selbst und sein Gewissen. Und das Gewissen rührte sich und antwortete. Ja, wenn Karl damals als Knecht zu ihm gekommen wäre, dann hätte er nicht gekündigt; das stand fest. Aber weil Karl nicht zu ihm gekommen war, deshalb zürnte er dem Vater und deshalb ja nur deshalb hatte er gekündigt. So redete, das Gewissen und ließ dem Bauern keine Ruhe. Als feine Frau in's Zimmer kam, stand Dreikant auf. Ich werde noch einmal drüber schlafen," erklärte er. wn ijc ' r ...rta uciui iu) morgen ganz sruy aus Ä Gericht schicke, kommt es noch nicht zu spät." Damit ging er zu Bette. Während der alte Fricke mit seinem Gläubiger verhandelte und einen letzten Versuch machte, sein Eigenthum für den Rest seines Lebens sich zu erhalten, besorgte seine Frau in gewöhnter Weise die kleine Wirthschaft. Viel Hoffnung hatte sie zwar nicht, aber schon der Gedanke, daß noch etwas unternommen wurde, das möglicher Weise zum Ziele führen konnte, belebte sie. Sorge und Furcht sind zwei unangenehme Gäste, jedoch immerhin noch angenehmere, als das Gefühl dumpfer Verzweiflung, das sie abzulösen pflegt, wenn es nichts mebr zu hoffen flibt
Und darum freute die alte Frau stcy
beinahe, daß sie wieder sorgen und zittern durste, anstatt m Unthatigkeit und verzweifelnd dem Augenblicke entgegensehen zu müssen, der ihr Heimath und Eigenthum rauben wollte. Hurtig ging sie daran, dem Vieh sein Futter zu reichen, sorgfältig ganz wie sonst überzahlte sie ihre Huhner und Kuken, die sämmtlich schon zum Schlafen aufgeflogen waren, und zuletzt nahm sie einen kleinen Holzeimer zur Hand, um ihre Ziegen zu melken. Aber ihre Zuversichtlichkeit horte auf. als sie vor der alten Liese hockte und die Milch in das Gefäß hinabträufcln horte. Zum letzten Male! ' sagte eme Stimme in ihr. Zum letzten Male!" wiederholten die grauen Stallwande, und selbst die Thiere mochten so denken. denn sie standen traurig da und ließen die Köpfe hängen. Da wurde der Melkerin unsäglich schwer um's Herz; sie mußte innehalten, um me Thränen zu trocknen, die ihr die gefurchten Wangen hinabliefen. - Zum letzten Male!" seufzte sie, und matt sanken die Arme ihr in den Schooß. ihre Hände versagten den Dienst, sie konnte die Arbeit nicht vollenden. Schwerfällig erhob sie sich und betrachtete die beiden Ziegen. Liese war ihres Mannes Liebling, Grethe, die sie selbst großgezogen hatte, der ihre. Grethe!" rief sie. Grethe wandte den Kopf ihrer Her rin zu. Grethe, morgen morgen nehmen sie Dich fort," schluchzte die alte Frau. Sie wollte hingehen, das Thier zu streicheln, aber sie brachte es nicht sertig: das, Herz wollte ihr brechen. So schlich sie langsam aus dem Stall, und auf ihrem bleichen, verstörten Antlitz stand nur das eine geschrieben: Zum letzten Male! Als sie die Stallthür hinter sich ge schlössen hatte, kam ihr Mann heim. Er sprach kem Wort, als er sie sah; mcht emmal emen Gruß brachte er her aus, und sie fragte ihn auch nicht, denn seine gramvolle Miene sagte alles, sagte mehr, als er m Worten hatte aus drücken können. Schweigend gingen sie Beide Seite an Seite dem Hause zu, schweigend traten sie in die Küche, und während sie das Feuer auf dem Herde anblies, um trotz der vorgerückten Stunde noch einen Abendimbiß herzurichten, stand er in der geöffneten Hinterthür und blickte hinaus m den Garten. Leife und schwermüthig senkte sich der Abend auf die Kronen der Bäume nieder, aber je tiefer er niedersank, je finsterer es wurde, umso schwärzer wurden auch des Alten Gedanken. Schließlich ging Fricke hinaus in den Garten und schritt, wie alle Tage nach Feierabend, den breiten Mittelweg hmunter heute aber zum letzten Male, Und alle seine, Bäume, die er Jahre hindurch mit unendlicher Liebe gepflegt hatte, blickten reglos und traurig auf ihn nieder, als wüßten sie, daß er ihnen em guter Pfleger gewesen war. Nun stand er am Hinteren Gartenzäun und sah hinüber auf sein kleines Feld. Es hatte nicht osHn den langen Jahren fo gut getragen wie in diesem. Dicht standen die Halme' aneinander, und schon neigten sich die körnerschweren Aehren zur Erde: noch wenige Wochen, und das Feld war reif zum Schnitt. O, es mußte eine gute, eine sehr gute Ernte geben! Dem alten Mann schwoll das Herz. Bei dem Anblick hatte er vergessen, daß ihn Ernte und Erntesegen nichts mehr anging, daß ein Fremder in die Scheunen fahren sollte, was er unter vielen ängstlichfrohen Hoffnungsseufzern aesät hatte; stolz und voll Genugthuung betrachtete er sem Werk, und wahrend er langsam und wie im Traume den Weg zurückging, berechnete er im Stil len den diesjährigen Ertrag seines Feldes. Ein Zweiglein löste sich vom Stamm und siel auf den Weg nieder. Er schrocken blieb der Träumer stehen und sah auf. Einen Augenblick musterte er fremd wie einer, der plötzlich aus tiefem Schlafe aufgerüttelt wird, feine schweigende Umgebung, dann war der Nebel semer Träumerei verflogen, das freundliche Zukunftsbild verschwunden Dort sein Haus gehörte einem anderen hier auf seinem Grund und Boden stand er als Fremdling, nur noch geduldet bis zum nächsten Tage, und ringsum alles, was einst seme Freude, sein Glück war. alles sollte er heute zum letzten Male sehen. . Es geschieht ein Unglück, wenn ich gehen muß!" knirschte er und ballte die Faust. Sein Gram verwandelte sich in Groll. Als er sich dem Hause näherte, sie sein Blick auf den Apfelbaum, der unmittelbar vor der Hinterthür stand, Das war der Baum, den er selbst als zwölfjähriges Kind gepflanzt hatte. Er betrachtete ihn lange, ging dann in den Holzstall und kehrte, die Axt in der Hand zurück. Mochten sie ihm alles nehmen, den Baum sollten sie nicht haben!. Mehrere Male schritt er um den Stamm berum. weil er die Stelle suchte, an der seine Axthiebe am besten wirken mußten. Daß er em Unrech beging, wenn er den Baum fällte, daß er vernichten wollte, was nicht mehr sein war, kam ihm gar nicht in den Smn. Endlich hatte er eine Stelle gefunden. Mühsam brachten seine zitternden, altersschwachen Hände die Ar in die Höhe; dumpf tönend fuhr das Eifen gen den Stamm nieder, aber es glitt, machtlos an dem Holze ab. Der Arm des Alten war zu schwach. - . Fricke hörte, wie jemand hinter ihm seinen Namen rief, und als er sich um-
wandte, sah er seine, Frau in der Hin-
erlyur stehen.. . Großer Gott! Er will den Baum umhauen: er bringt sich in's Gefäna-! niß," jammerte sie. Er sah sie zuerst erstaunt an. begriff aber schnell den Sinn ihrer Worte. Ja, sie hatte recht: er wollte ein Unrecht begehen, er, der bis dahin so reducy und untadelhast durch's Lebens gegangen war. Beschämt warf er die Axt fort, schlich in's Haus und setzte stcy m den Lehnstuhl. Nun mochte kommen, was wollte, nun hatte er abgeschlossen. Seme Frau bot ihm zu essen an: er schlug es aus. Wozu noch essen? Seine Augen schlössen sich müde; müde war auch seme Seele, zum Sterben müde. Frau Fricke schloß die Fensterläden und, verriegelte die Hausthüren, wie sie jeden Abend that, ehe sie schlafen ging. stur an den Schlaf dachte sie heute nicht, obwohl sie sich vor Ermattung kaum aufrecht zu erhalten vermochte. Als sie mit allen Vorbereitungen fertig war. eilte sie eine Funvanr an mt Seite des alten Lehnstuhls, in dem ihr Mann saß, setzte sich daraus und legte still ergeben das alte, müde Haupt gegen die Armlehne. Weinen konnte sie nicht mehr. Sterben! flüsterte Fricke kaum hörbar Lieber Gott! laß uns doch sterben!" Laß uns doch sterben! wiederholte sie und schloß die Augen. Und nun kam die Nacht. Ihre Schatten breiteten sich über die Erde wie ein schwarzes Tuch, und deckten gutig die Leiden und Gebrechen der Menschen zu. Und die ewigen Wächter dort oben, d:e Sterne, blickten mit treuem Auge auf die schlummernde Erde nieder, und immer glänzender wurde ihr Blick, je schwärzer die Nacht ihre Schatten färbte. Aber die Menschen schliefen und sahen es nicht. Nur der Glückliche denkt an Sterne in der Nacht. Am nächsten Morgen versammelte sich das halbe Dorf vor dem Fricke'schen Gehöft, denn es war bekannt, daß am Vormittage die Gerichtsbeamten kommen wollten, um Haus und Hof mit allem, was darin war, zu versteigern. Wenn sie es Nicht zu sehr m die Höhe treiben, nehme ich Haus und Garten," erklärte einer der Bauern; es war Frickes Nachbar zur Linken. 'Einige andere äußerten Absichten auf den Acker, wieder andere auf das Inventar. Keiner aber dachte daran. wie den beiden Alten wohl um'L Herz sein müsse. Die armen Leute!" rief schließlich eine alte Frau aus. Die Bauern zuckten Mit den Achseln. Sie werden nicht sterben vor Gram," meinte einer, und alle lachten, denn sie hielten das Wort für einen guten Witz. "Da kam ein Reiter im Trabe die Straße herauf. Die Leute kannten ihn; es war einer von Dreikants Knechten. Geht nach Hause!" rief der Reiter lachend, als er die Menae sah. Verkäust wird nicht!" Das gab eine Aufregung unter den Kauflustigen. Sie haben sich gestern geeinigt; ich hab' einen Brief auf's Gericht bringen müssen," erzählte der Knecht weiter und ritt davon. Als er fort war, schlugen die Frauen die Hände ineinander und meinten, Dreikant sei doch ein braver Mensch Die Männer brummten und erklärten Dreikant für einen Thoren. Schließ lich sahen sie ein, daß nun nichts zu andern sei, und gmgen nach Hause. Bald darauf kam Dreikant selber, Als er über den Hof auf das Haus zuschritt, wunderte er sich, daß die Fen sterläden noch geschlossen waren. Auch die Thür war von innen verriegelt, als er sie öffnen wollte. Er pochte an, erst leise, dann kräftiger, er rief, er rüttelte an der Klinke, allein Niemand öffnete. Kopfschüttelnd ging er durch die kleine Gartenpforte zur Hinterthür. Derselbe Mißerfolg. Einen Augenblick überlegte Dreikant, begab sich dann zum Dorfschul zen und kehrte in seiner Begleitung zum Fricke'schen Hause zurück. Nachdem beide Männer, nochmals durch Klopfen und Rufen vergeblich versucht hatten, Einlaß zu erhalten, beschlossen sie, gewaltsam einzudringen. Wenn nur kein Unglück geschehen ist," sagte Dreikant und schauerte dader zusammen. Das Küchenfenster hatte keine Läden. Ohne Zaudern drückte der Schulze eine Scheibe ein, öffnete das Fenster, und Beide stiegen ein. Alles blieb still; nichts regte sich. Die beiden Eindringlinge' näherten sich der Stubenthur, machten' dann zo gernd Halt und blickten einander ängstlich an. Keiner von Beiden konnte sich der Furcht erwehren, daß sie ein schrecklicher Anblick hinter der geschlossenen Thur erwarte. Endlich faßte sich Dreikant ein Herz und öffnete. Ein gespenstisches Halbdunkel herrschte in der Stube, weil das Sonnenlicht nur spärlich durch die Ritzen der geschlossenen Fensterladen drang, und aus dem Dämmerlicht trat in unklaren Umrissen eine stumme, unheimliche Gruppe hervor: im Lehnstuhl faß, das Haupt vornübergebeugt, der alte Fricke und neben ihm, auf der Fußbank , kauernd, seine . Frau. Beide regungslos. Fricke!" rief Dreikant dumpf. Der Schrecken schnürte ihm fast die Kehle zu. Fricke!" wiederholte , der Schulze.
durch die Stimme seines Gefährten er-muthigt.
Keme Antwort, kein Laut. Sie traten näber und rübrten den alten Fricke an. Er fiel zur Seite. Er ist todt" sagte Dreikant keuchend, und die hellen Schweißperlen standen ihm auf der Stirn., Sie richteten den Alten auf und schüttelten ihn. Ebenso verfuhren sie Mit der alten Frau. Umsonst. Die Gesichter der beiden Alten blieben starr und bleich, ihre Glieder steif und kalt. Ja. sie waren todt. Der Gram war dem Alter zu Hilfe gekommen; sie hatten die Trennung mcht, überlebt. Sie schliefen den letzten Schlaf, den Schlaf, der alle Erdenleiden endet: die ei math, die ihnen das Leben zu versagen lernen, der ,oo hatte ste ihnen gegeben. Der Mörtel. Seine Verhärtung im Laufe der Zeit und di Wirkungen bet Bauwerke. Vor einiaer 3eit sind in Charlottenbürg bei Berlin die letzten Reste der ehemaligen Flora" dem Abbrüche verfallen. Dabei zeigte das Mauerwerk eine so außerordentliche Widerstandsfähigkeit, daß mit Hammer und Spitzhacke dagegen nicht anzukommen war und die Sh'tite des Vulvers für die Svrenauna des Gemäuers in Anspruch genommen werden mußte. Bei den Aooruchsarveiten des alten Berliner Doms leisteten die Fundamente ebenfalls einen derartigen Widerstand, daß man zur Sprengung greisen mußte. Wir leyen hier, wie der Mörtel im Laufe der Jahre eine solche außerordentliche Festigkeit erlangt, stch o eng mit den Kiemen verbindet, daß das Bauwerk gewissermaßen aus einem massiven Stein zu bestehen scheint. Klassische Beispiele für diese Entwicklung bieten mittelalterlicke. dem Verfall geweihte Burgen. Häufig kommt es vor, daß hier die Widerlager mancher Gewölbe im Lause der Zeiten weggebrochen, von den Umwohnern für ihre Bauzwecke weggeschleppt worden sind. Im Laufe der Jahrhunderte aber ist die gewölbte Decke zu einer kompakten Schale geworden, in welcher die Mörtelfugen ebenso fest sind wie die einzelnen Steine. So trägt sie sich denn auch ohne die Widerlager, und die Fälle sind nicht selten, in denen solch eine kuppelförmig gewölbte Decke überHaupt nur noch auf drei Punkten ruht und im übrigen mit freiem Rande, wie etwa die Kappe eines Pilzes, in die Luft ragt. Zweifellos besteht der natürliche Tod eines Bauwerkes darin, daß es in sich zusammenstürzt und einen regellosen Trümmerhaufen bildet. Aber einen natürlichen Tod sterben Bauwerke selten. Der berühmte Campanile auf dem Venediger Markusplatz hat ein solches Ende gefunden, aber sonst sind derartige Beispiele selten. Die überwiegende Mehrzahl der Bauten wird aus wirthschaftlichen Gründen bereits abgerissen, bevor sich die ersten Zeichen des Alters daran bemerkbar machen. Man darf annehmen, daß selbst sehr unsolide Gebäude, Häuser, wie sie die Vauspekulation der Großstädte gelegentlich zeitigt, sofern sie nur das erste Vierteljahr ohne Einsturz überstanden haben, gut und gern ein Alter von 150 bis 200 Jahren erreichen können. Es hängt das eben damit zusammen, daß der Mörtel im Laufe der Jahre durch vollkommene Sättigung mit Kohlensäure immer fester wird, fo daß schließlich die wackeligste Miethsöude eine gewisse Stabilität erlangt. Trotzdem denkt heute kaum Jemand daran, daß die vielen Häuser der Großstädte 200 oder auch nur 100 Jahre stehen werden. Bei den schnellsteigenden Ansprüchen bezüglich Komfort und Lebenshaltung gilt die Wohnung nach 30, spätestens 40 Jahren als veraltet, und infolge dessen schreitet man dementsprechend schnell zum Neubau. , Manche Stoffe, die auf den Menschen tödtlich wirken, können von verschiedenen Thieren ungestraft verzehrt werden. Pferde vertragen z. B. starke Gaben von Antimon, Hunde solche von verschiedenen Quecksilberpräparaten, Ziegen ebensolche von Tabak, Mäuse von Schierling und Kaninchen große Mengen von Belladonna. Andererfeits sind Hunde und Katzen weit empfindlicher gegen Chloroform, als der Menlck. Die FlttÄt des Ministers Nasi aus Rom schildert sein Freund, der Bildhauer Ximenes, der den Flücht ling eine Strecke weit begleitete, jetzt in den Blättern wie folgt: Kürzlich ersuchte mich Nasi um eine Zusam menkunft. Wir stiegen in eine Droschke und fuhren vor die Thore der Stadt. Als es weiter ging, fragte ich, wohin er wolle. Nach Tivoli", antwortete Nasi, um mich der Untersuchungshaft zu entziehen. Im Gefängniß könnte ich mich nicht vertheidigen; ich würde dort sterben!" Mir gefiel diese ungewöhnlicheSpazierfahrt sehr wenig, aber Midleid mit dem bisher so hoch geachteten und gestellten Manne, der jetzt von allen verlassen war, siegte. In Tivoli bat er mich, ihn nach Castellamare und Bologna zu begleiten. Gieb mir diesen letzten v . c cv trjcci ri..LBeweis Deiner reunvfcyaii , jieqie er. In Castellamare stieg ein Unbekannter zu uns ein, der eifrig mit Nasi verhandelte. In Mailand verlor ich beide zu meiner großen Befriedigung aus den Augen, und ich kebrte nach Rom zurück." Diese sensationellen Nachrichten haben natürlich die größte Erregung hervorgerufen: man glaubt, Nasi habe in der Schweiz sicheren Unterschlupf gefunden.
E!nes Kindes böser Irrthum. Die 2-jährige Helena 2)u Hadway fand in ihrer elterlichen Wohnung, 329 Ost Washington Straße, auf einem
Tisch einen Topf mit einer Flüssigkeit, welche sie für Wasser hielt, welche in Wirklichkeit aber Petroleum war. Sie trank einen kräftigen Schluck. Der Vorfall wurde zum Glück sofort entdeckt, und ein Dispensariums-Arzt gerufen, welchem es mit großer Mühe gelang, das Kind außer Gefahr zu bringen. Neues Leben wird aus Ruinen blühen. den Herr Samuel Rauh, Präsident der Indianapolis Union Stockyards Co., erwirkte gestern einen Bauerlaubnißschein für $100,000. Mit dem Wiederaufbau der kürzlich abgebrannten Gebäude und Ställe wird unverzüglich begonnen werden. Dieselben werden so feuersicher als möglich erbaut. Das Material der Kornscheunen wird aus Stahl und Gußeisen bestehen. Die neuen Ställe, welcheim Novem der dem Betrieb übergeben werden, werden ein Areal von 30 Ackern bedecken. In Sachen der Consumers' Gas Truft Co. Die auf gestern Nachmittag anberäumte Sitzung der Directoren der Consumers' Gas Trnst Co. wurde nicht abgehalten, da Herr A. A. Barnes. Präsident des Directoriums von der Stad abwesend war. Die Sitzung wurde auf heute Nachmittag 4 Uhr verschoben. Liederkranz. Waldfest Sonntag, den 19. Juni, im Germania Park. DieBanCampPackingCo. von hier hat die Van Camp Condensed Milk von Efsingham, Jlls., absorbirt und beide Gesellschaften werden in Zukunft unter dem Namen Van Camp Packing Co." geleitet werden. Die Hauptofflcen werden sich nach wie vor in hiesiger Stadt befinden. Frank Van Camp ist Präsident der Gesellschaft. Bauerlaubnitzschein e. S. E. Rauh, Viehställe. Gürtelbahn und Viehhöfen, $100,000. 3:. B. Newland, Cottage. 1817 Olive Str. $1300. . Muelsing, 1835 Nowland Ave.. $2600. Die größte und passendsteAuswahl von Schnittblumen und Blumenstücken für alle freudigen und traurigen Ereignisse. Wir find jederzeit gern bereit bei der Auswahl behülftich zu fein. Gertermann Bros. Co. 241 Mass. Ave. Tel. 40. Tie Anleihen der Kriegführenden. Der russische Anleihevertrag ist von französischen Finanzleuten, denVertre tern der Banken, die das Geld geben, in Paris unterzeichnet worden. . Zur gleichen Zeit ist in London die japanische Anleihe abgeschlossen, worden. Rußlano hat trotz des ungünstigen Verlaufes des Krieges bedeutend besserc Bedingungen bei den Franzofen erzielt, als die bis jetzt erfolgreichen Ja-, paner bei ihren englischen Verbünde ten, die ihre Liebe nie so sehr Herr über sich werden lassen, daß sie nicht doch immer noch ausgezeichnete Gefchäftsleute blieben. Nußland ver zinst Schatzanweisungcn für 800 Mill. Franken mit 5 v. H.. Japan AnweiWeisungen für 10 Mill. Pfund mit 6 v. H. Und trotz der niedrigen Verzinsung stellt sich ein Beweis für den weit größeren Kredit der Russen , der Ausgabekurs für Rußland wcit günstiger als für Japan. Der kmissionskurs der russischen Schatzanweisungen ist nämlich auf 99 v. H. festgesetzt. An der Pariser Börse wurden die Papiere für S8Z v. H. gehandelt. Japan dagegen gibt seine Schatzanweisungen zu nur 93 v. H. aus und muß überdies noch 2 v. H. als Provision an die Geldgeber zahlen, so daß es für seine Papiere in Wirklichkeit nur 91 v. H. des Nennwerthes erhält, den es nach sieben Jahren für die Papiere voll auszahlen muß. Die russischen Scheine laufen nur fünf Jahre. Monon Bahnen.
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