Indiana Tribüne, Volume 27, Number 252, Indianapolis, Marion County, 14 June 1904 — Page 7
Jndiana Tribüne, vu Juni RS0.
7
Das Gymnasium
zu Leng ums Ein Schulroman ans der Oftmark Qoxt Karl Dusse - . (Fortsetzung.) Schade," sagte er leichthin. Ich werde mir nie den leisesten Zweifel an Ihren edlen Absichten erlauben, aber was erreichen Sie durch solche Mittel? Sie säen nur Haß. Der nationale Friede ist hier seit Jahren nicht gestört worden. Durch Ihr Vorgehen - aber wird es gerade zu den Häkeleien kom-men,-die Sie vermeiden woll:ir." Glauben Sie, Herr DireZtor. wir möchten gern Frieden und Freundschaft halten. Ihrem Gymnasium sind unsere Kinder anvertraut es wäre uns allen von Herzen lieb, wenn wir mit dem jetzigen Leiter der Schule auf so gutem Fuß stünden, wie mit den früheren. Ich bin vor allem gekommen, um Klarheit zu haben. Ich möchte Ihnen gern im Namen des ganzen Polenthums die Hand hinstrecken: verständigen wir. uns! Es wäre zum Nutzen der Anitalt, der Stadt, des Kreises. Sie drängen uns einen Kampf auf, den wir nicht wollen. Sie boykottiren polnische Geschäfte, polnische Pensionen; Sie schließen die Kinder von ihren Landsleuten ab, Sie verbieten ihnen ihre Muttersprache ja gewiß, ich weiß wohl: nur hier in der Anstalt, aber Sie benutzen jedenfalls Ihre ganze Macht dazu, gegen das Polenthum vorzugehen. Ich bin überzeugt, daß Sie den besten Willen haben, im Unterricht selbst objektiv zu sein, aber Sie werden auch da Ihre Antipathie gegen die Polen nicht verbergen können.. Das ist unser größtes Bedenken." Georg Rüdiger machte eine Handbewegung. Sie irren," sagte er. Ich kenne im Unterricht weder Polen noch Deutsche, weder Christen noch Juden. Ich kenne da nur Schüler, die nach ihrem Betragen und ihren Leistungen beurtheilt werden." Herr von Osonski verbeugte sich. An dem guten Willen habe ich nie zu zweifeln gewagt." Danke. Ich würde sonst ja den Namen eines Lehrers nicht verdienen." Aber Ihre Herren Vorgänger waren auch Lehrer, gute, prächtige, bedeutende Menschen., Weshalb war dort alles anders und die Verständigung so leicht? Sie sind oft liebe Gäste von uns gewesen; sie haben die Söhne polnischer Adelsfamilien nicht nur unterrichtet, sondern sie auch in ihrem Haus gehabte In dem Haus, das jetzt Sie bewohnen. Wir hatten die Absicht, uns auch an den neuen Herrn Direktor mit der Bitte zu wenden, uns und unseren Kindern die gleiche Liebenswürdigkeit zu erwn,cn aber ich furchte Da bekam der Direktor den Fernend." Er lächelte kaum merklich. Ich wäre gar nicht darauf eingerich tet, Herr von " . Osonski." Ganz recht, Herr von Osonski. Ick bin auch prinzipiell dagegen, -daß Lehrer, vor allem Direktoren, Peniwnare halten.. Es gibt andere Familien genug, die den Verdienst gern mitnehmen. Sein Gegenüber sah sich mit flUchtigem Blick in dem kahl eingerichteten Zimmer um. So muß ich mich denn mit allem bescheiden. Ich gestehe, daß ich mit größeren Hoffnungen hierherkam. Und ich fürchte, es wird böses Blut geben, wenn das Verbot aufrechterbaltcn wird Gerade die kleinen Handwerker sind "sehr empfindlich und werden das nicht vergessen. , Das glaube ich selbst," erwiderte Georg Rüdiger. Die erste Quittung flog mir schon gestern Abend in's Zimmer. Ein erstaunter, fragender Blick.. Es war mchts Besonderes. Ich hörte es. nur im Nebenzimmer klirren und fallen. Eine Scheibe war eingemorsen. Den Stem habe ich noch zum Andenken." Da fehen Sie das Volk ist erbittert " Das Solk? Es dürfte sich hier doch um GaZIeniunaen bandeln. Und ? werden nicht glauben, daß eine zerbro chene Scheibe auf meine Entschlüsse Einflun hat. Herr von Osonski erhob sich und leate die and um die nivueime. Sie kennen unser niederes Volk nicht, Herr Direktor. Es ist geduldig. autmuthia. leicht innig, aver es verney keinen Spaß, wenn ihm einer an seine Religion oder an seine Feste will. Dann behalten wir es nicht mehr in der Hanv, Und kann es Ihnen angenehm sein, wenn es zu Krawallen kommt, deren sich die Zeitungen bemächtigen? Wenn der polnische Adel seine Söhne vom Gymnasium nimmt, wenn unfriedliche Zustände einreißen? Und wenn es dann ' .r i t f l V CV . - . , ' immer heiß:: oas geyr von oem ,aa, av an dem der neue Direktor rne AniM betrat? Glauben Sie, daß diese ewige Aufmerlmkeit, die Sie so erregen der Reaierung angenehm sein wird?" Darüber," sagte Georg Rüdiger kübl. .werde ick) mich seinerzeit mit mei ner vorgesetzten Behörde unterhalten mein Herr. Sie standen sich jetzt beide gegenübc und wechselten noch einige kalte Höf lichkeiten. Dann verließ Herr von ajjonsn oas öuiuuct.
Krieg und Frieden hatte' er in der
Toga getragen, als er gekommen war. Er wußte jetzt, daß es Krieg fern mußte. Und er hatte Falten auf der Stirn. Der Friede, wie er mit den ruheren Direttoren gehalten war. nützte feiner Sache mehr. Georg Rudiger dachte das gleiche und achte vor sich hin. Sie hatten ihn ködern wollen. Der vorige Direktor hatte fünf pvlnifche Pensionäre gehabt und ein jähriches Neoenemkommen dadurch von ast fünftausend Mark. Fraglos ein braver Mann, der nie gemerkt hatte, daß er dadurch mit zarten Bändern geesselt war. Sogar Bruderschaft hatte er mit den polnischen Besitzern getrunen. Es wäre den Herren nicht unlieb geWesen, auch mit ihm gute Freundschaft halten zu können. Aber der Preis war doch zu hoch daür. , Man wußte in der Stadt bald von dem Besuch, denPan Thaddäus von Osonski dem Direktor abgestattet hatte. Man wußte noch früher, daß durch einen Steinwurf ein Fenster zertrümmert war. Und man freute sich und chmunzelte. Das ließ manch einen nicht ruhen. Es waren leichte Lorbeeren zu pflücken. Und wieder in der Dunkelheit gmg es klirr, klirr, schlug polternd ein Stein in's Zimmer. Georg Rudiger riß das Fenster aus. Er fah Jemand laufen. Da tonte em Schrei: Haltet ihn! "nd eine zweite Gestalt flog hinter der ersten drein. Blitzgleich sauste sie hin, dem anderen an den Kragen ... Em polnischer Fluch, eme erhobene Faust. Aber wie eine Katze hing der Verfolger ihm am Hals, und ein wühendcr Kampf entspann sich. Der Direktor hatte seinen Hut genommen und ging mit raschen Schriten nach draußen. Er traf mit dem Stadtmachtmeister zusammen, der von der anderen Seite am. Auch sonstiges Volk lief hinzu. Da wälzten sich die beiden Kämpen am Boden. Sie mußten getrennt werden. Wächter," sagte Georg Rüdiger überrascht nicht sonderlich angenehm überrascht. Der Junge stand keuchend, heiß, mit eingerissenem Kragen vor ihm. Das ist der Lump, der Ihnen die Scheiben einwirft, Herr Direktor," brachte er ruckweise hervor. Ich habe mich ... auf die Lauer gelegt. Und richtig! Der wird so bald nicht mehr werfen." Und ohne oen Direktor zu beachten. rief er laut: Stadtwachtmeister, nehmen Sie das Fruchtchen mit. Ich Hab's gesehen, wie er den Stem m s Fenster geschleudert hat." - Das war Kommandostimme: das duldete keinen Widerspruch. Als wäre er jetjt schon Offizier und gebe dem Un terstellten Befehle. Der Wachtmeister nahm den Vurschen auch am Kragen, nachdem er sich vom Direktor alles hatte bestätigen lassen. Da schrie-der Bengel, als ob er am Spieß stecke. Immer mehr Volk hatte sich mzwischen gesammelt. Finstere Mienen überall. " Laßt ihn laufen, Pan!" rief einer. (5: geschieht dem Deutschen gan. recht!" ein anderer. Ein paar fluchten vor sich tnn. Und einer hob drohend die Faust gegen Rein hold Wächter: Warte, Bürschlein, das wird Dir eingetränkt! Wollt Ihr was?" fragte der und trat dicht an den Mann heran. 5Zrähe nicht zu früh, Hähnchen! Wen ab! Der Vater war ebenso! Spion!" schallte es bunt durcheinander. Wächter!" rief Georg Rüdiger. Langsam, achselzuckend' drehte der Sekundaner sich um. Ich habe keine Angst," sagte er. . - Aber der Direktor: Sie kommen mit mir i So zerstreuten sich die Menschen nacy zwei Seiten. Der große Haufe zog mit dem Stadtwachtmeister und dem jam merlich weinenden Gefangenen, der sich als Schneideraesell entpuppte, dem Po lizeigebäude zu. Georg Rudiger schritt mit. dem Gymnasiasten, der die Spuren des Kampfes zu beseitigen oder zu verdecken suchte, der Anstalt zu. Sie scheinen Ihren Namen mit Recht zu tragen, Wachter," sägte der Chef. Das offene Gesicht überflog heiße Rötbe. Ihr Haß gegen die Polen scheint ausgiebig zu fern. Der Junge stotterte. Er sah den vergötterten Lehrer von der feene an. Es ist nicht nur der Haß stand in diesem Blick es ist auch, weil ich für Dich durch s Feuer gebe. Aber er schämte sich, das auch nur durch em Wort anzudeuten. Man hat in der Stadt davon gesprochen." antwortete er, daß die Sckuldigen Gymnasiasten seien. Da wollte ich beweisen, daß sich keiner von uns dazu beraibt." Die Freude, daß ihm das gelungen fei. konnte sich m dem Tonsall mch verberaen. Unwillkürlich mußte der Direktor lä cheln. Er hatte den offenen Jungen lieb und mußte ihm doch eine L?traspre diat halten. Sie fiel milde genug aus, Es sei ja alles schon und gut, aber er empseyi' doch, den allzu großen Eiser zu dam pfen und sich ebenso hitzig auf die Büj
eher zu stürzen. Es sei immerhin kein
angenehmes Bild, einen Obersekundaner sich mit einem-Gassenjungen im Sand wälzen zu sehen. Erstaunt und verstandnißlos onate Neinhold Wächter ihn an. Nem er durfte das Knabenherz nicht verwirren. So reichte er ihm die Hand. .Der Direktor hat Ihnen jetzt seine Meinung g:sagt. Wächter persönlich habe ich 5ihnen aber zu danken. Halten Sie sich ehrlich und aufrecht; ich denke, Sie werden auch später im Leben Ihren Mann stehen. Und nehmen Sie sich in acht: ich. möchte nicht, 1?aß Sie auf dem Heimweg noch einmal m Handel verwickelt werden. Ueberhaupt: sehen Sie ch vor. Nicht allzuhltzig, Freundchen! Und nun lassen Sie sich von Ihrer Mutter einen anderen Kragen geben." Er nickte, grüßte, ging. Strahlend hatte der Knabe ihn angesehen. Er hatte die Liebe auch des Lehrers gefühlt. Er stand noch, als Georg Nudiger davonschritt. Und der schritt rvch. Zum ersten Mal hatte er die Mutter" des Schülers erwähnt. Ganz unabsichtlich. Aber er war tief innerlich erschrocken, als müßten die glänzenden Knabenaugen ihm bis in's Herz sehen. Und das sollten sie nicht; das war nicht gut! So kam Fronleichnam. An den Straßen waren Altäre errichtet, zitternde Birkenzweige waren in die Erde gelassen und wiegten sich wie erschrocken über die fremde Umgebung hin und her. In hellen Haufen strömte das Landvolk herbe:, und aus der machtigen Klosterkirche setzte sich, fast unabsehbar die Prozession in Bewegung. Da raufcyten d:e seidenen Fahnen und grüßten die freie Luft und Weite, die sie im Dämmer der Kirche seit langem nicht gespurt hatten. Im goldenen Lichtstrom der Sonne flogen die blauen, grünen, rothen, gelben mit den schweren Stickereien. Es rasselten die Trommeln der Schützengilde; weißgekleidete Mädchen, Kranze im Haar, leuchtende Augen im seligen Gesicht, streuten aus ihren Körben Maiblumen. Unterm Baldachin, in starre Seide gewickelt, schritt der Propst dahin, und entblößten Hauptes folgten ihm Tausende und Abertausende, betend und singend, da alles Durcheinanderklingen sich in der Ferne veroand zu emem großen, brausenden Gesang. Rcinhold Wachter stand am offenen Fenster. Er hörte es herannahen wie Wogen und Brausen. Dem Haus ge genüber, dicht am Markt, war em Al tar errichtet. Und nun bog der Zug auf den Markt ein. Lie iireuze schwankten m den Händen derer, die sie hielten: die Fahnenseide knitterte; meergleich schwoll der Gesang, als grüße er den Altar und das Muttergottesbild, das grün um zweigt sich daraus erhob. Als der Propst unter dem Baldachin davor hielt, war das Ende des Zuges noch nicht abzusehen Immer neue schaaren schoben und drängten sich in festlicher Kleidung auf dem Markt zusammen. Dann wirbelte die Trommel; bet Gesang verebbte. Plötzlich ward es ganz still. Man horte den Priester reden; man horte silbern kleine Glockchen klingen. Glanzend, sonnengetrosfen leuchtete in der goldenen Fassung die Hostie, die der Propst singend dem Volk entgegenhielt. Wie ein Ruck gmg es durch die Tausende. Aller Kniee beugten sich in den Staub der Straße. Als hätte eine gewaltige Sense mit einem Streich ein Kornfeld gemäht, war alles mederge sunken, was eben noch aufrechtgestanden hatte. " Nur der Priester, als wäre er der einzige in der ganzen Stadt, hielt sich aufrecht und streckte das Heiligthum empor und sang. Aber noch einer stand: droben am Fenster der Knabe. Jener Wind, der über die Häupter der Knieenden blies. der die seidenen Gewänder des Propstes umwehte, fing sich m seinem blonden Wuschelhaar und wirrte es. Lautlos stand er da und hielt den Athem an, von keinem bemerkt. Aber da begann der Kanarienvogel im Bauer zu schlagen. Das Saue hatte auf der sonnigen Fensterbank sei nen Platz gefunden. Vielleicht war der Vogel durch das jähe Schwelgen nach Brausen und Gesang stutzig gemacht worden: er hatte erst still mit d:n glan zenden. schwarzen Aeuglein dagesessen. dann hub er aus aller Kraft seiner kleinen Kehle zu schmettern an. In die große, Stille, die um so ge waltigcr, eindringlicher und drückender war, als man Tausende sah, die versunken schwiegen, zogen die flötenden, rollenden Töne des Vogels. Und so deutlich fielen sie in die Ruhe und Versunkcnheit, daß der singende Priester ivn Kopf hob: er sah den Knaben da oben stehen. Hundert andere Häupter blickten gleichfalls auf. Und der Kanarienvogel schien sich zu Tode singen zu wollen: so süß und laut, klang sein Lied. Es ging bald unter im GeWirbel der Trommeln Altar und Birke waren geweiht, die .Menge hob sich, die geheiligten grünen Zweialein wurden von hundert H'anden gepflückt, die Glöckchen klangen, der Weihrauch stieg aus den geschwungenen Raucherbecken weiter ging der Zug. Die Ersten blickten noch einmal nach oben: der Knabe stand noch immer am offenen Fenster. Mnd jeder that es dem Vordermann nach: die unabsehbaren Schaaren hoben vor diesem Fenster das
Haupt und schauten empor, als müßte
da etwas Ungewöhnliches und Seltames zu sehen sein. Immer röther wurde des Knaben Gesicht. Er hatte schon vorhin zurückreten wollen.' In der kindischen Furcht, feige zu erscheinen, hatte er es nicht gethan. Und als nun. immer von Neuem. gleichsam mechanisch, die Augen der unen Wandelnden sich zu ihm aufschlugen, überkam ihn bänglich und groß das Gefühl, als stünde er hier ganz allein, und die unübersehbaren Massen, die den ganzen Markt und alle Straßen beherrschten, zogen m Ha und Groll gegen ihn. Da lehnte er sich dichter an das Fenster, als ob er standhalten müsse: einer gegen Tausende. Die Blicke, die ihm galten, wurden böser. Viele wußten,, wer er war. kannten ihn und seinen Vater. Die Gesellen haßten ihn, weil er ihren Kameraden zur Anzeige gebracht hatte. Er hielt ieden Blick aus. Es kam ihm nicht der Gedanke, daß sein Stehen hier am offenen Fenster herausfordernd aussehen und anreizend wirken konnle. Erst , als die Letzten des Zugs verschwunden waren und der Gesang wieder wie ein dumpfes Brausen aus der Ferne scholl, trat er zurück. Völlig menschenleer und sonnendeschienen lag der Marktplatz. Der Kanarienvogel war müde geworden und sang nicht mehr. . . Am Nachmittag war das große Fest des Handwerkervereins. Aber das war nichts als ein Rahmen für ein altes Volksfest. So lange man denken konnte, waren dafür die Klosterwiesen freigegeben und das Wäldchen." Gleich hinter der großen Kirche streckten sie sich hin. Und da Kirche und Gymnasium ziemlich dicht aneinanderlagen, konnte man den Festplatz von den Fenstern der Aula aus übersehen. Buden waren aufgeschlagen, fnegende Händler zogen mit Papierfahnen herum, die die weiß-rothen Farben der Provinz und des alten Königreichs Polen oder das Bild der heiligen Jungfrau zeigten. Mit Kind und Kegel zogen die Burger von Alters her auf die Feststätte, auf der sich Schaaren von Landleuten drängten, die mit offenem Mund alle Herrlichkeiten bestaunten. Große Tonnen Bier waren schon Tags vorher hinausgerollt worden: reichlicher noch floß der Schnaps. Dazu schmetterten Trompeten und Geigen, kreischte das junge Volk, ward gelärmt, gespielt, gesungen, bis der Tanz begann. Wie gesagt, ließ es sich der Adel nie nehmen, das Fest zu besuchen. Auch die Pröpste machten einen Rundgang. Erst gegen Abend, wenn das Treiben gar zu bunt ward, Vier und Schnaps ihre Wirkung thaten und alles in Jubel und Seligkeit schwamm, verließen die besseren Leute den Festplatz, auf dem es bis Mitternacht lebendig blieb. Der süße Strich" hatte seine Thuren und Fenster auch diesmal wieder mit Birkenzweigen und Kalmus geschmückt. Aber als es Nachmittags aus den Straßen wibbelte und knbbelte, schloß er vorsichtig alles ab. Man kann mcht wissen, was kommt," sagte er. Hände weg vom Porzellan! Was thut ein vorsichtiger Mann? Er bleibt zu Hause. Geh nur, Robcrtchen, unh hole mir eine Feiertagscigarre." Robert Strich war froh, daß n rauskam. Vielleicht, daß er nun doch noch etwas vom Aufzug des Handwerkerverems sah. Denn es war selbstverständlich, daß er nicht aus der Thür durfte, wenn der Vater da war. Es hieß immer nur lernen, lernen, lernen! Er machte also seme Besorgung und stellte sich dann dicht an einen Laternen--Pfahl, der nach loblicher Gewohnheit durch einen Prellstein geschützt war. Fortwahreiid wogten die Leute vorbei, auch Gymnasiasten zogen in Gruppen vorüber. Das Barbiersöhnchen be achtete Niemand, und das schien ihm grad das Beste. Wenn nur der Zug bald käme! Allzulange durfte er den Vater nicht warten lassen. ' Aber sem Frieden ward bald gestört. Jemand hielt ihm Plötzlich die Augen zu. Und als Dremgabe bekam er em paar leichte Püffe. Er kannte die Sorte. So mit dem harten Knöchel des Mittelfingers stieß nur einer: fein Spezialfreund Baranowski, der ihn damals so bitterbose hatte taufen wollen. Und Reinhold Wächter, der voriges Mal geholfen hatte, war nicht in der Nahe. So machte er gute Miene zum bösen Spiel. Es waren im Ganzen fünf Schuler, die vom gleichen Platz aus das Schauspiel des Auszugs innern sehen wollten. Sie nahmen Robert Strich in die Mitte und hänselten ihn, bis ihm das Weinen nahe war. Sie meinten's gar nicht böse t war halt em kleiner Spaß, der die Zeit des War tens vertrieb Und das Heimchen lachte und lächelte krampfhaft. Ganz nebensächlich machte es auch einen Fluchtversuch denn der Vater ließ nicht' mit sich spaßen und die Zeit verging. Aber im Triumph ward das Jungchen zurückgeholt. Es war aut. daß bald darauf Monsieur Jambon die Straße entlang spazirt kam. Feierlicher als sonst im schwarzen Gehrock, aber mit äußerst be-
yagilcyem töencüty (Fortsetzung folgt.) ' , ,,, m- Haucht die B0NANZA. ": . , - I . ' ,
Ein Schulkuriosum.
. Eine merkwürdige Beschwerde ist über den Unterricht der Schifferkinder bei der städtischen Schuld eputation in Spandau vorgebracht worden. In den dortigen Gemeindeschulen ist die Deutsche Sprachschule", bearbeitet von Dr. W. Jütting, im Gebrauch. In Heft 3 Seite 51 steht nun unter Aehnlich klingende Worte" in der zweiten Reihe Schiefer, Schiffer". Unglücklicherweise folgt hinter i Schiffer das Wort stehlen", so daß man die Worte Schiffer, stehlen" eng aneinander gereiht erblickt. Dieses Zusammentreffen hat die Vereinigung zur kirchlichen Fürsorge für die Flußschiffer Berlins zur Einreichung einer Eingabe an die Schuldeputation veranlaßt, worin ausgeführt wird,daß die Schifferkinder, die während der Dauer des Winterquartals die Gemeindeschulen besuchten, daran Anstoß genommen hätten. Es wird bekannt sein", so heißt es in der Eingabe, daß dadurch eine empfindliche Seite bei der schiffahrttreibenden Bevölkerung berührt wird. Es ist ein manchmal geäußerter, aber von den Schiffern stets einmüthig zurückgewiesener Vorwürf, daß sie unehrlich seien. Daher ist jene an sich völlig harmlose Zusammenstellung der beiden Worte eine Quelle von Klagen seitens der Schiffer gewesen." Die Eingabe schließt mit der Bitte, bei einer Neuaufläge jenes Sprachlehrbuches die beiden Worte trennen zu lassen. Das hat sich wohl der Sprachschulverfasser auch mcht träumen lassen. Der kleine Raufbold. Mutter: Hänschen, möchtest Du noch em Bruderchen? Hanschen: Wenn es mcht großer und starker ist als ich !a: Mißverstanden. Richter: Bedauern Sie denn wenigstens, dem Zeugen eine Ohrfeige gegeben zu haben? Angeklagter: Aber sehr! Gerade als ich ihm die zweite auswischen wollte, siel man mir in den Arm. Ein genialer Schwindl e r, dem jedoch eine gute Dosis gesunden Humors nicht abzusprechen ist, hat in Jersey City als ErdbeerenHändler zahlreiche Opfer hineingelegt. Der Mann war ein Bauchredner, der an die Iüchenaufzuge der Tenement Häuser ging und den Hausfrauen al ler Flats zu gleicher Zeit mittheilte. er habe Erdbeeren zu emem spottbü ligen Preise zu verkaufen. Er habe nur noch wenige Korbe auf seinem Wagen, die er schnell losschlagen mochte, weil er nach Hause fahren wollte. Dabei, zeigte er ihnen als Probe einen Korb schöner Erdbeeren, und um sie zum Kaufen zu veranlassen, imitirte er zwischen durcks'die Stimme eines Knaben, der den Verkäufer aufforderte, zu einer Nachba rin zu kommen, die den ganzen Rest kaufen wollte. Der Händler antwortete dem vermeintlichen Knaben, daß er vorläufig mit den Frauen dieses Hauses handele. Das zog; jede der am Kuchenaufzua wartenden Kauslu stigen bestellte jetzt sofort mehrere Körbe der köstlichen Frucht und ließ das Geld im Fahrstuhle nach unten gehen. Der Mann nahm Geld und Aufträge entgegen, um sich nie wieder blicken zu lassen. Die Betrogenen erfuhren spater von einer Nachbarin, daß ein ziemlich gut gekleideter Mann mit nur einem Korb voll Erdbeeren in das Haus gegangen fei und sich bald darauf m schleunigster Gangart wie der entfernt hätte. Ein Wagen sei in der ganzen Straße mcht zu sehen ge wesen. x Die Wittwe des verstorbenen Superintendenten der LackawannaBahn, Andrew Reasoner,in East Orange, N. I., ließ, wie jetzt erst be sannt geworden ist, im März letzten Jahres das letzte Werk des Malers Thomas Nast, ein Portrait ihres verstorbenen Gatten, verbrennen. Das Bild war, wie Frau Reasoner erklärte, schlecht gemalt und verursachte ihr Aerger, wenn immer sie nur daran dachte. Sie zahlte der Wittwe des inzwischen auch verstorbenen Kunstlers $500, obwohl das Bild ursprünglich $1500 kosten sollte. Nast hatte das Bild während seines Aufenthaltes als amerikanischer Consul in Südamerika gemalt, wo er plötzlich dem gelben Fieber erlag. Als Original hatte ihm eine Photographie gedient. Er hatte jedoch das Bild vorher mit anderen Sachen nach Mornstown gesandt. AIs Frau Reasoner dort das Conterfei sah, war sie entschlossen, der Wittwe einen anständigen Betrag zu zahlen und dann das Bild zu verbrennen. Letztere verlangte zuerst $1000, derenZah lung jedoch Frau Reasoner rundweg verweigerte. Schließlich einigte man sich auf $500, worauf das Bild nach East Orange gesandt wurde. Wenn gleich Alle, die das Bild sahen, darin mit Frau Reasoner übereinstimmten, daß es dem Künstler schlecht gelungen sei, so glaubte doch Niemand, daß Frau Reasoner das letzte Werk Nast'Z den Flammen überantworten werde. Eines Morgens jedoch ließ Frau Rea foner das Bild von ihren Dienstboten im Hos verbrennen.' Gefährlich. Lieder Onttl, ich werde Dich fetzt mit einigen Herren bekannt machen! Der eim ist ein Krnsthierarzt, der andere ein Kreisphysikus, der dritte ein Kreisschulin spector " Hör' mir auf ich bin heute ohnehin schon so schwindlig!
Feuer Signale,
1 Pemlshlv und Zkaxtd, 6 English'S Oper Haus 4 East und 92-W York 7 Noble und SMchigan 4 N. Jersey u. Maff Ai i Pine und NortS 5 Market und Pine 1 Lermont nahe East 2 Nz. S Spritzenhau Mass. Ave nahe Noble 3 Deuiwan und Walnut -.Jersey Central A. 5 Mass, und EorneUAve 4 3f& m.d 11. Straße 7 Park SU und 12 Etr -ö Columbia und Hillsid g Highland Ave u.Pratt 19 Park 35 88 it 212 Capital Xv und tt. 813 Pennsylv. u. Michia 814 JllinoiS und 20. 215 Senate Ave und 81. 816 Pennsvlvania und 23, 17 Meridian und 16. 213 Capital Av und 86. 219 Broadtvay und 10. 231 Illinois und MeLea 284 No. 14 Spritzenhaus Kenwood und 30 35 JllinoiS und 33. 336 Annetta und SC 837 No. 9. Spritzend. Udell und Raoer 83g Udell Ladder Works 839 Jsabel und 87. 841 Meridian und 24. 842 JllinoiS u St. Elx: 243 Eldrioge und 83. 18 West uud Walnut 313 West und 12. 314 Howard und 16 15 Torbet und Paa 16 Capital Ave und 17 Northwestern Ave A 18 Gent und 18. 819 Eanal und 10. 24 Cerealine Wor 24 Vermont und Lynn 825 BiSmarck u Grandvietk 26 No. 89 Spritzenhaus Haughville. 27 Michigan u. olmeS 23 Michigan u. Eonr 41 West und MeJntvre 412 Missouri u. Mary land 413 Missouri und Ohw 415 Capital Avei. Georgia 416 Missouri u entuckyS. 417 Senate Ave u. Wash. 421 P und E kiundkau W. Washington. 48 Jrren-Hospital. 424 Miley Ave u.J B u 425 Wash und Harr 42 No. 13 Spritzenhaus W. Washington 427 Olwer und Birch 2 Oliver und Osgoob 429 Nordyke und Jork 431 Hadley Ave u. MorrL 432 Riv Ave u. Morr 434 Rtv Ave und Rah 435 Harding u. Big 4 R ? 436 Harding und Oliv 437 No. 19 SpritzenhqZ Morris und Sardina. 483 fiotem VXbBDSSiEBSß 39 Stockt) 461 Sinkner und VW5 458 Howard und . 453 MorriS und apvö 66 Lambert und Stlzz 457 Nordyke Ave . Sk mon WorkS SIS West und Siat) Kl Kmtuckh Ave u. VerzS 514 Meridian und MorrK Kl JllinoiS und anjaS 517 Morris und Dakow 618 MorriS und Ehurch 519 Capital A. a HcCotk, 621 Meridian und Pal 523 Pine und Lord 524 Madisor. Av u Lines! 26 Meridian und Belt RS 527 Carlo und Ray 525 Meridian und Arizona 529 ataddian u. Raymond 631 Meridian u. MrCak.i S38 No. 17 SprttzenbauS. MorriS nahe West 18 McKernan und Dotiaft, 613 East U. Lincoln 614 East und Leecher 15 Wright und Sandrrt 17 McCarty und Beaty 18 New Jersey u & 91W ?!8 Epruce und Prospect TiS English Ave. u. Laure? 714 State Ave u. Beit R 9 716 Shelby und eech 71 State Ave utCu Oranx 718 Orange und Laurel 719 Shelby u. d-Uage At, 721 LeringtonA. u Lauch 72 gleicher Ave u. Sdrurt 724 State Ave. PleasmK 715 Prospekt und ?leasit 726 Orange und Hla 78S Liberty und Mea 729 Sioble und South 31 No. 15 Spritzenhaus Oft Washington 813 Market und Noble 314 Ohio . Highland i 815 Michigan u. Higbla 816 Market u Arsenal A 817 Ost Clair und Union Bahn leise. 821 Pan Handle Shop 883 Vermont und WaKotk 884 Wash. und Etat Nk. 885 Madden'SLounge FaS88 Tucker und Dorsey S2? Wash. und Beville v L89 No. 18 Spritzenhau Beville nahe Michiga 831 Southeaftern 1889 Woodside. 838 Wash. und Dearvon, 834 Southeaftern und Arsenal Ave. 835 New Dork und Tenchd 912 JllinoiS und Maryl. 13 JllinoiS und Markt, 14 Penn, und Safh. JllinoiS und St. I 3 Pennshlv. und Pratt 4 Meridian uno 11. Str '6 Nv. ö Spritzenhaus is. nahe Jllino 6 Senate Ave .StEIaik :7 Illinois und Dkchigan Pe tfhlvania und 14. g Senate Ave. und 18. n No. 1 Spritzenhaus Ins AvenaheMichiga Meridian und Walnut 4 California u Vermont s Blake und New Dork Ind. Av. u. St. lade Eity Hospital Blake und Norty 9 Mchigan und Ägnes a No. 6 Spritzenhaus Washington nahe West 4 Geisendorf u Wash. s Missouri tt New Dort 5 Meridian u Wash Illinois und Ohio Capitol Av.' u Wash 3 Kmgan'ö Porthaul Straßenbahn Ställe W. Washington SU t& No. 10 Spritzenhaus JllinoiS u Merrill : JllinoiS u Louiftan -3 West und South 54WestundMcCarty iS Senate Ave. u Henry il Meridian und Ray ÄS No. 4 Spritzenhaus MadisonAv.uMorr M Madison Av.u Dunlop & No 3 Haken Leiterhsu Eouth nahe Delatvar, M Penn. Merrill m Delatvar u. VKEartv 34 Saft und McEartY New Jersey u. MerriU 7 Birg. Av. u Bradsha es East und Prospekt ti Bicking und High tl No. ii Spritzenhaus Clr Ave. nahe Huron ? East und Georgia 7 Eeda und Elm 74 Davidson u Georgia 7 English Av.u Pine 76 Shelby und BateS "S No. S Spritzenhaus Prospect nahe Shelby gleicher Av. u Shelby öl Market u. New Jersey Delaware und Wash. 63 East u Washington 84 New York. Davids Sb Taubstummen Anstaä 06 Ver. Staaten Arsenal 7 Orient! und Wash. 89 Frauen-Reformat. l No. 13 Spritzenhaus Maryland nahe Mer. 42 Meridian u. Georaia. J3 Meridian und South 44 Pennfvlv u. Louistana 5 Virgmi Ave u. Alab. 06 Hauptquartier. 37 Grand Hotel. 93 Capital Ave und Ohik 23 No. 16 Spritzenhaus 16. und Ash. 1.24 Alabama und 18. .25 Central Ave und 15. ; 26 DandeS und 15. 27 Brookside und Jupit 23 Central Ave und 17. 29 Delaware und 19. 31 Alabama und 11. l.?2 Bellefontaine und ,34 College Ave und S. (SS Delawan und 13 136 Alabama und North 137 Newmann und 19. 39 College Av und 14. .39 Cornell Ave und IS. .4i DandeS und 19. ' 42 Highland Ave und 10, i43 Tecumseh und 10. .46 New Jersey und 22. 46 Alvord und 17. 47 No. Spritzenhaus HiKfide Ave und 16. s College Ave und 2. 49 College Ave und 7. SS Park Ave und 2. .SS L E u. W Bahn u. 2. S4 Ramsey Ave und 10. -56 Stoughton u Netoman 'S? Atlas und Pike. S8 Bloyd und Pawpaw. S9 No. 21 Spritzenhau ' Brightwood Arven und Depot 63 Brightwood und 86. 61 Rural "und Bloyd 65 St. Clair u. Keyston i67 Arsenal Av und 3. -63 Bellefontaine und 88. 915 eia m V? Spezial Signale. Srsten 8 Schläge, zweiter Alarm, Zweite 8 Schläge, dritter Alarm, Dritten 8 Schläge, viert Alarm. l-8-l, Feuer auö und Schlauch aufgeroS. 3 Schläge, Wasserdruck ab. a cxrv.. m k m mii a quige, u uijt tiruig, Die so bezeichnete Signale werden nur dmn Thür Wächter angegeben da an den betregende Etrcch keuzunge KW Alarmköken angebracht sind Chicago und der große Nordweft via ' Alms&BS'wss'mjissvm H HnkWk? laSka-SawaU-BlzUivpine Insel. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. tSW Bon der Monon 47. Str. Station, Chicago, find Z nur 5 Minuten mittelst elektrischer Ear nach den Union Biehbösen I'reued Lilck. Springs, Indern Orange Eounty Hochland. ffamilien-Hotel anter neuer GeschäftSleitunä. Pluto, Proserpine ind Bowle Quellen. Beste Mineralwasser dn Welt. Zwei Züge täglich via Gree?,caftle. Ticket-Officen : Union Station, Massachusetts ve und SS West Washington Straße. R. P. A i g e o, ' ' Distrikt Vass. Agent. Indianapolis, Ind. . .H.M eDo e i, E. H. R o a w ell. räs. und Sen. Mgr. Venleoslnir, Frank I. Reed, en.Piss. Agent. Sbicigo. III.
r
