Indiana Tribüne, Volume 27, Number 252, Indianapolis, Marion County, 14 June 1904 — Page 5
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ik menschlichen Naturen sind der-
schieden. T-er eme trauert, wenn er einen alten Nock, den
er lange getragen, ablegen muß,
den anderen rührt es kaum, wenn er kines werthöollen, ihm sonst theuren Andenkens verlustig geht; der eine cntsagt leichten Herzens einem Vermögen, und der andere ärgert sich über den Verlust eines Pfennigs. Ein Besitzthum aber kennen die Menschen, an dem sie alle hängen, und mögen sie noch so leichtherzig geartet sein, eines gibt es in der Welt, das niemand bewußtermaßen kalten Blutes und trockenen Auges hingibt, und das ist die Heimath. Woran das liegt? Vielleicht daran, daß die Heimath dem hastenden, strebenden Menschen das Bleibende, Beständige auf Erden ist, dessen er bedarf, um nicht seelisch zum Nomaden zu werden; vielleicht daran, daß sie allein, und mag sie räumlich noch so oft wechseln, inhaltlich doch immer dieselbe bleibt, während alles andere im Leben, seiner inneren wie äußeren Gestalt nach, der Veränderung, dem Wechsel unterworfen ist. Vielleicht! Soviel aber, steht fest: die Sprache kennt kein schmerzlicheres Wort rtTa ktn STrmpn CSpTrrmtMnS " nnh hnä
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Herz keinen trostloseren Gedanken als den der aus diesem Namen spricht. In einem Winkel des Dorfes dersteckt, rings eingeschlossen von stolzen Bauerngehöften, lag. das kleine, unscheinbare Grundstück, auf dem der alte Fricke mit seiner gleichfalls bejahrten Lebensgefährtin hauste.' Klein war es, aber ein paar Morgen Land, einen Garten, ein bescheidenes Wohnhaus,
an das sich ein ebenso bescheidener Stall sinfrhfnb itmfnfcti 3 hnrfi itnh h?f bei-
fcn nZ w fci, ift'r tfmimtfmm an, daß es dem alten Mann weh that
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tmnnien bätten auch sckwerlick, aewunt. r liqeiie ite, uno oas met
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Mten, denn ihren einzigen Sohn hatte ' ee agre er morgen
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Der alte Fricke richtete sich endttcy auf. Es nützt nichts, Mutter; es läßt sich nicht ändern. Morgen müssen
Wir fon. ' ' . ,
Die alte Frau fmg laut zu jammern
an uno rana verzweniunasoou du
Hände. - .
Geh noch emrnal zu ihm, val .iie.
am Ende läßt er's uns doch. Großer
Gott!' Dre paar Jahre, d:e wir noch zu leben haben!"
r Mann .schüttelte das graue
Haupt und lehnte" sich wieder in den Stuhl zurück. Er thut's nicht. Ich hab' ihn oft genug gefragt , und will nicht noch einmal hören, daß er'mir's abschlägt."'
Es wurde wieder strn m der Stube.
Glühend brannte die Mittagssonne durch die Fensterscheiben, aber die beiden Alten spürten es nicht. Es war ja alles gleich für sie, ob Regen oder Sonnenschein; helfen konnte ihnen doch nichts. .
Wenn ich schon bitten muß, muß es
auch etwas nützen," fing Fricke wieder
an. Aber es nutzt Nichts, und umsonst gebe ich kein gutes Wort mehr." Er stand auf. Aber fortgehen das thu' ich auch nicht. ' Lieber sterb' ich."
Damit ging er auf den Hof hinaus,
um nach dem Vieh zu sehen. Es hätte
ihm zwar gleichgiltig sem können, was aus seinen Ziegen und Hühnern wurde, denn sie gehörten ihm ja gar nicht mehr.
Wenn sie also hungerten, was that s
ihm? Allein die, alte, langjährige Ge-
wohnheit, die, alle. Tage um diese Zeit den hungrigen Hausthieren zu ihrem Mittagmahl verhalf, ließ sich nicht so leicht abtödten, und die Liebe, mit der das alte Ehepaar, an seinen Hausthieren hing, noch viel weniger. Was konnten denn die Thiere dafür, daß es ihrem Herrn so schlecht erging? Hätte
man sie gefragt, sie hatten sicherlich in keinen Tausch gewilligt.
' Ein jämmerliches Gemecker tonte dem
alten Fricke aus dem Ziegenstall ent-
gegen, als er über die holperige Schwelle
schritt. Die alte Liese sah ihn mit großen, klugen Augen so vorwurfsvoll
sein Beruf weit fort in die Großstadt geführt; sie standen allein, und ihre Kräfte reichten gerade noch aus, Acker
und Garten -?.u bestellen. Saus und
Stall in Ordnung zu haltend Das hatten sie denn auch Jahre hindurch
mit einer sogar von den Nachbarn anerkannten Emsigkeit besorgt, und dabei
sie Dich.
Ein klägliches Meckern antwortete
ihm, und wieder drängte sich Liefe dicht
an ihren Herrn, als verstünde sie seme Rede. Sie , war die älteste der beiden Bewohnerinnen des Ziegenstalles, auch schon am längsten Mitglied des Fricke'-
fcV VUIH 14-11, Vill IMVI I f vvv-wv i r - , - waren sie zufrieden und glücklich gewe- en Hausstandes, und darum , sprach v. " ' I r l I ah ivll a -a I ft-Z .
sen bis das, Unglück kam
Ein freundlicher, wolkenloser Hirn
mel lagerte über dem Dorfe, und in die
Fenster der Wohnhäuser lachte die helle
Morgenfonne hmern. Aus allen Geyos
ten herrschte reges, arbeitsames Leben, überall sah man geschäftige Menschen,
die ihren . Stolz darein zu setzen schie-
neny es -dem schaffensfrohen Sommervormittage gleichzutbun. Da hätte es auffallen können, daß es auf dem kleinen
Hofe des Fricke'schen Ehepaares so ver
lassen aussah Todt und still lag am hinteren Ende des Hofes also nicht
unmittelbar an der Straße das Haus, die bei Tage stets geöffnete Hausthür
war verschlossen, der Stall verriegelt, und nur eine Schaar von 'Hühnern be-
lebte, sicq behaglich rm Sande walzend.
das sonst leblose Bild. Allein es fiel keinem' auf. Die Leute, die vorüberqinoen. schüttelten zwar traurig die
Köpfe, wenn sie einen Blick auf den ver-
einsamten Hof warfen, aber keiner
machte Anstalt, in das Haus zu gehen . und nachzuforschen, ob den alten Leuten vielleicht etwas zugestoßen sei. Es -war ja allgemein bekannt, daß am
nächsten Tage das Gericht - kommen
wollte, um Haus und Hof mit Vieh
und allem zu versteigern, und es war auch keinem verborgen, warum das geschehen sollte. Der Alte hatte die darauf lastende Hypothek nicht anderweitig unterbringen können, der bisherige Gläubiger brauchte sein Geld und hatte
geklagt. Kein Mensch wollte dem slei
fernen Fricke die tausend Thaler geben.
denn Jedermann wußte, daß er schon im letzten Jahre die Zinsen nicht hatte bezahlen können, und daß er zu alt war.
um sie auch künftighin . durch .seiner
Hände Arbeit' zu verdienen. , Das war's; und darum sollte ein Greis
und eine Greisin, die sich so redlich und treu durch's Leben geschlagen hatten,
auf Erden . heimathlos werden, wah
rend . vielleicht schon der Tod bereit
stand, sie mildherzig in die ewige Hei
math zu entfuhren.
Der Alte hatte sich in seinen Lehn
stuhl gesetzt, der ebenso morsch und
altersschwach zu sein schien, wie sem Herr. Er saß regungslos da; die Hände lagen in seinem Schooße, sein
der Alte auch allein zu ihr. , Sie mußte
doch die Verhältnisse besser kennen, als
ihre jüngere Gefahrtm. -
Dumme Liese!" sagte Fricke. als
das Thier in seinen Liebkosungen nicht
nachließ, machst mir das, Herz - blos
schwer, und, andern 'kannst Du's doch
nicht. Es wär' am besten,' Du stürbest
auch vorher. J5 werd's ja auch nicht
überleben.
Er warf einen Arm voll Heu in die
Krippe, sah eine Zeitlang zu, wie die beiden langbärtigen Stallbewohner ihr Mittagbrot zu verzehren begannen, und
ging dann in den Schweinestall. . Hier
siel die Begegnung wemzer zärtlich
aus. Ein fürchterliches Quieken erhob
sich, als Fricke die Fallthu. zurückschob,
um den Trog zu füllen, und obwohl er
diese Laute alle Tage zu hören bekam.
so daß er ' wohl an sie hatte gewohnt
sem tonnen, athmete er wie erleichtert auf. als er die Thür wieder geschlossen
hatte, und' ein behagliches Grunzen ihn
davon überzeugte, daß hinter der Fall
tyur ohne Kummer und mit großem
Appetit gespeist wurde.
Draußen warteten schon die Hühner.
Der alte Fricke befriedigte auch sie, ging
dann in die Mitte des Hofes und be-
trachtete nachdenklich Haus und Stall
Fünfundzwanzig Jahre war' er alt ge. Wesen, als er die kleine Wirthschaft von
seinem Vater übernahm, und jetzt zählte
?r nahezu sunfundsiebzig: em , halbes
Jahrhundert hatte er auf diesem Hofe als Herr geschaltet, und nun trieb man ihn hinaus. Er wischte mit dem Aermel über die Augen; am liebsten hätte er nicht daran denken mögen, aber wie sollte er es vermeiden, wenn jeder Stein
ihm zum Gedenkstein vergangener
glücklicher Tage wurde? Freilich, Haus
und Stall waren nicht mehr die alten
Vor zehn Jahren hatte eine Feuers-
. brunst die sämmtlichen Gebäude zer
stört, und aus jene? Zeit stammte
Frickes ganzes Unglück. . Schwer wurde
es ihm damals nicht, die Summe auf
zutreiben, die er zum Neubau brauchte
denn jeder wurde gern sem Geld au
dem schuldenfreien Grundstück des
überall als fleißig und zuverlässig be
kannten Mannes angelegt haben. Ohne Besinnen gab der Bauer Dreikant, einer
der Reichsten im Dorfe, die tausend
weißes Haupt ruhte, vornübergeneigt. Lra c1!' "VT m,f U Nrust. und wenn Thaler au zehn Jahre her. Sie wur
mit dem Kinn auf der Brust, und wenn
nicht von Zeit zu Zeit tiefe, laute Seufzer aus seiner Brust heraufgestiegen wären, hätte man ihn für todt halten können. Auf einem Holzschemel , am
Tisch saß seine Lebensgefährtin. Sie
hie t d e Arme auf den Tisch gestemmt, XrtÄ i wV L. iva mit in hi. 5ände aeleat Soldat abmachte, sich durch s
Ijutiv ' - j' -f -c' ü " und weinte, so daß Thräne um Thräne
auf den Tisch rnedertropste. . Als sie es . . r !' . nYi'ry.
den eingetragen, und Fricke zahlti
Jahre hindurch punktlich die Zinsen,
Allein Dreikant hatte einen Hinter gedanken, als er mit seinem Gelde bei
sprang. - Er hoffte, daß des Alten
eine Ge
seiner Soldatenzeit als Knecht zu ihm
zu kommen, denn die Fricke sche Ar
t s -t y n i . 111 t o -
tuch und säuberte den Tisch, denn sie "nVcl 9" 5 :ua? t i il i w, c.s. doch barm verrechnet hatte, als
Äi. X tf Kür iÄ daßder jungeMensch in der Großstad
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keit. wennaleich ihre Hausfrauenfür-
sorge an ihrem Schicksal nichts mehr !. .3 - ' . . ..c . r n.
Ändern tonnte, uno cei oieiem e-
F s?k hr ?ni'nn nnn vltnem.
ff MÄ und fing M 5s "JT r' In e.k r,. itf und bald nach Neujahr
lÜCaiUUl UM Utl tlJUUV , v.yv vv vi..
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dm Tisch niederfiel.
blieb und dort seinen Beruf wählte, da
stieg etwas wie Groll iv ihm auf,, und
er mochte semen Schuldner, gar mch
mehr leiden. So kam das zehnte Jahr.
ch geworden
legte er sich
aufs Krankenlager. ' Siechthum und
Alter hinderten ihn auch nach seiner Genesung, wie früher an freien Tagen bei den Bauern zu arbeiten, und was ihm sein kleines Grundstück an Überschüsse
g:m baaremGelde einbrachte, das ging für die Schulden drauf, in die ihn seine
Krankheit gestürzt hatte. Als dann die Roggenernte vorüber war, sah Fricke, daß er die Zinsen in diesem Jahre nicht zahlen könne.
Es- thut mir leid, Fricke, jagte
Dreikant, als er, darum angesprochen
wurde, ich brauche das Geld. Du mußt es schaffen. Bis Ostern ist ja noch viel Zeit." j.
?o bis Ouern war nom viel ett.
allein Fricke besaß kaum noch die Kraft,
eine eigene kleine Wirthschaft zu beörgen. . Schreib doch Deinem Jungen; er
verdient ja viel Geld!" setzte der Bauer
nach einer Pause mit leisem Hohn
hinzu. '
Der alte Fricke schüttelte wehmüthig ächelnd das Haupt. Als Karl vor
Jahren seinen Briefträgerposten an-
rat und den Eltern schrieb, was an
Gehalt er dabei bezog, da hatten, die
Alten vor Freude die Hände ineinan-
dergeschlagen und gemeint, das Em-
ommen sei beinahe em Vermögen. Wie
Freude sank aber schon um viele Grade f v. r , " . tr . ' . . . -' . . ,
yerao, 100010 aii xqnen auseuiuuuei
etzte, was das Leben m der Großstadt
kostet, was man für Wohnung. Essen
und Trinken ausgeben muß. Immer-
hm aber ermöglichte es der sparsame
Sohn, feine alten Eltern hin und wie-
der mit klemen Betragen zu , unter-
stützen, und das Geld kam ihnen stets
sehr zu statten. Dann zedoch heirathete Karl. Der Kindersegen blieb
nicht aus, und obwohl die junge Frau es verstand, das Ihre zusammenzuhal-
ten, die Geldsendungen mußten unter-
bleiben; es ging beim besten Willen
nicht anders.
Darum schüttelte Fricke den Kops.
als ihm Dreikant den Rath gab, an Karl wegen der Zinsen zu schreiben.
Nein, es ging nicht, es ging unmöglich.
Als die Haserernte beendet war,
sprach Fricke wieder mit seinem Gläu-
biger. Ich kann es mcht schassen die-
ses Jahr; Du mußt es zum Kapital
schlagen, bat er. ,
Dreikant zuckte Mit den Achseln.
Dann muß ich Dich verklagen, ent-
gegnete er kurz. .
Der alte Fricke fuhr erschrocken zu-
rück.
Kann Dir nicht helfen, Fricke; '
brauche das Geld," sagte der Bauer.
und damit Du es ietzt schon weißt.
das Kapital muß ich Dir auch kündi-
gen. Ostern sind die zehn Jahre
um.
Fricke war blaß geworden wie ein
Leichentuch;' er konnte kein Wort' her-
ausbringen. Aber die Thränen traten
ihm in die Augen, denn er ahnte schon.
was aus dieser Ankündigung für ihn
herauskommen wurde. .
aar, Geld i t knapp, und mem
Mädchen will im Frühjahr' heirathen,"
fuhr Dreuant gleichsam entschuldigend
fort. Sieh zu, daß Du das Geld an-
derswo bekommst.
Fricke sah zu. Einige versprachen es halb und halb; als sie jedoch hörten,"
daß es mit dem Zinszahlen seine Schwierigkeiten hatte, zogen . sie ' das halbe Versprechen wieder zurück, und
zu Ostern konnte Dreikant weder Ka-
pilal noch, Zinsen erhalten. Verkauf freiwillig und spar die Ko
sten!" rieth er dem Alten, allein Fricke
hätte alles eher gethan als dies. So kam der Prozeß. Er endete, wie vor-
auszusehen war.
Morgen sollte nun der alte Fricke
mit semer Lebensgefährtin das Haus
in ' dem einst seine Wiege stand, die
Stätte, an der er seine Augen zum letz-
ten Schlummer ichttenen wollte mor
gen sollte er alles, an dem sein Herz
hmg, als heimathloser Fremdling ver lassen.
Als Fricke in die Stube zurückkam
setzte ihm; seine Frau einen Teller Milchsuppe vor, die sie inzwischen zu-
bereuet hatte. Er jedoch mochte mch
essen. . Sie redete ihm zu, und schließ-
lich nahm er einige Löffel Suppe zu
sich; das Uebrige ließ er stehen.
Längsam. schlichen die Stunden da-
hin. Es war, als ob selbst der unerSittlichste Gläubiger alles Irdischen, die Zeit, mit den beiden Alten Erbarmen hätte; es war, als ob die Abschiedsstunde selbst ihren Schmerz achtete und nur zögernden Fußes sich ihrer Schwelle zu nähern wagte Wie am Vormittage hatte der alte' Fricke sich in seinen Lehnstuhl gefetzt, der ihm seit einem. Jahre zum Sorgenstuhl geworden war, und seine Frau saß wieder am Tische, das sorgenschwere Haupr in die Hände gestützt. Dasselbe Bild wie am Morgen. . Dein Sonntagskleid und was Du sonst noch zum Anziehen hast, das darfst Du mitnehmen," fing Fricke zu sprechen an. Wir wollen alles in den Kasten packen und meinen Sonntagsrock dazu." Die alte Frau schluchzte laut. Hast Du schon daran gedacht, wo wir nachher wohnen wollen? -fragte sie und trocknete die Augen. Ihr Ehemann seufzte tief auf., Es hilft nichts, wir müssen zu unserem Jungen. Ein paar Thaler werden wir ja noch herausbekommen; da wird's ihm auf den ersten Augenblick nicht zu schwerfallen." ' Der arme Junge! Und er weiß es noch gar nicht!" jammerte die alte Frau. - Nun hielt sich , auch Fricke nicht lan ger. Ich überleb's nicht! Ich über-
leb's nicht!" .rief er aus und rang die Hände.' " .
Ueber den Hof kamen Tritte. Der
Landpostbote brachte einen Brief. Von
Karl! Fricke sah seine Frau ängstlich
an und legte den Brief auf den Tisch. Er wagte nicht, ihn zu offnen, aber auch der Alten fehlte der Muth dazu.
Abwechselnd nahmen ihn Beide in die
Hand und betrachteten ihn von . allen SeUen, bis sich Fricke' endlich entschloß, den Umschlag aufzureißen. Schwei-
gend nahm er den Brief heraus und
gab ihn. seiner Frau.
Lies Du vor, sagte er wse. Sie las vor. Lauter herzliche Worte
und Wünsche, voll kindlicher Liebe und Anhänglichkeit. Sie thaten den beiden
Alten so wohl, aber sie schmerzten sie
auch, denn jene Worte und Wunsche waren unter Voraussetzungen gefprochen, die nicht, zutrafen. . Schließlich
mußte die Leserin innehalten und das
Schreiben fortlegen, weil die Thränen ihr die Augen verschleierten. Es kommt noch etwas," sagte sie und be-
gann weiterzulesen.
' Im Briefe hieß es zum Schluß: Sophie ist im Frühjahr krank gewesen und fühlt sich sehr schwach. Die Kinder sind auch nicht recht gesund. Ich denke, ich werde sie im nächsten Monat ein paar Wochen zu Euch schicken. Die frische Luft wird sie gesund machen. Sie freuen sich mächtig darauf " Weiter konnte die alte Frau nicht lesen. 'O Gott! O Gott! Sie freuen sich darauf," rief sie weinend. . Ich überleb's nicht! Nein, ich überleb's nicht!" knirschte ihr Mann und deckte die Hände über die Augen. Das war der traurigste Augenblick im Leben dieser beiden alten Leute.
Vergessen war, wie schwer ihr Schick-
sal auf ihnen selbst lastete, verschwun
den schien ihr eigenes Unglück gegenüber
dem größeren Leid, eme Freude denen
versagen zu müssen, die ihrem Herzen am theuersten waren. Aber zugleich flammte auch der alte Lebensmuth wieder auf, ''und wie ein Schiffbrüchiger.
der selbst schon sinkend die Seinen an
semer Seite ertrmken ..sieht, sich noch
einmal emporrafft, um jene zu retten, unbekümmert darum, daß seine Absicht
ebenso hoffnungslos ist wie seine eigene
Lage: so begann, das alte Ehepaar,
das soeben noch in seiner Verzweiflung
unterzugehen schien, neue. Rettungs
Pläne zu entwerfen, nicht für das eigene Glück, nein, nur damit Kinder und
Enkelkinder sich nicht umsonst freuten , Und was vorher als unmöglich ver-
worfen, worden war, das wurde jetzt
wieder hervorgesucht.
, Als sich die Sonne zum Untergange dem Horizonte näherte, stand der alte Fricke bereit, noch einmal einen Gang
zu seinem Glaubiger zu wagen.
,,: Das Gehöft des Bauern .Dreikant
.lag eme Viertelstunde vom Dorfe tnl 'fernt; es war ein sogenannter Ausbau
Man hielt den Hof allgemein für einen
der besten im Orte und zahlte semen
Besitzer zu den wohlhabendsten Bauern der ganzen Umgegend. Zwar hatte ihm
das Gluck m ieder Gestalt, m der es
sich ein Landwirth nur wünschen kann
stets zur Seite gestanden, allein Nie-
-mänd verhehlte sich auch, daß Dreikant isein Glück redlich verdiente, denn er war
hervorragend tüchtig und fleißig. . Auch der alte Fricke fand ihn nich
müßig, als er den Hof betrat und, zwar
neidlos, aber doch Mit emer Art bewun-
dernder Andacht, die machtigen, saube ren Gebäude betrachtete, die -als Stal
lungen, Speicher und Scheunen den
weiten Hof - umrahmten. Dreuan
stand, die Art in der Hand, vor einem
Haufen Holz, neben ihm seine behäbige
Ehehalste, die sich gerade anschickte
einen Korb mit Holzscheiten zu füllen.
Guten Abend. Fricke." sagte der
Bauer mit melancholischem Lächeln
als er semen Besucher bemerkte.
Die Bäuerin setzte den Korb nieder und reichte dem Alten die Hand.- Dieser erwiderte den Gruß in einiger Vefangenheit, wie es ja auchnicht anders
zu erwarten war.- Der Muth entfle
ihm, und er hatte vielleicht sem An
liegen gar nicht vorzubringen gewagt,
wenn ihm Dreikant mcht zuvorgekom men wäre. .
Kommst Wohl noch einmal wegen
des Verkaufs?" meinte der Bauer.
Ja, deswegen komme ich," entgeq-
nete Fricke und sah die Bäuerin traurig
an. . ' . . . Dreikant zog die Schultern beinah
bis an die Ohren hoch. : Hättest freiwillig verkaufen sollen, wie ich Dir's
gesagt habe. Der Prozeß hat Kosten
gemacht die schwere Menge; viel wird für Euch nicht übrig bleiben, aber für
em paar Tage sage ich gut." Fricke sah betrübt -zu Boden;
wußte gar nicht, wie er seine Bitte an
bringen sollte. Ich meine, das beste ist. Du läßt uns wohnen," sagte er
schließlich kleinlaut.
Ein sehr bestimmtes Kopfschütteln
war die einzige Antwort des Bauern. (Schluß folgt.)
Worlcia Abgang
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er
Gedankensplitter.
"Mm rrAon Orte fteben bleiben können.
dss ist die Kunft auf der Wanderung durch's
eben.
Mancher nennt das Gold nur so lange
Mammon, als er rc:ns yar.
Um v Mertb einer Freundschaft zu be-
rtlieilen. vküfe aufrichtig, w a 5 dich mit
dem Andern verbindet.
Frisch hervorsprudelnde Irrthümer munden besser als abgestandene Wahrheiten.
Keine Fehler hassen, wir so sehr als unsere
eigenen - wenn roir ne an unuzizn utmcir
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