Indiana Tribüne, Volume 27, Number 251, Indianapolis, Marion County, 13 June 1904 — Page 5
Jndiana Tribune, IS. Juni 190H
5
Dic Mrcht vor
der Erfüllung Aovclle von
Helene Witte
(Schluß.) Lieschen Reichert stand am Ende des Bahnsteigs, fast versteckt in dem Schat'ten eines Fliederbusches, der über das Staket herübernickte. Ihr Auge huschte am Stationsgebäude entlang; Gott sei Dank, es waren außer dem Bahnpersonal keine Leute da, es wurde wohl niemand erwartet; und die Familien des Städtchens, zu deren Lieblingsspaziergängen der Weg nach dem Bahnhof gehörte, saßen in dem dahinter gelegenen schattigen Garten. Lieschen athmete erleichtert auf. sie fürchtete sich so sehr vor neugierigen Augen. Daß Ludwig wiederkommen würde, hatte sie ja nun wohl erzählt, aber sie hatte meist nur ein ungläubiges Lächeln als Erwiderung bekommen, und daß er heute kommen würde, das wußte zum Glück niemand. enr aoer, em langgezogener Pstss, ein Rollen und Fauchen, und langsam fuhr der Zug in den Bahnhof ein. Ihr war es, als müsse sie umsinken, sie zitterte an allen Gliedern. Ihr Blick irrte die .Wagenreihe entlang und blieb an einem Männerkopf haften, der sich weit herausbeugte; volles braunes Haar fiel lockig über die Stirn, und ein ebenso!cher Bart umrahmte ein tief gebräuntes Gesicht, aus dem ein paar große Augen mit ungeduldiger Erwartung ihr entgegenschauten. Ein Aufleuchten ging jäh über das Gesicht des Mannes hin, er hatte sie gefunden und erkannt. Jetzt hob er die Hand und winkte ihr zu. Das also war er, das! O Gott! Ihr wurde es ganz dunkel vor den Augen, und fassungslos lehnte sie sich an das Staket zurück. Im nächsten Augenblick schon fühlte sie sich von feinen Armen umfaßt. Heiße, athemraubende Küsse brannten auf ihren Lippen und Wangen, und jauchzende, wirre Worte trunkener Freude umklangen sie. Endlich faßte er sich. Lachend fah er ihr in's Gesicht zum erstenmal mit einem forschenden Blick, vor. dem sie bis in's Herz erzitterte: Schmal bist Du mir geworden und blaß, ein kleines Heimchen!" . Seine Stimme klang voll und warm, aber seine Aussprache trug den' Accent des Ausländers: Lieschen, endlich, endlich!" Und wieder küßte er sie, fast wie ein stürmischer Knabe. Mit sanftem Widerstand befreite sie sich. Ludwig, ich bitte Dich, was sollen denn die Leute denken?" sagte sie leise und scheu. In komischem Schreck sah er sich nach dem Zuge um, doch der war schon davongefahren; nur die paar BahnhofsBediensteten standen noch da mit lachenden Gesichtern. Da lachte er auch und legte den Arm fest um seines Mädchens Schultern: Ach, Lieschen, was gehen uns die Leute denn an, heute, wo wir uns endlich wieder haben! Solche Freude kann doch mit ihrem Ausdruck nicht warten, bis sie hinter schützenden Mauern steckt. Laß die Menschen sie immerhin sehen, das schadet ihnen und uns nicht. Das Glück ist ein schöner Anblick, und Freude, sagt man, steckt an. Die da," und er machte mit dem Kopf eine Bewegung nach den Leuten
hin, denken gewiß, solch ein glückseliger, freudetrunkener Mensch gibt sicher ein gutes Trinkgeld. Und sie sollen sich nicht geirrt haben," fügte er lachend
hinzu. Aber nun komm, Schatz, nach
Hause!"
Wieder durchzuckte sie jäh der Schreck,
denn er befahl sein Gepäck in ihr Haus
zu bringen; das schien ihm so selbst
verständlich, daß er gar nicht einmal
fragte. Ja, Ludwig, Du Du kannst
ber mir nicht wohnen, stotterte sie.
Nicht? Ja, aber warum nicht?
Hast Du mir denn kein Zimmer bei Deiner Wirthin bestellt?" Es klang grenzenlose Verwunderung aus seiner
Frage. , Nein ich es ging nicht," stieß sie hervor. Na, dann also in den Gasthof ,zum Stern' so heißt" er doch wohl ja? Also in den ,Stern.' Hier ist noch alles das Alte, nur" Er stockte plötzlich und streifte mit flüchtigem Blick das Mädchen, das unsicher und in tödtlicher Verlegenheit neben ihm stand. ' Ich komme erst später. Geben Sie die Sachen nur ab beim Wirth," sagte er. Und nun komm endlich. Liebchen!" Wieder legte er den Arm um ihre Schultern, und so ging er mit ihr durch die altbekannten Straßen, unbekümmert um die Gesichter, die sich neugierig an die Scheiben drückten. Hier und da flog ein Fenster auf, und ein Kopf beugte sich heraus, um ihnen nachzuschauen. Ludwig beachtete es nicht; er nickte wohl diesem und jenem, den er kannte, flüchtig, zu, doch sprach er im Gehen eifrig zu dem Mäd,chen, das sich in halber Besinnungslosigkeit feiner frischen, freien Herrschernatur fügte. Ihr durstiges Ohr trank den Ton der geliebten Stimme wieder ein, den sie so lange nicht mehr hatte finden. können,, und zwischendurch erschreckte sie immer wieder der Gedanke: Mein Gott, er kann doch unmöglich mit, zu mir .kommen und den Abend bei
mir "bleiben!" Endlich sprach sie es aus. Sie wagte nicht, ihn dabei anzusehen; er mußte es ja doch fühlen, daß er sie bloßstellte, daß . so etwas allem Anstand in's Gesicht schlug., . Er aber blieb bei ihren Worten plötzlich stehen. Ein heller Zorn lohte jäh auf in feinem Blick. Ach was, das ist ja albernes Gethue, dummes Geschwätz von Kleinstädtern und alten. Jungfern!" stieß er hervor. Und darauf willst Du Rücksicht nehmen? Nein, mein Kind," fuhr er ruhiger fort, was wir nach einem. Jahrzehnt über unser vergangenes und zukünftiges Leben miteinander zu reden haben, das verträgt kein Gastzimmer, sondern nur ein
Heim. Wer den Tugendwachter mcht in sich selber trägt, braucht überhaupt keinen. Ueber vier Wochen sind wir Mann und Frau, also nimm mich ruhig mit und laß die Leute reden, was sie wollen!" Er lachte schon wieder sein sorglos glückliches Lachen und ging weiter mit ihr dem stillen, kleinen Mädchenstübchen zu. Sie saßen dann beisammen bis tief in die Sommernacht Kinein. Was hatte er ihr alles zu erzählen! Wie ruhig und umsichtig bestimmte er über die Auflösung ibres kleinen Heims. Das wird sich alles schnell und glatt abwickeln," sagte er und überflog mit lächelndem Blick die geringen Habseligleiten im Zimmer. Von Möbeln kannst Du natürlich nichts mitnehmen, es ist ja auch schließlich alles alter Kram. Wir packen ein paar Kleinigleiten ein, die Dir besonders lieb sind, und drüben finden wir unsere Wohnung bereit. Ich habe alles hergerichtet für mein Prinzeßchen," lachte er. Sie sah ihn an mit großen, angstvollen Augen; ihr schwindelte bei all diesen Plänen, die nun so schnell in's Werk gesetzt werden sollten. Ihr war, als schwinde ihr plötzlich der Boden unter den Füßen, als schwebe sie haltlos im weiten Raume. Sie wußte ja das alles längst aus-seinen Briefen, was er ihr da erzählte; sie wußte von den chinesischen Boys mit den langen Zöpfen, die sie bedienen würden, von dem schwarzen Koch, dem ihr leibliches Wohl übertragen werden sollte; sie wußte, daß gewaltige Palmen in den Gärten wuchsen, daß durch die Dschungeln das Brüllen der Tiger tönte, daß sich in den Zweigen der Bäume schreiende Affen schaukelten. Aber als ihr nun der Mann, der das alles wirklich schon erlebt hatte, leibhaftig gegenüberfaß, da erfaßte sie der Gedanke an all diese Dinge, an die sie sich nun auch gewöhnen sollte, mit den Schrecken der Wirklichkeit. Als sie im Zimmer hin und her ging, ihm einen kleinen Imbiß vorzusetzen, da legte er mit einem Male den Arm um ihre Taille und hielt sie fest. Sag' mal, Schatz, freust Du Dich eigentlich " wirklich, daß ich gekommen bin?" fragte er. Ach, Ludwig, ich hatte es schon gar nicht mehr gedacht," gestand sie und schlang die Arme um seinen Hals Arme kleine Maus; hast viel aus-
gestanden die Zeit," sagte er und küßte sie, aber die engherzigen Menschen und dies lebende Todtsein sollen mir mein frisches Mädel von einst nicht ruiniren; es scheint mir. ich bin gerade noch' zur
rechten Zeit gekommen.
Er hielt sie noch immer fest und sah sie aufmerksam an: Du, Schatz, bin
ich auch alt geworden? Sie sah ihn mit wehmüthigem Lä
cheln 'in's Gesicht und strich ihm leise das volle Haar aus der Stirn, wie sie
es früher oft gethan hatte. Du? ach
nem. Du bist das blühende Leben m
ferner vollen Kraft."
Na höre mal," lachte er, Du seuf-
gest ja dabei, als thäte Dir das
leid?"
Sie nickte ernsthaft, und ihre Augen füllten sich plötzlich mit Thränen. Weil
ich dann besser zu Dir passen wurde, wenn Du auch älter geworden wärst,"
sagte sie leise mit zuckenden Lip-
pen.
Ach, Papperlapapp! Ein Närrchen
bist Du, und ich bm em ungeschickter Bär, der nicht mehr mit Frauen umzu-
gehen Zersieht. Aber habe nur Geduld,
Liebchen, das lerne ich auch wieder. Uebrigens denke Dir mal," fuhr er fort und wechselte schnell das Thema, ich soll Dich grüßen von .der Käthe Allmers. Hast Du die nie wiedergese-
ben?"
Er nickte. Na, das glaube ich, die
lebt in der .Welt. Ich traf sie, m Ham
burq im Lloyd-Vureau; sie löste sich
ihr Billet und bestellte sich eine Kabine. Sie will mit demselben Steamer nach drüben wie wir, da wirst Du sie unter-
Wegs wiedersehen. Sie will nach Sm
gapore und dann bis nach Schanghai hinauf. Ihr letzter Roman hat ihr viel eingebracht, und nun will sie andere Länder und Völker sehen, um ibren
Horizont zu erweitern und neuen Stoff
zu sammeln. Du, das ist em Pracht
volles Mädel geworden, blühend, klug und lebensfroh; und das Herz hat sie
aus dem rechten Fleck."
Das glaube ich, die ist nicht alt geworden, die hat sich nicht erdrücken
lassen von den. Verhältnissen," erwi-
derte Lieschen. Die?" er lachte keine Spur
die hat die Energien über den Verhält-
Nissen zu stehen." Als sie sich endlich trennten, hiel
Ludwig seine Braut noch einmal fest im
Arm. Engherzig darfst Du mir mch
geworden sein, Liebchen," sagte er, und
dabei waren m semem. Blick Zweifel,
Sorge und leise Enttäuschung deutlich
zu leien, und Du bist es auch . Nicht,
. ' -
ntrfit mnfr2
Ich brauche eine freimüthige Frau
mit frischer Lebenskraft, mit Muth und
Energie, die das neue Leben da draußen zu meistern versteht. Aber ich will Dir
dabei helfen, Kind, ,dann wirst Du's
lernen."
Damit küßte er sie und ging. Lange lag Lieschen schlaflos in dieser
Nacht. Sie starrte mit großen Augen in's Dunkel und dachte an alles, was sie heute erlebt hatte, an das Wiedersehen,
an diesen Mann, dessen Wesen den
ganzenRaum um sie auszufüllen schien, dessen kraftvolle Lebensäußerung sie erdrückte. Sie hatten geglaubt, sich ganz zu kennen, sich ihre innere Gemeinschaft immer erhalten zu haben; als sie aber nun einander gegenüberstanden, waren sie sich fremde Menschen geworden. Er
wußte nichts von ihrer Welt, sie nichts von der seinen; die treibende Kraft des Denkens und Handelns verstand der eine vom anderen nicht mehr. Sie paßte nicht mehr zu ihm, das fühlte sie deutlich; sie zitterte, sie fürchtete sich vor ihm und dem Leben, in das sie nun
hinaus sollte. Sie wußte es genau.
ihre Kraft reichte nicht aus, ihm das zu sein, was er von ihr verlangte. Ihr
Leben hatte sich verbraucht m ihrer klei-
nen Welt mit ihrem ewigen Gleichmaß,
ihre Kraft hatte sich verausgabt in der jahrelangen Sehnsucht. Nun kam er und bot ihr lachend die weite Welt, uno sie stand mit leerer Hand und zitterte vor der Schritt über die engen Gren-
zen hinaus, die sie zu übersehen ver-
mochte.
Alles m ihr wehrte sich dagegen; nun es Wahrheit werden sollte, war ihr
Traum zerronnen. Sie hatte es wohl
gesehen, wie enttauscht auch er gewesen war; er hatte sie anders erwartet, nicht als das schwächliche Ding ohne Lebenskraft, und Temperament, dessen tausend ängstliche Rücksichten er verlachte. Nein, sie wollte ihn und sich nicht unglücklich machen; sie war nicht wie Käthe Allmers, und so hätte er sie gewünscht. Was war es doch, was er ihr mitgebracht hatte? Einen chinesischen Zungenkratzer! Oberhalb Jpoh an einem Bache sitzen Morgens die Chinesen in langer Reihe und machen ihre intimste Toilette," sagte er, als er ihr die silberne Kette mit den räthselhaften kleinen Silberinstrumenten gab. Ausgerechnet einen Zungenkratzer! Das war ja gewiß sehr originell und interessant, aber das konnte sie doch keinem Menfchen zeigen; was würden denn dazu die Leute sagen! Ich habe nicht viel Kram weiter mitgebracht," hatte er hinzugefügt, es wäre ja auch ein Unsinn gewesen, denn drüben habe ich doch alles für Dich bereitet, auch ein schönes .Geishakostüm,' aber Du bist ein so schmächtiges Püppchen geworden, mein Heimchen muß da erst hineinwachsen," meinte er lachend. Die Käthe Allmers, das wäre ein Mädel dafür, der würde es famos stehen." Ja, Käthe Allmers! Die lebte, die
war jung geblieben mit ihrer Kunst; sie
aber war das talentlose Ding, das
nichts kannte als ein ewiges Bedrücktsein und die Millionen von Stichen, die ihre Nadel in bunte Stickereien gezogen hatte. Und heute, wo die Erfüllung sich ihr endlich nahte, da war es ihr, als sei sie schon lange gestorben; selbst des Glückes Zauberstab vermochte das
Madchen von emst mcht wieder zu be
leben, das ihr aus den Nebelfernen
ihrer Jugend lächelnd zunickte. .
Lieschen Reichert drückte den Kopf
m die Kissen und weinte. .
Auf dem Deck des Ozeandampfers
in Kuxhaven wurde das Tamtam geschlagen, und der Ruf ertönte: Alle Begleiter der Abreisenden haben das
Schiff zu verlassen!
. Eine Viertelstunde später begannen
die Maschinen im Schiffsmneren zu
arbeiten. Der Koloß bewegte sich langsam bald vorwärts, bald rückwärts, er rüstete sich zur Fahrt. An der Reeling standen Menschen, die weinten, lachten und Tücher schwenkten, und die
Schiffskapelle intonirte: Muß i denn,
muß x denn zum Stadtel hinaus. Jetzt endlich wandte sich das Herr
liche, Schiff langsam zur Seite, hochauf rauschte am Bug der schäumende Gischt. Die Wimpeln flatterten lustig im Winde, und vorüber an der ..Alten Liebe" ging es nun hinaus in immer
schnellerer Fahrt in die blaue, lachende
Weite.
Ludwig Wiegand stand noch lange an die Reeling' gelehnt und blickte zu-
ruck nach dem User, das sonnenuber
glänzt langsam in die Fluthen zurücksank. Es wurde ihm doch schwer, allein wieder hinauszufahren in das Leben und, den Jugendtraum unerfüllt daheim zurückzulassen. Aber er fühlte auch, Lieschen hatte recht, als sie den Muth
fand, ihm zu fagen: Unser von Grund aus verschndenes Leben mit seinen großen und kleinen Anforderungen hat uns so verändert, daß wir nicht mehr zueinander passen; ich würde Dir eine Fessel sein, die Dich hemmt und nieder-
zieht, und mich wurde das Leben, dem
ich mcht gewachsen bin, zu Grunde rich ten."
So viel er auch dagegen reden
mochte, sie bewies ihm Mit stiller Ent
schlossenheit, daß es ein Unglück für Beide sein würde, wenn sie sich doch noch geheirathet hätten. Er dankte es ihr in tiefster Seele, daß sie ihn sein gegebenes Wort nicht einlösen ließ, denn auch er fühlte deutlich, daß es nur noch ein Opfer gewesen wäre. Aber
wehe that es doch, als er nun der Hei
math für immer Lebewohl sagte, als
oas. .was layrelang fem Denken auZ
gefüllt, wofür, er gesorgt und gestrebt hatte nun zurückblieb stumm und todt! wie ein liebes Grab.
Es zuckte um seinen Mund, und
seine Augen schimmerten feucht. Da legte sich eine Hand auf seinen Arm.!
und' als er aufblickte, fah er in. Käthe Allmers' bewegtes Gesicht.
Reicht nachgrübeln über Naturnotr-
wendiges, lieber Freund, sich nicht quä-
len um Unabänderliches, mahnte sie, lieben Menschen und großen Herzen
eme warme, dankbare Erinnerung bewahren, aber frisch und stark mit Muth
und Vertrauen vorwärts blicken m's
Leben!"
Er athmete tief auf. Dankbar drückte
er ihr die Hand: Auf gute Kameradschaft?" fragte er und hielt ihre Rechte fest in. der seinen.
Allezeit," erwiderte sie und nickte
ihm lächelnd zu.
Weiter rauschte das Schiff in voller
Fahrt. Unter ihm blaute das Meer, über ihm lachte die Sonne, dieselbe Sonne, die über die alten Lindenkro-
nen hinweg in Lieschen Reicherts Stüb chen hineinsah.
Wie eine drohende Wolke waren diese
letzten Wochen an dem Mädchen vor-
übergegangen. Kampf, Zweifel und
Schmerz hatten sie ihr gebracht; die alte Liebe wollte nicht unterliegen im
Kampfe mit der Erkenntniß der Wahr-
heit. Nun aber war Friede in ihr.
Bisher htte sie nur geglaubt, ihr Ju-
gendtraum wurde sich mcht erfüllen sie hatte sich schon halb abgefunden mit
dem Gedanken und jetzt wußte sie es genau, daß die Erfüllung wirklich nie mehr kommen werde, das war der ein-
zige Unterschied zwischen einst und jetzt. Was dazwischen lag, wie schwer sie sich
durchgerungen hatte zu dieser Gewißheit, daran wollte sie jetzt nicht denken.
Ihre Gedanken waren bei dem
Schiff, das Ludwig Wiegand wieder hinaustrug in die Welt, vor " deren Grenzenlosigkeit ihr gebangt hatte.
Weinend verfolgte sie ihn von Stunde
zu Stunde, wie er ihr weiter und immer weiter unwiederbringlich entfchwand. Dann aber falteten Pch ihre
Hände, Mit liebevollem Blick überflog sie ihr kleines Reich, in dem sie sich sicher und geborgen fühlte, und leise, ihr selbst halb unbewußt, flüsterte sie vor sich hin: Gott sei Dank!" MitthcilsiMc Todesanzeige. Für die Art, wie man in deutschen Landen nach den Freiheitskriegen, in der Zeit der Empfindelei und der öffentlichen Herzensergüsse, Fami-
liennachrichten mittheilte, liefert eine
Anzeige aus dem Jnseratentheü einer
Zeitung aus dem Jahre 1821 einen interessanten Beleg. Ein Berliner Hof-
tath brmgt dort Folgendes zur offentUchen Kenntniß: - v Am 14. August dieses Jahres,
Abends 9 Uhr, entschlief meine innig geliebte Gattin ' Henriette, geborene Amelang, verwittwet gewesene v. Vacani. Länger als neun Jahre vereinigten mich mit derselben die zarten Bande gegenseitiger Liebe, als sie end-
,lich im April dieses Jahres mit Em
willigung ihrer sämmtlichen Verwandten sich entschloß, mich mit ihrer Hand zu beglücken. Ihr Beruf forderte es. daß sie sich auf einige Monate nach
Göttingen begab. Der Tag ihrer Zurückkunft sollte der Tag unserer feier-
lichen Verlobung fent. Mit Ungeduld erwartete ich die Annäherung dieses
Zeitpunkts. In Begleitung des Bru
ders der Entschlafenen, des Doktors
Amelang, eilte ich in den ersten Tagen
dieses Monats nach Gottmgen, um die
Geliebte in den Kreis ihrer Famili! zurückzuführen. Zu ihrer eigenen Er
holung wählte ich den Weg durch den Harz. Auf dem Brocken angelangt, wurde dieselbe indeß von einer entzündlichen Colera befallen, an welcher sie am siebenten Tage, nachdem ich mit ihr noch auf dem Sterbebette ehelich ver-
bunden wurde, zu Jlsenburg am Fuße des Harzes, ihr schönes Leben, der sorgfältigsten ärztlichen Hilfe ungeachtet,
endete. Mein Schmerz ist unermen
lich. Nur die wahrhafte Theilnahme
der zartfühlenden Einwohner Ilsen-
buras, mit der sie fremden, ihnen un
bekannten Reisenden ihre Leiden tragen halsen, hielt mich aufrecht. Ich halte es für meine Pflicht, denselben
nochmals öffentlich den aufrichtigsten
Dank sowohl namens der, Familie der Verklärten wie in meinem Namen zu
oezeigen.
Bei der Rückkehr von
der Kaiserftier xn Saarbrücken nach seiner Garnison Saaraemünd wurde
der Leutnant Naumbauer. vom 22.
bayerischen Infanterie-Regiment, auf
auf der Landstraße zwischen den sun schaffn Wölferdingen und Großblit
terödors von medrerea iunaen ur-
schön vom Rade gerissen und schwer
mißhandelt. Der zunge ssicier, ver sich in Civil befand, trug hierbei erhebliche Kopfverletzungen davon. Der Ueberfallene konnte sich noch zu Fuß nacki seiner Wobnuna beaeben. wo er
sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmn mußte. Die Attentäter wurden
alsbald verhaftet. Nach einer anderen Lsrt hat der Officier die Burschen, die fick auf der Landstraße prügelten.
auseinander bringen wollen, da durch den Raufhandel die Straße versperrt war.. Dies hätten die Kämpfenden
dnmuthlich falsch aufgefaßt, wesyatö sie über den Officier hergefallen wa-
ren. ' Der letztere hätte demnach seine
freiwillig Hilssbereitiqaf: tyeuer ve zahlen müssen. i
MsSNöMkNs
SKhSMKN.
St
N
St
St. L oui ö "XVfca. World3 Abgang Lflliil Mail ? 9.st9m
Southtvefiern Lim igl d & s 11 4535m St SßiitS fitfii taalick niin. 3 9.5?,
Terre Haute & Mat'n Aec .. 6 00m cis ru o rfj. 0 ? -. f . r vtvi
& es l. 0UIS xp ragt.. 7 vovtm
uams expreß tag! 8. . . .12 vöVm Eleveland
New Aork Expreß tägl 4 40Bm Muncie & FtWatzne Exp p. 7 0023m N s B Lim täglich sä... 8 00Nm Muncie K Ft Wayne nur Son 8 0023m Clevland Expreß 11 OOVm N A d B Lim, tägl äs.... 2 5523m
Union Ctty Acc tagl 4 4:Nrn Knickerbocker Sp täglich d & s 6 25Nrn
Ein & LouS Nachtexpreß tgl s 3 4533m
Wt Louö & C,m Scachterv tg s 4 30Brn
Cincinnati Ezp Sonnt ausg. 7 45Vrn Cincinnati F Expreß, tägl p 2 ööNm Louis F Expreß 2 55Nm
Clncinnan Accorn 4 OONrn
Citic & Wash F Ltg dsckp 6 20Nrn
Eh i e ag 0
Kankakee Aeeorn 7 OOVm
Chicago Fast Erpreß tgl d p 11 50Brn
White City Special sd&p. 3 30Nm
LaFayette Accorn 5 15Rm Chicago Rachtezpreß tägl ..12 lOBrn
Mi chigan
Benton Harbor Expreß 7 OOVm Michigan Mail Expreß p. . .11 80Vm
Elkhart Aee taglich 4 45Nm
Tleveland, Cincinnati, Chicago & St Ccrnis Vttwu?.
OTJÄ.
Division. Ialr 2ra.o-u.to" Ankkgzt New Sork Expreß täglich .. 4 LOBm St. Louis Expreß tägl 8.. .. 7 40Vm Mat'n & T Haute Aee 10 35Vn N I d Boston Lim tögl pd 8 2 LOÄn, St Louis Mail 6 36Rm Knickerbocker Sp täglich s & d 6 lONrn Di vifie 4. Union City Accorn tägl .... 9 25BW Fort Wayne & Elk Erpreß p 10 30Vnk Southwestern Ltd tgl ä s.. . .11 30Vm St Louis Ltd tgl äs 3 1051m New York Expreß täglich . . 6 45Nm BH Union Cy&AndcrsonExp 3 16Nm New Aork Ltd tägl s 11 45Nm
Cineinnati Division.
Cincinnati Aec täg ausg SonlO Ehie &St8 Expreß tg d & & pH
Chicago Lous d StL Exprehll White City Spezial p 3 Eine & 3nd Acc auög Son. . 6 Cinc 3nd & St L Exvr tg s . . 11 Chic & Lou Nachtexpreß tg 8 11 Division. Cinc Nachtexpreß, tägl 8 . . .. 3 Kankakee Aceorn 10 Cinc Fast Expreß tagl pd.. 2 La Fayette Accorn 5 Cinc & Wash F S., d & p.. 6 Division. Elkhart Accorn nur Sonntag 9 Elkhart Expreß . ... 10 Benton Harbor Expreß p . . . . 2 Michigan Ex'eß 8
25Vra 40Vrn 40Vm 25RW 55Nr? 40Nm 50N
30 SOBm 40Nrs OOia lONrn 25Bm SOVm 55N 15Nw
Peoria Divisio n iv e ft l i ch
Peoria Expreß taglich 8 .... 12 lOVrn ColurnbuS & v:c Exp tgl s 3 20Z5m
Peoria Expreß öo Mail 7 25Brn Champaign Accorn 10 35Wm Western Expreß täglich p d. .11 50Brn R I & Ohio Special 2 4Mm Champaign Accorn ........ 4 10Nm Peoria Expreß täglich p & d 6 08N
Peori Division östlich.
ColurnbuS Expreß tägl..... 4 25Vrn Lynn Accorn... 10 00 Bm Obio Svecial täal d r 3 OONrn ColumbuS Ervreb täal äv. .11 30B
Lynn Accorn 6 16Nm ColurnbuS Expreß tagl 8 .... 12 OONtS
pittsburgh, Cincinnati, Chicago & 5t. Cents R'y. Indianapolis Division.
Abgang 3 30Vrn St Louis Lim täglich s ä h . . 7 3025m Capital Expreß täglich 8 8 lOVrn St Louis Expr tägl ä & s b 1 40Nw Jndianavolis Accorn 3 0591m Western Expreß tägl s d . . . . 5 OONrn Nimmt keine Passagiere tgl6 60Nm World Fair Exp täglich 3 . . 7 OöNm
Pittsburg Special, tagl s . .
ColurnbuS Accorn tagl. . . . .
New Aork Expreß täg 8 d ... .
Columbus Accom . . . . . . Keystsne Expreß tägl ä & s b
Atlantic Expreß täglich . . .
N S Lim täglick s d b.... Ohio u Birg Expreß, tagl sä
Ankunft 6 45? 6 ö0Bvz 12 10Nm 12 40Nrn 3 15Am 8 SONrn 11 55N
Chicago Division.
Chicago Special, tglpd .. 1135Vrn Southern Expr täglich 8. .. . 3 l5Brn Lou & Chi F Expr täglich sll 50Vrn Chic & Lou Expr täglich pb 3 40R,
LouiSville Division.
Southern Expreß tägl 8. . . . Pitts & Lou F L tägl 8. .. Mad Acc nur Sonnt Louis v & Madison Accom.. Chicago & Lou F L täglich p d Madison Accom tägl....... Louisville Accorn tägl. . . . Madison Acc.,nurSonntags
World's Fair Spcl., tägl s.
Terre Haute Accom., tagl. . .
St Louis im täglich 8 & d b
Capital Expreß tägl sä....
St Louis Erpreß tagl a so
St Leuis Expreß täglich d 8.. T H & Effingham Aee täglich
St L Fast Mail, täglich...
3 35Vm Louisv & Madison Are tägl 10 lOVrn 7 OOVm Lou & Chic F L tägl p K....11 30V m 7 30Vrn Louisville u. Madison Aee . . S 40Nn. 8 06Vrn Louisv & Pittsb F täglich s 6 35Nm 3 55Nrn Madison Accornrn Sonntags 9 15Vm a rzm. o.. s. feticz nru ixr:x 11 0 c ox
o üiiw uu vi&f- myuuy x,oJ 6 45Nrn 6 45Nrn vandalia kine. Abgang Ankunft 12 0533m Pittsburg Svcl, täglich s.. 3 20Vw 6 OOVm New gort Expreß taglich s ä 6 SOVm
6 50Vrn Schneller Mail täglich ... 7 55Vm
7 O'.Brn Terre Haute Efsing Acc tagl 10 2523m 12 2CNm Keystone Expreß täglich d t b 2 50Nm 3 25Nm Atlantic Expreß täglich 4 4SNm
4 OONrn TbeNS Limited täglich 86 b 6 45Nm 8 35Nm Ohio u Virg Exp., tägl sd. 6 LöNm
Indianapolis & vincennes H. R.
Cairo ck'Bineen Expr täglich 7 20Vrn Spencers Bedfsrd Ar, tägl. 9 4öV
VmcenneS Expreß tagl 3 50Si.rn 5,neenneS Expreß täglich.. 10 308Zm Spencer & Bedford Ae, tägl. 4 45Nrn Cairo Expreß täglich ...6 16N Chicago, Indianapolis & Tomsville R'y. (Monon Route.)
Abgang Anknntt
Chie Night Expreß täglich s. .12 S5Vrn Cincinnati Veft täglich 3 3SVLZ
Fsft Mail täglich 8 p.. 7 00Bm Mst Mail täglich 8. 7 60Vm Chi Expreß, täglich p d.ll 5023m Mono Aec, tägl ausg Sonn.ZO 00V Chi & Mich City Veft dp.. 3 35Nm Sincwnati. Veft täglich d p. 4 62Aw Mono Aee, tägl ausg Sonn. 4 OONm iake Lrie & Wzfexn H. H. Abgang Antuas Mich City Svcl., Sonntags. 6 3023m Indianapolis Expreß täglich 10 25V Matt und Expreß .7 1523m Mail & Expreß ...3 2öNm T Det M C Ex täglich 12 20Nm Toledo ErvreS 10 56Rm Peru Accom nurSonntags. . . 12 20Nrn Indianapls Spcl., Sonntagsll 55Nm Mich City Spcl., Sonntags. 6 OONrn Chicago Expreß.,.. 7 20Nrn Cincinnati, amilton & Dayton R. R. Oft. ' Abgang AnknnsI
Cincinnati Best täglich s&c 4 003Jrn Cineinnati Vestibüle täglich 12 45Vm
Zast Mail taalich 8 0525m
Cincinnati & Det Expr ... .10 4035m Ein . & Dayton Veft. Exp p 3 00Nm Cincinnati Best täglich d p 5 OONrn
Fast Mail täglich 8 6 40Brs
Ein Chi St L Ex tgl p. .11 45Bm Cincinnati Veft d & p 3 2öNm Cinc & 3nd Accom ..7 24Nm
Ein 6c Detroit Expreß täglich 7 02Nrn Ein 3nd St 2& Veo Ex tg 8&ie 3SRrs Weft. Abgang ' Anknufi Springfield Mail 7 3023m Weft Expreß täglich 8&c. 3 6633a St Louis Expreß p ä ..11 5023m Tuseola Accom ...10 LSV Tuöeola Accom........... 3 30Nm Cincinnati Expreß p 2 46R St Louis Expreß täglich . . 11 lONrn St Louis Expreß ..... 4 50N Via C., H. D. Ry. (Weft) nd Roachdale. Chicago Expreß .. ....11 50Vrn Cincinnati Expreß p.. S45& bkdtUtkt S ffleepei. P. Pr2or Ca.-C Oair O. B -Butfei r. D. Hisivf Cl
