Indiana Tribüne, Volume 27, Number 251, Indianapolis, Marion County, 13 June 1904 — Page 4

Judtana Tribüue, 13. Juni 1904;

Indiana Tribüne. HerauSgegebcN von der utbg Indianapolis, Ind.

Harry O. Thudium Präsident. Geschöftslocal: No, 31 Süd Delaware Straße TELEPHONE 26. ivntered at the Post Office of Indianapolis as second dass matter. Allgemeine Wehrpflicht L o n d o n, 1. Juni. Eine ungeheuere nervöse Aufregung ift durch den Vorschlag, eine Art allge. meiner Wehrpflicht einzuführen, unter den Massen in England entstanden. Ein Königlicher Ausschuß" war einge setzt worden zur Untersuchung der Urfachen des Niederganges in der Zahl der Mitglieder des Freiwilligen-Heeres".-und der Volkswehr". Da gleichzeitig die Anwerbungen zum regelmäßigen Heer so geringe Fortschritte machen, beschloß dieser Ausschuß eigentlich über die ihm gesetzte Aufgabe hinaus den dringenden Rath zu ertheilen: es sollten diejenigen jungen Leute, die sich nicht m's FreiwilligenHeer oder die Volkswehr aus eigenem Antrieb einreihen lassen, vom 20. Jahre an auf kurze Zeit gesetzlich zu WaffenÜbungen herangezogen werden. Dieser furchtbare Gedanke geht aber entsetzlich gegen den Begriff persönlicher Freiheit in England. Die Regierung wird es sich auch zehnmal überlegen. Der junge Mann, der mit seinem bis an die Obren reichenden steifen Hemdkragen, seinen gelben Schuhen und der Eigarette sich so heldenhaft dünkt, wenn er Schlap.ball oder Fußball spielt da ja bekanntlich die Schlacht bei Waterloo der Sage lzufolge durch diese athletischen Vorbereitungen gewonnen wurde , dieser junge Held will von der ausländischen" Einrichtung irgend welcher ' Wehrpflicht unbedingt nichts hören. Der Arbeiter, der diesen Spielen mit gierigen Blicken zuschaut, weil er eine Wette darauf eingegangen ist was feine Familie nachher oft entsprechend zu empfinden hat , empört sich nicht minder gegen den Vorschlag. Er faßt daher in Versammlungen betreffende tapfere Beschlüsse der zornigen Ablehnung im Namen der Volksfreiheit". Ein frommer Mann, wie Dr. Evan und ein Schriftführer einer FriedensGesellschaft, der bei seinen Bemühungen stets unseren Heiland Jesum Chriftum im Munde führt, ift in der Sache befragt worden. Er hat es auch nicht an entrüsteter Aussprache fehlen lassen. Es ist", so hub er an, wider alle menschlichen und göttlichen Gesetze, daß ein Mann zwangsweise zu dem Geschäft eines gedungenen Mörders herangezogen werden soll, ob er nun wolle oder nicht."' , Die Fassung dieses Satzes erinnert ein wenig an den sog. irischen Bull", oder Pudel", wie man in Nieder deutschland sagt. Indessen lassen wir das. Fragen dürfte man aber vielleicht: ob Dr. Darby, falls es zum Einbruch eines 'fremden Heeres nach England käme, nicht doch froh wäre, sogar durch die fog. gedungenen Mörder" gegen Tödtung- oder Plünderungs-Versuche feindlicher Eindringlinge geschützt zu 'werden? Solcher milden Friedensmänner, wie Dr. Darby, gibt es in England allerdings eine nicht geringe Zahl. Sie bilden das verrückte Gegenstück zu den raubgierigen Jingos", die die Karte des ganzen! Erdballs roth anstreichen" und angelsächsisch" mächen möchten. Gewiß istj das regelmäßige englische Heer ein gedungenes. Es besteht aus angeworbenen Miethstruppen. Wenn aber, zufolge Herrn Därby, Jedermann zumZ möglichen Mörder" wird, sobald er von Gesetzeswegen zum Wehrdienst herangezogen ist, und wenn solche Pflicht der Vertheidigung des Vaterlandes wider alle menschlichen und göttlichen Gesetze ist: wie steht es dann, zum Beispiel, mit den freien Schweiz? Dort war diese Einrichtung schon vorhanden,, ehe noch manche Staaten Deutschlands, Frankreich, Italien und Rußland die volle allgemeine Wehrpflicht für jeden körperlich tüchtigen Mann eingeführt hatten. England vermag, bei einer Bevölkerung von 51,600,000 im Vereinig ten Königreich, kaum 235,000 Mann für das regelmäßige Heer aufzubringen. ES zahlt dafür jährlich über 34,. 000,000 oder mit Einschluß der Ge-schütz-Faktoreien 70,000,000. Die kleine Schweiz, mit 3,313,000

Einwohnern, kann (mit Bundes-Aus-zug. Ersatzmannschaft und Landwehr) nöthigenfalls ein Heer von 210,000 Mann auf die Beine bringen. Und wenn es zum Aeußersten käme, kann sie noch einen Landsturm von etwa 276,000 Mann hinzufügen. So versteht man dort die menschlichen und göttlichen" Gesetze. . Wäre es möglich gewesen, den Streit zwischen Rußland und Japan durch schiedsrichterlichen Austrag zu regeln, so würde die Menschlichkeit gewiß dabei gewonnen haben. Aber wer auf die sen Vorschlag, der von Professor Martens dem Petersburger Staatsrathe unterbreitet worden war, nicht eingehen wollte, das war eben die russische Regierung ! Das von Väterchen" Nikolaus im holländischen Wäldchen erbauteFriedenshaus ist ein bloßes Spielzeug geblieben. Es wäre schwierig, auf solche offenbare Heuchelei keine Satire zu schreiben. So mußte denn Japan, um sich seiner bedrohten LebenLbedingungen zu wehren, freilich zum Schwerte greifen, da die russische Regierung ihr gegebe nes Versprechen, die Mandschurei zu räumen, beharrlich nicht hielt. Grausig find seitdem die blutigen Opfer zur See und zu Land gewesen. Wie theuer mußte der Sieg bei Kin-Tschau erkämpft werden! Ein Schlachten war's, nicht eine Schlacht zu nennen." Aber die kleinen, muthigen Japaner gedenken, was auch kommen möge, es auf dieser Linie auszufechten." Karl Blind.

Man lernt nie aus, selbst nicht bei seiner Muttersprache. So hat uns erst jetzt ein Frankfurter Gerichtshof beim Kubelik Processe über die richtige Bedeutung des Wortes blöde" belehrt. Wir wissen nunmehr, daß man in Norddeutfchland ungestraft Jemand diese Bezeichnung ertheilen darf, während der Sprachebrecher im Süden das Wort zu einer Beleidigung stempelt. Ob nicht ein Militär-Kritiker, der etwa den Kaiser bei einer Parade als blöde dreinschauend" charakteristrt, auch mit einem blauen Auge davonkäme, möchten wir allerdi ngs nicht so ohne Weiteres bejahen. In Wirklichkeit ift die Anwendung von blöde" fast ausschließlich auf den Norden beschränkt; das Volk im Süden keunt den Ausdruck kaum. Aber auch im Norden hat das Wort zwei Bedeutungen, einmal von thöricht" und dann von schüchtern" oder unbeholsen". Da Kubelik als Reklame-Held dargestellt wird, so darf man sich füglich wundern, wenn er dem Kritiker zugleich den Eindruck von Schüchernheit macht. Was den Ausgang des Prozessesses an sich betrifft, so kann man dem nach Aufsehen haschenden Geigenkünstler seine Abfuhr gönnen. Die 91 Gruben-Arbeiter, welche am Samstag nach einem entlegenen Orte in Kansas deportirt wurden, hatte man bei der Ortschaft in Colorado ihrer Aussage nach gleich Vieh in die Wagen getrieben." Dieser neueste Gewaltstreich sollte in der That auch dem Blödesten die Augen öffnen und ihn deutlich erkennen lassen, wo die Schuld an dewscandalösen Ereignissen ausschließlich zu suchen ist. Selbst wenn die Behauptung des Generals Bell, einzelne Unionisten seien die Thä ter des Verbrechens von Jndependence, wahr wäre, so ist damit der brutale Vernichtungskampf gegen die Gewerkfchaft als solche durch nichts gerechtfer tigt. Aber für diese Behauptung fehlt jeder Beweis, nachdem es früher bereits geschehen, ist vielmehr der Verdacht begründet, daß bei der feigen That auch diesmal von den corrupten GrubenBesitzern bezahlte Agenten die Hand im Spiele hatten. Es wäie sehr kurzsichtig, sollten die übrigen Gewerkschaften auf solch' unerwiesene Verdächtigungen hin sich bewegen lassen, ihren Brüdern in Colorado feindselig gegenüberzutreten. Die Forderungen der westlichen Gruben-Arbei ter sind durchaus gemäßigt und selbst wenn einzelne Gewaltthaten vorkamen, so sind sie dnrch den Wortbruch der Befitzer, die Bestechlichkeit der Legislatur und das anarchische Verhalten der Staatsbehörden vollauf entschuldigt. Leute, die angesichts solcher Rechtslosigkeit sich von jeder Wiedervergeltung fernzuhalten vermögen, wären verächtliche Schwächlinge und ein wirkliches Verbrechen ist ihnen, wie fchon gesagt, bisher noch nicht nachgewiesen. Ihren Gegnern aber hundert für jeden kleinen Exceß, den die Arbeiter vielleicht sich erlaubten. Und trotz dieser Flammen-

zeichen in Colorado fehlen auch, jetzt wieder die Stimmen nicht, 'welche dem Volke die abgedroschene Fabel von der Versöhnung zwischen Capital und Arbeit vorzupredigen wagen. Die Magnaten in Colarado find weder besser noch schlechter als Baer und seine Genossen. Socialer Turnverein.

Das Picnic der Turnclassem im TurnerPark. Im Turner-Park findet morgen das Schuljahr des Socialen Turnvereins durch ein Picnic, an welchem sämmtliche Turnclassen des Vereins theinehmen, seinen Abschluß. Turnschüler und sonstige Feftestheil nehmer versammeln sich um 9 Uhr Vormittags im Deutschen Hause. Um 9 Uhr erfolgt alsdann unter kräftigem Trommelschlag in geschlossenen Reihen der Abmarsch nach der Jllinois-Straße, wo bereitstehende Straßenbahnwagen Jung und Alt nach dem Festplatze überführen werden. Im Parke angelangt, vergnügen die Kinder sich nach Belieben. Nachmit tags erfolgt Turnen an Geräthen, daran schließen sich Marsch- und FreiÜbungen, Turnspiele und Wettlaufen; auch Baseball und Basketball wird man auf dem Programm nicht vermissen. Abends um 5 Uhr erfolgt die Heimfahrt. Der Damenverein wird für das leibliche Wohl der Festtheilnehmer Sorge tragen. Matadoren-Skat-Club. Aus dem Turnier, welches der Ma-tadoren-Skat-Club gestern Nachmittag im Turner-Park veranstaltete, gingen folgende edle Wenzelritter als Sieger hervor: 1. Preis Julius Becherer.. 2. Louis Hirsch. 3. Jeair I. Thoeny. 4. Michael Mode. 5. H. Mösch. 6. Leo Lando. . 7. Karl Kreis. Die beste 5 Cent Cigarre in der Stadt, Mucho's Longfellow".' Durch einen Steinwnrf verlekt. - i - Der 14jährige Clarence Newho'use befand sich gestern Abend auf einer von Rioerside kommenden elektrischen Car, als ein anderer Junge ihm seinen Hut vom Kopf riß und ihn fortschleuderte. Clarence sprang seinem Hut nach, er griff hierauf einen Stein und schleu derte ihn nach dem Jungen. Derselbe traf jedoch nicht diesen, sondern eine Frau Maguire von 1131 West New Jork Str. gegen die Brust, welche erheblich verwundet wurde. Der junge Steinschleuderer wurde verhaftet. Raucht die Tish I Mingo. Herr John Linder und Frau, 1416 Kennington Str. wurden gestern durch die Ankunft eines gesunden und kräftigen Töchterleins hoch beglückt. Aufdem kürzlich von New N o r k abgefahrenen Dampfer Majcstic" nähert sich ein Liebesroman dem Ende. Die weibliche Hauptrolle in demselben spielt ein Fräulein Bertha Alexander, zuletzt in New Aork wohnhaft, die mit dem genannten Dampfer eine 10,000 Meilen lange Reise angetreten hat, an deren Endpunkt, Kimberley in Südafrika. Lieutenant RichardRowland Thompson mit ausgebreiteten Armen sein Vräutchen rn Empfang nehmen wird, um sie sich antrauen zu lassen. Vor dem Burenkriege hatte Thompson in Ottawa, Canada, Fräulein Alexander .die damals in einem ihrem Onkel gehörigen Hotel beschäftigt war, kennen gelernt und sein Herz an sie verloren. Die Liebe war gegenseitig, denn als der Burenkrieg ausbrach und Thompson von ihr Abschied nahm, um in's Feld zu ziehen, versprach sie ihm, auf ihn zu warten. Sie wurde fpater für die kanadische Pferdeausstellung als Reiterin und Wagenlenkerin engagkrt, fand dann in einem Chicagoer Mäntelgeschäft Anstellung und war zuletzt Probirmamsell in einem New Yorker Jmporthause. Im - Kriege hatte Thompson, der als Gemeiner eingetreten war, durch Tapferkeit sich so auszeichnete, daß er es zum Lieutenantsrange brachte. Nach dem Kriege kehrte er nach Canada zurück; aber es hielt ihn dort nicht lange, teiltet ging er nach Südafrika, diesmal, um auf den Diamantfeldern sein Glück zu machen. , Das ist ihm denn auch gelungen, denn er ist jetzt Besitzer einer werthvollen Goldgrube und konnte sich dadurch sein Bräutchen nachkommen lassen, - das ihm sehn süchtig entaeaenreist. 14 ? ? . :

Der gute College. Humoreske von F. Thalern Viktor Reimer und Ernst Gesenius waren Collegen, fast schon Freunde. Sie saßen, Schreibtisch an Schreibtisch, in einem Ministerialbureau für Bürgerliche, wo sie von neun Uhr Morgens bis drei Uhr Nachmittags arbeiteten. Täglich. Auf ihren Schreibtischen gab es nur solche Restanten", für tte Erledigungen aus anderen Bureaus abgewartet werden Trotz ihres Berufsfleißes und trotz der Arbeit fanden die beiden während der Amtsstunden doch auch Zeit, einander näher zu treten und private Intimitäten auszutauschen. Eines Vormittags, Punkt elf Uhr, legte Viktor Reimer energischer, als er es sonst zu thun Pflegte, seinen Federhalter in die dazu bestimmte Schale, lehnte sich zurück und starrte ins Leere. Sein nicht gerade geistreiches, dafür aber für einen Be amtcn auffallend gut gefärbtes Gesicht erschien dabei noch um zwei Nummern einfältiger. Ernst Gesenius blickte von dem Akt, an dem er gerade arbeitete er behandelte eine umständliche Begründüng des Einfuhrverbots für Schafe auf. Hm?" machte er. Nichts, nichts!" antwortete der andere. Dabei stand er aber auf und ging ein paarmal auf und ab. Nach einer Weile sagte er: Ich bin sehr aufgeregt, lieber College!" Nun lehnte sich der andere in seinem Sessel zurück. Viktor Reimer dämpfte seinen Ton fast bis zum Flüstern: Ich habe Ihnen doch einmal das Geständniß gemacht, daß ich eigentlich nur in der Theorie ein Lebemann bin Ja, Sie beherrschen, das ganze ABC der Liebe " Nichts beherrsche ich, ich bin ein Stümper, ich schrecke, sobald eine Affäre den Anschein von Ernst annimmt, zurück. Ich sage mir, jetzt mußt Du das und das thun, aber ich thu's nicht " Also ist etwas ernst geworden?" Sehr. Ich erzählte Ihnen von Fräulein Jessen." Die Sie auf dem Jour bei Lohrings kennen lernten. Sie waren ganz entflammt . . . Ja. Sie bekommt 60.000 " Ernst Gesenius legte den FederHalter in die dafür bestimmte Schale. Gulden?" Ich glaube Kronen. Das scheint Ihnen zu wenig?" 60,000 Kronen auch nicht schlecht." Nicht schlecht, was ? . Heute will sie mir sagen, wann ich bei ihren Eltern anhalten soll." . Ich gratulire!" Ich danke, lieber College. Also meinen Sie wirklich .... Ich bin sehr aufgeregt, wissen Sie, wenn so etwas ernst wird. Sie ist ja sehr schön, sehr lieb, und Vermögen ist auch da ... . Aber am- Ende ist's doch nicht die rechte, wissen Sie, die rechte .... Sie frugen ja auch gleich, ob Gulden " Ernst Gesenius nahm seinen FederHalter und neigte sich über die Be-, gründung des Einfuhrverbots für Schafe. Schon während des Schreibens sagte er: Da giebt es keinen Rath. In solchen Angelegenheiten darf man sich nur auf sich selbst verlassen." , Das seh' ich ja ein, aber ..." Aber . angenehmer wäre es Ihnen, Sie könnten wie bei einer amtlichen Erledigung die Verantwortung einem Nächsthöheren zuschieben, der sie dann weiterschiebt. Das geht nicht. Man wird doch nicht das Mädchen, das man heirathen will, vorher anderen zuschieben . . . Nein, das geht nicht. Aber wissen Sie, lieber College, einen Gefallen müssen Sie mir thun . . Bitte." Ich muß heute schon um drei Viertel drei Uhr fortgehen, weil ich um drei Uhr das Rendezvous habe. Wenn nach mir gefragt werden sollte..." Dann sage ich, daß wichtige Familienverhältnisse ..." Nein, daß ich mir im Departement'II Informationen holen mußte, oder so was." Wird gemacht. Viel Glück!" Dann arbeiteten Beide, oder thaten wenigstens so. Viktor Reimer war gewiß nicht ganz bei der Sache. Er feuerte sich an, nahm seine ganzen theoretischen Kenntnisse zu Hülfe, die er aus unterschiedlichen Romanen geschöpft, frug sich dann aber wieder, 'ob er nicht doch mehr werth sei als 60,000 Kronen, avanciren wird er auch im nächsten Jahre . ... Er bedachte, daß er eigentlich schon dreimal vor der Verlobung stand, und dreimal im entscheidenden Moment auskniff. Damals machte er noch höhere, weit höhere Ansprüche! Seitdem war sein ehedem so volles schwarzes Haar noch schütterer geworden . hm, dafür stand er vor dem Avancement, der persönliche Werth wird durch die amtliche Werthung ausgeglichen. Aber bescheidener war er doch geworden. Seine Schwester sägte ja einmal: Mit Deinem ewigen Bedenken wirst Du schließlich ordentlich hineinfallen." Wenn er nun am Ende vor dem Reinfall" stand. Ihm wurde heiß! Er sollte sich doch noch Zeit lassen, nur nichts überstürzen, er ist ja auch übex die 5?amilienverbältnisse des

Mädchens noch nicht genügend infor mirt. Er endete seine Ueberlegung mit dem Entschlüsse, dem Mädchen zu sagen daß er sein Avancement abwarten wolle, ehe er mit ihren El!ern sprach. Aber peinlich war ihm die Sache doch. Wenn er, sie schriftlich verständigen könnte? Zu gefährlich! Sein Brief könnte in unrechte Hände fallen, und das Mädchen hatte , ihm nach seiner ersten stürmischen Werbung anfangs ist er immer stürmisch das , Ehrenwort abgenommen, nichts zu veranlassen, bevor sie ihm das Recht hierzu gegeben, und unbedingte Diskretion gefordert. Er war so diskret, daß er seinem Collegen Gesenius Mein Gott, man muß sich doch mit jemanden aussprechen! Nein, schreiben durste er ihr nicht, es blieb nichts anderes übrig, er mußte zu dem Rendezvous: drei Uhr in der Leihbibliothek, wo sie zu thun hatte. Himmel, wenn es nur keine Entscheidungen gäbe! Um zwei Uhr wurde Viktor Reimer in das Bureau seines Chefs berufen: Eine wichtige Erledigung, sehr wich tig! Dem jungen Beamten eröffnete sich die traurige Aussicht, heute seine Amtsstunden wenigstens bis vier Uhr ausdehnen zu müssen. Ein anderer in seiner Lage würde unglücklich geWesen sein, er würde getobt, gerast haben,, um schließlich Krankheit vorzuschützen und zu dem Rendezvous gehen zu können. Nichts von alledem traf bei Viktor Reimer zu. Er athmete auf. Vis major" entschuldigt selbst ein versäumtes Rendezvous. Das Amt geht vor der Liebe. Er sagte sich: vielleicht sind 60.000 Kronen doch zu wenig. Bevor Reimer sich an die dringende Arbeit setzte, machte er seinem Collegen Gesenius Mittheilung von dem Borgefallenen. Plötzlich kam ihm ein Einfall: Lieber College, wollen Sie nicht um dreiviertel Drei fortgehen, falls nach Ihnen gefragt wird, werde ich sagen " Ich hätte mir Information für meinen Bericht geholt." Wollen Sie nicht?" Eigentlich ist die Sache furchtbar komisch." Wie so? Sie werden Fräulein Jessen ' die Botschaft bringen, daß eine wichtige amtliche Abhaltung . . ." Gut, ich nehme die Mission an." Sie erweisen mir damit einen großen Gefallen! Sie kennen das Jräulein?" Natürlich, die gesuchteste Walzertänzerin!" Ernst Gesenius schloß um drei viertel Drei seinen Akt zur Begründung des Einfuhrverbots für Schafe und ging. Am nächsten Tage fragte Viktor Reimer seinen Collegen, v wie das Fräulein die Abhaltung aufgenommen. Gefaßt, liber College. Sie meinte nur: mehr Diskretion hätte sie Ihnen schon zugemuthet." , Viktor Reimer erröthete. Zu dumm! So augenscheinlich hätte er sich dem Mädchen gegenüber doch nicht verrathen dürfen. Nun, und?" Und? Haben Sie erwartet, daß ick mich als Eingeweihter deklariren würde?" Also bringen Sie mir keine Nachricht.", Haben Sie die erwartet?". Heute hatte er kein Glück mit seinen Fragen. . Die Eitelkeit Viktor Reimers derwand es doch nicht so leicht, daß er seitdem keine Nachricht von dem Mädchen empfing. Vergebens trachtete er, ihr in der Gesellschaft zu begegnen. Nahezu eine Nichtachtung; und er stand doch vor dem Avancement! Sechs Wochen später fand Viktor Reimer auf seinem Vureauschreibtische ein elegantes großes Couvert. Sein College Gesenius schielte zu ihm hinüber, als er es in die Hand nahm. Wa as?" Sie sind erstaunt?" Helene Jessen Ernst Gesenius empfehlen sich." Weiter kann man die Collegialität doch nicht treiben. Ich habe mir Ihren Jammer zu Herzen genommen, lieber College, Sie sollen nicht länger Zweifel und Qualen erleiden, und da mir Helene außerdem gestand, daß sie das Rendezvous in der Leihbibliothek nur darum wünschte, um Ihnen zu sagen, daß sie den Eltern keinen Besuch machen sollten " Keinen Besuch?" Nein, sie war zu dem Entschluß gekommen, Ihnen nicht anzugehören. Da nun aber der Vorwurf, eine Indiskretion begangen zu haben, auf Ihnen lastete, und ich derjenige war, den Sie zum Mitwisser gemacht " Bitte, Sie brauchen sich rnchi zu entschuldigen." Viktor Reimer war beleidigt, man hatte ihn einfach betrogen! Als er aber gar erfuhr, daß das Mädchen 60,000 Gulden Mitgift bekam und sein College im Glück schwelgte, ließ er sich in ein anderes Bureau versetzen, um an seine jüngste Dummheit, der wohl noch mehrere folgen werden, nicht täglich erinnert zu werden. ' . Er kennt sich aus. Bezirksbaumeister: Noch eins, LöwenWirth, die Thüren an Eurem Saalneubau müssen der Sicherheit wegen nach außen aufgeh'n." Woatz scho', damit da' die Lei? besser 'nausschmeß'n laV ,

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