Indiana Tribüne, Volume 27, Number 250, Indianapolis, Marion County, 11 June 1904 — Page 6

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Jndiana Tribüne, 11. Juni 19S.

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Europäische Nachrichten.

Frovinz 'Mranderröirrg. Berlin. Das seltene Fest der diamantenen Hochzeit feierte das Ehepaar Tesch, Müllerstraße 9. Beide Eheleute sind im Jahre 1820 geboren. Pfarrer Alberti von der Dankeskirche überreichte ihnen ein Geldgeschenk des Kaisers in Höhe von 100 Mark. Generalarzt a. D. Dr. Stahr, der frü here Direktor der Kaiser - Wilhelms Akademie für militärärztliches Bildungswesen, ist im 62. Lebensjahre plötzlich am Herzschlag gestorben. Nach schwerem Leiden ist im ElisabethKrankenhause die Gattin des ihr vor kurzem im Torde vorangegangenen ehemaligen Chefredakteurs der Kreuzgtg.", Freiherrn v. Hammerstein, gestorben. Der 71jährige Hauptmann a. D. Bock stürzte aus dem Fenster seiner in der dritten Etage des Hauses Stubenrauchstraße 1 belegenen Wohnung auf die Straße und starb auf der Stelle. Bock litt an Herzverkalkung und Athembeschwerden. Am Todestage wurde der Hauptmann wiederum derartig stark von Asthma befallen, daß seine Tochter geängstigt' zum Arzt eilte. Als sie das Zimmer verlassen hatte, riß Bock das Fenster auf, wahrcheinlich, um sich durch Zuführung rischer Luft Linderung zu verschaffen. Er verlor hierbei das Gleichgewicht und stürzte in die Tiefe. Durch einen Sturz aus dem Fenster machte der 30 Jahre alte Schuhmacher Albert Neitzsch aus der Georgenkirchstraße 63 seinem Leben ein Ende. Seit einiger Zeit lungenleidend, glaubte er unheilbar krank zu sein und seiner Frau, mit der er seit einem halben Jahre derheirathet war, zur Last zu fallen. Pfarrer Hapke . beging unter aanz außerordentlicher Thettnahme dttFeier seiner vierzigjährigen ununterbrochenen Thätigkeit an der hiesigen reformirten Bethlehems - Kirche. Er ist im October 1833 geboren, vollendet also in diesem Jahre sein 71. Lebensjähr. Der wegen Betrugs und Nrkundenfälschung angeklagte frühere Beamte der Darmstädter Bank, Paltzer. wurde von der Strafkammer des hiesigen Landgerichts zu iy2 Jahren Gefängniß verurtheilt. Schwefelsäure anstatt Weins trank 041s Versehen die Frau des Geschäftsführers Grünebaum in der Greifswalderstraße. In ihrer Todesangst lief sie aus dem Hause und bestieg eine Straßenbahn, um zu ihrem Mann zu eilen, der im Centrum der Stadt beschäftigt ist. Als die Unglückliche am RathHaus die Straßenbahn verließ, brach sie auf dem Damm bewußtlos zusammen wenige Augenblicke später war sie den furchtbaren Schmerzen erlegen. Potsdam.- Im hiesigen St. Josephs - Krankenhause ist Oberstleutnant von Boddien, Commandeur des Garde - Jäger - Bataillons, an den Folgen der Schußverletzung gestorben, die er Ende Januar bei einer Jagd auf der Glienicker Feldmark bei bei Belzig durch eine abprallende Kugel erlitten hatte. Charlottenburg. 74 Jahre alt, verschied hier der frühere hiesige Polizei - Direktor Geheimer Regierungsrath v. Saldern. Als er im Jahre 1875 an die Spitze der PolizeiVerwaltung berufen wurde, hatte die Stadt etwa 15,000 Einwohner, und als er 1899 in den Ruhestand trat, war sie eine Großstadt mit mehr als 150,000 Bewohnern geworden. D r i e s e n. Ein Unglücksfall ereignete sich in der Holzbearbeitungsfabrik der Firma Ziegler & Co. hier. Der 17jährige Drechslerlehrling Paul Boß wurde von einem Mitarbeiter ersucht, ihm beim Riemenauflegen behilflich zu sein. Der Riemen riß und bildete eine Schleife, die sich um den Arm des Unglücklichen schlang, den ganzen Körper mit in die Welle zog und herumschleuderte. Die Verletzungen waren so schwer, daß der Tod auf der Stelle eintrat. K 0 t t b u s. Der Name der vor kurzem in der Nähe des CentralfriedHofes aufgefundenen Selbstmörderin ist jetzt ermittelt. Die Unglückliche heißt Hedwig Block und ist die Tochter eines Gutsbesitzers aus der Provinz Posen. Ihr Verlobter ist ein Gutsinspektor und noch am Leben. Er hat in einem Briefe an die hiesige Staatsanwaltschaft sein Verhältniß zu der Verstorbenen geschildert und sichliuch über den muthmaßlichen Beweggrund zu der That geäußert. M a l ch 0 w. Der leitende Administrator Robert Spinola, der seit 20 Jahren das hiesige Rieselgut verwaltete, hat sein Amt niedergelegt und ist aus dem städtischen Dienst geschieden. Vrovinz Hstpreußen. Königsberg. Eine Blutthat hat sich in der Restauration der Wittwe A. Scheffler an der Ecke des MünchenHofplatzes zugetragen: Dort hat ein unbekannter älterer Mann seinen jünaeren Begleiter und dann sich selbst erschössen. Außer einigen Gästen war nur Frau Scheffler und ein junger Mann anwesend. Kurze Zeit danach knallte an dem einen Ecktisch, wo die beiden Unbekannten Platz genommen hatten, ein Schuß, unmittelbar dar auf ein zweiter, und beide sanken nieder. Der Tod trat sofort ein. Die Wirthin und der junge Mann behaupten, sie zum ersten Male gesehen zu haben. Sie saßen schon eine .ganze Weile im Lokal, hatten Papiers vor sich ausgebreitet und sich im Flüstertone unterhalten. Wenn die Todten

die rechtmäßigen Eigenthumer waren, so wäre der jüngere der Arbeiter Oskar Brück, sein etwa fünfzig Jahre alter Begleiter, der die Schüsse abgab, der Tischler Hermann Ganser. Das diesem letzteren gehörige Papier ist von dem Polizetpräfidtum in Kiel ausgestellt. Auf der Rückseite des einen Scheins standen mit Bleistift geschrieben die Worte: Wir sterben beide freiwillig wegen der Schande." Eydtkuhnen. Unter dem Verdacht des Giftmordes wurde die Lehrerfrau Fiedler in Antanlauken verhaftet und m's Stallupöner Gefängniß gebracht. Kürzlich starb der Lehrer Fiedler Plötzlich. Das Verhältniß der beiden Ehegatten war ein schlechtes. L y ck. Wegen fahrlässiger T8 tung verurtheilte die hiesige Strafkammer den 17jährigen Kätnersohn Adolf Jastrzembski aus Lipinsken zu zwei Wochen Gefängniß. Er hatte am 6. Januar eine alte Reiterpistole seines Vaters mit Pulver und Schrot geladen, um damit zu schießen. Als er die Pistole in der Stube seinen kleinen Geschwistern zeigen wollte und- den Hahn gespannt hatte, krachte plötzlich der Schuß, und die neunjährigeSchwester des Jastrzembski brach todt zu sammen. Die Schrotladung hatte sie mitten in die Stirn getroffen. Popelken. Ein grausiger Fund wurde in einer hiesigen Scheune ge macht; man fand die Leiche eines Erhängten. Es handelt sich um den taubstummen Schneidergesellen Leopold Kolbe. Der Grund der That ist unbekannt. Stallupönen. Wittwe Zins verübte Selbstmord, indem sie sich mit einem Messer den Hals durchschnitt. Schon seit einiger Zeit waren bei ihr Spuren von Geistesumnachtung bemerkbar, da sie mit Niemand sprach, sondern zurückgezogen und fortwährend betend lebte und ein sonderbares Benehmen an den Tag legte. Vr?r,nz Westpreußen. Danzig. Dem Capitänleutnant Fuchs, Erstem Offizier des KüstenPanzerschiffes Hildebrand", bisher Vorstand des Centralressorts der hiesi gen Werft, ist der Rothe Adlerorden vierter Klasse, dem Landgerichtsrath Thymian aus Anlaß seines Uebertritts in den Ruhestand dieselbe Auszeichnung verliehen worden. G r a u d e n z. Frl. Dorothea Schwanenberg, die Stieftochter des ehemaligen Lcibdieners Storkatus des Gouverneurs der Feste Graüdenz, Generals von Courbiere, ist im Alter von 92 Jahren im hiesigen Wollertstift gestorben. Fräulein Dorchen" so hieß sie in ihrem Bekanntenkreise war bis zuletzt geistig durchaus noch rege. Marienburg. Rentier Wolf aus Elbing wurde hier auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft festgenommen und in das Gerichtsgefängniß eingeliefert. Wolf ist Besitzer des Hauses Hohe Lauben No. 31, auf dessen Dachstuhl kürzlich Feuer ausbrach, das jedoch durch schnelles Eingreifen der Freiwilligen Feuerwehr auf seinen Herd beschränkt werden konnte. Der Verhaftete, der in Elbing mehrere Häuser besitzt, soll sich zwei Tage vor dem Brande hier aufgehalten und in verdächtiger Weise in seinem Hause zu schaffen gemacht haben. M o s s i n. Als Leiche wurde im Brunnen die 71 Jahre alte unverehelichte Henriette Ziesemer aufgefunden. Ob Selbstmord oder ein Unglücksfall vorliegt, ist nicht festgestellt. P r e ch l a u. Schneidemllller Gehrke in Schönthal versuchte im vollen Betriebe den Treibriemen auf das Schwungrad zu bringen. Hierbei wurde er jedoch vom Riemen erfaßt und mehrere Male herumgeschleudert. Gehrke wurde derartig zugerichtet, daß er kaum mit dem Leben davonkommen dürfte. S ch w e tz. Oberlehrer Noch vom Königlichen Progymnasium Hierselbst ist in den Ruhestand getreten. Mit ihm, der im 71. Lebensjahre steht, ist der Senior der Lehrer höherer Lehranstalten Westpreußens aus dem Dienst geschieden. Am Progymnasium ist er von dessen Bestehen ab, also 27y2 Jahre, thätig gewesen, nachdem er schon vorher 8Y2 Jahre im Schuldienst der Stadt gestanden hatte. Tiegenhof. Das Geböft des Hausbesitzers Neufeld - Fürstenauerweide ging in Flammen auf. Wohnhaus, Stall, Scheune, Speicher und Schweinestall brannten bis auf die Grundmauern nieder. Frovinz Sommern. Stettin. Fleischermeister Ludwig Jantzen, Hoflieferant, feierte den Tag, an dem vor fünfzig Jahren durch seinen Vater das im Hause Veutler straße 9 befindliche Fleisch- und Wurstwaaren - Geschäft begründet wurde. Sowohl der im Jahre 1895 verstorbene Geschäftsgründer als auch der jetzige Inhaber haben es verstanden, sich das Vertrauen eines großen Kundenkreises zu erwerben und zu erhalten. B 0 r n z i n. Die Rettungsme daille am Bande für Rettung eines Knaben bei einem Brande ist dem Rittergutsbesitzer v. Zitzewitz verliehen worden. G r l l n 0 w. Das Wittwe Liefkesche Fabrikgebäude, in dem sich eine Mahlmühle und eine Wollspinnerei nebst Tuchfabrik befand, wurde durch Feuer eingeäschert. Der .Schaden ist ein sehr erheblicher, da nur ein kleiner Theil der Sachen versichert war.

Mas wir yeuie nicht mehr können. Eine Rückschau auf technischem Gebiete von Dr. Albert Neuburger. Wir pflegen auf die großen Errun zenschaften unserer modernen Technik ehr stolz zu sein und mit einem Geühle, das aus etwas Mitleid und et vas Hochmuth gemischt ist, betrachten wir gewöhnlich die primitiven Einrich tungen vergangener Jahrhunderte und die einfachen Hilfsmittel, die damals zu Gebote standen. Derjenige aber, der die Geschichte der Technik kennt, weiß, daß wir weder' für diesen Hoch matth, noch für dieses Mitleid allzuviel Ursache haben, denn es gab in alten Zeiten einzelne Leistungen technischer Natur, die alles das, was wir heute schaffen, weit übertrafen, und man hat rn vergangenen Jahrhunderten Kenntnisse und Fertigkeiten besessen, die vollkommen verloren gegangen sind, und die wir trotz aller Fortschritte un serer Wissenschaft und trotz aller Hilfsmittel unserer modernen Chemie und Elektrotechnik nicht mehr zu errei chen vermögen. Lassen wir den Blick weit zurück schweifen in längst vergangene Jahr tausend, zu dem alten Culturvolke der Aegypter! Der erste Gedanke unserer Leser, wird natürlich der an die Pyramiden sein, deren Bau für uns so diel Räthselhaftes in sich birgt. Aber nicht die ungeheure Masse der aufein andergethürmten Steine ist es, die unsere Bewunderung erregt, sondern die Kenntnisse, die ein genaueres Stu dium des Pyramidenbaues uns offenKart. Mit matbematiscker Genauia-

!keit sind die vier Seiten der groß: F nrL s . c v c . ? ' yevpspyrcimioen nacy oen vier zgim melsrichtungen gerichtet; der Boden des Felsgesteins, auf dem sie sich erhebt, ist mit einer Sorgfalt nivellirt, die uns heute noch die Frage aufdrängt, welche Instrumente denn die Baumeister der alten Aegpyter besessen haben müssen, um einen derartigen Untergrund zu schaffen. Ein mathematisches Problem der anziehendsten und zugleich schwierigsten Art stellt die Berechnung dar, die den Neigungs-. winkeln der vier Seiten zu Grunde' liegt, und es ist interessant, zu ersahren, daß die alten Aegypter schon mathematische Werthe gekannt haben müssen, die erst viel später wieder auf gefunden worden sind. Der Eingang in die Pyramide verlauft so genau in der Richtung der Erdachse, daß ein am Ende derselben wagerecht gehaltener Spiegel den Po'larstern reflektirt und so bietet dieses wunderbare Bauwerk noch eine Fülle von Räthseln und Aufgaben dar, die heute noch nicht alle gelöst sind. Diese geheimnißvollen Probleme der großen Pyramide und ihres Baues üben einen solchen Zauber aus, daß Gelehrte aller Nationen ihre Lösung sich zur Lebensaufgabe gemacht haben; ja sogar einer der bedeutendsten deutschen Techniker, der Pionier des Dampffluges und Begründe? der deutschen Landwirthschaftsgesellschaft, Geheimrath von Eyth, zugleich ein liebenswürdiger Poet, ist von diesen Problemen und Räthseln der großen Pyramide so angezogen worden, daß er sie zur Grundlage eines spannenden Romanes Der Kampf um die, Cheopspyra mide" gemacht hat. Dabei war aber diese Pyramide noch lange nicht das Wunderbarste, was alt - ägyptische Technik zuwege gebracht hat. Wie sehr unsere heutigen technischen Leistungen gegen die alten Völker auf manchen Gebieten zurückstehen, das zeigt uns am besten die Geschichte der Bewässerung Aegyptens. Aegypten ist ein Geschenk des Nils", sagten schon die alten griechischen Schriftsteller, und in der That reicht das fruchtbare Land nur so weit, als der Nil bei der jährliehen UeberschwemmunF über seine Ufer tritt; da, wo der letzte Tropfen Nilwasser im Sande versickert, beginnt die Wüste. Die Regulirungen der Überschwemmung ist daher das erste technische Problem Aegyptens. Seit Jahrhunderten ging nun der Wohlstand dieses einst so blühenden Landes immer mehr zurück, da es nicht gelang, eine zufriedenstellende Lösung, dieser Frage zu erzielen. Speziell im letzten Jahrhundert sind Milliarden für Stauwerke, Canäle, Schleusen u. s. w. verausgabt worden, mit dem einzigen Erfolge, daß die Erträgnisse der ägyptischen Landwirthschaft immer geringer wurden. Ob der vor Kurzem neu errichtete Staudamm bei Assuan den gehegten Erwartungen entsprechen wird, muß erst die Zukunft lehren. Jedenfalls hat aber die Geschichte aller dieser Arbeiten gezeigt, daß unsere moderne Technik nicht fähig ist, das ihr gestellte Problem voll und ganz zu lösen. Wie war eS nun bei den alten Aegyptern? Die Antwort hierauf giebt am besten der blühende Zustand, in dem sich das Land damals befand. Wenn wir aber nachforschen, mit welchen technischen Hilfsmitteln er aufrech erhalten wurde, so berichtet uns hierüber am besten der griechische Schriftsteller Herodot, der uns von dem größten Wasserreservoir, das die Welt je gesehen hat, dem Mörissee Altägyptens, erzählt. Dieser See, in welchem die Wasser des Nils während der Ueberschwemmungszeit aufgespeichert wurden, um dann nach Bedarf zur Bewässerung deS gesammten Aegyptens verwendet zu werden, war ganz und gar künstlich hergestellt. Sein Umfang betrug 75 Kilometer und die in ihm angesammelten Was-

lermassen bedeckten eine )oerriacye von 157 Quadratkilometern! Heute hat der Sand der üuuste die letzte Spur von iym zugedeckt und deshalb dürfte auch die Frage, mit welchen Hilfsmitteln die alten Aegypter dieses rößte aller jemals existirenden künst lichen Wasserreservoire schufen, aus ewig ungelöst bleiben. Was sollen wir des Weiteren zu der Wasserleitung sagen, die der König Salomo von Bethlehem nach Jerusa lern führte? Der griechische Ingenieur Franghia, der gegenwärtig damit beschäftigt ist, sie wieder in Stand zu setzen, nennt sie eine der größten techNischen Leistungen aller Zeiten, und er behauptet, daß ihr eine Theorie des Wasserdrucks zu Grunde liegt,' deren Kenntniß uns heute vollkommen verloren gegangen ist. Durch diese Wasserleitung, an der 150,000 Arbeiter arbeiteten, wurden nicht nur die Städte Jerusalem, Bethlehem und Hebron mit frischem Quellwasser ver sorgt, sondern auch weite Länderstre cken, ja , sogar Wälder bewässert. Franghia weist ganz besonders darauf hin, daß es heute nicht mehr möglich wäre, derartige riesige Wassermassen auf so weite Strecken fortzuschaffen. In der That war das Land, das diese Leitung bewässerte, einst ein fruchtba rer Garten, während es heute eine vertrocknete Wüste ist. Nicht minder setzen uns die Ueberreste in Erstaunen, die wir von der altindischen Eisenin dustrie vorfinden, und gegen die unsere heutige Eisenindustrie klein erscheinen muß. Eisenmassen, die wir nur mit Hilfe der größten Dampfhämmer und der stärksten Krahne zu formen und zu bewegen vermögen, haben die alten Jndier mit jedenfalls viel primitiveren Hilfsmitteln hergestellt. Die in der Nähe von Delhi gefundene Kutubsäule besteht aus einem einzigen Eisenstück von 6000 Kilogramm Gewicht und was das Merkwürdigste ist das Eisen, aus dem sie hergestellt ist, ist chemisch rein, d. h. es enthält nicht die geringste Spur einer Beimengung und es zeigt deshalb bis auf den heutigen Tag noch keine Spur von Rost. Mit unseren heutigen Hilfsmitteln vermögen wir derartiges Eisen im. Großen überhaupt nicht mehr zu gewinnen, und wenn wir uns fragen, wie die Säule selbst geformt wurde, so bleibt uns darauf sowohl unsere heutigTechnik, wie die Forschung die Antwort schuldig. Woraus bestand das griechische Feuer, jene furchtbare Waffe des Seekrieges der Alten, das unter dem Wasser brannte und die feindlichen Schiffe zerstörte? Auch das wissen wir nicht, und alle Versuche, dem Geheimniß auf die Spur zu kommen, sind bis heute vergeblich gewesen. Immer noch ist unser Glas zerbrechlich und erst etwa ein Jahrzehnt ist es her, seit man gelernt hat, sogenanntes Hartglas" herzustellen, eine Glassorte, die man auf den Boden werfen kann, ohne daß sie zerbricht. Derartige Gläser kannten aber schon die alten Römer, und der Schriftsteller Suetonius berichtet von einem Glasmacher zur Zeit des Kaisers Tiberius, der dem letzteren einen Glaspokal überreichte, welcher, trotzdem er nur von ganz geringer Glasstärke wa,?, .ncht zerbrach, wenn man ihn auf den Boden warf. Der Lohn des römischen Kaisers für die Vorführung dieser Erfindung bestand darin, daß er den glücklichen Erfinder hinrichten ließ, weil seine Erfindung die Goldschmiede schädigen könnte". Trotzdem aber wurde in der Folgezeit im alten Rom vielfach Hartglas hergestellt, wie man es aber gewann, das ist auch heute noch nicht ergründet, a. Ein ebenfalls unergründetes technisches Räthsel ist der Essig", mit dem Hannibal bei seinem Zug über die Alpen die hinderlichen Felsblöcke weggeätzt hat. 1 So berichten wenigstens die römischen Schriftsteller. Es wäre widersinnig, hierbei an unseren gewöhnlichen Essig zu denken, und wahrscheinlich besaß Hannibal irgend ein Sprengmittel, das in ähnlicher Weise Essig" genannt wurde, wie die Kanoniere des Mittelalters das Pulver Kraut" nannten. Woraus bestand aber dieser Essig? Auch dies wird wohl ein ewiges Geheimniß bleiben. So recht deutlich wird uns der Unterschied in Bezug auf das technische Können zwischen einst und jetzt, wenn wir die Gemälde der alten und die der modernen Meister betrachten. Unsere heutigen Farben behalten ihre Schönheit dreißig oder vierzig Jahre lang, manche nicht einmal so lange. So ist es z. B. eine bekannte Thatsache, daß auf vielen der einst so farbenprächtigen Gemälde Makart's heute wenig mehr zu erkennen ist. Dieser Miß stand hat dazu geführt, daß es einzelne Chemiker zu ihrer Lebensaufgabe gemacht haben, Methoden zur Herstellung dauerhafter Farben zu erfinden, ohne .daß sie bis heute so weit gekommen wären, wie die alten Meister. In welch' herrlichem Glänze zeigen sich uns hingegen die Werke dieser! Es ist gerade 10, als ob die Farben erst gestern aufgetragen worden wären, so frisch, so 'schön und so glänzend sind sie, so wenig haben sie von ihrer Ur sprllnglichkeit eingebüßt! Die Wandgemälde Pompeji's, die Decken alter Kirchen, die Werke eines Rafael, Michelangelo, Rubens, Dürer, sie alle machen den Eindruck, als ob die Meister eben erst den Pinsel aus der Hand gelegt hätten. Man vergleiche da-

mir, w:e vas, was 'yeuie gefcyassen wird, oft schon nach wenigen Jahren aussieht, und man wird zugeben müs sen, daß auf diesem Gebiet die Technik sicherlich sehr zurückgegangen ist. Aber auch auf anderen Gebieten ist das gleiche der Fall. Wir brauchen es ja schließlich nicht zu bedauern, daß man nicht mehr weiß, welch Gifte liebenswürdige Damen von einst, wie z. B. die Locusta oder die Messalina, so fleißig zur Anwendung brachten, sicherlich aber ist es sehr bedauerlich, daß man z. B. von deu, Kunstgriffen, die Geigenbauer wie Stradivari und Amati berühmt machien, gar nichts mehr weiß. Das Holz, der Lack und die Bauart ihrer Geigen sind so und so oft auf's Genaueste und Sorgfältigste untersucht worden, und trotzdem so oft man auch auf Grund dieser Untersuchungen Geigen herstellte , sie kommen weder in Bezug auf Aus sehen, noch in Bezug auf die Schönheit des Tones denen der berühmten alten Meister gleich. So ließe sich noch Vieles aufzählen, von dem jede Spur verloren gegangen ist, und das uns um so bewunderungswürdiger erscheinen muß, als wir bestimmt wissen, daß es mit einfachen Mitteln erreicht wurde, und daß wir es mit allen unseren komplizirten Hilfsmitteln der modernen Technik nie werden erreichen können. Haben wir also in Wahrheit Grund, allzu stolz zu sein? Billiges Studium.

Ueber die Kosten des Universitäts studiums in der guten alten Zeit macht Pfarrer D. Oergel in Erfurt in einer Abhandlung über Das Bursch enwesen der mittelalterlichen Universitäten, insbesondere Erfurts" einige interessante Mittheilungen. Erfurt stand im Rufe großer Wohlfeilheit als Universitätsstadt, und das bestätigen dann auch die noch vorliegenden eingehenden Rechnungen, z. B. für den Patriziersöhn Peter Junger aus Frankfurt a. M., der von 1451 bis 1452, sowie für Johann Henneberger aus Schleusingen, der von 1483 bis 1484 in Erfurt studirte. Beide, die augenscheinlich dem begüterten Mittelstande angehörten, wohnten und beköstigten sich in dem größeren Kolleg", einer sog. Burse, d. h. Studentenherberge; dort zahlte man 1451 für ein Semester 6 Neugroschen, 1483 6 Neugroschen an Miethe. Die Kost lieferte die Burse am gemeinsamen Tisch, und zwar zweimal täglich, Speise und Trank; dafür wurden wöchentlich, also für 14 Mahlzeiten, 1451 5 Neugroschen, 1482 gar nur 4 Neugroschen gerechnet. Natürlich kneipten die Herren Studiesen nicht selten Abends, und zwar in Wien, die Zeche betrug aber stets nur einige Pfennige, meist 3 oder 4; die höchste Zechrechnung, die sich findet, am Kirchweihsonntag, lautet auf , 7 Pfennige. Die Summe sämmtlicher Ausgaben für das ganze Jahr be trägt bei Peter Junge 26 Gulden. Johann Henneberger freilich konnte sich soviel nicht gestatten: ihm standen für die anderthalb Jahre, die er in Erfurt studirte, nur 24 Gulden zur Verfügung. Allerdings hat er damit nicht gänzlich auskommen können, sondern sein Mentor, der ' Magister Johann Reinhard aus Schmalkalden, der ihm auch die Rechnung führte, mußte ihm zuletzt noch 2 Gulden 12 Neugroschen 6 Pfennige vorstrecken; mit dieser Schuldenlast verließ der Schleusinger die Universität. Zweifellos haben ndere, ärmere noch viel billiger gelebt; andererseits gab es auch vornehmere Bursen", z. B. in der HimmelsPforte" (Porta Coeli), wo die Kost etwas theurer, dafür aber auch reichlicher war; es gab jedesmal zu Mittag und Abends drei Gänge. Ein Hausgenösse" dieser Burse hatte außer 4 Gulden Eintrittspreis 18 Gulden jährlich zu bezahlen, das macht wöchentlich 8 Groschen 3 Pfennige; dazu für einen etwaigen Diener 10 Gulden jährlich. Eine einzelne Mahlzeit wurde einschließlich Getränk mit zwei Groschen, in der Fastenzeit mit einem Groschen berechnet. Jedenfalls ist die Billigkeit auch angesichts der 'Anspruchslosigkeit jener Zeit und des höheren Münzwerthes erstaunlich. Ein zwingender Grund. Vom Admiral Jto wird aus der Zeit des chinesisch-japanischen Krieges, bei dem der Admiral sich bekanntlich große Verdienste erwarb, folgende Anekdote erzählt. Nach der Schlacht am Aalu erhielt er von einem seiner Untergebenen, dem er einen Urlaub bewilligt hatte, folgendes Telegramm: Unvorhergesehener Umstände halber werde ich nicht, wie erwartet, heute zum Dienst erscheinen." Dieser Ton war durchaus nicht nach Admiral Jtos Geschmack, und er telegraphirte sofort zurück: Entweder Grund angeben oder zum Dienst erscheinen." Nach einer Stunde kam aus einem Hospital in Jokosuka nachstehende Botschaft: Zug, ab, kann nicht sahren; Beine ab, kann nicht laufen. Werde nur kommen, wenn Sie darauf bestehen." Der Admiral betrachtete dies denn doch als zwingenden Grund und bestand nicht weiter darauf. Umgekehrt. Tippke: Na, nun ist ja wieder Frühling im Anzug !" Tappke: Ein guter Anzug im Frühling 'wäre mir lieber!"