Indiana Tribüne, Volume 27, Number 249, Indianapolis, Marion County, 10 June 1904 — Page 6

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Europäische Nachrichten

Schweiz. Bern. Die Regierung wählte zum Sekretär oer Wrreition des Innern an Stelle des verstorbenen Paul Iahn Fürsprecher Wittenbach. A l t d o r s. Hier starb, 65 Jahre alt, Dr. med. Stanislaus Krupske. Er spreite m seiner polmschen Heimath eine politische Rolle und war zweimal Gefangener in Sibirien. ' Basel. Die Burgvoqtechalle, Basels größterVersammlungssaal, ist um 560,000 Francs in den Besitz des Staates übergegangen. F r e x d u t a. Der Vorsteher der Hochschulbibliothek in Bern, Dr. Th. Längin, ist zum Bibliothekar an der Hos- und Landesblbttothe! m Karlsruhe ernannt worden. H e r r a u. Unter sehr zahlreicher Betheiligung von Seite der Bezirkseinwohner und Umgebung wurde die älteste Bewohnerin des Bezirks und vielleicht auch der Gemeinde zu Grabe geleitet. Frau Wittwe A. K. Preissig, welche das seltene hohe Alter von 92 Jahren und 2 Monaten erreichte. L u z e r n. Der in Hochdors ver haftete Raubmörder Hofstetter steht nun auch unter dem schweren Ver dachte, den Doppelmord an dem Ehepaar Lustenberger in Malters begangen zu haben. W a r t a u. Monteur Gauer von der hiesigen A. - G. Motor, welche in Männedorf eine Beleuchtungsanlage erstellt, wollte auf der Leebern eine Reparatur vornehmen und bestieg zu diesem Zwecke eine Lenungsstanae. Da der Leitunqs ström nicht ausgeschaltet war, ist anzunehmen, daß er einen ttimicycn C?cylaa ermett uno rücklings fiel. Er blieb an den Steigeisen und dem Ledcrgurt hängen und wurde in dieser Lage vom Zuaspersonal eines Personenzuges bemerkt, das dritt kai f3 4rit flsDt &.öt Titrr r rrt ftrtf ".r I W Vl. . v o ll den schon leblosen Verunglückten herI l--) III III I II I I Kir 'I I f II IIKI I III IKII unterzuholen. Alle Wiederbelebungsversuche eines rasch herbei gerufenen Arztes blieben erfolglos. Der Verunglückte ist ein 23jähriger lediger Arbeiter und war eine Stutze seiner Eltern. Zürich. Postkommis Walter Fues wurde vom hiesigen Obergericht wegen Unterschlagung von 40,000 Francs zu zwei Jahren Arbeitshaus und 3 Jahren Einstellung im Aktivbürgerrecht verurtheilt; strafmildernd fiel in Betracht die geistige Beschräntung des Angeklagten. Hesterreich'Ziingarn. Wien. Der Fleischhauergehilfe Georg Ebner, der in ents'tzlicher Weise das Ehepaar Swadosch und den Lehring Angerer hingeschlachtet und sich elbst durch einen Stich in die Brust chwer verletzt hatte, ist im Jnquisitenvital gestorben. In seiner Woh nung, Rathhausstraße 9, ist der Bauduektor und Prokurist der Umonbaugesellschaft, Baumeister und Civilingenieur Oberbaurath Franz Bock gestor ben. Der 18mhrige Agent Max Zatzkes hat sich in der Wohnung seiner Eltern m der großen Stadtgutgasse 7 erhängt. In Margarethen stürzte der 32jahnge Geruster Franz Kutschera, Wintergasse 19 wohnhaft, drei Stockwerke tief hmab und erlitt außer einer Nervenerschütterung mehrfache Rippenbrüche. Es fand in der Paulinerkirche im 4. Bezirk die goldene Hochzeit des Ehepaares Josef und Marie Bischof, das vor 50 Jahren in der Schottenfeloer Pfarrkirche getraut wurde, statt. In den Anlagen des Votivkirchenparks entleibte sich der 57iabnae Anton Kutsche! durch emen Revolverschuß. Wo er wohnte und weshalb er sich getodtet hat, ist unbekannt. Kornenburn. Der an der hiesiqen Schiffswerft beschäftigt gewesene Tischlergeselle Joses Marik stürzte, als er sich mittelst eines Kahnes vom Schiffe,auf welchem er beschäftigt war. an das Ufer begeben wollte, m73 Waf ser und ertrank. Lemberg. Um Mitternacht tu in Buczacz (Galizien) Feuer ausgebrachen. Innerhalb weniger Stunden waren unaefabr 200 Sauser m den beiden Vororten von Buczacz eingeäschert. Nieder - R o ch l i tz. Infolge einer Explosion flog der Kessel der mechanischen Vaumwollweberei und Schlichterei I. W. Rieger in die Luft. Das Kesselhaus wurde vollständig oe molirt und einzelne Fabrikstyeile tit schädigt. Pilsen. Bergmann Wnzel Bo 5ac wurde auf dem Wege von Skur nian nach Grünhof von einem unbekannten Manne angefallen und ohne iealiche Ursache durch Messerstiche in den Rücken schwer verwundet. S z a r m a r. In Kata - Szent Marion starb die älteste ffrau des bie sigenKomitats und wahrscheinlich auch des Landes. Sie hatte drei Ehen ge schlössen und vielen Kindern das -Le ben geschenkt. Der jüngste Großenkel der 130jährigen zählt selbst ein halbes ?!abrbund:rt und ist Dorsrichter m Kata-Szent-Marton. Temesvar. Der Einjährig Freiwillige des Jnfanterie-Megiments No. 101, Julius Ruda, abfolvirter Lehramtscandidat. Sohn Budapester Eltern, entleibte sich im Saale der Ferdinand - Kaserne. T e.t s ch e n. In der Nähe von Loödorf wurde der herumreisende Franz John aus Türmiö von dem

Vaganten Wenzel Bin aus Trebentin (Bezirk Ledetsch) erstochen. Z u a i m. Hier verschied nach längerem Leiden der um den Aufschwung der Stadt Zuaim hochverdiente Altbürgermeister Johann Brantner im 78. Lebensjahre. Luremvurg. Luxemburg. Herr E. Derulle ist von der nordamerikanischen Regierung zum Konsul der Ver. Staaten in Luxemburg ernannt worden. A r s d o r f. Unter den Opfern des Herero Aufstandes in DeutschSüdwestafrika befindet sich auch ein Luxemburger, Josef Loutsch, Angestellter der Kolonialgesellschaft, geboren in Arsdorf. Remich. Unser Städtchen hatte kürzlich einen Festtag. EZ galt nämlich, dem neuernannten Bürgermeister Lacroix zu seinem Amtsantritt die Glückwünsche der Einwohnerschaft zu entbieten. Roodt. In der Nacht entstand eine Feuersbrunst in dem Herrn Klein gehörenden Sägewerk (Maschinenhaus). Mehrere Theile der Maschinen wurden stark beschädigt. Der Schaden, der nur theilweise durch Versicherung gedeckt ist, beträgt 40,000 Francs. ' Gut gemeint. Schauspielerin: Herr Direktor, ich muß Sie um meine Entlassung bitten, da ich mich nächstens mit einem Fürsten vermählen werde. Direktor: Aber, mein liebes Fräulein, wozu bedarf es eines Abschieds: einige Monate Urlaub werden es auch thun! Fragwürdiger B e-

scheid. Kanzlist: Herr Rath, ich bitte gehorsamst um eine außerordenttche Gratifikation ich habe dem Doktor gestern 80 Mark und dem Apotheker 30 Mark bezahlen müssen! Rath: Ja, mein Lieber, da leben Sie eben über 5bre Verhältnisse. Glück i m U n g l ü ck. Vater: Du bist also im Examen durchgefal-' len; Dem Schwester hat es bestanden." Sohn: Du hast aber Glück. Papa! Wie leicht hätten wir alle zwei durchsallen können. Ursache und Wirkung. Fremder: Früher, wenn ich hier einmal einkehrte, waren immer alle Tiche besetzt. Einheimischer: Ja, tU dem die Blechmusik hier concertirt, sind die Gäste wie weggeblasen! Fest. Richter: Achtundzwanzig Jahre wollen Sie alt sein? Angetagte: Jawohl, Herr Amtsrichter. Richter: Dasselbe Alter haben Sie schon vor drei Jahren an dieser Stelle hier angegeben. Angeklagte: Ich iage eben vor Gericht nicht heute so und morgen so aus. Leichte Beschastlgung. Wenn Du ohne Verdienst bist, will ich Dir gern leichte Beschäftigung zuweisen, wo Du sogar viel Geld verdienst." So? Was ist das denn?" - O, Du brauchst nur emem Löwen taglich zweimal Deinen Kopf vx den ovawen zu stecken. Egoistische Beg-etste-r u n a. evner: Ja, meine erren. wenn das so weiter geht, lohnt es sich gar nicht mehr, daß unsere Landwirthe sich noch mit dem .Obstbau abgeben. Unsere Obsternfuhr muß daher oe schränkt werden " Schauspieler (be geistert klatschend): Bravo! Bravo !" Aus einer Vertheidi gungsrede. . . .Zum Mindesten mochte ich die hohen Herren bitten, den Einbruch meines Klienten mindernd beurtheilen zu wollen. Er ist ein Opfer seines bösen Weibes. S hat ihm nie einen Hausschlüssel gegeben, und da hat er sich halt den verfuhren Dietrich angeschafft." Immer C o m p o n i st. Aber lieber Richard, schmeckst Du immer noch Nicht heraus, was ich Dir heute gekocht habe? Mit Sicherheit noch nicht aber . das Leitmotiv scheint Eierkuchen gewesen zu sem. In Neapel. Der Vesuv raucht heute aber ganz ausnahmsweise stark. Das glaube ich schon, es soll ja heute Vormittag ein Cigarren Reisender sammt seinem Musterkoffer in den Schlund gestürzt sein. Guter Grund. Ich möchte nur wissen, sagte Frau Schnatter. warum unser Papagei nicht mehr spricht? Er würd' es ja thun, gab ihr Mann draus zur Antwort, aber du laßt ihn wohl auch mcht zu Worte kommen. Starke V e r t r ö st u n g. Studiosus (zu seinem Schneider, der ihm die Rechnung präsentirte): Wissen Sie was. kommen Sie in vier Wochen ich werde -Ihnen dann sa

gen, wann Sie wieder kommen ton nen!" - j . . .

Der FNagucn.

Die Universelpflanze Mexikos und ihre Ber Wendung Eintragltche Industrie. Neben Körnerfrucht kommen in Mexiko die Hülsenfrüchte bei der Bebauung des Bodens in Betracht, und vor allem die einheimische Universalpflanze der Maguey." Das ist eme Agave-Art mit 6 Fuß langen, picken, fleischigen, stachelbewaffneten Blattern, die überall wächst, wo trockenes, sandiges Land ist. Man kann drei Varietäten unterscheiden, die eigentlich nur durch das Verhältniß der saftigen Pulpa zu dem faserigen Gewebe verschieden sind. Sind die Blätter sozusagen Reservoirs von Saft, dann preßt man sie aus. laßt gähren, klärt und erhält dann den Vulque ern schleimiges, dem Apfel wein etwas ähnliches Gebräu, das stark alkoholisch ist, leicht berauscht und nach Limburger Käse riecht. Doch gewöhnt man sich leicht an das Getränk, das als mexikanischer Wem aus bedenklich großen Humpen geschöpft wird und mindestens drei Viertel aller Brände erzeugt, die das Jahr uoer dort d:c Köpfe verwirren. Wenn das Herz des Maguey. aus dem die Pencas" (Blätter) sprießen, besonders saftreich ist, so wird es abgechmtten m einem von außen mit diaer Erdschicht bedeckten und stark erhitzten Backofen geröstet, der oft riesengroß ist. Dann werden die braunen, länglichen etwa 1 bis ein Fuß langen Zapfen zerkleinert, gestampft und in beliebigen Trögen mit Wasser vermengt. Es tritt Währung ein; schließlich wird destillirt. Dadurch wird ein ziemlich scharfer Branntwein dargestellt der Mezcal oder Tequila." " Letzterer ist nicht reines Destillationsprodukt, sondern wird dadurch erhalten, daß man Mezcal auf 1 m Vi yf. I Ts. Beeren ooer Mucyie aozieyi. er reine Schnaps ist ein rauhes etwas fuseliges Elixir, das von den Einheimischen trotzdem mit nationaler Begeisterung getrunken wird. Auch der Pulque wird verändert durch Beimengung von Fruchtsäften, besonders aus den Kaktusfrüchten (Tuna, Piwya), und wird dann 'auch Nautle" genannt. Wie Steuer auf Pulque hat in der Stadt Mexiko (400.000 Einwohner) für die Monate März und April 1903 den Ertrag von 150.923 mexikanische Dollars gebracht ($64,142)! Daraus kann man auf den Verbrauch schließen. Daher stammen auch die unendlichen, meilenlangen Felder, auf denen in Reihen der Maguey (Agave mexicana") gepflanzt wird, der auch häufig als Saum die Maisfelder umgibt. Die Bereitung des Pulque und Mezcal ist ohne Zweifel eine Industrie erster mat tin Lande. Unerwartete Antwort. In einer Mädchenschule einer größeren deutschen Stadt war unlängst der Schulrath zu einer Inspektion eingetroffen. Er verlangte, die Lehrerin solle das Sprichwort: Man soll den Teufel mcht an die Wand malen! ent wickeln, d. h. aus den Kindern herausholen, so daß diese es von selbst sänden. Als diese Absicht trotz alles Fragens und Hinleitens nicht erreicht wurde, meinte der Herr Schulrath Wissen Sie was, Fräulein, malen Sie doch einmal einen Teufel an die Wandtofel; vielleicht finden dann die Kinder, was wir wollen!" Die Lehrerm ver sucht es, aber alle Versuche mißlingen kläglich, da sie in dieser Art von Malerei durchaus keine (srfahruna bat. Da greift der Schulräth selbst zur Kreide, und unter seinen Händen entsteht zwar kein Kunstwerk, aber doch ein deutlich zu erkennender Teufel mit Hornern. Schwanz, Pferdefuß und em Paar er schrecklichen Augen. Nun, Kinder. was habe ich Euch da an die Wand gemalt ?" Einen Teufel !" Richtig ! Welches recht bekannte Sprichwort habe ich Euch damit vor Augen führen wollen?" Lange Pause. Endlich meldet sich ein Kind und stellt triumphirend das gesuchte Sprichwort fest: Unnütz Hände beschmieren Tisch und Wände!" Der Herr Revisor wandte sich sehr betreten ab und nahm sich vor, den Teufe! nicht wieder an. die Wand zu malen. Türkische Vantoffelhclden. Man sollte kaum glauben, dsß bei den eigenartigen ehelichen '-lleryaunien im Orient auch dort das Pantofielregi ment eine Stätte finden könnte. Und dock kommt auch dieses vor. und zwa ganz wie bei uns aus übergroßer Liebe oder Furcht. Zuweilen liegt evocy noch ein anderer Grund vor. Es verheirathen nicht selten orientalische Für iten die Prinzessinnen ibres Sauses mi den Großen des Reiches, die iedoch neben dieser Frau keine zweite haben dürfen. Solche Frauen sind natürlich ihren Mannern in ihrer gesellschaftlichen Stelluna sebr überleaen und lassen sie wofern sie herrschsüchtig sind diese Ueberleaenbeit summ. Es fin det dann eine völlige Umkehrung der sonstigen Familienverhältnisse statt: der Mann, welcher sonst wie ein Tyrann in Haus und Familie herrscht, ist der Sklave seiner ??rau'und empfängt von ihr durch ihren Eunuchen Befehle. Diese Verhaltnisse sind allerdinas selten, aber auch in schlicht bürgerlichen Ehen führt oft die Frau das Szepter und weiß den widerspenstigen Eheherrn unter ihr sanftes Jocy zu zwingen. Der Sternfisch besitzt dr Fähigkeit, seine Korperfarbe der Um oebunq entsprechend zu verändern. Es ist diesein Beispiel des sogenannten Mrmicry bei einem etwas hoher orga nisirten Thiere.

Jweiselhafte Identität. Ein äußerst krauser Fall von zwei felhafter Identität entwickelte sich in diesen Tagen vor dem Polizeigerichte in Liverpool. Vor den Schranken erschien ein Mann, der den Namen John Gehan angab, unter der Anklage der Fälschung einer Quittung der Postfparkasse. Dabei wurde nun nächstehender Thatbestand dargelegt. Jm Dezember 1900 wurde John Gehan, der im Regiment King's Own Lancaster diente, fahnenflüchtig und verschwand mit dem Postsparkassenbuche eines Gefreiten seiner Kompagnie. Tags darauf wurde in Liverpool aus

dem Sparkassenbuche Geld erhoben, aber Gehan wurde nicht wiedergesehen, bis vor einigen Wochen sich ein Mann unter dem Namen John Gehan in Newcastle als Deserteur den BeHorden stellte. . Diese schlugen die Bücher auf, und da es sich herausstellte, daß. wohl durch einen zunächst unerklärten Schreibfehler, der Deserteur Gehan als Grey eingetragen war, so wurde der angebliche Gehan, weil er durch die Behauptung, er sei Deserteur,, die BeKorden zu tauschen gesucht, zu vierzehntägiger Haft verurtheilt. Jnzwichen stellte sich nachträglich aber doch unzweifelhaft heraus, daß es einen Deserteur Namens Gehan gegeben habe. So wurde denn schleunigst mit dem Minister des Innern, der das königliche Begnadigungsrecht in seiner Hut hat, Rath gepflogen und die Folge war, daß der Verurtheilte wegen Täuschung der Behörden und fälschlicher Angabe, er sei Deserteur, begnadigt und zum andern Male als wirklicher Deserteur in Gewahrsam genommen wurde. Mittlerweile war aber auch das Postamt aufmerksam geworden, hatte sich des verschwundenen Sparkassenbuches erinnert und strengte gegen John Gehan zunächst die Klage wegen Fälschung der oben erwähnten Quittung an. Dabei stieß man aber auf neue Schwierigkeiten. Denn verschieden? unanfechtbare Zeugen, der Feldwebel des mit dem Postsparkassenbuch verschwundenen Deserteurs und des letztern eigene Frau, beschworen mit der größten Bestimmtheit, der Angeklagte sei nicht der Deserteur John Gehan. Der Feldwebel erklärte. er habe auf den ersten Blick ihn für Gehan angesehen, mit dessen allgemei ner Erscheinung und Beschreibung der Angeklagte auch übereinstimme, habe sich aber spater überzeugen müssen, daß dieser em anderer Mann sei. Em Gefangnlßwartcr wollte den Angeklagten als einen gewissen John Kafferty erkennen, .den er zwei Jahre in seiner Obhut gehabt habe, und äußerte die Vermuthung, der Mann Wunsche als Kafferty zu verschwinden und eme neue Identität als John Gehan herzustellen. Ob diese Ansicht zutrefend ist, blieb unentschieden. Jedenfalls mußte das Postamt seine Klage zurückziehen. Wegen falschlicher Behauptung der Desertion war der Mann begna digt, als echter Deserteur war ihm nichts anzuhaben. Der Richter setzte hn auf freien Fuß und meinte, der Mann müsse nachgerade selbst im Unklaren darüber sein, wer er eigentlich sei. Der Freigelassene schrieb sich ruhig wieder als John Gehan ern und ging unbehelligt ferner Wege. Japanische Sozialdemolraten. Die japanisch-sogialiftische ArbeiterPartei hat anläßlich des Krieges einen Aufruf an die russischen Sozialisten gerichtet, rn dem sie diese ihrer großten Sympathien versichert und in der Bekämpfung des Militarismus eme gemeinsame Aufgabe zu erblicken vorgiebt. Jetzt sei die beste Gelegenheit gegeben, um gegen den Ättlitarismus und Patriotismus zu fechten und dafür zu wirken, daß der Krieg möglichst bald beendet werde. Wenn sich somit die japanischen Sozialisten in Bezug auf Heer und Vaterland dem Standpunkte der russischen Revolutionäre stark nähern, so rücken sie doch in der Frage der Mittel ganz erheblich und in ineressanter Weise von ihnen ab, und man darf wohl sagen, daß die er Theil ihres Glaubensbekenntnisses zivilisirter und menschlicher ist, als die Taktik, zu der sich die russischen Revolutionäre bekannten und. wie aus neuen Verbrechen hervorgeht, noch bekennen. Wir sind", so heißt es in dem Aufrufe, weder Nihilisten noch Terroristen, sondern Sozialdemokraten und kämpfn stets für den Frieden. Wir verwerfen durchaus militärische Gewalt in unserm Kampfe; wir kämpfen auf friedlichem Wege mit Hülfe der Vernunft und Belehrung. Es mag sehr schwer für euch sein, auf diese Art zu fechten und in Rußland auf friedlichem Wege eine Revolution herbeizuführen, wo es keine Verfassung giebt undfolglich die Versuchung nahe liegt, die Regierung durch Gewalt zu stürzen. Aber wir alle, die wir für Menschlichkeit fechten, müssen dessen eingedenk sein, daß der Zweck nicht die Mittel heiligt." Gegenüber den wieder, holten Meldungen überfeinen geplan' ten Gegenbesuch des Kaisers Franz Joseph bei König Eduard wird in Wien versichert, daß ein solcher Ge genbesuch niemals beabsichtigt war, weil man dem alten Kaiser nicht die großen Strapazen und die Seereise zumuthen kann. Der Neid-glaubt immer, zu ver lieren. was andere gewinnen. -

Beruiiznte Bctagcrnngcn. Da die Welt jetzt nach der Einschlie-

ßung Port Arthurs durch die Japaner das Schauspiel einer großen Belagerung erleben wird, so ist es interessant, an ähnliche Belagerungen zu erinnern, die in der Geschichte eine Rolle gespielt haben. In der. Kurze der Belagerungszeit steht Alexandria obenan, in dem alle Kanonen innerhalb zehn Stunden durch die englische Flotte unter General Seymour zum Schweigen gebracht wurden. Aber in diesen wenigen Stunden ergoß sich eine furchtbare Fluth von Bomben und Granaten über die Stadt. Nicht weniger als 10,000 Geschosse wurden gegen die Forts von Alexandria gefeuert, und manche von ihnen waren Ungeheuer von 771 Kilogramm, die aus Kanonen von 81 Tonnen abgefchossen wurden. Seltsam genug richtete gerade dieser mörderische Hagel von Eisen wenig Schaden bei den Befestigungen an, da die Mehrzahl der Granaten sich in den Sand der Brustwehren eingrub, die zum Schutze Ider Batterien errichtet waren. Aber die Verheerung, die die umherfliegenden Granatsplitter unter den AnHangern Arabi Paschas anrichteten. war so fürchterlich, daß die Foris schleunigst geräumt wurden. Sebaitopol, das mit seinen starken, massiven Kalksteinforts, die mit Granit verkleidet waren, von 700 Kanonen, darunter viel von schwerem Kaliber, vertheidigt wurde, hielt sich gegen die vereinten Heere der Franzosen und Engländer 327 Tage lang; als aber schließlich der Platz geräumt wurde, fand man, daß die Stadt in Trümmern lag; um das Zerstörungswerk zu vollenden, wurden diejenigen Docks und Forts, die noch erhalten waren, von den Ingenieuren der verbündeten Mächte in die Luft gesprengt. Die deutsche Armee belagerte bekanntlich Paris 132 Tage lang. Wahrend des Januars 1871 wurden nicht weniger als 10.000 Granaten jeden Tag auf die Stadt geschleudert. An einem einzigen Tage, dem 3. Januar, schössen die Deutschen 25,000 Geschosse auf Paris ab. im Wertbe von 1.200.000 Mark. Während der Belagerung kamen 40,000 Einwohner durchKrankheit und Hunger um. 94 Tage lang bot Plewna der russischen Armee Trotz, obgleich seine Vertheidiger hoffnungslos in der Minderzahl waren; am 10. Dezember, . als das letzte Roggenkorn verzehrt war, machten die unbeugsamen Türken einen Ausfall und versuchten sich durch die russischen Legionen durchzuschlagen. Osman Pascha befehligte selbst den tapferen Rest seines Heeres. Drei Laufgräben wurden durchbrochen, aber die Hindernisse waren zu groß. Erst als der tapfere Führer von der Uebermacht umzingelt war, als seine Leute von Kanonenkugeln und Granaten niedergemäht waren, erlaubte er, daß die weiße Fahne von dem Dache der Hütte iherabflatterte. neben der er schwer verletzt im Todeskampfe lag. Ehartum widerstand dem Mahdi und seinen Heeren 341 Tage lang unter der tapferen Führung Gordons, und in Kars hielt General Williams mit 16.000 Mann, mit Vorräthen für drei Monate und Munition für drei Tage ein einschließendes Heer von 60.000 Mann vom Juni bis November ab. General Williams," schrieb der russische General Murawiew seinem tapferen Feind, Sie haben sich einen Namen in der Geschichte gemacht, und die Nachwelt wird die Ausdauer, den Muth und die Disziplin bewundern, welche bei d 'ser Belagerung von den Resten der Armee entfaltet wurden. Wir wollen eine Kapitulation zustand: bringen, die den Anforderungen des Krieges genügt, ohne die Menschlichkeit zu verletzen." Gibraltar hielt sich 874 Tage lang gegen die Angriffe von Spanien und Frankreich, obgleich 6000 Granaten täglich gegen die Feste geschleudert wurden, trot der vereinigten Angriffe von 46 Linimschiffen, einer zahllosen Flotte von Kanonen- und Mörserbooten und schwimmenden Batterien, deren Bau 10,000.000 Mark gekostet hatte. Richmond in Virginien wurde von General Lee ein Jahr hindurch vertheidigt; Lucknow hielt 84 Tage aus. als General Havelock zu seiner Entsetzung kam. Mafeking hielt sich 7 Monate. Kimberley 123 Tage. Ladysmith 118, Potchefstroom 94. Metz 72 und Gaeta 77. Eine genauere Parallele zur Belagerung Port Arthurs ist das Bombardement von Santiago während des letzten spanisch - amerikanischen Krieges. Die Kriegsschiffe der Vereinigten Staaten Texas". Indiana" und Vrooklyn" eröffneten aus einer Entfernung von sechs englischen Meilen ein Feuer auf die Stadt und überschütteten sie drei Stunden lang mit Granaten, mit so furchtbarer Wirkung, daß, trotzdem die Kanoniere ihr Ziel nicht einmal fehen konnten, 67 Gebäude zertrümmert und in Brand gesteckt wurden; einige Stunden Geschützftuer mehr hätten' jedenfalls den ganzen Ort in Trümmer gelegt. Aus den Metallre st ender Glocken der abgebrannten Kirche von Alesund werden in Bergen in altnor dischem Stil gehaltene Erinnerungs gegenstände hergestellt, die dem deut schen Kaiser überreicht werden sollen. Auch für den Flügeladjutanten Iregattenkapitän v. Grumme und dessen Gemahlin, die im Auftrage des Kai sers in Aalesund anwesend waren werden solche Gegenstände anaefertigt.

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