Indiana Tribüne, Volume 27, Number 249, Indianapolis, Marion County, 10 June 1904 — Page 4
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Jndiana Tribüne, 10. Juni 19
Jndiana Tribüne. Herausgegeben von der utebg ff. Indianapolis, Ind. Harry O. Thudium .... Präsident. Geschaftölocal: No, 31 Süd Delaware Straße TELEPHONE 269 Kntered at the Post Office of Indianapolis as second dass matter.
Wahlen vor der Prästventcnwahl. (Chicago bendpost.) Bei der Wahl in Oregon haben die Holländer Holland gewonnen. Das heißt, es hat in einem republikanischen Staate die republikanische Partei einen Sieg errungen. Darüber ist an und für sich nicht viel zu sagen. Immerhin ist, in Hinficht auf die kommende Prä fidentenwahl, die Größe der republikaNischen Mehrheit bemerkenswerth. Ist diese Wahl als einer der Strohhalme zu betrachten, . welche die politische Windrichtung anzeigen, so ist der Herrschende Wind ein entschieden republi konischer Wind. Die Mehrheit zu Gunsten des republikanischen Staatswahlzettels soll sich auf nahe 20,000 Stimmen belaufen. Vor zwei Iahren hatte sie 15,761 betragen und vor vier Jahren, vor dem großen McKinley. Siege, nur 10,637. McKinley selbst hat in jenem Jahre in dem Staate eine Mehrheit von nicht mehr als 13,141 Stimmen erlangt. In den beiden Congreßbezirken des Staates ibelaufen sich die republikanischen Mehrheiten insgesammt diesmals auf ungefähr 17,000, gegen nur 12,393 in dem vo rigen Präfidenten-Wahljahre. Und wenn diese Vergrößerung der republikanischen Mehrheit nicht berechtigt, daraus auf eine ähnliche Stimmung oder Strömung im ganzen Lande zu schließen, so mag sie immerhin als kennzeichnend für die Lage in den fernwestliehen Staaten gelten, wo ja die schneidige" Persönlichkeit des Rauh-reiter-Präfidenten sich besondere Beliebtbeit erfreuen soll, auch die republikanische Ausdehnungspolitik von Anfang an den lebhaftesten Anklang gefunden hat. Andere Staaten, die. noch vor der Präsidentenwahl ihre Staatswahlen halten, sind Arkansas, Maine, Vermont und Georgia. Die drei ersteren wählen im September, während Georgia der einzige noch übrige OktoberStaat" ist. Die alten wichtigen Oktoberftaaten, Pennsylvanien, Ohio und Jndiana haben bekanntlich schon längst auch ihre Staatswahlen auf den Tag der großen Nationalwahl verlegt, und haben damit sich selbst und dem ganzen Lande einen Dienst erwiesen. So lange sie die Staatswahlen im Oktober, ' nur vier Wochen vor der Präsidentenwahl hielten, bildeten sie die heißumstrittensten Kampfplätze in jedem Präfidentschafts-Wahlfeldzuge, und zugleich den Schauplatz der frechsten und schamlosesten Wahlkorruption. Gewinn oder Verlust in diesen Borgefechten wurden als . entscheidend für Sieg oder Niederlage in der folgenden Hauptschlacht betrachtet. Die in den Oktoberwahlen sieghafte Partei war ermuthigt und zu erneuten Anstrengungen angespornt, während der anderen sich Niedergeschlagenheit und Entmuthigung bemächtigte. Die erstere erhielt den Zulauf aller Fenzhocker und unsicheren Kantonisten, denen es darum zu thun ist. sich auf der Seite der Sieger zu befinden. Des Sieges in diesen Staaten' sich zu versichern, wurden darum von jeder Partei alle Kräfte angespannt. Hier wurde am meisten Geld ausgegeben, hier die Kunst des Stimmenkaufes zur höchsten Vollendung entwickelt. Freigebiger als irgendwo sonst, streute hier die Administration" behufs Beeinflussung des Wahlergebnisses ihre Aemtergaben und sonstige Gnadenspenden aus. Pensionen zum Beispiel. Wo andere Pensionsansucher warten mußten' oder wegen nicht genügenden . Berechtigungsnachweises warten muß'tat, war der Mann aus Ohio oder Indiana stets der wohlwollendsten und raschesten Berücksichtigung sicher. Es ist kein Zufall und ist, zum großen Theile wenigstens, auf Rechnung der October-Wahlen zu fetzen, daß in jedem dieser beiden Staaten mehr Pensionsgelder vertheilt werden, als beispielsweise in Illinois zur Vertheilu'ng gelangen, trotzdem Illinois eine viel größere Einwohnerzahl hat. Jndiana mit (rund) 2,500,000 Einwohnern hat im verflossenen Jahre mehr als zehn
Millionen Dollars an Pensionen erhalten, Ohio mit 4.150.000 Einwohnern erhielt mehr als $15, 000, 000; Illinois mit 4,820,000 Einwohnern hat nur $9,760,000 erhalten. Weder um die jetzigen Septemberstauten noch um den noch übrigen Oktoberstaat verlohnt eö sich, ähnliche Anstrengungen zu machen. Keiner dieser vier Staaten hat den Vorzug, politisch als zweifelhaft zu gelten. Maine und Vermont find ebenso bombenfest repubManisch, wie Arkansas und Georgia unerschütterlich demokratisch find. Wo der Ausgang von vornherein gewiß ist, ist es unnütze Mühe, ihn zu ändern zu suchen. Der alte Spruch: Wie Maine geht, so geht die Union" stammt noch aus der Zeit vor dem Bürgerkriege und hat längst seine Bedeutung verloren. Man mag in Maine wie in Vermont aus einer Zunahme oder Abnahme der republikanischen Mehrheiten auf eine entsprechende Stimmung in anderen Staaten schließen, weil in diesen beiden Staaten die Demokraten, trotz irer hoffnungslosen Minderheit doch immer noch einen ernsthaften Wahlkampf führen, wobei natürlich auch die das ganze Land erfüllenden Jssues" zur Geltung gelangen. Aber es läßt sich dem Wahlausgang keine entscheidende Bedeutung zuschreiben. Vollends bedeutungslos find die Wahlen in Georgia und Arkansas, wo die demokratische Utbermacht die republikanischen Minderheiten einfach erdrückt und jederzeit jede verlangte Mehrheit von der Herrschenken Partei herausgebracht" werden kann. Es giebt keine Leithammelstaaten mehr. Es giebt keine vor der Präsidentenwahl stattfindende Staatswahl mehr, die als entscheidend für die Präfidentenwahl gelten könnte. Soweit die letztere überhaupt zweifelhaft ist, wird sie es bleiben, bis am Abend des 8. November die Stimmen gezählt sein werden.
Der Jrauen.Congrek für allgemeine? Stimmrecht, der diese Woche in Berlin tagte, zeigt von neuem die Aus fichtslostgkeit der bürgerlichen FrauenBewegung, soweit sie sich wenigstens auf das politische Gebiet erstreckt. Daß an sich genommen die Versagung des Stimmrechts bei gleichzeitiger Hineinziehung zu den Steuerlasten Tyrannei oder Mißbrauch der Macht" bedeutet, kann Niemand beftreiten; aber ungleich schwerere Ungerechtigkeiten als diese sind unvermeidliche Begleit-Er-scheinungen der heutigen GesellschaftsOrdnung. Die Frag? kann daher nicht vom Rechtsftandpunkt aus betrachtet werden, sondern es handelt sich einfach darum, ob die Verleihung des Stimmrechts an die Frauen sich als eine empfehlenswerthe Maßregel empfiehlt. Hingegen spricht jedoch sowohl die Erfahrung als die Art des politischen Treibens der Gegenwart, das sicherlich auf die daran bctheiligten Frauen nur einen unheilvollen Einfluß ausüben kann. Die Erfahrung hat ergeben, daß entweder die Betheiligung des weiblichen Geschlechts an den Wahlen sehr schwach ist oder, wie in un serem eigenen Lande, daß die Corruption noch schärfer hervortrat als bei Wahlen mit nur männlichen Stimmgebern. Auch in Australien sielen die Versuche nicht ermuthigend aus und man kann daher zwar zugeben, daß der Frau vielleicht in ferneren Zeiten auch eine politische Rolle beschicken ist, wird aber ihr Eintreten in der Arena der Gegenwart mit ihrer verpesteten jLust als unklug und gefährlich bezeichnen müssen. Wer ift der Glückliche? Die Medaille, welche vom Commercial Club den Zöglingen des 6., 7. und 8. Grades der Indianapolis Schulen für den besten Aufsatz über das Thema In welcher Weise kann Jndianapolis zu einer besseren Stadt gemacht werden", offerirt worden ist, wird morgen Nachmittag um 2 Uhr in der Benjamin Harrison Schule ver geben werden. Das Preisrichter'Colle gium besteht aus John B. Elam, Meredith Nicholson und Prof. W. D. Howe vom Butler College. Ansprachen werden van Mayor Holtzman, Charles W. Moores, Wm. Fortune, Prof. Howe und John W. Kern gehalten. DaS Publicum im Allgemeinen wird nicht zugelassen, da gewünscht wird, daß soviel Kinder als möglich der Feier beiwohnen sollen. Die beste 5 Cent Cigarre in der Stadt, Mucho's Longfellow".
Kleine Stadtnachrichten Die Philippinen-Commissäre werden hier erst am 13. Juli ihr Erscheinen machen; sie werden drei Tage hier derweilen. Ander Roosevelt Ave. und 17. Str. veranstaltet in dieser Woche der Tisch-i-mingo-Stamm der Rothmänner einen Carneval. Die Schlußfeier des But ler College findet am 23. Juni statt. Am 19., 21. und 22. Juni werden die Terminprüfungen abgehalten. '
Angehende Admiräle. Am Montag wurde hier im Grand Opern House Cebäude eine Marine Recrutirungs-Office eröffnet. Von den 55 Applikanten sind bis jetzt folgende angenommen worden: Charles F. Pierce, Stewart Place; Hiram P. Cox, Greenwood; Harry M. Lindsy, 455 Jndiana Avenue; Otto Dietz, Bakemeyer Addition; Erick O. Tauer, 525 Patterson Street; Henry Buroker, Greentown; Jefferson Baker, Paris, Ky.;Ernest P. Dixon, Hope; Harry E. Kendall, Shelbyville. Die Office wird noch 10 Tage lang offen sein. Der Wefiseite-Abzugs-Canal. Heute wollte die Behörde für öffentliche Werke die Argumente für und gegen den Bau des projectirten Westfeite Abzugscanals hören. Die West Jndianapoliser werden aber wahrscheinlich um einen Aufschub in der Angelegenheit nachsuchen. Bahnbau mit Hochdruck. I e f f e r s o n v i l l e, 9. Juni. Der Bahnbau wurde hier mit Hoch druck betrieben, und es hatte einmal den Anschein, als ob es zu Reibereien zwischen den Arbeitern der konkurrirenden Linien kommen werde. Am Abend war aber Alles wieder ruhig. : Ohne alle vorherigenAnzeichen schaffte die Jeffersonviller Straßenbahngesell, schaft, welche Capt. Howards Maulesellinie in eine electrische verwandelt, eine Anzahl Leute und Material von Clarksville an die Pearl Straße' in Jeffersonville, und bald lag, ein Geleise nördlich dessen der Jnterurban-L.inie an Front Straße. Dann wurde Eisen am Ufer hingelegt und erklärt, die Bahn werde einen halben Block nehmen, um den Weg zum Fährboot zu erreichen. Natürlich bildete das eine Ueberrumpelung für die Jnterurban, und diese bestellte aus New Aldany einen Arbeitszug und alsbald wurde mit der Arbeit zwischen den neuen Geleisen der Concurrentin und den von der Jnterurban gelegten begonnen. Beide Parteien schafften emsig, aber ohne ein Wort zu wechseln, und am Abend lagen anstatt eines Geleises am Morgen deren drei. ExBankcassirer verhaftet. L a f a y et t e, 9. Juni. Thos. I. , McCoy, ehemaliger Casfirer der verkrachten McCoy Bank in Renßelaer, würde hier gestern unter der Anklage, Gelder der Bank unterschlagen zu ha den, verhaftet. Er wurde auf eigene Bürgschaft hin in Freiheit gesetzt. Die Verhaftung war auf Veranlassung des W. H. Eger geschehen, welcher bei dem Zusammenbruch der Bank $8000 einbüßte. , , t&" Raucht die Tish I Mingo. Falsche Adresse. . . .Ich werde die Wohnung bei Ihnen nehmen, Herr Förster nur noch eine Frage: Sie haben doch gutes Quellwasser?" Du. List, wie ist denn 's Wasser bei uns?" ' Der Zeitungsmann. Woher weißt Du es schon, daß mein Baby bereits Papa und Mama sagen kann?" Reporter: Ich habe es daraufhin bereits interviewt."
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Eine Illusion.
Novellette von Hennie Rache (Hamburg). Als sie zum erstenmal an ihm vorüberging, blieb er stehen und schaute sich nach ihr um. Sie ging schwebend und leicht, wie glückliche Menschen gehen, die der Frohsinn trägt. Er hatte noch Zeit, prachtvolle goldrothe Haare zu bewundern, dann war sie verschwunden, untergetaucht im Gewühl gleichgiltiger fremder Menschen. Langsam wandte er sich wieder um und ging seinen Weg weiter. Er senkte das Haupt und versuchte, die zierliche Gestalt noch einmal vor seine Augen zu zaubern, -und unwillkürlich hoben sich seine Füße schneller und elastischer, gleichsam als wollte er ihren Gang nachahmen. Ein verträumtes Lächeln zuckte über seine nicht mehr 'jungen Züge, und seine Augen blickten ein we nig traumverloren in die Weite. Er kam an einem Garten vorüber, darin große Fliederbüsche mit blauen und weißen Dolden standen, die stark d'ufteten. Da blieb er plötzlich stehen. Dieser etgcnthümlich aufregende und doch bescheidene Duft, wann hatte er richtig, sie, die Rothblonde, mußte solches Parfüm in ihrem Kleide gehabt haben: Frühlingsfliederdust hatte sie umweht. Ewe große blaue Dolde blühte ganz nahe am Gartenzaun er streckte seine Hand aus und brach sie. Ein wenig verlegen drehte er sie dann zwischen den Fingern und ging schnell weiter. Eigentlich war es ja ein kleiner Diebstahl, den er da begangen hatte er hatte geraubt und war doch reich genug, um Millionen solcher Blüthen bezahlen zu können Da mußte er aber doch wirklich lächeln. Er, der Millionär, stahl eine Fliederdolde, nur weil ihn der Duft an ein reizendes Mädchen erinnerte, das er vor einigen Minuten gesehen hatte. Und mit dieser Fliederdolde ging er nach Hause, in seine einsame große Villa, stellte die Blüthe in eine Vase und ließ sie auf dem Tisch neben sich stehen, während er aß. Es schien ihm, als sei er nicht mehr ganz so einsam wie bisher, als sei ein klein wenig Leben in sein 'Speisezimmer gekommen, ein klein wenig Schönheit. Es waren genug prachtvolle Pflanzen da, von seinem Gärtner hingestellt, kalte Palmen und anspruchsvolle Orchideen, aber die kleine blaue Fliederblüthe hatte so etwas Einfaches, Vürgerliches, und dennoch dünkte sie ihm vornehm in ihrer blaulila zarten Farbe. Er dachte dann einen Augenblick daran, wie es wäre, wenn jetzt eine Frau neben ihm säße, eine liebe Frau, auch so einfach und burgeruch und dennoch vornehm. Vielleicht mit rothblonden Haaren . .'. . Aber dann schalt er sich selbst lächelnd wegen seiner thörichten Ideen. Er war jetzt vierzig Jahre alt geworden und immer einsam und schüchtern geblieben, so einsam und schüchtern, wie es gar nicht zu seinem Reichthum paßte. II. Des Nachts träumte ihm von lauter Fliederdolden und rothhaarigen Mädchenköpfen, und mit einem Lächeln auf den Lippen wachte er auf. Beinahe ein wenig , erwartungsvoll machte er Mittags seinen gewöhnlichen Spaziergang und ging langsam, als er in die Näht des Gartens mit den Fliederbüschen tam. Er bekam Herzklopfen und machte ein paar schnelle Schritte. Dann blieb er wie am Tage vorher stehen und sah dem jungen Mädchen, nach. Wieder entzückte ihn der federnde Gang und die goldigen Löckchen, die den weißen Nacken umspielten. Er kehrte um und ging der jungen Dame mit langen Schritten nach. Jetzt war sie verschwunden, jetzt sah er sie wieder, da leuchtete ihr goldiges Haar auf, da wehte die Feder auf ihrem Hut und er soa all' diese kleinen Einzelheiten in sich auf und prägte sich alles fest ein. Endlich hatte er sie wirklich aus den Augen verloren, und da ging er hochbeglückt nachHause, zufrieden mit dem, was der Tag ihm bescheert hatte. Liebevoll betrachtete er die Fliederdolde in der Vase, erneuerte das Wasser und entfernte einige welke Blüthen. Er zündete sich eine Cigarette an und ließ sich von den blauen Ringen wie von Haschischwolken umkosen. Und der Gedanke an ein Weib, das sein wäre, der Gedanke, der gestern so flüchtig in ihm , aufgestiegen war, kehrte wieder und nahm festere Gestalt an. Warum auch nicht? Konnte jetzt' nicht eine Frau an seiner Seite sitzen, an seine Schulter geschmiegt, so fest, daß ihre Herzen gegeneinander pochten? Es durchfchauterte ihn glückselig bei dem Gedanken, und er streckte unwillkürlich den Arm aus nach der Frauengestalt. Und as Weib, das er träumte, hatte die goldrothen Haare und die schmiegsame Gestalt des jungen Mädchens, das er heuteMittag.zum zweiten Male gesehen hatte., ' Der Mann, der ein so schüchternes Herz hatte, der sich mit dem Leben nicht abfinden konnte und überall nur Fragezeichen sah, der empfand jetzt et waZ wie eine Offenbarung. . Sonderbar, daß er vierzig Jahre alt werden konnte, ohne einmal Liebe gefühlt zu haben, und sonderbar, daß diese Liebe durch ein Mädchen, das er auf der Straße gesehen und ' von dem er weiter nichts wußte, geweiht werden konnte! ?tn dieser Nackt scklief er nicht gut.
denn in seine Erwartung und Freude hatte sich etwas Bangigkeit gemischt. Würde er sie morgen auch wiedersehen? Würde sie wiederkommen, sie, die so plötzlich eine Seele wachgerüttelt hatte? Er wünschte und hoffte mit einem Mal rücksichtslos und unüberlegt wie ein Kind, und verlangte vom ocrnuia, daß es seine unklaren Wünsche auch erfüllen solle. HI. Er sah sie. auch am nächsten und übernächsten Tage wieder. Immer um dieselbe Zeit. Und jetzt hatte sie auch ihn bereits bemerkt und streifte ihn mit ihren Blicken, wenn sie an ihm vorüberging. Sie verbreitete immer Fliederduft, und ihreLocken zitterten glänzend im Sonnenlicht, sie schien ihm so berauschend wie der junge Frühling und so schön wie der Mai. Er sah sie auch einmal bei schlechtem Wetter, wie sie gegen den Regen kämpfte und den Schirm krampfhaft festbielt. Aber ihre Auqen strahlten dabei genau so heiter und wahrhaft glücklich wie im herrlichsten Sonnenschein. Da fiel ihm ein, wie wenig glückliche Menschengesichter man doch eigentlich sieht, und wie selten so ein Sonnenkind ist. Der heftige Wunsch erfaßte ihn, das Sonnenkind zu nehmen und in seine reichen, stillen Räume zu tragen ach, wie würden sie schön werden unter dem Glänze dieser Augen! Als er dann nach Hause kam und an seiner gedeckten Tafel saß, überkam ihn ein sonderbares Verlangen. Er befahl dem Diener fo schüchtern, daß der Befehl wie eine gestammelte Bitte klang, noch ein zweites Gedeck aufzulegen. ' ; Der Diener gehorchte schweigend, und sein wohldressirtes Gesicht blieb undurchdringlich, als er seinen Herrn essen sah, ohne daß ein Gast erschien. Der einsame Mann aber schwelgte in einer Illusion. Er bildete sich ein, ihm gegenüber säße jetzt das rothblondeMädchen und scherzte und lachte mit ihm, und ihre strahlenden Augen bäten um dieses und jenes. Er hörte förmlich die Stimme der Rothblonden, eine helle melodische Stimme mußte es sein, so fröhlich und hell, daß sie zu den Augen und Haaren paßte. Und von nun an ließ er zu jeder Mahlzeit zwei Gedecke auflegen, er kaufte hie und da Kleinigkeiten, wie sie einer Frau Freude machen, und war glücklich, wenn er die Sachen zu Hause auspackte und in seiner Einbildung dem Wesen überreichte, mit dem er sein Leben schmückte. Mit dieser Träumerei wuchs aber seine Sehnsucht, und er grübelte dar-
über, wie er iq ihr nähern konnte. Dann vergaß er wieder seinen Vorsatz über seinem Traumleben, und wenn er sie sah, bekam er so heftiges Herzklopfen, daß , ihm derMhem stockte. Seine unäusgesprocheneLiebe wurde zu einer unendlich feinen abgeklärten Schwermuth, die mit sanften Lippen lächelt und mit traurigen Augen in's Weite schaut. An jedem Morgen erfaßte ihnAngst. Würde er sie heute wiedersehen? Wie kam es, daß sie jeden Tag denselben Weg ging? Wer mochte sie sein? Mit einem Lächeln beantwortete er sich seine Fragen. Er würde ja bald alles erfahren, bald, wenn er erst .... wenn er erst mit ihr bekannt war. Wie er das wohl anfangen, würde? Der Gedanke daran war ihm äußerst peinlich und unangenehm. In seinen Träumen war alles das überwunden, da kannte er sie, plauderte mit ihr und war glücklich. Aber noch immer war der erste Schritt zur Verwirklichung nicht gethan. Sollte er sie ansprechen? Ganz einfach auf der Straße ansprechen? Oder sollte er ihr nachgeben, ihre Wohnung erfahren und ihr dann schreiben? Er fand beides nicht Passend, und doch blieb ihm nichts anderes übrig. Wie schwer es doch war, einen Entschluß zu fassen! Wie ihm der Muth sank, sobald ihre blauen Augen ihn einmal zufällig streiften! Er bildete sich ein, daß sie ihn einmal angelächelt hätte, nur ein ganz klein wenig hatten sich die rothen Lippen getheilt, und dann dachte er tagelang nur an das Lächeln dieses feinen Mundes. Er versuchte, ihren Mund zu zeichnen, er schloß die Augen, um sich den Augenblick noch einmal deutlicher zurückzurufen. Wenn er nur erst einmal den Muth fassen könnte, sich mit ihr auf irgend eine Art bekannt zu machen! Jetzt kam der Sommer, er durfte nicht mehr allzu lange zögern, denn es konnte doch sein, daß sie die große Stadt fliehen würde und reisen, wie alle Leute. Ja, einige Tage wollte er noch warten, 'aber dann, dann wollte er es versuchen. Vielleicht würde er sie zuerst einmal grüßen? Nur ganz einfach den Hut ziehen im Vorübergehen .... o ja, das war gewiß ein guter Gedanke, und wenn sie seinen Gruß erwidern würde, ach, dann war alles übrige ganz leicht. Er war ganz glücklich über seinen Einfall, und als er in der Stadt bei einem Juwelier ein ganz apartes Schmuckstück entdeckte, ging er hinein und kaufte es; das würde er ihr gelegentlich schenken, wenn .... IV. Am anderen Vormittag sah er sie wie gewöhnlich, und zitternd fuhr seine Hand nach dem Hut, den er mit einer tiefen Verbeugung ' herunterriß. Und sie dankte ihm wirklich. Sie dankte ihm mit einem freundlichen Lächeln und sah ihn mit ihren großen blauen Augen voll und sekundenlang an. Als sie vorüber war, blieb er stehen
uno suyr mtt der Hanv uoer vieSttrn. Das war ja viel, viel mehr, als er je gehofft hatte! O, jetzt würde er es gleich morgen versuchen, ja, gleich morgen wollte er ' sie ansprechen. Wie liebenswürdig sie war und wie glücklich ihn sein fester Entschluß machte. Morgen, morgen," summte er, und ein Lächeln verklärte sein schwermüthiges Gesicht. Am Abend litt es ihn nicht in seinem einsamen Hause. Er sehnte sich nach Menschen, nach frohen Menschen und Lachen und Licht. Und er, beschloß, in ein Weinrestaurant zu gehen und da zu Abend zu speisen. Er fand einen kleinen Tisch, an dem er sich niedersetzte, und er bestellte Champagner und etn kleines, ausgesucht feines Souper. Ihm gegenüber stand ein zweiter Stuhl, und er dachte, wie lieb es wäre, wenn da sein Weib, sein geliebtes Weib sitzen würde und er geradeswegs in ihre strahlenden Augen hineinschauen könnte. Er würde ihr die delikatesten Bissen auf den Teller legen und sie würde ihn dankend dafür anlächeln. Ach, ihr Lächeln, ihr süßeZ Kinderlächeln! Und 'morgen, morgen schon wollte er mit ihr sprechen, morgen würde er ihre Stimme hören, und - vielleicht würde sie wieder lächeln .... Er erhob sein Glas und ließ das Licht hineinfunkeln. Wie die Perlen stiegen und sprühten! Wie der leuchtende Wein so heimlich murmelte und geschwätzig war!. Wie er schimmerte und prickelte! Eine helle Frauenstimme störte ihn einen Augenblick in seinen Träumen, aber nur einen Augenblick, dann lächelte er wieder und trank langsam und andächtig aus seinem Glas Die helle Frauenstimme lachte .... ein perlendes, etwas girrendes Lachen, eigenthümlich aufregend, , beinahe wie Sekt, dachte der einsame
Mann und beugte sich etwas vor und sah . . Und sah nur ein feines Figürchen und rothgoldene Haare sah in strahlend blaueAugen, sah mit schwindendem Bewußtsein, wie das zarte Weib ihr Glas erhob und einem Manne zutrank. An ihrer Hand blitzte hell der goldene Ehering. Der einsame Mann lehnte sich einen Augenblick in. seinen Stuhl zurück und athmete schwer und mühsam auf. Eine kreidige Blässe überzog sein Gesicht. Der Kellner wurde aufmerksam und näherte sich ihm. Da warf er ein paar Goldstücke hi und nahm seinen Hut. Er ging, ohne zurückzublicken. Er hörte die helle Stimme lachen und zog die Schultern hoch, wie Jemand, der sich unter einem Schlage duckt. Wie er die Straße erreicht hatte, begann er zu laufen, rasch und immer rascher, dabei merkte er nicht, wie die Thränen ihm über's Gesicht rannen. An der Pforte seines Hauses brach er zusammen. . . Eheliche Sprachlogik. Sie: Ach, früher da hast Du mich vor Liebe aufgefressen!" Er: Drum hab' ich Dich auch fatt gekriegt." Hyperbel. Junge Braut: Wie verliebt mein Bräutigam ist! Alle Augenblicke sieht er mich stundenlang an." , Verkant. Was mußte ich gestern sehen, Herr Wamperl? Sie gingen ja mit Ihrem Todfeind Huber in schönster Eintracht spazieren. Wie kam denn das?" O mei', schaug'n S', den selbstlosen Menschen hab' ich arg verkannt! WaZ moana S', was er mn Gutes gethan hat? Er hat mir verrathen, wo's noch a' altes Bier gibt." , . D i e Stachelbeere, -zjzx Stachelbeerstrauch braucht einen mehr feuchten, aber durchlässigen, mäßig gedüngten Boden und recht sonnige Lage. Zum Veispie? ein recht sonnig gelegener, sonst zu nichts zu gebrauchender Abhang, dessen Boden etwas verbessert liiert die besten Resultate, Zuckerrüben von 4 Fuß Lange und 180 Pfund Schwere hat man geleaentlich in Kaliforr im aeerntet. C ! g e n a r t i g e r selbstm o r d. Auf nicht gewöhnliche Art brachte sich unlängst in Pforzheim, Baden, der Portier Christian Gaissert am städtischen Schlachthof in seinem Pförtnerhäuschen um's Leben. 6r' schoß sich mit dem Schußapparat für Großvieh in's fiera. Niedriger Fahrpreis nach Chicago via Pennsylvania Linie. 'Am 16.. 17., 18., 19. und 20. Juni, werden ExcursionS-Tickets nach Chicago verkauft, anläßlich der Republikanischen National-Convention, durch alle Ticket-Stationen der PennsylvaniaLinien. Für völlige Information, hinsichtlich Raten, Zeit der Züge etc. wende man sich an die Ticket-Agenten dieser Linien. 1 "City Banst." Etablirt 1863, nimmt jederzeit Engag, men entgegen. Jrgmdwelche Orchester Musik und irgend eine Anzahl von Musikern wird geliefert. Neue Ausstattung und neu Uniformen. . A. Miller, Direktor. Henry Sprengpfeil, Geschäftsführer. 301 Kenwck? Avenue. Telephon Alt, roth 3311. Neu 4598.
