Indiana Tribüne, Volume 27, Number 248, Indianapolis, Marion County, 9 June 1904 — Page 5

Jnditma Tribüne, . Juni 19

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V? 6 X k f 1. . uaiuii in uit Wwongrubc Von Johannes Johannfcn 0 $&$&&'vCQ$&i&SG&$Qi Je Mittagssonne ' glühte und sengte. Zw:scyen den bewen Rosenbaumchen auf der Bank vor dem Hause saß rat schwarzen Trauerkleidchen die wilde Nelly. Ihren gelblichen, teckelartigen Hund hatte sie zu sich auf den Schooß genommen, und zärtlich drückte sie seine glattbehaarte spitze Schnauze an ihre heiße Wange. Beide blickten sie finster vor sich hin, Herrin und Hund. Nelly mochte wohl achtzehn Jahre zählen, sie war kaum mittelgroß, schlank und zierlich. Es lag ein ganz eigener Reiz über ihrer Erscheinung, etwas Unberührtes, Herbes, Knabenhaftes, auch über dem hübschen, unregelmäßigen Gesicht und den rothen, fein geschwungenen Lippen. Die Sonne brannte; um die Rosenblumen schwirrten und summten Bienen und Wespen. In der Ferne klang das Gerassel von Rädern; kläffend, mit jähem Satz sprang der Hund auf das Pflaster. Nelly zog aus einem Spankörbchen eine Häkelspitze von mindestens zweifelhafter Sauberkeit hervor und begann zu häkeln. Ja, sie war sehr gebildet, des Krügers Tochter! Was konnte sie nicht alles? Sie konnte auf dem alten Klimperkasten drinnen den Walzer eines Wahnsinnigen" ganz und noch fünf oder sechs andere Stücke halb spielen. Sie war so weit im Englischen gekommen, daß sie den Vicar of Wakefield" an einem Tage durchgekäst hatte, wobei ihr allerdings der größere Theil aus Mangel an Vokabelkenntniß ziemlich geheimnißvoll geblieben war. Im Lexikon nachschlagen, das mochte sie nicht, das war zu langweilig. Ferner konnte Nelly häkeln, aber es wäre Frevel, zu behaupten, daß ' sie in dieser Kunst besonders Hervorragendes geleistet hätte. , Sie - kannte leider nur ein Muster, und davon häkelte sie im Laufe öines Sommers etwa einen Meter. ' Mehr konnte schlechterdings niemand verlangen, denn sie trug das Veiwörtchen die wilde" Nelly durchaus nicht mit Unrecht. Wie ein Irrwisch tanzte sie umher, bald im Hause, bald im Garten, bald im Feld. Ihr Vater, der Krüger, hatte sie zärtlich geliebt, zärtlich, aber nicht verstänbig. Er hatte sie aufwachsen lassen wie die Grillen, die im Sommer sangen und im Winter hungerten. Sie hatti thun und lassen dürfen, was sie wollte, nie hatte sie ein hartes oder auch nur ein tadelndes Wort gehört, aber, nun war der gute Vater todt, die Sommerlust dahin, und der rauhe kalte Winter stand unbarmherzig vor der Thür. Geerbt hatte sie fast nichts, die Schenke war seit Jahr und Tag schlecht besucht gewesen und das Haus warnit Hypotheken belastet, über und über. Das Gefährt kam näher, immer deutlicher klang das Gerassel auf der Dorfstraße. Der Hund bellte, Nelly häkelte ungeheuer eifrig, was sie jedoch nicht im mindesten hinderte, derstöhlen das Fuhrwerk zu betrachten. Es p?ar ein von zwei ältlich dreinschauenden braunen Pferden gezogener Torfwagen; oben auf einer untergelegten alten Decke thronte stolz und hoch Daniel in der Löwengrube." Daniel war kräftig und gut gewachsen, er hatte breite Schultern und ein hübsches, von der Sonne qebräuntes Antlitz. Unter der keck zusammengedrücktenPolenmütze schauten ein paar blaue Augen frank und frei in die Welt, und unter der leichtgebogenen Nase wuchs ihm ein kräftiger, weißblonder Schnurrbart. Die Madchen nannten Daniel emen schmucken Jungen, trotzdem er nach ihren Begriffen nicht mehr ganz jung war, er hatte die Dreißig überschritten. Sie kannten ihn alle, Nelly auch, ja es schlang sich sogar eine Art Verbindungsglied um ihn und sie, und das kam so. Eswar im letzten Winter gewesen, eben vor Weihnachten, da traten eines Abends sechs Dorfburschen zugleich in die Schenke. Das war ein Ereigniß, denn meist stand die Gaststube tagelang leer. Die Burschen tranken heißen Grog, schlechtes Bier und scherzten mit der Schenkmamsell. Aber im Grunde waren sie deshalb nicht hergekommen, sie waren da, um sich zu rächen. Sie wollten Rache üben an der wilden Nelly, weil diese stets verächtlich gegen sie war, dazu stolz und spröde und scheu wie eme Wndkatze. Aus em vereinbartes Zeichen sprangen die Burschen plötzlich auf und umringten die nichtsahnende Nelly, die träumerisch auf ihrem Lieblingssiuhl am Ofen hockte. Die jungen Männer reichten einander die Hände und begannen um das unglückliche Op fer eine Art von Siegestanz auszufüh ren, und schließlich versuchte es gar der keckste von ihnen, sie zu umfassen und es ist schrecklich, es zu sagen sie zu küssen. Aber der Bursche hatte die Rechnung ohne den Wirth gemacht, die wilde Nelly verstand Nägel und Zähne, die Waffen, die der liebe Gott den Weibern gespendet, vortrefflich zu benutzen. Am Ende wäre sie in dem unaleicken Kampf aber wohl doch unterlegen, wenn nicht mit einem Male ein Paar sehnige Fäuste den stärksten der Burschen an den Schultern gepackt und ihn so kräftig zu Boven geicyleu dert hätten, daß Tische und Stühle zu tanzen begannen. - Als die Burschen sich . . m . jri C I V ? I s über die 5ixat und lsewanoiyeir ves

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neuen Gegners . durch prüfende und

vielsagende Blicke em Urtheil gebildet hatten, ballten sie die Faust' in der Tasche und zogen begossen und schimpfend ab. Die wilde Nelly tsar für dieses Mal gerettet, und der hilfreiche Ritter war kein anderer als Daniel in der Löwengrube." Seit dieser Zeit grüßten sie einander. Unablässig kläffte der Hund, der Wagen kam näher und näher. Plötzlich. genau vor Nellys Bank, zog der Fuhrmann die Zügel an, und der Wagen hielt mitten auf der Dorfstraße. Lammfromm blieben die Pferde stehen, ohne sich um das Bellen des Hundes zu kümmern. Stillehalten und Hundegekläff waren ihnen sehr alltägliche Dinge. Gewandt und schnell kletterte Daniel vom Wagen, mit einem leichten Satz sprang er zur Erde, und man sah nun erst recht, wie groß und stattlich er war. Geradeswegs kam er auf sie zu. Nelly häkelte, als ob ihrer Seelen Seligkeit davon abhmge. Als er dann vor ihr stand, hatte, sie denn auch wirklich ihre Masche fallen lassen, sie war Meisterin in dieser Beziehung. Tag. Nelly!" 'n Tag, Daniel!" Armes Ding, , sagte er, der Vater ist Dir gestorben, armes Ding!" Was hätte sie darauf erwidern sollen, sie fchwieg. und um ihr Mäulchen zuckte es wie Weinen. Jammere nicht," fuhr er fort, das nützt doch zu nichts; aber was wirst Du nun anfangen, da sie Dir das Haus verkauft haben?" , Vorläufig geh' ich zum Vormund, und dann muß ich einen Dienst suchen, es wird sich ja wohl was Passendes finden." Einen Dienst," wiederholte er, mißtrauisch ihre schlanke Gestalt betrachtend, wie alt bist Du denn?" Achtzehn Jahre gewesen, und Sie brauchen mich gar nicht so mitleidig anzustarren, ich bin gesund und kräftig." . . Weißt Du was," sagte er, nachdem er eine Weile überlegt hatte, wenn Du doch dienen mußt, kannst Du zu mir kommen als, Haushälterin, meine, ist auf und davon, und ich hol' sie nicht wieder." Nelly schüttelte den Kopf, sie war roth geworden, die Sonne glühte gerade auf sie nieder. Du meinst wegen der Leute? Die Rottmann'sche wohnt ja bei mir, die .kann Dich in ihren Schutz nehmen, und memetwegen darfst Du ruhig sem, ich thu' Dir nichts zuleide. Aber es wird Dir zu einsam sein, da draußen im Moor." ' - Zum ersten Mal wandte sie die Augen voll zu ihm auf. Nein," sagte sie, zu einsam nicht, ich bin ja immer allein." . Willst Du denn? 5 Wegen des. Lohnes werden wir schon einig." - Ich werd's mir überlegen." Ja," meinte er, : das ist recht. Sprich mit dem Vormund, und wenn der nichts dagegen hat, kannst Du ja kommen, heut oder morgen, je eher, je besser." Er nickte ihr kurz zu, sie nickte wieder, und dann ging er mit festen Schritten zum Wagen. Behende kletterte er hinauf, klatschte ein wenig mit der Peitsche, die Pferde zogen an, und der Wagen rollte weiter. , Am anderen Tage befand sich Nelly auf der Landstraße. Es war nicht weniger warm als gestern, die Sonne stach, und Nellys Füßchen versanken im tiefen, tiefen Sand. Nirgends war Schatten zu finden, kein Baum, kein Strauch. Das blaugewürfelte Bündel ward immer unerträglicher, Nelly verwünschte es zum so und so dielten Male, aber liegen lassen konnte sie's doch auch nicht. Der Schweiß rann von ihrer Stirn, und mit jedem Schritt ward das Gehen beschwerlicher. Endlich, nach beinahe einstündiger Wanderung, wurde wenigstens der Weg etwas besser. Nelly entdeckte einen begrasten Fußpfad, zu beiden Seiten wucherte Farnkraut und ein dichtes Gewirr von purpurnen Lichtnelken. Hie und da stand ein kümmerlicher, abgeblühter Fliederstrauch, und auf den von Sumpfgras und Moorblumen bewachsenen Feldern erhoben sich, zierlich aufgeschichtet, regelmäßige Thürmchen aus Torfsoden. Und endlich, endlich, als sie sich fchon ernstlich mit dem Gedanken vertraut gemacht hatte, am Wege zu sterben," tauchte in der Ferne ein baufälliges Haus auf. ES war das Ziel ihrer Wanderung, die Löwengrube." Warum die Schenke die Löwengrübe" genannt war, wer konnte es wissen! Ein Mordnest war sie nie geWesen, und harmlose Wanderer wurden dort niemals beraubt und ausgeplündert, im Gegentheil, für Geld und gute Worte stand es ihnen frei, sich an Schnaps und Dünnbier zu erquicken, so lange sie wollten. Aber auch sonst hatte sich nicht das Geringste vorgefunden, was einen Gedanken an den Schrecken der .Wüste" herbeirufen konnte. Selbst der Löwenwirth besaß mit dem König der Thiere nicht die entfernteste Aehnlichkeit, und sollte er durchaus passenderweise mit einem niederstehenden Wesen verglichen werden, so wa? es jedenfalls das' harmlose Schaf, an das er auffallend erinnerte. Und die Löwenwirthin? Ein Drache war sie, durch und durch, das war verbürgte, über allen Zweifel erhabene Thatsache, aber mit einer Löwin hatte sie nichts gemein. Der einzige, geistig und körperlich wohl entwickelte 'Sproß dieses seltsamen Ehepaares hieß nun

Daniel. , Daniel in dex Löwengruve.Der Witz War wohlfeil, aber , zündend, und in einer Gegend, in der fast keiner von einem Beinamen verschont bleibt, gerieth er natürlich niemals in Bergessenheit, auch nicht, als Daniel nach dem Tode der Eltern die Schenke aufgab und sich nur noch ehrlich und kümmerlich vom Torfhandel und einem bischen Landwirthschaft ernährte. . Je näher man dem Hause kam, je mehr trat seine Baufälligkeit in's Auge. Die Mauern waren schief gesunken, das Dach schadhaft, und die öde Lage mitten in der ebenen, flachen Heide ließ .es auch, nicht anmuthiger erscheinen. Nelly hatte aber keine Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, sie war viel zu heiß und ermattet, und vor allem froh, endlich am Ziele zu fein. Die Hausthür stand wie zum gastlichen Empfange weit geöffnet, und Nelly trat in einen gänzlich' möbellosen, mit Rothsteinen gedielten Flur. Sie warf das blaugewürfelte Bündel hochaufathmend in eine Ecke und wartete, sich den Schweiß abtrocknend, auf das Erscheinen eines menschlichen Wesens. Aber sie wartete vergebens, darum öffnete sie die Thür an der linken Seite und gelangte in eine kleine, niedrige Stube. In der dunkelsten Ecke saß auf einem morschen Stuhl ein ältes, weißhaariges Weib, vor sich auf dem Schooß hielt sie eine dampfende Pfanne mit Bratkartoffeln, die sie andächtig verspeiste. Draußen waren 20 Grad Reaumur im Schatten, und Rottmannsche pflegte ihre Mittagsmahlzeiten in der Stube auf dem kleinen Kanonenofen zu bereiten. : So kann es nicht wundernehmen, wenn die herrschende Temperatur Nelly einigermaßen an die Hölle erinnerte, und von hier aus war es nur ein winziger Flügelschlag der Phantasie, um in Rottmannsche des Leibhaftigen Großmutter zu entdecken. Tag," fagte Nelly. Was willst Du?" knurrte die Alte, die es durchaus nicht liebte, beim Essen gestört zu werden. Ich bin die neue Haushälterin," rief Nelly prätentiös, sie fürchtete sich so leicht nicht. Na so, aber dies hier ist meine Stube; dem Daniel seine Logis liegen auf der anderen Seite." Nelly konnte nicht wohl umhin, dies für ein Adieu zu halten, sie schlug deshalb die Thür zu und gelangte durch den Flur in das gegenüberliegende Zimmer. . Hier durfte sie wenigstens aufathmen. Die Stube war zwar höchst einfach, aber nett und nicht ohne einen gewissen Geschmack eingerichtet, auch war es im Verhältniß zu drüben wahrhaft erfrischend kühl. Nelly ließ sich auf dem weichsten, bequemsten Stuhl nieder, sie faltete die Hände und schloß die Lider, nur für einen kurzen Augenblick. ' Natürlich vergaß sie das Wiederaufwachen, und nach Verlauf von fünf Minuten war die wilde Nelly in der Löwengrube" sanft und . fest eingeschlafen. . Sie war erst eben, aus ihrem tiefen Schlummer erwacht, als Daniel in's Zimmer kam. Ah, Nelly," sagte er erfreut, da bist Du ja schon; das ist hübsch von Dir, daß Du gekommen bist." ' Er holte das Bündel aus dem Flur und zeigte ihr ihre Schlafkammer, die Küche, den Vorrathsraum; er erklärte ihr, wie sie alles zu machen habe, damit 's ihm lieb sei. Nelly nickte bei jedem Wort, was er sagte, aber ihre Gedanken waren bei ganz anderen Dingen. So," meinte er, jetzt weißt Du alles, nun richte Dich häuslich ein, ich muß wieder hinaus zum Torfstechen." Kaum war er fort, so machte Nelly es sich abermals in dem Stuhl von vorhin so bequem als möglich. Lange, lange saß sie so müßig mit gefalteten Händen. ' Die Sonne war von ihrer Höhe heruntergeklettert, sie sank tiefer und tiefer. Um sieben Uhr, als Daniel ermüdet von der Arbeit heimkehrte, fand er wider Erwarten den Tisch ungedeckt, und die Haushälterin saß noch gemüthlich in seinem Lehnstuhl. Bist wohl müde von der Tour, Nelly, 's ist ein sonniger Weg," meinte er freundlich, aber nun müssen wir Abendbrot machen, ich bin hungrig, und Du wirst's auch sein." Er breitete ein weißes Tuch über den Tisch und holte Brot, Butter und Käse herbei, ja er kochte sogar Thee, weil die Haushälterin keine Milch trinken mochte. Dann speisten sie behaglich zu Abends Sie. trank Thee, er trank Milch aus einem dickbäuchigen, alterthümlichen Glase. Hast schon einmal solch ein Glas gesehen? 's ist ein Erbstück von meinem Großvater her. Das Rothe dort ist das Wappen vom Fürsten Blücher. Mein Großvater hat ihm Wasser holen müssen nach der Schlacht an der Katzbach, und zur Erinnerung daran hat der-Fürst ihm den Becher geschenkt. Du kannst Dir denken,, daß ich. ihn werth halte, ich trinke immer daraus, und ich fürchte nur, er kann einmal entzweigehcn. Mußt recht behutsam sein, Nelly, beim Waschen, es wär' mir eine Trauer, wenn er einmal zerbräche." Die wilde Nelly mochte das Glas auch leiden, schon des Marschall Vorwärts wegen, dem sie schon seit der Kindheit eine unbegrenzte Sympathie entgegenbrachte. Vom folgenden Tage laßt sich nicht viel' Erfreuliches berichten, Daniel machte Mittagessen und Abendbrot; die Wilde Nelly mochte sich wohl noch nicht an die fremde Häuslichkeit gewöhnt ha-

ven. Als sie dann am Georgen ves drnten Tages beim Kaffee saßen, malte Daniel mit dem Zeigefinger einen großen Kreis auf die Fensterbank. Sieh nur, Nelly," sagte er, so staubig ist's, afor nun bist Du ja bei mir, nun wird alles anders werden." Kaum war er fort, da lief Nelly in die Küche. Sie holte eine Schale voll Wasser und ein Tuch, sie wollte die Stube rein machen. An der Thür aber ließ sie mit lautem Gekrach die Schüssel fallen, das Wasser ergoß sich über den Boden, und die Scherben flogen im Zimmer umher. Sie konnte wohl erschrecken, die arme Nelly, denn vor ihr stand des Teufels Großmutter. Rottmannfche war niemals schön, aber iir dieser ausgeschnittenen, verwaschenen, gelben Kattunjacke war sie einfach greulich. ' Was machst Du denn hier, mein Täubcken?" fragte die Alte süklick,. Scherben," sagte Nelly grob, unv geräuschvoll schlug die Thür in's Schloß. Durch die Küche rannte Nelly in's Freie. Eine Weile ging sie ärgerlich auf dem öden, einförmigen Heideland umher, dann ließ sie sich an - emem schmalen, niedrigen Rünnel nieder und begann -mechanisch einen Kranz zu flechten aus schönen, weißen Flockenblumen. Es war schon hoch Mittag, als sie heimkehrte. In der Wohnstube fand sie Daniel verdutzt vor den Scherben. , Eine nette Bescherung," sagte er lachend, Du hast wohl Polterabend gefeiert am Morgen?" Er wischte oas Wasser vom Boden und begann eifrig die Tonstücke aufzulesen. Da fiel sein Blick auf die Blüthen. Ei, schöne Blumen hast Du gepflückt, schöne weiße Flockenblumen, aber um das Mittagessen hast Du mir wieder vergessen." Daniel war flink und in der Kochkunst nicht unerfahren. Im Augenblick hatte er ein mächtiges Feuer angefacht, und Kartoffeln und Spiegeleier sind gar bald bereitet. Nach Verlauf einer guten halben Stunde saßen die Beiden friedlich beim Mittagessen. Daniel trank viel Milch bei Tisch, wie immer aus dem rothen Glase, und das muß man sagen, er ließ den einfachen Speisen alle Gerechtigkeit widerfahren, die Kartoffeln verschwanden nur so unter seinen Zähnen, während Nelly fast nichts zu sich nahm. ! '"Ich halie tüchtigen Hunger," meinte er, aber Du ißt rein gar nichts, Du hast einen Appetit wie ein Vögelchen." Ich mag nichts," sagte Nelly. Nimm wenigstens noch ein Ei," bat er, ihr freundlich die Schüssel zuschiebend. ' ' . " . '. ' u Aber. Nelly stieß sie unwirsch zurück, die Schüssel flog an's Glas, die Milch ergoß sich über den Tisch, und , klirrend fiel der rothe Becher zu Bodens Daniel hatte sich erhoben, sein Antlitz war blutroth, an den Schläfen schwollen mächtig die blauen Adern, und nun geschah etwas Schreckliches. Daniel gab der Nelly eine Ohrfeige, es schallte 'ordentlich durch's Gemach. Mehrere Sekunden blieb es todtenstill. In Nellys hübschem Gesicht zuckte keine Fiber, die Lider hielt sie gesenkt, ,aber die kleinen Fäuste waren geballt. Du Du sanfter Heinrich, Du DuDaniel in der Löwengrube!'" stieß sie zornig hervor. Dann schlug sie die Hände vor's Gesicht und flüchtete in die Schlafstube. Sie kniete vor dem Bettchen nieder, barg das reizende Antlitz in die Kissen und wartete ab. So lag sie nahezu eine halbe Stunde. Sie horchte gespannt, kein Ton, nicht das leiseste Geräusch. Schließlich konnte sie es nicht länger aushalten. Nelly sprang auf, sie schlich zur Wohn'stube und steckte behutsam den Kopf durch die Thürspalte. Alles leer. . Sie suchte das ganze Haus ab, nichts zu finden. Daniel war längst wieder beim Torfstechen. 's ist schon vorbei," sagte die wilde Nelly enttäuscht, 's ist nichts." Traurig packte sie ihre geringe Habe wieder in das blaugewürfelte Tuch, und traurig zog sie wieder die lange, sonnige Straße entlang, dem Dorfe zu. Ihren Vormund, den Schuhmacher a. D. oder Rentier, wie er lieber genannt sein mochte, traf . Nelly beim Spiegelputzen. Er schien über ihren Anblick nicht sonderlich verwundert. Du, Nelly," fragte er gleichmüthig, ich denke. Du bist Haushälterin beim .Daniel in der Löwengrube?' " Gewesen." sagte Nelly, sich geräuschvoll in einen Stuhl werfend, 's war nichts." Kind," rief der Vormund entsetzt, Kind, Du bist so erhitz! und Du sitzest. Das geht nicht. Du wirst Dich erkälten. Du kannst den Tod davon haben. Gehen mußt Du, langsam in der Stube auf und ab gehen, oder wart, ich werde Dir Fliederthee kochen, das ist das Beste." ., Damit schlurrte er in die Küche und kochte Fliederthee. Gehorsam trank Nelly das schreckliche, glühende Getränk, sie würde auch Gift genommen haben, wenn man's ihr geboten hätte. Behaglicher fühlte sie sich nicht danach, aber, schlechter auch nicht. Nachher mußte sie dem Vormund vorlesen, erst das Wochenblatt, dann die Hauspostille. Du liest schlecht, mein Kind." sagte er vorwurfsvoll, als sie endlich geendet. ', ' Nelly glaubte es ihm auf's Wort, sie Hatte keine Ahnung davon, was sie eigentlich gelesen. Um Acht war der

Tag hier zu Ende, später ging es nie in's Bett. Was möchtest Du essen, Nellychen," fragte der Rentier am andern Morgen, Specksuppe oder Großen Kloß mit Pflaumen?" Pfannkuchen!" verlangte Nelly gebieterisch. Im 'Grunde war es ihr höchst gleichgiltig, was es gab, sie hätte heute selbst Grünkohl hinuntergeschlungen, obgleich sie den sonst nicht über die Lippen brachte. Pfannkuchen," wiederholte der Vormund bekümmert, das paßt' mir schlecht, aber Du sollst sie haben, Nellychen, delikate Pfannkuchen." ' Im ganzen Hause hörte man es zischeln, überall roch es appetitlich nach bratendem Fett. Der Rentier buk Pfannkuchen mit Leib und Seele. Ehe er noch fertig war, trat Nelly in. die Küche. Auf dem Kopf trug sie den Strohhut. in der Linken daS wohlbekannte, blaugewürfelte Bündel. Adieu, Vormund, ich gehe nun." Ws?" fragte der alte Mann, die Pfannkuchen sind noch nicht fertig." Ich will ja gar keine, ich wollte Dir nur sagen, daß ich jetzt gehe." , Wohin denn in aller Welt?" Wohin? Na, zum .Daniel in die Löwenarube.' " Das Mädel ist närrisch geworden." klagte der Rentier, sie ist närrisch geworden." Dann aber hatte er keine Zeit mehr, sich zu wundern, er mußte den Pfannsuchen kehren. Es war die höchste Zeit, es roch schon brenzlich. Zum dritten Mal zog nun die wilde Nelly die schreckliche, sonnige Straße entlang, mühsam das Bündel hinter sich herschleifend. Natürlich war's in der Löwengrube wie ausgestorben. Daniel war beim Torfstechen, und Rottmannsche saß wie meist unschädlich und apathisch in ihrer Stube. Nelly ging stracks in die Küche. Sie holte abermals eine Schüssel mit Wasser und ein Tuch, und dann begann sie mit einem wahren Feuereifer die Wohnstube zu reinigen. Sie war rastlos thätig, schon vor Abend war alles blitzblank. Gerade heute, wo Daniel es am wenigsten erwartet, fand er nun ein sauberes Haus und einen zierlich gedeckten Tisch. Zwar fehlte der rothe Becher, ein gewöhnliches Wasserglas stand an seiner Stelle, aber es war geschmückt mit einem Kranze von Flockenblumen. Nelly," rief Daniel glücklich, ich dachte. Du wärest böse, und ich glaubte. Du würdest niemals wiederkommen." O, ich hatte die Strafe redlich verdient," sagte sie trotzig, denn ich habe den Becher mit Absicht umgestoßen, ich wollte ihn zerbrechen." Er fragte nicht weshalb, und Nelly verrieth es nicht, so schwiegen sie Beide. Die wilde Nelly war nicht wiederzuerkennen, sie war wie verwandelt. Früh Morgens stand sie auf, und spät ging sie schlafen. Sie hielt das Häuschen blitzsauber, sie sorgte für regelmäßige Mahlzeiten, sie lernte es in kurzer Zeit, die rothbunte Kuh zu melken, ja sie fand sogar noch Muße, hier und da der Rottmannsche zu helfen. Sie arbeitete rastlos, sie schaffte ohne Ende und war doch stets heiter und guten Muths. Wer dieses Wunder ergründen konnte, mochte sich damit befassen, Daniel war nicht der -Mann dazu, aber er hatte Grund genug, mit seiner Haushälterin zufrieden zu sein. So verstrich eine ganze Reihe von Wochen; der Sommer verging, es ward Oktober. Eines Tages, als Daniel am Mittag heimkehrte, fand er Nelly noch am Herde. Er faßte sie sanft an den Schultern, drehte sie behutsam zu sich herum und küßte sie gerade auf ihren rothen, hübschen Mund. Nelly prallte erschreckt zurück: Daniel," sagte sie mit tiefem Vorwurf, warum hast Du mir das gethan?" Warum? Will die wilde Nelly denn nicht etwa mein Weib werden?" Der Schreck war ihr in die Glieder gefahren, sie mußte sich auf einen Stuhl fetzen, um sich zu erholen. Dann war es plötzlich, als ob die alte, wilde Nelly wieder in' ihr erwache. Ungestüm sprang sie empor, trat auf Daniel zu und schlang die weichen, weißen Arme um seinen Hals. Ja, ich will, ich will gerne." So," sagte er, dann erkläre mir erst, warum Du damals den Becher zerbrachst." Weil Du stets so sanft bliebst und so gleichmüthig und so ruhig, ich kann solch sanften Heinrich nicht leiden." , Du wolltest also wissen, ob ich nicht bös werden könnte?" .Ja." Weshalb liefst Du dann aber fort, als ich's geworden war?" Ich meinte, 's wär' nur so eine AufWallung, 's wär' nichts Ordentliches." So, und warum kamst Du denn wieder?" Weil der Vormund noch sanfter war als Du," fagte sie unter Lachen und Weinen. Daniel lachte jetzt auch. Und weil Du keinen forscheren Mann finden konntest, nimmst Du nun mich." t Nein," rief Nelly, ich will gar kei,nen, forscheren, ich bin mit Dir ganz Zufrieden, denn Du bist ein Mann, ein 'lieber, echter, rechter!" ! Und wann soll die Hochzeit sein?" '' Sobald Du'willst." 1 Gut denn. ' in vier Wochen," be.fiwmrte Daniel. Und so gab es ein Brautpaar, die Wraut war Nelly und der Bräutigam wer .Daniel in der Löwenarube." .

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