Indiana Tribüne, Volume 27, Number 247, Indianapolis, Marion County, 8 June 1904 — Page 7

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Das (Bi)inna(lum zu Leng nwo Ein Schulroman aus der Ostmark 3?ot Karl KuNe

(Fortsetzung.) - Es quälte ihn förmlich. 'Ihm war, als müsse er es mit Händen greifen, und doch fand er nicht, was er suchte. Es war gleichsam schon lebendig in ihm, wollte sich ihm zu erkennen gebenund konnte es nicht. Er bezwäng sich. Die Polen? Was haben sie gegen Sie?" Ich laß mir nichts gefallen. Wir sind hier doch in Deutschland. Da gibt es oft Streit." Und wie zweifelnd, ob er das aussprechen sollte: Der vorige Herr Dl-' rektor hat mich noch zuletzt gewarnt. Ich sollte vorsichtiger sein." Aber statt dessen schmettern Sie das .Deutschland, Deutschland über alles' nur um so kräftiger heraus. Was?" Reinhold Wächter verstand nicht. Erinnern Sie sich mal es wird jetzt etwa zehn Tage her sein. Ein trüber Nebelabend. Ich besah mir draußen vom Gitter aus gerade das Gymnasium. Da kam ein weißbemützter Gymnasiast der pfiff das Lied mit Todesverachtung. Er kam vom Kloster her. Kennen Sie den vielleicht, Wächler?" Der Sekundaner stutzte und erschrak. Er wußte jetzt mit einem Mal, daß der fremde Mann vor dem Gymnasium der neue Direktor gewesen war. Ich habe nur so laut gepfiffen," entschuldigte er sich, damit das Gesindel es hörte, sie hatten mit Steinen nach mir geworfen und verfluchter Deutscher' geschrieen. So viel Polnisch versieb iib." Wer? Gymnasiasten?" Das weiß ich nicht. Ich hab Niemand erkannt." Also er hatte mit dem' Trutzlied andere ärgern wollen. Und hatte nicht geahnt, daß er Jemand dadurch erquickte.' Es war im Uebrigen gewiß keine hervorragende Art, seinen Patriotismus zu bethätigen und leuchten zu lassen. Aber Scküler blieb Schüler. Der Mann würde mit besseren Waffen kämpfen. Er hatte den Jungen lieb. Wenn er nur wüßte, wohin die Ähnlichkeit wies! Nur diese leidige Unsicherheit loswerden! Es ist brav von Ihnen, daß Sie Ihr Deutschthum so hoch halten, Wächter. Das freut mich. Es braucht ja nicht immer gleich eine Spitze gegen bis Polen drinzuliegen." Ein freudiger Schein leuchtete in den Augen des Schülers auf. Er ballte leicht die Hand wie in einem starken Gefühl. Ich habe es meinem Vater versprochen." Was ist Ihr Vater? Lebt er am Ort?" Er ist todt," erwiderte der Junge. Er war hier Landrath des Kreises." Aber Ihre Mutter lebt noch? Und Sie sind also aus einer hier eingesessenen Familie?" Nein, nein," fuhr Reinhold Wächter auf wieder mit diesem raschen Emporwerfen des Hauptes. Doch' als besinne er sich darauf, vor wem er stünde, sagte er ruhiger, aber so fest, als lege er den höchsten Werth darauf: Ich bin kein Pofener, ich bin in der Mark geboren." Als ob es eine Schande wäre, aus der Provinz hier zu stammen. Der Direktor lächelte etwas, aber zerstreut. Das Hochwerfen des Kopfes ließ ihn wieder nicht los. Da sind wir ja Landsleute, aus der Mark bin ich auch. Und wo sind Sie geboren?" In Frankfurt an der Oder. Mein Vater wurde erst später hierher ver- , setzt!" . Georg Rüdiger nickte. ;SDa3 ist die Neumark. Und ich kenne mehr die Priegnitz und die Uckermark. Sie wollen gewiß später zurück." Der Schüler bestätigte: Wenn es möglich ist!" Aha, Sie scheinen schon Pläne zu haben.. Wollen Sie auch Verwaltungsbeamtcr werden?" Nein Offizier!" Das kam heraus wie aus der Pistole geschossen. Nun ja, wer wollte in der Sekunda schließlich nicht Soldat werden? . o Wie sind denn Ihre Zeugnisse?" Die Frage war knifflig. Reinhold Wächter trat vom rechten auf den linken Fuß. Nicht sehr gut," sagte er kleinlaut. Und sehr überzeugt: Ich habe kein Talent." Aber um Soldat zu werden, langt es, denken Sie? Wie?" ?la. Ich ich freue mich so darauf, Wenn ich nächste Ostern versetzt werde, darf ich eintreten." Er schlug den Blick voll auf. Ein Leuchten stand in den hellen Knabenauaen. : Und plötzlich wurde der Direktor blaß. Der Bleistift, mit dem er ge svielt. fiel zur Erde. Er bückte sich. Der Schüler war schneller. Mit einer Verbeugung gab er den Stift zurück. " Sie sprachen von Frankfurt an der

Oder. War Ihr Vater da auch Landrath?" Die Stimme hatte eine seltsame Färbung. Georg Rüdiger wandte sich ab. Er griff nach einem Buch und blätterte, als suche er etwas. Der Knabe brauchte sein Gesicht nicht zu sehen. Nein Regierungsassessor, Herr Direkt." , Die Lippen des Mannes preßten sich fest zusammen. Unsinn, dachte er. Er zwang sich, ganz ruhig und langsam die Seiten umzuschlagen. Dann klappte er das Buch zu. Es ist gut, Wächter. Arbeiten Sie während dieses einen Jahres nur noch fleißig. Um so eher wird Ihr Soldatentraum in Erfüllung gehen. Wie alt sind Sie?" Bald siebzehn Jahre." Er wartete noch einen Moment, ob der Direktor noch etwas von ,ihm wolle. Dann nahm er seine Bücher. Georg Rüdiger kämpfte mit sich. Er wollte eine Frage thun. Eine Frage, die brannte, auf deren Antwort er in Angst gewartet hätte. Sagen Sie " Nein! Er fuhr sich mit der Hand über's Gesicht. Danke. Es ist nebensächlich. Gehen Sie nur!" Und mit tiefer Verbeugung verließ der Obersekundaner das Zimmer. Das war um die Zeit, als Gertrud Rüdiger und Dr. Holst die Treppe hinunterkamen. Ruhelos schritt der Chef auf und ab. Es war ihm ein unsinniger, unmöglicher Gedanke gekommen.. Eine jähe Vermuthung nur! Aber als blendender Blitz hatte sie das Dunkel erhellt. Unmöglich, dachte er immer wieder. Doch warum unmöglich? Nur weil er wllnfchte, daß es so sein sollte? Er rechnete zurück. Mit der Zeit mochte es stimmen. Er hatte eine Tochter von über zwanzig Jahren. Warum sollte da nicht ein Sohn von siebzehn sein? Das wußte er auch: einen Regierungsassessor hatte sie geheirathet. Wächter? Vielleicht! Der Name war ähnlich. Aber wie kam sie hierher? Hierher, nach Lengowo? Unmöglich, sagte eine Stimme zum

drittenmal. Doch eine andere: was. soll da auffaum fern? Die Regierung brauchte hier tüchtige deutsche Beamte. Sie zog sie aus ganz Preußen heran. Wer Karriere machen wollte, kam nach Posen. Wer sich hier in schwierigen Verhältnissen bewährte, hatte Aussichten. Da ist mancher Märker über die Grenze gegangen. Ich selbst doch auch," dachte Georg Rüdiger. Immer wieder die gleichen Gedanken, immer wieder ja und nein. Warum hatte er den Jungen nicht gefragt? Die Frage brannte doch so: Wie ist der Mädchenname Ihrer Mutter?" Aber der Knabe hätte das zu Hause erzählt. Hätte sich selbst den Kijps zerbrochen: Was ging das den Direktor an?" Gut, daß er's nicht gethan! Und da als ihn dies alles bestürmte und verlorene Jugend lebendig ward war Gertrud gekommen. Des Essens wegen. Mit Dr. Holst hätte sie das Gymnasium besehen. Was war ihm das? Er überflog schon wieder einmal allzuviel, er lebte in dieser Stunde in einer Welt, die seine Tochter nie gekannt hatte. Und plötzlich, dann, beim Essen, war ihm der erlösende Gedanke gekommen, daß über diesen Reinhold Wächter ja Aufnahmepapiere vorhanden sein mußten, daß im Taufschein ja der Mädchenname der Mutter genannt sein würde. Darauf wartete Georg Rüdiger jetzt.- . Es dauerte lange, bis der Pedell kam. Dieser Pedell war auch so ein altes Jnventarsiück des Gymnasiums und ließ sich Zeit. Die Direktoren gehen," pflegte er zu sagen, ich bleibe." Das hatte ihn sicher gemacht. Wenn die Sonne es im Sommer gar zu gut meinte und der Nachmittagsunterricht ausfiel, ging er in der Pause von elf bis zwölf von Klasse zu Klasse, bestieg unter dem Jubel der Schüler das Katheder und sprach jedesmal die großen Worte: Ich und der Herr Direktor haben beschlossen, wegen allzugroßer Hitze den discipulis heute Nachmittag frei zu geben." In der Prima ward er dann auf die Schultern gehoben und im Triumph zur Thür getragen. Er winkte gnädig: Man thut ja, was man kann. Man hat ein Herz für die Jugend. Als ich Primaner war " Doch an dieser Stelle verschlang das Hohngelächter der versammelten Schaar jedes weitere Wort. Worauftsich Der Mitmensch" oder Der Zeitgenosse" er hörte auf beide Namen immer gekränkt und hoheitsvoll zurückzog. Dem neuen Direktor war er nicht besonders hold. Der faßte ihn zu fcharf an. Wenn irgendeine Klasse mal nicht gut gelüftet war oder Papier herumlag oder etwas nicht schnell genug ging, gab's gleich einen Rüffel. Aber ich überleb ihn doch in Lengowo," tröstete er sich. Er. hatte endlich die Papiere gefunden und brachte sie dem Chef. Wir können sie man gleich rauslassen," meinte er ' dann. Nächste Ostern brauchen . wir sie doch wieder. Der Wächter geht ab.".

Dann suchen' Sie sie nur ruhig noch mal raus, Krätke! Wo wohnen die Wächters eigentlich?" Der Zeitgenosse und Mitmensch brummelte vor sich hin. Großdorferstraße. Im Eckhaus die erste Etage. Unten ist die Apotheke." Nun war er entlassen. - Georg Rüdiger .schlug die Blätter um, die der Pedell ihm gebracht hatte. Vorbildung Impfschein Ge-burts-und Taufschein, ausgestellt vom evangelischen Pfarramt in Frankfurt an der Oder. Reinhold Erich, ehelicher Sohn des Königlichen Regierungsassessors Friedrich Wächter und der Marie-Anna, geborenen Leutholdt " . Weiter las der Direktor nicht, ob seine Augen auch ununterbrochen auf das Papier starrten. Marie-Anna Leutholdt! Ein Name nichts mehr! Fremd und von fremder Hand hier geschrieben! Ein Name, der gar nicht mehr ezistirte, der einst gewesen war vor langer Zeit vor zwanzig Jahren! Damals hatten sich an ihn alle Farben gebunden, die das Leben schmückten. Aller Glanz wob darum, alles Lachen scholl daraus, jedes Glück hatte in dem Namen Heimath. Seitdem war das Leben schwer geWesen. Arbeit und Pflicht Tag um Tag, Jahr um-Jahr. Lobn und Dank hatten sich aucb damit verknüpft. Ungerecht, oas zu leugnen. Auf vielen Beeten wachsen Blumen. Und Arbeit und Pflicht winden auch Kränze, deren man sich freut. Aber wenn er zurückdachte ja, es war alles gut gewesen! Nur noch einmal die ganze Zeit durchleben hätte er nicht wollen. Es hätte sich nicht gelohnt. Und während er immer noch auf den Namen starrte, hatte er dieses durch kein Wort zu benennende Gefühl, das uns in seltenen Minuten erfüllt: wie groß und grenzenlos und grausam, wie lang und wie kurz dieses Leben sei, wie zum Fürchten und zum Weinen. Ein Gefühl, gemengt aus dumpfem Staunen, zitternder Wehrlosigkeit, unklarer Sehnsucht und stumpfem Schmerz. Er stützte den Rofö in beide Hände. Es war ihm, als woge" etwas in ihm durcheinander, als sei es aus der Ruhe gescheucht, als müsse er auf etwas warttn, was nun kommen yomt. ism großer Schmerz? Ein Schrei? Ein Glück? Nur ganz still sitzen nicht denken sich gedulden. Vielleicht legte es sich, wie es bisher lag, sinkt hinab und wird wieder ruhig. Die Uhr schlug. Drei Schläge. Es war eine Viertelstunde vor Zwei. In fünf Minuten wurde draußen das Gitter geöffnet. Dann klapperten wieder die Stiefel der Schüler über den Korridor, ging es treppauf, treppab ... Da war schon die Glocke. Sie ward zehn Minuten vor Beginn des Unterrichts geläutet. Sie mahnte die Schiendernden, rief die Säumigen. Das ging so jeden Tag. Nur in den Ferien schlief auch die Glocke. . Und nun näherte sich auch schon das Summen, Laufen, Plaudern. Stimmen riefen durcheinander, Klassenthüren klangen, Lehrer kamen man hörte, wie sie im Konferenzzimmer sprachen. Zwei Uhr. Jetzt wurde die Klingel im Korridor gerührt. Ein paar Nachzügler stürzten die Treppen empor, um keuchend noch vor dem Fuchs" da zu sein. Vielleicht war auch Reinhold Wächter darunter Marie-Anna Leutholdts Sohn. , Ob er der einzige war? Ob er Eeschwister hatte? Und wenn er zu Haus in's Erzählen gekommen war: Denk Dir, heute bin ich in's Direktorzimmer befohlen worden, Mama!" Wenn sie gefragt hatte, wie der neue Direktor hieß? Aber das wußte sie wohl schon lange. Das hatte ja ein halbes Dutzendmal im Lokalblättchen gestanden. Ob sie blaß geworden war, als' sie seinen Namen gehört hatte? Ob eine böse Falte sich in ihre Stirn gegraben und sie das Haupt stolz emporgeworfen hatte wie ihr Sohn? Ob sie jetzt auch so saß wie er und auch darauf wartete, daß alles Aufgewühlte wieder ruhig ward? Aber es ward nicht ruhig. S o nicht! Georg Rüdiger erhob sich, legte die Papiere zusammen und nahm den Hut. Er unterritete Nachmittags nie. So hatte er Zeit, sein altes Rezept zu erproben: einsam und allein in's Land zu laufen, so weit er gehen wollte. Die freie Weite draußen hatte ihm so viel fchon abgenommen. Der Wald, der See, das Feld jedes trug gleichsam einen Theil der Schmerzen. Der Wald sänstigte sie; das weite freie Land nahm ihnen das Bittere, den Stachel; das blitzende Wasser schloß sich über ihnen. Er ging durch die Stadt. Ein frischer Frühlingswind blies gegen die heiße Stirn. Die Fensterläden klapperten. Am Hause von Samuel Strich schwankte das Barbierbecken. Der . Direktor sah auf. Also hier war das Heimchen" zu Hause. Eben verließ ein Kunde den Laden. Der Heil- und Haarkünstler begleitete ihn bis vor die Thür. Ewig sich die Hände reibend, ewig dienernd man verstand, warum Samuel Strich in ganz Lengowo nur der süße -Strich" genannt wurde. , Kaum Latte er. der, . Fremden Leseheg

und den Gymnasialdirektor in ihm gewittert, als er noch verbindlicher lächelte, noch stärker die Hände rieb, noch tiefer dienerte. ' Gilt das mir? fragte sich Georg Rüdiger. Er dankte aber und machte, daß er weiterkam. . Drüben war der Markt. Die Großdorfer Straße ging von ihm ab. Sie war breit und mit Bäumen bestanden. In langer Flucht führte sie aus der Stadt hinaus. Das Eckhaus richtig, die Apotheke war darin. Und oben wohnte MarieAnna. Große Fsnfter, aber überall waren die Stores vorgezogen. Langsam fchritt der Direktor vorüber. Wenn sie jetzt aus der Hausthür treten würde würde er sie überhaupt noch erkennen? Zwanzig Jahre lagen zwischen einst und jetzt; ein ganzes Leben war in den zwei Jahrzehnten beschlossen. Der eine hatte die Freuden und Schmerzen des andern nicht gekannt. Beide war:n so grundverschiedene Wege gegangen. Er: langsam auf üblichem Weg aus der Niederung aufsteigend. Sie: früh auf eine ob auch bescheidene Höhe geführt, um dann wieder in die Stille zurückzusinken. Die letzten Häuser lagen hinter ihm. Nun blies der polnische" ' Wind ihn stärker an. Er achtete es nur so viel, daß er den Hut fester setzte. Es war die Landschaft, die er kannte 7 nicht viel anders, als die Mark sie Zeigte. Der Boden vielleicht etwas schlechter, die Felder vielleicht weniger sorgsam bestellt. Und die weite Ebene nur von Wäldern unterbrochen. Kein fröhlich Land. Er begriff, daß die Lieder, die hier geboren und gefunqen wurden nickt bell waren. Aber er war ein Sohn der Ebene und liebte sie auch hier. Einer, den die hohen Berge bedrückten, der die Alpeuländer des Sommers wohl, gern durchwanderte, nicht aber dort hätte leben mögen. Und die Ebene machte ihm auch heute die Brust weiter und nahm ihm ab, was ihn bedrückte. Sie sänftigte es, daß es stiller ward, daß die quälende Unruhe und der Aufruhr des Innere wich, daß nur noch ein Rest zurückblieb, eine Wehmuth, ein wiedererwachter Traum. Es war schon dämmerig, als er von seinem langen Marsch zurückkehrte. Aber er trug ein ruhiges Herz durch die stillen Straßen. In der Wohnung über der Apotheke brannte schon Licht. Er grüßte es mit den Augen: Ich wußte nicht, ob ich. mit dem Kaffee auf Dich warten sollte. Du hast ihn ja heute nach dem Essen stehen gelassen," sagte Gertrud, als er nach Hause kam. Laß nur," erwiderte er freundlich. Bist Du den ganzen Nachmittag zu Hause gewesen, Kind? Es wird Dir bald zu einsam werden. Du mußt Dich nach einer Freundin umsehen." Ja, gewiß," nickte sie. Sie stellte Geschirr in das Büfett. Die Teller klangen und klapperten. Ihr Vater ging noch ein paarmal im Zimmer auf und ab. Ihm war, als müsse er ihr etwas Gutes sagen. Er hatte den ganzen Tag so gar nicht an sie gedacht. Die Vergangenheit war stärker gewesen; sie hatte ihr heute etwas geraubt. Er sah zu, wie ein Satz Teller nach dem anderen im Büfett verschwand. Du bist , hausfraulich wie die Mutter, Gertrud," sagte er und schlang liebkosend den Arm um ihre Schulter. Für die Wirthschaft muß doch gesorgt werden,' Papa!" Einen Augenblick hielt sie still. Dann machte sie sich frei. Und er fühlte mit einem Mal, daß, so nahe sie beide, Vater und Tochter, sich standen, eine tiefe, natürliche Kluft zwischen ihnen war, daß jeder in seinem Eigensten allein blieb. Es überfiel ihn so jäh,. daß er fast erschrak. Er hatte immer bislang einen Freund und -Kameraden an ihr .gehabt; sie hatten gemüthlich alles mögliche besprochen. Nichts, was ihn rein fachlich interessirte. Aber darüber, wie überhaupt über höhere geistige Interessen, hatte er mit seiner Frau erst recht nicht reden können. Das entbehrte er also nicht; darin war er nicht verwöhnt. Ueber das Nächste und Praktische jedoch ließ sich mit Gertrud ebenso plaudern wie mit der Mutter. Sie leitete die ganze Wirthschaft schon seit Jahren. Er gestand sich fast ein, daß sie es ruhiger that, daß er sich wohler fühlte. So hatte er die Frau leichter entbehrt. x Aber nun, wo etwas in sein Leben trat, was sein Herz bewegte, was ihn als Mann anging da war die Tochter ihm fremd und fern. Einer Frau hätte er sein Herz und alte Träume in die Hand geben können. Seinem Kind nicht. Und er empfand ein Weh nicht nur seinetwegen. Ihm schien, das Mädchen müßte selbst ein gleiches Gefühl jetzt haben und darunter leiden: wie fern sind wir uns! Leise nahm er seine Lampe und ging damit in seine Swdirstube. Er wollte etwas vornehmen, angestrengt arbeiten. Es gelang ihm nicht. : Er saß nur da und sann und horchte nach draußen und drinnen. (Fortsetzung folgt.)

13 Raucht die B0NANZA.

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Inland I 4H-X:--W-W-H-H-S Mühsame Arbeit. Der Mayor McClellan von Greater New ö)ork ist zur Zeit damit beschäftigt, 37,000 kürzlich verkaufte städtische Schuldscheine zu unterzeichnen. Da dies eine langwierige Arbeit ist, hatten sich mehrere Erfinder 'gemeldet, mit Vorschlägen, welche dem Mayor die Arbeit erleichtern sollten. McClellan zog es jedoch vor, in der bisher üblichen Weise zu unterzeichnen. Säuflinge als Kohleng r ä b e r. Die Legislatur von Iowa hat den Bau einer Anstalt zur Heilung von Trunkenbolden angeordnet und als Platz für sie den Ort Knoxville bestimmt. Die Kontrollbehörde hat aber nicht im Sinn, die Säufer auf der faulen Haut liegen zu lassen, sondern will nahebei Land ankaufen, um ein Kohlenbergwerk anzulegen, wo die Herren" arbeiten müssen. Kindisch gewordener Jockey. Der Jockey Minder, welcher vor einiger Zeit in Churchill Downs, Ky., beim Pferderennen stürzte und schwer verletzt wurde, ist zwar körperlich wieder hergestellt, sein Gedächtniß ist aber vollständig geschwunden. Sein geistiges Benehmen ist das eines Kindes, er wird mit Spielsachen in Ruhe gehalten und erhält Fünfcentstücke, wenn er veranlaßt werden soll, Medizin zu nehmen. Metzelei wegen Blumen. Der Italiener Louie unfern Meyersdale, Pa., hatte hinter dem Kosthause seines Landsmannes Dominick Bills wildwachsenden Löwenzahn gepflückt. Bills rief ihm scherzend zu, er solle sich schleunigst fortscheren, und Louie, der die Sache ernst nahm, antwortete mit einem wilden Fluch. Darauf zog Bills einen Revolver und schoß den Landsmann todt. Ein anderer Italiener nahm Partei für den Todten und knallte Bills nieder, sowie dessen Vetter Samuel Bills, der zufällig des Weges kam. Der Thäter entfloh. Schlecht gewählte Sparb a n k. " Dev Farmer Teste in Turtle Lake, Wis., hatte kein Zutrauen in die Banken, und so vergrub er seine ersparten $599 in einer Blechbüchse unter einem Baumstumpen. Als er aber dieser Tage Geld nöthig hatte, konnte er den richtigen Stumpen nicht finden und gerieth fast in Verzweifln. Mit Hilfe der Nachbarn ist es dann nach fünf Tagen gelungen, unter den Hunderten von Stumpen in seinem Felde den rechten herauszufinden, wo unversehrt die Blechbüchse mit dem Gelde lag. Der Farmer will in dieser Spardank" kein Geld mehr dcponiren. Unerwartetes Wiedersehen. Frl. Elizabeth Bambooragian, eine Krankenpflegerin des Sanatoriums zu Battle Creek, Mich., wurde von der Polizei als Dolmetscherin zu einer bejahrten Frau gerufen, die dort von einem Bahnzug abgesetzt worden war und kein Englisch sprechen konnte. Die Pflegerin erkannte in der alten Frau ihre eigene Mutter, die sie seit vielen Jahren für todt gehalten hatte. Die Greisin war von einem ihrer Söhne nach New Jork verbracht worden, und der Sohn, der New ?)ork nicht verlassen konnte, hatte seine Mutter allein wieder nach dem Westen geschickt. Keine Trauung für Geschiedene gibt es in der Stadt Hagerstown, Md. Dieser Tage kamen der 26 Jahre alte Walter Shocp und die 31 Jahre alte Frau Cramer. Beide von Beaver Creek, Pa., nach Hagerstown, um sich zu verheirathen. Beide sind geschieden, und nachdem die Frau die Licenz erlangt hatte, begaben sie sich auf die Suche nach einem Prediger, doch weigerten sich sämmtliche Geistliche der Stadt, das Paar zu trauen, da sie den gemeinsamen Beschluß angenommen haben, keine geschiedenen Personen zu verheirathen. Aergerlich über den Mißerfolg wandte sich das Paar an einen Friedensrichter, doch konnte auch dieser den Heirathslustigen nicht helfen, da in Maryland kein Friedensrichter eine Trauung vornehmen darf. Kampf mit 'einem Seel ö w e n. Auf einem in voller Fahrt befindlichen Schnellzuge hatte der ExPreßbote May von Kansas City, Mo., mit einem großen Seelöwen einen Kampf zu bestehen, dem er dadurch ein Ende machte, daß er das Thier erschoß. Der Seelöwe war von San Francisco abgesandt worden und für New Fork bestimmt. Wegen seiner,. Größe und Wildheit hatte man ihn in einen starken Behälter gethan, doch das von dem Zuge verursachte Schütteln erregte seine Wuth, und es gelang ihm, mit dem Kopf den Deckel des Behälters wegznstoßen. Nachdem er in dieser Weise seine freie Bewegung erlangt, stürzte sich der Seelöwe auf May. Dieser löste die Kette zweier Hunde, doch die Letzteren schlug der Seelöwe mit seinen Flossen zur Seite und fuhr abermals auf May los, welcher auf einem Haufen Koffer Schutz suchte. Der Seelöwe kletterte ihm nach, worauf May sich genöthigt sah, von seiner Waffe Grauch zu machen. - W ä h r e n d einer VerHandlung erschossen hat sich in Mako, Ungarn, der Leiter des dortigen Bezirksgerichtes, Gerichtsrath Maljus. Er suspendirte Plötzlich die Verhandlung auf fünf Minuten, ging in sein Amtszimmer und erschoß sich. Man vermuthet, daß er irrsinnig geworden. ' -. . - --"'il. 1 i t 4 1 .

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Alab. 98 Hauptquartier. 7 Grand Hotel. 93 Capital Ave und fc)M 23 No. 16 Spritzenhaus 16. und Ash. i24 Alabama und 16. 126 Central Ave und 1&. 126 DandeS und 15. 127 Brookside und Jupiter '.23 Central Ave und 17. 129 Delaware und 19. i.31 Alabama und 11. (32 Bellefontaine und S. 134 College Ave und 2.. 136 Delaware und 13. 136 Alabama und North 137 Newmann und 19. 133 College Ade und 14. 139 Cornell Ave und 13. Ul Fandes und 19. 142 Highland Ave und 10, 143 Tecumfeh und 10. (45 New Jersey tlnd 22. 146 Alvord und 17. 147 No. 2 Spritzenhaus HMside Ave und :s. 43 College Ave und 22. 49 College Ave und 27. (62 Park Ave und 22. i53 LEu. W Bahn u. 22. 164 Rainsey Ave und 10. iss Stoughton u Newman 57 Atlas und Pike. (53 Bloyd und Pawpaw. 69 No. 21 Spritzenhaus Lrightwood Arden und Depot "163 Brigytwood und 25. 164 Rural und Bloyd 165 St. Clair u. Äeystcn !? Arienal Ave unk 23. 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I Schläge, 1 Uhr Mittags. Die so bezeichnete Signale werden nur dsm Thurm Wachter angegeben da an den betreffende Etraße Keuzunge kein AlannkSste angebracht find. Chicago und der große Nordwefte via laSka Hawaii BHiliPPine Insel. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. Bon der Monon 47. Str. Station, Chicago, find S nur S Minuten mittelst elektrischer Car nach den Union Biehböfen French Liick Spring, Indern Orange County Hochland. Familiea-Hote anter neuer Geschäftsleitung. Pluto, Proserpine ind BowleS Quellen. Bestes Mineralwasser der elt. Zwei Züge täglich via Greencastle. Ticket-Officen : Union Station, Massachusetts ve und 25 West Washington Straße. R. P.Alge, Distrikt Vass. aent. Indianapolis. Ind. .H.McDoel, E. H. Ro ck w e ll, ras. und GeMgr. . emevelnirk Frank J. Reed, Sen.Piff. Agent. Chicago. Zll.

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