Indiana Tribüne, Volume 27, Number 247, Indianapolis, Marion County, 8 June 1904 — Page 6

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Jndiana Tribüne, 8. Juni 190'A.

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Europäische Nachrichten.

Sachsen. Dresden. Geheimer Hofrath Professor Ferdinand Pauwels ist im Alter von 74 Jahren plötzlich amHerzschlag gestorben. Sein 50jähriges Jubiläum als aktiver Jurist feierte kürzlich Amtsgerichtspräsident Ludwig Kunz. Im Altr von 22 Jahren trat er als Aktuar in den juristischen Staatsdienst. Seit 18 Jahren ist er Vorstand des hiesigen Amtsgerichts. Durch einen von hier nach Görlitz verkehrenden Personenzug wurde der Bahnwärter Stellvertreter Traufelder von der Bahnmalerei Radeberg durch Ueberfahren getödtet. Die Firma für Gas- und Wasseranlagen, sowie Bierdruckapparate von Hermann Anders beging ihr fünfundzwanzigjähriges Geschäftsjubiläum. B a u tz e n. Hier erstach nach einem Streite der S0jährige Arbeiter Lowke im Rausch seine gleichaltrige Ehefrau mit einem Messer. Er würde verhaftet. Crimmitschau. Kürzlich entfernte sich der mit Krämpfen behaftete Steindrucker Paul Röscher aus seiner in Frankenhausen gelegenen Wohnung. Jetzt fand der Waldhüter die Leiche Rofchers hier im oberen Sahn-teiche.-Eiben stock. Der seit dem 12. Februar vermißte Handarbeiter Unger von hier wurde bei Auerhammer is der Mulde ertrunken aufgefunden; Schwermuth soll ihn in den Tod ge trieben haben. Großschönau. Hier starb, 83 Jahre alt, der vorm. Färber Joh. Gottfried Wenzel, der 69 Jahre lang bei der Firma Karl Friedr. Krause in Arbeit gestanden hat. K l e i n - B d l i tz. Der Invalide Wilhelm Kästner aus Wilthen hat sich in einer Gesindestube hier erhängt. Er hinterläßt drei noch unerzogene Kin der. Leipzig. Schuldirektor Strunz. der seit mehr als 50 Jahren im Schulwesen thätig ist, scheidet mit Schluß des Schuljahres aus dem Schuldienste aus. Nachfolger ist Schuldirektor Wagner, seither in Radeberg thätig. Die angesehene Firma Carl Keuhls Nachfolger, Gold, und Silberwaarenbranche, feierte ihr lOOjähriges Geschäftsjubiläum. Beim Gondelfahren auf der Pleiß verunglückte die 24 Jahre alte Malersehefrau Marie Soenden geb. Peter, gebürtig aus Würzburg. In dem Rosenthal wurde der erst vor kurzem hier zugereiste 32 Jahre alteKaufmann Karl Richard Quaas aus Meerane erschossen aufgefunden. Der Leichnam wurde in die Anatomie gebracht. Kessen-Aarmstcrdt. D a r m st a d t. Monteur Gottfried Gerich von hier wurde in der Central werkstätte infolge einer Gasexplosion am Kopfe derart verbrannt, daß er mittelst Krankenwagen nach dem städtischen Krankenhaus verbracht werden mußte. Die Explosion soll dadurch entstanden sein, daß der Verunglückte an einem Kessel, an dem er Montirungsarbeiten zu verrichten hatte, eine Klappe öffnete und mit einem Lichte in die Öffnung leuchtete, wobei die Explosion erfolgte. Jedenfalls hatten sich in dem Kesselraum Kohlengase gesammelt. Affolterbach. Der hiesige 26 jährige Barbier und Musikant Konrad Schwöbel wurde von dem 20 Jahre alten Maurer Reinhard von der Tromm erstochen. Das Gericht und die Gendarmerie begaben sich sofort nach dem Thatorte. Unterdessen wurde der Attentäter hier in der Röth'schen Wirthschaft von dem hiesigen Polizeidiener Eisenhauer dingfest gemacht und ins Gerichtsgefängniß abgeführt. Die That spielte sich auf derStraße ab und sollten Liebeshändel die Veranlassung gewesen sein. B i n g e n. Die 65jährige Frau Benz aus Bingert wollte in der Näh der Station Planig aus dem bereits im Fahren begriffenen Zug aussteigen, stürzte aber so unglücklich aus dem Zuge, daß sie einen Schädelbruch erlitt und sofort verstarb. Mainz. Die 8jährige Tochter des Tapetenhändlers Becker in der Karmelitenstraße sprang in der Schusterstraße von einem Pferdebahnwagen. Dabei sprang das Kind zu kurz und lam mit den Füßen unter den Wagen, wobei ihm das Vorderrad über den linken Fuß ging. Das schwer verletzte Kind wurde in die elterliche Wohnung verbracht, woselbst ein herbeigerufener Arzt eine Zermalmung des Fußknochens feststellte. Offenheim. Der hiesige Vür ger Gottfried Schmitt wurde in seiner Scheune erhängt aufgefunden. Das Motiv zu dieser That ist unbekannt. Wayern. ' München. Im aale des LöwenbräukellerS erlag der 60 Jahre alte, in der Schellingstraße wohnhafte pensio nirte Volksschullehrer Johann; Baptist Ebner einem Herzschlag. Der Steindrucker Joseph Danhauser, wel cher wegen Ermordung seiner Geliebten zur Todesstrafe verurtheilt wor den war, wurde von dem Prinz - Regenten zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt. Altfrauenhofe n. In dem benachbarten Dorfe Maierholz brann-

te das Anwesen des Oekonomen Danger vollständig nieder. Der 7jährig Sohn des Besitzers fand den Tod in den Flammen. 1 . A schaffen bürg. Hier kam der langjährige Vorstand des hiesigen kgl. Nebenzollamtes Herr Zollinspektor Lorenz Ebert fcnrn Rangiren! zu Fall, wurde von der Lokomotive erfaßt und verletzt. Bamberg. In der Ortschaft Mergendorf wurde der verheirathete Maurer Johann Böhm von einem Bahnarbeiter durch einen Messerstich getödtet. E r b e n d or f. In Kirchendemenreuth wurde der Bauerssohn Hirschmann sammt zwei Pferden und in Fuchsmühl ebenfalls ein Pferd vom Blitze erscklagen. Hof. Als dritter Rechtsrats der Stadt Hof wurde vom Gemeindekollegium einstimmig der Amtsgerichtssekretär Ottmar Fischer gewählt. I n g o l st a d t. In der vollständig aus. Holz gebauten Aktienziegelei in Kösching brach Feuer aus, welches die Ziegelei vollständig einäscherte. M ü h l d o r st Der Metzgergehilfe Eppner überfiel seine Geliebte, die 22 Jahre alte Fabrikarbeiterin Karoline Schweighofer, und brachte ihr mit einem Schlächtermesser einen tiefen Stich in die Brust bei. N e u st a d t a. D. In der Nacht brach in dem Anwesen des Fischers Huber hier - ein Brand aus, der das ganze Gebäude einäscherte. Die beiden älteren Söhne Hubers im Alter von 19 bezw. 17 Jahren konnten nur als angekohlte Leichen geborgen werden. Regensburg. Der Taglöhner Xaver Weiß erblickte auf der Kellerstiege des Karmelitenbräukellers einen gefüllter Krug. In der Meinung, der Krug enthalte Bier, nahm er einen tüchtigen Schluck Seifenstein. Der Bcdauernswerthe mußte seine Unvorsichtigkeit mit dem Leben büßen. S t a d t st e i n a ch. In einem großen, dem Baron von Lerchenfeld auf Heinersreuth gehörigen Wohnhaus in Premeußl brach Feuer aus, das das ganze Gebäude einäscherte. 26 arme Familien konnten nur das nackte Leben retten. Uffenheim. Während einer Kirchenvorstandssitzung wurde Herr Dekan Eckert vom Schlage gerührt und starb nach wenigen Stundend

Waden. Karlsruhe. Landschaftsmaler Karl Weyßer (geb. 1833 in Durlach), der die letzten neun Jahre seines Lebens, bis zuletzt in treuem Fleiße thätig, in Heidelberg zugebracht hat, ist nach schwerem Leiden hier gestorben. Bühl. Generalmajor z. D. Karl v. Fabert ist hier verschieden. Jrc ihm betrauert das Offizierkorps des I. Badischen Feldartillerie - Regiments No. 14 einen seiner ältesten Veteranen. Donaueschingen. Dem Baurath Bleyer gratulirte Fürst Max Egon zu Fllrstenberg zum 25jährigen Dienstjubiläum in einem sehr gnädigen Handschreiben und verlieh ihm als Zeichen dankbarer Anerkennung seinen Namenszug in Brillanten. Frei bürg. Ueber das Vermögen des von hier verschwundenen Generalagenten Vrllckner wurde dasConcursverfahren eröffnet. Den Gläubigern dürfte nur ein geringer Bruchtheil ihrer Forderungen zufallen. Das Gerücht von der Verhaftung Brückner's hat sich nicht bestätigt. Gailingen. In dem WohnHaus des Karl Schneble, Wagner, brach Feuer aus, welches das , ganze Anwesen, Wohngebäude, Werkstätte, Scheuer und Stallung einäscherte. Heidelberg. Sein 50jähriges Dienstjubiläum beging Oberlehrer Schweinfurth, der feit 1878 an der hiesigen Volksschule wirkt. Mannheim. Kaufmann Friedrich Herklotz stürzte sich aus einem Fenster seiner im vierten Stock eines Hauses am Friedrichsring gelegenen Wohnung und wurde schwer verletzt in's allgemeine Krankenhaus derbracht. Der Bedauernswerthe, der im Anfang der 50'er Jahre steht, leidet seit Jahren an einer schweren Nervenkrankheit. Pforzheim. Im nahen Brötzingen verstarb der praktische Arzt, Dr. Ferdinand Muser nach schwerem Leiden. Dr. Muser, ein Bruder des Landtagsabgeordneten Oscar Muser, praktizirte seit etwa 13 Jahren in Brötzingen, wo er sich großen Ansehens erfreute und längere Zeit auch der Gemeinde - Vertretung angehörte. S ä ck i n g e n. Das Trompeterschlößchen", das zuletzt von der Fürstin Dsenberg - Blldingen seligen Andenkens käuflich erworben wurde, aber nicht bezahlt werden konnte und nun in der Concursmasse der Fürstin figurirt, war jahrelang vollständig derwaist. Dieser Tage sind nun wieder Bewohner miethweise eingezogen, eine Familie Freudenberg. W e i n h e i m. An den Folgen einer Blutvergiftung, die er sich bei der Ausübung seines Berufes zugezogen hatte, verstarb in der Heidelberger Klinik im Alter von erst 37 Jahren Kaminfegermeister Johann Männ; die vollzogene Amputation des kranken Armes konnte die Katastrophe nicht mehr aufhalten, da die Vergiftung schon zu sehr vorgeschritten war. VHeinpfa5z. . Neustadt. H. Spenglermeister

Friedrich Wappler und seine Gattin, geb. Stuhlfauth, feierten das Fest ihrer silbernen Hochzeit. Neuhofe n. Der 63jährige derheirathete Korbmacher und Dreschmaschinen - Heizer Valentin Kuntz wurde durch die Gendarmerie verhaftet. Den Grund hierzu sollen sittliche Verfehlungen mit einem noch sonntagsschulPflichtigen Mädchen bilden. Bald darauf traf vom Amtsgerichte LudwigsHafen a. Rh. die Nachricht hier ein, daß Kuntz sich im dortigen Gefängnisse erhängt habe. Kaiserslautern. In der Wormser Straße hier gerieth der 30jährige Schmied Peter Sprenger mit dem 23jährigen Fuhrmann Jakob Closset in Wortwechsel. Im Verlaufe desselben erhob Sprenger das Mes ser und stach es dem Closset in die linke Schulter. Die Verletzung hatte den alsbaldigen Tod zur Folge. Sprenger wurde, nachdem er zuerst in den Wald geflüchtet war, später abev wie der zurückkam, in der Wirthschaft zu den Drei Mooren" verhaftet und in das Untersuchungsgefängnitz eingeliefert. Kurz darauf machte er seinem Leben durch Erhängen ein Ende. Die Frau des Schmiedes Pet. Klein wollte einenHafen voll kochenden Wasfers von ihrem Kind auf den Fußboden stellen; unversehens kam ein 2jäh riges Knäblem in die Nähe des Ha fens, fiel hinein und verbrühte sich dermaßen, daß es starb. Dasselbe Kind fiel vor längerer Zeit aus dem. Fens ster der Mansardenwohnung auf die Straße, indeß so glücklich, daß es voll kommen heil davonkam. VoShafi.'

Meister (herablassend zu seinem Ge sellen, auf die Dose schlagend): Da, schnupfen Sie einmal, das reinigt das Gehirn und macht klaren Ver stand." Geselle (schnupft langsam, mitKen nermiene): Na, von dem schnupfen Sie aber noch nicht lange!" Macht derGewohnheit. Es ist schrecklich, was für ein Gewohnheitsmensch der Redakteur Bissig ist! Als ihm letzthin seine junge Frau zum ersten Male kochte, warf er mit den Worten Fades Zeug!" das ganze Essen sammt den Schüsseln in den Papierkorb!" Im Bereiche der Möglichleiten giebt es keine Grenzen. Und so bewahrheitet sich auch die höchst unwahrscheinlich klingende Thatsache, daß ein dreijähriger Junge, welcher mit seiner Gouvernante einen Spaziergang im Bois de Vincennes in Paris machte, auf einen vergrabenen Schatz stieß. Das Bürschchen hatte nämlich, während seine Bonne sich mit einer ihrer Kolleginnen unterhielt, sich daran gemacht, den Boden aufzuwüh len und ein Loch zu graben. Und dabei förderte er erst eine kleine bronzene Statue zutage, und als man dann weiter grub, fand man noch einige bronzene Leuchter, zwei fein ziselirte bronzene Vasen und eine andere Statuette. Die von dem Fund in Kenntniß gesetzte Polizei in Vincennes nimmt an, daßSpitzbuben, eine Haussuchung bei sich fürchtend, den Ertrag eines Diebstahls an dieser Stelle verscharrt hatten. E i n sogenanntes Kegelgrab ist auf der Feldmark des Dorfes Bredentin bei Güstrow i. M. unter Leitung des bekannten Schweriner Alterthumsforschers Dr. Beltz freigelegt worden. Das Grab befand sich auf einer etwas höher gelegenen Ackerstelle und war von allen Seiten sicht bar. Der Kegel, die aufgehäufte Erde, bestand aus kalkhaltigem Lehm; in der Tiefe war das Grab von zwei Seiten durch Mauern abgeschlossen. In diesem großen Grabe fand man noch ein zweites Graö und mehrere Steinmauern mit verschiedenartiger Ausschmückung. In den Gräbern selbst stieß man zuerst auf die Ueberreste eines männlichen Leichnams, auf einem Steinlager bettet, der wahrscheinlich in voller' Rüstung bestattet worden war. denn es wurde ein schö nes Bronzeschwert, ein Gürtelknopf und eine Nadel oder Spange gefunden; weite? lagen in demselben Raum die Ueberreste eines weiblichen Leich nams, mit einem Halsring geschmückt, in dem noch die Halswirbel staken.und ein Tongefäß. In dem zweiten Grabe fand man verbrannte Reste eines Körpers und ebenfalls verbrannte und zusammengeschmolzene Schmuckfachen.. Das Grab stammt unzweifel haft aus der Bronzezeit, etwa 1500 Jahre v. Chr.

5tßen geöfiefien. Humoreske von Teo v. Torn.

Eddi ist sitzen geblieben. Und das gründlich. Als achter von den nennen. die nach dem Rathschlusse der Lehrer konferenz die Reife für die Sexta noch mcht erlangt hatten. Und es hätte noch schlimmer werden können, wenn der neunte nicht acht Monate und vierzehn Tage überhaupt gefehlt hätte. Wegen vtyachttlZ oder dergleichen. Gewußt hat es Eddis Papa längst. Dafür war er Hauptzollamtsassistent und Kegelbruder des Ordinarius der Oberseptima. Er hatte im Laufe des Jahres manche Ratze geschoben in kummervoller Zerstreutheit ob der tröstlosen Mittheilungen, die ihm über Eddichens Talente gelegentlich gemacht woroen waren. Er hatte erfahren, daß die Diktate feines Sohnes nur, wegen der beschränkten Anzahl von Censurziffern unter die V nicht verabreichten. Und Schönschreiben? Schönschreiben war für Eddi nie ein Qualitätsbegriff gewesen. Schonschreiben war lediglich die Be Zeichnung ' einer bestimmten Gattung von Heften, die immer voll" waren und deren Liniatur sich' den Handschriftlichen Eintragungen Eddichens niemals anzupassen vermocht hat. Im Rechnen Pflegte er von fünf Aufgaben immer nur eine zu lösen diese dafür aber falsch. Sein Aufgabenheft benutzte er zu Notizen über die Anpflanzung von Apfelsinenkernen, über das jüngste Wochenbett der Hauskatze u. s. w. Für die Schularbeiten genügte ihm sein Gedachtniß, das sich leider aber in den meisten Fallen als unzulänglich erwies Aber auch ein Hauptzollamtsassistent gehört zu den Menschen, von denen der Dichter sagt, daß sie hoffen, so lange sie leben. Und weshalb hätte er nicht hoffen sollen! Er .hatte mehr als blos die naturgesetzliche Liebe für seinen Sohn; er hatte ferner einen unbegrenzten Glauben an das fachliche Urtheil seiner Frau in Angelegenheiten der Kinder. Weshalb also hätte er neben der Liebe und dem Glauben der dritten der drei göttlichen Tugenden sich verschließen sollen ?- Seine Gattin hatte ihn nicht ein-, nein zehnmal darauf verwiesen, daß die moderne Pädagogik viel weniger Werth legt auf die Leistungen in einzelnen Unterrichtsfächern, als auf die allgemeine Bildung! Sie begriffe nicht, wie er auch nur einen Moment daran zweifeln könne, daß Eddis außergewöhnliche Intelligenz am entscheidenden Tage ihre Anerkennung finden würde. So ein Lehrer fei doch immerhin ein gebildeter Mensch und würde sich keinenfalls die Blöße geben, eine so charaktervolle Individualität, wie , Eddi Mühlbrecht, nach der Schablone zu beurtheilen. Der Tag der Entscheidung kam. Und wie alle großen Ereignisse, warf auch er feine Schatten voraus. Am Abend vorher sprach Eddi sein Nachtgebet mit einer geradezu befremdlichen Inbrunst. Er versicherte so nachdrücklich, daß er klein und sein Herz rein sei, daß die Frau Hauptzollamtsassistent ihrem Gatten mit feuchten Augen zuklinkte. Alsdann versäumte er wiederum ganz gegen seine Gewöhnheit sein kleines Schwesterchen mit Strümpfen und anderen ihm vom Bette aus erreichbaren Gegenständen zu werfen. Nachdem er eine Stunde lang in schlafähnlicher Riche verharrt, erwiderte er auf die besorgte Frage der Mutter, ob ihm nicht gut sei: Bis jetzt fehlt mir noch nix, Ma', ich glaube aber, daß ich morgen Dufteritis kriegen werde." Und thatsächlich war Eddi am anderen Morgen unpäßlich. Er. aß seine drei Kaffeefemmeln mit merklich leidendem Ausdruck, der sich nur einmal flüchtig aufklärte, als seinem Schwesterchen das Malheur passirte, den Milchtopf umzuwerfen. Die übliche Füllung seiner Frühstücksdose lehnte er ab. Mit solchen Halsschmerzen, wie er sie habe, würde kein Mensch essen können. Außerdem dauere die Schule nur bis zehn. Dann zog er ab wie Jemand, der von den ihm nächststehenden Menschen rohen Gemüths in ein schweres, dunkles Verhängniß geschickt wird. Frau Mühlbrecht mußte etwas ähnliches empfinden. Darauf wenigstens deutete die Bemerkung hin,' daß es eine merkwürdige Erscheinung sei, wie in der Seele des Mannes selbstverständliehe Empfindungen wie beispielsweise die Liebe zum eigenen Fleisch und Blut, die doch selbst ein Tiger vielfach äußere manchmal so ganz zum Schweigen gebracht werden könnten. Ein Viertel nach zehn Uhr betrat Frau Mllhlbrecht das Tienstzimmer ihres Mannes. Bleich, mit - einem herben Zug um den Mund. Sie sah den Gatten an mit Augen, wie sie unser Herrgott gemacht haben muß, als er Kain fragte: Wo ist Dein Bruder Abel?" , Eddi ist noch nicht zu Haus." Das klang einfach und ruhig, aber es war Niobe, die da sprach. Da er weder aufsprang, noch die Hände an die Schläfen preßte, sondern I lediglich die Uhr zog, verließ die kleine Frau mit einer jähen Wendung und ohne weiter ein Wort zu verlieren, das Lokal. Er war wieder einmal gerichtet. Ein Viertel nach zehn. Der Hauptzollamtsassistent hatte die Uhr in der Hand behalten und ließ sie in Gedanken repetiren. Es wurde- nicht mehr. Also was war denn?

Wohl kam es vor, daß Eddi schon zehn Minuten nach Schulschluß anschwirrte wenn es grüne Erbsen gab oder wenn er mit den Portierskindern einen Hereroaufstand verabredet, hatte. Gemeinhin aber bethätigte er die Neigung. die halbe Klasse nach Hause zu bealeiten wobei es denn auch vorkam, daß er sich in zeitraubende Ehrenhändel verwickelte. Immerhin heute war ein besonderer Tag; ein kritischer Tag allererster Ordnung. Der Beamte bat einen Kollegen, ihn zu vertreten. Er ging nach Hause. Ist Eddi schon da?" Neieiei n." Das klang so verstört, daß Mühlbrecht, ärgerlich über ein solches Gehabe, die Thür der Wohnstube schmetternd hinter sich in's Schloß warf und in fein Zimmer ging. - Dennoch hätte er viel darum gegeben, wenn er den Jungen draußen schon gehört hätte. Es blieb alles still. Nur ein Taschentuch wurde im Wohnzimmer benutzt wie man schnaubt, wenn man weint. Dann wurde ein Fenster geöffnet. Dann wieder das Taschentuch. Er stand auf und sah abermals nach der Uhr. Vierzig Minuten nach zehn. Sonderbar. Ihm war, als müsse es schon nach elf sein. Und nun kamen ihm immer einer nach dem anderen alle die grausigen Fälle in Erinnerung, in denen Kinder aus verletztem Ehrgefühl sich ein Leids angethan hatten. Verschiedene waren in's Wasser gegangen, andere wieder hatten sich unter einen Eisenbahnzug geworfen allmächtiger Gott! Eddi hatte einen Bahndamm zu passiren. Der Hauptzollamtsassistent Mühlbrecht hatte nur wenige Haare, diese wenigen aber sträubten sich und wenn der liebe, nichtsnutzige Bengel in diesem Augenblick eingetreten wäre, er hätte ihn gehauen und geküßt in einem Athem. Nichts. Eddi kam nicht. Auf Zehenspitzen schlich der Unglückliche Vater hinaus, ergriff seinen Hut und eilte mit schlotternden Knieen die Treppe hinunter auf die Gasse. - Aber gleich hinter der nächsten Straßenecke verschlug ihm der Athem in heiß aufquellender Glückseligkeit. Da stand er! An einem Schaufenster. Leibhaftig und lebendig! Absolut lebendig! Die Prinz-Heinrich-Mütze im Genick, die Schulmappe mit der ihm eigenen Liederlichkeit schief und offen auf dem Rücken; den einen Riemen der Mappe wie immer in der Hand und in der anderen eine Semmel, die er sich von einem Kameraden ausgeborgt haben mußte. Mit vollen Backen kauend, besah er alle Ecken einer Auslage, für die er sonst wenig Interesse haben konnte Nouveautes in FrühjahrsDamenhüten. ' Der Vater trat in einen Cigarrenladen und gerade zur rechten Zeit, um nicht bemerkt zu werden. Denn in demselben Moment hatte Eddi sich abgewandt und balancirte, immer ein Bein hart vor das andere setzend, auf den äußersten Kantsteinen des Trottoirs um die Ecke. Nachdem der glückliche Papa zur Feier der Wiederfindung des verlorenen Sohnes noch einige Cigarren besserer Sorte erstanden, folgte er dem Knaben beruhigten Gemüths. Wer aber beschreibt seinen Schreck, als seine Gattin ihm auf dem Flur entgegenstürzte: - Wo ist mein Kind?" Aber, Liebste er muß doch schon da sein," stammelte er entsetzt. Ich habe ihn gesehen!" Eddi!" Sein Ruf dröhnte durch die Etage, daß die Scheiben klirrten und der Kanarienvvgel am I?urfenster erschrocken von der Stange fiel. Hier bin ich " echote es zaghaft aus einem gewissen halbdunklen Verschlage. ' Eddi erklärte, daß er zwar nicht versetzt sei, daß er aber heftige Leibschmerzen habe und der Doktor, dea er unterwegs getroffen, habe ausdrülich gesagt, .daß er keine Prügel kriegen dürfe. Er bekam keine. Nicht einmal Schelte. Was die Frau Hauptzollamtsassistent zu sagen hatte angesichts der niederschmetternden Thatsache, entlud sich über dem Haupte ihres Gatten. Er hätte es längst wissen müf-sen.-Dafür war er der Vater und Kegelbruder des Ordinarius der Oberseptima. Was hatte es für einen Zweck, daß sie zweimal wöchentlich mit dem Abendbrot warten mußte, wenn er doch nicht verhindern konnte, daß sein Sohn ungerecht behandelt wurde. Selbstverstündlich dürfe man sich das mcfci gefallen lassen. Er müsse zunächst leinen Austritt aus dem Kegelklub erklären und dann eine geharnischte Beschwerde an das Kultusministerium richten. Tante Ulrike wäre dadurch auch zu ihrem Rechte gekommen, als. die städtische Schuldeputation ihr Lehrerinnengehakt verkürzen wollte. Eddi schien das durchaus einzuleuchten. Reden konnte er im Moment nicht, da er trotz seiner Leibschmerzen

mit ein paar umfänglichen Stullen beschäftigt war und beide Backentaschen voll hatte. Aber er nickte lebhaft. Als er dann den Bissen heruntergewürgt. schluckte er noch ein paarmal und krähte lebhaft: . Na, ja Tante Ulrike ist sogar Lehrerin und ist auch sitzen geblieben;"