Indiana Tribüne, Volume 27, Number 246, Indianapolis, Marion County, 7 June 1904 — Page 6
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Bei allen Vergnügungen im Freien mo Qfintn so leicht ein Unglück paffirfii kann i j. 93. Sfl0vveto tritt it&n x vvvvh;mi)h ' , - Verpaulyungcn Quetschungen Nimmt 8t. i Jakob H den ersten Play ein als da beste un sicherst Heilmittel. Preis 25c und 50c. WKX Warum nicht 4Ü C (ü C P ff r? " IP V sparen beim Einkaufe ihrer Möbel ... UNv Teppiche . . . .sowie. . . . OojtIojolcI Oefen und ...Rang;est WILLIG'S 141 West Washington Str. MWM 143 Nord Pennsylvania Straße Hauptquartier für GriUenund Operngläser ' Brillen werden aä den betten Metboden d ugen angepagr. Künstliche Augen werden schmerzlos eingefetzt. ig 4 Route ...Cxcttrsionen... Sonntag, 12. Juni. Cincinnati und zurück. Spezialzug, (nach beiden Richtungen nir: Sends für Passagiere anhaltend) verläßt In ianapolis um 7 Uhr Morgens. Rückfahrt von Cincinnati 7 Uhr Abends Terre Haute Sl.v i Rund Vreencastle 75c ) fahrt. Spezialzug -verlässt Indianapolis um 7 Nhr Morgens. Retourfahrt von Terre Haute 7 Uhr Avenos. H. M. Bronson, A. G. P. A. Dtchmann & Grabhorn, Fabrikanten von seinen.... Schau-Kästen. Gla? Ladentische und Cigarren-Tische 24 Oft Washington Straße. Alter Phone ffllainj 156.
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Europäische Nachrichten.
-Arovinz Sachsen. Magdeburg. Dem Vorarbeiter üntft Heppner, der seit 34 Jayren in mustergültiger Vflichterfüllurlg bei der hiesigen wohlbekannten Großhandels ftrma Ernst Schmld & Co. thätig ist und länger als zehn Jahre vorher bei der Eisenbahn angestellt war, ist in Anerkennung seiner guten Führung und treuen Gesinnung das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen worden. Gardelegen. Durch Erschießen hat der Müller Hermann Zöllner seinem Leben ein vorzeitiges Ziel gesetzt. Zöllner hatte zweimal an der Expeditivn gegen China theilgenommen und war als Militärinvalide entlassen worden. Das Motiv zur That soll unglückliche Liebe gewesen sein. v G e r s m a r. Großem Interesse be gegnet auf dem Eichsftlde die Mittheilung, daß Baron von Scharfenberg in Wallfried ein Kunstmuseum errichten wolle m einem Raume, der früher als Kirche, später als Schule gedient habe und der nach einer vom Antiquar Tannebaum dem Baron ubergebenen ThüriZiger Chronik im Jahre 754 n. Chr. von Bonifatius Wanfried (also vor seiner letzten Reise zu den Friesen) erbaut wurde. Lückstedt bei Arendsee. Der 24 Jahre alte, vor Kurzem aus dem Irrenhaus entlassene Sohn des Schuhmachermeisters Scholle Hierselbst fiel aus Anlaß eines Streites mit seinem Vater :n einem Anfall von Raserei über diesen, sowie über die dem Vater zu Hülfe eilende Mutter her und richtete beide durch Schläge mit einem dicken Knüppel und einem schweren Stein derart zu, daß sie blut überströmt zusammenbrachen. Der herbeigeholte Arzt stellte verschiedene Schadelbruche und sonstige schwere Verletzungen bei den alten Leuten fest. Der Rasende verwundete auch herbeieilende Nachbarn durch Steinwürfe und konnte nur mit vieler Mühe gebändigt und gefesselt werden. Er wurde sofort nach der Irrenanstalt zurückgebracht. Muhlhausen. Der bekannte Commerzienrath Werner, Begründer der Firma Werner & Co.. ist im Alter von 79 Jahren hier gestorben. In vielen öffentlichen Ehrenämtern hat er sich um die Stadt und den Landkreis Mühlhausen große Verdienste erworben. Stendal. Die hiesige Handelsfrau Maaß ließ sich vom Zuge auf der Strecke nach Wittenberge überfahren. Sie war sofort todt. Es ist dies daö vierte Mal, daß sich an derselben Stelle Personen vom Zuge überfahren ließen und auch jedesmal ihren Zweck erreichten. Lehrer Eggert beging das Jubiläum feiner 25jährigen Thätigteit an der Kapitulantenschule. Torgau. Die 86jährige Frau Varth wurde durch ausströmendes Gas in ihrem Bette vergiftet. Alle Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Ein Neffe der Frau, welcher in einem anderen Ziemer fchlief und auch bewußtlos aufgefunden wurde, konnte wieder ins Leben zurückgerufen werden. . Frovinz Westfaren. Münster. Dem Senior der pH!losophischen und nawrwissenschaftlieben Fakultät der bieüaen Universität. Geheimen Regierungsroth Professor r cm:rt .:nr in. vrtfc r.: XJL. XJDUl). 4JUIVI, ll UU3 UUUß ll nes 80. Geburtstages die aroke aolde ne Medaille für Wissenschaft verliehen worden. Alte na. Das vier Tiabtt altt einzige Söhnchen der Eheleute Albert Heine zu Müblenrabwede fiel beim Spielen in einen Fabrikaraben und verschwand in den ??lutben. Sväter wurde die Leiche im Sammelteiche der zirma trappe und Hohage gesunden Dortmund. Der bier besckäftiate Stearinaießer . Wöstboff batte sich eine geringfügige Verletzung am linken Unterarm zugefügt, die er Nicht weiter beachtete. Diese verschlimmerte sich indes derartig, daß er ärztliche Hülfe dafür in Anspruch nehmen mußte. Es war leider bereits zu spat Der Aermste ist an Blutvergiftung ge storben. E s l o h e. Betriebsleiter - Jakob Schneider der hiesigen Gabriel'schen Fabrik feierte sein 25iahiigs Dienst jubiläum. . Gelsenkirchen. Von einer Lo komotive erfaßt und m Boden ge schleudert wurde auf dem hiesigen Bahnhofe der Weichensteller Dinkelbach. Er erlitt tödtliche Verletzungen. H ö x t e r. Bei einem Wortwechsel schlug der Arbeiter Plöger mit der Axt nach seinem Hausgenossen, dem Arbeiter Nolting, und verletzte ihn schwer. Der Thäter flüchtete. Später fand man seinen Rock und Hut in der Nähe der PeiSmühle an der Weser. L ü de nsche i d. Der 50 Jahre alte Hcusirer Groll von hier ließ sich kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof von einem Personenzuge überfahren. Der Mann wurde schrecklich zerstümmelt, so daß der Tod auf der. Stelle eintrat. Groll soll sich schon längere Zeit mit Selbstmordgedanken getragen haben, er war einarmig und lebte von seiner Familie getrennt. Werk. Im Chausseegraben gegenüber der Wirthschaft Stute wurde die Leiche des Marketenders Heinrich Strickermann aufgefunden. Der Kopf war vollständig gespalten. Offenbar ist der Mord mit einer Axt ausgeführt worden. Svickermann hatte bis
spat gezecht, wobei er immer noch mit
sich scherzen ließ. So hatte man ihn u. a. im Gesicht schwarz gemacht. Zu einem ernstlichen Streite mit seinen Zechgenossen ist es jedoch nicht gekommen, lo dafz das Motiv zur unseliaen That unbekannt ist. Eine Verbaftuna ist bereits vorgenommen. Frovinz Kcrnnsver. Hannover. Einen arauenbaften Fund machten die Bewohner eines Hauses in der Heisenstraße Hierselbst. Ein widerlicher. Geruch hatte sich durch das ganze Haus verbreitet, und da man bemerkte, daß dieser aus der Wohnung der daselbst wohnenden 42 Jahre alten Frau Johanna Ruft kam, ließ man die Polizei holen, die die Wohnung öffnete. Man , fand auf dem Fußboden des Wohnzimmers die Leiche der Frau, die seit längerer Zeit dort gelegen hatte und schon stark in Verwesung übergegangen war. Auf o cctviji.ii s. n eine Äjjuyugc AijaiiQitn im XJienuc der tzstadt kann der StadtbaupolueiInspektor Peters zurückblicken. Der Jubilar, welcher im 66. Lebensjahre steht, ist hier geboren. Selbstmord durch Erschießen verübte die Büffetmamsell Meinken, wohnhaft Windmühlenstraße. Wie aus hinterlassenen Briefen hervorgeht, ist Liebesgram die Ursache der That. A u r i ch. Der Monteur R. Alberts aus Bremen hatte hier im Auftrage der Firma Bestenbostel & Sohn in der Kronenbrauerei einen Vorwärmer aufzustellen. Als der Vorwärmer hoch in Ketten hing, riß plötzlich ein Kettenglied; der Vorwärmer fauste herab und schlug gegen eine 4 Meter hohe Leiter, auf der Albertö oben stand. Die Leiter stürzte zusammen und Alberts litt einen Schädelbruch, der seinen sofortigen Tod herbeiführte. Barenburg. Die siebenjährige Tochter des Schlachtermeisters L. Rosenthal hatte die jungen Ausschüsse von Weiden gepflückt und gegessen und sich dadurch eine Vergiftung zugezogen, der sich eine Gehirnentzündung anschloß. Kurz darauf trat der Tod ein. E m d e n. In der hiesigen StrohPappenfabrik gerieth der Arbeiter Schwerke in eine Maschine, wobei dem 50jährigen Manne die Brust eingedrückt wurde. Die Verletzung war tödtlich. Goslar. Der ehemalige Zimmermann Aug. Vörsmann verunglückte beim HolzMm in der ' städtischen Forst. Ein gefällter Baumstamm, der vom Berg herabrollte. brachte den Mann zu Fall und drückte ihm die Brust em. Wittmund. Das von dem Müller Schütte aus Berdum bewohnte Haus wurde ein Raub der Flammen. Während das Vieh gerettet werden konnte, sind sämmtliches todtes Jnven tar und die Geschäftsbücher deS Schütte verbrannt. VHeinprovinz. Düsseldorf. Auf der Eifenbahnstrecke Düsseldorf - Duisburg wurde die schrecklich verstümmelte Leiche des 19jährigen Handlungsgehilfen Paul Rothschild, Sohn einer hiesigen angesehenen Kaufmannsfamilie. aufgefunden. Ob ein Unglück vorliegt oder ob der zunge Mann freiwillig den Tod suchte, konnte nicht festgestellt werden. Elberfeld. Hausdiener Nitsche des Burgerhospitals ist nach Unterschlagung von 50,000 Mark flüchtig geworden. Essen. Selbstmord durch Er yangen öeging im hiesigen Gertchtsgefängniß ein dort untergebrachter Untersuchungsgefangener Namens Kopp chen, ein junger Mensch unter 18 Iahren. Auf der Straße wurde der Schneider Klinke aus Wanne mit einer klaffenden Stichwunde in der Brust todt aufgefunden. K l e v e. Der seit dem 15. Februar d. I. verschwundene Weichensteller Hungeider aus dem benachbarten Pfalzdorf wurde im Spoykanal hierselbst als Leiche gefunden. Es liegt zweifellos em Unglucksfall vor. Mülheim a. d. Ruhr. Für den Bau eines Kinderheims schenkte die Wittwe Hugo Stinnes 100.000 Mark. Neuß Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich auf dem Hofe der Neußer Margarinewerke. Dort war der Fuhrmann Jak. Klafen mit dem Aufladen von Fässern beschäftigt. Plötzlich gingen, durch das Rollen der Fässer scheu gemacht, die Pferde durch. Klasen sprang vom Wagen und fiel den Pferden in die Zügel, kam aber hierbei zu Fall. Die Räder seines Fuhrwerks gingen ihm über den Unterleib und verletzten ihn derart, daß er semen Leiden erleaen ist. ' O b e r h a u s e n. Im alten Walzwerk der Gutehoffnungshütte, auf Osterfelder Geoiet, wurde der m den zwanziger Jahren stehende Zimmer mann Aßmann am elektrischen Hebekrähn öon einem abfallenden Balken erfcylagen. Frovinz Kessen-Maffau. Kassel. Geheimer Medizinal ratb Dr. Bode feierte sein 50iäbriae3 Doktor - Jubiläum. Die medizinische Fakultät hat aus diesem Anlaß dem .. . .lt 'fl t C r. !u "TN-tf uonar inugcicjcui, oafz i tin xjqi tor - Diplom erneuert habe. Ertrunken ist der 6jährige Sohn des am Werr wohnenden Schreiners 'Heinrich Ravoir. Das Bübletn, das bereit! zur Schule angemeldet worden war, spielte mit anderen Kindern auf der ersten Bleiche am Ufer der Fulda. kam dem Wasser zu nahe und stürzte hin ein. . - ,,
3n letzter Stunde. Line Erzählung aus irni Künstterleben, von Mar UZundtke.
Ein trübseliger Märztag neigte sich dem Ende zu. Der Himmel sah aus, als wollte er sich mit Bleischwere auf die Erde herniederlegen. Dämmeriger, feuchtkalter Nebel erfüllte die Luft. Welt und Himmel Alles ein Meer von Grau in Grau. So, nun war es zu Ende! Nun war es doch gekommen, vor dem er gezittert hatte sechs lange Jahre hmdurch. Was er nie im Leben für möglich gehalten hatte rnefe Entbehrungen, diese Leiden, diese Erniedrigungen Alles, Alles hatte et auskosten müssen, und Alles, Alles war umsonst gewefen! Nun brach das schreckliche Ende über ihn herein, ohne Obdach, keinen Pfennig in der Tasche, nichts in, nichts auf dem Leibe, trostlos Alles, wie der schauerliche Märztag. Aber für die Erde kam nach diesen Märztagen der Frühling für ihn war's vorbei! Vorbei für immer und alle Zeit. Von hier ging's , nicht mehr weiter, das fühlte er, und er fühlte auch, wie es brennend in seine Augen emporstieg. Untergehen, untergehen, jetzt so dicht vorm Ziel! schrie es in ihm auf. Aber er lächelte nur bitter dazu. Nicht mehi lange, nur wenige Stunden noch, bis die , Nacht angebrochen war, dann würde auch diese Stimme schweigen, und dann war Alles vorbei! , Sigwardt Thorsen lehnte sich müde an eine der uralten Rüstern, die di? Landstraße einfaßten. Hinter ihm stiegen die bewaldeten Höhen steil empor; vor ihm in bedenklicher Tiefe brodelten die trüben Wasser des Flusses. Wenn zu seiner Rechten ein Windstoß einmal für kurze Augenblicke die wallenden Nebel zertheilte, konnte man die Thürme und die letzten Häuser der Stadt erkennen. Da hinten lagen alle seine Hoffnungen begraben und alle seine Leiden und Erniedrigungen. Ein kurzes, hartes Auflachen, dann schauerte er fröstelnd zusammen, zog den schäbigen Mantel, der ehemals grau gewesen sein mochte, feste um die lange, ausgemergelte Gestalt und schwankte weiter. Und als wüßten die Gedanken, daß es heute zu Ende geht, zauberten sie dem müden, fast vierzigjährigen Manne mit dem ungepflegten, pechschwarzen Vollbart und dem gelblichbleichen, hageren Gesicht noch einmal die ganze Vergangenheit vordie Seele. In feiner norwegischen Heimath sah er sich als fröhliches Kind, als den Stolz und die Hoffnung seiner Eltern, einer reichen Bauernfamilie von altem Schrot und Korn. Und die prächtigen, köstlichen Studienjahre tauchten vor ihm auf, als Schüler des Geigenmeisters Joachim in Berlin, als Zögling des Konservatoriums in Leipzig. Wie lag damals die Welt so sonnenglanzend vor ihm! Die Gunst seiner Lehrer und das Große, was man von ihm erwartete, weitete seine Brust die Schätze und Glückseligkeiten der Erde lagen vor seinen Füßen! Dann kamen die Jahre der-ersten Triumphe und seine Anstellung als erster Geiger im Orchester der Opernbühne eines mitteldeutschen Fürsten. Wie das Alles zusammenströmte, , um ihn fast zu erdrücken mit Allem, was das Leben Schönes zu bieten hat! Zu dem Glück, das ihm die hehre Kunst gewährte, zu den sonnigen Zukunftsträumen gesellte sich die Seligkeit einer köstlich reinen, thaufrischen' Jugendliebe. Gelegentlich einer Konzertreise nach Berlin sah er sie wieder, rein zufällig, die Sigrid Erikson. Wie groß und starkund schön die kleine Sigrid geworden war, die er in seiner Vaterstadt Frederikshall oft genug gegen die wilden Buben vertheidigt hatte die Jdealgestalt einer Wagner'schen Walküre! Und singen, singen konnte sie ! Ihre Ausbildung als dramatische Sängerin war in Berlin nahezu vollendet, und Sigwardt .Thorsen war glücklich, ihr die Wege ebnen zu können; er setzte es durch, daß sie von seiner" Bühne engagirt wurde. Er hatte es, nicht zu bereuen; Sigrid Erikson war bald erster Stern an der Residenzoper und entwickelte sich in kurzer Frist zu wahrhaft künstlerischer Höhe. Da fiel der erste Reif in diese Frühlingsherrlichkeit. In seinem Herzen begannen die Eifersucht und norwegischer Trotz einen erbitterten Kampf. Sigrid wurde umschwärmt und am meisten verhätschelt vom Intendanten, einem .reichen, wohlkonservirten Wittwer von altem Adel. Ihm schien es. als fei sie nicht unempfindlich gegen d:e Aufmerksamkeiten des einflußreichen Mannes. Er zog sich grollend zurück und wurde kurz und abstoßend. Von seiner leidenschaftlichen Liebe hätte er jetzt schon gar nicht mehr gesprochen, und Sigrid nun, die schien anfänglich nichts zu merken, dann aber erwachse auch ihr Stolz, die beiden Herzen entfremdeten sich immer mehr, bis der Geigenkünstler endlich, Gleichgiltigkeit und Kälte heuchelnd, wo er sich in rasender Gluth fast verzehrte, , auf und dabon ging. Thorsen stand still und fuhr sich mit den abgemagerten Fingern über Stirn und Augen. Wieder lehnte er sich erschöpft an einen Baum. Der frische Abendwind vom Flusse her ließ die zerfranzten, abgeschabten Kleider um den hageren Körper schlottern. Vor Erschöpfung schloß er die Augen. Wenn Jemand hier entlang gekommen wäre und ihn genau betrachtet hätte, der hätte
wohl gern einen weiten Umweg um diese mehr als fragwürdige Gestalt gemacht. Aber ob er auch ermüdet inne hielt auf sein trostlosen Wanderung die Gedanken machten nicht Rast bei jener Zeit. Die Bilder zogen weiter an ihm vorüber, die furchtbaren Bilder allmäliaen Sinkens, die in ununterbrochener Kette einander folgten und deren letztes jetzt das Letzte war! Er war auf Konzertreisen hinausgegangen in die Welt, hungrig nach rünstlerischen Erfolgen. Da fand seine Laufbahn ein jähes Ende; es trat eine Sehnenentzündung des linken Ringfingers ein und ließ eine nicht unbedeutende Lähmung dieses für Geigenspieler unentbehrlichen Gliedes zurück. Damit war seine Laufbahn als Violinist zu Ende. Jetzt regte 'sich in ihm die lange mühsam zurückgedrängte Schaffenslust, und in der nun folgenden Zeit der Ruhe und Muße entstand seine erste Oper. Aber man hatte seinen Namen unterdeß vergessen und die Arbeit wanderte aus einer Direktion in die andere. Da kam der große Schlag zu Hause. Ein leichtsinniger Bruder, Konkurs, Bettelstab, freiwilsiger Tod das waren die Hiobsposten, die ihn aus der Heimath trafen. Rastlos begann er an seiner zweiten Oper zu arbeiten. Um sein Leben fristen zu können, mußte er Stunden geben; um welche zu erhalten, mußte er die Konkurrenz unterbieten; es war zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. Nach und nach wanderte seine bessere Garderobe zum Trödler; er vermochte nicht 'mehr, wie so oft von ihm gefordert wurde, die Gesellschaftsabende der Eltern seiner Schüler durch musikalische Darbietung zu verschönen. Sein äußerer Mensch verlor immer mehr an Eleganz, denn an Neuerwerbungen konnte er nicht denken, und so ging es rapide abwärts mit ihm. Ein Zögling nach dem anderen blieb aus; man genirte sich wegen seiner Armuth und Schäbigkeit, und schließlich war ihm auch die letzte Unterrichtsstunde verloren. Auch die zweite Oper war fertig, ein harmloses Werk voll intimer Reize, das ihm die Herzen Derer geWonnen hätte, die ihm willig entgegenkamen, das aber nicht im Stande war, die Geister in seinen Bann zu zwingen. Auch dieses trat feine ermüdende, aussichtslose Wanderung durch die Theaterarchive an. Mit glühendem . Eifer warf er sich auf eine dritte Arbeit, in der er sein Größtes und Bestes bot. Fachmänner, die aus Erbarmen seine Entwürfe und Ansätze und Skizzirungen prüften, waren voll des aufrichtigen Lobes ein grandioser Stoff, eine wuchtige, packende Musik von künstlerischer Vollendung. Einer der hervorragendsten Opern - Jmpresarien der modernen Musikgeschichte gewann durch Fürsprache Interesse für das Werk. Wenn es hält, was es verspricht, dann führe ich es nächsten Herbst auf," schrieb er. Aber die Ar-
beit zu Ende bringen! Ja, das war es; wie? Die entsetzlichste Zeit seines Lebens brach an. Alles Entbehrliche hatte er bereits versetzt oder verkauft, sogar von seiner geliebten Geige hatte er sich trennen müssen. Die Wirthsleute, bei denen er wohnte, quälten und drängten ihn um Bezahlung. Man schalt und höhnte den Tagedieb, der nichts arbeitete, man ließ sein Zimmer in Schmutz starren, nahm nicht die geringste Rücksicht meh auf ihn, verweigerte ihm das bescheidene Mittagessen, das er sonst in der kinderreichen Familie mit genossen, dachte nicht mehr daran, ihm den Ofen zu heizen, für Beleuchtung zu sorgen. . Und Thorsen war schon glücklich, daß man ihn nicht auf die Straße setzt?. "Lochen lang war die trockene Frühsti 'emmel seine einzige Nahrung den ga:, Tag über, so daß man ihn einmal zusammenaebrochen nach Hause transportirte. Und die Wirthin schalt, er wäre am Ende gar betrunken. Jetzt hatte auch das ein 'Ende. Gestern Morgen hatte man ihm erklärt, das Zimmer .sei anderweitig vermiethet, und ihm die Schlüssel abgefordert. Gott ja, die Leute hatten auch nichts übrig; aber das war bitter. Den ganzen Tag war er bei Kollegen und Bekannten umhergelaufen: sein Stolz wo war er geblieben! Aber überall schöne Worte. Achselzucken, verschlossene Taschen! Man suchte den heruntergekommenen Menschen möglichst schnell los zu werden. . Und dann kam die Nacht, während der er sich müde und verzweifelt durch die- Anlagen schleppte und zuweilen auf einer Bank rastete, bis ihn der feuchte Frost wieder aufjagte. Am nächsten Tage dasselbe Bild. Nirgends Hilfe, nirgends Rettung! Nun war fein Widerstand gebrochen, dicht vor'm Ziel! Er wußte, daß diese Nacht die letzte seines Lebens sein würde. Das Schicksal hatte zu viel von ihm verlangt, jetzt war sein: Kraft zu Ende. Wie ein Trunkener schwankte er dahin. Kaum noch spürte er d'-e entsetzliche Müdigkeit, den nagenden Hunger. Es war fast finster geworden. Die Chaussee, die weiter hinaus nach dem fürstlichen Lustschlosse führte, machte eine fcharfe Biegung. Eine einsame Petroleumlaterne brannte an dieser Stelle. Thorsen stolperte über den geschotterten Fahrdamm. Er sah es nicht, daß eine Equipage m scharfem Trabe von oben her in der Richtung nach der Stadt heransaüste. Kurz vor der Equipage taumelte er und fiel schwer zu Boden. Ein silberhelles, aber gebieterisches Halt tönte, aus dem Inern des Wagens. '
Die schnaufenden Thiere standen.' Thorsen hatte sich mit Aufbietung seiner ganzen Kraft wieder erhoben. Aus! der Kutsche, die auf dem Schlage dasj fürstliche. Wappen trug, beugte sich ein! blonder Frauenkopf. Haben Sie Schaden genommen? Um Gottes willen Sigwardt !" Der Musiker lehnte sich gegen den Laternenpfahl, um nicht auf's Neue umzusinken. ' Sigrid Du?" flüsterten die blutlosen Lippen. Sigrid Erikson war ausgestiegeii. Ja, was treibst Du denn? Wie siehst Du denn aus? Ist Dir nicht wohl? Komm, steig in meinen Wagen. Ich bringt Dich nach der Stadt zurück und unterwegs erzählst Du mir " Thorsen sah mit bitterem Lächeln an sich hernieder. Es ist zu spat, Sigrid; mit mir geht's zu Ende. Laß mich!" sagte er. Die Sängerin war dicht an ihn herangetreten. Noch einmal laß ich Dich nichts Sigwardt Thorsen. Komm' mit, wenn Du mich noch ein wenig lieb hast!" Er sah sie mit großen brennenden Augen an. Das sagst Du, Du zu mir?" Gott, sei doch nicht thöricht. Sigwarbt! Du weißt ja in unseren Herzen hat die Lüge nicht Raum. Ich habe Dich immer geliebt und auf Dich gewartet!" .Auch damals?" Auch damals." sagte sie einfach und , drückte seine Hand: . Fast willenlos folgte er ihrem Zuge und nahm im Wagen Platz. Bald hatten ihre theilnehmenden Fragen seine ganze Leidensgeschichte aus ihm herausgelockt. - Oh." sagte sie dann und klatschte froh in die Hände, nun hat es ja keine Noth! Ich habe heute Nachmittag vor demHofe im Lustschloß gesungen. Der Fürst ist entzückt und wünscht, mich, hier zu fesseln. Und nun werde ich bleiben, unter der Bedingung, daß man Dir die Opern-Kapellmeisierstelle überträgt, die in wenigen Tagen vakant' wird. Ah, was soll das für ein schönes Leben werden! Und wenn Du dann Deine letzte Oper vollendet hast Aber nicht doch! Dich hab' ich, Dich, und Alles das Andere es ist ja auch schön, aber daß ich Dich wieder habe, das ist doch das Beste!" Ncbcrtrumpst. König Ludwig XV. 1?on Frankreich, ein leidenschaftlicher Kartenspieler, suchte das Glück beim Spiele nicht selten in der Weise zu korrigiren, die man heutzutage für gewöhnlich mogeln" nennt. Einmal rief er, um eine mitspielende' Hofdame irrezuführen, nach Empfang der Karten aus: Ich habe vier Könige!" Da seine Partnerin selbst einen König hatte, war sie in einiger Verlegenheit, auf welche Weise sie dem Könige diese Unwahrheit vorhalten könne.Endlich rief sie: Und ich habe vier Damen!" Unmöglich," toendete rasch der KLnig ein, denn ich habe ja selbst eine Dame!" Die Hofdame entgegnete lächelnd: Doch. Majestät! Wie Sie sich selbst bei den vier Königen mitzählten, so habe ich auch mich bei meinen vier Damen mit eingerechnet!" Nr Gericht. Richter: Sie . sollen Ihren Lehrling in der unmenschlichsten Weise geprügelt haben!" Angeklagter: Ach, Herr Richter, ich konnte mit dem Menschen nicht durchkommen; er ist zu dumm, ein wahrer Idiot!" Richter: Ach was, Idioten sind auch Menschen, genau so wie Sie und ich." I n London kamen im Jayre 1881 durchschnittlich 32.8 Geburten auf je 1000 Einwohner. Seitdem ist die Geburtsrate stetig, bis auf 28.5 in unseren Tagen, gefallen. Ein Buch zum Preise von Z150 wurde in London publizirt, damit der Autor seine Leser, wenn sich solche sinden, davon überzeugen kann, daß Columbus im Jahre 1451 geboren wurde. Juden wohnten im Jahre 1885 nur etwa 16,000 bis 17,000 in Jerusalem. Im letzten Jahre lebten in der heiligen Stadt" bereits 41,000 und im ganzen Lande Palästina etwa 150,000 sraeliten. Beim gänzlichen Ent wohnen der Lämmer muß dafür gesorgt werden, daß sich die Mütter und Lämmer einige Tage weder sehen noch hören, weilsie sich sonst durch gegenseitiges Schreien beunruhigen. Sind sie von einander getrennt, so haben sie sich in zwei bis, drei Tagen vergessen und die Mütter haben die ' Milch verloren. Bebandlung tragender Stuten. Treten bei der tragenden Stute, was nicht selten sich ereignet, Unregelmäßigkeiten in der Verdauung ein, so hilft Glaubersalz diesem Uebelstände wohl ab. Allein jeder Züchter sollte es sich zum Grundsatz machen, nicht selbst den Thierarzt zu spielen, sondern diesen, wenn nöthig, such um gehend zu Rathe ziehen und sich nicht selbst auf Versuche , einlassen. .Ebenso muß, soweit thunlich, die Natur den Geburtsakt besorgen; ein vorzeitiges und unwissendes Eingreifen in denselben hat schon großen Schaden gebracht.
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