Indiana Tribüne, Volume 27, Number 245, Indianapolis, Marion County, 6 June 1904 — Page 6

Jndiana Tribüne, S. Juni

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Warum nicht $(ö !t ju (jj (jt . . j? z? sparen beim Einkaufe ihrer Möbel ... UNS Teppiche .... sowie .... Garland Oefen und .Ranges... WILLIG'S 141 West Washington Str. 1 Nord Pennsylvania Stratzt, Hauptquartier für ZZriUen nd Operngläser ' Brillen werden ack den dest,n TOtlinhcn htm Ingen angepaßt. Sünstliche Augen werden schmerzlos eingesetzt. Big 4 Route ...Excttrsionen... Sonntag, 12. Juni. Cincinnati und zurück. Spezialzug, (nach beiden Richwngen nir ends für Passagiere anhaltend) verläßt In ianapolis um 7 Uhr Morgens. Rückfahrt von Cincinnati 7 Uhr Abends. Terre Haute 81.00 VlunX Greencastle 75c fahrt. Spezialzug verläßt Indianapolis um 7 Uhr Morgens. Retourfahrt von Terre Haute 7 Uhr Wends. H. M. Bronson, A. G. P. A. 1 A Etablirt 1863, nimmt jederzeit Engag. mnrtö entgegen. Irgendwelche Orchester' Stasi! und irgend eine Zlnzahl von Musikern VKd geliefert. Neue Ausstattung und neue Nniformm. A. A. Miller, Direktor. Henry Sprengpfeil, Geschäftsführer, 301 Kentucku Avenue. Telephon Alt, roth 3311. Neu 4598. "i nfc Poeahontas rauchlose Kohlen $4.25 -pet Tonne. Poeahontas rauchlose Schaufelkohlen $4.00 per Tonne. Mnthracite, irgend eine Größe $6.50 per Tonne. für Ablieferung in diefem Monat. 25c weniger per Tonne bei einer Bestellung von 10 Tonnen oder mehr. Home Fuel Co (Jneorporirt.) Neuer Phone 9291. Altes Phone, Main 1150. , Große Auswahl von lener, No. 449 Oft Washington Str. Neues Telephon 2525.

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Europäische Nachrichten. 'Arovnz Westpreußerr. Dauzig. Den eigenen Vater hat der 19jährige Arbeiter Gustav Wrotzki durch Messerstich erheblich verletzt. Er kam in angetrunkenem Zustand in die Wohnung seiner Eltern, Irv der alte Vater schon im Bette lag. Als dieser ihm Vorwürfe machte, stieß der Unhold dem Vater mehrmals das Messer in die zur Abwehr vorgestreckten Arme. Otto Fuhst, Prediger an St. Barbara, ist hier im Alter von 66 Jahren gestorben. Er amtirte hier seit 20 Jähren. ( Deutsch-Krone. Kürzlich holten die Gespanne des Rittergutes Preußendorf Holz aus dem Walde. Bei der Heimfahrt fiel der letzte Wa gen um, und die ganze Last Stangenholz fiel dem Gespannführer Kerdinand Hock auf die Brust. Nach wemgen Augenblicken war er todt. Elbing. Auf Grunau-Höhe hat sich der Restaurateur Walter Döringer erschossen. Die Ursache zum Selbstmord ist jedenfalls in dem schlechten Geschäftsgange zu suchen. Der Verstorbene hatte früher ein MaterialWaarengeschäft, gerieth vor sechs Iahren in Concurs und hatte im vorigen Jahre das Kaffeehaus in GrunauHöhe übernommen. Graudenz. Beim Abspringen von der elektrischen Straßenbahn verunglückte Leutnant v. Langendorff vom Infanterie - Regiment No. 175. Der Straßenbahnwagen befand sich jn der Nähe der Haltestelle vor dem Deutschen Hause", stand aber noch nicht vollständig, als der Leutnant ihn verließ und so unglücklich stürzte, daß er ins Garnison - Lazareth gebracht werden mußte. L e m b e r g. Ins Wonsiner See ertrank der 14jährige Sohn des Fischers Nowack von hier.

M a r i e n w e r d e r. Dem etwa 60 Jahre alten Arbeiter Albrecht stürzte beim Abbrechen einer Scheune auf Gut Liebenthal ein Balken auf den Kopf und verletzte ihn so schwer, daß der Tod bald darauf eintrat. S ch ö n s e e. Der zwölfjährige Sohn des Besitzers Pinowski in PodPluskowenz gerieth beim Häckselschneiden so unglücklich in das Getriebe der Maschine, daß ihm der Kopf zerquetscht wurde. Der Tod trat nach kurzer Zeit ein. Z i p p n o w. Als der Schäfer Guderjahn auf den Boden gehen wollte, fiel er von der Leiter so unglücklich herab, daß er sich mehrere Rippenbrüche und schwere innerliche Verletzungen zuzog. Nach qualvollem Leiden starb er bald darauf. 'F'ror'inz 'F'ornmern. Stettin. Jn einem hiesigen Hotel verwundete der vom 2. Artillerie - Regiment nach hier commandirte Zahlmeister - Aspirant Schreidecke seine Braut durch einen Schuß in lebensgefährlicher Weise und tödtete sich dann selbst. Selbstmord beging die in der König Albertstraße wohnende Ehefrau des Kellners Wieczorek, Mutter zweier Kinder, die von einer unheilbaren Krankheit ' befallen ward. Sie durchschnitt sich mit einem Schlachtmesser den Hals bis zur Wirbelsaule. Ertrunken in der Oder bei der Eisenbahnbrücke ist der etwa 10jährige Sohn des Versicherungsbeamten Spierling, wohnhaft Preußischestraße 8. Dadow (Greifenberg). Die Hoflage des Bauern Timm brannte bis auf das massive Wohnhaus nieder. Auch Bauer Laabs ist mit allen Gebäuden niedergebrannt, Gemeindevörsicher Broecker hat das Abfahrtsgebäude verloren, Bauer Bernhard Bruß seine sämmtlichen Gebäude und der Chausseewärter Nell das Wohnhaus. G r e i f e n h a g e n. Ein Unglllcksfall mit tödtlichem Ausgange hat sich in dem benachbarten Dorfe Woltin bei den Abbruchsarbeitön der Sümindischen Scheune, welche vor einiger Zeit zum Theil niedergebrannt ist, zugetragen. Ein stehengebliebener Giebel aus Felssteinen sollte durch Unterstemmen zu Fall gebracht werden; derselbe stürzte vorzeitig ern( und begrub unter sich den Maurer Gottlieb Steinhöfel. Labes. Der seit November v. I. verschwundene Altsitzer Steffen aus Carow ist jetzt in der Nähe von Carow auf einer Wiese todt aufgefunden. Die Leiche war schon stark in Verwesung übergegangen. P Y r i tz. Auf der Bahlmann'schen Wirthschaft in Beelitz brach Feuer aus, dem in kurzer Zeit sämmtliche Gebäude zum Opfer fielen. Inventar und Getnidevonäthe verbrannten ebenfalls. Es liegt sicher Brandstiftung vor, da man auf der Landstraße vor Beelitz einen Brief gefunden hat des Inhalts, daß in Beelitz ein großes Feuer ausbrechen würde und später in Wartenberg. S t o l p. Auf dem Trockenboden seines Prinzipals wurde der 19jährige Handlungsgehilfe Ferdinand Lieft von hier erhängt gefunden. Den anderen jungen Leuten gegenüber hatte Lietz vorher geäußert, sich das Leben nehmen zu wollen. Der Grund des Selbstmordet ist nicht bekannt. frovinz SctzrGsn?ig'Korstin. l t o n a. Der hier wohnende Arbeiter Cordes wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen an der Ecke der Mühlen- und Elbstraße w bewußtlosem Zustande liegend gefunden und in's Fiafenkrankenbaus gebracht.. -.

Ellerbek. Bei der Wabl von neun Kirchengemeindevertretern für die

neue Klrchenaemeinl Ellerbek Wel lingdorf wurden gewählt: Buchbinder Puck, Rektor Krützfeldt, Gemeindevör sicher Wähle, Bäckermeister Heesch, Lehrer Prange, Fischräucherei Chr. Wilkens. Lehrer Beper, Maschinen fabrikant Hinz undHotelbesitzer Heuer. Hadersleben. Die Regierung hat :n der Gememde Horluck im tuest gen Kreise aus dänischen Händen zwei Höfe für 94,000 Mark als Domane erworben. Hohenwefiedt. Der 7jahri Sohn des Maurers Müller im benachharten Tappendorf spielte mit befreundeten Kmdern auf dem Boden eines Nachbarhauses imStroh Versteck, dabei stürzte er herunter und war sofort todt. Kiel. Die Firm August Eck mann beging das Fest ihres 50jährigen Bestehens. Gegründet am 20. April 1854, hat die Firma es verstanden, sich aus kleinen Ansangen zu einem der bedeutendsten Getreidegeschäfte der Provinz emporzuarbeiten. K r o p p. Hier ist das Wohnhaus des Baumeisters Rohlfs ein Raub der Flammen geworden. Sonderburg. Bei den Stadtverordnetenwahlen wurde Kaufmann Gerhard Hansen mit 100 und Realschuldirektor Braun mit 84 Stimmen gewählt. V o o r d e. In Grevenkrug war Kaufmann Haase mit einem Pferde beim Schmied, welches während des Beschlagens ausschlug und den Haase mit einem Nagel in's Knie traf. Die Verletzung ist schwer. Vrovinz Schresten. Ares lau. Die Firma Albert Fuchs Hierselbst feierte ihr 50jähriges Geschäfts - Jubiläum. Aus den allerkleinsten Verhältnissen heraus hat die Firma es verstanden, ihr im Jahre 1854 auf der Schweidnitzerstr. 49 gegründetes Posamenten-, .Kurz- und Strumpfwaaren Geschäft zu einer der ersten und maßgebendsten Unternehmungen dieser Branche zu gestasten. Optiker Richard Fiedler beging sein 25jähriges Geschäftsjubillium. Im hohen Alter von 91 Jahren verstarb Hierselbst nach längerem Leiden der Domvikar und 1. Subkustos, Geistlicher Rath Ernst Bistrgy. Der Verstorbene wirkte in seiner Eigenschaft als Domvikar seit dem 20. September 1851. Der -5 Jahre alte Knabe Arnold Briefe, Sohn eines Schiffseigners aus Fürstenberg, stürzte unterhalb der Komgsbrucke aus dem cx;v und ertra Groß-Tinz. Hier erstickte daö einzige dreijährige Kind der Gärtner Erbe'schen Eheleute. Jn Abwesenheit der Eltern hatte das hinter dem Ofen aufgestapelte Brennholz Feuer gefangen und großen Qualm verursacht. K o s e l. Der Rentenempfänger Sajonz ist in der Nähe von Dambowa, im Golgagraben, ertrunken aufge funden worden.Lauban. In Ausübung feines Berufes tödtlich verunglückt ist auf dem hiesigen Bahnhofe der 25 Jahre alte Rangirer Pätzold. Beim Auf springen auf den schon in Bewegung befindlichen Zug stürzte er ab und gerieth unter den Zug, wobei ihm beide Beine abgefahren wurden. Schon nach kurzer Zeit starb der Verunglückte. Neisse. Der 18jährige Bäckergeselle Johann Alder von hier hatte sich vor der Strafkammer wegen gefährlicher Körperverletzung zu verantWorten. Alder schlug im Februar ds. Js. einen mit ihm bei einem Meister arbeitenden Lehrling derart mit einer Sense, daß er ihn dabei ins linke Auge traf, welches anschwoll, eiterte lind erblindete. Alder wurde zu 2 Jahren Gefängniß verurtheilt. R atibor. Das 50jährige Bürgerjubiläum beging Stadtverordneter Rentier Schars. Der 1827 geborene Jubilar gehört feit 1871 dem Stadtverordnetencollegium an. Ziegenhals. Im MeßnerBüschel" unweit der Teufelskanzel" wurde der Arbeiter Adolf Holek erstochen vorgefunden. Er hat .mehrere Stichwunden im Kopf. Der Leiche nach zu urtheilen, muß ein erbitterter Kampf stattgefunden haben. Der Verdacht der Thäterschaft lenkt sich auf einige Arbeiter. VroVinz Kokett. Posen. Dem pensionirten Zugführer Prüfer zu Annabura im Kreise Torgau, bisher in Schneidemühl. dem Gemeindevorsteher Moll zu Dratzig im Kreise Filehne und dem Hufbeschlaglehrschmiedemeister Spiller m Posen wurde das Kreuz des Allgemeinen Eyrenznchens: dem pensiornrten Bremser Funk zu Schneidemühl, dem pensionirten Weichensteller Leske zn Cty . t - v?r v f jjiuyuno, oein oisyerigen nenoayngepäcktrSger Busse zu Bromderg, dem Eisendreher Herweg, dem Tischlergelellen Janowskl. berde m Posen. vaS Allgemeine Ehrenzeichen, und dem Restaurateur Hugo Doering zu Posen die Rettungsmedaille am Bande verliehen. Alt - Bialz. Der 15 Jabre alte Dienstjunge Johann Bonczyk, welcher beim Siedeschneiden die vor den Göpel gespannten Pferde antrieb, hat dabei auf bisher unaufgeklärte Weise feinen Tod gefunden. Der Betrieb kam plötzlich in's Stocken und als man der Ursache nachforschte, fand man den Jungen todt unter dem Göpel liegen, mit einem Loch m der Schädel-teite.

Der sittle Mmpe. von ?). Kufn!cht. Führt dein Weg auf harten Steinen, Mußt durch Dorngeftriipp du gebn, Laß dir immer an der Seite Einen stillen Kämpen fteh'n. Unermüdlich ift sein Wollen, Unerschöpflich seine Kraft; Allzeit bleibt er sanft und freundlich, Ämm frei von Leidenschaft. Alles hilft er überwinden.

Neid und Bosheit, Zorn und Schuld. AI Xtr. l r, r f rsJY l wv . jW"! 'k lein A.yun uno AZeen, i!o snn Name beikt Geduld. Zwei blaue Rriese. Skizze von Klaus Nittlsnd. Nun hatte er sie schwarz auf wein. die eherne Gewißheit, daß man seiner Dienste fernerhin nicht mehr bedürfte. Der blaue Brief. Gibt es Grausameres auf Erden als diese bündige Erllärung: Du bist nun eine erledigte Sache, ein todter Mann? Die erste leise Ahnung, daß es so kommen könnte, hatte den Oberst Wittsiedt beschlichen, als ihm im letzten Herbstmanöver die kleine Ungeschicklichkeit Passirt war. eigentlich gar nicht der Rede werth. Aber eine Bemerkung des Wtvtfionskommandeurs hatte ihn gleich damals stutzig gemacht. Dies also das Ende, der bittere Abschluß. Kalt gestellt, in bester Kraft. Hatte er das verdient? Ein Ueberflieger war er nicht, das wußte er sehr wohl, aber seine Schuldigkeit hatte er stets gethan. Als junger Kerl war er gar nicht so mit Leib und Seele Soldat gewesen mehr eine Träumernatur. Man hatte ihn aus alter Familientradition w's Kadettenkorps gesteckt, ohne ihn diel zu fragen. Und dann hatte er seinen Weg in vorschriftsmäßiger Weise zurückgelegt. Immer war er mit seiner kümmerlichen Zulage ausgekommen und wie die meisten Leute, die es eigentlich nicht können hatte er jung geheirathet, die typische Kommißehe, äußerer Anstand und häusliche Entsagung; beim vierten Kind war seine tapfere kleine Frau gestorben; nun behalf er sich mit dem obligaten Fräulein" und wurde von den späten Mädchen" der kleinen Residenz als Partie in's Auge gefaßt. Wie mochte seine Zukunft sich gestalten? Hier bleiben wollte er keinesfalls obwohl er den Ort liebte gerade weil er ihn so liebte. O Gott, wie hatte er sich gefreut, als er vor drei Jahren das hiesige Regiment bekommen hatte hier, in der alten Jugendheimath als gute Vorbedeutung hatte er eö angesehen thörichter Wahn! New, nein, heraus aus den alten Verhältnissen unverzüglich. Jn irgend ein Harzstädtchen. Blankenburg fiel ihm ein. Dort fand sich gewiß ein billiges Grundstück mit Garten. Spargelkultur? Rosenzucht? Warum nicht? Aeußerst friedliches Dasein. Er suchte Reiz in diesem Gedanken zu finden. Vergeblich. Alles Gute, Schöne, Herzerhebende war ausgewischt, vernichtet durch das grausame Papierblatt dort. Alles? Ein lichter Gedanke durchzuckte sein Hirn. Aber nein. Das war erst recht ausgelöscht. Sie mit ihren stolzen Träumen? Vorbei, alles vorbei. Da trat Hans, sein Aeltester. in's Zimmer. Der Zehnjährige war ihm schon wie ein kleiner Kamerad. Fragend schaute das altkluge Eesichtchen zu ihm empor. Papas Erregung entging dem Kleinen nicht. Und Wittstedt fühlte plötzlich das Bedürfniß, einen Anfang zu machen, den ersten Fuß in das neue Leben hineinzusetzen. Hans, willst Du was Neues wissen?" begann er in möglichst frischem Ton, wir ziehen im Frühjahr fort von Per, nach Blankenburg am Harz, wo es Euch letzten Sommer so gut gefiel." Fort von hier? Hans ritz erstaunt die Äugen auf. Ja. Ich nehme memen Abschied. .Du, Papa? Aber weshalb denn?" Weil Seine Majestät es will, mein Sohn." ' Donnerwetter. ia, das würgte ihn doch in der Kehle. Em flammendes Roth übergoß das Knabengesichtchen. Der Kaiser will es? Aber das ist ja das ist weshalb will er es denn?" Danach haben wir nicht zu fragen. mein Junge. So, und nun laß mich allem." Beim Abendessen wurde die Sache schon an der Familientafel besprochen. Die Kleineren fanden die Aussicht auf Abwechslung entzückend. Aber Taute Gilsach kommt die dann auch mit nach Blankenburg?" fragte die kleine Lotte. Schäfchen," verwies Hans die Schwester, was soll die wohl in Vlankenburg machen? Die bleibt natürlich hier." Ach nee aber dann Betrübt senkte Lotte das Köpfchen. Und ihr Papa stürzte eine sehr heiße Tasse Thee hinunter. Fräulein" aber sah zu ihm hinüber, und ein Seufzer hob ihre flache Brust. Wittstedt hielt Fräulein" für ebenso einfältig, wie sie reizlos war. Sie aber sah scharfer, als er ahnte. Längst hatte sie gemerkt, wie es um ihn stand.. Und daß. die schöne Baronin Gilsach nicht aus reiner Kinderliebe so unermüdlich gute Fee" bei den Kleinen spielte, war ja sonnenklar. Aber nun wurde sie sich bedanken.

Als Gattin eines bürgerlichen Obersien a. D.? Nimmermebr. ??räulein"

war sehr zufrieden mit der Wendung der Winge. E?ie begann zu hoffen. Und Wittstedt redete den ganzen Abend kein Wort mehr. Die paar nothwendigen Formalitat. Vntrvart ?i-rTV prIVTJ Wittstedt miethete ein Häuschen mit großem Garten in Blankenburg. Dann machte er seine Abschiedsbesuche. Nur schnell jetzt schnell alle Brücken abbrechen. Jeder Schritt aus dem Haus glich ja jetzt einem Wandern auf glühendem Eisen. Schon der nachlassigere Gruß der Untergebenen sie hatten wohl gar nicht die Absicht, aber es kam von selbst Ganz anders waren sonst die Hände in die Höhe geschnellt. Und diese gewisse Befangenheit unter seinen Offizieren. Wenn er nur in's Kasino trat gräßlich. Ach Gott, er kannte ja das alles so genau, von früheren Fällen her, diese schonende Rücksicht, diese gekünstelte Harmlosigkeit. Er war iest emvfindlick aeworden wie einer, dem die oberste Hautschicht ehlt. Zu tief hatte die Verabschiedung ein Selbstgefühl getroffen. ' Und dann endlich der Abschiedsbesuch bei ihr der guten Fee seiner Kinder. Das hatte er sich bis zuletzt aufgehoben. Denn das war das Schwerste. Gut vielleickt, daß es so kommen mußte; die eine bitterste Demüthigung blieb ihm nun doch erspart. Er hatte schon angefangen, thörichte Luftschlösser zu bauen. Die waren nun gründlich eingestürzt. Er mußte an ein Gespräch zwischen ihr und snner jüngsten Schwester denken, das er einmal als junger Hauptmann wider Willen belauscht: Macht, Einfluß, ein Leben im großen Stil." hatte sie geschwärmt, die schöne Annalise, damals noch ein Backfisch an Iahren, aber frühreif und früh gefeiert, weißt Du. was mein Ideal ist? Einen hochgestellten Staatsmann zu heirathen, eine politische Rolle zu spielen. Köstlich anregend muß das sein." Wie weh sie damit dem jungen Mann im Nebenzimmer gethan, ahnte sie nicht, ihm, der sie anbetete, scheu und stumm. Nie hatte seine Liebe sich hervorgewagt. Ihre große Schönheit, ihre Triumphe hatten ihn eingeschüchtert. Dann war sie die Gattin des ältlichen Kammerherrn geworden. Und er hatte in der fernen Garnison seine rührende kleine Lena gründen. Nun lebte die fchöne Gilsach als Wittwe wieder mit ihrer Mutter zusammert gefeierter denn je. Viel ernster war sie geworden und schmerer zu durchschauen. Eine Sphinx, eine dämonische Weibnatur nannte man sie und witterte Romane in ihrem Leben sehr zu Unrecht. Wittstedt fand sie gar nicht dämonisch trotz ihrer dunklen Schönheit, nur unbeschreiblich .anziehend das Süßeste auf Erden. Die Nachmittagstheestunden in ihrem hellen Gartensalon, durch dessen breite. hohe Glasthuren im Sommer die Ro sen hereingrüßten, im Winter die schneebeladenen Zweige diese Stunden hatten die Poesie seines Lebens beoeu tet. Hier hatte er ein tiefes Glück emPfunden ein noch seligeres geahnt. Abgeschlossen. Vorbei. Kopf oben behalten: (sut, daß er so spat erst zu ihr kam. Nun hatte sie schon Zeit gehabt, ihr Mitleid zu verarbeiten. Er trat in das wohlvertraute lauschige Zimmer mit den zierlichen Mahagonistühlen nach englischem Geschmack und den hellen Vorhängen mit stilisirtem Narzissenmuster. Annalise hob sich. Diese wundervolle Gestalt voll Majestät und Weichheit, eine seltene Vereinigung! Traurig sah sie ihn an mit ihren warmen, dunkelsammtenen Stiefmütterchenaugen. Auffallend bleich erschien sie und schmal geworden. Natürlich war Pappenheim bei ihr. der preußische Gesandte an dem kleinen Hof. Jedermann wußte, daß er sich um die schöne Gilsach bewarb ein sympathisch aussehender Vierziger, etwas ausgeblaßt, mit dünnem Scheitel und feinen, müden Zügen. Demnächst sollte er einen neuen Posten in Lissabon antreten. Und er erzählte so viel und rnteresfant von den portugiesischen Verhältnissen. wie man sie ihm geschildert, daß Wittstedt gar nicht auf fein eigenes armes Schicksal zu sprechen kam. Nur daß er übermorgen reuen wollte, erwähnte er. Und m dem gleichen Augenblia wurde die schöne Annalise noch um eine Schattirung blasser. Oder hatte er sich nur getauscht? Gewiß. Sie hatte heute nur ihren elenden Tag. Pappenheim sprach weiter von seiner bevorstehenden Seereise. Und Annalise lausmte ihm stillderfunken. Dem andern Besucher schenkt? sie nur hin und wieder einen ernsten Seitenblick. Natürlich, die Seereise mußte sie ja interessiren. Das stand ihr ja binnen Knrzem alles selbst bevor. Nun bekam ste ja. was ste wollte, das Leben nner Diplomatenfrau. Endlich nahm Pappenheim Abschied. Der Blick, der seinen Handkuß begleitete, sprach sehr deutlich entsetzlich klar. . Auf Wiedersehen, Gnädigste." Und dann wollte auch Wittstedt gehen. Eine Angst vor dem Alleinsem mit Annalise ergriff ihn. So wie sie sich gestanden hatten, war ja nun eine Erörterung seines Geschicks

räum mehr zu vermeiden, und wozu ' wozu? Aber sie hielt ihn zurück. Und saß dann ihm gegenüber, stumm und verlegen. All . ihre Weltdamensicherheit schien sie verlassen zu haben. Er erzählte allerlei von den Kindern ziemlich gleichgiltige Dinge. Und übermorgen reisen Sie wirklich?" fragte sie mit matter Stimme. Er nickte. Aber mein Gott, weshalb eigentlich so schnell?" Können Sie mir das nicht nachfühlen? Man hängt nicht am Schauplatz seiner Niederlage." Auch nicht an seinen treuesten Freunden?" Ja, sehen Sie, verehrte liebe, gnädige Frau, das ist nun das ist freilich schwer, aber hm " Jetzt mußte sie doch lächeln, während ihr Blick die breitschultrige Gestalt überflog und das guie, dunkelgeröthete Gesicht. Wenn er fo nach dem geschickten Ausdruck rang den er nur selten fand! dann traten die Stirnmuskeln über den blonden, buschigen Brauen immer so wunderlich hervor, als -ob sie anschwöllen von der geistigen Anstrengung. Höllisch schwer, ja, wahrhaftig." Ein komisch schnaufender Ton. Aber es muß gehen. Hab's doch schon einmal durchgemacht als junger Kerl und " - Schon einmal Sie?" Ihre Augen blitzten, dxihrend sie sich zu ihm vorbeugte. Aber er reckte sich hoch auf. Lassen wir die alten Geschichten. Sieh da. die chöne Küstenlandschaft." Sein Blick treifte eine auf dem Tisch liegende Photographie. Ist das etwa Lissabon?" Sie nickte erröthend. So, so. Das hat er Ihnen gebracht, damit Sie Ja, übrigens, nun wird es Zeit, daß ich gehe." Die Eifersucht hatte ihn derartig gepackt, daß er seine Selbstbeherrschung zu verlieren fürchtete. Prachtvoll muß das sein dort unten. Sie denken es sich gewiß sehr fckiLn, nicht wahr? Sieb Lissabon und stirb, heißt's ja wohl, genau wie von Neapel?" Annalise antwortete nicht. Mama" Eirke alte Dame mit langrieselnder schwarzer Seidenschleppe und silbergrauen Scheiteln trat ein, kühl-freund-lich und vornehm. Sie spendete dem Scheidenden ein wohlwollendes Abschiedswort. Und Annalise reichte ihm stumm ihre eiskalte Hand. Dann eilte er fort. -Ja. ich kann nur immer das eine wiederholen: ich begreife Dich nicht," seufzte Annalifes silbergraue Mama nach einem sehr langen und inhaltreichen Gespräch, das sie wenige Stunden später mit der Tochter geführt hatte, die schönste Chance bietet sich Dir,

und Du greffst nach der Misere. 'So nenn ich es und nicht anders. Nun bitt ich Dich blos: was fesselt Dich an den Mann? Sein Exterieur? Ich dächte Nein." Lächelnd schüttelte Annalise den Kopf. Sein Geist? Unmöglich." Wieder das träumerische Lächeln. Ach nein, sie erkannte deutlich die Grenzen seiner Begabung. Früher hatte sie ihn für einen hervorragend tüchtigen Offizier gehalten. Und die Erschütterung dieses Glaubens hatte ihr weh gethan. Nun war auch diese Enttäuschung überwunden. Und all dasUebrige vollends." Nein, auch das Uebrige" lockte sie nicht. Aber das schwamm ja alles nur auf der Oberfläche. Das, was sie band an den schlichten, schwerfälligen Mann, was sie innerlich an ihn gebunden hatte schon seit frühen Jugendjahren, das war nicht zu erhellen durch die Leuchte des Verstandes, das ruhte, in der Tiefe ihres Wesens, stM und unwandelbar, unberührt von den wechselnden Einflüssen des Lebens das lag im Gebiet des Ceheimnißvollen, ein Theil ihres Selbst, das Echteste, Reinste, was in ihr lebte. Papa, ein veilchenblauer Brief, der kommt von Tante Gilsach; hui, wie der wieder prachtvoll riecht!" riefen Hans und Lotte, gegen Abend in ihres Vaters Zimmer stürmend. Sie kannten das Billetpapier und das zarte Verlchenparfüm ihrer guten Fee. Aber diesmal erregten sie nicht die gewohnte Freude. Wittstedt erschrak. Eine seltsame Jdeenkombmation. Noch einmal ein blauer Brief, sehr verschieden freilich von den nücyternen Kouverts. wie das Militärkabinett sie versandte, aber vielleicht nicht minder leidbringend? Ein thörichter Gedanke eigentlich, daß Annalise ihm, noch schnell vor seiner Abreise den Todesstoß versetzen sollte die Mittheilung ihrer Verlobung aber Wittstedt war jetzt immer auf das Schlimmste gefaßt. Mit öebender Hand erbrach er das Vriefchen. Und als er es gelesen, stürzte er auf seine Kinder zu. drückte die beiden Blondköpfe an's Herz und eilte dann hinaus, strahlend vor Glück. Das Briefchen enthielt nur wenige Worte. Lieber Freund, der Eintritt meiner Mutter hinderte mich heute Morgen. Ihnen auf eine Frage zu antworten. Ob ich mir Lissabon schön dächte, wollten Sie wissen. Ja, wundervoll. Aber einen Ort auf der Welt denke . ich mir noch tausendmal schöner. Und der heißt Blankenburg am Harz. , Annalise."