Indiana Tribüne, Volume 27, Number 242, Indianapolis, Marion County, 2 June 1904 — Page 6

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Europäische Nachrichten. Sachsen. Dresden. Der am 30. October

v. I. von einem Straßenbahnwagen überfahrene und dabei schwer verletzte hiesige Lehrer Sallmonn ist jetzt im Friedrichsstädte? Krankenhause derstorben. Prinz Johann Georg hat dem Briefträger Beck aus Anlaß seines 2ojäbriqen Dienstiubiläums eine werthvolle Taschenuhr geschenkt. C h e m n i tz. Dem Landgerichtsdirektor beim hiesigen Landgerichte, Oberjustizrath Beinhard v. Scheibner, der in den Ruhestand trat, wurde aus diesem Anlaß das Offizierskreuz vom Albrechtsorden, und dem Oberlehrer am Gymnasium hrerselbst, Pro fessor. Dr. Lüke. das Ritterkreuz 1. Klasse des Albrechtsordens verliehen. Frankenberg. Der Vorsteherm des hiesigen Marrenverems, Frau Juizrath Reinhold, wurde die Carolmedaille in Silber verliehen.' Leipzig. Markthelfer Gottfried Wilhelm Karl Schmidt feierte sein LZjähriges Arbeitsjubiläum in dem Confektionsgeschäfte Samuel Pflugradt, Rathhausring 2, I. Das am 12. Juli 1903 verstorbene Fräulein Ernestine Francke hat der hiesigen Johannisgemeinde zu mildthätigen Zwecken 20,000 Mark vermacht. Niedercunnersdorf bei L ö b a u. Das vierjährige Söhnchen des Inwohners Berger fiel in das Mühlenwehr und ertrank. P i r n a. Oberleutnant im 13. Jnfanterie-Regiment No. 178, Adrien van Wyck, der als Adjutant beim hiesigen Bezirkscommando comandirt war, war mit seinerFrau, einer Freiin von Buxhoeveden, aus einem Wagen, dessen Pferde scheu geworden waren, an eine Telegraphenstange geschleudert worden. Die Verletzungen schienen leichter Natur zu sein; nach einiger Zeit stellten sich aber die Zeichen innerer Verletzungen ein, die schließlich den noch jungen Officier hinrafften. Seine Gemahlin lag an den Folgen des Sturzes lange krank, erholte sich jedoch wieder. Schneeberg. Dem Betriebsdirektor des consortschaftlichen Bergbaues, Oberbergrath Tröger, ist das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens verliehen worden. Stenn. Schulknabe Arno Se:fert, welcher, als er sich auf dem Hof des Gutspachters Muller an emem Baume, der gefällt werden sollte und nur noch durch ern Seil gehalten wurde, zu schaffen machte, wurde von dem umstürzenden Baume erschlagen. Z w : ck a u. Schuhmacher - Obermeister Moritz Jung, Vorsitzer der Geweroekammer Plauen und VorstandsMitglied des sächsischen Jnnungs-Ver-bandes, ist hier verschieden. Der Verstorbene war in Handwerkerkreisen eine beliebte und bekannte Persönlichkeit. Im hiesigen Krankenhause erhängte sich der geistesschwache Barbiergehnse Braun. Seffen-Zarn?stcrdt. Darmstadt. Lehrer I. Kopp beging sein 30jähriges Dienstjubiläum als Lehrer an der Kapitulantenfchule des hiesigen Leibgarde-Regiments No. IIS. Der Regimentscommandeur, Oberst v. Besser, dankte ihm im Namen des Regiments für seine vorzüglichen Leistungen und überreichte ihm als Andenken eine goldene Uhr. Asfolterbach. Feuer zerstörte das Anwesen des Müllers und Landwirths Georg Maurer. B : n g e n. In der mesigen Aktienbrauerei ereignete sich ein bedauerlicher Unfall. Beim Aufsatteln von LagerFässern wurde ein Brauer, Michael Schramm aus Kreuznach, von einem Faß an die Wand gedrückt. Der Aermste erlitt dabei sehr schwere Vertzungen am Oberkörper und mußte m's Spital gebracht werden. Der Verletzte, 24 Jahre alt, ist verheirathet. H e u s e n st a m m. Arbeiter August Rebell von hier erlitt auf einem Bauplatze in Offenbach einen schweren Unfall. Rebell war am Bauplatze unten beschäftigt, als ein schweres Stück Eisen aus beträchtlicher Hohe herabfiel und ihm am Kopfe traf, so daß er schwer verletzt die Arbeitsstelle verlassen mußte. Mainz. Der Reisende Wilhelm Müller von Stromberg hat sich im hiesigen Bahnhofshotel eine Kugel in den Kops geschossen. Der Schwerverletzte wurde ins Rochushospital verbracht, in welchem er später verstarb. In einem hinterlassenen Schreiben gibt er Lebensüberdruß als Motiv des Selbstmords an. Ober-Abtsteinach. Die Eheleute Lorenz Kohl und Frau Barbara, geb. Kaufmann, begingen das Fest der goldenen Hochzeit. Die Gemeinde hatte dem würdigen Paare zu seinem Jubeltage verschiedene Ehrungen zugedacht. Würzberg. Hier lebt in voller körperlicher und geistiger Rüstigkeit ein Ehepaar, dessen, beide Theile auf das Alter von 90 Jahren zurückblicken. Es ist dies der 90 Jahre alte Heinrich Trumpfheller und seine ebenso alte ELefrau Veronika. Die braven und sehr fleißigen Leute waren nicht mit besonderen Glücksgütern gesegnet und daher auch nicht in der Lage, die sonst übliche silberne, goldene, diamantene und eiserne Hochzeit zu feiern, obschon sie ein zufrie-

denes und darum - auch - glückliches Eheleben bereits seit 66 Jahren verbindet. : ' . " ' Wcryern. Mün che n. Ein cm der GalerieStraße wohnhafter, an einem schweren Augenleiden darniederliegender Kaufmann nahm infolge Verwechslung statt einer als Schlafmittel dienenden Pastille eine zur Desinfection bestimmte Oxycyanid - Pastille. Trotz ärztliär Hilfe führte diese Vergiftung den Tod herbei. Der auf so tragische Weise aus dem Leben Geschiedene ist der in weiten Kreisen bekannte Kaufmann Adolf Bacher hier. Schloßverwalter Xaver Dasio blickte auf eine 60jährige Dienst zeit im unmittelbaren Dienste des Prinz - Regenten zurück. . Berchtesgaden. Kurz nach Ankunft des Prinz - Regenten passirte am hiesigen Bahnhof ein bedauerlicher Unfall. Werkmeister Olief wollte den Hofsonderzug besteigen, glitt dabei aus und fiel so unglücklich, daß er sich einen Arm brach. Olief ist seit, Jahren steter Begleiter des Regenten auf allen Fahrten per Bahn. Frankenheim. Vor einiger Zeit hüllte sich der 17jährige Schäfersöhn Rehm in Frauenkleider und überfiel den in den 70er Jahren stehenden schwerhörigen Taglöhner und ArmenHäusler Keßler in dessen Wohnung, brachte ihm schwere Schädelverletzungen bei und versuchte dessen Baargeld

zu rauben. Da sich nur etliche 30 M. vorfanden, stand der jugendliche Thäter, wie er vor Gerich! angab, aus Reue über die That und weil ihm die Summe zu gering war, von der Mitnähme des Geldes ab. Der schwer verletzte Keßler ist im Krankenhause zu Bischofsheim verstorben. Ko chel. Der Prinz - Regent hat Pfarrer Hartmann von hier im Hinblick auf seine Verdienste um die Rohrsee - Regulirung den Verdienstorden vom heiligen Michael 4. Klasse verliehen. Nürnberg. Von einem Automobil wurde letztens eine Frau überfahren und getödtet, welche als die Arbeiterwittwe Wäscherin Magdalena Brütting erkannt wurde. Als Thäter wurde ein Monteur einer hiesigen Fahrzeugfabrik Namens Eytzinger ermittelt. Im Beisein von ztoef Altersgenossen hat sich in einem Lagerplatze des Vorortes Glaishammer der 12 Jahre alte Knabe L. Dötsch erhängt. Das Motiv des Selbstmordes dürfte Furcht vor Strafe wegen Diebstabls sein. .' Neunburg v. W. Oberamtsrichtet Selzer am hiesigen Amtsgericht brachte sich eine tödtliche Schußwunde bei. Er war schon einmal wegen Nervositöt pensionirt und es scheint sich sein Zustand derart 'verschlimmert zu haben, daß er eine Wiederkehr seines Leidens befürchtete. W ü r z b u r g. Im hiesigen Ringparke erschoß, sich hinter dem PrinzRegenten - Denkmal der 26jährige Forstaufseher Konrad Arnold von Ruppertshütten. Württsrnberg. Stuttgart. Der Geheime Archivrath am Haus- und Staatsarchiv Otto v. Alberti, Mitglied der württembergischen Commission für Landesgeschichte und des Verwaltungsausschusses der Staatssammlung der Kunst- und Alterthumsdenkmale, ist im Alter von 69 Jahren gestorben. Der Studirende der Technischen Hochschule Stud. chem. Weiß, russischer Staatsangehöriger, hat sich in seiner Wohnung mittels Cyankali vergiftet. Der Grund zu der That ist nicht aufgeklärt, doch wird angenommen, daß es sich um eine Liebesgeschichte handelt, die mit dem Tod des jungen Mannes ihren tragischen Abschluß gefunden hat. Ludwigsburg. Die Ehefrau des Fabrikarbeiters Strllbin hier hat sich in einem Anfall geistiger Umnachtung aus dem Fenster des 1. Stocks ihrer Wohnung auf die Straße gestürzt, wo sie von vorübergehenden Schutzleuten, nur mit dem Hemde bekleidet, als Leiche aufgefunden wurde. M e t t i n g e n-E ß l i n g e n. Der in den 60er Jahren stehende Schneidermeister Mästling entfernte sich nur nothdürftig bekleidet unbemerkt aus feiner Wohnung und wurde todt in einer mit Wasser gefüllten Kiesgrube bei Gaisburg aufgefunden. Der Verunglückte hat früher einmal einen Schlazanfall erlitten, der mehrfach ungünstig auf seinen Geisteszustand einwirkte. ' Oberstenfeld. Die drei ältesten Bürger in hiesiger Gemeinde, die Weingärtner Balthas Lang, 89 Jahre alt, Joh. Umlauf, 83 Jahre, und Jakob Brosi, 95 Jahre alt, sind innerhalb kurzer Zeit gestorben und. wie sie es bei Lebzeiten wünschten,. neben einander beerdigt worden. . Nl m. Im 71. Lebensjahre verschied Hofbuchhändler Ludwig Frey. Der Verstorbene, hatte 12 Jahre dem Bürgerausschuß und 28 Jahre dem Gemeinderath angehört. Er hat sich u. a. namentlich um das Turnwesen sehr verdient gemacht. Waden. Karlsruhe. Der Großherzoa hat dem Mitgliede des Hoftheaterorchesiers Julius Unger in Mannheim das Ritterkreuz 2. Klasse, dem Rath Johann Baptist Fech5er bei der Generalintendanz der Großherzogllchen Civilliste das Ritterkreuz 2. Klasse mit Ei-

chenlaub und dem Garderobeaebilfei?

Otto Schneider beim hiesigen Hoftheater die silberne Verdienstmedaille ver-

liehen. Konstanz. .Durch einen Un glücksfall, der sich in der Kiesgrube des Besitzers Henn beim Jakob" ereignete. wurden zwei Familien in Staad hart betroffen. Am Schienenstrang, auf dem die Rollwagen zum Kiesfuhren laufen, hatte sich eine Schraube gelost, so daß ein mit Kies gefüllter Rollwa gen entgleiste und einen 3 Meter hohen Abhang hinunterstürzte; er riß zwei Arbeiter, d Familienvater E. Otto und I. Meßmer von Staad, mit sich: Otto, Vater von 6 Kindern, erlitt schwere innere Verletzungen einen Bruch des linken Armes und eine Kopfwunde; Meßmer, Vater von 8 Kindern, brach einen Arm und einen Fuß. Seinen Brandwunden erlag das bedauerns werthe Kind des Metzgermeisters Stocker, welches vor einiger Zeit in einen mit heißem Wasser gefüllten Kübel fiel. Mannheim. Im nahen Freu denheim herrscht infolge eines schweren Unglucksfalles große Aufregung. Während der Fuhrmann eines Mühlenfuhrwerkes aus Groß - Sachsen in einem Hause beschäftigt war, vergnügten sich einige Jungen damit, Steine nach den Pferden zu werfen; dieselben wurden scheu und rasten in vollem Galopp dahin. Zwei Kinder des Taglöhners Peter Krampf konnten nicht mehr ausweichen und wurden uberrannt. Das eine, ein 6jähriges Mädchen, war sofort todt, das andere, ein 7jähriger Junge, starb bald darauf. Den Fuhrmann trifft keine Schuld, da er die Pferde vorschriftsmäßig ausgespannt und den Wagen gebremst hatte. Nie fern. Von einem schrecklichen Tode wurde die Wittwe Elisabeth Graßle betroffen. Die fahrige Frau begab sich mit einem Licht in den Keller, um dort etwas zu holen. Da sie nicht mehr heraufkam, suchte man nach ihr und fand sie in schrecklichem Zustände verbrannt als Leiche im Keller liegend. Die unglückliche Frau litt öfters an Schwindelanfällen und man nimmt an, daß sie in einem solchen Anfall mit dem Licht in der Hand zu Boden gestürzt ist, wobei die Kleider Feuer fingen und sie ihren Tod fand. S t o ck w a l d. Das Anwesen des Gaftwirths Simon Ettwein brannte hier mit vielen Fahrnissen nieder. Z a b r z e. Anläßlich der Beendigung des Baues der oberschlesischen, staatlichen Wasserleitungen ' ist den bauausführenden Beamten. Baurath Loose und Berginspektor v. Velsen, bei der Königlichen Centralverwaltung hier, der Rothe Adlerorden 4. Klasse, bezw. der Kron-norden 4. Klasse verliehen worden. JnRuhmannsfeldenin Bayern war die Frau eines Häuslers gestorben und nach der Beerdigung be, gaben sich die tieftrauernd Hinterbliebenen" in eine Wirthschaft. Es dau erte nicht lange und die ganze Gesellschaft. Männer wie Weiber, begann sich um die Erbschaft zu raufen. Gläser und Teller flogen durch die Luft und die Messer blitzten. Das Charakteriftische dabei ist, daß jeder Unbetheiligte. der zu beschwichtigen versuchte, schlimm weg kam; denn sofort vereinigte die ganze Trauergesellschaft wieder das Band familiärer Zusammengehörigkeit", und unbarmherzig wurde dann jeder Eindringling in die Familienangelegenheiten gemeinschaftlich gründlich durchgeprügelt. Als Erster mußte dies erfahren der 74 Jahre alte Todtenaröder und Nachtwächter Joseph Heioerer, welcher so schwere Verletzungen durch Schläge erhielt, daß er drei Wochen bettlägerig war. Dann kam an die, Reihe der Bruder des Bierbrauers Sägstetter, welcher mit dem Gummischlauche die raufende Trauergesell' schaft auseinander treiben wollte, alsbald aber schleunigst auch den Braumeister zu Hilfe rufen mußte, da sich die ganze Gesellschaft vereinigt gegen ihn wandte. Als Letzter endlich kam ein Schreiner Bielmeier. Der Hauptthäter war der schmerzgebeugte" Wittwer Aloys Weishäupl, der 3 Monate 13 Tage Gefängniß erhielt. Geringere Strafen bekamen sein Vater und seine Söhne. Verplappert. Jhr Glück, daß der Herr nicht zu Hause ist,' er hat über den letzten Bordeaux fürchterlich geschimpft!" DaS kann ich gar nicht begreifen, wir nehmen zu unserem Bordeauxwein doch nur Chemikalien allererster Verliner Firmen!"

Die Kultur. Humoreske von Georg Persich. Herr und Frau Fahrenholz, ein junges, elegantes Ehepaar, saßen im Circus. Die Pause war zu Ende und die zweite Abtheilung des Programms begann: sie wurde in der Hauptsache von einem Ausstattungsstücke in Anspruch genommen. Herr Fahrenholz verhielt sich reservirt, während man zur Rechten und zur Linken Beifall klatschte. Die Apotheose, der übliche Knalleffekt am Schluß, dann war das Vergnügen", das seine Frau so über die Maßen schätzte, ja überstanden! Gottlob! Den Mittelpunkt der Apotheose bildete eine heroische Frauengestalt, die die Kultur zu symbolisiren hatte. Fürwahr, ein stattliches Weib! Erlaube doch einmal das Glas!" Frau Fahrenholz gab ihrem Manne den Operngucker, aber sie bekam ihn nicht so bald zurück. Der Herr Gemahl that plötzlich merkwürdig interessirt und zwar hielt er das Glas unausgesetzt auf die Kultur" gerichtet. Nun setzte er den Operngucker ab, rieb sich die Augen, als ob er noch nicht scharf genug sähe, und fuhr dann in der Besichtigung fort. Aber Max darf ich bitten?!" ' Sie streckte die Hand nach demGlase aus; es war gerade eine so schöne Gruppirung. Gleich, gleich," doch erst, als sie ihn energisch am Aermel zupfte, gab er ihr den zierlichen Elfenbein - Gucker mit Widerstreben zurück. Jetzt nahm auch sie die Kultur" auf's Korn. Die Person schien es ihrem Max ja förmlich angethan zu haben! Frau Fahrenholz wurde roth vor Aerger. Ein flüchtiger Blick streifte den Gemahl er schaute wie hypnotisirt auf die Kultur". Raketen prasselten der Circus schien in Flammen aufgehen zu wollen noch einmal produzirte der Herr Direktor seine allerbesten Bücklinge vor einem enthusiasmirten Publikum, während die Kultur" mit ihrem Hofstaate langsam nach hinten verschwand die Musik spielte den Kehraus und auch Herr und Frau Fahrenholz verließen ihre Loge. Im Wagen saßen sie Beide schweigend nebeneinander, jeder mit seinen Gedanken beschäftigt. Für ihn hatte ihr Schweigen nichts verfängliches, aber daß er schwieg, machte sie argwöhnisch. Du denkst wohl noch immer an oie eine Dame imCircus?" meinte sie endlich im spöttischen Tone, das Wort Dame" stark hervorhebend. Jawohl, ganz recht," bekräftigte er offenherzig an die eine Dame die Kultur!" Reizend, in der That!" Fandest Du sie wirklich reizend?" Ich würde mich damit doch nur in Deinem Gedankengange bewegt haben." Er lachte. Es ist unerhört, daß Du mich in den Circus schleppst, um Zeugin Deiner Orgien zu sein." Nun wurde er stutzig. Ich hatte Dich in den Circus geschleppt? Das heißt doch die Wahr-

heit auf den Kopf stellen." Das Bild lag ihm nach dem Circusbefuch sehr nahe. Und Orgien hätte ich gefeiert? Ein einziges Glas. Bier habe ich in der Pause getrunken!" Man kann auch mit den Augen Orgien feiern." Ach Du bist wieder eifersüchtig!" So .leugnest Du, daß Du jene Circusdiva fortwährend fixirt hast?" Ich gebe es zu, aber " Aber oh ich bitte, sich nicht zu entschuldigen. Ich bin nur empört, daß Dich meine Gegenwart nicht zu einiger Rücksicht bewog. Es muß ja allgemein bemerkt worden sein, wie unverwandt Du auf die Person starrlest!" Du sprichst Unsinn, meine Liebe, aber ich weiß aus Erfahrung, daß Du nicht zu überzeugen bist. Wir sind übrigens zu Hause " So leicht tauschest Du mich nicht. Wenn Du wenigstens den Muth hattest. offen zu gestehen: Ich kenne jene " Die Stimme verlor sich m -schwin-delnder Höhe. V Schone Dich doch," sagte er. Wenn Du denn durchaus recht haben willst: Ja, ich kenne jene Dame, glaube sie zu kennen und es - ist eine höchst amüsante Erinnerung " .Genug!" Es war ein Glück, daß der Wagen hielt. In der Wohnung angelangt, wollte er das Gespräch fortsetzen. Laß Dir gefälligst erklären " . Sie rauschte in eisigem Schweigen an ihm vorüber und verschwand in ih rem Schlafgemach, dessen Thür sie rasch von innen verschloß. Nun fing es auch in ihm an zu kochen. Er zündete sich eine Cigarre an, setzte sich in seinen Faullenzer und als, er die Situation durch die blauen Wölkchen betrachtete, die da langsam zur Decke emporschwebten, fand er sie belustigend, komisch wenn nur die schreMche Eifersucht seines Weibchens nicht auch diesem Scherz einen bitteren Beigeschmack gegeben hätte! Herr Fahrenholz rauchte seine Cigarre zu Ende und machte essich dann auf dem Kanapee bequem. Am nächsten Morgen verließ er in aller Frühe das Hauö. Als Elfe erwachte, überbrachte ihr das Mädchen ein Billet, auf dem

die wenigen Worte standen: Wir speisen heute zu Dreien. Ich lade mir die Kultur" ein. - Emil." - Entgeistert blickte sie auf das PaPier. Daswagte ihr Mann ihr zu bieten! Diese tödtliche Beleidigung hatte er mit teuflischer Bosbeit in dieser einsam verbrachten Nacht ersonnen, um sie mit einem Schlage zu vernichten! Sie schickte das Mädchen hinaus und überließ sich unter stürzenden Thränen ganz ihrer Verzweiflung. Lange währte es, bis sie sich so wett beruhigt hatte, daß sie überlegen konnte, was zu thun sei. Sofort zu ihren Eltern zurückreisen? Nein sie wollte doch sehen, wie weit er seinen Cynismus trieb, sie wollte sich überzeugen, ob er fähig wäre, seine höhnische und drutaleDrohung auszuführen. .Dann war es ja endgiltig aus. Und sie hatte ihn doch so geliebt! Langsam verrannen die Stunden Mittag kam und pünktlich zur Dinerstunde rollte ein Wagen vor das Haus. Mit stockenden Pulsen stand die junge Frau hinter der Gardine des Wohnzimmers, dunkel legte es sich über ihre Augen, als ihr Gatte dem Gefährt entstieg und nun einer Dame beim Aussteigen behilflich war. Die Unbekannte, der ihr Mann dort unten galant den Arm bot, war eine Frau in reiferen Jahren von solidem bürgerlichen Aussehen. Sie ging dem Paare entgegen. Es mußte nun ja volle Aufklärung erfolgen. Mit liebenswürdigem Lächeln, als fei nickts geschehen, begrüßte sie ihren .Mann. Erlaube," sagte er, daß ich Dir hier Madame Boccarini vorstelle! Du kennst unsern Besuch ja bereits von der gestrigen Vorstellung im Circus: Die Kultur". Wir haben Sie aufrichtig bewundert," meinte er zu der Dame, besonders meine Frau war voll ihres Lobes." Sie sind die Kultur?"' Jawohl, ich stellte die Kultur" in dem neuen Ausstattungsstück dar. Abends macht man sich freilich anders. Die Perücke, das Kostüm, dieSchminke nicht zu vergessen " Sie haben sich auch ohnedies vortrefflich konservirt, liebe Frau Boccarini," versicherte Emil. Ich habe Sie doch gleich wieder erkannt, obwohl wir uns einige zwanzig Jahre nicht gesehen hatten.- Vergessen habe ich Sie übrigens nie. Die ganze Familie war ja stolz auf Sie. Ganz sicher! Ich erinnere mich sehr wohl, daß wir ordentlich eingebildet auf unser pompöses Kinderfräulein mit dem Wuchs und dem Anstand einer Königin waren und wir haben es schmerzlich bedauert, als' Sie uns verließen." Ich lernte den Stallmeister Signor Boccarini kennen, wir Heiratheien und so kam auch ich zum Circus." Frau Elje hatte mit offenem Munde zugehört. Sie empfand tiefe Scham über den unwürdigen Verdacht, den sie gegen ihren Mann gehegt hatte. Als die beiden jungen Leute aber endlich allein waren, fiel Elfe ihrem Mann um den Hals. Willst Du mir verzeihen, wenn ich

gelobe, in Zukunft nie wieder eifersüchtig zu sein?" Gern, mein Schatz." Hätte ich ahnen können, daß die Kultur" so alt ist " Wenn Du die Gelehrten frägst, so werden sie Dir sagen, daß sie noch um vieles, vieles älter sei " erwiderte er lachend und verschloß ihren Mund mit Küssen. Einkommen französischer Roman Feuilletonisten. Der russisch-japanische Krieg versetzt die französischen Roman-Feuille-tonisten in große Freude er liefert ihnen ein schönes Sujet, reiches Material und einen bequemen Ort der Handlung. Eine Uebersicht über das Einkommen der französischen RomanFeuilletonisten, die die Revue Hebdomadaire" veröffentlicht, ist jetzt, da der Feuilleton - Roman sich immer mehr eingebürgert hat, nicht uninteressant. Bekanntlich gehen die Anfänge des französischen Roman-Feuilletons auf Louis Philippe zurück. Die Summe von 6000 Fr. für die Eugen Sue Les mystöres de Paris" dem Constitutionel" verkaufte, schien einst fabelhaft. Heute wäre sie lächerlich gering. Schon Eugen Sue erlangte später andere Preise. Auf ihn und Alexandre Dumas den Aelteren folgt der berühmte Ponfon du Terrail, der über 100,000 Fr. jährlich einnahm, dadurch daß er uns berichtete, daß die Hand eines seiner Helden fält wie die einer Schlange war. und der denLeichnam Richelieus schilderte.wie er sieberhast die Rue Laffitte durchmaß. Seitdem ist das Einkommen der RomanFeuilletonisten noch beständig gestiegen. Xavier U Mont6pin hat ein luxuriösesHaus in Paris, zwei prächtige Äillen in Cannes und Nizza erwarben und verdient durchschnittlich 70,000 Fr. für jeden Roman, die Einnahmen auö seinen Dramen gar nicht zu rechnen. Jules Mary nimmt auch für den unbedeutendsten Roman durchschnittlich 60,000 Fr. ein, ohne die Nachdrucke. Die Romane Roger la Honte" und Le Regiment" - haben ihm fast 200.000 Fr. eingebracht. Für den Roman Le Remords d'un ange" nahm d'Ennery 70,000 Fr. ein.