Indiana Tribüne, Volume 27, Number 239, Indianapolis, Marion County, 30 May 1904 — Page 5

Jndiana Tribüne, 3. Mai 190.

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Der Gillespie - Prozeß. Keine Einigung der Geschworenen erzielt um dieselben wurden ent -. lassen.

R i s i n g Sun, Ind., 29. Mai. Die' Geschworenen, vor welchen der Gillespie Prozeß geführt wurde, erklärten heute Vormittag dem Richter auf das Entschiedenste, daß sie sich nicht auf einen Wahrspruch einigen konnten. Sie wurden .hierauf entlassen. Der Fall wird im September Termin aus s Neue verhandelt werden. Bis dahin wird James 'Gillespie, gegen welchen die Anklage des Mordes im Ersten Grade vorliegt, auch ferner im Gefängniß schmachten müssen, da Bürgschaft in seinem Fall nicht zulässig ist. Die übrigen drei Angeklagten befinden sich gegen Bürgschaft auf . freiem Fuß. Gut Heil! Das Turnfest des Ohio Tnrnbezirks. Das am 11. und 12. Juni ftattfindende Turnfest des, Ohiö Turnbezirks, welches der, Nord Cincinnati Turnverein übernommen hat,' verspricht eine großartige turnerische Affaire zu werden. - Es werden nicht nur die zum Bezirke . gehörigenVereine, diejZ Eincinnatier,die von Covington, Newport, Dayton und Findlay, sondern auch solche aus Indianapolis, Ind., und Louisville, Ky., vertreten sein. Indianapolis hat bereits 13 Active zur Theilnahme angemeldet und Louisville wird bald folgen. Außerdem nehmen über 4000 Schulkinder an den turnerischen Uebun gen Theil. ' Das Fest wird Samstag Nachmittag durch eine Ansprache des Bürgermeisters Fleischmann eröffnet werden. Die Capelle des Ersten Regiments wird die Musik liefern und die Massen-Turn-Übungen der Activen und der Schul kinder werden ausgeführt werden. Um die Glieder der Turner für das Preis- und Vereinsturnen am Sonntag Morgen geschmeidig zu halten, wird Abends in, der NordCincinnati Turnhalle ein Tanzkränzchen stattfinden. Wer indessen ermüdet ist, kann einem Conzert lauschen, das in , den oberen Räumen der Halle gegeben wird, nachdem Dr. Adolf Morgenstern die Anwesenden .in seiner ihm eigenen trefflichen Weife begrüßt haben wird.' Dem Turnen am Sonntag Morgen folgt am Nachmittag und Abend ein großes Volksfest im Zoologischen Gerten, wc oie Kinderklassen des Nord Cincinnati Turnvereins nach den Klängen der Weber'schen Kapelle noch Frei-Uebungen ausführen 'werden. Die Preisvertheilung erfolgt ebenfalls dort ud die Ver. Sänger Iwerden den Turnern zu Ehre ihre Lieder erschallen lassen. tf ur ven empfang oer ausmarngen Turner wird natürlich 'in der denkbar besten Weise gesorgt werden. Diejenigen, welche schon in den Morgenftunden des 11. Juni eintreffen, werden ihr Mittagessen in der Nord-Cincin-nati Turnhalle erhalten, die übrigen werden für sich selbst sorgen müssen, da die Aufgabe, sie alle zu speisen, kaum lösbar wäre, va oas Wellicymimmen nur nach einem Wolkenbruch, der nicht erwünscht ist, im Bafeball-Park stattfinden könnte, so wird es im Ehe ster Park zum Austrag kommen. Fair Bank. "N ' Heute beginnt für Fair Bank, das freundliche Sommer-Etablissement am Fall Creek, die zweite Woche in dieser Saison. Ostendorf's Orchester wird folgendes Programm zur Durchführüng bringen: Maisch, Uncle Sarnrny". . . . Abe Holzmann Selection "The Tar and the Tartar". (Comic Opera) . Adam Itzel a) Serenata Alla Mauresque. ......... ...... . r. by L. Thomas b) "By the Swanee River" (American Sketch) ... .W. H. Middleton Selection "Winsome Winnie" (Musical Comedy)... Gus Kerker Overture '' America" (On National Airs). . . Theo Moses Xylophone Solo Selected Mr. F. P. Schaefer. Selection "The Yankee Consul".. (Musical Comedy) ....... A. G. Roby q Golden Blonde. .. ...... .R. Ellenberg Medley4Overture A Sure Thing" . ....Theo M. Tobani "The Imperia!" (March Militaire) , ,.B. R. Anthony Selection, "Under Cover" (From the Musical Play) . Oeorge Braham a) "The Warbiers' Serenade". . .j. Perry b) "Dixieland", March and Two Step. . . .Cnauncey Haines John Wever's Wirthschaft. No. 764 West North Str.

Nachrichten aus Jndiana. N e u e U n t e r s u ch u n g b e -t r e f f s des Schäfer ,Mordes. B e d f o r d, Ind., 29, Mai. Als der Richter Wilson nach der Freisprechung James McDonald's, das Gericht vertagte, sagte er, daß er am Dienstag eine Spezial-Grandjury einberufen würde, die sich ausschließlich mit dem Schäfer Mord beschäftigen solle. Ich habe die Abficht", sagte der Richter, Herrn Palmer, dem Anwalt McDonald's, eine Gelegenheit zu geben, der Grandjury und dem StaatsAnwalt das angeblich in seinem Besitz befindliche Beweismaterial zu unterbreiten, das auf den wirklichen Mörder Frl. Schäfer's hinweisen soll, wie ex in seiner Ansprache an die Geschworenen behauptet hat." Der Richter sagte auch, daß die Behauptung David Fisher's, er' habe gesehen, wie nach dem Mord eine gewisse Frau einen langen Mantel verbrannt habe, der angeblich der Sarah Schäfer gehört habe, Anlaß zu einer eingehenden Untersuchung geben würde. Die Bere'sford National Bank, die Citizens' National Bank und der Postmeister Williams haben zusammen weitere $1000 Belyhnung für die Ueber, führung des Mörders der Sarah Schäfer ausgesetzt. Insgesammt find jetzt $3250 als Belohnung ausgesetzt.

Grokbritannien. Japan e i n e G ro ß m a ch t. L o n d o n, 30. Mai. Die hiesigen Zeitungen können garnicht genug des Lobes über die Japaner sagen. Der Daily Telegraph" sagt, Japan fei, jetzt, eine Großmacht. Auf dem Schlachtfelde von Kin Chou habe es bewiesen, daß es der iesten Militärmacht gleichstehe. Der Standard spricht seine Verwundernng darüber aus, daß die Stellung wie die bei Kin Chou mit so geringen Verlusten genommen werden konnte. Der Fall Port Arthur's wird als unvermeidlich betrachtet. Baue r4 a I n i ß s ch e i n e. John M. StSkss,! No2609 Nord Senate Ave., HauZ, $2800? M. Lang, 903 Bismarck.iiGeböuoe, $1400. A. G. Prendegraß,, ,.lS21' Nord Alabama, Reparaturen,' $30. James McNamaree, Raymond, nahe Meridian. Wohnhaus und Laden. $2155. Henry Glover, 1341 West 25. Str., kottage, $700. Todt! icher Blitzstrahl. In Würzburg, .Bayern, schlug jüngst der Blitz in die Laube eines Wirthschaftsgartens, worin acht Personen, zumeist Studenten, saßen. Einer von ihnen, Dr. Andre, der Sohn eines Weingutsbesitzers in Neustadt a. d. Haardt, wurde getödtet, ein anderer, Freiherr v. Schirndinger, der Sohn eines Majors in München, gelähmt; die Uebrigen wurden betäubt und erlitten leichte Brandwunden. ,D e r T ob a l s Erlöser. In dem französischen Orte. Corances hat sich neulich eine ganze Familie, Bater. Mutter und LOjähriger Sohn, durch Einathmen von ' Kohlengas das Leben genommen. Der Selbstmord war auf Naungs sorgen zurückzuführen. Die Unglücklichen wurden mit verbundenen Augen eng umschlungen entseelt aufgefunden. 5in svttev (Qljrtnanru Sie haben Ihre jetzige Gattin auö dem Wasser gezogen und dann geheirathet?" Freilich umgekehrt hätt' ich's nimmer gethan!" Der neue Kpucknap?. Lausbub', elendiger, D u spuckst auf den B'o d c n l Der Spucknapf ist nur für die Kundschaft da!". Die reiche Kraut. - Schuld n e r : Wissen Sie, daß ich mich' dnlob't habe, Meister?" Gläubiger: Jawohl mir ist bereiiZ gratülirt worden!" N5N der Srhnriere. Für, das neue, Stück brauchen wir aber einen Cylinder!" Ja, wo soll ich den hernehmen?. Da muß das- Stück halt umgearbeitet werden!" .

Die Heideschenke. . 1 Von Max Lehmann. Ferne draußen an der Heide, Ganz allein an der Chaussee, Wohnt mein Lieb', mein Augenweide In dem Häuschen auf der Höh'. Wohin ich mein Rötzlein lenke. Meine Sinne weilen dort. In dem Häuschen, in der Schenke An dem stillen Heideort. Rößlein, wie ist dein Gebühren Sieh', es trabt schon ganz allein, ( Sind wir lang' umhergefahren. Diesen Weg zur Heide ein. Nichts nützt schelten mir und lenken, Unvermuthet sind wir dort Vor dem Häuschen und der Schenken An dem snllen Heideort. Wiehernd meldet uns dem Liebchen Rötzlein, scharrend in dem Sand. Und mein Lieb tritt aus dem Stübchen, Ein teiiitf Zucker in der Hand. Ist's da Wunder, unser Sehnen? Giebt es ihm mit Schmeichelwort. , Sie thut beide uns verwöhnen An dem stillen Heideort. Eine Hand breit. Novellette von P. Etges. " Es war im December und Anfangs der siebziger Jahre. ' Die letzte Nacht hatte die Gefilde des Hunsrückens in weißes Gewand gehüllt. . In einem auf seinen Vorhöhen gelegenen stattli chen Dorfe, das im Sommer ein ObstHain versteckt, klang am frühen Morgen aus allen Scheunen der Takt der Dreschflegel. - Oben am Ende des Dorfes liegt ganz vereinzelt zwischen Wiese und Feld, von Bäumen und Hecken umhegt, das Gehöft des alten Ekner. Er war an dem Morgen stiller und eiliger denn sonst. Seine Frau maß ihn öfter mit lächelnden Blicken, weil er so flink Garben und Stroh wendete. Auch der ältesten Tochter fiel die Eile auf, und sie bemerkte scherzend: Dem Vater läßt derSchnee keine Ruhe; dem stecken die Sauen in der Nase." Die Mutter kicherte heimlich. Die Großmutter wird wohl den Kaffee fertig haben. Wir wollen hereingehen, dann werden auch die Finger wieder warm." Sie hauchte in die, Hände und fuhr zum Manne gewendet fort: Nach dem Kaffee besorgen wir den Stall. Du kannst derweilen die Frucht zur Mühle fertig machen. Wenn dann etwas los ist, kannst Du ia gehen. Ich komme mit den Kindern schon zurecht." In zehn Minuten ist der alte Ekner wieder in der scheune und fuchtelt mit dem strohbewischten Rechen so gewaltig durch den Fruchtmaden, daß man ihn im Staube kaum sehen kann. An dem grau durchwachsenen Barte hängen lange Staubflocken. Die Augen aber spähen öfter durch das Pförtchen über den Hof. s; ' Ueber den Hof kommt mit wichtiger. Miene der Hannes, eine hagere Gestalt in blauleinenem Kittel, dicke Schneeklumpen unter den schwergenagelten Schuhen, in der Hand einen kräftigen Waldstock. ' Guten Morgen, Ekners Vetter!" - Ei, guten Morgen, Hannes! Nun, was giebt's?" . - Ich hab' eine Sau fest!" . Du hast eine fest?" ' ' Ja, im Wolfsgraben, ein schwerer Keiler." - Nun, dann geh' schnell zu, den andern! Sie können sich ja hier sammeln. Bestelle auch die Treiber!" Fort trollt der -Hannes. Frauengunst hat er sich nie erwerben können; drum hängt sein Herz an den schwarzeit Gesellen der Bergwälder. Ein blanker Thaler wandert in seine Tasche, wenn ein von ihm eingekreister Kämpe zur Strecke kommt; den aber legt er redlich beim rothen Wirth in Schnaps an. Der alte Ekner hat seine Frucht auf dem Haufen. Er pustet den Staub aus der Nase und schreitet zum Hause. Im Hausflur langt er nach der alten Perkussionsflinte. Mit Stolz wiegt die muskulöse Faust: vor ihr schlägt auf sechzig Schritte jeder Krumme sein Rad, auf achtzig Schnjtte kommt ihm kein Schwarzrock durch, und um Lätare purzeln tue Langschnäbel wie Kohlraben zur Erde. Da mögen sich die andern mit den neuen Dingen, die man von hinten stopft, begraben lassen; die streuen 'wie eine Gießkanne, aber seine Alte wirft die Schrote wie Salz! Vorsichtig hebt er die Zündhütchen ab und zieht die Schrotladung aus den Läufen. Dann wird schwer geladen: eine Kugel in den rechten Lauf, zwei in den Linken. Er prüft die Pistons, das Pulver steht darin, und behutsam setzt er neue Zündhütchen auf, sie vorforglich vor dem Niederlassen der Hahne mit Papier deckend. PulverHorn, selbstgegossene Rundkugeln und ein Stück Brot wandern iiddre Jagdtasche. r Eben schnürt er den blauleinenen Kittel am Halse, da kommen in den Hof schon junge Burschen, die Treiber spielen wollen, lebhaft plaudernd und mit dicken Knütteln in den Schnee schlagend. Hinterher schreitet wllrbig der Schneiderndes Dorfes. Eins schwere Jpppe umschließt die schmale Brust, die Wintermütze läßt nur Augen und Nase frei;, ein dickes Tuch unwindet mehrfach den Hals, damit die Stimme nicht leidet denn er singt Sonntags im Kirchenchor. Von seinem Hinterlader hat er das Korn abgehauen, weil es daS Wild beim Zielen verdeckt. Hüh ner und Schnepfen haben bei ihm das ganze Jahr Schonzeit.' Hafen schießt' n mit Vorliebe im Sitz. ; Einst fühlte

eine' kranke Sau heiße Lisjt, M im Schlagen an seinen dünnen Beinen zu üben. Tod oderLeben!" schrie er und jagte ihr eine Kugel in den Schädel. Im Fallen biß sie ihn in die Zehen. Seitdem sucht er solche peinliche VerHältnisse unter aUenUmständen zu vermeiden. Was ihm aber trotzdem Ansehen bei den übrigen Jägern sichert, das ist sein schwarzer Hektar. Freilich, Rasse hat der nicht, und in das deutscheHundestammbuch würde er keinesfalls kommen. Dafür ist er aber nicht nur Todtverbeller". sondern auch ein bombensicherer Ausmacher der Lebendigen, der mit lautem Hals in respektvoller Entfernung bei den Schwarzkitteln ausharrt, bis Funken gerissen werden. Den Philosophenblick hat der Hund mit seinem Herrn gemeinsam, nur macht er nicht so viel Trugschlüsse wie dieser. Uebrigens ist der Schneider eine ehrliche biedereHaut und im ganzen Dorfe beliebt. Mit herzlichem Gruß tritt er in Ekners warme Stube, wo Buchenholz imOfen knistert. , " Ihm 'folgt der Schreiner. Er ist ein Meister in seinem Fach, dazu geschätzt als ' achtsamer Büchsenmacher. Still und in sich gekehrt, spricht er kein Wort, das nicht wohl erwogen ist. Auf der Jagd gilt er als Autorität. Hand und Auge sind ihm sicher. Gern grübelt er über mechanische Probleme. Als dritter im Bunde erscheint der Buchbinder, eine hagere Gestalt. Er bindet ' kein ihm unbekanntes Buch, ohne es vorher gelesen zu haben. Eine stattliche Bibliothek' hat er sich antiquarisch beschafft. , Die Bücher darin sind mit vielen Randbemerkungen versehen. Im Dorfe besitzt er den Ruf eines Gelehrten. Er spricht stets mit Ernst, und seine Stimme schlägt dabei immer, aus dem dünnsten Fistelton in den tiefsten Baß über. Bei ihm ist die Theorie grün und die Praxis grau. Ganz anders sein kräftiger Bruder Pitter, über dessen frisches," rundes Gesicht ständig einLächeln gleitet. Jede gelehrte Auseinandersetzung des Buchbinders giebr er mit einem schlagenden Witz dem Gelächter der Zuhörer preis. Auf der Jagd ist er ein Phlegma. Ruhe und Humor rauben ihm weder Sauen noch Hirsche. Zuletzt erschien der wilde Johann" und der Förster. Der wilde Johann schnitzt im Winter Kummetspähne für die Sattler. Auf der Jagd ist es feine Liebhaberei, mit den Hunden durch das dichteste Dornengestrüpp , zu kriechen und erlegtes Hochwild zu schleppen. Die Läufe seiner Flinte 'machen oft mit dem Boden Bekanntschaft. Es genirt ihn nicht, wenn beim Schießen Schnee in der Mündung sitzt. Zweimal hat der Schreiner ihm die Läufe schon abschneiden müssen, weil der darin festsitzende Schnee ein Zersetzen der Mündung bewirkt hatte. Einst stand bor 'ihm ein kapitaler Vierzehnender. Vor Aufregung schoß er zwei mächtige Löcher in bk Erde. Zur Besinnung, kam er erst wieder, als der alte Ekner ihm Ohrfeigen anbot. . Der Förster macht eine Ausnahme unter den Grünröcken. Die Flinte ist ihm zuwider. Er schwärmt fürFichtenkulturen, die den Bauern bis in die Seele verhaßt sind. Eichen wünschen sie im Walde und nicht den elenden Fichtendreck". Auf der Jagd übn laßt man ih maus Taktgefühl die Leitung, obwohl Einstimmigkeit darüber herrscht, daß er vom Waibwerk keine blasse Ahnung hat. Seine einzige Sorge ist, daß die Schützen alle unter gedecktem Wind stehen. Den Waidgenossen ist längst klar, daß die Sauen mit gleichem Erfolge gegen den Wind getrieben werden können. So sind denn Jäger und Treiber zur Stelle. Die Hunde zerren an den Leinen und mahnen zum Abmarsch. In freudiger Erwartung bricht die Schäar auf, dieJäger still und schweigsam, die Treiber plaudernd und lachend. Nur der Hannes ist still. Ist er sich doch der Wichtigkeit seines Amtes bewußt: er hat die Treiber aufzustellen und für gleichmäßiges Vorgehen in ausgeschwärmter Linie zu sorgen. ' Nach halbstündigem Marsche steht die Schaar auf der HLHe des BuchenWaldes, von dem der junge Schlag Wolfsgraben sich steil zum waldumschlungenen Wiesenthal des Baybaches senkt. Der Schreiner bleibt stehen, und um ihn schließt sich ein lautloser Kreis. Der Förster tritt in die Mitte, benetzt den Zeigefinger und hebt ihn hoch. Hm," murmelt er, kein Wind zu spüren. Wo mag er nur herwehen?" Der alte Ekner bläst eine Tabakwlke in die Luft. Senkrecht steigen die blauen Ringe zur Höhe. Da sehen Sie," sagt er lachend zum windsuchenden Förster, es regt sich kein Lüftchen; auch sitzt der lose Schnee senkrecht auf den Aesten, und kein Stäubchen fliegt herab." An dem Bache könnte es aber doch ziehen," meinte der Förster. Bei Windstille ist dort höchstens etwas Zug von der Höhe zum Thal," wirft der Schreiner ein. Ich denke, wir vertheilen uns auf der vorderen Rippe, und die Treiber mögen dann von der Seite des Hochwaldes gegen uns kommen." ' . Wenn es dann unbedingt ziehen mutz," meint der Pitter, haben wir höchstens Schneidwi'nd." Dann mutzt Du aber auf denWechftl am Bach, damit sie uns nicht übergeht." sagt der Förster, den der . Hohn des Pitters verdrießt. Meinetwegen," wirft der kurz zurück. - - .. ..

'STumin 'verschwinden die Jäger mit den Hunden, und der Hannes tritt in die Mitte der Treiber. Die Pfeifen weg - und. Mäuschenstill!" befiehlt er. Langsam wird der Befehl ausgeführt. ' Daß ' mir ur keiner ein Wort spricht oder an einen Baum schlägt, ehe gepfiffen wird!" Zehn Minuten peinlicher. Stille. So, nun kommt!" spricht der Hannes, und sachte folgen ihm die Treiber. , Ein stummer Wink von Hannes stellt jeden an die rechte Stelle. So schauen sich Jäger und, Treiber in's Anaesickt.' Armer Keiler! Ein Pfiff und von den Bergen hallt das Echo der wilden Jagd. Kaum sind die Hunde von den Leinen gelöst, da mischt sich in den Baß des schwarzen Hektars das helle Gekläff der Bracken. Himmlische Musik für ein Waidmannsherz! Nun schreien die Treiber lauter, krampfhaft umspannen die Jäger ihre Gewehre und möchten mit den Augen die Hecken durchdrinden.... Ein Schuß, wie rollender Donner hallt das Echo durch's Thal. Dann ein Geheul und Gejohl, als sei die Hölle los. Ein greller Pfiff! und die Treiber verstummen. Hastig dringen alle zur Schützenkette. Rasend hatzen die Hunde bergab. Auf seinem Stande steht bekümmert der alte Ekner und zeigt den herbeigeeilten Waidgenossen den weithin mit Schweiß bedeckten Schnee. Weiß der Kuckuck," brummt sollte ich denn zu tief abgekommen stin?" Enttäuscht starren auch die angekommenen Treiber in die roth gefärbte weiße Decke. Sie wird über denBach sein und dann ist sie fort für uns; man hört die Hunde nicht mehr," sagt verdrießlich der Hannes. Hätten wir nur die Hunde," äußert besorgt der Schneider. Keiner beachtete das Fehlen des Pitters; stand er doch zu weit unten, um zurück sein zu können. Niemand ahnte, daß jenseits des Baches hinter dem Vorsprunge eines Bergkammes, der die Aussicht thalaufwärts sperrte und den Schall brach, zwei wunde Kämpen auf Leben und Tod rangen. : Auf einem nach drei Seiten schroff abfallenden Schieferfelfen ragen jenseits des Wolfsgrabens'die von Epheu umrankten 'Ruinen der weltentlegenen Burg Waldeck empor, die in unruhigen und gefährdeten Zeiten der Bergangenheit manchem Verfolgten sicheren Schutz gewährte. Der letzte Besitzer hat nur die nackten Mauern stehen lassen und alles andere als Baumaterial veräußert. Traurig reckt eine knorrige Fichte ihre wenigen Aeste über dieBrüstung, und zuweilen heult der Sturm in den Nadeln ein schaurigesKlagelied. Leer ist der in das Gestein gemeißelte Forellenteich im Hofe, ohne Dach und Glöcklein der Thurm, mit Gras bewachsen die bunt bemalte Kapelle. Nur das Backhaus deckt noch ein Dach, und in ihm wohnt froh und glücklich der alte Vuschritter Leicht. Zwar bedroht er kein Menschenleben, aber die Hainbuchen und Haselstauden des Waldes sinken unter seiner Säge und wandern dann als Rechen, Schaufelstiele und Sensenwürfe zu friedlicher Arbeit in die Welt. Aus den rothen Erlen des Baches aber schnitzt , er Löffel und Näpfe für die Küchen der Landfrauen. Der Lärm hat ihn auf die Brüstung der Mauer gelockt. Da sieht er hinter dem Felsenvorsprunge die von den Hunden umstellte Sau. Ein schlimmer Gedanke jagt ihm durch's Hirn. Rasch ergreift er eine Axt und eilt zur Kampfstätte. Da äugt ihn der Keiler. Wie ein Blitz schießt der trotz des hoch oben durchschossenen Vorderlaufes mit weit geöffnetem Gebreche auf ihn los.. Der Hieb mit der Axt geht fehl mit einem Schlage schlitzt das wüthende Thier ihm das rechte Bein von der Wade bis zur Hüfte. Gleich einer Federflocke fliegt er zur Erde, und auf ihm sitzt der Keiler und will mit blitzschnellen Schlägen sein Gesicht bearbeiten. Rasch greifen seine Hände die Lauscher, um die nadelspitzen Hauer abzuwehren. Sein Hilferuf gellt durchs Thal. Das l hört der Pitter. Jetzt wird's ihm doch auch heiß. Rasch bricht er über Geröll durch Dornen und Gestrüpp, watet durch den eisigen Bach und steht rathlos auf dem KampfPlatze. Schaff mich heraus!" schreit der Buschritter. . Aber hinten, hängen die wüthenden Hunde an der Sau und vorne liegt der Gefällte unter ihr. Auf einen Augenblick ist eine Stelle des Hinterleibes frei und der Pitter jagt zwei Kugeln hinein. Der brennende Schmerz macht das Thier rasenden. Den Buschritter verläßt die Kraft im nächsten Augenblicke werden ihm die Hauer das Gesicht durchfurchen. In höchster Noth erinnert der Pitter sich seines Genickfängers. Ein rascher Griff er kniet auf die Bestie und fängt sie regelrecht ab. Der Buschritter wischt den Angstschweiß von der Stirne. Der Pitter klTmmt wieder zu Athem und lacht: Ja, Leicht,, das wäre beinahe ungemnthkich geworden." Das freischwebende Hosenbein fallt' ihm in's Auge: Na, na, hatt sie Dich doch?" Er . besieht, die geritzte Haut: Schlimm ist es nicht, aber mache Dich aus der Kälte, sonst kann es schlimm werden!" Leicht schultert die in den Schnee geschleuderte Axt. wirft einen Blick auf sein geschlitztes Bein und knurrt: So ein Biest!" Dann schreitet er aufwärt zur Klause.

Die beiden Schüsse lockten die ganze Jagdgesellschaft herbei. Allen .loran stürmt der wilde Johann. Sie liegt, sie liegt!" schreit er, als er der Kampf- , stätte ansichtig wird, und der Ruf pflanzt sich rückwärts fort, alle in rascheren Tritt versetzend. Der wilde Johann steht bei dem Pitter. Pah, was ein Kerl!" ruft er, und.fein Mund schmunzelt. ..- Dann aber läßt er Püffe und Tritte unter die Bracken regnen, die von dem. verendeten, Recken nicht lassen wollen. Die Kerle zerreißen mir das- ganze Vieh!" schnaubt er. Laß ihnen doch auch ein bißchen Spaß!" mahnt der Pitter, aber der Johann donnert: Ja, ja, alles zerfetzen lassen! Das giebt's nicht!" Er bricht ein starkes Erlenreis und stellt fick) damit in Voiitur. Die Bracken weichen und werden brav wie der Hektar, der im Schnee liegt und die Pfoten leckt.' Um die Sau stehen im Kreise die Jäger und Treiber. Ihre Augen weiden sich an den . wuchtigen Formen. Der Pitter erzählt das Abenteuer, an Humor nicht sparend. In den Gesichtern zuckt es, und der Hannes lacht Thränen. Selbst der ernste Buchbinder kichert, fistelt und brummt etwas von Herkules und einem Eber. Im Gelächter verhallt es. Der alte Ekner untersucht sorgfaltig den Sitz seines Schusses. Eine Hand breit höher, und sie lag im Feuer." Ja, was denn nun machen?" fragt der Förster. Wir müssen nach D . . . und mit den Jagdpächtern abmachen. Der Johann bringt die Sau heim." Alle sind einverstanden. Schnell hängt der Schwarzkittel an zwei kräftigen Stangen auf vier festen Schul tern. Dem Schneider ist es kalt, und. er zieht mit heimwärts. Fünf Waid genossen aber brennen die Pfeifen an und schreiten dem eine halbe Stunde entfernten Dörflein zu. Nach langer Verhandlung einigt man sich auf eine Entschädigung von fünf Thalern. Um Mitternacht schreiten . die Jäger wieder an Schloß Waldeck vorbei. Die Rittergeister wehen uns an," sagt der Förster. Was mag sein Bein machen?" fragt der Buchbinder. Daran denkt der nicht mehr." er widert der Pitter. Der ist froh, daß er unter der Sau heraus ist." Der alte Ekner aber hebt den Arm und ballt die Faust: Eine Hand breit!" .

Sonderbare Träume. Die Wirkungen der verschiedenen Sinneseindrücke auf den Traum sind ganz eigenthümlich. So erzählte Tifsio, er habe einmal geträumt, daß er auf einem Dampfschiff über den Ocean fuhr und in der Mitte des Tages in ein anderes Schiff übersteig, in dem er viele Bekannte fand. Dann fürchtete er, das überfüllte Schiff werde sinken und stieg in ein Boot, aber auch dies f.l ßfl JC.-t.-ll. . W T..C1- RX. gllo ine üiajeiyeii uiw ci uujic durch Schwimmen zu retten. So lan dete er am Ufer der Seine in Paris, bestieg ein Dampfboot und gerieth m den Maschinenraum, aus dem er sich nicht herausfinden konnte. Endlich zeigte ihm ein Beamter den Weg, gerade als die Signalpfeife zum zweiten Male ertönte. In diesem Momente erwachte Tissio und hörte wirklich die Signalpfeife eines Dampfbootes, das unfern von seiner Wohnung auf der Garonne ging. Das Pfeifen hatte vielleicht zehn Sekunden gedauert und wahrscheinlich den ganzen Traum her' vorgerufen, der dem Träumenden die Dauer von drei Monaten gehabt zu haben schien. Ferner theilt Tissio i. cm; . n.tz Xisr. 5 uoer oie Abirrungen ocs icnltlnnr folgenden interessanten Traum mit: Die Wärterin eines Spitals trat mit einer Blendlaterne in den Schlafsaal und ließ das Licht auf zwei Kranke fallen. Der eine träumte einen. Theaterbrand, der andere, ein ehemaliger Matrose, eine Seeschlacht, er sah das Aufblitzen und hörte den Donner der abgefeuerten Geschütze. Ein Sibirienforscher erzählt, wie er in dem Stationshaus zu Kuskunskaja einen sehr sonderbaren und beängstigenden Traum hatte. Er glaubte sich in einer Schule zu befinden, in der unter anderen eine sehr schwierige Frage gestellt wurde, die er nicht zu , UArt -. toiit&ia fSitftfv ucuicuvuinii wupu. jcit wu.m.v. uten große Biscuits in den Händen, in die sie hineinschauten, wie in Bücher; dann reichte der Lehrer auch ihm ein Riesenbiscuit,. brach es auseinander und zeigte ihm die darin beschriebene Frage, worauf der Forscher erwachte. Der Postmeister und sein Reisebegleiter, die ihn geweckt hatten, fragten ihn. was ihm fehle, und theilten ihm aus sein Befragen mit, daß er so schmerzftch gestöhnt und kaum länger als fünf Minuten geschlafen habe. Ihm aber war es vorgekommen, als habe er sehr lange geträumt, und er erhob sich ganz geschlagen von seinem Lager. Die Entstehung dieses Traumes läßt sich leicht erklären: eine Afsektion des Magens sowie die unbequeme Lage hatten das Beängstigende hervorgerufen. Sein Traum war ein auZ sinnlichen . und physischen Erregungen combinir ter, da der Forscher um jeneLeit beständig Verhör und Untersuchung sei tens der russischen Polizei zu fürchten hatte. . , - - . "