Indiana Tribüne, Volume 27, Number 238, Indianapolis, Marion County, 28 May 1904 — Page 5

Jndiana Tribüne, 28. Mai 190.

Des Mondscheinlers Tochter.

Eine Gebirgler-Eeschichte ohne tragisches Ende. ' Von Margarete B. - , 1. "" ' Es war schon mehrere Jähre her, daß in den Pine Mouutains keine Regierungstruppen mehr aufgetaucht, und keine - Razzias mehr auf Mondscheinler" oder steuernflüchtige ' Schnapsbrenner unternommen worden waren, obwohl selbige ihr Handwerk noch keineswegs ganz an den Nagel gehängt hatten. , Daher war der Sheriff, Culpepper von Cataloochee überrascht, als er eines schönen Morgens die Benachrichtigung erhielt, daß ein Trupp Soldaten abgesandt worden sei, um der Mondscheinlerei in dieser schönen Kentuckyer.Grenzgegend ein Ende zu, machen. .Und seine Ueberräschung war eine recht unangenehme, zumal ihm gleichzeitig mitgetheilt wurde, daß es besonders auf die Haft- , nähme von Jim Bradberry abgesehen sei. Denn er erinnerte sich an ein Versprechen, das er vor beinahe zehn Iahren gegeben. . , Damals hatte Bradberry den Bruder des Sheriffs, ganz mit Kugeln gespickt, den Berg herab gebracht und ihn sicher über die Furth und über die Staatsgrenze m den Nachbarstaat befördert, wo er mehrere Monate später eines sanften Todes starb. Richard Culpepper hatte damals Bradberry in die Hand gelobt, diesen Liebesdienst an r . rn l . ST - V. tI 1 einem ruoer nie zu vergeben uhv uci rrftfr lRpsnkieit zurllckzuzablen. Er war freilich zur Zeit kein Sheriff und dachte auch nicht daran, es zu werden, v Und jetzt stand er vor einem sittlichen und vraktiscken Conflikt: Sollte er sein Amt oder sein Berspreches Preisgeben? Er dachte auch daran, daß das Geld, welches ihm sein schönes Häuschen gebaut hatte, zum guten Theil .von dem Mondscheinler - Geschäft ge'kommen war, das sein biederer Vater betrieben, und sein Bruder weitergeführt hatte, bis der Tag der verhängnißvollen Razzia kam. Den ganzen Tag grübelte er über die kitzliche Frage nach und kaute nachdenklich an seinen Schnurrbart. Als es schon dunkelte, glaubte er, einen goldenen Mittelweg gefunden zu haben. Er sattelte sein Pferd und begann den , Fünfzehnmeilen - Ritt den Berg hin- ' auf 'zu Jim Bradberry. Es. war ein unwirthsamer Weg. wenn es über Haupt ein Weg zu nennen war. Oefters hatte er abzusteigen und um irgend einen umgestürzten Tannenbaum oder um Steingeröll herum, welches der letzte Sturm über den Pfad geworfen hatte, vorwärts zu tasten. ,. Zum Glück war mondhelle Nacht; aber gerade deswegen hatte er seinen SchlappHut tief über das Gesicht gezogen. Hinter ihm - donnerte der wirbelnde South Fork. Aus einem oder zwei Blockhäuschen, an denen er vorüberkam, sahen ihn neugierige Blicke nach; die mit weißem Zeug bedeckten TabakBeete hinter diesen Blockhütten sahen im Mondlicht beinahe wie Friedhöfe aus. Ungeduldig spornte er sein Roß. Gegen Mitternacht langte er an dem 'Bradberry'schen Blockhaus,' inmitten einer kleinen Lichtung, an. Er war etwas überrascht, ein Blumenbeet uno Winden zu bemerken, welche sich über die Hausthüre' schlangen. Der alte Jim muß sich ein neues Weib angeschafft haben," dachte er. Er blieb stehen und rief. V Keine Antwort. Auch ein zweiter Anruf blieb unerwidert. Schon gratulirte r? .r. t. zc icc V. wc :yy.: jti ILy uci ?cii vugu, vu3 vituuuji Jim schon irgendwie Wind von der Geschichte bekommen habe und ausgerückt sei. Als er jedoch seine Finger an die Lippen legte und einen besonderen Pfiff ausstieß ein Signal, das ihn sein mehr oder minder seliger Bruder vor Jahren gelehrt hatte da wurde, der Pfiff halblaut von drinnen wiederholt. Also der Fuchs war doch in der Höhle; darum war nicht herumzukommen! Die Thür des Häuschens öffnete sich ein wenig. Ei, das ist ja Dick Eulpepper," rief Jim's bekannte Stimme, nur herein!" Der, Sheriff zögerte, zumal das Zimmer stockfinster wär, und vielleicht mehr als e i n Bradberry in dem Gesetzesbrecher - Haus steckte. Komm nur," wiederholte dieselbe Stimme; ich kann kein Licht machen, Jinny ist in der Küche und hält das Feuer in Gang. Hast Du ein Streichholz?" Der Sheriff strich eins an. . Jinnie. reich' die Talgkerze her," rief Jim, und eine Hand hielt dem Sheriff die Kerze hin, die er' ansteckte. In dem kleinen Kreis, welchen das Licht er- , bellte, konnte Dick jetzt erst Jim sehen; dieser lag, auf den einen Ellenbogen oestüktin einer rohgefugten Bettstelle. welckie an die eine Wand genagelt war; seine Wangen waren eingefallen, seine "' Augen hohl, und mit seinem langen Haar und jeinem ungerammien arr sab er beinahe wie ein .wildes Thier siiis. ..Sab' das Rückgrat arg ver renkt," sagte er, und krieg' das Weh nicht mehr los, trotz allem uuequver. inntt besorat schon seit 'Wochen das Sckinavsbrennen allein,' na. Dir macht es doch nichts aus, wenn ich von dergleichen sprecyes - , - .- Gerade deshalb komme ich," antwortete der Sheriff kurz. Es gibt ' eine Razzia! Ich habe versprochen, bimzuzablen. was' Du für Sam geLt. ,tVi , irf vFiiti 3 snnrrr mif Ujilll, uiiv ' - - Onkel Sam's Kosten. Du weißt, ' was es für einen Sheriff s beißt, eine ; solche Botschaft zu bringen; aber ein

Culpepper vergißt sein Wort nicht. Morgen um Mitternacht geht's los. Wenn Du meinen Rath folgst, machst Du Dich aus dem Staube, für, Dich sind besondere Haftpapiere ausge-stellt."

Jim s Augen zeigten erst Dankbarkeit und dann Verlegenheit. Wie soll ich denn fort .mit meinem Rückenweh, das mich schwacher als eine Katze gemacht hat?" erwiderte er. Und dann Jinny, ich kann sie doch nicht unbeschützt den Soldaten überlassen? Der Sheriff wandte sich um und schritt der Thüre zu. Thu',' was Du willst," sagte er, Du bist gewarnt, und von jetzt an muß ich der Todfeind der Mondscheinler sein-. Gesetz ist Gesetz." Komisch," versetzte Jim grinsend. daß ein Culpepper so verteufelt gesetzes fromm wird." Dick ging auf dieses Glatteis nicht. Na, wie gesagt, ganz wie Du willst." bemerkte er noch, aber besser ist's. Du verziehst Dich bei Zeiten!" Damit ama er hinaus, band fern Pferd los, schwang sich auf und sprengte davon. Es war beinahe Morgen, als er heimkam, und einige Stunden hindurch fand er Schlaf. . In der Abenddämmerung darauf marschirten die Soldaten still in das Städtchen ein, und eine Stunde später ging's den Bergpfad hinauf. , Der Sheriff ritt bis zum Saum des Städtchens mit ihnen; dann wandte er sich aber um, denn ' seine Pflicht war wirklich für den Augenblick von der Ortschaft selbst in Änsvruch genommen, die vor- Aufregung förmlich zit terte. Hatte doch die Hälfte der Bevölkerung Verwandte oder Freunde droben im Gebirge! Und was die Soldaten wollten, ' darüber konnte kein Zweifel sein. Der Sheriff hatte seine Popularität nicht dadurch erhöht, daß er die Soldateska auch nur bis zur Ortsgrenze begleitetes Er suchte m . der Kneipe semes Freundes' Donahue Zerstreuung ' und blieb fast bis zur Morgendämmerung dort. Zechende und gämbelnde Männer füllten den Plan, on ett zu Aeit war ein angstblasses Frauengesicht in der Thürspalte zu bemerken, und der eine oder andere der Männer wur de hinausgerufen,' ob er vielleicht Nachrichten vom Gebirge geben könne. Doch verstrich die Nacht m dem Städtchen ruhig. ' . 2. ' Gegen Morgen , ritt der Sheriff heim. Sein, nach Gebirgler - Begriffen palastartiges Haus lag ganz" am Ende des Städtchens ' und ein gutes Stück vom Landwege zurück. Seit beinahe zehn Jahren bewohnte Dick Culpepper es ganz allein, da alle seine Familien - Angehörigen dahingestorben waren. ' Er brachte sein Pferd in den Stall und schritt dann unmittelbar nach der Vorderthür des Hauses. Aufzuschließen brauchte er sie nicht; denn es war ihm nie eingefallen, sie zu verschließen, trotz des Zierrathes und der Bilder in der guten Stube. Die Gebirgler sind keine Muster von Gesetzesliebe, aber das siebente Gebot haben sie stets heilig gehalten. Culpepper war sehr erstaunt, eine brennende Kerze zu bemerken, welche auf dem Regal über dem Heerde stand. Noch erstaunter war er, als er beim Eintreten eine junge Frauensperson in einem der Schaukelstllhle sitzen und,, den Kopf aus den rechten Arm gelegt, schlafen sah. Ware es ein Mann gewescn, so hätte er schnell genug gewußt, was zu thun, aber, ein Mädchen, das war denn doch etwas Anderes. Er blieb erst wie gebannt an der Thür siehen; dann trat er einen Schritt hinaus und hustete absichtlich stark. Das hatte die gewünschte Wirkung. Das Mädchen erhob den Kopf, rieb die Augen und sah den Sheriff verlegen in der Thüre, stehen. Sie schob das Haar aus dem Gesicht und lächelte. Ei. ich glaube, ich bin eingeschlafen, während ich auf Sie wartete," sagte sie in einem Tone, als sei der Sheriff der Besucher, und sie die Hausherrin. Immer mehr verwundert blickte sie der Sheriff an, und Alles, was er zur Antwort hervorbrachte, war: Es thut mir leid, daß ich Sie warten ließ." , O, es war nicht lange," versicherte sie und fügte hinzu: Pappy war ganz todtmüde, als wir hier ankamen, und ist gleich schlafen gegangen. Lang kann ich wohl auch nicht mehr aufbleiben." Fast jedes Wort, das sie sagte, war dem Sheriff ein neues Räthsel., Sein verdutztes Gesicht bemerkend, sagte sie noch: Ich bin nämlich Jinny." Ha! der Name war Culpepper nicht ganz unbekannt. Wenigstens , in der Nacht vorher hatte er ihn einige Male gehört. Doch nicht Bradberry's Gattin?" frug er. Das Mädchen machte große Augen. Ich bin Jinny, Pappy's T o ch t e r," erwiderte sie; Sie haben uns doch gestern Nacht gesagt, die Soldaten kämen." Der Sheriff fuhr beinahe zusammen. Und wo ist Papa?" fragte er hastig; ist er davongekommen?" - Pappy ist in der Stube dort," erwiderte sie ruhig, nach ? dem nächsten Zimmer deutend, und ihn treuherzig anblickend, setzte sie hinzu: Nicht wahr, es, macht Ihnen nichts ' aus, wenn er in Ihrem Bett schläft? Er hat das Weh, und ich habe ihn sogleich schlafen gebracht." . ; . Der Sheriff stöhnte. Also ' unter

emem eigenen Wacy und zogar in seinem Bett lag der Haupt - Missethater! ' Um Alles in der Welt," rief er aus, wie Zommt Ihr denn dazu, bei mir abzusteigen?" Als ob es sia) um, die gewöhnlichste Sache der Welt handle, erwiderte das Mädchen: Pappy dachte eben, beim Sheriff würden die Soldaten nie nach ihm suchen." , . Jetzt ging .Culpepper ein ganzer Kronleuchter auf. Er öffnete die Thür des nächsten Zimmers. Jim, " der schon wach geworden, ärmste über das ganze Gesicht, Ei. ei. Dick." sagte er, das kitzelt Dich wohl etwas? Aber da die Regierung so sehr nach mir is ist, und Du ihr Vertreter hier bist, hielt ich es für ' das Beste, zu Dir zu kommen. Was hättest Du erst gelacht, wenn Du die Soldaten den Berg hättest hinaufkommen und mich herunterkommen sehen! Von der Schnapsbrennerei sinden sie auch verflucht wenig. Ich habe Jinny das Pulver gegeben, und sie hat die Distille hoch genug auffliegen lassen." Und. wie kommst Du gerade hierher?" fragte der Sheriff in energischerem Tone, weißt Du nicht, daß ich Dich in's Courthaus lootsen muß, sowie es Tag ist? Hast Du nicht Freunde genug in Cataloochee?" Q ja," antwortete Jim Phlegma tisch, aber die hätten rni chin der Bedrängniß am Ende herausgeben können, und ich wußte, daß D u in keinem Courthaus zu erklären Lust hättest, woher mir bekannt war, daß die Soldaten kommen.- 's ist - doch 'was Schönes um alte Freundschaft." Und er grinste wieder. Der Sheriff fühlte sich vollkommen schachmatt gesetzt. Er sah jetzt, welche Falle er gelegt, und wie er selber hineingegangen war! Und was nun?" fragte er endlich. Na, ich bleibe hier beim Regierungsvertreter, bis ich über mein Weh hinweg bin, und die Küste klar ist," versetzte Jim fröhlich; dabei schlage ich auch etwas Entschädigung für die zerstörte Einrichtung heraus. Der Teufel, ich kriege schon wieder einen meiner Anfälle! Du haft wohl kein Quecksilber - Sublimat im Haus, Dick?" ' Wüthend ging der Sheriff wieder in das andere Zimmer. Jinny war im Schaukelstuhl vor dem Heerde schon wieder halb eingeschlafen. Culpepper betrachtete sie. Sie war so anmuthig, wie die Blumen, welche sie gepflanht, und welche die Soldaten jetzt wohk zusammengetreten hatten. Und er konnte ihr keinen Vorwurf machen. Denn-er wußte, daß diese Gebirgler - Kinder von Hause aus ihre eigenen Begriffe von der Achtung vor dem Gesetz haben. Er trat auf das Regal zu, um die Kerze mit seinen Fingern , zu, putzend Jinny blickte auf. Sie. sind müde," sagte er, gehen Sie lieber da hinein und machen Sie sich aus den Decken etwas zurecht; Haushalterei gibt, es hier wenig; aber Sie können sich gewiß für die Zeit, in der Sie hier, bleiben, etwas einrichten." Sehr gut," erwiderte sie, ich werde nichts vergessen, was Sie für Pappy gethan. Ich will das Haus reinhalten, so lange ich bleibe.." Nochmals hielt, der Sheriff, sich nie-

dersetzend, mit sich selbst Kriegsrath; aber es kam nichts dabei heraus. Es war ganz klar, daß Jim ihn jetzt völlig in der Hand hatte. Nach einiger Zeit lag er in Morpheus Armen, und als er wieder erwachte, war der Tag schon ziemlich weit vorgerückt. , Jim und seine Tochter schienen noch fest zu schlafen. Culpepper ging hinaus und holte einen Eimer Wasser und eine Armladung Holz, worauf er Feuer in der Küche machte und das Theekesselchen aufstellte. Aber Jinny hatte ihn gehört und erschien alsbald in der Küche,- wo - sie ohne Weiteres MaisKuchen zum Frühstück ' machte und Speck briet. Etwas davon brachte sie ihrem Vater, und dann setzte sie sich dem Sheriff gegenüber zum Frühstück. So gut hatte Culpepper schon lange nicht mehr das Frühstück geschmeckt! Es erinnerte ihn an die schönen Tage, als seine Mutter und seine Schwester hier noch wirthschafteten. Seitdem hatte' hier keine Evastochter mehr gewaltet. . Nach dem Frühstück ging Culpepper wieder zu Jim hinein. Ich will kein Wort mehr über den netten Streich sagen, den Du mir gespielt hast," bemerkte er; Du bleibst hier, bis ich Dich über' die Staatsgrenze bringen kann, - und muckst Dich nicht. Die Soldaten können vielleicht sechs Wochen vielleicht auch sechs Monate bleiben. Finden Sie Dich, dann sind wir Beide futsch." Jim streckte ihm die Hand hin. Ja, ich habe einen guten Trumpf aufgesetzt," bemerkte er; aber sieh' Kämerad,'es ging nicht anders, und ich habe es meist für Jinny gethan." ' Der Sheriff sattelte auf und ritt in den Ort hinein. Im Hof um das' verfallene alte Courthaus herum ging es sehr lebhaft zu. ; Die Soldaten kamen soeben vom Gebirge zurück. Jnmit ten ihrer Colonne sah man mehrere Gefangene, welche trotzig dreinblickten. Neben und hinter den Soldaten standen Gruppen von Frauen und Kinder; manche weinten, und andere fchleuderten den Soldaten Verwünschungen zu, welche dies e gleichmüthig hinnahmen. Einige haben wir abgefangen," sagte der Befehlshaber zu dem herankommenden Sheriff, aber nicht den alten Bradberry, der muß? irgendwie

von der Geschichte Wind bekommen haben; seine Destille ist in die Luft ge sprengt.' ? Na,-wie ich höre, hat er ein ganzes. Schock Vettern und Basen hier, und ich werde ihn schon zur Strecke bringen, und wenn ich jedes Haus durchsuchen muß." Der Sheriff nickte zustimmend., Die Gefangenen wurden ihm übergeben. Er kannte jeden Einzelnen. Erst Abends kam er wieder heim. Es war kein Zeichen von Leben an sei nem Haus zu bemerken, außer etwas Rauch, der -aus dem Küchen - Kamin stieg. Das konnte den Vorübergehenden nicht -auffallen, und Culpepper hatte ohnedies oft das Feuer im Ofen brennen lassen. - Jinny öffnete die Thür. Ich habe Sie durch eine Fensterritze gesehen," sagte sie; das Abendbrot ist fertig." Culpepper sah mit Vergnügen, wie rein und aufgeräumt Alles im Hause war, und er aß das Abendbrot mit förmlicher Andacht. Es war beinahe, als fange er erst jetzt an, sich in seinem ' Hause heimisch zu fühlen. Beim Essen hörte Jinny's scharfes Ohr einen Laut. ,,'Hsch!" sagte sie, und im Nu hatte sie das Licht ausgeblasen und war unter den Tisch gehuscht wie eine Ratte. Das war der Instinkt der Gebirgler, und der Sheriff mußte trotz der Gefahr lachen.. An der Vorderthür klopfte es. Der Sheriff zündete die Lampe an, trug sie herbei und öffnete langsam die Thür. ' Draußen war der SoldatenHauptmann mit seinem Pferde. Wie geht's?" sagte er; wir haben beschlossen, heute Abend uns , tüchtig an's Haussuchen zu machen. Einer unserer, Leute hat von einem Gebirgler gehört, datz Bradberry auf dem Weg nach Cataloochee gefehen wurde. Er muß hier im Haus eines Freundes sein. Ueber die Furth konnte er nicht kommen; dort hatte ich einen Wachposien. Wir wollen also jedes Haus im Orte durchsuchen. Ihres brauchen wir wohl niHt nachzusehen" er lachte treuherzig aber Sie sollen mitkommen." , , Einen Augenblick," erwiderte Culpepper, ich will meinen Hut ' holen. Werde dann gleich mit dem Pferde an der Scheune draußen fein." , Er ging in die Küche und in die Stube zurück. Jinny," flüsterte er, nur immer ruhig und kein Licht!" 'Die Haussuche dauerte die ganze Nacht hindurch. Aber vom Edelwild keine Spur! . . , . ,. 3. -. '. Drei Tage lang spähte der Hauptmann noch umher. ,Am vierten nahm er. seine Leute wieder in's Gebirge und ließ nur eine kleine Wache am Gefängnitz zurück. Culpepper begleitete die Soldaten eines gutes Stück den Bergpfad, hinauf;, dann aber sprengte, er rasch nach Hause. Sein Entschluß war gefaßt. , Er fand Jinny vor dem Herd sitzen, an derselben Stelle, wie in jener ersten Nacht. Jinny," sagte er zögernd, wir müssen heute Nacht über die. Staatsgrenze." Sie erhob sich und ließ einen langen Blick über jedes Möbelstück,' über jeden Zierrath der Stube schweifen, wo sie die erste Idee von Comfort in ihrem Leben kennen gelernt hatte. Ein leichter Seufzer

entrang sich ihr. Doch sie sprach, kein Wort. Ruhig ging sie hinein, um ihrem Vater Beistand zu leisten. Der Sheriff machte zwei Pferde bereit. Es dauerte noch zwei Stunden, bis , der Wond aufging, und bis dahin konnten sie über die Furth und weit unterwegs fein. Culpepper' hob Bradberry auf das eine Pferd. Ich habe nur die zwei Pferde," sagte er; Jinny wird hinter Dir sitzen müssen." Schon hob er sie auf; aber Jim schwankte matt im Sattel, und das Roß fing an zu scheuen. Einen Augenblick stand Culpepper unschlüssig da, aber dann faßte, er das Mädchen wieder und nahm es zu sich auf das Pferd. Jinny faßte ihn fest am Rock, der bei jeder ungewöhnlichen Erschütterung stärker gezerrt wurde. Vorsichtig ritten sie um den Saum des Städtchens herum und dann über die Furth. ' Alles ging gut, und bei Tages - Anbruch erreichte man den nächsten Ort des Nachbarstaates. Es war auch Zeit; Bradberry konnte sich kaum mehr im Sattel halten. Culpepper sprang ab und hob Jinny herunter, die ganz steif von dem langen Ritt geworden war: Hier hast Du ja Freunde," sagte er dann zu Bradberry, und ich muß zurück. Bleibe hier, bis die ganze Hermandad weg ist, und wann Du irgendwelche Hilfe brauchst, laß es mich wissen." Er 'ging auf Jinny zu, die bei seinem Pferde stand und ihm die Hand entgegenstreckte, die er drückte. Nun, Ade, Jinny sagte er langsam. Sie sind sehr gut zu uns gewesen," stammelte sie. meinen Lebtaa' will ichs gedenken." Sie nahm seine Rechte in ihre beiden Hände, und er fühlte ihre warmen Lippen an sie gedrückt. Ehe er wußte, was er gethan, hatte er sie in seinen , Armen aufgehoben und abgeküßt! ;" Sechs Wochen blieben- die Soldaten. cv: . n i . ijcl ra.;:.. yillt itqiK ' mü)i uucvn. in vycwuyc zurück. . Nach zwei Monaten gab ihm sein Weh" die Rast. Der. Sheriff hatte sich mittlerweile ganz fremd zu Hause gefühlt und war stets übel gelaunt, cancymal mur melte er einen Fluch vor sich h;n, wäh

nd er die Räume durchschritt, die ihm jetzt so öde vorkamen. Dann holte

ix etwas Trost bei Donahue. rv- ' AIs r aber hörte, daß Jfm das leitliche gesegnet hatte, ritt er sofort ber die Staatsgrenze hinüber. Dieslnal blieb er mehrere Tage fort, und dann kam er glückstrahlend mit nner Mrs. Culpepper" zurück, ge borene Jinny Bradberry. Jerusalem!"- riefDonahue aus, so ein verknöcherter Junggeselle wie Du, und wie kommst Du denn, in d i e s t Familie?!" , , - Culpepper vertraute 'ihm unter dem übliche Siegel der Verschwiegenheit Alles ; an. Naturlich sickerte die Geschichte mit der Zeit zu den anderen biederen Ortsbewohnern durch; sie sahen aber Jim's Regierungsbesuch" nnfach als einen guten Witz mit dem Sheriff an. - tn Erdpechsee auf Trinidad. Ein . merkwürdiges Naturwunder auf der westlichen Insel Trinidad ist der sogenannte. Pitch Lake, d. h. ein mit schwimmenden Massen von Erd pech bedeckter See. Er hat eine Oberfläche von 113 Acres und besitzt eine Tiefe von 10 bis 150 Fuß. Das Erd pech wird aus der Oberfläche des Sees herausgestochen, aber schon nach 48 Stunden ist die Lücke wieder ausgefüllt. Die Masse wird dann in Körbe geworfen, mittels einer Kabelbahn an eine 2000 Fuß weit in die See laufende Landungsbrucke geschafft und hier aus Schiffe verladen. Im Durchschnitt beläuft sich, die jährliche Ausfuhr auf 100.000 Tonnen. 'Der See ist das Eigenthum der englischen Krone 'und wird erst seit 30 Jahren nutzbar gemacht. Er ist gegen eine bestimmte Abgabe von jeder Tonne , Pech an die Trinidad Asphalt Company verpachtet. die feit 1888 bereits '234.000 Pfund Rente gezahlt hat. Das Erdpech liefert einen vorzüglichen, weit verschickten Asphalt, dient als Schiffs, leim und findet überhaupt überall BerWendung, wo es sich um Cementirung und Jsolirung handelt. ' Außerdem besitzt die Gesellschaft in unmittelbarer Nähe desSees noch 20,000 Acres Freiland, das ebenfalls ; große Massen Asphalt enthält, der, wenn auch nicht fir Straßenpflasterung, doch für andere Zwecke sehr werthvoll 'ist.. m r Auf dem Wcge zum F. .Wau platz. , . , Dem Berliner Tageblatt schreibt sein Kriegsberichterstatter Oberst a. D. Gädke aus Charbin am 4. April: Wenn die Creignie sich weiter mit der athemlosen Hast überstürzen wie bisher, so werde ich wohl in etwa zw Jahren nach Berlin zurückkehren können. Voraussichtlich wird innerhalb dieser. Zeit irgendwo am Jalu ein größeres Gefecht stattgefunden haben, nach dessen Beendigung die FriedensVerhandlungen beginnen und innerhalb eincr nicht zu knapp bemessenen Zeit zum Ziele führen werden. Inzwischen sitze ich hier in Charbin und . erfahre von dem ganzen Gange der Dinge vielleicht weniger, als man in Berlin weiß.. Es geht . den Berichterstattern des russischen Heeres genau so wie denen bei .dem japanischen; man hält sie von dem Hauptqurtier so fern wie möglich; ob das sehr rücksichtsvoll und sehr angebracht ist, ist schließlich eine Frage, welche das russische Oberkommando selbst entscheiden mag. DerEindruck, den ich bisher überall gewonnen habe, ist der, daß Rußlanb, i'ein Heer und seine Verwaltung garnicht so sehr viel zu verbergen haben; man könnte dem, Auslande ohne Schaden einen näheren Einblick in die Lage der Dinge gestatten, als thatsächlich geschieht. Reibungen und Fehler kommen überall vor und sind cmch hier nicht ausgeblie ben. Denn allerdings befindet sich das russische Heer gegenwärtig und auf Wochen, vielleicht auf Monate hinaus noch immer in der Zeit der Vorbereitung,' der Bereitstellung und der Versammlung. Von dem wirklichen Feldzugsbeginn ist man noch sehr weit entfernt. und auch von Laojang aus würde ich den Lesern weltbewegende Ereignisse nicht berichten können. Ein seltsamer Krieg! Langsam und allmählich ziehen sich die schwarzen Wolken über dem fernen Osten zusammen; monatelang schwankt alles bange zwischen Furcht und Hoffnung, plötzlich und überraschend bricht der eine Theil die Unterhandlungen ohne dringende Nothwendigkeit ab und eröffnet mit einem blendenden Theatercoup den Feldzug. Die ganze Welt laufckt aeivannt auf die weitere EntWickelung der Dinge und erwartet ein rasches, vielleicht selbst überstürztes Vorgehen der keckenJapaner gegen das Herz der russischen Machtstellung in Ostasien, gegen Mulden und Charbin. Sehr allgemein war -die Ansicht derbreitet, daß . Rußland die südliche Mandschurei ohne Schwertstreich räumen und sein Heer hinter dem Ssuogari sammeln werde. Schon sah man und nicht nur im Auslande Port Arthur in den Händen Japans. Da plötzlich versiegt der Strom der Handlung wie in einem schlecht geschürzten Schauspiel; die Flotte Japans erschöpft sich in immer wiederholten Versuchen gegen Port Arthur, die gleichwohl den rücksichtslosen Willen vermissen lassen, alles an alles zu setzen, und nur langsam ünb rnetho bisch schreitet seine Mobilmachung und der Aufmarsch seiner Truppen in,Korea vor. Inzwischen aber beginnt Rußland jein mandschurisches Feld

heer beinahe aus dem Nichts mit ungemeiner Ruhe- und Kaltblütigkeit zu schaffen. Es nimmt sich und man läßt ihm Ms- Zeit, ein Kornfeld auf der flachen Hand wachsen zu lassen. " Der Verlauf der letzten beiden Mo-

nate hat deutlich gezeigt, wie sehr ich recht hatte, davor zu warnen, daß man einen raschen Zusammenstoß de? Hauptkräfte beider Gegner zu erwarten habe. Und dennoch habe auch ich mich geirrt. Je größeren Einblick ich allmählich in die hiesigen Verhältnisse gewinne, min so mehr komme ich zu der Ueberzeugung, daß Rußland beim Ausbruch des Krieges doch sehr viel weniger gerüstet gewesen ist. als ich bisher angenommen habe. Nach meinen eigenen Beobachtungen muß ich den Versickierungen höherer und hoher Offiziere Glauben schenken, die nach ihrer Stellung Bescheid wissen müssen, den Versicherungen nämlich, daß Port Arthur am Tage des japanischen Angriffs an Infanterie nicht mehr als 8000 Mann Besatzung (einschließlich der technischen Truppen höchstens 10- bis 12.000 Mann) gezählt habe, und daß die ganze, südlich Mulden bereitstehende Feldarmee nicht stärker als 20.000 bis 25.000 Mann gewesen, sei. Die übrigen ostasiatifchen Truppen waren über das ungeyeure Gebiet von Jrkutsk bis Wladiwostok und vonChabarowsks bis Mulden in ihren Friedensgarnisonen vertheilt. Alles in allem haben im fer, nen Osten damals, außer der starken Eisenbahnschutzwache von 23.000 Mann, schwerlich viel mehr als 90.000 Mann, darunter vieellicht 60.000 Mann Fußvolk, gestanden. Das ergiebt nicht 240.000 Mann, wie vielfach behauptet wurde oder '150,000 bis 180,000 Mann, wie ich annahm, fondern nur etwa 120.000 Mann. Und' dieses Heer war nicht kriegsbereit und konnte sich auch nicht allein aus den Mitteln des Landes kriegsbereit machen, sondern mußte seine ErgänzungsMannschaften zum Theil von weither , heranholen, Welche Aussichten anscheinend für ein rasches und ents chlossenes Vorgehen Japans! Welch Wunder. daß,"man damals in hohen Stellungen des rufsiechen Osta'en die kühle Ueberlegung nicht immer bewahrt zu haben scheint! In der That werden hier an eine ganze bestimmte ' Adresse manche -Vorwürfe gerichtet, deren Berechtigung ich um so weniger zu prüfen vermag, als ich hier und da auch das Gegentheil habe versichern hören. Besonders hart urtheilt man in militärischen Kreisen über die Trennung der Flotte und über me örtliche Leitung in Port Arthur, die nicht aus der Hohe ihrer Äufgave gestanden zu haben scheint. Vor jener Vertheilung der Kriegsschiffe auf die beiden Häfen Wladiwostok und Port Arthur. hatte man von Seiten des Generalstabcs wiederholt, aber ohne Erfolg gewarnt. Jedenfalls, werden für die Entwickelung der Ereignisse kurz vor und kurz nach dem japanischen Angriffe persönliche Verantwortlichkeiten in ziemlich weitem Maße in Anspruch zu nehmen sein. Wer Zank aufdem foziav demo kratifchen Parteitag in Dresden hat nachtheilige Wirkungen Für Folge. Die Sozialisten ha bene auch den Wahlkreis Sachsm-Al' tenburg verloren. Es erhielten Oberlcmdesgerichtsrath Dr. Porzig 18,088 und Buchbinder Vuchwald 1,7,419 Stimmen. Somit, ist Dr. Pörzig gewählt. Die Zahl der abgegebenen Stimmen betrug 33,507 gegen 36,404 in der Hauptwahl im Jahre 1903. Tie Sozialdeinokraten büßten bei der Nachwahl 1276 Stimmen ein, während die bürgerlichen Parteim eine Stimmenmehrheit von 677 Stimmen zu verzeichnen haben. Die Zahl der eingeschriebenen. Wähler r i " i 1 1 n r 'Tvl X . . . T5 f oeiraar lö.ouo. .ic .yeircii jeut. und Singer hatten sich vergeblich bemüht,' durch Wahlreden ihrem Kandi daten zum Siege zu verhelfeii. , Aus der Inst?ktZsnsstunde. Unteroffizier: Was" ist ylso halb rechts, Hinderraßler? (Rekrut schweigt.) Nun, halb rechts ist ganz dasselbe wie halb links, nur g'rad das. Gegentheil, Sie Kameel, Sie!" Der Sauev ixn Restaurant. G ir g l : Sakra, is dös a' Ire" Kellner: Pst, hier darf nicht geschimpft werden! Wenn Sie -nicht zufrieden sind, so müssen, Sie Ihre Wünsche in das dafür aufliegende Beschwerdebuch eintragen. Ich werde es Ihnen sofort bringen!" G i r g l : Teifi. jetzt heißt's, ftä druck'!" Gerechte Entrüstung. Diener: Jetzt wollen der Schlächter und der Bäcker auch nicht mehr pumpen V H e r r : Unerhört! Glauben die Kerls vielleicht, wir könnten von der Luft leben?"

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