Indiana Tribüne, Volume 27, Number 237, Indianapolis, Marion County, 27 May 1904 — Page 6

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Jttdiana Tribüne; 27. Mai 1909U

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Europäische Nachrichten. srdenvurg.'

Oldenburg. Eine traurige ueverrajchung wurde der Famlne-des Wirths Harms an der Nadorsterstraße zutheil. Bei Harms war eine Schwester seiner Frau in Stellung. Kürzlich bekam dieselbe Nasenbluten und smg auch sonst an, über Unbehagen zu kla gen. Sie wurde daher auf ihr Zimmer geschickt. Als man sich bald dar auf nach ihrem Befinden erkundigen wollte, fand man sie als Leiche auf ,y rem Bett liegen. Jedenfalls hatte ein Schlaganfall ihrem 'Leben ein Ende gemacht. Brake. Die Eheleute Fischereiaufseher Logemann in Hammelwarden erhrenen dre betrübende Nachncht. dak ihr löjähriger Sohn, der sich erst vor kurzem aus dem Schooner Vorwärts" als Matrose hatte anmustern lassen, bei der Einfahrt von der Weser in die Nordsee durch eine Sturzsee über Bord geschlagen und ertrunken ist. E d e w e ch t. Hier erhängte sich der über 70 Jahre alte Malermeister Marken. Der Bedauernswerthe litt an Schwermuth. Z?reie Städte. ' Hamburg. Auf dem im hiesigen Hafen liegenden chilenischen Regie rungsdampfer Rancogua" fand man den Matrosen Juan Marquez in einer großen Blutlache liegend todt vor. Untersuchung ist eingeleitet. Der Finkenwärder Fischerewer H 46", Kapitän Johs. Fock, ist von dem Fischdampfer Braunfchweig" in den Grund 'gebohrt worden. Kapitän Fock ist ertrunken, während der Bestmann Mures und der Koch Achner sich durch einen Sprung auf den Dampfer retteten. Eine 76 Jahre alte Wittwe Windmüller wurde in ihrer Wohnung bewußtlos mit schweren Brandwunden am Fußboden liegend gefunden; neben ihr lag eine zertrümmerte Nachtlampe. Die Frau ist, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, auf dem Wege nach dem Krankenhause gestorben. Arbeiter Heinrich Grader feierte sein 25jähriges Jubiläum als Maschinist auf der Dynamitfabrik Krümmel. In der großen Wagen bauanstalt von-H. Schomäker & Co. am Bullerdeich brach , Feuer aus, durch das die Stellmacherwerkstätte und die elektrische Beleuchtungsanlage vernichtet wurden. Die Entstehungsursache ist nicht ermittelt. Der in der Hammerbrook Straße wohnende KohlenHändler Nielsen stürzte vom Dampfer Wilhelmsberg" über Bord und ertrank. Bremen. Das hiesige BismarckComite beschloß, dem Professor Hildebrand in München die Ausführung eines Reiterstandbildes Bismarcks auf riesenhohem Sockel an der Nordseite des Doms mit dem Thurm als architektonischen Hintergrund zu übertragen. Es sind reichlich 200,000 Mark vorhanden. Das kühne Projekt erregt hier Begeisterung und Widerspruch. Durch Ueberfahren gctödtet wurde das dreijährige Töchterchen des Messerschmieds Brenett im Schüsselkorb. Die Kleine lief in genannter Straße neben einem zweispännigen Bierwagen her, der im Schritt die Straße Passirte; plötzlich versuchte die Kleine vor den Pferden des Wagens vorüber zu laufen; die Pferde scheuten,' zogen etwas schärfer an, das Kind wurde umgeworfen und von dem schweren Bierwagen über den Leib gefahren. Lübeck. Der nach längerem schweren Leiden verstorbene Ritter Mens v. Höbe. Rittmeister im Husaren - Regiment Fürst Blücher von Wahlstatt (Pommer'sches) No. 5, wurde mit militärischen Ehren hier bestattet. Eine aus dem Obersten, 1 Rittmeister, 1 Leutnant und 1 Wacbtmeister des Husaren - Regiments aus Stolp i. P. bestehende Deputation nahm an der Feier theil. Vom hiesigen Infanterie Regiment war eine Ehrencompagnie mit der Regimentskapelle gestellt. Der 48er Veteran Privatier Heinrich Witt aus Havick horst starb hier im 86. Lebensjahre. Schweiz. Bern. Kantonskassier Gaßmann, ein Veteran der bernischen Staatsverwaltung, ist gestorben. Der Sekretär der kantonalen Direktion des Innern, Paul Iahn, der seit Kurzem, als er sich zu einem Spaziergang von Hause entfernte, vermißt worden war, ist im Könizbergwalde todt aufgcfunden worden. M o n t h e y. Zwischen St. Gingolph und Le Bouveret, am Walliser Ufer des Genfer Sees, wurde der alte Jean Peray von seinem eigenen 21jährigen Sohn getödtet. Der Sohn lebte seit langer Zeit in Feindschaft mit seinen Eltern. Im hiesigen Gefängniß leugnete er zuerst, dann woll te er einen Unfall glaubhast machen, endlich gestand er seine That ein. " Neuenburg. Der 1819 'geborene Charles de Coulon, wohl der letzte, der unter dem preußischen Regiment noch eine Staatsstelle bekleidet hat, ist hier verschieden.- Er war 18451848 Maire von Lignieres.' Dann zog er sich in's Privatleben zurück. . Sankt Gallen. Das fünfjährige Kind des Oberaufsehers Elfer an der Strafanstalt St. Jakob wurde von der Trambahn .überfahren und getödtet. Dem Kind wurden die Beine fält ganz vom , Körper und das rechte Händchen vom Arme getrennt,- sowie der Kopf vom Motorenkasten zer-drückt.

Die 3nei Sachalin.

Eine russische Sträflingskolonie im ' fernen Osten. Japans SiegespreiS Voreilige Wünsche. Aus Sachalins Geschichte Japanische Fischer Ein feiner Tansch Im Kriegs;Ztand Sträflinge als Landwehrmänner. In japanischen Blättern wird für den Fall eines Sieges über die Russen die Rückgabe der ostasiatischen Insel Sachalin an Japan verlangt; die russtsche Presse macht dagegen geltend, Rußland hätte Sachalin niemals von Japan erhalten, oder das Anrecht. Ja pans auf die Insel wäre zum Minde sten nie größer gewesen als dasjenige Rußlands. Thatsächlich scheint die Geschichte der Jnjel, dle namentlich als Verban nungsort russischer Sträflinge bekannt ist, eme lange Reihe von Irrthümern und Mißverständnissen auszuweisen, die schon beim Namen Sachalin" beginnen. Die Giljaken, das ostasiatische Fi cher- und Jagervolk, die am Amur und auf Sachalin leben, nannten die Insel Schantar." Bei den Japanern hieß sie Karafto," was so viel heißt wie chinesische Insel" und. deutlich auf die frühere Zugehörigkeit der Insel zum chinesischen Reiche hinweist. Die Bezeichnung Sachalin" ist in Europa ganz zufällig, entstanden. Anfangs des 18. Jahrhunöerts zeichneten katholische Missionare in Peking eine Karte der Tatarei. Auf dieser Karte machten sie an der westlichen Küste Sachalins zufällig gegenüber der Mündung des Amur die Aufschrift Saghalien," was in mongolischer Sprache so viel heißt wie Felsen des schwarzen Flusses." Der französische Geograph Enville bezog die Inschrift fälschlich auf die Insei, trug sie in seinen Atlas ein, und so entstand der Name Sachalin. Die Insel Sachalin genauer ihr südlicher Theil wurde von Japanern erst Anfang des 19. Jahrhunderts aufgesucht und auch die Russen erschienen nicht früher . auf der Insel. Eine Obrigkeit hat auf ihr nie existirt; japanische und russische Jäger und Fischer kamen und gingen, thaten, was sie wollten, ohne sich um die eingeborenen Giljaken und Ainos zu kümmern, die ihrerseits niemals ein Anrecht Japans auf die Insel anerkannten. Der südliche, nur etwa' 18 Meilen von der Insel Yesso entfernte Theil Sachalins hat aber stets zum Mindesten unter japanischem Einfluß gestanden. Noch jetzt ist die Südküste dicht von japanischen Fischern besiedelt. Im Jahre 1854 wurde Vertragsmäßig Sachalin als gemeinsame Besttzung Rußlands und Japans bezeichnet. Als sich dann, trotz einer Konvention von 1867, die Unmöglichkeit eines solchen gemeinsamen Besitzes in der Praxis herausstellte, kamen beide Staaten zu einer neuen Uebereinkunft: 1875 wurde in Petersburg ein Vertrag geschlossen, demzufolge Sachalin in den Alleinbesitz Rußlands überging, während Rußland an Japan die Kurilen (22 an der Zahl) abtrat. Der Tausch erwies sich als Vortheilhaft für Japan, das von den Kurilen etwa 1,000,000 Yen ($500,000) Einkünfte bezog, während Rußland , bei Sachalin Geld zusetzt, was allerdings mit der Verbrecherkolonie zusammenhängt. Die Russen führen Klage, daß Japaner nach wie vor den Fischreichthum Sachalins, ausbeuten und zwar in derartigem Umfange, daß in Hakodate etwa" 2,225,000 Rubel (1 Rubel gleich 67 Cents) japanischer Eingangszöll von den in fremden Gewässern gefangenen Fischen erhoben würde, w'ährend die Russen im Ganzen 20,000 Rubel Abgabe von japanischen Fischern erhöben. Es gibt auf Sachalin auch große russische Fischereigesellschaften, die aber naturgemäß mehr nach Japan . r n..ri. c. , r cvy!i aia nacg irtUTjianu ceuaujen. tum Wladiwostok lohnt sich das Geschäft nicht, da dort ebenfalls großer Fischreichthum ist. Die Angestellten im Fischereigeweröe, sogar bei den russischen Gesellschaften, sind ausschließlich Japaner, obwohl diese 20 Rubel monatlich erhalten, während "die Russen (Sträflinge und Verbannte) nur 11 Rubel erhalten. Aber der Japaner ist ein geborener Seemann und in allen Gewerben, die mit dem Meere zusammenhängen, fast unersetzlich. Dagegen sind alle Versuche mit russischen Arbeitern mißglückt. Sie werden leicht seekrank und lieben die Arbeit auf dem Wasser nicht. Am ehesten stnd noch verbannte Tataren zu gebrauchen; aber auch sie taugen nur zu Arbeiten an der Küste. Gegenwärtig befindet sich die Insel Sachalin natürlich im Kriegszustande. Aus Ansiedlern früheren Sträflingen und Bauern wurden vier Druschinen sLandwehrabtheilungen), .jede zu 200 Mann,, gebildet. Binnen wenigen Tagen waren die Leute in biedere LandWehrleute in Kaftans mit rothen Vorstößen und Litzen an den Mützen verwandelt, und mit Feuereifer , wurden Griffe gekloppt und exerzirt. 55 m Eisenbabnwaaen verbrannt. Drei Männer und ein Knabe hatten sich als blinde Passagiere in Council Bluffs, Ja., in einen Eisenbahn-Frachtwagen geschlichen, der später von außen- geschlossen wurde. Beim Rauchen der Männer gerieth ein in dem Wagen aufgestapelter Haufen Bettzeug in Brand. Die Eingesperrten nesen um Hilfe, doch eye ihnen solche gebracht werden konnte, waren sie bereits todt.

33törtots)efisöieö6.

Große Verlufte von, Büchereien und originelle Tiebsmethoden. Pramrirte Werke, BNder nd ZeitungsauS schnitte als TiebSobjerte , Dichter" als Bücherdieb-Ter durchfeuchtete Windfaden. Ter König der BibliotlzekSdiebe." In New Aork wurde unlängst ein gewisser Gomberg in's Gefängniß gesandt, der aus der dortigen Astor- und der Lenox-Bibliothek eine Anzahl seltener und werthvoller Bücher gestohlen hatte. Gomberg war das Haupt einer Bande von Bibliotheksdieben, die in folgender Weife operirte: . Gomberg und einer feiner Freunde studirien an einem Tage in der Bibliothek die Kataloge und Preislisten der Bücher und notirten sich die Werke, auf deren Erlangung von Seiten von Sammlern eine Prämie ausgesetzt war. Mehrere Tage später erschien dann ein Komplize der Beiden und bat um die Ueberreichung der ersten amerikanischen Ausgäbe irgend eines Werkes. Auf den abzugebenden Zettel schrieb er einen falschen Namen und eine falsche Mohnungsadresse, und mit dem Buche verschwand er dann, sobald sich ihm die Gelegenheit bot. Aus den öffentlichen Büchereien der Stadt New York kamen im verflossenen Jahre 5000 Bände abhanden, im Jahre 1902 3480 Bände. Von den Ausgaben für die Erwerbung von Büchern entfallen im Durchschnitt 12 Prozent auf die Wiederersetzung gestohlener Werke. Die Diebstähle werden aber nicht immer nur schnöden Geldgewinnes halber ausgeführt, sondern oft bildet auch Vorliebe für Bücher das Motiv. So verschwanden seiner Zeit aus der Ottendorfer Bibliothek in New Aork in mysteriöser Weise allmälig eine große v V ey . i r v w 5 1 ff Zayi ullzer poenicyen Jnyans. ismgeleitete Nachforschungen ergaben schließlich, daß ein junger Deutscher die Bücher entwendet hatte und unter seinem Bette verborgen hielt. Warum haben Sie diese Werke gestohlen?" wurde er von einem Bibliotheksbeamten gefragt. Ich liebe die Poesie," lautete die Antwort, und ich nahm die Bücher, um sie immer und immer wieder zu lesen." Nicht um sie zu verkaufen?" entgegnete der Beamte. Oh, Sie thun mir bitteres Unrecht, Herr," sagte der Deutsche. Ich bin arm, aber nicht unehrlich. Ich bin, wie gesagt, ein Freund der Dichtkunst und selbst ein Dichter." Viele Bibliotheksdiebe sehen es nur auf Stahl- und Kupferstiche ab. Zur Entfernung derselben aus den Büchern gebrauchen sie den folgenden Trick: Sie behalten einen Bindfaden so lange im Munde, bis er vollständig durchfeuchtet ist, und plaziren ihn dann auf das Blatt, welches das Bild enthält. Hierauf schlagen sie das Buch zu, durch dessen Gewicht der feuchte Bindfaden das betreffende Blatt löst, das der Spitzbube nun unbemerkt zu sich steckt. Bei solch' einem Gesetzesverächter wurden einmal nahezu 50 Kupferstiche vorgefunden, und er gestand, daß er mehr als ' 50 bereits veräußert habe. , Eine weitere Spezialität der Bibliotheksdiebe bildet das Ausschneiden von Artikeln aus Zeitungssammlungen. Duplikate von derart verstümmelten Zeitungsnummern sind, wenn die Kollektion schon seit Jahren zurückdatirt, nicht oder nur schwer mehr erhältlich. Unter dem Uebelstande der Diebstähle leiden nicht nur die New Forker Bibliotheken, sondern die Büchereien in allen anderen Großstädten der Ber. Staaten, sowie besonders auch die Uni-versitäts-Bibliotheken. Hier sind es meist Studenten, welche die Begriffe von Mein und Dein verwechseln. Immerhin nehmen die Büchereidiebstähle in Onkel Sams Land mcht den Umfang an, w.ie ihn die Bibliotheken in Europa zu beklagen haben. - Gras Libn, ein französischer Regierungsbeamter um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, erwarb sich den Titel Der König der Bibliotheksdiebe." In Folge seiner offiziellen Stellung ' hatte er ungehinderten Zutritt zu den Bibliotheken der Klöster und Regierungsinstitutionen, wo er mit erlesenem Geschmack und großer Sachkenntniß seine Auswahl" traf. Hatte er Tausende von seltenen Werken auf diese Weise, gesammelt," so schickte er sie nach England und hielt dorten eine Auktion ab. Tausende von Pfunden Sterling '.flössen hierbei in seine Tasche und bildeten die klingende Belohnung für seinen Sammelfleiß." Anklage auf Anklage wurde gegen den Biedermann erhoben, aber niemals faßte ihn der Arm der Gerechtigkeit. Merkwürdige Verunstaltung. Es ist keine ganz seltene Erschcinung, daß bei Karpfen die Mundspalte durch eine Verwachsung der Kiefer völlig verschlossen-wird. Wie Professor Bruno Hofer in der Allgemeinen Fi-scherei-Zeitung" ausführt, ist diese Verunstaltung gewöhnlich die Folge einer Verletzung und wird dann meistens wohl durch eine Quetschung herbeigeführt, bei der Theile der Kiefer verloren gehen. Das Merkwürdigste dabei ist, daß die Karpfen auch ganz ohne Mund oder wenigstens ohne die Möglichkeit, ihren Mund zu öffnen und zur Einnahme yon Nahrung zu benutzen, leben können. Es ist das nur dadurch erklärlich, daß nicht nur das zur Athmung nöthige Wasser, sondern auch die darin enthaltenen Nährstoffe an mikrofkopischen Thierchen und Pflanzen durch die Kiemenöffnungen in den Körper des Tbieres gelangen.

Mazedonier und Armenier. Die Hoffnung, daß die Balkanhalö

Insel dank dem Einschreiten der Mächte im Jahre 1904 von blutigen Aufstan den verschont bleiben würde, geht leider nicht in Erfüllung. Das türkisch-bulgarische Abkommen nahm den Freiheitshelden" den Stützpunkt Sofia und mußte noth wendiger Weise die Hoffnungen auch hartnaaiger Aufständischer tief heranterstimmen. Der Fürst Ferdinand wird in der nächsten Zeit nicht die gefährliche Befreierrolle" spielen, und Sarasow und Michalownsch rnul sen ihre Gründung eines selbstständigen mazedonischen Reiches noch ver tagen. Inzwischen suchen die Bulga ren in Mazedonien im Frieden den Griechen Boden abzugewinnen, und sie können das um so leichter,-wenn der Sultan sein Mißtrauen hinteua hält und in dem Kampfe zwischen dem bulgarischen Exarchat und dem griechischen Patriarchat neutral bleibt. Die Zivilagenten Oesterreich-Ungarns und Rußlands sind beschäftigt, die zumeist von christlicher Seite gegen türkische. Uebergnsfe erhobenen Klagen zu untersuchen, und die fünfundzwanzig europaischen Offiziere, welche zur Reorganisirung der türkischen Gendarmerie berufen sind, haben mit ihrem Reformwerk begonnen. Unter diesen Umständen Haben die meisten Vandenfüh--rer von der allgemeinen Amnestie Ge brauch gemacht und sich dun Sultan unterworfen. In Mazedonien herrscht somit' größere Ruhe, als seit Jahren, obwohl von Zeit zu Zeit noch von dorr Meldungen von dem Auftauchen revolutionärer Banden eintreffen. Anders liegt die Sache in Armenien. Dort setzt Andranik das Befreiungswerk mit Lust und Liebe eifrig fort. Am 25. März kam die Nachricht, daß armenische Insurgenten mordend und brennend im Distrikt Sassun herumzögen. Am 25. April meldete der Telegraph, daß armenische Missethäter die muselmamsche Ortschaft Latscyghian, fünf Wegstunden von Musch entfernt, angegriffen und dort Greuelthaten an Einwohnern, Männern, Frauen und Kindern, begangen hätten. Am 29. März meldete der Kölnischen Zeitung" ihr Vertreter in Konstantinspel: Der Mali von Bitlis hat sich in Begleitung einer aus armenischen Vischüfen und anderen armenischen Geistliehen zusammengesetzten Kommission nach Sassun begeben, um den Bandenführer Andranik zur Unterwerfung .zu bewegen. Die Kommission überbrachte den Aufständischen einen Brief des armenischen Patriarchen, der auch zur Unterwerfung mahnte. Die Aufständischen verweigerten jede Antwort und eröffneten Feuer auf die türkischen Soldaten, von denen zwanzig getödtet oder verwundet wurden. Als aber auch die Türken zum Angriff vorgingen, zogen sich die Aufständischen in die Berge zurück. Es wurde ihnen nun noch eine Frist zur Unterwerfung gestellt, die inzwischen ablief. Zur Unterdruckung des Aufstandes werden lediglich Nisantruppen verwendet; aus Heranziehung von Redifs ist verzichtet worden, auch eine Betheiligung bewaffnetenMohammedaner an denOperationen soll nicht geduldet werden." ' Zur Abwechselung kam dann am lZ.Mai eine anscheinend aus englischer Quelle stammende Meldung,! daß türlisch? Truppen armenische Gebirgsorte angriffen, die Bewohner abschlachteten und die Häuser niederbrannten. Den allerneuesten Depeschen zufolge zerstörten armenische Insurgenten 17 Ortschaften im Distrikt Sassun und. lieferten den türkischen Truppen bei Musch ein Gefecht, das auf beiden Seiten beträchtliche Opfer an Menschenleben kostete, und in dem der Führer der Insurgenten fiel. ' Der Name des Gefallenen wird nicht genannt. Wer diese Depeschen in der ehrlichen Absicht, liest, gerecht zu urtheilen, wird zugeben müssen, daß die Türkei lange genug zögerte, bis sie zur Ergreifung äußerster Maßnahmen schritt. Es wird kaum eine zweiteRegierung in der Welt Leben, die den unbotmäßigen Elementen innerhalb ihrer Grenzen gegenüber so lange Geduld übt, wie die Pforte. Die sogenannten Christen in der Türkei haben sich nachgerade daran gewohnt, sich bei jeder Gelegenheit mit ihren Klagen, an ausländische Vermittler zu wenden; und einzelne Mächte sind nur zu sehr geneigt, dem Sultan mit guten Rathschlägen an die Hand zu gehen. Leistet er diesen Winken keine Folge, so kommt womöglich, wie dieser Tage aus Oesterreich, ein kalter Wasserstrahl, der freilich nicht ganz so schlimm gemeint gewesen sein mag, als er durch die Brille der europäischen Presse erscheint. Jedenfalls wirkte die unmittelbar darauf folgende Erklärung , des italienischen Ministers Tittoni, daß der Dreibund die heutigen Besitzverhältmsse auf der BalkanHalbinsel gewahrt zu sehen wünsche, beruhigend und klärend. Dem armen Großtürken muß wohl je nach der wechselnden Lage entweder so zu Muthe sein, wie einem Erbonkel. der sich bei Lebzeiten ausziehen" lassen und davei uacy allen betten hin ein freundliches Gesicht machen soll, oder wie einem Schuldner ,dessen Bedränaniß sich immer vergrößert, und der von den Glaubigern, die seinen usammenbruch fürchten, über Wasser qefcn t.;s m; r ' v:.r. jyutitu utc luuye uoei tueie Aushülfe und des Sultans Geduld reichen werden, , das dürfte bei dem heutigen Stande der Balkanfrage wohl j auch der gewiegteste Diplomat nicht vorauszusagen wagen. '

Humor in der Mnstkschule.

Obigen Titel giebt der langjährige Lehrer des Pariser Conservatoriums Albert Lavignac einer Sammlung von l??spfn?sss th2 tfnlarvi&ARj .wtkl Vll uuw Vlilll uutviviuyiB stube, von denen wir einige Proben mittheilen: Mein Fräulein, dieses Adagio haben Sie gehudelt. Bitte noch einmal, aber ruhig und in gleichmäßigem Tempo. Das Fräulein sieht den Lehrer mit dem Sterbeblicke des angeschossenen Rehs an, spielt und läßt die großen' Thränentropfen über die Backen rinnen. . Wehe dem Mitleidigen! Er provozirt einen Weinkrampf. Der Gewitzte läßt die Kleine spielen und heulen. Eine andere von der trotzigen Art, weint nicht, aber karikirt das Adagio zu einem Trauermarsch, bis der Lehrer sie fortschickt. Alle ohne Ausnahme, die streng tugendhaften, wie die eigentlichen Gamines" versuchen es, den Mann im Lehramt für sich zu gewinnen und für ihre Stimmungen gefügig, zu machen. Jede bringt zum Unterrichte eine kleine Geschichte oder wenigstens eine Miene mit, die gefragt sein will: Warum so traurig? Warum so lustig? Warum so böse? Das sind die bösesten und schwierigsten Versuchungen. Ein richtiger Musiklehrer muß für Geschichte und Mienen gleichgültig fcheinen, darf es aber nicht immer sein, wenn die Trauermiene bei einer ernsthaften Schülerin ernsthaft ist. Es giebt wirklich manchmal Katastrophen zu verhüten. War's aber doch Komödie, dann rettet nur ein derbeS Kreuzmillionendonnerwetter das gefährdete Ansehen und führt die kleine . Kokette in die Bahn des Respekts zurück. Vor allem kein Gespräch mit einer Schülerin unter vier Augen! Die anderen glauben dann, es gäbe eine Begünstigung. Die Begünstigte spielt sich als das bevorzugte Genie auf, und die Mütter der anderen laufenSturm. um ihre Töchter gegen die drohende Zurücksetzung zu vertheidigen. Aus einem Dialog zwischen einer solchen Mutter und dem Lehrer: Mein Herr, meine Tochter ist ein Engel. Wer ist Ihre Tochter? Jene Luise Pompon-, nier, die Sie mit der Ausschließung bedroht haben. Ihre Tochter hat er ner Collegin im Unterrichtszimmer eine Ohrfeige gegeben. Das können wir nicht dulden. Meine Tochter ist ein Engel jene andere ist eine Jntriqantin. Aber Meine Tochter ist ein Engel. Ich werde meine Wege' bis zum Minister zu finden wissen. Ein beklagens werthes Schicksal, das auch auf die Richter seinen Eindruck nicht verfehlte,' wurde dieser Tage gelegentlich einer GerichtsVerhandlung in Paris entrollt. Auf' der Anklagebank hatte ein gewisser Louis Copin unter der Anschuldigung des Bettelns und des unbefugten Or denstragens im Rückfalle Platz genommen. Copin diente als Soldat in den Colonicn und zeichnete sich durch große Tapferkeit aus, so daß ihm die Militärmedaille amBande verlieben wurde. Später erblindete der Unglückliche und mußte infolgedessen den Dienst quittiren. . Vorher hatte er sich verheirathet, aber seine Frau starb nach fünfjähriger Ehe und hinterließ ihm vier unerzogene kleine Kinder. Da die Unterstlltzung des Staates 'nicht ausreichte und der Blinde keine Arbeit finden konnte, ging er in Paris, die Medaille auf der Brust, betteln. Er wurde zur Anzeige gebracht und angewiesen, das Ehrenzeichen abzulegen. Aber Copin erklärte, daß er sich um keinen Preis von diesem Zeichen seiner einst bewiesenen Tapferkeit' trennen werde. Da erfolgte Anklage auf Anklage, und dieser Tage stand der Bedauernswerthe zum vierzehnten Male vor den Richtern. Der Gerichtshof berieth, ob dem Angeklagten nicht zu helfen sei, und der Präsident .machte den Vorschlag, ihn im. Jnvalidenhause zu Nanterre unterzubringen. Aber Copin wies mit trauriger Stimme darauf hin, daß auch, diese letzte Zuflucht für ihn nicht in Betracht komme, da er Vater von vier Kindern wäre. Darauf verurtheilte derGerichtshof schweren Herzens den Blinden zu der niedrigsten zulässigen' Strafe von 16 Francs. Bon seinen beiden ältesten Kindern geführt, verließ er den Gerichtssaal, und die Richter wußten, daß er schon nach wenigen Tagen wieder vor den Schranken erscheinen würde. - ' " " , , , - . Unter Freundinnen. Ack ia. seufzte Fräulein Aeltlich. wir müssen alle einmal unsere Schönheit verlieren. Leider. Leider. Na. be ruhige Dich doch, tröstete Fräulein zung, so viel hast du ja nicht zu verlieren. Wahrgenommene Gele aendert. Vitau: Du willst beute auf's Rathhaus? . Stadtverordneter: '3ta. wir baben ausnahmsweise beut' eine geheime Sitzung. Frau: Famos, da rann ich ja gleich morgen'mein asfeekränzchen geben! E i n R e a l i st. Frau: Denk dir nur. Adolf, unser Lieschen hat in der letzten schweren Arbeit im Seminar nur einen einzigen Schnitzer gemacht." Mann: Ach. meinetwegen kann sie soviel Schnitzer machen, als sie 'will. wenn sie nur n ordentliches Schnitzel

machen konnte.- . .