Indiana Tribüne, Volume 27, Number 236, Indianapolis, Marion County, 26 May 1904 — Page 6

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Jttdiana Zxibmit, 2. Mai IS

-O M Kein Wunder da wir viel leide wen geplagt mit M Leberleiden, Unreinem Blut, Magenleiden, Appetitlosigkeit, Unverdaulichkeit, Verstopfung, und Biliösität. Wir brauchen jedoch nicht lange zu leiden. H Dr. August Koenig's Damburger Tropken lft da speeiflsche Mittel gegen all dies Leide. Warum nicht $ö dj (jT (jj dj , I? V ff " 3? sparen beim Einkaufe ihrer Möbcl und .... Teppiche .... sowie. ... Gtojrlo.ri.cl Oefen und Ranges bei WILLIG'S 141 West Washington Str. J'WII ClYT AlHVl KUaMAlW 1 PeslaI Straße, Hauplquani für. . . , .. jr illett ud Gperngtäser Brillen werden ach den besten Methoden de Äugen angepaßt. Sünstliche Augen werden schmerzlos eingesetzt. Ich gebe Gesang-, Piano- . . und Orgel-Unterricht in allen Phasen dieser Künste und garantire meinen Schülern volle Zufriedenheit. Fidela A.Lefter. The Lester Studio, Ao. 7 Off North Straße. Neu? Phone 399. i GEMTRAL COLLEGE OF IMIC, 550 Nord Meridian Str. ....Schule jetzt eröffnet.... - - f Tag-Schüler sowie auswärtige Schüler, welche hier im College völlige Aufnahme suchen, können zu jeder Zeit eintreten. Ein moderne gut ausgerüstetes Institut, vollständig in allen Abtheilungen deö Lernen? der Kunst der Musik und den verwandten Künsten. Katalog frei. Edward Taylor, Director.

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Europäische Nachrichten. 'Maden. Karlsruhe. .Altstadtrath Fabrikant L. Kautt, der lange Commandant der Feuerwehr war, feierte die goldene Hochzeit. Der Liederkranz" und die- Feuerwehrkapelle brachten Ständchen dar. In die Alb gefallen und ertrunken ist Rechtsanwalt Schmidt von hier auf dem Heimweg von Bulach. F r e i b u r g. Der Großherzog hat dem Mitglied 'des badischen Landesausschusses und Vorstand des hiesigen Ortsvereins des Deutschen Flottenvereins, praktischen Arzt Dr. Fridolin Schinzinger, das Ritterkreuz zweiter Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen verliehen. Konstanz. Die 25jährige, dem Trunke ergebene Gattin des Werkmeisters Bayer, welcher bei der Bezirksbauinspektion in Stellung ist, schlug letztens ihren Mann nach kurzem Wortwechsel mit einem Handbeil derart auf den Kopf, daß Bayer sofort nach dem Krankenhause geschafft wurde. Dort erlag der Unglückliche seinen Verletzungen, ohne die Besinnung wieder erlangt zu haben. Vermuthlich hat der Mann in der Nacht auch zugeschlagen, denn die Frau hat eine Verletzung an der Stirn. Die Thäterin hat oft 20 bis 25 Flaschen Bier tagsüber getrunken. Mingolsheim (Bruchfal). Der Sohn Karl des, Jagdaufsehers Weigand war kürzlich mit seinem Vater auf der Jagd. Beim Langenbrücker Walde trennte er sich von seinem Vater und traf bald darauf mit einem früheren Wilderer zusammen, mit dem er in Wortwechsel gerieth. Nach kurzem Streit stieß ihm der Strolch das Messer wiederholt in den Unter-! leib. Der Verletzte wurde in's akade mische Krankenhaus nach Heidelberg gebracht. Pfaffenweilsr. Der ledige, 22 Jahre alte Otto Vöfch verletzte auf der Ortsstraße den ledigen, 25 Jahre alten Maurer Mathias EckerZe nach vorausgegangenem Wortwechsel mit einem Prügel durch Schläge auf den Kopf so schwer, daß dieser verstarb. Der Thäter wurde verhaftet und ins hiesige Amtsgefängniß eingeliefert. Riegel (Emmendingen). Unlangst wure Hier ein am ganzen Kaiserstuhl bekanntes Original" zu Grabe getragen, Fr. 36. Franz. Man hieß den wackern 83jährigen Mann nur den Musik-Xaverle", weil er nt ben seinem landwirthschaften Beruf eifrig die Musik ausübte und zahlreiche Schüler in dieser Kunst unterricht tete. Wheinpfarz. S p e y e r. Nach 53jährigem Wirken im Schuldienst (davon 42 Jahre in hiesiger Stadt), trat Lehrer Jakob Berger in den Ruhestand. N e u st a d t a. H. ' Die mit der Beschlagnahme von mehr als 50,000 Liter Wein verbunden gewesene kürzliche Verhaftung des aus Pforzheim stammenden Weinhändlers Alfons Siegele von hier durch den Antersuchungsrichter des Landgerichts Frankenthal ist darauf zurückzuführen, daß Siegele die Benennung von Abnehmern dervon ihm bezogenen Surrogate darunter. Milchsäure verweigert hat. Siegele soll Surrogate in so bedeuten den Mengen bezogen haben, daß es ganz ausgeschlossen erscheint, daß er sie nur in den eigenen Kellereien in Neu stadt und Edenkoben verwendet hat. Die Verdachtsgründe gegen Siegele haben sich derart verdichtet, daß Siegele, der bisher im städtischen Krankenhause internirt war, nunmehr in das Untersuchungsgefängniß des Landgerichts FranZenthal übergeführt wurde. Pirmasens. In dem Botzung'schen Steinbruche an der Simter Straße waren 5 Arbeiter mit Sprengen beschäftigt. , Da die Zündschnur zu versagen drohte, entschloß man sich, nach der Ursache zu sehen, und bestieg zu diesem Zwecke das Baugerüst. Die' Zündschnur, welche infolge der nassen Witterung etwas lange zur Uebertragung des Feuers gebraucht hatte, zündete in diesem Augenblick und der chtfß knallte. Die nunmehr herabstürzenden Felsmassen begruben 5 Arbeiter unter sich. Dem Steinbrecher Nikolaus Pfeifer aus Fischbach bei Schönau wurde der Kopf vollständig abgerissen. Schwer verletzt wurden die Steinbrecher Gebrüder Dillmann, Flecker und Zwick. Sie wurden in'Z Spital gebracht, wo der 21jährige Johann Dillmann starb. ?Alle Verunglückten sind verheirathet und hab: Familien bis zu 10 Köpfen.' Grsaß-LotSringen. Straßburg. Fabrikant Emll Herzog in Logelbach, der Inhaber des großen Etablissements Herzog-Logel-dach, ist im Alter von 77 Jahren gestarben. C h a t e u - S a l i n Z. Bei den Arbeiten zur Vergrößerung der hiefi gen Kreisdirektion ist die ganze westliche Seite eingestürzt, glücklicherweise ohne Menschenleben zu gefährden. Diedenhofen. Ein schrecklicher Unglücksfall ereignete sich auf dem Güterbahnhof bei Nieder - Jentz. In einem Geleise waren Rottenarbeiter beschäftigt, welche einem ankommenden Güterzuge ausweichen mußten. Zwei Arbeiter, die in ein Geleise traten, auf dem ein von einer ranairenden Loko-

motive abgestoßener Waggon ankam, wurden überfahren und schrecklich zugerichtet. Dem 20 Jahre alten Arbeiter Orth wurden zwei Beine abgefahren; er gab bald daraus den Geist auf. Dem Arbeiter Weichert wurde ein Bein und ein Arm abgefahren, an seinem Aufkommen wird gezweifelt. F instin gen. Die Ernennung des Sanitätsraths Dr. Köster hier zum Kreisarzt in Saarburg ist perfekt geworden. Metz. Todt aufgefunden wurde in ihrer Wohnung, Stations Straße 32, die ledige Anna Becker, frühere Kellncrin, , zuletzt Bermietherin möblirter Zimmer. R e m i l l y. Am 3. April starb den Heldentod im Gefecht bei Okaharui (Südwestafrika) Seesoldat Georg Klein aus Remilly bei Metz. Meckrenburg. Schwerin. In Kleinostheim in Unterfranken starb infolge eines Herzschlages der dortige Seelsorger, Pfarrer Engelbert Borgmann. Derselbe war am 19. December 1854 zu Schwerin geboren und erhielt im Jahre 1879 die Priesterweihe. B o i z e n b u r g. Arbeiter' Tiedemann aus Wiebendorf fiel beim Anrücken der Pferde vom Wagen, brach das Kreuz und liegt hoffnungslos darnieder. C r i v i tz. Der in der Wurstfabrik von Schulz beschäftigte Arbeiter Geertz, welcher beim Laden eines Fuhrwerkes beschäftigt war, erlitt einen lebensgefährlichen Schädelbruch dadurch, daß er, als die Pferde plötzlich anzogen, beim Fallen mit dem Kopf unter ein Rad gerieth. Güst,row. In der Schützenstraße fiel der bei der Ackerbürgerwittwe Schmidt bedienstete Kuhfütterer Pingel beim Strohabstoßen von der Balkenlage auf die Scheunendiele und blieb besinnungslos liegen. Er hat einen schweren Schädelbruch erlitten, so daß seine Wiederherstellung zweifelhaft erscheint. Neukalen. Beim Kiesfahren in Warsow gerieth der hiesige Arbeiter F. Schultz unter den Wagen; es wurde ibm der Brustkasten eingedrückt. Schultz starb im Krankenhause. R o st o ck. Der Geheime Medizinalrath Professor Thierftlder, der dem Lehrkörper der hiesigen Universität von 1L55 bis 1901 angehörte, ist gestorben. WegenDieb stahlst st in Halle ein Student der Chemie, Sohn eines angesehenen Fabrikanten, derurtheilt worden. Nachdem er bei einer Verbindung activ geworden war, gab er sich einem leichtsinnigen Lebenswandel hin. Als ihn die Verbindung entließ, nahm er deren Sparkassenbuch an sich und hob 100 Mark darauf ab, mit seinem Namen Quittung leistend. Der Vater hätte, wie er schwer betrübt vor Gericht erklärte, gern die Summe ersetzt und die Verbindung in jederBeziehung schadlos gehalten, aber diese habe, ohne ihn zu benachrichtigen, gleich Anzeige erstattet, und so habe er die Schande nicht von sich abwälzen können. Der Sohn wurde zu Gesang niß verurtheilt. . In Toiletten ist die reiche Kaufmunnswittwe Abby A. Vlodgett aus New Jork nicht fehr groß, dafür aber entwickelt sie einen sehr feinen Geschmack in Bezug auf Bücher. Die Dame hat sich eine Ausgabe von Shakespeare herstellen lassen, welche nicht weniger als $78,000 kostet und ein geradezu wundervolles Werk der Buchdrucker- und Buchbinderkunst sein soll. Jeder Anfangsbuchstabe, mit dem eine neue Seite besinnt, ist aus Gold hergestellt, jede Seite ist mit Gold eingefaßt und durch's ganzeBuch sind Aquarelle verstreut. Auch einen Dickens hat sich die Dame zugelegt, der 5130.000 kostet, pro Band also $1000. Ihre beiden Kinder versuchen jetzt, die Gerichte zu bewegen, einen Vormund für die Dame einzujetzen. A)ie Frage, o d daZBerliner Weißbier verfandtfähig sei, wurde durch ein Gutachten aufgerollt, welches Professor Rupp von der TechNischen Hochschule in Karlsruhe erstattet .hat. Er war zu einer auswärtigen Gerichtsverhandlung, wo gegen einen Bierverleger - wegen Bierpantscherei verhandelt wurde, als Sachverständiger geladen und gab sein Gutachten dahin ab, daß das in Fässern versandte Berliner Weißbier in verdorbenem Zustande ankommt und dem Tropfbier gleichzustellen sei.. Der Ver ein Berliner Weißbierbrauereien hat nun beschlossen, geqen dieses Gutachten aufs schärfste Protest zu erheben. Man erklärt, daß ein Irrthum des Sachverständigen vorliege. Es wird behauptet, daß das. Berliner Weißbier sich nicht allein nach allen Gegenden Deutschlands, sondern auch nach dem Auslande versenden lasse, ohne daß die Qualität darunter leidet. Allerdings komme es vor, daß bei großen Entfernungen während der Sommer zeit die im Bier enthaltene Kohlensäure entweiche, und daß eine Auffrischung des Gebräus vor dem Abziehen erfolgen müsse. Das geschehe aber auch mit den Pilsener Vieren, die aus Böhmen bezogen werden, und sei leicht durch einen Zusatz von Hefe zu errei chen. Die starke ,Zunahme des EzPorts des Berliner Weißbiers beweise übrigens, daß die früher oft geäußerte Ansicht, daß das Berliner Weißbier nur in Flaschen und nicht in Fässern den Versandt überstehe, nicht stichhaltig sei.

Drastische Mittel. " Wke man im deutschen Mitteratte gewal, s thätige Ehefrauen bestrafte. Die Strafrechtspflege im deutschen Mittelalter, so hart sie im Allgemeinen auch war, hat doch auch scr manchen humoristischen ZAg .aufzuweisen, der uns das sonst so düstere Antlitz der gestrengen Frau Themis in freundlicher Beleuchtung zeigt. So findet sich zum Beispiel in manchen noch aus jener Zeit erhaltenen Folterkammern ein wunderliches Geräih vor, das etwa wie eine Tonne aussieht, außen mit bunten Bildern bemalt und. auf der oberen Seite mit einem Loch versehen ist, groß genug, um einen menschlichen Kopf hindurch zu stecken. Dieses Instrument hieß der Scbandmantel und. war vorzugswcise bestimmt, bösen Weibern, die sich an ihren Eheherren vergriffen hatten, zur Strafe um Hals und Schulter gelegt zu werden. Sonntags mußten die Unglücklichen, mit dem Holzlleide angethan,. zum Gespött der ganzen Gemeinde an der Kirchenthür stehen. Uebrigens galt dieser Schandmantel noch als eine verhältnißmäßig geringe Strafe, häufig ahndete man körperliche Mißhandlungen, mit denen sich eine böse Sieben" gegen ihren Ehemann vergangen hatte, ungleich empfindlicher. Eine solche härtere Bestrafung gewaltthätiger Eheweiber bildete z. V. der Eselsritt, ein sehr verbreiteter Gebrauch, der noch bis zum Jahre 1804 in St. Goar am Rhein in Uebung war. Hier erhielt der Besitzer der Gröndelbacher Mühle alljährlich zwei Klafter Holz gegen die Verpflichtung, den Esel zu stellen, auf dem die Weiber, so ihren Mann geschlagen, rücklings durch die Stadt reiten mußten, während der Amtsdiener auf öffentlichen Straßen das Urtheil verlas, nachdem der Tambour mit seiner Trommel dem Manne des Gesetzes Gehör verschafft hatte. Dann - zog die Menge johlend und schreiend, von den Stadtknechten nur mit Mühe von Angriffen auf die ohnedies hart Bestraften zurückgehalten, durch alle Gassen des Ortes bis zum Gefängniß zurück. Auch in Darmstadt und in den umliegenden Ortschaften begegnet uns die Sitte des Eselrittes" noch bis in das 17. Jahrhundert. Studenten als Abstinenten. Der Tübinger Universitätsprofessor Dr. v. Grützner, ein eifriger Förderer der Mäßigkeitsbestrebungen, hat an sämmtliche akademische Verbindungen der Universität Tübingen die Umfrage gerichtet, ob sie Abstinenten" aufnehmen.' Von 32 Verbindungen mit 1037 Mitgliedern haben 6 Verbindungen mit 212 Mitgliedern mit Ja" geantwortet; 8 Verbindungen mit 333 Mitgliedern machen die Aufnahme von Abstinenten von gewissen Bedingungen abhängig; 9 Verbindungen mit 201 Mitgliedern verneinten die Anfrage, meist mit dem Hinweis, daß studentisches Leben und vollständige Abstinenz nicht wohl vereinbar seien. Keine prinzipielle Stellung nahmen 3 Verbindungen mit 83, gar keine Antwort gaben 6 mit 141 Mitgliedern. Aus dem Ergebniß der Umfrage schließt Professor Dr. v. Grützner, daß auch in studentischen Kreisen die Bestrebungen der Mä-ßigkeits-und Enthaltsamkeitsvereine Fortschritte machen. Tamoanische Tätowirmuster. Die Tätowirmuster der Samoaner zeigen keine verwirrten krummen Lmien und unregelmäßigen Schnörkel; es herrschen mehr die wagerechten Linien vor, die bei der wechselreichen Anordnung einfachster Motive auf dem Körper des Mannes von den Hüften bis zu den Knieen ganz den Eindruck hervorrufen, als' trage dieser enganliegende Beinkleider; der erste Beobachter der Samoaner, Behrens, ' hat auch alles Ernstes die irrige Behauptung aufaestellt, sie trügen feine Brokathosen. Bei den Mädchen spielt das Ziel, durch die Zartheit und Stilgerechtheit der Muster kokett zu wirken, eine große Rolle; darum tätowiren sie auch die Rückenflächen der Hände, die bei den Sitztänzen den Beschauern zugewandt bleiben; es fehlen hier auch die durchgehenden breiten Linien oder Flächen; ein bunter kleiner luftiger , Zierath aus Punkten und Strichelchen ist spitzengewebeartig über die Haut zerstreut. Maus als Panikursache. Während einer Theatervorstellung in Philadelphia sprang eine Frau auf der Gallerie plötzlich mit einem furchtbaren Schrei von ihrem Sitze auf. Sie war von einer Maus erschreckt worden, ?- berdete sich aber so, daß die neben ihr Sitzenden in Angst gdriethen und Jemand Feuer" schrie. Sofort begann das Publikum nach den Ausgängen zu stürzen. In dem Gedränge wurden mehrere Frauen ohnniächtig und vier Kinder verletzt. ' Mittlerweile war festgestellt würden, daß es nirgends brannte; die Schauspieler beruhigten nun das Publikum und ließen das Orchester eine lustige Weise spielen. Darauf kehrte das Publikum zu den Sitzen zurück, und die Vorstellung wurde fort gesetzt. Kunstdünger und Wildstand. Auf der gräflich Pappenheim'fchen Lehensherrschaft Mähren bei Monheim, Bayern, waren die Wiesen mit Kunstdünger' bestreut worden. - Die Folge davon ist, daß der gesammte bisher sorglich gehegte Rehstand einzugehen droh!. Bis vor Kurzem waren bereits über 60 verendete Thiere gefun den worden. .

Das gute Herz. Humoreske von C. A. Hennig. .Ein gutes Herz ist ein Luxus pflegte mein früherer Chef, als ich ihm noch als Hilfsredakteur beigegeben war, immer zu fren, um dann noch mit ganz besonderem Nachdrück hinzuzusetzen: Für einen Zeimngsverleger aber ist es geradezu ein Verbrechen wider die gesunde Vernunft." Na, ich will nicht mit ihm rechten deswegen, schon längst deckt ihn , der kühle Rasen und' ich bin mein eigener Herr, der sich sogar hier und da einen Luxus" leisten kann. Ich mußte aber unwillkürlich daran denken, als ich heute früh das Redaktionslokal betrat und einen ganzen Berg eingelaufener Manuskripte der Erledigung harren sah. Na, warum denn nicht, ein Redakteur hat ja sonst weiter nichts zu thun. Ich brannte mir also eine Cigarre an und machte mich frisch an's Werk. Ich mochte etwa bis zur Hälfte durchgekommen sein, als ein etwas ramponirtes Kouvert meine besondere Aufmerksamkeit erregte. Mit einer gewissen Neugier öffnete ich es: ein kleines Novellchen von vier Seiten hm, wollen mal sehen. So kurze Dinger haben den Vorzug, weder den Verfasser, noch den Leser allzusehr anzustrengen. Das Geschichtchen war nicht übel, zwar allerreinste Durchschnittswaare, aber immerhin doch Durchschnitt. Das

will bei dem gegenwärtigen Stande der' deutschen Lrteratur schon etwas heißen. Will doch erst sehen, wer der Einsender ist. Sehr geehrter Herr Redakteur! Anbei übersende ich Ihnen eine kleine, selbfterlebte Geschichte mit der Bitte, sie, wenn brauchbar, in Ihr geschätztes Blatt aufzunehmen und mir nach hier Bescheid zu geben. Der Abdruck würde mich aufrichtig freuen. Ergebenst - Edmund Müller, derzeit im Krankenhause Hohenried." Also Müller hieß der Mann und im Krankenhause befand er sich gegenwärtig! Und da hatte er wahrscheinlich aus Langeweile, oder um sich einen kleinen Zuschuß zu seinem Krankenetat zu schaffen, das vorliegende Geschichtchen niedergeschrieben. Na, es gibt noch Menschen auf der Welt, sogar unter Zeitungsredakteuren, und so nahm ich das Eingesandt an und setzte ein etwas höheres Honorar als gewöhnlich dafür aus. Dann fuhr ich weiter in meiner Beschäftigung fort. Aber merkwürdig, was ich auch las und wo ich auch hinblickte, immer schwebte mir vor Augen ein ödes, kahles Krankenzimmer mit einem armen, hilflosen Menschenkinde darin, das vielleicht schon die Stunden zahlte, bis der Postbote ihm die heißer, sehnte Botschaft von der Annahme sei ner kleinen Arbeit brachte. Ich erinnerte mich der eigenen Zeit, wo ich, ein zu Tode verwundeter Vaterlandsvertheidiger, im Lazareth gelegen hatte; wie wohl mir damals ein freundlicher Blick, ein theilnehmender Händedruck, oder gar ein heimlich geschmuggelter guter Bissen gethan hatte! Eine formliche Rührung überkam mich. Warum sollte ich nicht ein Uebriges für den kranken Kollegen thun? Zwar litt ich nicht gerade an Ueberfluß, hatte aber sicher mehr als jener. Ich zog also die Spendirhosen an, packte zu dem Geld ein Paar Flaschen echten Bordeaux, eine delikate Salami und etliche gute Glimmstengel. Raucht er sie jetzt nicht, so raucht er sie, wenn er wieder gesund ist. Sie brennen zu jeder Zeit! Dann schrieb ich einige freundliche Zeilen dazu und schickte den Redaktionsdiener mit dem Packet zur Post. Da Hohenried nur zwei Stunden weit entfernt war, so traf bereits am andern Tage die Antwort ein. Herr Müller bedankte sich in höflichen, wenn auch etwas kurzen Worten für das abgesandte Honorar nebst Anlagen. Na, Kranke sind niemals besonders schreibselig und mir schmeckte mein Mittagessen im Bewußtsein der guten That an diesem Tage doppelt gut. Am darauffolgenden Sonntag es war zufällig wundervolles Wetter kam mir plötzlich der Gedanke, wie wäre es. denn, wenn Du Deinem kranken ' Kollegen einen Besuch abstatten würdest? Ein Stündchen anregender Unterhaltung mit einem Berufsgenossen konnte ihm gewiß nicht unwillkommen sein. Ich machte mich also auf den Weg und bummelte gemüthlich nach Hohenried. Besuchszeit im Krankenhaus war von drei bis fünf Uhr, wie ich in dem Gasthause, wo ich zu Mittag speiste, erfuhr. Ich verbrachte also ein behagliches Siestastündchen, bis die -Zeit herangerückt war. Im Krankenhause wurde ich in der vorschriftsmäßigen Weise angehalten und ausgefragt. Ich wolle einen Kranken besuchen. Namens Müller, sagte ich. Was dem betreffenden Müller fehle, wurde ich dann gefragt. Das wüßte ich nicht, gab ich zurück, wolle aber hoffen, daß man es im Krankenhause wisse. Wann er ungefähr aufgenommen worden sei. Das wußte ich ebenfalls .nicht. Ich wußte lediglich, daß er da fei, respektive vor drei Tagen noch dagewesen sei. Da das fehr wenig war, was ich wußte, so holte Ux Beamte eine lange Liste, fuhr mit dem Finger eine Reihe von Namen hinauf und wieder hinab, schüttelte dann mit dem Kopf und sagte, seit neunzehn Wochen sei kein Kranker. Namens Müller in die Anstalt aufae-

nömmen worden. Ich müsse mich also irren oder sei mystisizirt worden. Ich dankte kurz und ging wieder. Jawohl, ja, mystisizirt! Der Beamte hatte in, feiner Harmlosigkeit ganz das richtige Wort getroffen. Geprellt hätte er auch sagen können, oder zum Narren aebalten. Oder auch über den Löffel barbirt, es wäre alles eins gewesen. Ich nahm Post und fuhr nach Hause, um meinen Grimm in meiner Stammkneipe zu ersäufen. Es ist erstaunlich, zu was für raffinirten Mitteln so ein geldhungriger Poetikus nicht greift, um einen vertrauensseligen Zeitungsredak-teur-zu düpiren. Jedenfalls hatte der P. t. Müller im EinVerständniß mit meinem Bediensteten das Krankenhaus als Deckadresse aufgegeben, und ich Unschuldslamm war richtig darauf hineingefallen. Aber warte nur. Du Galgenstrick, hast Du meine erste Sendung erhalten, so sollst Du auch meine zweite kriegen. Und das erste, was ich am andern Morgen that, war, daß ich Herrn Edmund Müller, derzeit im Krankenhaus zu Hohenried, folgende ironische Epistel schrieb. Mein lieber Herr! Als ich mir am Sonntag das Vergnügen machen wollte, Sie zu besuchen, fand ich. daß ich Sie nicht fand. Ich schmeichle mir nun, daß es mein trefflicher Bordeaux war, der Sie so rascks kurirt hat; sollten Sie aber noch irgend welche Nachwehen verspüren, so ersuche ich Sie, mich demnächst zu besuchen. Der Rest von dem edlen Stoffe, den ich noch habe, wird Ihnen sicher ungemein rasch und für alle Zeiten auf die Beine helfen. Ihr etc." Das war doch eine kleine Genugthuung. Der Mann wußte wenigstens, daß er durchschaut war. Auch an diesem Tage schmeckte mir mein Mittagessen vorzüglich. Ich dachte natürlich nicht im Minbesten, auf diesen Brief eine Antwort zu erhalten, um so erstaunter war ich daher, als sich bereits am nächsten Tage, unter meinem Einlaufe ein Brief aus Hohenried befand. Da sollte ein anderer daraus klug werden. Hastig riß ich den Umschlag ab und las: Euer Wohlgeboren! Hat mich schon Ihre Gepflogenheit befremdet, Ihre Honorare zum Theil in Naturalien zu gewähren, so bin ich doch geradezu erstaunt, daß es bei 5cbnen Sitte zu sein sckseint. bre Mit-

arbeiter auch noch mit Injurien verworrenster Art zu traktiren. Ich weiß nicht, soll ich mir daraus einen Rückschluß auf die Person und die geistige Zurechnungsfähigkeit Ihres Herrn Redakteurs gestatten, oder soll ich die Angelegenheit einfach mit Stillschweigen übergehen. Ich denke, das letztere wird das Beste sein und theile Ihnen nur noch zur Beruhigung mit, daß ich Honorar, sowie Naturalien, letztere nach sorgfältiger Untersuchung auf ihre Unschädlichkeit, der von mir geleiteten Anstatt überwiesen habe. Hochachtend Edmund Müller, Sanitätsrach, derzeit stellvertretender Direktor des Krankenhauses zu Hohenried." Hm, wie hatte doch mein Chef gleich gesagt? Von der Schmiere. Der Herr Direktor ist von den Mitgliedern wegen rückständiger Gage schon wiederholt und ganz energisch gemahnt worden. Man hat ihm bereits einen allerletzten Termin gestellt, und der läuft morgen Abend ab. Aeußerst aufgeregt schreitet er in seinem Zimmer auf und ab. Was machen, was thun? Endlich kommt Erleuchtung über ihn. Er setzt sich hin und schreibt folgenden Zettel: Morgen Vormittag, 10.30, kommt t. lfr OlEvkAV ..4 V rt A fr S (1 vti i.;tuttt3iiiiii.vuin vii 1111,5 , Baron Jutten, auf dem hiesigen BahnHofe durch. Die Mitglieder werden gebeten, behufs Darbringung einer kleinen Ovation, sich möglichst zahlreich und würdig am Bahnhof einzufinden." Diesen Zettel läßt der Direktor bei sämmtlichen Mitgliedern kursiren. Andern Tags standen die sämmtlichen Mitglieder unserer Schmiere, jedes in seinem besten Sonntagsstaate, c. i . ortt-E- . re i c aus ueni aynqvse. uiz vor vjiiuiq fen des Zuges kam der Direktor als Letzter, scheinbar athemlos, daher gekeucht. Alle staunten ihn an, da er in seinem gewöhnlichen Werkelkleide gekommen war. Er aber rief mit gut gespielter Entrüstung: Da schaut meine feinen Leute an! Ich habe meine besten Kleider bis auf's letzte versetzen müssen, Ihr habt dies nicht nöthig gehabt! Ihr, wemc mich in den nächsten drei Wochen nochmals an die Gage mahnt!" Dann erst sagte er, daß der Baron nicht käme. Die Mitglieder sahen ein, wie unrecht sie ihrem armen Direktor mit ihren Mahnungen gethan hatten. Der aber trank Abends eins mehr, weil er infolge seiner Schlauheit die nächsten drei Wochen Ruhe haben würde. Theodore F. 'SmUher geschickter und zuverlässiger ...Dachdecker... Pech' und Kiesdöcher. Dächer von Asphalt und Gilsonit. Enaros-Sändler in allen Arten von Dachmaterialien. Telephon: Neu81. 301 West Maryland Str. Südwtftl. Ecke von Senate ve. und Maryland Str.