Indiana Tribüne, Volume 27, Number 234, Indianapolis, Marion County, 24 May 1904 — Page 7
Jndiana Tribüne, 2. Mai 1904
nun u n s
oLöerrB suuxcn
YT w
ttNNNKNNA
(Fortsetzung.) Diese offen zur Schau getragene Scheu bor einem Gespräch oder einem Zusammensein mit ihm war unter den obwaltenden Umständen eine Unklugheit, deren er Sylvie nicht für fähig gehalten hätte. Die beiden Pferde setzten sich sofort in Trab,' während Vincent mit seinen Eseln dem Leichenwagen folgte. Schon hatte sich der Tag geneigt. Große weiße Wolken zogen über den Himmel hin und blieben an den Spitzen der Berge hängen. Dort färbten sie sich allmälig purpurroth, dann violett, und immer breiter lagerten sich die Abendschatten über das Thal. Die Berge erschienen höher und unheimlich näher gerückt; die am Morgen so heitere Stimme des lustig plätschernden, silberglänzenden Adour klang unter der Einwirkung der Dunkelheit wie dumpfe Todtenklage. Schaudernd wandte Mncent den Blick ab. Die Nacht war jetzt hereingeKrochen; nichts konnte er mehr unterscheiden als die Umrisse des vor ihm herschwankenden Ochsenwagens und die Siebter, die aus den kleinen dunkeln, an der Straße gelegenen Häujern aufblitzten. Endlich kam Bagneres zum Vorschein. Die Glocken läuteten zum Abendgebet aber wie anders klang ihr Ton als am Morgen, da sie bei Vincents Ankunft zur Kirche eingeladen yatten: mit zuveriicyincy war er o:esem Sonntag entgegengegangen, und wie endigte er! 133 war yalo acht Uyr, als man die Stadt erreichte, wo Sylvie die er forderlichen Schritte bei den Behörden bereits gethan und alle Vorbereitungen getroffen hatte. Vincent fand nichts dagegen einzuwenden, denn für das. was er unter Umständen vor Gericht vorzubringen hatte, war der rechte ZeitPunkt noch nicht gekommen. So beantwertete e? nur einige, von dem Polizeikommissär an ihn gerichtete Fragen, worauf ihm endlich einfiel, daß sein Urlaub ja an diesem Abend zu Ende ging. Die Beerdigung des armen Edmund konnte nicht vor zwei Tagen stattfinden, Vincent ließ deshalb einige Zeilen an den durch den Draht Herbeigerufenen alten Mougin zurück, worin er ihm die verschiedenen Quartierorte seines Regiments angab und ihn bat, ihm am nächsten Tage eine Drahtnachricht zu schicken, falls er seiner Anwesenheit bedürfe. Dann stieg er, ohne Sylvie noch einmal gesehen zu haben, in den letzten, nach Tarbes und Lannemezan gehenden Zug. Am nächsten Morgen zur festgesetzten Stunde befand sich Hauptmann Gerbault als echter Solbat, der die persönlichen Gefühle stets der Pflicht unterzuordnen weiß, an der Spitze seiner nach Toulouse zurückkehrenden Kompagnie. 16. Kapitel. in Mensch, der seine Kräfte bis zum Aeußersten angespannt hat, bricht nicht unmittelbar nach der Anstrengung zusammen, der Rückschlag erfolgt gewöhnlich erst später und um so heftiger, je länger sich der Ausbruch hingezogen hat. Der erste Marschtag war glücklich überstanden, am Dienstag Morgen aber fiel dem Major Gerbaults schlechtes Ausfehen auf. Sie sind wohl krank?" rief er ihm vor dem Abmarsch zu. Nicht eigentlich, Herr Major; vielleicht habe ich mich aber neulich dock, erkältet." Ja, natürlich bei Ihrem Sprung in's eiskalte Wasser." Jedermann war von dem Vorfall unterrichtet obwohl der Hauptmann selbst mit seiner Erzählung gekargt hatte. Es war ein rechtes Pech, daß Ihnen, einem so guten Schwimmer, die Rettung nicht gelungen ist," fuhr der Vorgesetzte fort; jedenfalls sehen Sie aber erbärmlich schlecht aus, Sie.scheinen mir eine Lungenentzündung auszubrüten. Rasch setzen Sie sich in den nächsten Zug und fahren Sie nach Haufe, zumal Sie doch jedenfalls auch dem Begräbniß Ihres Vetters werden anwohnen wollen." .Die Beerdigung wird nicht bor Donnerstag stattfinden." Vincent hatte noch keine Mittheilung von Herrn Mougin erhalten, durfte sich aber bei der Pünktlichkeit dieses Mannes darauf verlassen, rechtzeitig benachrichtigt zu werden. ,,Einerlei, fahren Sie nur nach Haufe," beharrte der Major. Ich werde den Urlaub dem Herrn Oberst . aeaenuoer icyon oerireien. Die entsetzliche Müdigkeit, die auf iqm lastete, bestimmte Gerbault, das freundliche Anerbieten anzunehmen. und noch am Dienstag Abend langte er in semer Wohnung an. Es war zu spät, um noch irgend et was an diesem Tage zu unternehmen. Das Dienstmädchen sagte ihm, daß , Estelles Zustand, mit Ausnahme ihrer wachsenden Nervenüberreizung, ziemlich gleich geblieben sei. Ueber die Zeit der Beerdigung Edmunds war keine Nachricht eingelaufen, und der zu Mougin geschickte Bursche kam mit oer Ant
rCL
&
n
n Roman von harnpol l wort zurück, der ' Herr Hcmptmann brauche sich am nächsten Tage nicht zu bemühen. , So war das Begräbniß also wirklich auf Donnerstag verschoben. ' Sich um Weiteres zu kümmern, fehlte es Vincent an thatkräftigem Entschluß. Mit einem Gefühl der Erleichterung warf er sich auf sein Bett, wo er, zum ersten Male, seit vierundzwanzig Stunden, in einen tiefen, . wohlthuenden Schlaf verfiel. Als er an; andern Morgen fpät erwachte, fühlte er sich wie neugeboren. Die gefürchtete Lungenentzündung war nicht zum Ausbruch gekommen und mit dem fieberfreien Zustand fchwand auch die Reizbarkeit, die ihn seit zwei Tagen befallen hatte. Zugleich war ihm seine klare Urtheilskraft zurückgekehrt. Er wunderte sich jetzt, daß er nicht langst schon einen bestimmten Entschluß gefaßt hatte, und mit dieser Erkenntniß erwachte ein neues banges Gefühl in ihm. D:e anfangliche Vermuthung einer Schuld Sylvies war ihm jetzt zur Gewißheit geworden, die sich desto mehr befestigte, je mehr er sich den Verlauf des Unglücks und die Rolle, die die junge Frau dabei gespielt hatte, vorstellte Der damals am Abend nach dem Pilzesuchen in ihm aufgestiegene Verdacht war ein Fingerzeig der Vorsehung gewesen, den er leider außer Acht gelassen hatte. Nun wußte er es bestimmt: Sylvie Dulaurier war nicht lediglich ein überspanntes, leidenschaft. liches Geschöpf. sie war eine Verbreckerin. Sie batte Edmunds Rettuna veryinoert, ja ihn oyne Zweifel logar in den Abgrund yinuntergestoßen. - Dürfte man annehmen, daß sie in einem Anfall von Geistesstörung so gehandelt hatte? Nein. Auch keiner plotzlichen Versuchung waj sie erlegen; d'azu hatte sie ihre Maßnahmen zu gut, mit fast unnatürlicher Klugheit gewählt. )a erhoffte sie denn aber von diesem Tode? Nur die Freiheit? Oder nährte sie noch immer jene wahnsinnige Hoffnung, bei deren Vorstellung den jungen Mann ein Schauder überlief? Und doch, trotz des Widerwillens, den Sylvie ihm einflößte, fühlte Vincent Gerbault noch immer einen Rest ritterlicher Bedenken in sich aufsteigen. Hatte er, gerade er, das Recht, sich zu ihrem Ankläger aufzuwerfen? Machte er sich aber anderseits durch sein Schweigen nicht zu ihrem Mitschuldigen? Durfte er sie ungestraft die Früchte ihres Verbrechens genießen lassen, denn eine Bestimmung ihres EheVertrags ernannte ja sie zu Edmunds Erbin, vorausgefetzt, daß ihr Gatte nicht später noch eine andre letztwillige Verfügung getroffen hatte. Wie dem auch fein mochte, jedenfalls war Vincent jetzt in diesen abscheulichen Plan verflochten, und zu spät erinnerte er sich der klugen Mahnung Lepages, sich verdächtige Menschen vom Leibe zu halten. Bange, mit Ekel und Beschämung vermischte Sorge erfüllte ihn. Ihm war. als sei von dem Verkehr mit Sylvie ein Gefühl in ihm zurückgeblieben, wie man es bei der Berührung eines Reptils empfindet; der Eindruck von etwas Eisigem, Klebrigem, Abscheulichem, das sich einem anhängt und von dem man sich nicht befreien kann. Langsam zog er sich an. Was sollte er beginnen? Ausgehen, Anzeige auf Dem Gericht machen? Es war em trüber, nebliger Tag; wahrscheinlich regnete es morgen bei der Beerdigung des armen Edmund. Ein Wetter also wie an lemem Hochzeitstage. Noch war Vincent nicht ganz zum Ausgehen bereit, als fein Bursche mit ver Beeidung hereinkam, dan mau Lancelot sich schon zum zweiten Male nach seinem Befinden babe erkundigen lassen. Mit Freuden begrüßte der Hauptmann diese Ablenkung. Ich werde gleich nachher hinuntergeh?n," sagte er zu sich selbst. Eine wahre Sehnsucht erfaßte ihn plötzlich nach seinen Hausaenossinnen. als könne er bei ihnen Zuflucht und Rettung finden. Vielleicht, daß er in vieler reinen Umgebung den ihm an haftenden Ekel endlich abzustreifen vermochte. Selbst die dort herrschende traurige Stimmung mußte wohlthuend und veredelnd auf ihn wirken. Wie ein Büßender hätte er sich vor den beiden engelhaften Geschöpfen auf- die Kniee werfen mögen. Frau Lancelot empfing ihn allein im neinen feaioir. Mein armer Junge!" rief sie !lageno mit erhobenen Handen. Schon ihr Anblick, ihre aufrichtige Herzlichkeit thaten ihm wohl, und tiefoewegt eilte er aus sie zu. Ohne Wei:eres ehiofc ic ihn m ihre Arme. Sie haben immer so warmen Anryeii an unierm Kummer genommen, va i)t es nicht mehr als billig, daß au wir den Ihrigen theilen. Der arme Herr Dulaurier! Welch ein Unglück! Sie können sich unsre Aufregung vorstellen." fuhr sie. ihn aus dem Simmer führend, fort, als wir die Nachricht in der Zeitung fanden. Estelle las sie uns am iLifontag Abend vor dem Jubettgehen vor. Eine schreckliche Nacht folgte; nie zuvor hat .sie solches Fieber
gehabt. Und denken Sie sich!' wahrend die arme Germaine schlief und auch ich, die ich an ihrer Stelle wachen sollte, eingeschlummert war, denken Sie sich, da ist sie aufgestanden und ganz allein durch's Zimmer gegangen. Als Germaine dieAugen öffnete, war sie verfchwunden, und wo meinen Sie, daß wir sie fanden? Auf Ihrer Treppe, wo sie ganz unzufammenhängende Dinge sprach. Mein Gott, was für Angst wir ausgestanden haben! Trotzdem geht es ihr seither nicht schlechter; ja, manchmal scheint sie sogar wohler zu sein als vorher, und nur vorübergehend liegt sie noch auf ihrem Ruhebett. Man könnte glauben, sie gehe der Genesung entgegen, der Arzt aber sagt, es sei nur ein neues Stadium ihrer Krankheit." Vor dem Krankenzimmer unterbrach Frau Lancelot ihren Redefluß. Drinnen fand Vincent alles . unverändert, sogar Feuer brannte an diesem küh len, trüben Tage im Kamin, nur war das Ruhebett lecr, denn Estelle stand in der Fensternische neben ihrer Freunbin. Ach!" Wie ein Seufzer kam es bei seinem Eintritt über ihre Lippen, als sie sich umwandte. Zum ersten Male, seit Lepage ihm über Estelles Gefühle die Augen geöffnet hatte, fah er sie wieder, und nun der Schleier der Selbstsucht und Gleichgiltigkeit gefallen war, bestätigte sich ihm diese Anschauung seines Freundes auf den ersten Blick. Ihr Aus.'uf, ihr hastiger, ihm entgegeneilender Schritt, ihr plötzliches Erröthen ach ja, das alles verrieth nur zu sehr jene schmerz-lich-hoffnungslose Liebe, die Estelles schwache Lebensflamme verzehrte. Wieder hätte er sich über die kleine zarte Hand, die sich ihm entgegenstreckte, beugen, sie küssen und so seiner tiefen Verehrung, Dankbarkeit und Reue Ausdruck geben mögen. Aber er durfte es ja nicht, konnte nicht einmal an sie denken, denn schon wandten sich seine Augen, sein Herz Germaine zu. Würde auch sie, von liebevoller Erregung und Sorge getrieben, ihm entgegenkommen? Ja, auch sie hatke, ihn ängstlich ansehend, einige Schritte auf ihn zu gemacht und wiederholte unwillkürlich die Worte ihrer Schwester: Wir waren in großer Sorge um Sie." Und mit Recht." fügte Frau Lancelot hinzu. Noch diesen Morgen sagte ich zu den Mädchen: .Glaubt mir, ich
verstehe mich aus me Soldaten, der Herr Hauptmann muß halb todt geWesen fein'." Diese Annahme erschien Vincent nun aber doch übertrieben. Woraus fchließen Sie das?" Nun, weil Sie doch nicht zum Begräbniß Ihres armen Vetters gegangen sind." Zum Begräbniß?" Ja. es hat doch heute Morgen um neun Uhr auf dem Kirchhof von SamtAnbin stattgefunden. Ich komme eben davon her. Wußten Sie denn nichts davon?" Nein," erwiderte Vincent, auf's Höchste bestürzt. Frau Lancelot stand einen Augenblick sprachlos, dann rief sie, aus einem Pack Briefe und Zeitungen einen Umschlag mit breitem schwarzem Rand hervorziehend: Na, das ist stark! Hier ist die Anzeige, die wir gestern erhalten haben." Vincent las sie. oder that wenigstens, als ob er lese, um seine Fassung wiederzugewmnen. Mougins Schweigen auf seinen Brief, die zweideutige Antwort auf seine Anfrage am Abend vorher, alles erklärte sich jetzt. Man oder besser gesagt: Sylvie hatte also nicht gewollt, daß er dem Begräbniß anwohne. Dumpfer Zorn erfaßte ihn gegenüber einer solcb unerhörten Unverschämtheit, während die ahnungslose Frau Lance lot aufgeregt fortfuhr: Mein Gott, wie ich mich ärgere, daß ich nicht in aller Frühe zu Ihnen hinaufgeschickt habe! Aber wer konnte auch vermuthen, daß man dem nächsten Verwandten keine Mittheilung machen würde? Daß die arme Wittwe nicht daran dachte, das kann ich ihr nicht so' sehr llbelneh'men; weiß ich doch aus Erfahrung, wie einem in solchen Augenblicken zu Muthe ist. Für die andern aber gibt es keine Entschuldigung. Sehen Sie. so sind sie, diese Civilisten: von Ordnung und Anstand keine Spur! Und was noch das Schlimmste ist erst heute bemerkte ich es Ihr Name steht nicht einmal auf dem Trauerbrief." Sie nahm Vincent das große, schwarzgeränderte Schreiben ab und zeigte auf die lange Verwaiidtenliste, in der sein Name nicht zu finden war. Nun erblaßte er und der Zorn drohte ihn zu übermannen. Sie sollen mir Rede stehen, was dies zu bedeuten hat!" murmelte er wüthend,-doch plötzlich hielt er erbebend inne. Herr Haüptmann, waren Sie denn nicht auf etwas Derartiges gefaßt?" In ihrem weißen Kleid stand Estelle vor ihm, und langsam, jede Silbe betont, waren die Worte von ihren Lip pen gekommen. Waren Sie bei Frau Dulaurier nicht auf alles gefaßt?" Sie zuerst sprach den Namen aus, und mit einer geradezu unheimlichen Sicherheit, als folge sie einer höheren Eingebung, ging sie geradeswegs auf ihr Ziel los. . . ' Leise fügte sie hinzu; Ich war längst auf alles gefaßt." . Eine Erinnerung tauchte vor Vincent auf. ' Er sah Estelle i in ihrem schwarzen Tuch erröthend und verlegen wieder vor sich im Kreuzgana stehen.
und zu ihm sagen: Nehmen Sie sich vor Frau Dulaurier in Acht." Auch jener andre Tagfiel ihm ein, da sie von einem bösen Zauber gesprochen hatte, und jener Vallabend, wo Sylvies Nähe genügt hatte, einen Ohnmachtsanfall bei ihr hervorzurufen. Es war, als sei sie mit einem besonderen Sinn ausgestattet, eine ihm bevorstehende Gefahr vorauszufühlen, und als müsse sie selbst darunter leiden, wenn ihm ein Unglück drohte. So wenig Bedeutung Vincent auch sonst geheimnißvollen Ahnungen beizumessen Pflegte, diesmal graute ihm doch bei Estelles Worten für sie ebenso wie für ihn. Auch ihm war es, als schwebe irgend ein Unglück in der Luft, und selbst Germaine schien von ahnlicher Furcht ergriffen zu fein. Frau Lancelot allein war unbefangen genug, nichts Derartiges zu empfinden. Wie immer die Dinge von der besten Seite betrachtend, meinte sie: Jedenfalls ist die arme Frau Dulaurier sehr 'zu beklagen." Sie hielt überrascht inne, und Estelle stand von ihrem Platz auf, denn die Thüre hatte sich soeben halb geöffnet und das verstörte Gesicht des Burschen kam zum Vorschein. Was wollen Sie hier?" herrschte Vincent ihn an, empört über dieses unbefugte Eindringen. Man wünscht den Herrn Hauptmann zu sprechen," stammelte der arme Kerl verlegen. Wer denn?" Vier Herren."
Sie sollen einen Augenblick warten. Ich komme gleich." Der Bursche zögerte, schloß die Thüre, öffnete sie aber wieder. Herr Hauptmann, sie wollen nicht warten; sie haben gesagt, daß wenn der Herr Hauptmann nicht gleich käme, sie ihn holen würden." Na, das nenne ich wirklich unverfroren!" brummte Frau Lancelot. Wer sind denn diese Kerls?" rief Vincent wüthend. Sie wollten ihren Namen nicht sagen, Herr Hauptmann." Und Sie haben tt zu mir hereingelassen Sie haben verzeihen Sie, meine Damen." Zwei Stufen auf einmal nehmend, lief der Offizier fluchend die Treppe hinauf und stürmte wie ein Wirbelwind in seine Wohnung. Meiu hnri iah t& rniS. als, u.ihm bereits ein Wirbelwind vorangegangen, denn nicht nur alle Zimmerthüren, sondern auch bic Schränke und Schubladen, in denen offenbar herumgewühlt worden war, standen offen. Diebe! sagte er, an den Säbel fassend, zu sich selbst. Er trat in den Salon und fand da die vermeintlichen Diebe nlle vier über einen Glasschrank gebeugt. Das Wunderbarste aber war, daß sie bei seinem Eintritt nicht zurückwichen und er auch seine Absicht, den Säbel zu ziehen, nicht ausführte. Die Eindringlinge trugen durchaus nicht die Züge von Räubern, es waren im Gegentheil ansehnliche, theils kahlköpfige, theils wohlfrisirte Herren, und in einem von ihnen erkannte Vincent sogar einen Untersuchungsrichter, 'mit dem er die Ehre gehabt hatte, im vergangenen Monat beim Brigadekommandeur zu speisen. Der Untersuchungsrichter, ein Mann der neuen Schule, der durchaus nicht steif und pedantisch sein wollte, sondern in Rede und Haltung dem Fortschritt huldigte und sich dabei auf den gewandten Salonmenschen hinausspielte, war ein in mittleren Jahren stehender eleganter Mann mit braunem Vollbart. Trotz seiner modernen Anschauungen fühlte er sich in diesem wichtigen Augenblick aber, doch bemüßigt, sich stolz in die Brust zu werfen und Vincent mit einer Miene, worin dieser seinen luftigen Tischgenossen von neulich kaum wiedererkannte, anzureden: Herr Hauptmann, ich bedaure auf's Lebhaf teste den uns obliegenden peinlichen Auftrag. Der beste Beweis dafür ist die ganz besonders rücksichtsvolle Weise, womit wir, der Herr Staatsanwalt, der Herr Polizeikommissär, der Herr Eerichtschreiber und ich vorgehen." Verlegen verbeugten sich die drei Mitglieder des Gerichts bei Nennung ihres Titels. Sie ahnen wohl den Grund unsres Einschreitens, Herr Hauptmann," fuhr der Untersuchungsrichter, eine erste Falle stellend, fort. Vincent, der sich schnell von seiner Ueberraschung erholt hatte und wohl wußte, wie sehr man besonders einem Untersuchungsrichter gegenüber die Worte auf die Goldwaage legen muß, antwortete, seinem Fragesteller scharf m's Gesicht sehend: Nein, ich errathe es nicht. Nur ein Ereignis kann meines Wissens das Gericht interessiren, und das ist der Tod meines armen Vetters Dulaurier, b?i dem ich zu meinem Schmerz Zeuge war. Allein es ist mir neu. daß es Sitte ist, einem Zeugen in's Haus zu fallen und seine Schubladen zu durchsuchen." Der Untersuchungsrichter ging auf diesen mittelbaren Vorwurf nicht ein, sondern nahm, wahrscheinlich in der Voraussetzung, daß die Verhandlungen lange dauern würden, ohne eine Auf forderung abzuwarten, auf einem der Lehnstühle Platz. Dann sagte er, wieder ganz mit der Würde seines Standes: Es handelt sich in der That um den Tod des Herrn Dulaurier. Wollen Sie die Güte haben, uns alles mitzu theilen, was Sie über diesen Vorfall wissen? Ich brauche wohl nicht hinzuzufügen, daß sowohl Ihr eigenes Interesse wie die Rücksicht au das Offi-
zierkorps, dem Sie angehören, verlangt, daß Sie sich strikte an die Wahrheit halten." Er machte dem Gerichtschreiber ein Zeichen, seines Amtes zu walten, was indeß überflüssig war, da sich dieser bereits an Vincents Schreibtisch häuslich niedergelassen hatte. - . Diese Besitzergreifung steigerte Vincents Aerger, und schärfer als bisher sagte er: Könnte ich vielleicht ersahren, warum Sie meinetwegen von dem üblichen Verfahren abweichen und in welchem Zusammenhang mein Interesse und das des Offizierkorps mit dem in Frage stehenden Unglücksfall stehen?" Diefe ruhige Sicherheit schien den Richter nun doch irre zu machen, denn er sagte, seine hoheitsvolle Miene etwas ablegend: Herr Hauptmann, ich will offen mit Ihnen sprechen. Es handelt sich um mehr als einen Unglücksfall, und Sie werden nicht nur als Zeuge vor Gericht- erscheinen. Mit andern Worten: der Tod Herrn Dulauriers wird einem Verbrechen zugeschrieben, und cegen Sie liegen so schwerwiegende VerdachHründe vor, daß wir uns der Pflicht nicht entziehen durften, eine Haussuchung bei Ihnen vorzunehmen." Eine Blutwelle stieg in Gerbaults Gesicht. Er eines Verbrechens angeklagt! Schon beim Anblick des Untersuchung richters hatte er so etwas geahnt, und auch woher dieser Schlag kam, wußte er sofort. Nichtsdestoweniger hatte er nicht übel Lust, diefe plumpe Anklag: mit einer Ohrfeige zu beantworten. Allein er bezwäng sich und sagte ruhig: Diese Beschuldigung kommt wohl von Frau Dulaurier. Um so besser; jetzt brauche auch ich kein Blatt mehr vor den Mund zu nehmen." (Fortsetzung folgt.) Eine originelle Beglcitersckiciuung des russisch - japanischen Krieges, den Großlieferanten, der mit unfehlbaier Sicherheit stets dort zu finden ist, wo Schlachtendonner erdröhnt, schildert der Russkij Jnwalid". Das Blatt hat eine bestimmte Persönlichkeit im Auge, den Lieferanten Gromow. Da diese Persönlichkeit in vielfacher Hinsicht typisch sein dürfte, wollen' wir ihre Charakteristik folgen lassen: Gromow ist ein starker, untersetzter Mann, mit einem rothen Gesicht, einem dichten, rothen Bart, kleinen, klugen Augen und einer breiten russischen Nase. Bekleidet ist er mit einer Tscherkesska aus grobem, rothbraunen kaukasischen Tuch, auf dem Kopfe trägt er eine hohe Papacha. Auf der Tfcherlesska hängen der Wladimir - Orden 4. Klasse mit Schwertern und die Jnsignien des Militärordens. Diesen Mcinn zu übersehen ist fast unmöglich. Gromow wer kennt ihn nicht? In den Sandsteppen Turkestans, in den Bergen Bulgariens stets findet er sich zu Kriegszeiten bei der Armee ein. folgt ihr, versieht sie mit Lebensmitteln, und erträgt mit eiserner, unbeugsamer Energie alle Beschwerden. Auch
jetzt ist er mit einer Horde von 200 Osseten und Tscherkessen in Liaojang eingetroffen, um die Lieferung von Ochsen und Pferden für die Armee zu organisieren. 'Die Geschäfte" haben ihn zu dem Stäbe nach Mukden geführt, und die bunte Gesellschaft, die sich um den Stab schart, ist um eine charakteristische Figur reicher geworden. Wie oft ist Gromow, ein russischer Edelmann und Jaizer Kosak schon 'Millionär gewesen, und wie oft schon hat er seinen ganzen Besitz verloren! Verstand und Gewohnheit, glühender Patnotismus und Ergebenjfcit für den Kaiser, das sind seine Wegweiser. Er spricht leise, weich und einfach, gebraucht reichlich Verkleinerungswörter. .ist freigebig, giebt sich ein unwissendes Air, in aber tinstanve ein Schriftstück aufzusetzen, das den Neid der . Diplomaten erregt. Nachdem er seine goldene Brille auf die Nafe gesetzt, holt er Papier hervor, schiebt es seinem Adjutanten", einem Fähnrich der Reserve, zu. Schreib," sagt er. und diktiert im Flüsterton Was hast Du geschrieben das ist gut . . . Fuge noch etwas hinzu. fährt er flüsternd fort. Und wenn der Adjutant seinePflicht gethan, nimmt er das Papier an sich und laßt prusend seinen dicken Finger über die Zei len gleiten, deren Inhalt er Wort filz Wort scharf prüft. Ein origineller Typus, cm russisches, aus sich fe;o,i heraus geborenes Talent! Jnternationalität im höchsten Sinne kann die Stadt Genf für sich in Anspruch nehmen. Von den 112,000 Einwohnern der Stadt sind nämlich nur 36,000 Genfer, denen 76.000 Ausländer gegenüberstehen. Allerdings sind unter ven letzteren 31,000 Schweizer anderer Kantone, im übngen 26.000 Franzosen, 11.000 Italicner, 4000 Deutsche, 1000 Rassen und 600 Engländer, während der Rest auf die übrigen Nationen fällt. Wie soll Gemüsesamen g e s ä e t werden? Es ist von der allergrößten Wichtigkeit, daß der Gemüsesame nicht zu tief in den Boden gebracht wird. Eine allgemeine Regel sagt zwar: man solle den Samen so hoch mit Erde bedecken, als er selbst dick sei. Bei der Bedeckung der Samen mit Erde muß die Beschaffenheit des Bodens beachtet werden und darf der Samen um so weniger tief untergebracht werden, je schwerer und bündiger der Boden ist und umgekehrt. Es ist nicht rathfam, sondern geradezu schädlich, feine Samen mit einer Erdschicht zu bedecken.
Feuer -'Signale.
4 Pennsylv nd Markt 6 Englifh'S Opern-Hau SastundN'wDork 7 Noble und Michigan ' 9 N. Jersey u. 3Jtoff Ave 3 Pin und Nvrth 0 Market und Pin jl Vermont nahe East 12 Nz. S Spritzenhaus Maff. Av, nahe Noble 19 Dnaware und Walnut 14 it. Jersey u Central A. !5 Maff. und Cornell Av S Ash m,d II. Straß 17 Park Ave und 12 Str .3 Columbia undHillsid 19 Highland Ave u.P,att Sl JllinoiS und St. Jo 53 Pcnnfhlv. und Pratt 24 Meridiax und 11. Str 25 No. 6 SprienbauS 16. nah JllinmS , 20 Senate Ave .StTlair il Illinois und Michigan 28 Pe esylvania und 14. a Senate Av. und 13. i No. 1 Spritzenhau Jnv ÄvenaheMichigan e Meridia und Wakmt u California u Vermont 85 Blak und New Fort 3 Ind. Av. u. St, Elair 37 Eity Hospital 38 Blak und Nvrth s Michigan und Lgne u No. e Spritznhau ' -Washington nah Wesi Gsndorf u Wash. 4 Missouri u New Dort 5 Meridian u Wash 6 JllinoiS und Ohio VI Capitol Av. u Wash 4? wgan'S Porkhau 4 Straßenbahn StälK W. Washington SU bl No. 10 Spritzenhaus JllinoiS u Merrill BS JllinoiS u Louisiana u West und Eouth b4 West und McCarttz 6 Senat Ave. u Henry 7 Meridian und Rah 58 No. 4 Spritzenhaus WadisonAv.nMorri 69 Madison v. u Dunlop No Haken LeiterhauS South nahe Delawar 33 Penn, u Merrill 3 Delawan u. McTartv Saft und WrSarth New Jersey u. Steril! 7 Lirg. So. vl Bradsha 68 Saft und Prospekt 0 Bicking und High n No. II Spritzenhaus ir Ave. nah Hur, n East und Georgia 73 Eeda und E lm 74 Davidson u Georgia 75 English Av. u Pin 76 Shelöy und Bäte 8 No. 3 Spritzenhau Prospekt nahe Shelby 7 Fletcher Av. u Shelby 81 Market u. New Jersey 82 Delaware und Wash. 83 East u Washington 4 New Dorku. Davids Lb Taubstummen Anstaä bS Ver. Staaten Arsenal 87 Orient! und Wash. 8 Frauen-Reformat. 91 No. 13 Spritzenhaus Marhland nah Mer. s Meridian u. Ieoraia. 92 Meridian und South 4 Pennsylv u. Louisiana '15 Virgnn Ave u. Alab. 96 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 93 Capital Ave und fchi 3,3 N. 16 Spritzenhau 16. und Ash. 124 Alabmna und 16. 25 Central Av und 16. 12 Alande und 15. 127 Brookside und Jupiter -23 Central Av und 17. 129 Delaivare und 19. '.31 Alabama und II. i32 Bellefontaine und V. 134 College Ave und 8. .35 Delawar und 13. 138 Alabama und North 137 Newmann und 19. 125 College Av und 14. 13 Cornell Ave und 13. 141 Dandes und 19. 142 Highland Ave und IS. 143 Tecumseh und 10. 145 New Jersey und 2. 14 Blvord und 17. 147 No. 2 Spritzenhaus HiKside Ave und 16. 148 College Ave und 82. 49 College Ave und 7. (52 Park Avk und 2. 158 L E u. W Bahn u. 22. 154 Ramsev Av und 10. 15 Stoughton u Newma 157 Atlas und Pike. 153 Blohd und Pawpaw. 159 No. 21 Spritzenhau Lrightwood !S9 Arden und Depot 16 Brigytwood und 85. 164 Rural und Bloyd iss St. Clair u. Keystone 167 Arsenal Ave und 83. 168 Bellefontaine und 88. 169 Park 5 und i, 812 Capital Ave und 813 Pennsvlv. u. Michiaa 214 JllinoiS und 2. 215 Senate Ave und 81. 816 Pennsvlöania und 21 17 Meridian und 16. 218 Capital Av und 26, 219 Broadway und 1. 231 Illinois und McLea 234 No. 14 Spritzenhaus Kenwood und 80. 35 JllinoiS und 33. S36 Annetta und SO 237 No. 9. Spritzenbin Udell und Räder 233 Udell Ladder Wor 839 Jfabel und 7. 841 Meridian und 24. 842 JllinoiS u St.CIr 243 Eldridge und 83. 81 West uud Walnut 313 West und 12. 314 Howard und 15. 315 Torbet und Paca 316 Capital Ave und tb. 317 Northwestern Ave u 818 Gent und 18. 819 Canal und 10. 24 Cerealine WorkS 24 Lennont und Lvnn 325 BiSmarel u Grandvtetk 26 No. 2 Epntzenhsu Haughville. 27 Michigan u. Helme. S28 Michigan u. Concord 41 West und McJntvre 412 Missouri u. Mary land 413 Missouri und f)6to 415 Capital Ave .Seorgta 416 Missouri u entuekyS. 417 Senat Av u. Wash. 421 P und G 5lundkau W. Washington. 42 Jrren-Hospital. 424 Miley Ave u. I D uS 425 Wash. und Harn 426 No. 18 Spritzen?! W. Washington 427 Oliver und Birch 28 Oliver und OZgvod 42 Rordyke und Dort 431 Hadley Ave u. Norr 432 River Ade u. Morriö 454 Lkwer Ave und Ray 435 Harding u. Big 4 R ? 436 Harding und Oliv 437 No. I SprttzenhaZ MorriS und Hardtna 4M$0feMC VXbWBtoBP 3 Stseky 451 Rin und 3810 452 Howard uab L 45 MorriS und appeS 45 Lambert und LtlWRSt 457 Siordhk Av u. üteef 0 WorkS BIS West und Ray L13 enwcky Ave u. WerrV 514 P'ridian und Vtontz Kl Ji'inoiS und anZa 517 Morris und Dakota 13 MorriS und Church Kl Capital Sl. u McCar K21 Meridian und Palm K2 Pme und Lord K24 Madisor.Ave u Lineol HL Meridian und Seit NA 527 CarloS und Ray K23 Meridian und Arizona 52 Meridian u. Raynond K31 Meridisn u. McCa&.l 538 No. 17 EpritzeneauS MorriS nahe West 1 McKernanund Dough. 13 East u. Lincoln brat 614 Csf und Aeecher 61 Wright lud Santa 617 McCarty inb Leary 18 New Jerscy u Lir Av, 718 Spru und Prospt 71s English Ave. u. LaurÄ 714 State Ave u. Veit RR ?15 Shelby uud Beech 71 State Ave uni) Orangk 713 Orange und Laurel 71 Shelby u. euwae Ajf 781 Lexingtsn A.u Lauch 723 Fletcher Ave. Spru 724 State Ave u. Pleasack 715 Prospekt und leasani 78 Orange und Harlas 723 Liberty und Me 729 Noble und Eouch 81 No. 1 Spritzenhaus , Oft Washingto - nm - CT ..CT. B13 num un viuu 814 Ohio U. Highland L SIS Michigan u. Highla Sl Market Arsenal A 7 Ost S. Clair und Union Bahn Geleise. L81 Pan Handle Shop 23 Vermont und WaKott 24 Wash. und Etat Atz. 625 Maddm'S Lsunge Fah 826 Tucker und Dorsey 27 Wash. und eville Sv, S8 No. 18 Spritzenhau Bedille nah Michig 831 SbUtheafter SÜfttiK Woodsid. 63 Wash. und Dtarbor 814 Southeaster und Arsenal VS. eK New Dork und TenchK 18 JllinoiS und Martzl. i JllinoiS d arkkt, 14 Pen. und Ssfh. 15 Telawa nd Spezial Signale. Ersten t Schlag, zweiter Alarm, weiten 8 Schläge, dritter Alarm, Dritten 8 Schläge, vierter Alarm. 1-1-1, Feuer aus und Schlauch ausgerollt. Schläge, Wasserdruck ab. 1 Schlage, 1, Uhr Mittag. Die so bezeichnete Signale werden nur vom Thurm VScht angegeben da an den betreffende Straff Keuzunge keine AlannkSsten emaebracht find. i Chicago und der große Nordweft via ZtzZWlWWWSAWWUWW (C aska-vawali-PHUiPptne Insel. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. k- Bon der Monon 47. Str. Station, Chicago, find nur 5 Minuten mittelst elektrischer Ear nach de Union Biehbösen Frenih iick Springe, indem Orange Eounty Hochland. Familitn-Hotel unter neuer Geschäftsleitung. Pluto, Proserpine md BowleS Quellen. Beste Mineralwasser der elt. Zwei Züge täglich via Greencastle. Ticket-Officen : Union Station, Massachusetts v und s West Washington Straße. R.P.Alge, Distrikt Dass. Agent, Indianapolis, Ind. . H.McDoel, E.H.Rockwell, Präs. und Gen. Mgr. BettiebSleittr Frank I. Reed, en.Pzss. Agent. Chicago. Jll.
