Indiana Tribüne, Volume 27, Number 234, Indianapolis, Marion County, 24 May 1904 — Page 6

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Jndiana Tribüne, SS. Mai

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Europäische Nachrichten. Provinz Westfaren. Münster. Verliehen ist dem pensionirten Bahnwärter Heinrich Fersen in Herse, Kreis Härter, dem Eisenbahnwerkführer Karl Vuscheck zu Dortmund, dem pensionirten Eisenbahnlokomotivführer Aug. Schwerte, den pensionirten Eisenbahnbremsern Heinrich Alkemeyer zu Barkhausen bei Minden, Otto Homann zu Minden, dem pensionirten Bahnwärter Albert Fischer zu Langerfeld, Kr. 'Schwelm, dem pensionirten Eisenbahnschaffner Johann Rossi, dem pensionirten Eisenbahnrangirmeister Wilhelm Fickermann, beide zu Hamm i. W., dem Fabrikboten Heinrich Krämer zu Siegen, das Allgemeine Ehrenzeichen; dem Erbmarschall im Herzogthum Geldern, Fideikommißbesitzer Grafen und Marquis von und zu Hoensbroech auf Schloß Haag die Rettungsmedaille am Bande. B e ck u m. Von einem betrübenden Unfall wurde der Kutscher eines hiesigen Cementwerks, Paul Feuerborn, betroffen. Er wurde von einem Pferde vor. den Leib geschlagen und erlitt so schwere Verletzungen, daß er verstarb.

Feuerborn wollte in Kürze in den Ehestand treten. ' Bergkamen. Seinem Leben ein Ende machenwollte der Tagesarbeiter Urban. Derselbe versuchte, sich mit einem Brotmesser den Hals zu durchschneiden, was ihm jedoch nicht recht gelang. Der Lebensmüde wurde dem Krankenhause zu Kamen zugeführt. Bielefeld. Der Buchbindermelster Wllh. Bongartz, Victorra Str. hier wohnhaft, hat durch Erhängen seinem Leben ein schnelles Ende bereitet. Seine Frau fand irrn hängend an der Decke des Wohnzimmers vor. Bongartz, der sich häufig mit Selbstmordgedanken trug, IM an Schwer? muth und hierin ist jedenfalls der Grund zu dieser unseligen That zu finden. B r a m b a u e r. Der Maurer August Streitbörger von hier brachte im Streit dem Otto Mühlbacher von hier einen gefährlichen Messerstich am Halse bei. Castrop. Die Besitzung des Wirths Heinrich Vierhaus, Cottonbürg, ist zum Preise von 120,000 Mark in den Besitz des Wirths Heinrich Rienhoff übergegangen. Dortmund. Der Rangirmei ster K. Freudenthal gerieth auf Stahlwerk Hösch zwischen zwei Eisenbahnwagen und erlitt schwere Verletzungen. Er starb alsbald. Als Assistenzarzt im städtischen Luisenhospital ist Herr Dr. med. Heinrich Kirsch, bisher in Bonn, nach hier berufen. Es lohe. Die 73jährige Franziska Becker aus Beisinghausen wurde hier letztens beerdigt. Sie hatte 35 Jahre der Familie Landwirth Engelhardt in Niedereslohe treu gedient. G e l s e n k i r ch e n. Die Verhaftung des Direktors der Deutschen Ver-sicherungs-. Kranken- und Unterstützungszuschußkasse hat ein gewisses Aufsehen erregt, besonders dadurch, weil,mia derselben die Auflösung der Kasse in Verbindung gebracht wird. Habinghorst. Aus Furcht vor Strafe chat sich der Kauenwärter Junghold von Holthausen das Leben genommen. 'NHelvrprovrnz. Köln. In einem Hause am Holzmarkt tödtete der Dachdecker Zweipfenniq in der Wohnung seiner von ihm geschiedenen Frau einen anderen Arbeiter durch mehrere Schusse in die Brust. Der Thäter ist verhaftet. Barmen. Auf den Personenzug, der von Elberfeld eintrifft, wurde kurz vor der Einfahrt in die Station ein Revo.lverschuß abgegeben. Die Kugel drang in ein Abtheil 3. Klasse und traf einen Insassen so unglücklich in den Kopf, daß er sofort todt blieb. Der Getödtete heißt Julius Schmidt aus Weyersmühle bei.Wermelskirchen. B o r b e ck. Am Eisenbahnübergange im Zuge derBergstraße zu Dellwig wurde der Bergmann August Tremel von einem Güterzug erfaßt und überfahren. Der Tod trat sofort ein. Duisburg. Handlungsgehilfe Paul, der sich unlängst in Düsseldorf erschoß, hat in dem Geschäft, in dem er thätig war, sich verschiedener Unterschlagungen schuldig gemacht. Wie man vermuthet, trieb ihn die Furcht vor Strafe in den Tod. Detacheur Buschmann erschoß sich auf dem Hofe seiner Arbeitsstätte. Das Motiv zur That ist unbekannt. Essen. Auf dem Schacht Carlsglück stürzte der Hauer Emmrich in den 80 Meter tiefen Bremsschacht und blieb sofort todt. In Wald ist die Schloßfabrik von Breuer & Schmitz niedergebrannt. Der Schaden ist beträchtlich. M ü l f o x t (Odenkirchen). Spinnmeister H. Scheulen, der in der hiesigen Spinnerei von Vierhaus & Zeime angestellt war, hat sich vor kurzer Zeit eine kleine Wunde an derHand zugezogen. Er beachtete diese nicht sonderlich, bis sich eine Blutvergiftung einstellte. Trotz aller ärztlichen Kunst ist der im besten Mannesalter stehende Scheulen jetzt unter furchtbaren Schmerzen gestorben. Ottweiler. Auf der Chaussee nach Wiebeiskirchen stürzte nach einer! Karambölage mit einem Haufen Mau- j ersteine ein der bieüaen Brauerei aebö-

rrger Flaschenbierwagen um. 'Der Knecht Groel kam unglücklicherweise unter das Gefährt zu liegen und wurde auf der Stelle todtgedrückt. Ein Berg-

mann, der ebenfalls aus dem Wagen gesessen hatte, erlitt durch den Absturz erhebliche Verletzungen am Kopse. S t o l b e r g. Bei einer im Wertherfelde abgehaltenen Treibjagd wurde der Sohn des Unternehmers Wirts aus Werth biir einen von dem hiesigen Wirthe Richard Bleimann auf ein Kaninchen abgegebenen Schuß getroffen. Das linke Auge wurde durchschössen. Provinz Keffen-'Massau. Kassel. Zu Gerichts - Assessoren wurden die Referendare Craß und Rommel ernannt. Dem Amtsge richtsrath Dr. Schmidt .ist die nachge suchte Dienstentlassung mit Pension ertheilt worden. Altenbursch'la. Die Wittwe Margarethe Dietzel wurde angekleidet todt in ihrem Vtte aufgefunden. Die Hinterlassenschaft beträgt 8090,000 Mark. B e b r a. Auf schreckliche Weise der unglückte der 24jährige Georg Abhau aus Schwarzenhasel. Derselbe hatte den Vrautwagen seines Bruders, welcher Hochzeit feierte, nach Vreitenbach helfen fahren, und fuhr mit einem Metzgermeister aus Rothenburg hier fort. Am Ausgange des Dorfes an einer abschlüssigen Stelle stürzte der Wagen um, und Abhau schlug mit dem Kopfe so unglücklich gegen einen Stem, daß er starb. H a n a u.' Im benachbarten Freudenhaim bewarfen einige Jungen die Pferde eines auswärtigen Mullererge fährte mit Steinen. Infolgedessen gingen die Pferde durch. Dabei wuv den die beiden Kinder des Tagelöhners Peter Krampf überrannt und grauenhaft zugerichtet. DaS eine Kmd, em öjähriges Mädchen, wurde als Leiche vom Platze getragen, wahrend das andere, ein Ijähriges Bübchen, nach kurzer Zeit qualvollen Leidens gleichfalls sem junges Leben aushauchte. Wiesbaden. General der Ar tillerie a. D. Viktor v. Alten, der sich durch emen Schuß m den Kops lebens gefährlich verwundete, ist gestorben. Polizeicommissar Bochwitz feierte hier sein 25jähriges Jubiläum als Polizeicommissar. Er begann feme Dienst zeit als Schutzmann in Frankfurt a. M. Mitterdeutfche Staaten. Alten bürg. Geheimer Justizrath Otto Hase hier konnte auf eine dfyahnge Thätigkeit als Notar zurückblicken. Der Herzog, das Ministerium, das Präsidium des Oberlandesgerichts Jena, sowie die Anwaltskammer in Jena, deren langjähriger Vorsitzender der Jubilar ist, sandten dem geschätzten Juristen Glückwunschschreiben. Vraunschweig. Auf der Petritorpromenade verunglückte der Dreher Gustav Engemann von hier. Er hakte mit dem Fuße hinter die eiserne Einfriedigung des Rasenplatzes, fiel rücklings zu Boden und schlug mit dem Kopfe so heftig auf einen Bord stein, daß er eine schwere Kopfverletzung davontrug und besinnungslos liegen blieb. Dessau. Opernsänger Kienlechner, der wegen Mißhandlung des herzoglichen Hofkapellmeisters Mikorey von der hiesigen Strafkammer zu einer mehrmonatigen Freiheitsstrafe verurtheilt worden war, ist vom Herzoa von Anhalt begnadigt worden. Mikorey hatte sich selbst für seinen heißblütigen Gegner verwendet. G r e i z. Der frühere Buchdruckereibesitzer und Zeitungsverleger Otto Henning feierte sein 50jähriges Bürgerjubiläum. Aus diesem Anlaß wurde dem Jubilar das Ehrenbürgerrecht hiesiger Stadt verliehen. H o y m. Das vierjährige Söhnchen des Oberwärters Mahnkopf an der Ländessiechenanstalt fiel in den Mühlgraben und ertrank. Jldehausen. Der Hof des Landwirths Karl Just brannte vollständig nieder. Die Aufregung der Einwohnerschaft bei der noch frischen Erinnerung an den großen Brand vom 21. Februar v. I. war sehr groß. K ö t h e n. Im benachbartenArensdorf wurde der 13jähiig; Schüler Karl Koch auf dem Boden des 'elterlichen Haufes erhängt aufgefunden. Die von den Angehörigen sofort unternommenen Wiederbelebungsversuche hatten keinen Erfolg. Was den bedauernswerthen Jungen in den .Tod getrieben, ist unbekannt. Thiede. Ein schrecklicher Unglücksfall ereignete sich auf derDampfziegelei G. F. Röver. Der Ziegelmeister Otte war mit mehreren Arbeitern, darunter sein 15jähriger Sohn Alwin, damit beschäftigt, den Kollergang in Betrieb zu fetzen. Hierbei zeigte sich, daß eine Schraube im Kollergang gelockert war. Um diese anzuziehen, wurde der Betrieb 'zum Stillstand gebracht. Der Sohn des Ziegelmeisters Otte stieg nun in den Kollergang ein, um die betreffende Reparatur vorzunehmen. Kaum aber war er eingestiegen, als ein Arbeiter, der im Maschinenbetriebe gänzlich unerfahren ist, den Kollergang in Betrieb setzte. Alwin Otte wurde vor den Augen seines Vaters schrecklich verstümmelt, so daß der Tod aus der Stelle eintrat. "" Die beste 5 -Cent Cigarre in der Stadt, Mucho's Longfellow".

Tas Augenzwinkern.

Vor dem Oberkriegsgericht des Gardekorps in Berlin hatte sich der Füsilier Waaner von der 10. Komvaanie des Königin Elisabeth-Gardegre-nadier-Regiemnts zu verantworten. Wagner hatte emen eigenartigen Vcrsuch gemacht, um sich der Militärvflich: zu entziehen. Vom Tage seines Einttitts in das Heer an zwinkerte Wagner, sobald sich ein Vorgesetzter oder Kamerad ihm näherte, unaufhörlich mit den Augen. Den Aerzten gegenüber behauptete der Angeklagte, daß dies Augezwinkern krankhaft sei, und oaß er außerdem schlecht sehe und schlecht höre. Bei der Untersuchung, die mit dem Füsilier durch drei medizinische Sachverständiae vorgenommen wurde, stellte sich jedoch heraus, daß Wagner simulire, und daß seinen An gaben kein Glaube zu schenken sei. Er wurde wegen Simulirens vor das Kriegsgericht gestellt und zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt. Bei-der nunmehr stattgehabten Verhandlung in der Berufsinstanz aab Waaner an. daß er durch das Schlagen seitens der vorgesetzten Unteroffiziere Schmerzen in den Ohren empfunden hätte. Thatsächlich ist auch der Angeklagte von ei nigen Vorgesetzten mehrfach mißhandelt worden, und es sind deshalb Bestrafungen von Unteroffizieren in zwei Fällen erfolgt. Die anwesenden Aerzte stellten jedoch fest, daß die Schläge, die der Angeklagte erhalten, keineswegs dessen Gehör geschädigt hätten. Der als Zeuge vernommene Hauptmann des W. sowie mehrere Unteroffiziere sagten aus. dem der Angeklagte die Keduld seiner direkten Vorgesetzten auf eine harte Probe gestellt habe. Auch dre Gutachten der drnguenden Aerzte der Augenklinik der Charite sowie des Garnisonlazaretts in Temvelbok stellten bei Wagner keinerlei derartige Kranlyeitserjcyemungen fest. In dem Urtheil ging das Oberkriegsgericht noch über das derVorinstan'z binaus. es verurtheilte Wagner zu vier Monaten Gefängniß und Versetzung m die zweite Klasse des Soldatenstandes. Präftscnt Steijn in Breisgan. Aus Baden wird der Frankfurter Zeitung" geschrieben: Das idyllische Guntersthal bei Freiburg im Breis gau hat einen interessanten Besuch erhalten. Wer frühere Präsident des Oranjestaates, Steijn, hat, wie schon kurz gemeldet, die Riviera verlassen: sein schweres Leiden ist zum größeren Theil gewichen, und m der Familie eines seit über einem Jahrzehnt in Güntersthal ansässigen Hollanders, des Herrn Dr. Berns, will er in nächster Zeit weiter der Ruhe pflegen. Bald hinter dem seit Jahren mit Freiburg vereinigten Orte Gunterstyal erstreckt sich das von dunkeln Tannenwäldern umsäumte, üppig grüne Thal bis zum Fuße des 1286 Meter hohenSchauinsland, dessen schneeig weiße Spitze m all den Frühlingsjubel herniederschaut. In diesem Thale liegt, abseits von der Straße und dicht an der Berglehne, umrahmt von einer viele tausend Stämmchen enthaltende ConiferenSchule, das malerische weite Gebäude, unter dessen Dach Präsident Steijn jetzt wohnt. Güntersthal, eine historische Stätte, mit seinen halbzerfallenen, epheuumrankten Klostermauern, ' ist alljährlich das Ziel vieler Fremdm, von denen ein Theil wohl auf den Schauinsland oder Erz laschte" steigt, um, das Ränzel auf dem Rücken, web terzuwandern nach dem Feldberg und anderen Gipfeln des Schwarzwaldes. Schon führt die elektrische Bahn bis zum Güntersthaler Thor, und nicht lange wohl,- so wird, was schon lange geplant ist, ein großes Hotel statt des bisherigen Rasthauses noch mehrFremde auf dem, Gipfel des Schauinsland festhalten. Cm deutscher Forstmann. Der Forstmeister Kottmeier in Koepenick bei Berlin richtet folgende Bitte an Waldbesucher: Junges Wild, das scheinbar hilflos oder verlassen gefunden wird, darf nicht angefaßt ober gar fortgetragen werden, wie es häufig aus falsch angebrachtem Mitleid geschieht. Das Wild, das der Mensch angefaßt hat, wird von der Mutter" nicht mehr angenommen; wird es aber in Ruhe gelassen und hat sich der in den Augen des Wildes Gefahr bedeutende Mensch wieder entfernt, ohne das Thierchen zu berühren, st findet dasselbe schnelle und liebevolle Aufnahme durch die versteckt beobachtende Mutter. Ich bitte also, sich gefundenen jungen Thieren, auch wenn sie scheinbar verlanen sind, nur auf einige Schritte zu nähern, sie nicht anzufassen, auch wenn sie schreien (Schrei-Kinder Gedeih-Kinder), und nach 'kurzer Zeit ruhig weiterzugehen. Je weniger das Thierchen gestört und geängstigt wird. desto besser." Die B e v ö l k e r u n g s z a h l von Westaustralien belief sich im Jahre 1892 auf 58.000 Einwohner; heute zählt man bereits 224,000. Frankreichs Kartoffelernte ergab im Vorjahre einen Ertrag von über 450,000,000 Bufhels. Das Bushel brachte 25 Cents. Eine Fernsprech-Ver-b i n d u n g soll zwischen verschiedenen Orten in Lancashire, England, und Frankreich hergestellt werden.

P, nur einmal. Skizze von E. H. von Zagory." O, nur einmal glücklich' sein, nur einmal die Sonne sehen!" Das war ihre Sehnsucht tagaus, tagein, das war ihre Hoffnung,' die ihr Muth gab zum weiterleben und weiterkämpfen. War sie denn nie glücklich gewesen? Hatte sie denn nie die Sonne gesehen? O, doch aber das war lange her damals war sie ein frisches, fröhliches Kind, wußte sie noch nichts von der Welt und ihren Kämpfen und Sorgen, damals hatte sie noch eine Heimath und liebe, treue Menschen aber jetzt?!' Jetzt stand sie allein, ganz allein in der Welt, jetzt mußte sie arbeiten und kämpfen um' ihr tägliches Brot. Sie war ja so zart, aber sie hatte geschickte Hände. Tagaus, tagein verfertigte sie feine, mühevolle Stickereien für geringen Lohn, und von ihm lebte sie. In einer engen, düsteren Straße, drei Treppen hoch nach dem Hof hinaus, den Blick auf eine große Fabrik, da wohnte sie. Kein Sonnenschein verirrte sich in ihr kleines Zimmerchen, obwohl sie sich doch so sehr nach ihm sehnte. Wenn sie so dasaß und arbeitete, stieg die Sehnsucht immer mächtiger in ihr auf und sie schmiedetePläne: sie wollte hinaus in den Sonnenschein gehen und auf der Promenade arbeiten, sie wollte umziehen in . ein noch kleineres Zimmerchen, aber Sonne, Sonne mußte sie haben. Aber es kam nicht dazu sie an zu kränkeln ein böser Husten und eine Müdigkeit, die es ihr immer unmöglicher machte, die Treppen zu steigen. Mitleidige Nachbarn nahmen sich ihrer an und holten auch den Ar menarzt. Der schüttelte den Kopf: Hier dllrfen Sie nicht wohnen bleiben, dieses kalte Nordzimmer ist ihnen schädlich. Sie brauchen Sonne, Licht, guteLuft und kräftige Nahrung!" sagteer kategorisch, verschrieb ein Rezept und ging wieder davon. Sie lächelte bitter vor sich hin; wie leicht konnte man das so sagen, und wie schwer war es dagegen zu erlangen! Jahre hatte sie sich dafür abgemüht, nach dem gesehnt und nie nie hatte sie es erreicht O, nur einmal glücklich sein nur einmal wieder die Sonne sehen!" schrie es ordentlich in ihr, aber umsonst! Grau und trübe blieb es in ihrer Stube, grau und trübe in ihrem Leben.. Der Husten wurde immer schlimmer und sie selbst von Tag zu Tag müder. Zuletzt konnte sie überHaupt keine Treppe mehr gehen, sondern schleppte sich von ihrem dürftigen Lager bis zum Stuhl am Fenster und wieder zurück. Sie nährte sich nur von Brot und kalter Milch, denn sie war zu müde, um auch nur eine Suppe für sich zu kochen. Mitleidige Menschen brachten ihr wohl ab und zu ein wenig warmen Kaffee oder Suppe, mehr hatten sie ja selbst nicht; und innig dankbar nahm sie das alles entgegen. Sie wurde immer zarter, immer stiller und müder; es war fast, als ob sie nichts mehr von ihrer Umgebung wüßte. Sie träumte immer und immer vor sich hin. Eines Tages aber horchte sie hoch

auf, denn ein eigenthümliches Geräusch traf ihr Ohr. Sie wußte nicht, was es war; da aber kam die Nachbarin und erzählte ihr fröhlich, die Fabrik sei verkaust, man wäre schon am Abbrechen, und es käme dafür ein Reitinstitut hin. Das ist schön, da kriegen wir dann die Sonne," schloß die Frau ihre Erzählung. Mit großen Augen hörte ihr die Kranke zu, ein glückliches Lächeln flog über ihr Gesicht. So kam die Sonne am Ende doch noch zu ihr? Wie ein Wunder schien es, aber sie hoffte auf das Wunder und sie sehnte sich danach. Nun saß sie, so wie der Morgen graute, am Fenster, und verfolgte mit fieberhafter Spannung den Abriß der Fabrik. Ihre Wangen wurden frischer, ihre Bewegungen elastischer und 'ihre Stimme klang wieder Heller, so daß die Nachbarn zu einander sagten: Vielleicht wird es doch noch einmal wieder mit ihr." Aber, ach, es war ja nur die Hofsnung, die Hoffnung auf die Sonne, die sie hoch hielt und ihr die Spannkraft zu Leben gab. Der Tod hatte sie gezeichnet, wie der Forstmann die Bäume im Walde, die abgehauen werden sollen und sie wußte es. Sie fühlte es längst und sie war glücklich darüber. Sie glaubte an eine ewige Ruhe, eine Heimath im Himmel und sehnte sich hinein. Nur die Sonne die Sonne auf Erden hätten sie noch einmal gern gesehen! Sichtlich wurden , die Mauern vis-a-vis niedriger, und eines Tages flimmerte oben am Fenster schon ein klein wenig die Sonne durch. Sie faltete die Hände und sah darauf hin, er war fo fchön, dieser flimmernde Sonnenftrahl da oben, so schön! Ein großes Glücksgefühl zog in ihr Herz hinein und trieb ihr die Thränen in die Augen. Immer niedriger wurde die Mauer, es dröhnte und polterte und prasselte, daß das ganze Haus erbebte und zitterte, und plötzlich war das Zimmer hell, vollständig erfüllt von Sonnenlicht und Sonnenwärme. Die Sonne! O Gott, die Sonne!" jauchzte die Einsame hell auf und hob die mageren Arme sehnsüchtig empor, als wollte sie die Langersehnte liebevoll umfassen und festhalten für Zeit und Ewigkeit. ; Aber die erhobenen Arme sanken

schlaff zurück, ihr Kopf fiel hintenüber, ein leises Seufzen, und sie war da heim. Die Sonne aber umfaßte die ganze blasse, zarte Gestalt, als ob sie sie wie der wachküffen wollte, als ob sie gutmachen wollte, was sie an ihr versäumt hatte all die Jahre. So fanden sie die Nachbarn. Ein glückliches Lächeln auf dem blassen Gesicht, die Hände im Schoofc. vom Sonnenlicht überfluthet todt und kalt. Nun, hat sie doch noch einmal die Sonne gesehen, nach der sie sich immer so gesehnt," sagte eine Frau mitleidig, und drückte ihr liebevoll die Augen zu. Ja, und nun ist sie auch glücklich," erwiderte die andere, und ein paar Thränen traten in ihre Augen. Und die Sonne blickte warm auf die Gruppe, als wollte sie sagen: Ja. jetzt ist sie glücklich, denn sie ist dabim, dort, wo die Sonne nie untergeht, wo allein das Glück zu finden, wo Licht und Wärme sind, wie ich sie euch doch nie geben kann. Ihr Armen aber müßt noch weiter kämpfen im Leben; doch von nun an will ich bei euch bleiben, ihr sollt auch Sonne haben, denn ich scheine für alle. Wie wohl die Sonne thut!" sagte die eine Frau. Ja. wenn man im Sonnenschein steht, merkt man erst, wie grau und trübe es im Schatten ist," erwiderte die andere leise, und dankbar blickten, sie zur Sonne auf. Ach ja, ohne Sonnenschein, was ist da das Menschenleben?! Nichts' als eine Schattenpflanze, die vegetirt, aber nicht leben, nicht blühen und nicht Früchte bringen kann. Ein bischen Lieb' und Sonnenschein, Mehr braucht man nicht, um froh zu fein." O, nur einmal glücklich sein, nur einmal die Sonne sehen!" Wer sehnt sich nicht danach? Und wie vielen wird der Sonnenschein me, oder erst beim letzten Athemzug zutheil! Und wie wenige achten es, wen sie ihn haben! Nach der Sonne sehnt sich ja nur der, der im Schatten lebt, und nach Glück, der Unglückliche. Operation an einer Tigerin. Die Tigerin Paris, eine der Hauptanziehungen der Pariser Menagerie von Bostock, gab unlängst ihrem Gatten" Depew begründeten Anlaß zu einer Eifersuchtsscene. Die Tigerin schenkte nämlich einem anderen Bewohner des Käfigs, der ihr den Hof machte, zu viel Aufmerksamkeit. Depew, der erst kurze Zeit in Frankreich weilte und sich noch nicht französische Galanterie angeeignet hatte, vergaß sich soweit, seine flatterhafte Genossin zu beißen und mit einem furchtbaren Tatzenhieb ihre linke Hinterpranke zu zerfleischen. Die Wunde wollte nicht heilen, es bildete sich ein Absceß, welcher sogar den Knochen angriff. Paris, die schleunigst isolirt worden war, mußte alfo operirt werden. Der Thierbändiger Miller, welcher vor kurzem durch die Patientin fast getödtet worden wäre, nahm mit Hilfe von acht kräftigen Männern die Fesselung der Tigerin vor. Zunächst wurde durch die Gitterstäbe des Käfigs ein Lasso geschleudert, welcher Paris

zu Falle brachte. Sosort drang man dann in's Innere des Käfigs und band die Tatzen des auf dem Rücken liegenden Thieres zusammen. Ein starkes Holzscheit wurde der Tigerin zum Benagen in's Maul gesteckt; sie knickte es während der Operation wie einen Strohhalm. Der Thierarzt durchstach den Absceß und entfernte ihn; hierauf mußte er den angegriffenen Knochen schaben und reimgen. Paris litt ersichtlich, doch konnte man an ihrem Blick und der Haltung ihres Kopfes bemerken, daß sie nicht in Wuth war, sondern das Bewußtsein hatte, daß man sie heilen wolle. Während der Operation ereignete sich ein interessanter Zwischenfall. Der Thierbündiger Miller, der mit der größten Ruhe schon die wildesten Bestien .gebändigt hat, wurde plötzlich leichenblaß und nel ohnmächtig nieder; er konnte den Anblick des quellenden Blutes nicht länger ertragen. Inzwischen wurde die Wunde verbunden, und die von ihren Fesseln befreite Paris schluckte mit gutem Appetit ein Becken Milch herunter. Merkwürdige Frage. Eine Musterfrage war es, die ein Londoner Staatsanwalt dieser Tage an einen Zeugen richtete: Haben Sie ich weiß, 'Sie haben nicht, aber ich muß Ihnen die Fragen stellen am 24. es war nicht der 24., fondern der 25.. aber das falsche Datum beruht auf einem Irrthum in den Akten den Geklagten gesehen? Eigentlich handelt es sich nicht um den Geklagten, sondern um den Kläger, denn es liegt eine Gegenklage vor, aber das verstehen sie nicht also: Ja? oder Nein?" Die einzige Antwort des so befragten Zeugen war em lang gedehntes: Was?" JndenFlitierwochen. Jünger Ehemann (bei der ersten Mahlzeit): Sage 'mal, mein Schatz, ist es möglich, daß in dem Kochbuch zwei Seiten zusammengeklebt waren? Kathederblüthe. Der schwarze Tod" verlief meistens morderisch. Manchmal behielten die Menschen nur zum vierten Theil daS Leben.