Indiana Tribüne, Volume 27, Number 233, Indianapolis, Marion County, 23 May 1904 — Page 7
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otbcne u 2Ssumen . o vt i"r H- H rr 3 t (Fortsetzung.) " Was, wir gehen schon fort?" rief Edmund, den auf einer Spirituslampe gewärmten Kaffee austrinkend. Er hatte die Weste aufgeknöpft, sah roth und erhitzt aus. und Vincent fanö, daß seine Beleibtheit in fast beunruhigender Weise zugenommen hatte. Beim Auffteben vuttete er wie ein Seebun5 t yocyu ungesuno, gietcg nacg dem Essen in einen Wagen zu steigen. Wie gern hätte ich ein Schläfchen gemacht!" murmelte er, indem er voll Bedauern nach einem fchattigen Plätzchen am Ufer schielte. Hier ist eine tropische Hitze, die Wege sind schlecht, und Zeit haben wir ja auch die Fülle." Und nun entspann sich eine langstielige Erörterung über Zeit, Entfernung, Pferde und Eifenbahnzüge. woran sich Sylvie indeß nicht betheiligte. Dagegen äußerte sie ihr Befremden, als sie nur noch einen Wagen vor dem Wirthshaus stehen sah. Das ist wieder einmal so ein Streich von Vincent!" rief Edmund, etwas ängstlich über den Erfolg seiner List. So macht er's immer. Nun sind wir ihm ganz auf Gnade und Ungnade verfallen; hoffentlich " mißbraucht er feine Macht nicht. Jedenfalls werde ich mich mit dem vollen Magen nicht in den elenden Karren setzen und mich auf der holperigen Straße zu Brei schütteln lassen. Da gehe ich trotz meiner kranken Beine lieber ein Stück weit zu Fuß. Es ist zwar heiß, aber unser Weg führt ja am Wasser entlang." Die Angst vor einer Gefährdung seines Lebens und seiner Gesundheit gab Edmund seine frühere Entschiedenheit zurück, und da unter diesen Umständen ein Widerspruch nutzlos gewesen wäre, so fügten sich die beiden andern und halftn die entbehrlichen Gegenstände mit Ausnahme deZ Klappstuhls, von dem Edmund sich nicht trennen wollte, in den Wagen tragen. Dem Kutscher wurde befohlen, langsam vorauszufahren, während man zu, Fuß nachkommen wollte, bis Edmunds Verdauung und die Unebenheiten der Straße überwunden waren. Man wandte dem Hochgebirge, sowie der Sonne jetzt den Rücken, und Vincent schrieb es diesem Umstand zu, daß ihm die vorhin noch so lachende Gegend plötzlich trübe und unfreundlich erschien. Nicht so rasch!" rief Edmund wiederholt, der sich trotz seiner schmerzenden Füße noch immer weigerte, in den Wagen zu steigen. Ihrer alten Gewohnheit getreu war Sylvie vorausgegangen, so daß Vincent die lange zurückgehaltene schlechte Laune seines Vetters nun in ihrer ganzen Wucht über sich ergehen lassen mnhip smoeit es wahrscheinlich lächerlieh, daß ich, der ich geheirathet habe, um mich von meiner Frau hätscheln und verwöhnen zu lassen, nun über Berg und Thal hinter ihr herkeuche. Ja, ja. Du hast schon recht, aber mir bleibt eben keine andre Wahl. Ick könnte nicht mehr ohne sie leben, und wenn ich ihr auch im Grunde zürne, daß sie mich in meinen Erwartungen getäuscht hat, so könnte ich, glaube ich, durch's Feuer für sie gehen, lvenn sie. wie zum Beispiel jetzt, ihr nettes, freundliches Gesichtchen aufsetzt." Sylvie hatte sich soeben umgedreht und geruhte, einige Brocken in die Unterhaltung zu werfen. Nun werden wir bald zu der Blöd-sinnigen-Ansiedlung kommen," verkündigte sie. Hu, was sind diese Kerls häßlich!" schrie Edmund. Ich werde mir die Augen zuhalten, damit ich sie nicht mehr sehe." Im Gegentheil, es lohnt sich, sie recht genau anzusehen, denn recht häßlich ist auch schön!" Edmund brach in lautes Lachen aus. Hörst Du sie, Vincent; so etwas kann doch nur sie sagen." Ja, er hatte 'es wohl gehört, , und der Ausspruch zeigte ihm wieder so recht Sylvies verkehrten, unnatürlichen Geschmack. Man stellt so oft das Häßliche in eine Reihe mit dem Bösen. Würde nach Ihrer Ansicht auch das auf die Spitze getriebene Böfe zu etwas Gutem fübren?" xsxtutityi." Wenn Ihr zu disputiren anfangt, so setze ich mich!" rief Edmund, der schon lange nach einem Vorwand gesucht hatte. Hier ist gerade ein gutes Plätzchen." Man war mittlerweile an eine Brücke und ein halb zerfallenes Gebäude gekommen. Vor langer Zeit hatte ein unternehmender Mann dort eine Mühle errichtet, sie dann ab?r, da er keinen Erfolg damit erzielte, dem Verfall überlassen. Jetzt stürzten die der Eindeichung entbehrenden Fluthen gleich einem mächtigen Wasserfall durch die Schlucht, wo sich früher das Mühlrad befunden, in den tiefen, sekbstausgewaschenen Abgrund und bildeten da einen wild schäumenden Strudel. Edmund stellte seinen Klappstuhl auf, während Vincent und Sylvie, auf zwei Steinen sitzend, ihr Wortgefecht fortsetzten..
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Uoman von (Slhampol tt 1 JL Jl. XX XX 4 w Immerhin geHort' Muth zu einem Verbrechen," behauptete Sylvie träumerifch, und dann doch auch Verstand und eine gewisse Verstellungskraft." Hörst Du, was sie da wieder behauptet?" rief Edmund bewundernd. Sie hält Reden,, daß es einem ordentlich kalt über den Rücken läuft. Bei dieser Hitze ist eine solche Wirkung übrigens gar nicht zu verachten." Wieder ließ er sein lautes Lachen ertönen und wischte sich dabei die schweißtriefende Stirne. Dann sagte er. sich ein wenig zur Seite wendend: Sieh, hier kann man doch wieder aufathmen ; in der Näbe des Wassers ist es iüM und die kleinen Duschen, die einem iu's Gesicht spritzen, sind famos." Dabei streckte er Hände und Gesicht gegen das Wasser aus, als wolle er den leichten Schaum, der gleich einem Rauch bis zu ihm heraufstieg, einathmen. Gib Acht," bemerkte Vincent, Du sitzt zu nahe am Rand; eine ungeschickte Bewegung würde genügen, um Dich einen Kopfsprung in's Wasser machen zu lassen, und wenn Du da hinunterfielest, würde man Dich schwerlich wieder herausziehen können." Seinem gewohnten Widerspruchsgeist getreu, rückte Edmund nur noch ein wenig weiter nach vorn, indem er mit verächtlicher Miene sagte: Erstens einmal mache ich überhaupt keine ungeschickten Bewegungen, und dann kann ich ja schwimmen." Ja, wie ein Stein," murmelte Gerbault. Edmunds rothes Gesicht färbte sich wenn möglich noch dunkler. Ich habe in dej Saone geschwommen, die doch wahrhaftig noch ein ganz andrer Fluß ist als alle diese Gebirgsbäche zusammengenommen! Einen ganzen Sommer lang , hab ich dort geschwommen." Ja, in der Badeanstalt, wo Du Dich am Seil festhieltest. Trotzdem bat man Dich einmal mit knapper Noth herausgefischt." Edmund, der wüthend war, glaubte sein Ansehen dadurch wieder herzustelZen, daß er noch ein wenig weiter vorrückte, dann aber wandte er sich, theils um das Gespräch abzulenken, theils um dcn Aufbruch hinauszuschieben, an Sylvie: Was sagtest Du eben. Kleinchen?" Nichts. Ich schlafe allmälig ein. das ist ja doch das Gescheiteste, was man thun kann." Kleinchen hatte den Steinblock am Ufer verlassen und saß nun hinter Edmund an der die andre Seite des Weges begrenzenden Felswand. Dort im Schatten nahm sie ihren Hut ab, lehnte den Kopf gegen die harte Granitwand und schloß die Augen. Ihre Augen waren indeß nur halb geschlossen, und Gerbault, der ihr gerade gegenüber saß, glaubte einen auf sich gerichteten Blick zu entdecken. Eine, plötzliche Angst ergriff ihn bei dem Gedanken, daß die langen Wimpern sich heben, die Augen sich öffnen und die goldenen Bluir.en sich entfalten könnten. Einem inneren Triebe folgend, schüttelte er die Müdigkeit, die auch ihn zu überwältigen drohte, ab. Er stand auf, um diesem gefährlichen Augenspiel auszuweichen. Wir sollten jetzt doch wohl wieder in den Wagen steigen. Aber der Kutscher hat nicht gesehen, daß wir uns fetzten, und ist uns weit vorausgekommen. Ich will ihm nachlaufen." Da Niemand etwas gegen diesen Vorschlag einwandte, eilte Vincent dem etwa zweihundert Meter entfernten Wagen, der eben um eine Kehre bog, nach. Der bisher steile, schmale und schlecht unterhaltene Weg wurde jetzt in der Nähe bewohnter Stätten etwas besser. Kaum war Vincent, auf dem das Zufammensein mit Sylvie und , Edmund in der erhabenen Natureinsamkeit seltsam gelastet hatte, außer deren Gesichtskreis, so fühlte er sich schon wieder erleichtert. In der Ferne tauchten die kleinen Hütten der armen Krüppel auf, und die am Morgen einen Mißklang in seine gehobene Stimmung gebracht hatten, begrüßte er jetzt mit Freuden. Er sah auf die Uhr. Zwei Uhr vorüber; wir haben keine Zeit mehr zu verlieren." Allein noch immer in der gleichen Entfernung fuhr der Wagens vor ihm den Abhang hinunter, und da der Offizier keine Lust verspürte, bei der Hitze noch ein schärferes Tempo anzuschlagen, schrie er, die Hände als Sprachrohr box den Mund legend: Hallo!" Zweimal kam sein Ruf als Echo aus den Bergen zurück, ohne indeß bis zum Kutscher zu gelangen, der feine Fahrt ruhig fortsetzte. Wieder hob Vincent die Hände an den Mund, allein der zweite Ruf,den er ertönen lassen wollte, blieb ihm in der Kehle stecken. Antwortete man ihm? War es ein weiteres, entfernteres Echo seiner eigenen Stimme? Oder täuschte ihn sein Ohr? Irgend ein Laut war jedenfalls durch die Stille gedrungen. Jemand hatte geschrieen. New, eine Antwort war es nicht und auch kein Echo. Dieser Schrei kam auch nicht aus jener Richtung vor ihm, weder vom Wagen, noch von den Hütten. Von hinten war
er hergekommen, von der Gegend, die durch die Straßenkrümmung seinen Blicken entzogen war, von dort, wo er Sylvie und Edmund zurückgelassen hatte. Von Ueberlegung war keine Rede mehr. Es gibt Augenblicke, wo einzelne Menschen ebenso wie ganze Volksmengen von plötzlicher Panik ergriffen einem zwingenden Dränge folgen. Gerbault hatte umgekehrt und lief nun, nicht mit großen Schritten wie bisher, sondern in wildem, athemlosem Laufe den eben herabgekommenen Abhang wieder hinauf. An der Straßenbiegung schaute er aus, ohne in seinem Lauf innezuhalten der Platz, wo er feine Gefährten zurückgelassen hatte, war leer. Edmund! Edmund!" schrie er, aber keine Antwort erfolgte. Vincent wurde es schwarz vor den W- Er lief noch rascher. Wenige Schritte noch und nun war er zur Stelle. Unten am Fuße der steilen Böschung sah er Sylvie, die sich in diesem Augenblick aufrichtete, bis an die Knöchel im Wasser stehen. Edmund aber war verschwunden, nur der Klappstuhl lag umgeworfen am äußersten Rande des Ufers. Inzwischen hatte Sylvie die Böschung erklettert. Nun stand sie Vincent gegenüber! und sagte, die Hand nach dem schäumenden Abgrund 'ausstreckend: Edmund hat sich zu weit vorgebeugt und ist hinuntergestürzt." Ihre Stimme war so unheimlich ruhig, sie stand so gar nicht im Einklang mit den Worten, daß Vincent ihren Sinn zuerst gar nicht zu fassen vermochte. Aber nur einen Augenblick dauerte sein Zögern. Er fragte sich nicht, wie Edmund hinuntergefallen sein möchte, ihn retten um jeden Preis war sein einziger Gedanke. Hastig beugte er sich über das Uftr, aber nichts, gar nichts war zu sehen. Nun lief er an's andre Ende der Brücke, wohin die Strömung den Unglücklichen wohl schon getrieben hatte. Das Wasser brach sich an großen Felsstücken, und manchmal sah man bis auf den Grund. Es schien fast, als könne man dort unten stehen, in Wirklichkeit aber wäre man bis zum Kopf untergesunken, so trügerisch ist die Klarheit dieser pyrenäischen Gebirgswasser. An einer Stelle bildeten sich kleine Wirbel auf der Wasserfläche, und dort schien ein Loch von unergründlicher Tiefe zu sein. Während sich Vincent seines Rockes entledigte, fuhr sein Blick prüfend über das heimtückische Wasser hin, um die zum Hinunterspringen passendste Stelle herauszufinden. Dort, dort, neben jenem großen Felsblock, war das nicht eine weißleinene Mütze, die, von einer Welle fortgetragen, vorüberfchwamm, versank und wieder auftauchte, und der in einiger Entfernung, von derselben Strömung mit fortgerissen, eine dunkle Masse folgte? Vincent berechnete die Entfernung und rüstete sich zum Sprung. Aber er konnte seinen Vorsatz nicht ausführen, denn plötzlich hatte sich Jemand seiner Bewegung entgegengestemmt, ihn umklammert, sich wie eine Schlange um ihn geringelt, während dicht neben ihm zwei feurige Pupillen aus einem verzerrten, todtenblassen Gesicht funkelten, das Vincent kaum wiedererkannte. Sylvie !" stammelte er, indem er sich mit einer heftigen Bewegung freizumachen suchte. Unten im Strom schwamm die dunkle Masse rasch weiter, und nun war sie vorüber. Ein Arm hatte sich aus dem Wasser herausgestreckt, dann war alles im Strudel bei der Mühle verschwunden. Sylvie kämpfte noch immer wie eine Wahnsinnige und stieß dabei ein verzweifeltes Geschrei aus, endlich aber vermochte der Offizier sie doch abzuschütteln, und nun sprang er, sich Gott befehlend, hinab. Es ist wunderbar, wie blitzschnell sich die Gedanken in einem solchen über Leben und Tod entscheidenden Augenblick im Gehirn eines Menschen jagen. Deutlich standen das traurige Gesicht Germaines und die blassen Züge Estelles vor Vincent. Dann aber sah er nichts mehr, als das tiefe Loch dort unten, aus dem Edmund nicht wieder zum Vorschein gekommen war. Die Kälte desWassers durchschauerte ihn, gewaltsam riß die Strömung ihn mit fort, und ein solch entsetzliches Getöse brauste ihm in den Ohren, daß er nichts von dem wirren Schreien und Rufen der zur Hilfe herbeigeeilten, an den steilen Ufern hin und her laufenden Menschen vernahm. Mit Aufbietung seine? ganzen Körper- und Willenskraft kämpfte er um das Leben eines andern. Gerbautt, der in allen körperlichen Uebungen gewandt war, galt für den besten Schwimmer seines Regiments, hier aber konnten ihm weder seine Geschicklichkeit noch sein Muth etwas helfen. Schon beim ersten Sprung hatte er den Grund verloren.' Obwohl er aber wie ein Strohbündel von der fürchterlichen Strömung hin und her geworfen, nach der Tiefe gerissen und gegen die Felsblöcke getrieben wurde, so näherte er sich doch allmälig seinem Ziele als ihn plötzlich ein neuer, noch heftigerer Strudel zurückschleuderte. Sein Kopf stieß gegen einen Stein, und einen Augenblick drohte ihm die Besinnung zu schwinden. , Allein auch jetzt siegte sein eiferner Wille. Erschöpft, zerschlagen, blutend, machte ereinen erneuten Versuch. Wohl
zehnmal hatte er geglaubt, nun sei es auch mit ihm zu Ende, nun werde auch er als willenloser Gegenstand mit fortgerissen, und doch' hielt er zu seinem eigenen Erstaunen noch immer Stand. Da Plötzlich bemerkte er, daß er nicht mehr allein war. Seltsame Gestalten tauchten über der Wasserfläche auf. die. ohne sich von der Strömung ergreifen zu lassen, mit affenartiger Geschwindigkeit von einem Felsblock zum andern sprangen. Vincent erkannte in ihnen die krüppelhaften Bewohner des nahegelegenen Weilers, die zur , Hilfe herbeigeeilt waren. Das schauerliche Bild nahm einen immer bedrohlicheren Eharakter an. In das höllische Brausen und Toben des Wassers mischte sick wildes Geschrei, und endlich begriff Vincent, daß es ihm galt. Man schleuderte ihm einen Strick zu. Einen Strick endlich! Und doch zu spat! Schon war Vincent an der tiefsten Stelle angekommen. Nun tauchte er unter und zog mit Hilfe des Kutschers, der ihm in's Wasser gefolgt war, nach langer und unerhörter Mühe eine leblose Masse heraus: den entstellten Leichnam eines Ertrunkenen, dem Augen und Mund weit offen standen und vessen Züge den Ausdruck der Bestürzung trugen. Ein Gehirnschlag' mußte den sofortigen Tod herbeigeführt haben. Dank seiner langsamen Fassungskraft war dem armen Edmund allem Anschein nach, trotz des ausgestoßenen Schreckensrufes, das bevorstehende Ende nicht zum Bewußtsein gekommen. In derselben glücklichen Unwissenheit, in der er sein Leben verbracht hatte, war er uch be2 C,wV'a ute gew"" In eine elende Hütte neben der Straße hatte man Edmunds sterbliche Ueberreste gebracht. Hier neben diesem Leichnam machte Vincent Gerbault eine der trübsten, schmerzlichsten Stunden seines Lebens durch. Der arme Kerl, der da vor ihm lag. hatte ihn eben doch geliebt, trotz der lästigen, engherzigen Art, womit diese Zuneigung zum Ausdruck gekommen war, und so stark ist die versöhnende Macht des Todes, daß Vincent sich jetzt nur noch dieser Liebe erinnerte. Dieselbe brüderliche Zuneigung, die ihn vorhin zu dem verzweifelten Rettungsversuche angespornt hatte, erfüllte ihn auch jetzt. Zugleich aber auch ein herber Schmerz. Gern hätte er sein Leben für das Edmunds hingegeben, und er grollte sich selbst bitter, daß ihm die Rettung nicht geglückt war, ja, daß er nicht einmal wußte, wie dieses Unglück sich ereignet hatte und ob es sich überHaupt nur um ein Unglück handelte. So lange noch ein Funken Hoffnung vorhanden gewesen war, hatte er nur an die Gegenwart gedacht. Jetzt erst, nachdem sich alle Wiederbelebungsversuche als vergeblich erwiesen hatten, stürmten die Gedanken wieder auf ihn ein, und ein Bild verfolgte ihn unablässig: der über das Wasser gebeugte Edmund an der gefährlichen Stelle, wo er durch den geringsten Stoß das Gleichgewicht verlieren mußte, und hinter ihm die anscheinend schlaftrunkene Sylvie mit dem lauernden Blick aus den halbgeschlossenen Lidern. Und dann, warum dieser Ringkampf mit ihm selbst? War es nur sinnlose Nervenüberreizung, die Sylvie so handeln ließ, oder wollte sie denjenigen, den sie einst zu lieben behauptet hatte, vor Gefahr bewahren, oder aber ihn davon abhalten, den Ungeliebten zu retten? Er vermochte es nicht zu entscheiden. Sylvie aber zeigte sich nicht. Seit dem Augenblick, da sie sich schluchzend über den Leichnam Edmunds geworfen hatte, war sie verschwunden. Und nun erst erinnerte er sich, daß sie ja selbst wie aus dem Wasser gezogen ausgesehen hatte, mit ihren wirren Haaren und triefenden Kleidern. Wie kam das nur? Einige Weiber hatten sie mit fortgeführt. Oder wagte sie am Ende nicht, mit ihm zusammenzutreffen? In Ermanglung eines andern Ortes hatte man den Leichnam in das WirthsHaus des benachbarten kleinen Weilers getragen und auf den mit einer Pferdedecke bedeckten Tisch gelegt. Dorthin kam nun einer um den andern von den neugierigen, schmutzigen Blödsinnigen, um sich den Todten anzusehen. Weit und breit aber war kein Priester, der ein Gebet hätte verrichten können, ja, nicht einmal ein Bürgermeister oder Amtsgehilfe für die gerichtlichen Aufnahmen. Ein längeres Verweilen an diesem trübseligen Orte hatte somit keinen Werth; bald würde auch die Dunkelheit hereinbrechen. Das einzig Richtige war, so bald als möglich nach Vagneres aufzubrechen. Vincent sorgte für einen mit Ochsen bespannten und einem Plantuch bedeckten Wagen, wie sie in der Gegend üblich waren, und ließ den Leichnam auf einer Matratze hineinbringen. Die vordere Oeffnung wurde mit einem Tuche verschlössen, der Besitzer des Wagens stieg auf, und im Schritt sollten nun die fünfzehn Kilometer bis Bagneres zurückgelegt werden. Sylvie hatte an all diesen traurigen Vorbereitungen nicht theilgenommen. Kaum daß sie einen Augenblick auf dn Schwelle der Wirthsstube erschienen war. Als Vincent sie wohl oder übel fragen mußte, wie sie nach Bagneres Zurückzukehren beabsichtige, hatte sie ihm nur mit einem Achselzucken geantwortet. Ohne ein Wort an ihn zu richten, war sie dann, als sie sah. daß er für sich ein kleines Eselfuhrwerk nahm, in seinen am Morgen gemietheten Wagen gestiegen. ' (Fortsetzung folgt.)
Die englische Mission auf Samoa. ' Die samoanische Zeitschrift der LondonerMissionsgesellichaft O le Sulu" (Die Fackel") bringt in ihrer Märznummer Mittheilungen über den Aufstand in Deutsch-Südwestafrika. Dazu sagt die deutsche Samoanische Zeitung": Während die Regierung zu Hause im Reichstag sowohl wie in der effiziellen Presse wiederholt und ausdrucke lich erklärt hat, daß über den Grund des Ausbruchs des bedauerlichen Aufstandes in unserer südwestafrikanischen Kolonie bestimmte Angaben noch nicht gemacht werden können, hält es dieLondoner Mission für angebracht, in ihrer famoanischen Monatsschrift O le Su, lu" den Eingeborenen unter eingehender Begründung der Entstehung des südwestafrikanischen Aufstandes von diesem Kenntniß zu geben. Welches Interesse vorliegt, den eben erst mit Mühe pazifizirten Samoanern das Beispiel vor Augen zu führen, wie ein anderes unter deutscher Oberhoheit stehendes Eingeborenenvolk gegen seinen Beherrscher und Beschützer in wilder und grausamerEmpörüng die Wasfen erhoben hat. ist schwer zu enträthseln. Ebenso unverständlich erscheint es uns. woher der Mission die Kunde vom Grunde des Aufstandes geworden Es wird nicht ausbleiben, daß der erwähnte Artikel im Sulu" von den Feinden der Londoner Mission " und deren sind in Samoa nicht wenige eine üble Auslegung finden wird. Es wird nicht ausbleiben, daß die oft ausgesprochenen Zweifel an der wirklichen Loyalität der Londoner Mission neue Nahrung erhalten und daß der Mission unfreundliche Absichten bei der Veröffentlichung des Artikels untergeschoben werden. Wir gehen nicht so weit und geben gern der Meinung Ausdruck, daß wir den Abdruck des Artikels für ein bedauerliches Versehen halten, das die Mission gut zu machen bestrebt sein wird. Ob es aber auch nur ein Versehen ist, die Handlungsweise der Mission verdient eine öffentliche Mißbilligung. Wir hoffen, daß der Artikel auch höheren Orts bekannt wird und daß die Mission eine Warnung erhalt." Dazu schreitet die Schlesische Zeitung: Diese Beurtheilung des Versehens" der Missionsredaktion ist besonders beachtenswerth. wil die Samoanische Zeitung" als offiziöses Organ desGouverneurs betrachtet wird und bisher, wie auch in diesem Falle allerdings nur noch sehr schüchtern die englisch? Mission zu vertheidigen und ihre Loyalität in deutschem Sinne nachzuweisen suchte. Der Wunsch der Samoanisehen Zeitung," daß der Artikel auch höheren Ortes bekannt wird, und daß die Mission eine Warnung erhält", ist daher um so beachtenswerther. Noch mehr zu wünschen ist aber, daß auch die Kolonialverwaltung dadurch rechtzeitig gewarnt wird. Trotz der oft gerühmten Entwaffnung und Pazifiziruna der Samoaner ist es keineswegs ausgeschlössen, daß ihre alte Kriegslust plötzlich wieder einmal erwacht. Die einzige bewaffnete Macht, die kleine Polizeitruppe. würde dann zweifellos sch!eunigst zu ihnen übergehen. Ein Aufstand der Samoaner gegen die Weißen ohne besonderen Anlaß ist wohl auch heute nicht zu erwarten; erfahrungsgemäß genügen aber agitatorische Einflüsse und Hetzereien, um einen solchen zu veranlassen. Daß die kampflustigen Eingeborenen auch ohne Munition gefährlich werden können, haben die englifchen und amerikanischen Landungstruppen 1899 erfahren. Die Entwaffnung allein bietet, selbst wenn sie so durchgeführt ist. wie amtlich , berichtet wurde, durchaus nicht die verheißene Garantie für Ruhe und Sicherheit.
Die Gilde der wilden Aussteller. Einm interessanten Veitrag zum Kapitel der wilden Ausstellungen" lieferte eine vor der Düsseldorfer Strafkammer geführt Verhandlung gegen den Makler Langla aus Hanibürg und den Schreiber Falscher auS Altona. Beide hatten in Düsseldorf in einem ganz unansehnlichen Lokal eine Ausstellung unter dem hochklii genden Namen Allgemeine AusstelInnct für Patente und technische Ersindungen" errichtet. Die Ausstellei' wurden mit Ehrenkreuzen, Diplomen, goldenen Medaillen u. s. w. bedacht, wofür sie sechs Mark bezahlen mußten, denn sonst brachte die Sache den Arrangeuren ja nichts ein. Wie das Preisrichterkollegium" seines Amtes waltete, erhellt der Umstand, daß ein Wirth und ein Schneider, die der Jury" angehörten, die inFrage kommenden Artikel niemals gesehen hatten. Trotzdem die Polizei die Abhaltung der Ausstellung verboten hatte, wurden die Auszeichnungen in die Welt geschickt, jeder erhielt ' etwas, wenn er nur bezahlte, und durfte obendrein auf der Reklame die VeZeichnung anwenden: Prämiiert Düsseldorf 1902", um so den Anschein zu erwecken, als sei er in der großen Ausstellung desselben Jahres prämi iert worden. DieAngeklagten erhiel ten drei Monate Äefängniß und 1500 Mark Geldstrafe beziehungsweise 300 Mark Geldstrafe. JnderchinesischenMill i o n e n st a d t F u ch a u gibt es keine einzige Pumpe oder irgendwelche andere mechanische Vorrichtung, um die Leute mit Wasser aus Quellen oder Flüssen zu versorgen.
Heuer - Signale.
t Pennsyl und Market 5 English'S Opern-Hau 4 SastundN-wFork 7 Noble und Michigan 9 N. Jersey u. Mass Ave i Pine und Skorth i0 Market und Pine 1 Vermont nahe Sast No.. 8 Spritzenhaus Mass. Ave nahe Noble 13 Delaware und Walnut it N. Jersey u Central A. t6 Mass. und Cornell Ave ;6 216 m.d 11. rrah i7 Park Ave und 12 Str .8 Columbia ndHAsid 19 Highland Ave u.Pratt l Illinois und St. Joe 33 Pennfvlv. und Pratt 84 Meridian und 11. Str !S No. 5 Spritzenhaus 15. nahe Jllinoi 36 Senate Ave u. StCIaik J7 Illinois und Michigan 23 Pe tfhlvania und 14 i9 Senate Ave. und IS. si No. l Spritzmhau JnsLvenaheMichiga 32 Meridian und Walnut 14 California u ennont 36 Blake und New York 48 Ind. Av. u. Et, Elan? 37 Eity Hosvital 38 Blake und North 29 Michigan und Lgne tt No. S Spritzenhaus Washington nahe West i2 Gsendorf u Wasb. 3 Missouri n New York Meridian u Wash a Jllinoi und Obis Capitol Av.u Wash 4? mgan'S Porthau 9 Straßenbahn Stall W. Washington SU öl N. iv Spritzenhau JllmoiS u MerriU b JllinoiS u Louisiana es West und South b4 West und McCartY B Senate Ave. u Henry ö? Meridian und Ray No. 4 Spritzenhaus ' ' Madison Av.n MorriS 69 Madiion Av. u Dunlop No Haken Leiterhau South nah Delatoar 2 Penn, u Merrill ss Delawar u. McEart aftundVrarch New Jersey u. MerriU 7 Birg. Slv.u Bradsha Gast und Prospekt Bickmg und High 1 9to. 11 Spritzenhau irZlve.mcheHuro 7t East und Seorgi 7 keda und Elm 74 Davidson u Seorgia 7 Englifh Av.u Pin 75 Ehelby und Bäte "8 No. 3 Spritzenhau Prospect nahe Shelby 7 Fletcher Av. u Shelby 51 Market u. New Jersey 52 Delaware und Wash. SS East u Wafhwgton S4 New York .Davids öS Taubstummen Anstaä b Ber. Staaten Arsenal 87 Oriental und Wash. g Frauen-Reformat. 1 No. 13 Spritzenhaus Maryland nahe Mer. 2 Meridian u. Georaia. 93 Meridian und South 9i Pennsvlz u. Louisiana 5 Virgwi Ave u. Alab. 96 Hauptquartier. 87 Grand Hotel. 93 Capital Ave und Oh! 23 No. 16 Spritzenhaus 16. und Ash. 124 Alabama und 18. 125 Centra! Ave und 11, 126 DandeS und 15. 27 Brookside und Jupiter 12S Central Ave und 17. 129 Delaware und 19. (.31 Alabama und 11. 132 Bellefontaine und ar. 134 College Ave und SS. i&6 Delaware und 13. 188 Alabama und North 137 Newmann und 19. 133 College Ave und 14. 13s Cornell Ave und IS. 41 Dandes unlt 19. 142 Highland Ave und 10. 143 Tecumseh und 10. (45 New Jersey and 82. i46 Alvord und 17. i.47 No. 2 Spritzenhaus Hikfide Ave und 16. ..i8 College Ave und 12. i49 College Av? und 27. '.52 Park Ave und 22. i5S n. 255 Bahn u. 22. 154 Ramsey Ave und 10. lös Stoughton u Newman 15? Atlas und Pike. 158 Bloyd und Pawpaw. 159 No. 21 Spritzenhau Brightwood i Ardm und Depot 16S Brightwood und 25. 164 Rural und Bloyd 165 St. Clair u. eystone 187 Arsenal Ave und 23. 188 Bellefontaine und 88. 69 Park Tö und 19, 212 Capital Ave , nd 21 Pennsvlv. u.;ichiaau 814 Jllinoi und 8. 215 Senate Ave ,,.nd tu 16 Pennsvlvania und 2& 7 Meridian und 16. 218 Cavital Av und 26. 219 Vroadway und 10. 231 JllinoiS und McLea 284 No. 14 Spritzenhaus Kenwood und so. 35 Illinois und 33. 236 Annetta und 30 837 No. 9. Spritzend Udell und Rader 233 Udeil Lade Works 239 Jsabel und 7. 241 Meridian und 24. 248 JllinoiS u St.Clx, 843 Eldridge und 23. 312 West uud Walnut 13 West und 12. 314 Howard und 16. 15 Torbet und Paca 16 Capital Ave und !. 817 Northwestern Ave u! 313 Gent und 13. S19 Canal und IS. 24 Cerealin WorkS 24 Vermont und Lynn 25 Bismarck u Grandviell SS No. 8 Spritzenhaus Haughville. S27 Michigan u. HsdneS, S23 Michigan u. Concord 41 West und McJnttzre 418 Missouri u. Maryland 41 Missour' und Ohio 415 Capital Av seorgia 41 Missouri KentuckyA. 417 Senate Ave u. Wash. 421 P und Nundkau W. Washington. 423 Irren-Hospital. 424 Miley Ave u.J DA 425 Wash. and Harr 426 No. 18 Spritzenhaut W. Washington 427 Oliv und irch 488 Oliver und OSgood 48S Nordyke und Bork 431 Hadley Ave u. MorrU 432 River Ave u. MorriS 434 River Ave und Ratz 435 Harding u. Big 4 R ? 43 Harding und Oliv 437 No. 19 Spritzenh! MorriS und öardimk S SMSÄ 4 Stocky 451 ett und MlÄk 452 Howard und L 45 MorriS und spps 56 Lamdrt und Beks 457 Nordyke Ade u. a vnott Work 812 West und Rtn 513 enwcky Ave u. WerrS 614 Meridian und Morrze kl Jllinoi nd ans 517 Morris und Dakots 13 MorriS imd Church 519 Capitai 3, u McTsr 521 Meridian und Palm 52S Pine un! Lord 584 Madiso?. Ave Lincol 52 Meridian und Belt RA 527 Carlo und Ray 528 Meridian und Arizons 29 Meridian u. Rahmond 531 Meridian u. MCak i 532 No. 17 SpritzenbQO Morris nahe West ei McKeraanund Domch. SIS East U. 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Lrften SchUge, zweit Alarm, Zweiten 2 Schläge, dritter Alarm, Dritten Schläge, viert Alarm. l-8-i, Feu au und Schlauch aufgaoU. Schläge, Wasserdruck ab. 1 Schläge, l Uhr Mittag. Die so bezeichnete Signale werden nur dsm Thun dächter angegeben da an den betreffend Straß kreuzung keine AlarmköSen angebracht find. Chicago nd der große Nordweftn vi )fjssamaajasiümsi Iaka vawai!-PHilttPie Insel. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. Bon der Monon 47. Str. Station, Chicago, sind S nur S Minuten mittelst elektrischer Car nach den Union Biehböfen French liick Springs, Indern Orange Eeunty Hochland. Familien-Hotil unter neuer Geschäftsleitung. Pluto, Proserpin ,nd BowleS Quellen. Beste Mineralwasser der Seit. Zwei Züge täglich via GreeTicaftle. TicketOfficen : Union Station, Massachusetts ve und SS West Washington Straße. R. P. A I g e o, Distrikt als. Aaent. Indianapolis. Ind. .H.MeDoel, E. H. R o ck well... räs. und Gen. Mgr. Betrieb? Frank J. Reed, eu.P,fs. Agent, hicago. Jll.
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