Indiana Tribüne, Volume 27, Number 233, Indianapolis, Marion County, 23 May 1904 — Page 6
Indianer Tribüne, 2. Mai 1903U
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Europäische Nachrichten. ipxovina Schreswig-K?rstein. A l t o n a. Der am 4. Juli v. I. zum Tode verurtheilte Mörder Mai lau wurde durch den Scharfrichter Engelhardt hingerichtet. Er hatte am 4. April v. I. das Mädchen Schmidt durch einen Schnitt in den Hals er mordet und nach seiner Verhaftung reumüthig gestanden, bereits am 12. November 1900 ein anderes Mädchen Namens Ählert in Hamburg ermordet zu haben. Jtzehoe. Stadtkassirer Kumper schied nach ZZjähriger Thätigkeit aus seinem Amt, um in den Ruhestand einzutreten. Aus diesem Anlaß wurden dem Scheidenden viele Ehrungen zutheil, vor allem ein Dank- und Aner kennungsschreiben des Magistrats. Kiel. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich beim Küstenpanzer Odm". Beim Niederlassen einer Pinasse brach eine Kette und das Fahrzeug stürzte ins Wasser und sank. Der Maschinistenmaat Paul Wagner ist hierbei ertrunken. K o l l m a r. Durch einen furchtbaren Unglücksfall kam der Hofbesitzer Alfred Greve Hierselbst ums Leben. Derselbe war auf seinem Felde mit Eggen beschäftigt, als eins der Pferde unruhig wurde. Um dieses zu beruhigen, begab er sich nach vorn, wobei er von demselben in einen Graben gedrängt wurde. Unglücklicherweise sind darauf sämmtliche drei Pferde eben falls in den Graben gestürzt und auf den Bedauernswerthen gefallen, der den Verletzungen erlag. S t ö r t u m. Schuhmacher Gla dewitz und sein Sohn geriethen beim Buschfahren unter den., vollbeladenen umstürzenden Wagen. Der Sohn kam glücklicherweise mit leichteren Berletzungen davon, während sein Vater als Leiche unter der schweren Last herausgezogen wurde. Scharfenecke. Die Eheleute Jensen feierten das Fest ihrer goldenen Hochzeit. W esselbur e n. Sein 25jähriges Amtsjubiläum feierte unter zahlreicher Betheiligung der 2. Knabenlehrer. Brühn. Die Kapelle Warnke brachte ein Ständchen. Im Conventgarten fand eine öffentliche Feier statt. 'F'roVinz ScHkesien. B r e s l a u. Die Buchdruckerei und Papierhandlung von Hugo Hartmann, Neudorfstraße 32, beging ihr 25jähriges Geschäftsjuöiläum. Der zwei Jahre und 9 Monate alte Knabe Erich Pietsch stürzte aus einem Fenster der im dritten Stock des Hauses Breite Straße 46 belegenen elterlichen Wohnung in den Hofraum und erlitt einen Schädelbruch. Das Kind erlag den Verletzungen. Bielendorf (Habelschwerdt). In der Frankenschen Brettmühle wurde der 32jährie Arbeiter Franz Bartsch beim Oelen von Maschinentheilen vom Kammrade erfaßt. Hierbei wurden ihm das Brustbein und sämmtliche Rippen gebrochen und die Lunge schwer beschädigt. Der sofort herzugeholte Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. K a t t o w i tz. Auf der Kattowitzer Halde wurde die 28jährige Saisonarbeiterin Julie. Lebeck aus Sosnowice mit durchschlagener Schädeldecke aufgefunden. Allem Anscheine nach liegt Lustmord vor. Der Thäter ist nicht ermittelt. Königshütte. Die hiesige freie Bäcker-, Konditor- und Pfefferküch ler - Innung beging das Fest ihre 26 jährigen Bestehens. Die Feier begann mit einer kirchlichen Andacht in der St. Hedwigsjirche. Die eigentliche Feier fand später statt. L a n d e ck. Sattlermeister und Tapezircr Andreas Stolzer feierte sein 60jähriges Bürgerjubiläum. Durch eine Deputation der städtischen Collcgien unter Führung des Bürgermeisters Dr. Wehse wurde der Jubilar beglückwünscht. M ü h n i tz bei T r e b n i tz. GastWirth Jentsch, welcher vor Kurzem eine Wassermühle gekauft hatte, begab sich in diese, um sie in Betrieb zu setzen. Hierbei gerieth er in das Getriebe und vermochte nicht mehr, sich herauszuarbeiten. Das Fleisch des linken Armes wurde ihm von den Knochen abgerissen, die Brlst eingedrückt und die Rippen der linken Seite gebrochen. Er ist spater seinen Verletzungen erlegen. R atibor. In Ruderswald fanden Arbeiter auf dem Dominialhofe beim Aufladen von Dünger die Leiche eines Kindes. Gendarmeriewachtmeisier Kutschers in Schillersdorf ermittelte die Mutter in der Person der 26jährigen unverehelichten Kuhmagd Justine Powellek in Ruderswald. Sie gestand, das Kind bereits im November vorigen JahreS geboren, umgebracht und im Düngerhaufen vergraben zu haben. Die unnatürliche Mutter wurde in das hiesige Gerichtsgefängniß gebracht. Ziegenhalö. Im Hoffmannschen Marmorbruch wurden die Arbeiter Altmann und Stenzel von herab stürzendem Steingeröll verschüttet. Altmann konnte nur als Leiche her vorgezogen werden; dem Stenzel hatte das Geröll ein Bein zerschmettert. Vrovinz Sachsen. Magdeburg. Der Begründer und alleinige Inhaber der hiesigen Firma Rob. Hesse & Co., Buch-und Steindruckerei, lithosr. Kunftanstalt.
Rö?. 'Hesse, feierte sein 2ojähriges Gesckäftsjubiläum. Zahlreiche Glückwünsehe uidd Angebinde ehrten den Jnhaber der in weiten Kreisen Deutschlands und des Auslandes bestens bekannten Firma. , Ahlsdorf bei Eisleben. Letztens fcrnrde hier die Ehefrau des Bergmannes Wilhelm König beerdigt. Als das Grab fertig war, sprang-der verzweifelte Gatte der Verstorbenen in die Gruft und erschoß sich und machte so sein vierjähriges Söhnchen ganz zur Waise. V e n n st a d t. Der 27jährige Arbeiter Moser und der 15jährige Raue (Ernährer seiner Mutter) wurden bei der Einfahrt in die hiesige Thongrube von Gasen betäubt; sie sind beide erstickt. Erfurt. Der aus seiner langjährigen Dienstzeit im Regierungsbezirk wohlbekannte Geheime Regie-rungs-und Schulrath .frardt von der hiesigen Regierung trat in den Ruhestand. Der Kaiser verlieh ihm aus diesem Anlaß den Kronenorden 2. Klasse. L e i m b a ch bei Halle. In der Trunkenheit erstach der Arbeiter Franz Brunner seinen Bruder Karl, beide aus Klostermansfeld. Zwölf Messerstiche führten den Tod herbei. Der Mörder ist erst kürzlich aus demZuchthause entlassen, wo er wegen eines Todtschlags in dem Orte Moloneck eine vierjährige Strafe verbüßt hatte. , S t a ß f u r t. Die 26jährige Ehefrau des Arbeiters Walter machte ihrem Leben durch Erhängen ein Ende. Auf gleiche Weise ging der Knecht Schneider in dem nahen Hecklingen in den Tod. Wittenberg. Die Wittwe Dietrich, zuletzt in Klein - Wittenberg, feierte ihren hundertsten Geburtstag. Sie befindet sich zur Zeit wegen eines durch einen Unglücksfall herbcigeführten Veinschadens im hiesigen SiechenHause, ist aber noch so rüstig, daß sie bis zu dem ihr Mitte Januar zugestoßenen Unfall den halbstündigen Weg von Klein - Wittenberg hierher zu Futz zurücklegen konnte. Der Sohn, dem sie bis vor Kurzem die Wirthschaft führte, ist im Alter von 80 Jahren gestorben. FrsVrnz Kannover. Hannover. In der Firma H. Osterwald, Buchdruckerei und Buchbinderei, feierte die Arbeiterin Emilie von Oppen ihr 25jähriges Jubiläum ununterbrochener Thätigkeit. Mandatar L. Wagner, Steinthorstraße 10, beging das 25jährige Jubiläum seines Geschäfts. Er ist in dieser ganzen Zeit als Vertreter beim hiesigen Amtsgerichte thätig gewesen. Ebenfalls sein 25jähriges Jubiläum feierte der Stallmeister der städtischen VroyhanBrauerei, August v. Oynhausen, eine stadtbekannte Persönlichkeit. Eld ag sen. Einen schweren Unglücksfall erlitt durch den Hufschlag eines Pferdes der bei dem hiesigen GutspächterSeeland bedienstete Knecht A. Katz. Als Katz den Stall streuen wollte, schlug das Pferd dem Bedauernswerthen mit solcher Wucht die Gabel an den Arm, daß dieser zweimal brach und arg zersplitterte. Der hinzugezogene Arzt stellte zudem fest, daß dem Unglücklichen 6 oder 7 Rippen zerbrochen waren. Geestemünde. Eine brave Rettungsthat hat der kürzlich hier eingetroffene Wilhelmshavener Fischdampftr Heppens". Capt. Tennhoff, vollbracht. Er brachte 11 Mann von der Besatzung der norwegischen Bark Neptun" aus Fredrikstadt, Capt. Anderson, mit, welche mit einer Ladung Eis von Fredrikstadt nach hier unterWegs gewesen war. Das Schiff sprang auf der Höhe von Hornsriff leck, während ein orkanartiger Sturm wehte. Zunächst eilte ein englischer Fischdampfer zu Hilfe, dem es gelang, einen Mann der Besatzung zu retten; der Dampfer bekam hierbei aber eine Trosse in die Schraube und wurde dadurch manövrirunfähig. Mittest Leinen und Bojen rettete dann der Fisch dampfer Heppens" den Rest der Mannschaft. H a r b u r g. Ein betrübender Unglücksfall ' ereignete sich im Hause Schloßstraße 21. Als die Tochter des Kaufmanns Gilitzien nach ihrer 76jährigen Großmutter, die ein Zimmer in der zweiten Etage bewohnte, sehen wollte, fand sie die alte Dame mit Brandwunden bedeckt und mit einer klaffenden Wunde am linken Unterarm bewußtlos auf ihremBette liegend vor. Da die Petroleumlampe zertrümmert am Boden lag, war auch die Ursache des Unglücksfalles klar. Der sofort herbeigerufene Arzt verband die schwerverletzte Frau und ließ sie sofort nach dem Krankenhause überführen, wo dieselbe, nachdem ihr noch der verbrannte Unterarm abgenommen war, verstorben ist. " Hohenzethen bei Himbergen. Hier erhängte sich der bei dem Halb höfner Schulz in Dienst stehende 18jährige Knecht Karl Richter. Was denselben in den Tod getrieben hat, wurde nicht festgestellt. S t a d e. Die beiden Töchter des hier verstorbenen Geldschranksabrikanten Rapp hatten sich bei ihrer Uebersiedelung nach Kiel eine Kohlenstoffgas - Vergiftung zugezogen. Von diesen beiden Damen ist eine der Vergiftung erlegen und wird nach hier zur Beerdigung überführt werden. - Die Schwester der Verstorbenen hofft man am Leben zu erhalten.
Vom Gesellsöiaftslöwen zum Banditen. In San Jose in Süd-Californien überfiel kürzlich ein junger Geschäftsmann von wohlhabender Familie, der bis dahin zur Aristokratie der Stadt gezählt worden war. als maskirter Räuber einen SpielClub und beraubte diesen, worauf er nach einer langen Verfolgung und einem Kampfe mit Bürgern und Polizei sein Leben lassen mußte. Der junge Mann war durch das in jenem Landestheil sehr verbreiteteLaster desSpielens und W e t t e n s zum Verbrecher geworden. Daran knüpft ein südcalifornisches deutsches Blatt Germania" in Los Angeles folgende Mahnungcn: Der Vorfall ist eine abschreckende Warnung vor dem hier arg um sich greifenden Uebel der Spielsucht in Form vonWetten auf Rennen und andere Sports, der auch der erschossene Bandit sein trauriges Ende verdankte. Schon darin, daß unzählige junge Leute den legitimen Berufen entzogen werden und in derartigen Wetten ihren Broderwerb suchen, liegt eine ungehcure moralische Gefahr. Ebenso schlimm sind die häufigen Folgen des Verwettens der Gehälter von jungen Clerks und sonstigen Angestellten, was zu Unterschlagungen, Gefängniß, und öffentlicher Entehrung führt. Hier und nicht im Wüthen gegen mäßiges Biertrinken liegt die Gelegenheit, ja die Pflicht der Besserungs-Gesellschaf-ten. die zum Wohle der Menschheit gegen Laster und Verderbniß anzukämpfen vorgeben. Das Merkwürdige an diesen Leuten ist aber, daß sie stets die wahrhaft dringenden Uebel als außerhalb ihrer Sphäre betrachten, dagegen für das Chikaniren von verhältnißmäßig harmlosen Geschäften, die überwiegend von Eingewanderten betrieben werden, den ihnen zusagenden Eifer zeigen. Wölfe in Schafs-kleidern!"
Kosten des tsenbahnstreiks. Der Pester Lloyd" veröffentlicht eine Zusammenstellung über denSchaden, welchen der Eisenbahnerstreik dem ungarischen Staat zugefügt hat. Das Blatt berechnet, daß im Jahre 1902 insgesammt 1.126,905 Züge verkehrten. so daß auf einen Tag 3087 Züg; entfallen. Infolge des fünftägigen Streiks sind somit etwa 15.000 Züge weniger abgegangen. Im Jahre 1902 wurden 52.781.000 Reisende, täglich also 144,605 Reisende, ferner wurden 34,093,000 Tonnen Frachtgüter, täglich also 93,405 Tonnen befördert. Infolgedessen konnten mehr als 800.000 Personen keine Reife unternehmen und 7.400,000 Meterzentner Waaren nicht abgesandt werden. Die Einnahmen aus dem Personenverkehr betrugen im Jahre 1902 58.769.000 Kronen. täglich also 160.900 Kronen, die Einnahmen aus dem Güterverkehr 163.407,000, täglich also 447.600 Kronen. Infolgedessen ist der Entgang aus den Einnahmen des Personcnverkehrs auf eine Million Kronen zu schätzen, der Entganq aus dem Güterverkehr auf 3 Millionen; doch dürfte von der letzteren Summe ein Theil nachträglich hereingebracht werden. Der tägliche Verlust, den die Staatsbahnen durch den Streik erlitten haben, dürfte also ungefähr 600.000 Kronen betragen. Es is dies mehr, als wenn in ganzen Lande die Zahlung der direkten Steuern für einen Tag eingestellt worden wäre. Natürlich ist damit der durch den Streik angerichtete Gesammtschaden nicht erscköpft.. Weder die Schädigungen der am Verkehr interessirten Privaten, noch vor allem die Schädigungen der Ausständigen selbst lassen sich ja nachrechnen. Sie dürften aber den größeren Theil des Gesammtschadens ausmachen. Die Haargcschwulst des Magens. Eine seltene und merkwürdige Krankheit ist die sogenannte Haargeschwulst des Magens. Man findet sie meist bei Frauen im jugendlichen Alter. und zwar meist bei Blondinen, da die im Magen gefundenen Haare diese Farbe aufneisen. Natürlich handelt es sich meist um geisteskranke Menschen, die ihre Haare effcn. Die Geschwulst kommt in der Weise zustande, daß. da der Magen nur mit großer Schwierigkeit imstande ist. die Haare auszutreiben, durch Zusammenziehungen desselben die letzteren allmählich zusammengeflochten werden. Es entsteht schließlich eine feste derbe Gescbwulst. die in ihrer äußeren Form einen Abguß des Magens darstellt. Ja. die Verlängerung kann sich bis in den Darm fortsetzen. Natürlich macht eine solche Geschwulst erhebliche Beschwerden: Abnahme des Appetits. Erbreckien und Schmerzen. Auch die Ernährung leidet und es tritt starke Abmagerung ein. Schließlich erweitert sich der Magen, entsprechend der Zunahme der Geschwulst und senkt sich vermögseiner Schwere. Hilfe kann nur durch eine eingreifende Operation gebrach' werden. Zum Königsberger GeHeimbundprozeß meldet die Königsb. Volksztg.". daß der Haftbefehl gegen die Sozialdemokraten Braun, Nowarotzki und Treptau gegen" Stellung einer Kaution aufgehoben worden ist. Danach scheint die große Aktion gegen die K'önigsberger Verschwörer im Sande verlaufen zu sollen.
Furcht. Von Guy de Teramond. Die Furcht?" erklärte Cotelle. in dem er die Achseln zuckte, ach, Sie sprechen von der Furcht? Nun, die Furcht ist etwas Blödsinniges, namentlich darum weil ihre Psychologie ganz unerklärlich ist. Das Pferd, da? sich mitten in der Schlacht im Kugelregen nicht gerührt hat, wird Sie gai z unerwartet vor einer auf der Lar )- straße liegenden Zeitung, abwarf a. Der Mensch ist genau so, wenigst .as ähnlich; die schlimmsten' Katastrophen werden ihm keine Bewegung des Schreckens, keinen Angstschrei entreißen, aber das plötzliche Niesen eines Nachbars, wenn er' es in der Nacht vernimmt, wird ihn mit einem Entsetzen packen, daß er in die Luft gehen möchte. Hören Sie aber folgendes Abenteuer, das mir vor einigen Iahren passirt ist: Eines Abends besuchte ich, oder richtiger gesagt, wollte ich nach dem Diner, in der medizinischen Fakultät zu Algier, meinen alten Freund Labarte besuchen, der dort damals seine ethnographischen Sammlungen unterge bracht hatte. Der Portier hatte mir im Vorbeigehen Auskunft ertheilt; 'Sie kennen ja die bekannte Formel: Rechts dann links . . . dann geradeaus Sie gehen um die Ecke, steigen hinauf, gehen weiter . .", doch ich hatte es so eilig, daß ich von alledem, was mir gesagt, nicht das Geringste behielt und ziemlich leichtfertig durch die Corridore wanderte. Natürlich, hatte ich mich bald verirrt. Ich tastete im Dunkeln umher, suchte mir einen Weg, drehte um, kam an neuen Thüren vorbei und wanderte immer weiter, immer nach neuen unbe kannten Richtungen. , Wo war ich eigentlich?" Meine Hände schlugen ins Leere, stießen dann plötzlich an und glitten über die Wände. Nun erinnerte ich mich der Erklärung des Portiers. Gehen Sie den Corridor entlang, der zum Sezirsaal führt." Der Sezirsaal! Ja, richtig, ich war ja drin. Ich hatte die volle Gewißheit. Ich tastete umher und erkannte Marmortische. Ein erstickter Fall machte mich darauf aufmerksam, daß ich auf meinem Wege anatomische Instrumente umwarf. Plötzlich fiel ich mit meinem vollen Gewicht in etwas, das mit dem Geräusch eines weichen Körpers niedersank. Ich bückte mich, um mir über die Natur des Hindernisses klar zu wer, wollte es umdrehen und damit gleichzeitig aus dem Wege räumen. Es war schlaff und weich. Als ich es berührte, merkte ich, daß ich einen menschlichen Rumpf vor mir hatte. Die Beine, der Kopf und die Arme waren abgetrennt, denn ich fühlte, daß ich Stümpfe vor mir hatte, die von jetzt noch blutigew Bandagen zusammengehalten wurden. Diese ich möchte sagen Massage todten Fleisches im Dunkeln löste ein gräßliches Entsetzen in mir aus; mein Herz schlug zum Zerspringen, meine Zähne klapperten vor Angst, ein kalter Schweiß perlte an meinen Schläfen; ich machte einen, Satz im Dunkeln, auf die Gefahr, mir die Knochen zu zerschlagen, doch ich wollte um jeden Preis hinaus und diesem menschlichen Schlachthof entfliehen. Doch ich verschlimmerte meine Situation noch, indem ich an unvorgesehene Hindernisse stieß; so tauchten meine Hände plötzlich in eine Art Bottich, in welcher Schädel umherschwammen, während mein Kopf an einen anderen Rumpf mit denselben Bandagen stieß, der sich in der Luft schaukelte. Nun verließ mich die Willenskraft, und ich fank zu Boden. Dieser Sturz beruhigte mich. Die geistige Aufregung hörte nach und nach auf, und nun versuchte ich, mein Entsetzen zu besiegen und mich selbst zur Vernunft zu bringen. Alle diese Ueberbleibsel menschlicher Leiber bildeten doch im Grunde genommcn keine ernsthafte Gefahr, ihre Berührung war widerwärtig, aber ich konnte sie anfassen, ohne mich dadurch zu verletzen; trotzdem hätte ich eine Begegnung am hellen, lichten Tage mit einem wilden Thier vorgezogen. Die Dunkelheit vergrößert und übertreibt alles, und unser Geist, der die Formen nicht zu beurtheilen vermag, verleiht ihnen furchtbare, entsetzenerregende Eigenschaften und außergewöhnliche Proportionen. Diese Moralpredigt, die ich mir selber hielt, hatte mir den Muth so ziemlich wieder zurückgegeben: ich streckte die Hände nach den menschlichen Trümmern aus, die, wie ich mußte, zu meinen Füßen lagen; das war jedenfalls der leblose Körper irgend eines Unglücklichen, der der Obduktion anheimgefallen' war. Ich drückte absichtlich, um meinen Muth zu stählen, auf seinen Bauch; unter dem Druck bewegten sich die Eingeweide, und meine Finger drangen in die Falten der losgelösten Haut. Plötzlich fuhr mir ein noch schrecklicherer Gedanke durch den Kopf, ich glitt auf Blut und Eingeweiden aus, ich berührte Wunden, ich glaubte einzelne Körperstücke zu betasten; die verpestete Luft ließ mich an alle möglichen Krankheiten glauben, ich sah für mich selbst ein monatelanges Krankenlager voraus, und aus dieser ganzen Umge-
vung des Toves, v:e mich etnzuhlmen schien, stieg der Tod selbst empor, der auch mich in seinen unerbittlichen Schraubstock spannte. Ich war verloren, ich fühlte es, ich war verloren. Nun sprang ich auf und stien das Geschrei eines in ver Falle gefangenen Thieres aus; fest entschlossen, die Mauern dieses vergifteten Kellers um jeden Preis, es mochte kosten, was es wolle, zu zerbrechen, stürzte ich, stolpernd und heulend nach allen Richtungen und drehte mich wie im Veitstanz um mich selbst. Ich fühlte, wie der Kopf mir vor Entsetzen platzte, und die Augen vor Angst aus den Höhlen tra ten; schon brachen die Beine unter mir zusammen; da plötzlich glitt ich aus, und instinktiv klammerten sich meine Hände an einen Hahn, den sie jedenfalls aufdrehten, denn ich hörte eine Dusche, eine plötzliche Wasserwelle, deren Kraft ich an dem fürchterlichen Geräusch beurtheilen konnte, mit dem der Strahl in denselben Bottich fiel, in dem vor wenigen Augenblicken Schädel herumgeschwommen waren, wie ich mich durch die Berührung me! ner eigenen Hände hatte überzeugen können. Das Wasser floß jetzt über den Bottich hinaus; und das war die Rettung; denn schnell schloß ich daraus, die Fluth müsse doch irgend einen bestimmten Weg verfolgen und sich in die Gärten verlieren, die die medizinische Fakultät umgeben. Schnell warf ich mich auf die Knie und versuchte, indem ich . die Hände übers Kreuz auf den Erdboden leg tv, den Weg zu errathen, den die Strömung nehmen würde. Von dem Ueberfluß des Wassers herausgetrieben, fielen die Schädel unter mir einer nach dem anderen auf den Boden. Meine Hände stießen daran, aber lag das nun an dem Zustande der Verwesung, in dem sie sich befanden, oder an den Löchern, die infolge der Trepanation hineingekommen waren? meine Hände sanken, während sie sich zur Seite schoben, gräßlich in die weichen Tiefen der GeHirne ein. Endlich gelangte ich, platt auf dem Bauche liegend, in einem dichten Brei schwimmend, an eine Art Gitter, das von mir unerklärlichen Gegenständen geschlossen war, so daß ich mir zunächst keinen Weg bahnen konnte; trotzdem schob ich verschiedenes hinweg, und entdeckte draußen ein mattes Licht das Licht einer Ster ncnnacht. Nun fing ich wie ein Wahnsinniger um Hilfe zu heulen an. Fast in demselben Augenblick öffnete sich hinter mir eine Thür, und das ganze Zimmer wurde plötzlich von dem brutalen Licht einer Lampe überfluthet. Ich sah mich um und erkannte, daß ich mich in einem Kellergewölbe des Gärtners befand. Der Gärtner stand vor mir und sah mich wie versteinert an. Vergeblich suchte er das seltsame Schauspiel zu begreifen, das sich seinen Augen bot, denn ich hielt in meinen Händen mehrere Melonen die entsetzlichenSchädcl und um mich her erblickte ich, wie mir jetzt noch vorkam, mich angrinsend, sogenannte Guerbas, Schläuche aus Ziegenfellen, in denen der Gärtner sein Wasser aufbewahrte, um es sich frisch zu erhalten; das waren die schrecklichen Rümpfe mit den Bandagen ." Cotelle hielt einen Augenblick inne, um sich die Cigarette ,anzuzünden, die er sich halb mechanisch gewickelt, und erklärte dann, von Neuem die Achseln zuckend: Sehen Sie, die Furcht ist etwas ganz Blödsinniges." Wozu Hamlets Bater gut ist. Große Gaunereien sind bei der Jekaterinoslawschen Bank verübt worden. Anfangs", so schreibt ein rufsisches Blatt, begann jeder für sich mit der Ausstellung gefälschter Wechsel, d die Unterschriften nicht lebender Personen trugen. Später beschloß man auch die Mitglieder des Vermaltungsraths, den Buchhalter, den Kassirer und verschiedene Commissiönäre heranzuziehen, und bildet: nach und nach eine Gesellschaft von Gaunern. Je mehr sich die Geschäfte entwickelten, um so eifriger begann die Phantasie zu arbeiten. Bald fehlte es an russischen Namen für die Unterschriften, man ersann deutsche und verfiel auf die spaßhaftesten Bezeichnungen. Franz Kümmelkuchen!" Ha, ha, ha! nicht wahr, famoser Witz, meine Herren!" Was Sie da ausgeheckt haben, ist noch nicht originell genug. Ich will Ihnen etwas vormachen!" Nach diesen Worten nimmt der Held" ein Wechselblankett und unterschreibt mit kräftigen Zügen: Gottlieb Liebfrauenmilch!" Allgemeiner Jubel und das Zugeständniß, daß ein Record aufgestellt ist. Wer kann noch origineller sein?" wird gefragt. Unter solchen Gaunereien verfloß die Zeit, und die Schwierigkeiten der Bank vergrößer ten jtch mehr und mehr. Einer der Helden" der Bank war so unverschämt, einen Wechsel des Geistes von Hamlets Vater zu discontiren. Das geht nicht an", hieß es, das entspricht nicht unserer Praxis." Warum nicht?" Nun, der Geist von Hamlets Vater soll sich irgend einmal irgendwo gezeigt haben, unsere Wechselaussteller leben aber einzig und allein in einer imaginären Wett." - .
