Indiana Tribüne, Volume 27, Number 233, Indianapolis, Marion County, 23 May 1904 — Page 3
Jndiana Tribüne, 23. Mai 1904U
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Nur cm Mißdcrstiindniß".
Ein Ausfall von Port Arthnr fand nicht statt. -SKydloff in Vladiliostock. ,
Knropatkin schildert die japanische Stellung. Rede von Jto. Orel gehoben. Japanischer Torpedo-Jäger beschädigt. Entführung in Marocco. Frankreich und der Vatikan.
Ost-Asien. Kein Ausfall fand statt. L'o n d on , 22. Mai. Einer Pe tersburger Depesche an das Reuter Bureau zufolge hat sich die Nachricht von einem Ausfall der Port Arthur Garni' son nicht bestätigt. Die Mittheilung scheint durch den Eingang des Berichts über das Kin Chau Gefecht an General Stoeßel entstanden zu sein; im Zusammenhang mit dem Umstände, daß Gen. Stoetzel in Port Arthur commandirt, entstand dann das Gerücht von dem Ausfall der Garnison. Orel" gehoben. C r o n st a d t , 22. Mai. Das Schlachtschiff Orel", das hier seine Hauptbatterie empfangen sollte, sank plötzlich in der Nacht des 20.. Mai. Der Commandeur des OstseeGeschwaders, Vice.AdmiralRojestvensky, wurde sofort von Petersburg berufen und unter seiner Aufficht begannen die Pump- und Hebearbeiten. Heute früh wurde das Schiff gehoben und fand sich, außer Füllung mit Salzwasser, unbeschädigt. Man nimmt an, daß durch Nachlässigkeit eines Arbeiters die Ventile geöffnet waren, wodurch das Wasser eindringen konnte. Eine Untersuchung ist im Gange. Bereits bei der Fahrt von Petersbürg nach Cronstadt gerieth das Schiff auf den Grund und einige Platten wurden beschädigt. Kuropatkin berichtet.. St. Petersburg, 22. Mai. General Kuropatkin sandte heute dem Kaiser eine Depesche, worin er zunächst über einen Danksagungsgottesdienst der Truppen zu Ehren des wunderthätigen Nicolaus berichtet. Er dankte dann den Soldaten im Namen des Kaisers für ihre aufopfernden Dienste. Eine zweite Depesche des Generals lautet: Unsere Patrouillen und Caval-lerie-Abtheilungen recognosciren unsere Seite des gin Chou - Gebirges, 75 Meilen nordöstliche von Feng Wang Cheng. Die Japaner decken ihre Bewegungen durch kleine Avantgarden, auß einem Jnfanterie-Regiment mit Artillerie und Cavallerie bestend, die den Hochwegen entlang postirt sind, so wie mit höchstens zwei Compagnien an wichtigeren Punkten. Japanische Ca vallerie zeigt sich selten. Aus gestrigen Berichten schließe ich, daß die erste japanische Armee folgendermaßen concentrirt ist: zwei Divisionen in Fcng Wang Cheng und Umge bung, eine Division in Habalin, halbwegs zwischen 'Sin Yen und, Feng Wancr Cheng. Feng Wang Cheng ist befestigt. MilitärischeLagegünftiger. Mukden, 22. Mai. Die Nachrichten über das japanische Unglück zur See trafen erst heute hier ein. Man hält die militärische Lage hierdurch für völlig geändert, indem sich die russische Stellung hierdurch weit günstiger gestaltet. Jto als Warner. L o n d o n, 23. Mai. Der Standarb" Correspondent in Tokio telegraphirt unter dem 21.: Marquis Jto betonte bei einer heutigen Ansprache an eine Versammlung von Financiers die Nothwendigkeit für Japan, sich zur Erringung der Sympathien der gefitteten Wett auf seine rechtmäßigen Ziele zu beschränken. Es solle keinen Augenblick zaudern, die begründeten Anspräche und Interessen anderer Nationen anzuerkennen. Die Rede gilt als bedeutungsvolle Ankündigung der künftigen japanischen Politik hinsichtlich der Mandschurei und Koreas. Kre uzer Bogaty r". St. Petersburg, 22. Mai. Privatnachrichten auö Wladiwostok be stätigen den Bericht, daß der Kreuzer Bogatvr" auf den Felsen gestrandet ist. Die Beamten erklären, keine Mittheilung über den Unfall erhalten zu haben.
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Alexieff wollte den Abschied. London, 23. Mai. Nach dem Daily Telegraph" reichte Vicekönig Alexieff dem Kaiser sein Abschiedsgesuch ein, wurde aber vom Kaiser durch eine liebenswürdige Depesche überredet, weiter auf seinem Posten zu bleiben. Japan. Torpedo-Jäger beschädigt. Tokio. 22. Mai. Bei der Recognoscirung um Port Arthur, welche Admiral Togo am Freitag unternahm, wurde der Torpedo.Jäger Akatsaki von einem Geschosse getroffen; ein Offizier und 24 Mann kamen um's Leben. Zahlreiche TransportDampfer im Anzug. London, 23. Mai. Der Correspondent der Daily Mail" in Kobe. Japan, kabelt: Als ich letzte Woche von Korea durch's gelbe eer zurückkehrte, sah ich japanische Transportschiffe in jeder Richtung. Sie fuhren ohne Begleitung. Manchmal zählte ich zehn auf einmal. St. Petersburg, 22.. Mai, Der Kaiser und Großfürst Michael find hier angekommen. Skrydloff'sAnkunft. Vladivostock, 22. Mai. Vice -Admiral Skrydloff traf heute Nachmittag ein. Am Bahnhof außerhalb der Stadt erwarteten ihn Militärund Civil-Brhörden, sowie eine enthusiastische Menschenmenge; Salz und Brod wurden ihm überreicht. Der Admiral begab sich dann nach dem Hafen und an Bord des Kreuzers Rossia, der die Admirals'Flagge aufzog. Nach einer Ansprache an Offiziere und Mannschaften besuchte der Admiral auch die übrigen Kreuzer. Die japanischen Kreuzer, die sich zwischen Gensan und hier zeigten, wurden seither nicht mehr gesichtet. Die Oeffnung des Hafens Vladivostock hatte bis jetzt auf die Geschäfte, welche vollstän dig darniederliegen, keine belebende Wirkung. Die Stadt befindet sich im trefflichen Zustande; auch der Gesundheitszustand der Bevölkerung ist gut. Die Landung bei Takus h a n. Tokio, 22. Mai. Ein ergänzender Bericht über die japanische Landung in Takushan, 50 Meilen westlich von der Yalu-Mündung am 20. (19. Mai?), lief heute ein. Die Russen bestanden aus einer Schwadron der unabhängigen Trans Baikal Cossaken. An einer Brücke widersetzten sie sich kräftig dem Vorrücken derJapaner und wichen erst, nachdemein Offizier nebst 9 Mann gefallen und verschiedene verwundet waren. Ein Offizier und 4 Mann geriethen in Gefangenschaft. Die Japaner hatten einen Todten. Die Russen zogen sich in der Richtung van Hsiuyen und Shalichat zurück. C h e e F o o, 22. Mai. Alles war heute hier ruhig. Die Jnland-Anleih e. Tokio, 22. Mai. Nach wiederholten Conferenzen mit den Ministern und älteren Staatsmännern nahmen die Bankiers die Bedingungen der neuen Volksanleihe von $50.000,000 an. Sie wird zu 92 ausgegeben, trägt 5 Procent und ist sieben Jahre giltig. Die frühere Anleihe, auf fünf Jahre, wurde zu 95 ausgegeben. Italien. Der Bruch mltFrankreich. Rom, 22. Mai. Die Vatikan!schen Behörden sind noch immer über den Conflikt mit der französischen Regierung. wie er sich aus der Abbe rufung' des französischen Botschafters Nisard ergiebt, erregt. Der Papst hielt heute früh Messe in Gegenwart von 64 Italienern und Ausländern und beschäftigte sich den übrigen Tag mit der französischen Schwierigkeit, ' ZeitungS - Ausschnitte über die Angelegenheit lesend.
Die Frage, auf welche Weise das Pariser Blatt L'Humanite sich in den Besitz bzt- Protestnote an die anderen Mächte, welche von jener an die sranzösische Regierung abwich, setzte, wird täglich mehr interessant. Es kann jetzt als sicher gelten, daß die Jndiscretion vom Fürstenthum Monaco ausging. Die vatikanische Note nach Monaco war kräftiger abgefaßt, als die an die an die anderen katholischen Mächte, weil der Vatikan von dem beabsichtigten Besuche des Fürsten Albert von Monaco beim Könige von Italien Kenntniß hatte. Als weiterer Grund für. die größere Schärfe der Monaco-Note wird angeführt, daß Fürst Albert der Freund des Hauptmanns Dreyfus war, der gegen die französische Regierung sich vergangen hatte, und auch weil die Clerical-Natio-nalisten mit Jaures, dem Socialisten führer und Erreger der gegenwärtigen Agitation, an einem Strange ziehen. Fürst Albert soll beleidigt sein, weil Papst Leo bei seinem letzten Jubiläum den Peterspfennig von Monaco, als aus Spiel-Operationen herrührend, abgelehnt hat. Die Beziehungen wurden noch gespannter, als der Vatikan den Prof. Klein, den Uebersetzer der Werke des Bischofs Spalding von Peoria, Jlls., nachdem ihn der Fürst, zum Bischof von Monaco vorgeschlagen, ablehnte. P a r i s. 22. Mai. Die Abberufung des Hrn. Nisard, d:s Botschafters beim Vatikan, drängt alle anderenEreignisse in den Hintergrund. Der Botschafter wird morgen erwartet und conferirt dann mit dem auswärtigen Minister Delcasse; am Dienstag findet MinisterRath statt, wo weiteres Vorgehen beschlössen wird. Entgegen allgemeiner Erwartung wird der päpstliche Nuntius in Paris, Mg. Lorenzelli, seinen Posten nicht verlassen. Der Ton in der socialistischen Presse zeigt, daß dieses machtvolle Element die Regierung zu extremen Maßregeln drängen will. Abg. Geralt Richard sagt in der Petit Republique, die Sache müßte durchgeführt werden, bis das Concordat gefallen sei. Clemenceau bezeichnet die Gewährung von Urlaub an den Botschafter als durchaus unzureichendes Mittel. Die socialistische L anterne beklagt sich darüber, daß die Regierung das den parlamentarischen Führern gegebene Versprechen, sie werde einen vollkommenen Bruch herbeiführen, nicht gehalten habe. Paris, 23. Mai. Das Ministerium des Innern dementirt die Meldung, Herr v. Navenne, der erste Sekretär der Botschaft beim Vatican, welde als Geschäftsträger fungiren. Die Regierung ist der Ansicht, daß dessen Wahl die Bedeutung der Abberufung des Botschafters abschwächen müßte. Marocco. Forderungen der Räuber bewilligt. Tanger, 22. Mai. Der Shereef von Wazan suchte heute den RäuberFührer Raisuli auf, der sich in Beniaros aufhalten soll. Er kann im Namen der maroccanischen Regierung mittheilen, daß alle Forderungen Raisuli's gewährt werden, falls die Gefangenen, der Amerikaner Ion Perdicaris und der Engländer Cromwell Varley, unverzüglich ausgeliefert werden. Die Soldaten sind bereits von dem Distrikt, wo sich die Räuber befinden, zurückgezogen. Washington, C.,22. Mai. Consul Gummere bestätigt heute in einer kurzen Depesche die Preß-Berichte, daß die beiden Gefangenen von den Banditen gut behandelt werden. Der Consul nimmt sich der Angelegenheit mit aller Energie an. Falls die Freilassung inzwischen nicht erfolgt, so sendet die Regierung entweder Schiffe vom süd-atlantischen oder europäischen Geschwader nach Marokko.
Schiffsnachrichten. Angekommen. Queenstown: Umbria" von New York nach Liverpool. Liverpool: Celtic" von New York via Cherbourg. Southampton: St. Paul" von New York via Plymouth und Eherbourg. New York: Columbia" von Glasgow und Moville; Bluecher" von Hamburg, Southampton und Cherbourg. Abgefahren: Queenstown: Lucania" von Liver - Pool nach New Jork.
Haltlose Gerüchte. Kanzler Bülow sitzt allem Anschein nach fest im Sattel.
B e r l i n, 22. Mai. Die Oppo-fitions-Blätter sprechen seit der kürzlichen Debatte im preußischen Herrenhause viel über die erschütterte Stellung des Reichskanzlers v. Bülow, allein, so weit sich feststellen läßt, ohne Begründung. Verschiedene einflußreiche agrarische Führer tadelten den Kanzler bei der Debatte, aber nichts läßt darauf schließen, daß er die Gunst des Kaisers verscherzt habe. Kaiser und Kanzler wohnten gestern der Hochzeit von Graf Eulenburg'S Sohn in Liebenburg bei. Der Kanzler hält dem Kaiser die üblichen Vorträge wie früher. Der Gedanke, den Eisenbahn-Minister General Budde zum Nachfolger Bülow's zu machen, gilt als lächerlich, da hiezu seine politische Erfahrung bei weitem nicht ausreicht. Deutschland. Indischer Nabob todt. Berlin, 22. Mai. Der indische Prinz Jamsetjee Tata, ein wohlbekannter Kaufmann aus Bombay, ist in Bad Nauhcim gestorben. Er war vielfacher Millionär und befand sich im Oktober des Jahres 1902 in den Ver. Staaten, um I. Pierpont Morgan für die erzhaltigen Minen Indiens zu interessiren. Auch versah er von New York aus den indischen Markt mit amerikanischer Baumwolle. Ferner bürgerte er im Auftrag der britischen Regierung amerikanische Methoden bei der Ausbeutung von Erzgruben in Indien ein. Bierbrauer-Ausstand in Hamburg. Berlin, 22. Mai. Ein allgemeiner Brauerstreik ist in Hamburg ausgebrochen. Eine von 1200 Mann besuchte Versammlung beschloß die sofortige Arbeitseinstellung, da die Brauereien die geforderte verkürzte Arbeitszeit bei höherem Lohn nicht bewilligten. Türkei. Sultan verliert die Geduld. C a n st a n t i n o p e l, 22. Mai. Die Behörden tragen sich mit dem Plane, alle armenischen Dörfer im Sas-sun-Distrikt von Kleinasien zu zerstören, damit die Insurgenten sich nicht in den Bergen concentriren können. Die Dorfbewohner sollen zur besseren Beaufsichtigung in der Ebene angesiedelt werden. Venezuela. Ausweisung von Mönch e n. Caracas, 2. Mai. (Bei der Beförderung verspätet). Die Regierung hat aus Maracaido 12 spanische, von den Philippinen gekommene Mönche ausgewiesen. Als Grund wird angegeben, die Politik der Mönche vertrage sich nicht mit den Zielen der modernen Gesellichaft. - Eine reizende S t i l -b l ü t h e findet sich in einer jüngst veröffentlichten amtlichen Mittheilung. Ein thüringisches Amtsgericht korrespondirte mit einer anderen Behörde wegen der Beschäftigung von Strafgefangenen mit Holzspalten. Die zweite Behörde antwortete: Auf die anher gelangte hohe jenseitige Verfügung wird diesseits beschlossen, daß die jenseitigen Gefangenen auf dem diesseitigen Hofe zum Holzspalten derwendet werden dürfen." Der hier amtlich verzapfte Stil scheint Kunstregeln zu gehorchen, wie sie jenseits der Grenzen des bürgerlichen Sprachgebrauches herrschen mögen. Diesseits dieser Grenzen wirkt jener Stil, wenn nicht ästhetisch, so doch auf alle Fälle etheiternd. I n Paris macht täglich ein besonders konstruirter Wagen mit 28 Käfigen die Runde, um von sämmtlichen Polizeistationen die eingefangenen verlaufenen Hunde abzuholen und die Köter nach dem Pfanvstall zu bringen. Wer deutsche K a is e r yar mehr Dienerschaft, als irgend ein anderer Monarch. Das Dienstpersonal besteht aus über 3000 Personen, davon sind etwa zwei Drittel Frauen und Mädchen. Eine Jury im Staate TexaS verurtheilte letzthin einen Neger wegen eines Mordversuchs zu 1000 Jahren Gefängniß. Für gutes Betragen können ihm 200 Jahre von der Strafe erlassen werden. Modernes GephäN. Herr Meyer ich konnt' mer ich helfen ich hab' gemacht pleite ich biete Ihnen dreißig Prozent." .Na. sagen Se schon vierzig. Lassen Se mer auch was dran verdienen."
Die deutsche Kriegsflotte. Nach dem diplomatisch-statistischen Jahröuch für 1904 bestand die deutsche Kriegsflotte am Ende des letzten Iahres aus folgenden Fahrzeugen: Echiff Tonnengehall 19 Linienschiffe 189,700 8 Küstenpanzerschiffe . . . 30,600 12 Panzerkanonenboote . . 13,000 13 große Kreuzer 97,400 32 kleine Kreuzer . . . . 70,200 7 Kanonenboote 6,400 1 Flußkanonenboot .... 200 15 Schulschiffe 29,700 11 Spezialschiffe 30,800 118 Schifft "4687)00 Dazu kommen noch 86 Hochseetorpedoboote und 34 Küstentorpedoboote. Im Bau begriffen wäre'.'. 6 Linienschiffe. 2 große Kreuzer, 4 kleine Kreuzer und 6 Hochseetorpedoboote. Nach dem Gesetz vom 14 .Juni 1900 sollte aber die deutsche Schlachtflvtte, abgesehen von Torpedo-, Kanonenbooten, Schulschiffen und sonstigen Fahrzeugen bestehen aus 34 Linienjchiffen, 8 großen und 24 kleinen Kreuzern. Diese Fahrzeuge sollen die einheimische Schlachtflotte bilden. Dazu sollen kommen für die AuslandsfloUe 3 große und 10 kleinere Kreuzer; ferner als Reserve 4 Linienschiffe, 3 große und 4 kleinere Kreuzer. Die Besatzung der deutschen Flotte besteht zur Zeit , aus 1602 Offizieren und 31,919 Unteroffizieren und Mannschften. Der Flottenplan vom Jahre 1900 ist, wie aus obiger Zusammenstellung ersichtlich, noch lange nicht zur Ausführung gekommen. , Statt der geplanten 38 Linienschiffe hat die deutsche Flotte erst 19 und G sind im Bau begriffen; das wären erst 25; 13 weniger, als der Flottenplan vorsieht. Aber trotzdem das Programm vom 14. Juni 1900 noch nicht zur Ausführung gekommen ist, wird doch schon eine abermalige Verstärkung der Kriegsmarine gefordert. Diese Anregung" geht von dem sogenannten deutschn Flöttenverein aus, welcher enge Fühlung zur Reichsregierung unterhält und so zu sagen den Hannemann darstellt, welcher immer voran gehen muß, weil er hohe Stiebeln" an hat. Sobald wir vor einiger Zeit in der Presse Deutschlands wahrnahmen, daß der Flöttenverein eine Verstärkung der Reichsmarine in Erwägung gezogen hätte, erschien es uns klar, daß die verbündeten Regierungen den Wunsch hegten, abermals zu einer Vermehrung der Kriegsflotte gedrängt" zu werden. Alsbald tauchte in der Presse die Nachricht auf, daß der Flottenverein 794 Millionen Mark für neue Kriegsschiffe fordere. Dies wurde aber bestritten. Es heißt jetzt, der genannte Verein fordere nur die Aufstellung eines dritten Doppelgeschwaders bis 1913; das heißt also ein Flaggenschiff und zwei Geschwader von je 8 Linienschiffen; zusammen wäre das ein Zuwachs von 17 Lininschiffen (außer den bereits bewilligten) innerhalb der nächksten neun Jahre. Würde das Pr-o-gramm durchgeführt, dann müßte die deutsche Kriegsmarine im Jahre 1913 nicht weniger als 55 Schlachtschiffe zählen und an solchen Fahrzeugen stärker sein, als die französische Flotte, wenn diese nicht bis dahin entsprechend vermehrt wird. Man berechnet die Herstellungskosten für ein Liniensckiff mit voller Ausrllstung auf $5,000,000, beziehunczsweise 20.000.000 Mark. Es würden danach für 17 neue Linienschiffe 340,000.000 Mark bewilligt werden müssen, die auf neun Jahre vertheilt werden sollen. Schon bei früheren Gelegenheiten haben wir darauf hingewiesen, daß die Frage noch nicht als erledigt gelten darf, ob die Vermehrung der Flotten mit den riesigen Linienschiffen unbedingt zweckmäßig ist. Bis jetzt hat noch keine große Seeschlacht stattgefunden, welche über diese Frage entscheidet. In Ostasien haben die verhältnißmäßig billigen Torpedoboote den großen schwimmenden Festungen schweren Schaden zugefügt; von den Unterseebooten gar nicht zu reden, mit welchen neuerdings Fahrversuche angestellt wurden, die im Ganzen sehr befriedigend verliefen. Das Schicksal des russischen Linienschiffes Petropawlowsk". welche mit nahezu 800 Menschen versank, weil es auf eine Mine stieß, macht es Jedermann klar, wie groß die Gefahr für die Besatzung einer solchen schwimmenden Festung ist. Ein gut gezielter Torpedoschuß, abgefeuert von einem Untersee- oder Torpedoboot, kann so ein Zwanzig Millionen Mark - Schiff" versenken und die Vesatzungsmannschaft muß ertrinken wie die an Bord befindlichen Ratten. Der Krieg erfordert ja Opfer; aber man soll diese nur dann bringen, wenn dadurch entsprechend große Ziele erreicht werden. So lange' nicht durch die Erfahrung erwiesen ist, daß die Linienschiffe die furchtbarsten und unter allen Umständen wirksamsten Kriegsmaschinen sind, sollte man niit der Anschaffung solch kostbarer Fahrzeuge langsam vorangehen und erst abwarten, ob die Kolosse im Stande sein werden, sich der Untersee- und Torpedoboote zu erwehren. Deutschland ist ja jetzt ein reiches Land; aber ehe es 340.000.000 Mark für neue Panzerschiffe ausgiebt, sollte es doch erst noch mit den billigeren Schiffszerstörern eingehende Versuche anstellen.
Aerzte.
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Büffet Saloon
Um. St
