Indiana Tribüne, Volume 27, Number 231, Indianapolis, Marion County, 20 May 1904 — Page 7

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(Fortsetzung.) Mit ihrem halb schelmischen, halb kindlichen Lächeln, das sie sich itoö immer zu bewahren wußte, begrüßte ihn Estelle von ihrem Ruhebett aus. das sie jetzt kaum mehr verließ. Sie hatte sich zu diesem Abschiedsempfang besonders hübsch machen wollen. Das wundervolle Haar hoch aufgesteckt, trug sie heute an Stelle ihres Hauskleides eine weiße Mullbluse zu einem weiten, seidenen Rock, den Vincenk zu kennen glaubte. Mein Kleid vom Maskenball," sagte sie, seinem Gedächtniß nachhelsend. Ich wollte es so gerne noch einmal anzieben." Sie schien diese letzten Worte ohne die Bedeutung zu y äußern, die man ihnen hätte beimessen können, denn heiter fuhr , sie fort: Gleiche ich noch immer Ihrem Miniaturbild von der Prinzessin Lamballe, Herr Hauptmann?" Mehr denn je," antwortete er, von Neuem von der großen Aehnlichkeit bexlEb besitzen Sie also mein Bild, ohne daß ich es Ihnen geschenkt habe? Sie sollten es für Germaine kopiren lassen." Diese war soeben eingetreten und hatte sich auf den Rand des Ruhebetts gesetzt. Auch ihr Aussehen verrieth nichts mehr von dem Vorgefallenen. Wie jetzt so häufig, ergriff Estelle die Hände Germaines, sei es um sich zu wärmen, sei es, um das Freundschaftsband, das so bald zerrissen werden sollte, noch enger zu knüpfen. Und finden Sie, daß auch Germaine noch immer der kleinen Schäferin ähnlich sieht?" O ja, gewiß!" Zärtlich ruhte Estelles Blick auf ihr. dann sagte sie träumerisch: Solch eine kleine Schäferin war doch besser dran; d?nn sie häte man während der Revoluticu sichtlich nicht geköpft, wie die arme Prinzessin." . Ein leichter Schauder schüttelte sie, und leiser fügte sie hinzu: Ob man wohl mehr leidet, wenn einem rasch in wenigen Augenblicken der Hals abgeschnitten wird, oder wenn man langsam, ach, so ganz langsam an einer Krankheit stirbt?" Vincent und Germaine schwiegen unter demselben qualvollen Eindruck, aber schon hatte Lepage in heiterem Tone das Wort ergriffen: Wenn von Schneiden gesprochen wird, dann will ich auch dabei sein, das schlägt in mein Fach. Noch kurz ehe ich Paris verließ, habe ich einem alten Geizhals, der ein Soustück verschluckt hatte, den Leib aufgeschnitten, und ich glaube wahrhaftig, er hat es nur ungern wieder hergegeben." Ach pfui! Schweigen Sie, Sie sind ein entsetzlicher Mensch!" rief Estelle, auf's Neue durch Lepages Spässe belustigt. Er hatte die Gelegenheit benützt, näher zu ihr hinzutreten, und sagte nun, ihr gegenüberstehend: Doch nein, alles Ernstes, gnädiges Fräulein, Sie haben eben die 'Frage aufgeworfen: ,Was ist besser, sich den Hals abschneiden zu lassen, oder an einer Krankheit zu sterben?' Lassen Sie mich also auch darauf antworten. Weder das ein: noch das andre. Das Beste ist, weiterzuleben, und warum sollte man das nicht, wenn man jung ist, von den Seinigen geliebt wird und wenn man die Kräfte dazu hat?" Diesmal sprach er nun wirklich im Ernst, und diese unvermittelte Aeußerung überraschte alle ebensosehr wie Estelle. Wenn man die Kräfte dazu hat," wiederholte sie in zweifelndem Tone. Jawohl, in Ihrem Alter und in Ihrem Zustand hat man sie; vorausgesetzt, daß man das thut, was diese Kräfte hebt." Wie Trompetenstöße klang diese kühne, entschiedene Behauptung durch die dumpfe Stille des großen Zimmers, und ohne eine Antwort abzuwarten, fuhr Lepage mit jenem Gemisch von Ernst und Ironie, das seinen Worten den Stempel der Wahrheit verlieh, fort: Ich bin zwar ein Arzt, und ein schrecklicher Mensch, der die Leute um's Geld in Stücke schneiet, das gebe ich zu; aber trotzdem kann ich zu etwas nutz sein. Wenn wir Aerzte auch nicht immer unfehlbar sind, wie man es ungerechtfertigter Weise von uns verlangt und wie wir es ebenso ungerechtfertigter Weise oft selbst behaupten, so gibt es doch Fälle, wo wir unsres Erfolges ziemlich sicher sind. Ein solcher Fall aber ist der Ihrige." Alle außer Esielle hörten Lepages Worten wie einem Orakel zu und wagten nicht, ihn auch nur durch eine Silbe in seinem Gedankengang zu stören. Schon kenne ich Sie genug, um mir im Großen und Ganzen wenigstens. eine Ansicht über Ihren Zustand zu bilden. Dennoch wären aber einige Einzelheiten noch unumgänglich nothwendig, und so müssen Sie mir eben vor meiner Abreise durchaus noch eine Untersuchung gestatten." Ha. ich mußte es ja, daß es darauf hinaus sollte!" rief Estelle verächtlich.

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Ö-t ? Tt xx i 1 1 r tt Uomsn von (Stiiampol Mein Gott, warum mi'r auch noch diesen letzten Besuch verbittern?" Von Verbittern kann keine Rede sein," entgeanete Lepage mit ungewöhnlicher Wärme. Im Gegentheil, ein schöner, freudiger Tag wird es für Sie wie für uns alle sein, denn ich wiederhole es Ihnen, ich habe die feste Ueberzeuglng, Ihre Genesung durch ein Heilverfahren zu beschleunigen, das ich brieflich mit Ihnen fortsetzen werde und das vollständig von den bisher angewandten, die meiner Ansicht nach gänzlich verfehlt waren, abweicht." Ja, ja, ich weiß es wohl, wenn man einen Kranken nicht mehr über, seine Leiden hinwegtäuschen kann, beschuldigt man das Mittel und schlägt ein neues, unfehlbares vor. O, ich kenne diese ärztlichen Kniffe!" Vom Zorn hingerissen, verrieth Estelle jetzt endlich unfreiwillig, wie klar sie selbst ihren Zustand kannte. Anstatt sich von den andern anführen zu lassen, war sie es, die ihre Umgebung getäuscht hatte, indem sie that, als glaube sie ihren Worten. Nun denn" Lepage hatte sofort einen andern Ton anL?fchla,en .von mir dürfen Sie überzeugt sein, daß ich Sie nicht anlüge. Wollen Sie die Wahrheit wissen, die unverhüllte Wahrheit, die Ihnen biö jetzt noch Nie mand gesagt hat?" 2. Zum ersten Male sah sie ihn, eine leichte Erregung verrathend, voll Spannung an. Die Wahrheit ist, daß Sie krank, recht krank sind. Sie sehen, ich umgehe das Wort nicht, und daß sich Ihr Zustand unter den obwaltenden Verhältnissen nur verschlimmern kann. Aber gottlob ist es noch nicht zu spät, dem Uebel zu steuern, um es schließlich ganz zu heben. Ich bitte Sie, mir zu erlauben, daß ich Sie untersuche, dann mache ich Ihnen eine Einspritzung; in fünf Minuten ist alles geschehen." Auch er kannte die Kniffe der Kranken. Wahrscheinlich hatte sie in der Hoffnung, auf einen Widerspruch zu stoßen, solch schwarzseherische Ansichten ausgesprochen, und nun verursachte ihr diese derbe Bestätigung einen äugenblicklichen Schrecken, den man benutzen mußte. Schon machte er einen Schritt auf Estelle zu, ohne daß diese mit einer Wimper gezuckt hätte. Da sagte sie entschlossen: Nein, ich werde mich nicht untersuchen und mir auch keine Einspritzung machen lassen." Es war ihm also nicht gelungen, sie einzuschüchtern. Ehe Sie eine solche bestimmte Weigerung aussprcchen, sollten Sie aber doch wenigstens wissen, was ich mit Ihnen vorhabe." fuhr Lepage mit unerschütterlicher Geduld fort. Sein vorhin noch so strenger Ausdruck hatte sich gemildert, und aus seinem häßlichen Gesicht strahlten Klugheit und Ueberzeugungskraft. Vincent Gerbault, der seinen Freund noch niemals in der Ausübung feines Berufs beobachtet hatte, stand diesem neuen Menschen, der sich da vor ihm enthüllte, voll Bewunderung gegenüber. Mit glühender Beredsamkeit und einer Sanftmuth, die man bei seinem scharfen, eckigen, zur Spottsucht geneigten Charakter niemals vermuthet hätte, äußerte er seine Ansichten und verfocht sie mit einer Klarheit und Ueberzeugung, daß Vincent ein Mißerfolg bei der Kranken unmöglich erschien. War es nicht natürlich, daß dieser leise Hoffnungsstrahl, der sich allmälig in sein Herz einschlich, längst auch das der drei armen Frauen erfüllte? Estelle lächelte und Germaine stieß einen tiefen Seufzer der Erleichterung aus, während Frau Lancelot, unfähig ihre Freude zu bemeistern, auf Lepage losstürzte. Aber so versuchen Sie doch Ihr Mittel! Auf was warten Sie denn noch?" Auf Fräulein Estelles Einwilligung." In der festen Zuversicht, das Spiel gewonnen zu haben, machte er noch einen weiteren Schritt vorwärts. Ich gebe Ihnen aber diese Einwilligung nicht," sagte Estelle ruhig, ohne daß das, Lächeln von ihren Lippen wich. Voll Angst, Lepages Vorgehen zu stören, hatten die anderen sich bis jetzt jeglicher Einmischung enthalten; nach diesem unerwarteten Schlage aber wandten sie nun alle ihreUeberredungskunft an, ihm zu Hilfe zu kommen. In allen Tonarten flehte und befahl die arme Frau Lancelot, den Rath des Arztes zu befolgen, während Germaine ihren Arm um Estelles widerspenstiges Köpfchen geschlungen hielt und sie mit ihren Küssen zu erweichen versuchte. Nein, nein," widerholte indeß Estelle hartnäckig. Und als Lepage von Neuem den Mund öffnete, sprang sie von ihrem Ruhebett auf, stellte sich zitternd, die Hände, an die Ohren haltend, vor ihn hin und rief außer sich: Nun habe ich genug gehört. . Ich will nichts von Einspritzung und Untersuchung wissen, nichts, gar nichts! Ich will nicht! Lassen Sie mich wenigstens in Ruhe ster-ben!"

14. K a p x 1 1 1. alb ohnmächtig fiel sie in die Arme Germaines und Frau Lancelots,die beide verstummt waren, während Lepage, viel-

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leicht zum ersten Male in seinem Leben aus der Fassung gebracht, zurückwich. Plötzlich aber sah Gerbault, der sich aus Zartgefühl in eine Ecke zurückgezogen hatte, den Doktor auf sich zukammen. So probire doch Du Dein Glück bei ihr! Dir wird es vielleicht gelingen, sie zu überreden." Mit dem alten, bitteren, höhnischen Ausdruck hatte Lepage diese Worte hervorgestoßen, während er seinen Freund, der keinen Widerstand zeigte, heftig vorwärts trieb. So wenig Erfolg Vincent sich auch davon versprach, so durfte doch aber nichts unversucht bleiben. . Er setzte sich auf den Stuhl, den Estelle ihm anzuweisen Pflegte, und sagte in seinem gewohnten, heiter scherzenden Tone: Sie wissen, Fräulein Estelle, daß ich schon manchen Tadel von Ihnen eingesteckt habe und mir jetzt wohl erlauben kann, mich einmal zu revanchiren. Ei, ei, wer wird so unvernünftig fein!" Der Klang seiner Stimme beruhigte sie sofort, und mit verhältnißmäßiger Geduld hörte sie seinen, den alten Gegenstand behandelnden Worten zu, ohne sich indeß davon überzeugen zu lassen. Ich will keine Arzneien mehr, und die seinigen noch weniger als die von irgend einem anderen," wiederholte sie, indem sie einen tiefen, arollenden Blick nach dem am anderen Ende des Zimmers zurückgebliebenen Lepage warf, zu oem i:cy iveoen aucy Germaine gesellt hatte. Es schien, als ob die beiden große Hoffnungen auf Vincents Einfluß setzten und ihn ungestört handeln lassen wollten. Da Estelle die Stimme gedämpft hatte, sprach auch er unwillkürlich leiser: Vertrauen Sie mir es an, was hat Ihnen denn der arme Lepage gethan,.daß Sie ihn so schlecht behandeln?" Er ist Arzt," murmelte Estelle schmollend. Noch immer das alte Vorurtheil? Und was weiter?" Er ist so entsetzlich häßlich," antwortete sie lachend. Nein, wirklich gar zu häßlich." Nun, ich werde ihn schön finden, wenn er Sie gesund gemacht hat." Glauben Sie wirklich, daß er das könnte?" Ich bin fest davon überzeugt." Estelles Augen strahlten. Man hätte glauben können, ein glänzendes Zukunftsbild ersiehe plötzlich vor ihrem Geiste, während Vincent in warmem Tone fortfuhr: Bedenken Sie doch, welch ein Glück, wieder gesund zu sein, sich frei bewegen, die frische Luft einathmen und das Leben genießen zu können! Vor allem bedenken Sie, wie glücklich Sie Ihre arme Tante und besonders Ihre Schwester machen würden, die Sie so grenzenlos liebt, ebenso wie Ihre Freunde, die auch nicht dergessen sein wollen." Plötzlich mußte das sonnige Trugbild verschwunden sein, denn Estelles Blick hatte sich wieder verfinstert, als Vincent schloß: Man müßte eine sehr selbstsüchtige Natur sein, wollte man den Seinigen ein solches Glück versagen. Ich bitte Sie, damit ich ohne Sorge fortgehen kann, machen Sie mir die große Freude und sagen Sie ja." Nein." Halb erstickt, als werde Estelle das Sprechen schwer, kam dieses Nein von ihren Lippen. Aber das ist ja unerhört!" rief Bincent in jenem brüderlich scheltenden Tone, den sie ihm schon lange gestattet hatte. Dann lieben Sie also überHaupt Niemand, nicht einmal Ihre Schwester?" Ich, und Germaine nicht lieben!" Bebend vor Empörung richtete sich Estelle in die Höhe. Nun dann also thun Sie es Germaine zuliebe." Ihr zuliebe o nein!" Sanft wie ein Ausfluß der Zärtlichkeit klang dieses Mal das Nein, während Estelles Blick mit seltsam strahlendem Ausdruck ihre schwesterliche Freundin suchte. Alles Zureden war umsonst gewesen, und so mußte man sich trennen, dieses Mal ohne die Hoffnung, sich am nächsten Tage wiederzusehen. Leben Sie wohl. Herr Doktor. Auf Wiedersehen, Herr Hauptmann!" Warum dieser Unterschied? War es nicht auch bei Vincent ein Abschied für's Leben? Würde er sie nach seiner Rückkehr wohl noch wiederfinden, die süße, kleine Freundin, die ihn bei seiner Ankunft so liebenswürdig begrüßt hatte, die ihn allein noch, an dieses Saus fesselte, und mit deren Tode er ermaine vollends ganz verlieren mußte? Eine tiefe Rührung ergriff ihn plötzlich, und da er nicht wußte, wie er sie r n rv . .,1 . r w , onii zum nusorucc ormgen loine, ührte er Estelles zarte Fingerchen, die ie ihm willig überließ, an feine Lippen, indem er sagte: Gestatten Sie die alte Sitte. Frau Prinzessin von Lamballe." Ohne den Muth zu haben, noch et--was hinzuzufügen, ohne die Freundinnen anzusehen, die Beide errötheten. als gelte ihnen gemeinschaftlich diese Huldigung, verließ er hastig das Zimmer. In der Vorhalle griff Lepage eilig zu Hut und Stock. Ich habe noch einen Ausgang zu machen. Warte rlicht auf mich," sagte er davoneilend. Vincent schenkte seinen Worten kaum

Beachtung, war er doch selbst froh, allein zu bleiben und so der Nothwendigkeit überhoben zu fein, die ihn bewegenben Gefühle entweder zu verheimlichen, oder sie einzugestehen. Wi? hätte Lepage ihn wegen seiner jugendlich - schwärmerischen Liebesgeschichte und deren alltäglichem Ende verspottet! Erst im Kasino und später im Offiziersklub wunderte er sich über Lepages Ausbleiben. Als er dstvn an seine Wohnung kam und die Fenster erleuchtet sah. sagte er., den Kopf schüttelnd, zu sich selbst: Was ihm nur eingefallen sein mag, allein zu essen und nach Hause zu gehen?" Vor dem Kamin im Salon stand Lepage über einen Gegenstand gebeugt, von dem er beim Geräusch der aufgehenden Thüre erschrocken zurückfuhr. Er sah müde oder verstimmt aus. und zum ersten Male mußte sich Vincent seinem Freunde gegenüber eingestehen, welch zerstörende Macht die Liebe selbst auf die älteste Freundschaft auszuüben vermag. Wenig nur hatte er sich während dieses kurzen Beisammenseins um Lepage gekümmert, und auch an diesem letzten Abend fühlte er sich nicht dazu aufgelegt, das Versäumte nachzuholen Wo hast Du denn die ganze Zeit gesteckt?" Ich mußte ja doch diesen alten Esel von Doktor aufsuchen." Lepage erhob sich und ging außerhalb des Lichtkreises der Lampe mit hastigen Schritten auf und ab. Dieses Kameel. dieser Tölpel, der sie behandelt!" fuhr er in wachsender Erregung fort. Ihm hat sie eine Untersuchung gestattet, und so konnte er mir wenigstens einige sachliche Aufklärung geben." Und was hat er gesagt?" fragte Vincent, etwas erstaunt über die andauernde Fürsorge seines Freundes. Nun, sie ist natürlich verloren, icb dachte es mir wohl." Bitter lachte Lepage auf, und laut aufstampfend ging er auf und ab, daß der Boden unter seinen Füßen erdröhnte. Plötzlich blieb er vor Vincent stehen. Warum hast Du mich hierhergerufen, da Du und Ihr alle doch mußtet, daß nichts mehr zu machen ist? Warum hast Du mich gezwungen, sie auch noch zu quälen unnütz zu quälen?" Ich?" rief Vincent, bestürzt über diese Fluth von Vorwürfen. Wieder verfiel Lepage in seinen' heftigen Schritt, und unzusammenhängend klangen die Worte zu Vincent herüber. Ja, Du, Du! Und eine noch ganz andre Verantwortung hast Du auf dem Gewissen. Nicht wahr, sie befand sich nicht in diesem trostlosen Zustand, als Du kamst? So antworte doch! Diese nervöse Erregung, wovon Du sprachst, die ist erst seit zwei bis drei Monaten vorhanden, und die Hauptsächlich hat ihr den Rest gegeben. Lange hätte sie vielleicht auch ohne Dein Dazwischentreten nicht mehr gelebt, aber wahrscheinlich wäre sie nicht so rasch und jedenfalls glücklicher gestorben." Was willst Du damit sagen?" Vincent zog seinen Freund zur Lampe, und erschreckt über sein verstörtes Aussehen, fielen ihm plötzlich jene bei überarbeiteten Menschen vorkammenden Fälle plötzlicher Geistesstörung ein. Lepage fuhr, in seinen alten, langsamen, spöttischen Ton zurückfallend, fort: Du hast natürlich von all dem nichts gemerkt, nicht wa".? Du mußtest Dich ja um Germaine bemühen und der Schönen mit den Blumenaugen den Hof machen! Was kümmerte Dich das Uebrige? Wie hättest Du da noch Sinn und Interesse für die arme Kleine haben können, die Dich liebt und an dieser Liebe dahinsiecht?" ..Estelle?" Wie ein Blitzstrahl durchzuckte es Vincents Hirn, und mit erschreckender Klarheit ward ihm klar, was er bis jetzt nicht gesehen, vielleicht absichtlich nicht gesehen hatte. Wie kommst Du dazu," schrie er Lepage an, mir so etwas zu sagen! Woher willst Du das wissen?" Mißtrauisch, fast feindlich standen sie sich einen Augenblick gegenüber. Da erhellte ein neuer Lichtfunke das Dunkel, in dem ihre Freundschaft unterzugehen gedroht hatte. In Vincent war plötzlich ein Verständniß aufgegangen. Bernhard, mein armer Bernhard!" Das häßliche, spöttische Gesicht des Doktors verzerrte sich schmerzlich und trug einen Ausdruck, wie Vincent ihn nur einmal an ihm gesehen hatte: am Todestage von Lepages Mutter. Doch schon hatte er sich wieder in's Dunkel geflüchtet. Ja. ja," murmelte er, sie stirbt, sie verabscheut mich, und ich ich liebe sie." Eine unheimliche Stille trat ein, aus der sich plötzlich wieder kalt und höhnisch die Stimme des Doktors erhob: Muß man nicht die Spitzfindigkeit und sozusagen unübertreffliche Vollkommenheit meines Unglücks bewundern? Noch niemals hatte ich wirklich geliebt; dies ist meine erste und folglich auch meine einzige Liebe. Und diese reinste, edelste, kraftvollste Empfindung, diese Blüthe des Lebens, an deren Duft sich so manche erfreuen, während andre sie frevelhaft entblättern: diese Liebe soll ich nun auf ein frisches Grab niederlegen? Und wem geschieht dieses Unglück? Einem Arzt und Philosophen. Vom ersten Tage an habe ich mein Leiden ebenso genau erkannt als das ihrige und gewußt, daß wir Beide unheilbar sind. Mir blieb folglich keinen Augenblick eine wohlthuende Täuschung oder auch nur der geringste Trost. In mir

yat rne arme Kranke mqts andres gesehen als den Possenreißer oder ihren Peiniger; niemals wird sie andre Gefühle für mich hegen. Ebensosehr wie sie Dich liebt, bin ich ihr zuwider. Und gerade Du, mein bester Freund, Du mußtest sie mir rauben um sie zu tödten. Wenn ich höre, wie sie ihre arme kranke Brust durch Singen noch kränker macht, so weiß ich, daß sie es nur thut, weil ihr Herz schon gebrochen ist, und wenn sie mir nicht einmal erlaubt, wenigstens einen Heilversuch zu machen, so geschieht es nur, weil sie Deinetwegen nicht mehr am Leben hängt. Nein, widersprich mir nicht. Verzeih, wenn mich in diesem Augenblick etwas wie Haß gegen Dich erfüllt, und versuche vor allem nicht, mich zur Vernunft bringen zu wollen. Damit werde ich fchon allein fertig. Nur ein bischen Zeit brauche ich dazu. Wenn wir uns wiedersehen, wird sie todt sein, und ich bin dann wieder dieses Mal aber alles Ernstes ein alter Mann. Ich werde Geld verdienen und Dir Moral predigen. Wir werden wieder wie früher zusammen lachen und scherzen, und niemals wird ihr Name auf unsre Lippen kommen. Heute Abend aber könnte ich das noch nicht, auch morgen nicht. Du mußt frühzeitig abmarschiren, es ist also besser, wir sagen uns schon heute Lebewohl. Gute Nacht, lieber freund, gute Nackt." (Fortsetzung folgt.) Zigeuner in Dnkel Sams Land. Ihre Berufsarten und die Wandlung ihre erbten Gepflogenheiten. Während in Europa die Zigeuner sich noch heute fast ausschließlich von den übrigen Bewohnern separirt halten und ein Nomadenleben führen, haben sie sich in den Ver. Staaten zum großen Theile seßhaft gemacht und die Gepflogenheiten ihrer Vorfahren abgelegt. In der Stadt New York sind sie sogar vielfach Mischehen eingegangen, ein Beispiel, das in der alten Welt nicht oder nur höchst selten zu verzeichnen ist. Die aus solchen Ehen hervorgegangenen Halbblut-Zigeuner bethätigen sich zumeist als Ladeninhaber. In Kellern an der unteren Ostseite Gothams" kann man sie Körbe, Zinn- und Töpferwaaren feilbieten sehen. In der Houston-Straße existiren mehrere Kafes, die speziell von ungarischen Zigeunern frequentirt werden. Man he von ihnen sind noch reinblütig, und man kann sie von den Halbblut-Zigeunern unter Anderem dadurch unterscheiden, daß sie beim Gehen, ähnlich wie die Indianer, ihre Füße nicht schräg nach außen setzen, sondern parallel zu einander. Die meisten der an der Ostseite New Forks wohnenden Zigeuner stammen aus dem südöstlichen Europa. Nicht wenige von ihnen gehören dort ungarischen Orchestern an und Produziren jene flüchtige, verwirrende, fast bezaubernde Musik, die Liszt dermaleinst als die einzige Religion der Zigeuner" bezeichnete. Diejenigen eingewanderten Zigeuner, die sich von Mischehen noch zurllckgehalten haben und in deren Blut noch die Ruhelosigkeit ihrer Vorfahren brodelt, bethätigen sich vielfach als Hausirer. Sie handeln mit Schmuckfachen und Flitterkram, die sie in Körben am Arme tragen. Andere ziehen mit Schleifkarren die Straße entlang und bieten den Leuten ihre Dienste als Messer- und Scheerenschleifer an. Eine Zahl, meist aus Deutschland, Ungarn und Frankreich kommende Zigeuner sind Kesselflicker und Messerschmiede. In den Landdistrikten in den Ver. Staaten leben die Zigeuner in der Mehrzahl noch in Stämmen zusammen und befleißigen sich des Wanderns, wobei -sie zu kürzeren oder längeren Ruhepausen da oder dort ein Lager aufschlagen. Doch auch sie haben manche der Gewohnheiten ihrer europäischen Stammesgenossen aufgegeben. Ihre Trauungen und Begräbnisse ermangeln der geheimnißvollen Ceremonien, wie sie bei den Zigeunern der alten Welt noch im Schwange sind. So war z. B. die Beerdigung der vor einiger Zeit verstorbenen ZigeunerMutter" Sibbie Riley in Plainfield. N. I., eine so einfache Affäre, wie das Begräbniß eines bescheidenen, demüthigen Christen. Bei der Feier waren etwa 300 Angehörige des Harrison-Cooper-Stanley-Stammes, sowie viele andere Zigeuner aus dem fernen Westen der Union und aus England anwesend. Mutter" Sibbies Enkelin, Posie Harrison, stand am Grabe, und obwohl nach den Bestimmungen des Stammes ihre baldige Erwählung zur Königin" desselben bevorstand, weinte sie aus Gram über den Tod ihrer Großmutter wie ein Kind. Sogar die Landzigeuner sagen ihrem Nomadenleben allmälig Valet, bauen Häuser und erküren sich feste Wohnsitze. So gibt es schon in Pennsylvanien mehrere Zigeunerdörfer, wie eines in der Nähe des erwähnten Plainfield. - Radikales Mittel. Die Behörden von Nord-London wenden eine neue Methode an, um die Ueberfüllung der Straßenbahnwagen zu verhüten. Sie haben ausfindig gemacht, daß die Verhaftung und Bestrafung der Kondukteure zu diesem Zweck nicht genügt, und lassen deshalb Passagiere, auch Frauen, welche sich mit Gewalt in vollbesetzte Wagen drangen, verhaften, und legen ihnen eine Geldbuße auf, weil sie Kondukteuren helfen und sie veranlassen," das betreffende Gesetz zu verletzen.

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Washington Stt i No. 10 Spritzenhaus IllinoiS u Merrill ZL Illinois n Louisiana iS West und Eoutt) i4 West und McCartY 49 Senat Ave. u Henry 37 Meridian und Rad 5 No. 4 Spritzenhaus MadffonSv.nMorri 09 Madion Slv. u Dunlop tt No Haken Leiterhau Louth nah Delavar 3 Penn, u Merrill 33 Delaware u. McCartV aft und WrSartt) New Jersey u. MerriN 7 Birg. v. u radsha 63 Saft und Prospekt SB Bicking und High n 91o. 11 Spritzenhau Lir Ave. nah Hur, 7 East und Georgia 73 Ceda, und Elm 74 Davidson u Georgia n English Av. u Pin 76 Shelby und Bäte No. 3 Spritzenhau Prospekt nahe Shelby 19 Fletcher Av. u Shelby öl Market u. New Jersey 02 Delaware und Wash SZ East u Washington St New York. Davids Sb Taubstummen Anstalt SS Lcr. Staaten Arsenal S7 Oriental und Wash. SS Frauen-Reformat. 91 No. 13 Spritzenhau Maryland nahe Mer. !L Meridian u. Veorqia. es Meridian und South 4 Pennsvlv u. Louisiana 5 Virgini Ave u. 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Schlag, Wasserdruck ab. 1 Schlag, 1 Uhr Mittag. Die so bezeichnete Signale werden nur 0 Thur Wächter angegeben da an den betreffende Straß, keujunge keine AlarmköSen angebracht find Chicago und der große Nordweft, bi 11 lil II; Cgfcsasjeatafe! laska-VawaU VHiliHPWe Insel. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. tSV Bon der Monon 47. Str. Station, Chicago, sind nur 5 Minuten mittelst elektrischer Car na en Union Biehböfen irrench JLick Spring, i dem Orange Eounty Hochland. Iamlllen-Hotei unter neuer GeschäftSIeitung. Pluto, Proferpine ind Bowle Quellen. Beste Mineralwasser der elt. Zwei Züge täglich via Sreencastle. Ticket-Officen : Union Station, Massachusetts ve nd öS West Washington Strafe. R. P.Alge, Distrikt Bass. Agent. Indianapolis, Jnd. . H.MeDoel, E. H. R 0 w eil. . s. und en. Mgr. errleoeieiier Frank J. Reed, eu.Paff. gent. Chicago, Jll.

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